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  • Geheimtipps 2025: Sieben sehenswerte Serien, die Du vermutlich verpasst hast

    Geheimtipps 2025: Sieben sehenswerte Serien, die Du vermutlich verpasst hast

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Wer Serien vor allem über Streaming-Charts, Social-Media-Buzz oder die Startseiten der Plattformen entdeckt, verpasst zwangsläufig vieles. Denn nicht jede interessante Serie wird groß angekündigt, breit diskutiert oder vom Algorithmus nach oben gespült. Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Produktionen erschienen, die leise gestartet sind, schlecht vermarktet wurden oder schlicht nicht in den hiesigen Serienkanon eingesickert sind – obwohl sie inhaltlich, formal oder politisch weit mehr zu bieten haben als vieles, was omnipräsent war. 

    Diese Liste versammelt Serien, die man leicht übersehen konnte, weil sie zwischen Genres stehen, gegen aktuelle Trends arbeiten, sich einer eindeutigen Zielgruppenlogik entziehen, und dennoch – oder gerade deswegen – einen zweiten Blick wert sind. 

    7. The Paper

    Eine Workplace-Comedy die bewusst auf leise Beobachtung statt auf laute Pointen setzt: The Paper dreht sich um eine angeschlagene Lokalzeitung, im Fokus steht Ensemble aus Redakteurinnen und Redakteuren, Reporterinnen und Praktikanten, die zwischen Idealismus, ökonomischem Druck und persönlichen Eitelkeit ihren Alltag bestreiten. Anders als klassische Büro-Comedys interessiert sich die Serie stärker für Arbeitsprozesse: Recherche, Blattplanung, interne Machtkämpfe stehen im Fokus. 

    Humor entsteht dabei eher aus Reibung, weniger aus Überzeichnung. Gerade dadurch wirkt The Paper erstaunlich zeitgemäß – als Kommentar auf Medienkrisen und Sinnsuche im Job. Wer The Office oder Parks and Recreation mag, aber auch für eine realistischere, weniger karikatureske Variante offen ist, dürfte hier hängenbleiben. Warmherzig, klug und unterschätzt.

    6. Long Story Short (2025)

    Eine prägnant erzählte Animationsserie, der das seltene Kunststück gelingt, gleichzeitig verspielt und emotional präzise zu sein: In Long Story Short sind Zeitreisen nicht bloß Gimmick, sondern Motor für ein Familienchaos, das sich über Jahre, verschiedene Versionen und „Was-wäre-wenn“-Abzweigungen entfaltet. Dass die Serie von den „BoJack Horseman“-Machern kommt, merkt man sofort: Dialoge sitzen, Figuren tragen Widersprüche offen mit sich herum, und hinter vielen Gags lauert die Frage, was Beziehungen eigentlich prägt und wie viel sie aushalten. 

    Die Zeitstruktur erlaubt schnelle Perspektivwechsel – wer war wann unfair, wer hat wann nicht hingesehen, welche kleine Moment führte zu welchem großen Schlamassel? Für Fans von BoJack, aber auch etwa von Matrjoschka (2019) ein cleveres, warmes Kopfkino, das überraschend lange im Kopf bleibt.

    5. Das Gift der Seele (2025)

    Zugegeben: Der mit viel Pathos geladene deutsche Titel dieser im Original schlicht unter The Girlfriend bekannten Serie hilft nicht gerade beim Erwartungsmanagement. Anders, als es  “Das Gift der Seele” vermuten ließe, handelt es sich bei der sechsteiligen Miniserie um eine packenden Crime-Thriller, der zuerst mit Spannung als mit psychologischer Tiefe überzeugt. Robin Wright (House of Cards) und Olivia Cooke (House of the Dragon) liefern eindringliche Performances als Mutter respektive neue Partnerin des Upper-Class-Spross’ Daniel (Laurie Davidson) ab, und geraten in ein zunehmend erbarmungsloses Machtspiel.

    Mutter und neue Partnerin umkreisen einander mit scheinbarer Höflichkeit, doch jede Geste wirkt doppeldeutig, jedes Wort kalkuliert. Aus Zuschauersicht bleibt lange unklar, wer hier ein falsches Spiel treibt – oder ob beide längst zu Strateginnen geworden sind, die Eskalation bewusst in Kauf nehmen. Wer Sharp Objects (2018) oder intensive Charakter-Dramen mit begrenzter Länge mag, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

    4. The Hunting Wives (2025)

    The Hunting Wives lässt sich hervorragend als bewusste “Anti-Trad-Wife”-Erzählung lesen – und als Gegenprogramm zu den vielen Western- und Heartland-Serien, die zuletzt erschienen sind. In einer wohlhabenden texanischen Gemeinde gerät eine zugezogene Frau in den Bann eines elitären, weiblichen Zirkels, dessen erstaunlich hedonistische Freizeitaktivitäten (Schießen, Trinken, und viel Sex) zunehmend ins Bedrohliche kippen. 

