
Zwischen Glamour und Abgrund: Die besten Filme und Serien mit Jacob Elordi
Jacob Elordi ist so etwas wie Hollywoods schönster Widerspruch: Ein Schauspieler, der noch immer oft als hübsches Gesicht besetzt wird – und trotzdem beginnt, sich aus dieser Oberfläche freizuspielen. Nach Teenie-Rollen und Glanzprojekten wie The Kissing Booth und Euphoria wagt er sich zunehmend dorthin, wo Schönheit zur Last wird.
Seine Filmografie gleicht mittlerweile einem Parcours durch Obsessionen, Machtspiele und moralische Brüche: vom aristokratischen Dandy in Saltburn über den gefallenen Helden in The Narrow Road to the Deep North bis zum Monster selbst in Guillermo del Toros Frankenstein. Die folgenden Filme und Serien zeigen, wie er mit Rollen zwischen Begehren und Selbstzerstörung seine eigene Identität als Schauspieler formt.
Drei Filme, ein Phänomen – und der Startschuss einer Karriere, die wohl keiner kommen sah. In The Kissing Booth spielt Jacob Elordi den Highschool-Traum Noah Flynn: Impulsiv, sportlich, ein wandelndes Klischeebild jugendlicher Attraktivität. Der Netflix-Erfolg machte ihn weltweit bekannt, aber auch zur Blaupause jener „Streaming-Schönlinge“, die mehr Deko als Drama sind.
Trotz aller Klischees bringt Jacob Elordi einen gewissen Charme und physische Präsenz ein, die den simplen Plot über Teenagerliebe zumindest schauspielerisch etwas über das Durchschnittsmaß heben. Rückblickend wirkt die Trilogie wie das glänzende Gegenbild zu allem, was Jacob Elordi danach spielen sollte: ein Laborversuch in Oberflächlichkeit, aus dem ein ernsthafter Schauspieler hervorging.
In Daniel Minahans unaufgeregten Adaption von Shannon Pheadras gleichnamigen Roman wird Jacob Elordi zum Symbol junger Freiheit in einer repressiven Nachkriegszeit. Er spielt Julius, den unberechenbaren Schwager der Protagonistin Muriel (Daisy Edgar-Jones), der sich mit ihr in einem Netz aus Begehren, Geheimnissen und Schuld verstrickt.
Das Drama, in greller 1950er-Ästhetik gehalten, verlässt sich (allzu) sehr auf Jacob Elordis verletzlicher Körperlichkeit: Sinnlich, rastlos, fast gefährlich. Während andere Rollen ihn als Machtfigur zeigen, ist er hier die Versuchung und ein Archetyp des Verlorenen. On Swift Horses ist ein stiller, beinahe träger Film über Sehnsucht, und Jacob Elordi wird darin zur Projektionsfläche einer Generation, die sich nach Intensität sehnt.
In dieser klug komponierten Horror-Anthologie zeigte Jacob Elordi früh, dass er mehr kann als Teenie-Romantik. The Mortuary Collection verwebt mehrere morbide Geschichten um eine Bestattereinrichtung und erzeugt dabei, trotz wechselnder Tonlagen, eine beständige Atmosphäre aus Unbehagen und schwarzem Humor.
In einer der Geschichten spielt er einen Studenten, dessen überheblicher Charme ihn in eine tödliche Falle führt. Der Film selbst ist ein Liebesbrief an das klassische Gruselgenre, gespickt mit makabrem Witz und handwerklicher Raffinesse. Jacob Elordi nutzt seine kurze Screentime, um Präsenz zu beweisen. The Mortuary Collection wurde zum Geheimtipp für Genrefans – und für den Schauspieler zum ersten Beweis, dass hinter seiner Eleganz ein Gespür für das Abgründige steckt.
Paul Schrader, der ewige Chronist der moralisch Zerrissenen, versammelt in Oh, Canada eine Reihe von Erinnerungsfragmenten eines alternden Filmemachers. Jacob Elordi spielt dabei die jüngere Version der Hauptfigur Leonard Fife – ein ehrgeiziger, unruhiger Mann, der auf der Flucht vor sich selbst ist.
Die Rolle fordert ein Spiel zwischen Melancholie und Größenwahn – und Jacob Elordi liefert. An der Seite von Richard Gere deutet sich in seinem nuancierten Spiel an, dass seine wahre Stärke im Leisen liegt. Oh, Canada ist kein Film für Massen, sondern ein intimes Psychogramm und der Schauspieler beweist, dass er auch in Paul Schraders intellektueller Welt bestehen kann.
