Markiere dir den 16. März 2026 dick in deinem Kalender, denn dann verwandelt sich das Dolby Theatre in Los Angeles wieder in das Epizentrum der Filmwelt. Die 98.
Academy Awards versprechen eine Rückkehr zu klassischer Hollywood-Eleganz, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor, da kein Geringerer als Conan O’Brien als Gastgeber durch die Nacht führen wird. In einer Zeit, in der das Kino zwischen Kino-Blockbustern und Streaming-Perlen schwankt, fungiert die Oscar-Nacht als kultureller Gradmesser. Wer wissen möchte, ob Favoriten wie One Battle After Another (2025), Marty Supreme (2025) oder Blood & Sinners (2025) tatsächlich abräumen oder ob ein Außenseiter wie Train Dreams (2025) das Feld von hinten aufrollt, sollte schon mal den Wecker stellen, um den Moment der Entscheidung nicht zu verschlafen.
Wann und wo du mitfiebern kannst
Die Nominierungen wurden bereits am 22. Januar 2026 bekannt gegeben und haben eine hitzige Debatte über die diesjährigen Favoriten entfacht. Die Gala startet in den USA am Sonntag, 15. März 2026, um 16:00 Uhr Ortszeit in Los Angeles. In Deutschland verschiebt sich das Ereignis durch die Zeitdifferenz in die Nacht auf Montag: Der Red-Carpet-Countdown beginnt um 23:45 Uhr, die Preisverleihung folgt ab etwa 1:00 Uhr MEZ. Die komplette Oscar-Nacht läuft bei ProSieben live im Free-TV. Parallel dazu kann die Show auch per Livestream über Joyn verfolgt werden.
Die „Bester Film“-Favoriten, über die jeder spricht
Blood & Sinners (2025)
Blood & Sinners (2025) hat bereits vor der eigentlichen Verleihung Geschichte geschrieben, indem er mit sage und schreibe 16 Nominierungen den Allzeit-Rekord von Klassikern wie Titanic (1997) gebrochen hat. Regisseur Ryan Coogler entführt uns in das Mississippi der 1930er Jahre und mischt eine düstere Vampir-Mythologie mit tiefgreifenden sozialen Themen.
Das Alleinstellungsmerkmal dieses Films ist seine schiere Kühnheit: Er ist ein „Elevated Horror“-Epos, das gleichzeitig als hochkarätiges Drama funktioniert. Dieser Titel ist perfekt für Zuschauer, die atmosphärische Dichte und eine kompromisslose Bildsprache lieben. Im direkten Vergleich zu One Battle After Another, einem politisch aufgeladenen Action-Thriller mit satirischer Gesellschaftskritik, wirkt Blood & Sinners fast opernhaft und audiovisuell geradezu überwältigend.
Für Fans von Michael B. Jordan ist der Film ohnehin Pflicht: Er liefert hier vermutlich die intensivste Leistung seiner Karriere und beweist, dass auch Horror oscarwürdiges Schauspiel bieten kann.
One Battle After Another (2025)
Paul Thomas Anderson liefert mit One Battle After Another ein 13-fach nominiertes Meisterwerk ab, das als schärfster Konkurrent um den Hauptpreis gilt. Leonardo DiCaprio spielt einen komplexen Charakter in einer Geschichte, die zwischen politischem Thriller und absurder Farce schwankt. Das Besondere liegt in Andersons einzigartiger Regieführung, die sperrige Themen in eine flüssige, fast berauschende Erzählweise packt.
Der Film richtet sich an ein anspruchsvolles Publikum, das bereit ist, über Metaphern nachzudenken und sich auf eine unkonventionelle Struktur einzulassen. Während Marty Supreme (2025) eine sehr lineare, wenn auch schnell und nervös erzählte Story präsentiert, fordert Anderson seinem Publikum deutlich mehr Aufmerksamkeit ab. Sein Werk zeigt, dass klassisches Autorenkino im Duell mit spektakulären Studio-Epen wie Blood & Sinners (2025) keineswegs auf verlorenem Posten steht.
Ein Blick auf die Hauptdarsteller: DiCaprio spielt deutlich subtiler als Michael B. Jordan oder Timothée Chalamet, was das Rennen um den Goldjungen auch in der Best-Actor-Kategorie so spannend wie selten zuvor macht.
Hamnet (2025)
Hamnet (2025) erinnert uns an die Kraft menschlicher Verbundenheit. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, die tiefe Einblicke in Trauer, Liebe und menschliche Verletzlichkeit erlaubt. Während Marty Supreme von hektischer, urbaner Energie lebt, setzt Hamnet auf eine beinahe heilende Stille, die das Drama umso heftiger macht.
Der Fokus liegt konsequent auf den inneren Konflikten und dem Schmerz der Figuren. Dadurch entsteht eine intensive Nähe zu den Charakteren, die das Publikum emotional mitten ins Herz trifft.