    Die Serie spielt gezielt mit konservativen Symbolen – Waffen, Ehe, Status – und dreht sie ins Subversive. Tonal bewegt sie sich geschickt zwischen Thriller, Soap und Gesellschaftssatire. Fans von Big Little Lies oder Desperate Housewives finden hier eine dunklere, politischere Variante, die Lust an Eskalation hat und  trotz allem Camp erstaunlich präzise Geschlechter- und Machtfragen verhandelt.

    3. The Rehearsal (Staffel 2, 2025)

    Was wäre, wenn man die heikelsten Momente des eigenen Lebens vorher proben könnte? Genau von dieser Idee geht The Rehearsal aus. Comedian Nathan Fielder lässt reale Situationen in absurd detailgetreuen Simulationen nachstellen – Gespräche, Entscheidungen, ganze Abläufe. In Staffel 2 verschiebt sich der Fokus überraschend auf Luftfahrtsicherheit. Fielder untersucht, wie menschliche Fehler entstehen, die zu Flugzeugunglücken führen, und kommt zu einer ebenso simplen wie beunruhigenden These: Co-Piloten trauen sich in kritischen Momenten oft nicht, dem Kapitän zu widersprechen. Also beschließt er, genau das zu trainieren.

    Was trocken klingt, wird schnell seltsam komisch. Nathan Fielder plant seine Experimente obsessiv genau, lässt unter anderem ein komplettes Terminal nachbauen – und verliert dabei selbst zunehmend die Kontrolle. Die Serie erklärt sich nebenbei und ist auch ohne Vorwissen gut zugänglich. Sie bewegt sich zwischen Comedy, Dokumentation und existenziellem Experiment und bleibt gerade deshalb so faszinierend.

    2. Hacks (Staffel 4, 2025)

    Hacks erzählt vom komplizierten Arbeitsverhältnis zwischen einer legendären, aber in die Jahre gekommenen Stand-up-Comedienne und einer jungen Autorin. Jean Smart und Hannah Einbinder tragen diese Beziehung mit messerscharfen Dialogen, aber auch mit erstaunlicher Verletzlichkeit. In Staffel 4 wird ihr Machtgefälle weiter verschoben: Karrieren stehen auf dem Spiel, Loyalitäten werden geprüft, und das vermeintlich Private bleibt stets politisch.

    Dass Hacks im deutschsprachigen Raum dennoch als Nischentitel gilt, wirkt angesichts der Auszeichnungen fast absurd. Die Serie wurde mehrfach mit Emmys geehrt, ebenso mit Golden Globes. Sowieso ist Hacks weit mehr als eine Showbusiness-Comedy: Sie verhandelt Generationenkonflikte, weibliche Sichtbarkeit und öffentliche Wahrnehmung mit großer Präzision – witzig, scharf und nie belanglos.

    1. The Narrow Road to the Deep North (2025)

    Keine klassische Kriegsgeschichte, sondern eine Erzählung über Erinnerung, Schuld und das Fortleben von Trauma. In The Narrow Road to the Deep North steht ein australischer Militärarzt im Zentrum, der während des Zweiten Weltkriegs in japanische Kriegsgefangenschaft gerät – und dessen Erfahrungen ihn ein Leben lang verfolgen. Jacob Elordi verkörpert die Figur in jungen Jahren, Ciarán Hinds spielt ihr späteres Ich. Zwischen die brutalen Lagererfahrungen schiebt sich eine verbotene Liebesgeschichte, die zum emotionalen Gegenpol der Gewalt wird und wie ein innerer Fluchtpunkt funktioniert.

    Die Serie springt zwischen Zeitebenen, verbindet extreme körperliche Härte mit stillen, beinahe kontemplativen Momenten. Regisseur Justin Kurzel setzt auf Zurückhaltung statt Pathos – und gerade das macht die Serie so eindringlich. Sie interessiert sich weniger für Heldenerzählungen als für moralische Ambivalenzen und emotionale Nachwirkungen. Anspruchsvoll, schwer, zugleich poetisch, tief beeindruckend – und das Beste, das dieses Serienjahr zu bieten hatte.

  • Die besten Weihnachtsfilme von Hallmark: Unsere 5 liebsten Klassiker

    Die besten Weihnachtsfilme von Hallmark: Unsere 5 liebsten Klassiker

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Hallmark ist in puncto Weihnachtsromantik (böse Zungen würden behaupten: Weihnachtskitsch) längst ein eigenes Trademark. Hier geht es weniger um Überraschungen als um Verlässlichkeit, weniger um Realismus als um Gefühl. Seit den frühen 2000er-Jahren sorgen die Filme Jahr für Jahr dafür, dass Fans von romantischem Wohlfühlkino pünktlich in den Weihnachtsmodus schalten. 