Sofia Coppolas Priscilla dekonstruiert den Mythos “Elvis Presley” – und Jacob Elordi ist ihr idealer Partner dafür. Statt den Rockstar als Ikone zu spielen, mimt er ihn als fragiles Konstrukt aus Charme, Kontrollwahn und Einsamkeit. An der Seite von Cailee Spaeny gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig seltsam magnetisch und durchaus abstoßend zu wirken.
Anders ausgedrückt: Jacob Elordi verwandelt den König des Rock’n’Roll in einen echten Menschen, gleichermaßen getrieben von Narzissmus und Angst. Sofia Coppola filmt das als schwebendes Trauerspiel über Begehren und Abhängigkeit. Mit dieser Rolle verabschiedete sich Jacob Elordi endgültig vom Image des Teen-Idols – und fand seine neue Signatur: Verletzlichkeit mit einer gewissen gefährlichen Schärfe.
Guillermo del Toros märchenhafte Adaption des Klassikers macht Jacob Elordi zur Kreatur – zum Geschöpf, das in seiner Einsamkeit göttliche Grausamkeit spiegelt. Mit Oscar Isaac und Mia Goth an seiner Seite spielt er den geborenen Außenseiter als poetische Tragödie. Del Toro ist bekannt für seine empfindsamen Monster, doch Jacob Elordi verleiht diesem eine weitere, verletzliche Dimension: Weniger Zorn als Verzweiflung, weniger Horror als Sehnsucht.
Nicht zu leugnen ist allerdings, dass Frankenstein den Schauspieler zumindest ein Stückweit wieder auf seine körperliche Präsenz reduzieren will. Durch Jacob Elordi wird Frankensteins Schöpfung auch aufgrund seiner Schönheit zur bemitleidenswerten Kreatur, was der Vorlage etwas von seiner humanistischen Stärke nimmt, Menschlichkeit im Monströsen zu sehen – unabhängig von seiner Oberfläche.
Mit Euphoria wurde Jacob Elordi berühmt – aber nicht bequem. Seine Rolle als Nate Jacobs, der kontrollsüchtige Quarterback mit väterlichem Trauma, ist ein Meisterstück an jugendlicher Ambivalenz. Zwischen Aggression und innerer Leere, zwischen Machtfantasien und Sehnsucht nach Nähe entfaltet Jacob Elordi auch schauspielerisch eine einnehmende Komplexität.
Sam Levinsons Skandalserie über die Verlorenheit der Jugend ist formal brillant, visuell radikal und erzählerisch oftmals zu sehr auf den bloßen Schockeffekt aus. Doch Jacob Elordis Darstellung gehört zu den nuanciertesten Schurkenporträts der letzten TV-Jahre – ein Grundpfeiler seiner Karriere, der ihn weit über das Teenie-Fach hinaus katapultierte.
Emerald Fennells scharfe Satire über Klasse, Begehren und Zerstörung lebt von ihrer Plakativität – und von Jacob Elordi als Felix Catton. Er verkörpert den verführerischen Aristokraten mit so viel Beiläufigkeit, dass man ihm selbst dann die Gelassenheit glaubt, wenn er sich in Lügen verstrickt.
Saltburn ist als ein bitteres Ballett aus Manipulation, Voyeurismus und Eskalation angelegt. Jacob Elordi spielt dabei weniger den Menschen als die Projektionsfläche, auf die sich die Wünsche seines aus der Mittelschicht stammenden Freundes (Barry Keoghan) richten. Der Film selbst endet mit einer enttäuschenden Pointe, doch Jacob Elordis Leistung bleibt ein Glanzpunkt: Beängstigend schön, faszinierend leer und schwer zu vergessen.
Die australische Miniserie nach Richard Flanagans gleichnamigen Roman markiert Jacob Elordis endgültige Reifeprüfung. Als Dorrigo Evans, ein Kriegsgefangener und Überlebender des Baus der thailändischen Eisenbahnlinie, spielt er einen Mann, der zwischen auf sich geladener Schuld, belastendem Status als Held und einer unerfüllten Liebe zerrieben wird.
Jacob Elordi trägt die Serie auch in ihren traumatischen Momenten erstaunlich gut – ruhig, körperlich, ohne Pathos. Es ist eine Darstellung, die den Heldenmythos dekonstruiert und menschliche Zerbrechlichkeit, Trauma und Schmerz an seine Stelle setzt. Damit steht The Narrow Road to the Deep North in der Tradition großer Antikriegsgeschichten – mehr Seelenseismografie, weniger Schlachtenspektakel. Ohne Frage Jacob Elordis bislang beeindruckendste Leistung.

















