Ein bemerkenswertes Detail: Die Dreharbeiten erfolgten fast ausschließlich bei natürlichem Licht, wodurch die Bilder eine besondere Authentizität gewinnen. Die fantastische Kameraarbeit unterstreicht die subtilen Nuancen des Spiels und verstärkt die emotionale Wirkung. In Kombination mit der ruhigen Erzählstruktur macht dies Hamnet zu einem Film, der ähnlich wie Train Dreams die Kraft leiser Momente unterstreicht.
Train Dreams (2025)
Clint Bentley liefert mit Train Dreams eine meditative Charakterstudie über einen Tagelöhner im Wilden Westen des frühen 20. Jahrhunderts. Das Werk ist der Inbegriff der totalen Entschleunigung, die den Zuschauer zwingt, jede Nuance der Landschaft und des schauspielerischen Ausdrucks von Hauptdarsteller Joel Edgerton aufzusaugen.
Im direkten Vergleich zum opulenten Spektakel von Blood & Sinners wirkt Train Dreams beinahe wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – und gewinnt dadurch eine eigenwillige, fast sakrale Qualität. Während One Battle After Another und Marty Supreme mit bissigen Dialogen arbeiten, setzt Train Dreams konsequent auf Stille und Beobachtung.
Dieser Film ist ein Außenseiter im Rennen, aber genau deshalb so wertvoll, weil er die Bandbreite der diesjährigen Nominierten perfekt abrundet. Wer die Poesie der kleinen Momente auf der Leinwand schätzt, dürfte hier fündig werden.
The Secret Agent (2025)
The Secret Agent (2025) von Kleber Mendonça Filho ist ein hochkomplexer Politthriller, der die Academy durch technische Präzision und ein scharfes Drehbuch überzeugt hat. Der Film rekonstruiert die brasilianische Diktatur von 1977 atmosphärisch dicht und zieht den Zuschauer in ein Netz aus Paranoia, Verrat und systemischer Gewalt.
Wagner Moura spielt dabei einen Mann, der zwischen Machtmissbrauch und persönlicher Ohnmacht gefangen ist – seine Performance vermittelt eindringlich die Verzweiflung eines Opfers in einem repressiven System. Der Thriller richtet sich an Zuschauer, die subtile Inszenierung und historische Tiefe schätzen.
Im Vergleich zur emotionalen Wucht von Hamnet wirkt The Secret Agent kühl, analytisch und kontrolliert – ein Stil, der seine gesellschaftspolitische Botschaft präzise transportiert. Gegenüber dem anarchischen Ansatz von One Battle After Another folgt der Film einer klaren Linie und demonstriert meisterhafte Kontrolle über das Medium – disziplinierte Filmkunst im besten Sinne.
Marty Supreme (2025)
Regisseur Josh Safdie katapultiert das Publikum mit Marty Supreme in die exzentrische und hochdynamische Welt des Tischtennis-Genies Marty Mauser und liefert damit das energetischste Werk des gesamten Oscar-Jahrgangs ab. Timothée Chalamet verkörpert diese Rolle mit einer faszinierenden Mischung aus Arroganz und tiefsitzender Verletzlichkeit, wobei das eigentliche Alleinstellungsmerkmal in der audiovisuellen Gestaltung liegt: Ein Bombardement aus Bildern und emotional überquellenden Dialogen lässt Martys manische Besessenheit in jeder Szene greifbar werden.
Obwohl der Film in den 1950er-Jahren spielt, ist der Soundtrack mit anachronistischen Synthie-Hits der 80er-Jahre gespickt, was den Eindruck, einen stylischen Fiebertraum zu erleben, nur noch unterstreicht. Im krassen Gegensatz zur meditativen, fast schon sakralen Stille von Train Dreams ist Safdies Streifen ein kinetisches Kraftpaket, das den Puls der Zuschauer ordentlich in die Höhe treibt.
Marty Supreme ist ein absolutes Muss, nicht nur für ein junges, hippes Publikum, das Chalamet in seiner bisher kantigsten Performance erleben möchte. Er trainierte monatelang, um die Ping-Pong-Szenen ohne CGI-Tricks authentisch umzusetzen. Seine Figur verkörpert eine nervöse, kaum zu bändigende Energie – im deutlichen Kontrast zur fast schon Lebowski-artigen Performance von Leonardo DiCaprio in One Battle After Another.
Regisseure, die du im Auge behalten solltest
Ryan Coogler
Ryan Coogler hat mit Blood & Sinners (2025) bewiesen, dass er derzeit einer der fähigsten Regisseure für große, intelligente Stoffe ist. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Fähigkeit, komplexe soziopolitische Themen in eine massentaugliche, aber dennoch hochanspruchsvolle Genre-Struktur zu gießen. Er richtet sich an ein breites Publikum, das sowohl Spannung als auch Tiefgang erwartet und Cooglers einzigartige visuelle Sprache schätzt. Coogler zeigt, dass das moderne Blockbuster-Kino eine Seele haben kann, die weit über reine Unterhaltung hinausgeht. Seine Nominierung ist die verdiente Krönung einer Karriere, die konsequent auf Qualität setzt.