    Die Zielgruppe weiß ziemlich genau, was sie bekommt – und genau das ist Teil des Versprechens. Die Zutaten ähneln sich: Schnee, Liebe, kleine Konflikte, große Herzen. Doch effektiv sind sie, weil sie präzise dosiert werden. Hallmark-Filme funktionieren wie ein emotionaler Kurzurlaub: überschaubar, warm, beruhigend. Fuzzy Weihnachtsfeelings und Happy Endings: Wir schauen uns mal fünf der Hallmark-Klassiker genauer an.

    A Royal Christmas (2014)

    Wer Hallmark-Filme liebt, muss A Royal Christmas (deutscher Titel: Königliche Weihnachten) gesehen haben. Schließlich handelt es sich hierbei um die Genesis der Hallmark-Trademarks, um den Urknall des locker-flockig-festlichen Genres. Alles, was später zur festen Weihnachtsformel wurde, ist hier bereits präsent. Etwa ein fiktives europäisches Königreich, höfische Regeln als Beziehungstest und eine Hauptfigur, die mit Wärme und Normalität gegen die Kälte des Protokolls antritt. Der Film erzählt sein Märchen ganz ohne Ironie, und genau deswegen lieben Fans den Film. Weihnachten ist dabei mehr als ein Feiertag: Es ist eine es ist eine verbindende Kraft, die Gegensätze überbrückt. Das Tempo bleibt ruhig, die Konflikte überschaubar, das Ziel des Films ist stets sichtbar. Genau darin liegt seine Stärke. A Royal Christmas erklärt die Hallmark-Logik so klar, dass man sie sofort versteht: Liebe siegt, Schnee hilft. Für viele Fans ist der Film kein nostalgischer Titel, sondern der Maßstab, an dem alle späteren Royal-Stories gemessen werden.

    Christmas Under Wraps (2014)

    Auch Christmas Under Wraps (deutscher Titel: Ein Weihanchtsgeheimnis) kommen Hallmark-Weihnachtsfans kaum vorbei. Der Film ist so etwas wie der bodenständige Gegenentwurf zum royalen Märchen: kein Schloss, keine Krone, dafür Alaska, Kleinstadtregeln und Gemeinschaftsgefühl. Auch gut! Hallmark letgt uns hier nicht nur Weihnachtsfrieden, sondern auch Entschleunigung ans Herz. Die Handlung im Umriss: Eine erfolgreiche Frau landet an einem Ort, der kleiner, kälter und überschaubarer ist – und genau darin seine Wärme entfaltet. Der Film erzählt diese Rückbesinnung ohne Hast und ohne Zynismus. Weihnachten wirkt hier weniger glamourös, aber umso verbindlicher. Die Konflikte bleiben sanft, die Entwicklung klar, das Ziel jederzeit sichtbar. Christmas Under Wraps erklärt die andere Seite der Hallmark-Logik ebenso deutlich: Manchmal muss man nicht höher hinaus, sondern tiefer ankommen. Für viele Fans ist genau das die Quintessenz des Genres.

    Crown for Christmas (2015)

    Crown for Christmas (deutscher Titel: Eine Königin zu Weihnachten) ist ein Paradebeispiel dafür, wie Hallmark Märchenstoffe in den vermeintlich schnöden Alltag übersetzt. Zwar spielt der Film erneut in einem Königshaus, doch hier geht es weniger um Glamour als um Verantwortung, Nähe und emotionale Entwicklung. Alles, was Hallmark an familiärer Wärme erzählen will, wird in diesem Schlossformat erklärt. Da wäre einerseits der König, der lernen muss, anderen zuzuhören. Ein Kind braucht Stabilität. Und Weihnachten sorgt? Das sorgt dafür, dass beides zusammenfindet. Der Film erzählt diese Geschichte ruhig, ohne große Ausschläge, aber mit klarer emotionaler Linie. Die Konflikte sind überschaubar, die Figuren zugänglich, das Ziel eindeutig. Genau das macht den Film so beliebt. Crown for Christmas zeigt, wie präzise die Hallmark-Formel funktionieren kann, wenn sie konsequent durchgespielt wird – und warum sie für viele Zuschauer so verlässlich tröstlich ist.

    The Christmas Train (2017)

    The Christmas Train nimmt die vertraute Hallmark-Formel und setzt sie in Bewegung. Statt einer festen Kleinstadt gibt es eine Reise, statt Stillstand ein sanftes Vorankommen. Der Film erzählt Weihnachten als Abfolge von Begegnungen, Zufällen und kleinen Wendepunkten. Alles, was Hallmark an Gemeinschaft und Verbundenheit interessiert, wird hier auf Schienen verteilt. Der Zug wird zum verbindenden Raum, in dem Menschen zusammenfinden, die sich sonst nie getroffen hätten. Der Ton bleibt ruhig, das Tempo gleichmäßig, die Konflikte bewusst klein. Weihnachten ist hier kein Ziel, sondern der Rahmen, der alles zusammenhält. The Christmas Train erklärt damit eine wichtige Hallmark-Wahrheit: Weihnachten ist weniger ein Ort als ein Gefühl, das man mitnehmen kann. Für viele Fans ist der Film deshalb ein besonders charmanter Ausreißer innerhalb der Formel.

    A Biltmore Christmas (2023)

    A Biltmore Christmas (deutscher Titel: Das Weihnachtswunder von Biltmore) ist ein Film für Hallmark-Fans, die das Genre gut kennen. Er blickt zurück, ohne nostalgisch zu werden, und spielt mit Zeit, Erinnerung und Filmgeschichte. Alles, was Hallmark ausmacht – Romantik, Wärme, Schneefall –, ist vorhanden, wird hier aber leicht gespiegelt. Statt reiner Gegenwartsromanze gibt es ein Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart. Weihnachten verbindet nicht nur Menschen, sondern auch Zeiten. Der Film erzählt diese Idee ruhig und zugänglich, ohne sich selbst zu kommentieren. Die Konflikte bleiben überschaubar, das Ziel klar, das Gefühl vertraut. Genau darin liegt seine Stärke. A Biltmore Christmas zeigt, dass Hallmark seine eigene Sprache versteht. Für viele Fans ist der Film kein Bruch, sondern ein liebevoller Blick auf das, was dieses Weihnachtskino seit Jahren ausmacht.

  • Die 10 besten deutschen Hollywood-Bösewichte

    Die 10 besten deutschen Hollywood-Bösewichte

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Es ist eine faszinierende Nische, die viele deutsche Schauspieler in Hollywood über die Jahrzehnte besetzt haben: die Rolle des eleganten, brutalen oder genialen Schurken. Die jüngste Bestätigung dieser Tradition liefert nun Lars Eidinger, der im kommenden Superman-Film in die Fußstapfen des ikonischen Erzfeindes Lex Luthor schlüpft.

    Er reiht sich damit ein in eine Galerie von Darstellern, die im Ausland mit unnachahmlicher Kälte oder scharfem, intellektuellem Akzent brillieren und so zur emotionalen Ankerstelle des Films werden, weil sie eine derart fesselnde Gefahr ausstrahlen. Die folgenden zehn deutschen Darsteller haben sich mit ihren Rollen als Antagonisten unsterblich gemacht und zeigen, dass die Schurken, die uns am längsten im Gedächtnis bleiben, oft die aus Deutschland sind.

    1. Christoph Waltz - “Inglourious Basterds” (2009)

    Der Film erzählt die Geschichte des SS-Standartenführers Hans Landa, der im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkriegs Jagd auf versteckte jüdische Familien macht und dabei eine erschreckende Mischung aus genialer Ermittlungsarbeit und eiskaltem Sadismus zur Schau stellt. Der Auftritt des Deutsch-Österreichers Christoph Waltz in Quentin Tarantinos Meisterwerk ist eine Sternstunde des modernen Kinos, die den Begriff des charmanten Bösen neu definiert hat. Landa wechselt in Windeseile zwischen jovialer Höflichkeit und eiskaltem Terror, was jede seiner Szenen zu einem nervenaufreibenden Tanz macht, in dem jederzeit die Hölle losbrechen kann. Es ist diese absolute Unberechenbarkeit und die Freude an der verbalen Überlegenheit, die ihn so gefährlich macht, wie er da mit einem Lächeln über die Vernichtung von Existenzen spricht; Waltz spielt den SS-Offizier in Inglourious Basterds mit einem manischen Feingefühl, in dem die Psychologie über die rohe Kraft triumphiert. Es ist ein Auftritt, der Waltz zu einem Weltstar machte und ihm seinen ersten Oscar einbrachte, bevor er später als klassischer Bond-Bösewicht in James Bond 007: Spectre erneut mit diabolischem Grinsen brillierte.

    2. Gert Fröbe - “Goldfinger” (1964)

    Der Agent 007 muss in diesem Klassiker verhindern, dass der internationale Waffenschmuggler Auric Goldfinger die Goldreserven der USA in Fort Knox verstrahlt, um den Wert seiner eigenen Bestände in die Höhe zu treiben. Als Auric Goldfinger schrieb Gert Fröbe Filmgeschichte und lieferte den Archetyp des Bond-Bösewichts, der mit seiner monströsen Erscheinung und seinem kompromisslosen Reichtum sofort Angst und Respekt einflößt. Goldfinger ist der Inbegriff des übermächtigen Antagonisten, der ganze Nationen bedroht, und seine kalte Entschlossenheit in Verbindung mit seinem schier unerschöpflichen Reichtum macht ihn zu einer globalen Gefahr. Die ikonische Szene, in der er den vermeintlich gefangenen James Bond mit einem Laserstrahl bedroht, ist ein zeitloses Stück Spannung, das bis heute nachwirkt und die Messlatte für alle zukünftigen Bond-Schurken gesetzt hat. Fröbe spielte seine Schurkenrollen immer mit einer faszinierenden Wucht, wie auch in dem legendären Krimi Es geschah am hellichten Tag, und prägte so das Bild des furchteinflößenden Deutschen in Hollywood.