Paul Thomas Anderson
Paul Thomas Anderson festigt mit One Battle After Another seinen Status als einer der bedeutendsten lebenden Filmemacher der USA. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die absolute Kontrolle über Bildkomposition und Dialogführung, die eine fast schon rauschhafte Atmosphäre erzeugt, die man so bei keinem anderen Nominierten findet. Er richtet sich an ein erfahrenes Kinopublikum, das die psychologische Tiefe und die feinen Nuancen seiner Inszenierung zu schätzen weiß. In einer Zeit standardisierter Filmformate bricht er jede Regel und zwingt sein Publikum zum genauen Hinsehen. Er bleibt der unangefochtene Goldstandard für anspruchsvolles Autorenkino innerhalb der diesjährigen Academy-Auswahl und ist ein heißer Anwärter auf den Regie-Oscar.
Kleber Mendonça Filho
Mit The Secret Agent hat Kleber Mendonça Filho bewiesen, dass er meisterhaft darin ist, politische Spannungen in packende Bilder zu übersetzen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die chirurgische Präzision, mit der er die Korruption und das Misstrauen innerhalb eines Unterdrückungsapparates seziert. Sein Film dient als Warnung vor dem schleichenden Verlust demokratischer Werte. Filho findet das Unbehagen im Alltäglichen, was eine ganz eigene Art von filmischer Spannung erzeugt. Er ist der visionäre Kopf hinter einem der wichtigsten internationalen Beiträge der diesjährigen Saison und ein verdienter Nominee in der Kategorie „Beste Regie“.
Chloé Zhao
Chloé Zhao beweist mit Hamnet erneut, warum sie zu den bedeutendsten Stimmen des modernen Kinos gehört. Ihr gelingt es, die innersten Gefühle ihrer Figuren nach außen zu kehren, wodurch ihre Werke eine fast transzendente Qualität erhalten. Zhao erzählt Geschichten stets auf eine Weise, die zeitlos, geerdet und zutiefst menschlich wirkt. Zhao lädt ihr Publikum ein, Kino nicht nur als Unterhaltung zu sehen, sondern als Raum für Empathie, Reflexion und emotionale Begegnung. Diese Fähigkeit, intime menschliche Erfahrungen universell erfahrbar zu machen, zieht sich konsequent durch ihr Gesamtwerk.
Josh Safdie
Josh Safdie bringt mit Marty Supreme eine völlig neue, fast schon manische Energie in das Feld der nominierten Regisseure dieser Saison. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die rasant beschleunigte Inszenierung, die den Zuschauer direkt in die obsessive Welt seiner Protagonisten katapultiert und dabei keinen Moment der Ruhe zulässt. Er richtet sich an ein modernes, dynamisches Publikum, das Filme wie einen Adrenalinstoß erleben möchte und keine Angst vor unkonventionellen Erzählformen hat. Safdies Stil wirkt fast schon anarchisch, ist aber in Wahrheit bis ins kleinste Detail durchgeplant. Er fängt das Lebensgefühl einer Generation ein, die ständig unter Strom steht und deren Wahrnehmung durch ständige visuelle Reize geprägt ist.
Die Oscars 2026: Favoriten, auf die wir setzen
Für die 98. Oscar-Nacht am 16. März 2026 deutet alles auf einen historischen Triumph von Blood & Sinners in der Kategorie „Bester Film“ hin. Viele prognostizieren, dass Ryan Cooglers Werk die meisten Trophäen mit nach Hause nehmen wird, da es die perfekte Brücke zwischen Massengeschmack und künstlerischem Anspruch schlägt.
Dennoch hoffen wir auf eine Überraschung für Paul Thomas Anderson, dessen Regiearbeit in One Battle After Another als die intellektuell mutigste der Saison gilt. Auch die Nominierung von The Secret Agent zeigt, dass die Academy dieses Jahr Filme bevorzugt, die eine starke emotionale oder politische Aussage besitzen.
In der Kategorie „Best Actor“ liegt Timothée Chalamet für Marty Supreme vorne, denn seine energetische Performance zeigt die eindrucksvollste physische Transformation des Jahres. Jessie Buckley beweist in Hamnet, dass sie das Zeug zur besten Hauptdarstellerin hat. Für seine brillante Performance in One Battle After Another gilt Sean Penn als heißer Kandidat für den Oscar als bester Nebendarsteller.
Ob sich die Prognosen bestätigen oder die Oscars für Überraschungen sorgen, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Dieser Filmjahrgang wird als einer der stärksten in die Geschichte des Kinos eingehen.