    3. Lars Eidinger - “Superman” (geplant)

    Lars Eidinger spielt Lex Luthor im nächsten Superman: Das ist eine der spannendsten Casting-Nachrichten überhaupt, auch wenn der DC-Klassiker aktuell noch in der Planung ist. Die Neuverfilmung wird sich auf den jungen Clark Kent und seinen ersten großen Konflikt mit diesem super-reichen, aber abgrundtief bösen Geschäftsmann konzentrieren. Luthor ist ein Schurke, der nicht boxt oder schießt, sondern der mit seiner brillanten Birne, knallharter Manipulation und wirtschaftlicher Dominanz alles im Griff hat. Eidinger, der in Filmen wie Alle Anderen oft schon diese ambivalente Kälte zeigte, tritt damit in die ikonischen Fußstapfen großer Darsteller. Er wird dem Superman Erzfeind eine subtile, intellektuelle Bosheit verpassen, die gerade deshalb beängstigend wirkt, weil sie so kalkuliert und nahbar ist. Diese Art von psychologischer Gefahr, bei der man die Bedrohung eher spürt als sieht, konnte er schon in Personal Shopper perfekt vermitteln. Die Besetzung zementiert, dass Hollywood den scharfen, deutschen Intellektuellen als den perfekten, modernen Schurken liebt.

    4. Udo Kier - “Blade” (1998)

    Der Film taucht in eine düstere Welt der Vampire ein, in der der Halbvampir Blade die Aufgabe hat, die blutrünstigen Kreaturen zu jagen, die die Menschheit bedrohen, und dabei auf das etablierte Vampiroberhaupt Dragonetti trifft. Der kürzlich verstorbene Udo Kier, eine Ikone des europäischen Arthouse- und Horrorfilms, fand in der Rolle des Vampiroberhaupts Dragonetti im Action-Hit Blade eine seiner bekanntesten Hollywood-Rollen. Dragonetti ist der elegante, aber gnadenlose Anführer der alten Vampirgarde, der in der Unterwelt für Ordnung sorgen und die traditionelle Hierarchie aufrechterhalten will, auch wenn dies bedeutet, seinen eigenen Sohn zu opfern. Kiers einzigartiges, leicht distanziertes Auftreten und seine markanten Gesichtszüge geben der Figur in Blade eine zeitlose, fast königliche Aura des Bösen, die perfekt zum gotischen Setting des Films passt. Sein Talent für dunkle Rollen zeigte er auch in Filmen wie End of Days an der Seite von Arnold Schwarzenegger.

    5. Klaus Kinski - “Aguirre, der Zorn Gottes” (1972)

    Inmitten des 16. Jahrhunderts folgt eine Gruppe spanischer Konquistadoren dem Amazonas flussabwärts, auf der verzweifelten Suche nach dem sagenumwobenen Goldland El Dorado, wobei ihr Anführer Lope de Aguirre mehr und mehr dem Wahnsinn verfällt. Obwohl es eigentlich kein klassischer Hollywood-Film ist, ist Kinskis Darstellung des besessenen Konquistadors Lope de Aguirre in Werner Herzogs Epos Aguirre, der Zorn Gottes eine der bekanntesten und furchteinflößendsten des Weltkinos, die seinen Ruf als Inbegriff des europäischen Bösewichts zementiert hat. Aguirre, der in seiner Gier nach Gold und Herrschaft dem Wahnsinn verfällt, wird von der umstrittenen Persona Kinski mit einer unkontrollierbaren, fiebrigen Intensität gespielt, die jede Szene dominiert und den Zuschauer in den Bann zieht. Es ist der Blick eines Verrückten, der von der Dschungelhitze und seiner eigenen Hybris zersetzt wird, was ihn zu einer Naturgewalt macht, gegen die man nicht argumentieren kann. Diese Manie zelebrierte er auch in Western-Rollen wie in Für ein paar Dollar mehr.

    6. Thomas Kretschmann - “Avengers: Age of Ultron” (2015)

    Die Avengers müssen sich in diesem Sci-Fi-Blockbuster der künstlichen Intelligenz Ultron stellen, doch am Anfang begegnen sie Baron Wolfgang von Strucker, dem Anführer einer verbliebenen Zelle der finsteren Organisation HYDRA, der mit futuristischen Waffen experimentiert. Thomas Kretschmann ist ein Stammgast in Hollywood-Produktionen, wobei seine Rolle als Baron Wolfgang von Strucker, dem Anführer der Hydra-Zelle, in Avengers: Age of Ultron eine seiner größten Blockbuster-Bösewicht-Rollen darstellt. Strucker ist ein militärisch disziplinierter und skrupelloser Anführer, der sich modernen wissenschaftlichen Experimenten bedient, um seine dunklen Ziele zu verfolgen und damit eine neue Ära des Superschurken-Kinos einläutet. Kretschmann, der auch in Filmen wie Der Pianist und King Kong beeindruckte, verleiht dem Baron in Avengers: Age of Ultron eine effiziente, unaufgeregte Bosheit, die ihn als ernstzunehmenden Gegenspieler der mächtigsten Helden der Welt etabliert.

    7. Daniel Brühl - “The First Avenger: Civil War” (2016)

    Nach einem verheerenden Einsatz der Avengers versucht der rachsüchtige Ex-Soldat Helmut Zemo die Superhelden-Truppe zu spalten, um sie von innen heraus zu zerstören und Rache für den Tod seiner Familie zu nehmen. Mit der Rolle des Helmut Zemo im Marvel Cinematic Universe hat Daniel Brühl einen der komplexesten Antagonisten der Comic-Verfilmungen geschaffen, da er nicht über Superkräfte, sondern über einen genialen Verstand verfügt, der tief von menschlichem Schmerz gezeichnet ist. Zemo ist ein Mann, dessen Familie bei einem Angriff der Avengers ums Leben kam und der aus diesem tiefen Schmerz heraus die gesamte Superhelden-Truppe in einem Racheakt zerstören will, indem er sie von innen heraus spaltet. Brühl verkörpert diese Rolle in The First Avenger: Civil War mit einer ruhigen, beinahe melancholischen Intensität, die den Zuschauer dazu zwingt, seine Motivationen zu verstehen, auch wenn man seine Taten verurteilt - ein scharfer Kontrast zu seinen früheren Rollen wie etwa in Good Bye, Lenin!

    8. Götz Otto - “Der Morgen stirbt nie” (1997)

    James Bond muss verhindern, dass der machtgierige Medienmogul Elliot Carver einen Krieg zwischen Großbritannien und China vom Zaun bricht, wobei er auf Carvers rechten Arm und stahlharten Killer Stamper trifft. Als stahlharter Handlanger Stamper in dem James-Bond-Abenteuer Der Morgen stirbt nie etablierte sich Götz Otto als einer der imposantesten physischen deutschen Bösewichte in Hollywood. Stamper ist die personifizierte Naturgewalt, ein psychopathischer Killer, der seinen Chef bedingungslos unterstützt und keine Gnade kennt, wobei er seine Bösartigkeit fast stumm durch seine bloße Präsenz transportiert. Otto, mit seiner Größe und seiner einschüchternden Erscheinung, benötigte kaum Worte, um eine massive Bedrohung aufzubauen, da allein seine Statur ausreichte, um Spannung zu erzeugen. Seine reine Körperlichkeit in Der Morgen stirbt nie machte ihn zu einem unvergesslichen Teil des Bond-Universums, bevor er in Filmen wie Alien vs. Predator erneut als Action-Antagonist zu sehen war.

    9. Klaus Maria Brandauer - “Sag niemals nie” (1983)

    In einer inoffiziellen Bond-Verfilmung von 1983 muss sich der britische Agent 007 mit dem zwielichtigen Maximilian Largo auseinandersetzen, einem der führenden Köpfe der Verbrecherorganisation SPECTRE, der Atomsprengköpfe gestohlen hat. Obwohl Brandauer streng genommen Österreicher ist, zählt er aufgrund seines deutschen Sprachraums und seiner Präsenz in dieser speziellen Nische unweigerlich zu den ikonischsten 'deutschen' Schurken Hollywoods. Als Maximilian Largo lieferte er einen der faszinierendsten und psychologisch vielschichtigsten Bond-Bösewichte ab, der weniger auf plumpe Weltherrschaft aus ist, sondern seine Macht mit einer fast künstlerischen Arroganz auslebt. Largo ist ein eleganter, theatralischer Gegenspieler, dessen Charme genauso gefährlich ist wie seine kriminellen Machenschaften, und Brandauer spielt ihn mit einer intensiven, fast opernhaften Leidenschaft. Seine Fähigkeit, das Böse mit einem Hauch von Tragik und Wahnsinn zu vermischen, zeigte er auch in seiner Oscar-nominierten Rolle in Jenseits von Afrika und macht Largo in Sag niemals nie zu einem zeitlosen Schurken, dessen Augen man nicht trauen darf.

    10. August Diehl - “Salt” (2010)

    Die CIA-Agentin Evelyn Salt (Angelina Jolie) wird beschuldigt, eine russische Schläferagentin zu sein, was eine gnadenlose Jagd auslöst, die von ihrem eigenen, scheinbar loyalen Chef Ted Winter (August Diehl) inszeniert wurde. Mit der Rolle des Ted Winter bewies August Diehl seine Fähigkeit, die wahre Bedrohung hinter einer Fassade der Vertrauenswürdigkeit zu verbergen und damit eine der schockierendsten Verratsgeschichten des modernen Spionage-Thrillers zu liefern. Winter ist der ruhige, berechnende Schurke, dessen Loyalität ein Täuschungsmanöver ist und dessen unaufgeregte Kälte ihn zur tödlichsten Gefahr für die Protagonistin macht. Diehls Performance in Salt ist ein Meisterstück der Subtilität, das zeigt, dass der wahre Verrat nicht mit lauten Schreien, sondern mit einem leisen Lächeln beginnt - ganz im Gegensatz zu seinem hitzigeren Auftritt als SS-Major Hellstrom in Inglourious Basterds.

  • „Extrawurst“ und sieben andere lustige Filme von und mit Hape Kerkeling

    „Extrawurst“ und sieben andere lustige Filme von und mit Hape Kerkeling

    Oliver Baumgarten

    Oliver Baumgarten

    JustWatch-Editor

    Hans-Peter Wilhelm, kurz: „Hape“, Kerkeling ist einer der letzten verbliebenen – mag das Wort auch altmodisch klingen – Entertainer der deutschen Film- und Fernsehwelt. Einer, der große Fernsehshows moderieren kann, der als Comedian Kunstfiguren erschafft, der singen und spielen kann, der Bestseller schreibt und im Kino für ausverkaufte Häuser sorgt.

    Außer als Autor und Schauspieler in seinen eigenen Filmen konnte er im Kino übrigens auch als Synchronsprecher begeistern. In allen vier Teilen von Kung Fu Panda (2008, 2011, 2016 und 2024) sprach er die Hauptfigur Po und hatte damit großen Anteil am Erfolg der Reihe in Deutschland. Nachdem es Hape Kerkeling für ein paar Jahre etwas ruhiger angehen ließ, kommt er nun im Kino mit zwei eigenen und für ihn typischen satirischen Projekten zurück. Denn nach dem im Januar startenden Film Extrawurst ist für März 2026 auch ein neuer Film mit einer seiner erfolgreichsten Kunstfiguren angekündigt: In Horst Schlämmer sucht das Glück begibt sich der berüchtigte Lokalreporter aus Grevenbroich auf eine investigative Reise durchs miesgelaunte Deutschland.

    Neben einem Ausblick auf Extrawurst stellen wir Euch im Folgenden sieben der lustigsten Filme von und mit Hape Kerkeling vor – in der subjektiven Reihenfolge ihrer „Witzischkeit”.

    1. Extrawurst (2026)

    Basierend auf dem gleichnamigen erfolgreichen Theaterstück von Dietmar Jacobs und Egon Netenjakob, drehte Komödienspezialist Marcus H. Rosenmüller diesen Ensemblefilm in illustrer Besetzung. Hape Kerkeling spielt den Vorsitzenden eines Provinz-Tennisvereins, der mit ansehen muss, wie eine Mitgliederversammlung über den eigentlich gut gemeinten Vorschlag eskaliert, einen separaten Grill für das einzige muslimische Mitglied anzuschaffen. Der Film mit u.a. Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim und Gaby Dohm verspricht, eine scharfzüngige Satire auf die aktuelle Diskussionskultur in Deutschland zu erzählen.

    2. Kein Pardon (1993)

    Die perfekte Einführung in die satirische Welt von Hape Kerkeling stellt zweifelsohne sein irre komisches Kinodebüt Kein Pardon dar. Kerkeling hat den bis heute wunderbar funktionierenden Klassiker geschrieben und inszeniert und spielt nicht nur die Hauptrolle des Schnittchenspezialisten Peter Schlönzke, sondern tritt zusätzlich als zwei seiner beliebten Kunstfiguren auf (Siegfried Schwäbli und Uschi Blum). Der 97-minütige Film führt uns hinter die Kulissen der fiktiven Fernsehshow „Witzischkeit kennt keine Grenzen” und deckt in absurd-lustigen Szenen und satirisch geprägten Momenten die ganze verlogene Bigotterie des Showbusiness auf. Die hier so herrlich witzisch verpackte Kritik am Showgeschäft funktioniert dreißig Jahre später kein bisschen weniger. Mit Achim Hagemann wirkte in der Funktion als Koautor und Komponist auch Kerkelings Jugendfreund mit, der bereits Ende der 1980er Jahre Partner war in der legendären Show Total normal.

    3. Horst Schlämmer – Isch kandidiere! (2009)

    Angefangen von Hannilein über Siegfried Schwäbli bis hin zur Schlagerdiva Uschi Blum: Hape Kerkeling hat eine ganze Reihe von Kunstfiguren erschaffen, in deren Rollen er immer wieder geschlüpft ist und anhand derer er unterschiedliche Aspekte des Lebens satirisch verarbeitete. Die vermutlich größte Wirkung erzielte er dabei zweifellos mit seiner Figur des Horst Schlämmer, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts. Mit starkem rheinischen Akzent, einem eher Mitleid erregenden Äußeren und ausgestattet mit einem bürgerlichen Patriarchatsdenken funktioniert Schlämmer für Kerkeling bestens, um gesellschaftspolitische Themen, Stereotypisierungen und ähnlich sensible Aspekte in parodistischer und urkomischer Form anzusprechen. Die in Sketchen und Shows erprobte Figur zog in Horst Schlämmer – Isch kandidiere! 2009 erfolgreich ins Kino. In dieser eigenwilligen Mischung aus Spielszenen und improvisierten Begegnungen mit realen Personen gründet Horst Schlämmer eine eigene Partei und möchte Bundeskanzler werden. 2026 wird es einen zweiten Schlämmer-Kinofilm geben – weisse Bescheid, Schätzelein!

    4. Der Junge muss an die frische Luft (2018)

    In einer kleinen Szene ist Horst Schlämmer auch in diesem Kinoerfolg zu sehen: Fast vier Millionen Zuschauer:innen haben Caroline Links Film gesehen, der nach den Memoiren Hape Kerkelings entstanden ist. Der Film konzentriert sich dabei auf Kerkelings Kinderjahre im Ruhrgebiet, dem traumatischen Erleben vom Suizid seiner Mutter und ersten Anzeichen seines Spiel- und Showtalents. Der bewegende, aber nicht zuletzt dank des jungen Schauspielers Julius Weckauf immer wieder auch sehr komische Film konnte drei Deutsche Filmpreise gewinnen, u.a. für Luise Heyer als Kerkelings Mutter. Horst Schlämmer und Kerkeling selbst bilden mit kurzen Momenten am Ende eine schöne Brücke in die Gegenwart. Eine warmherzige Reise ins Ruhrgebiet der frühen 1970er und ein berührender Einblick in die Anfänge eines großen Entertainers.

    5. Willi und die Windzors (1996)

    Deutsche Spießer treffen auf britisches Königshaus: Dieser sagenhaft schräge Film erzählt in 85 Minuten die absurde Geschichte, dass infolge der Abschaffung der britischen Monarchie die gesamte Königsfamilie ins Exil muss. Die restlichen europäischen Königshäuser winken dankend ab, es bleiben nur die sehr entfernt verwandten Bettenbergs aus Hannover übrig, und so ziehen Prinz Charles & Co. in die Hannoversche Reihenhaussiedlung der Möbelverkäufer. Wie so oft in Kerkelings Filmen (hier führt er erneut Regie) sind die Rollen u.a. mit den Fassbinder-Diven Irm Hermann und Brigitte Mira sowie mit Ruhrpott-Legende Tana Schanzara wunderbar schräg besetzt. Eine besondere Note erhält der Film dazu aus der Geschichte, die Hape Kerkeling in seiner Biografie von 2024 erzählt: Dort beschreibt er, wie seine Ahnenforschung zum Ergebnis gelangt, dass er ein unehelicher Urenkel des englischen Königs Eduard VII. sei.

    6. Total normal (1989)

    Klar, Total normal ist kein Spielfilm und gehört deshalb vielleicht nicht wirklich in diese Liste. Es ist aber nach der Sketch-Show Känguru Kerkelings sicher wichtigste und einflussreichste Fernsehshow, die Grundlagen für Vieles gelegt hat, was auch seine Filme später ausgemacht haben. Zwischen 1989 und 1991 wurden lediglich sieben 45-minütige Sendungen bei Radio Bremen produziert – und doch gehört Total normal zu den Comedy-Kultklassikern des deutschen Fernsehens. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Achim Hagemann, mit dem er auch später immer wieder gearbeitet hat, schuf Kerkeling eine eigenwillig-geniale Mischung aus Parodie, Prank und Publikumsverarsche. Kerkeling als Königin Beatrix, als polnischer Opernsänger mit der Eigenkomposition „Hurz!”, als Fake-Journalist bei der Bundespressekonferenz – es ist brillant-anarchisches Fernsehen, dessen Grundideen die späteren Filme inspirierten.

    7. Ich bin dann mal weg (2015)

    Schon Hape Kerkelings gleichnamiger Reisebericht vom Jakobsweg verkaufte sich als Buch unglaubliche fünf Millionen Mal. Die Verfilmung von Julia von Heinz sahen in Deutschland dann noch einmal zwei Millionen Menschen im Kino – und das, obwohl es sich ja nicht um eine ausgesprochene Komödie handelt. Devid Striesow spielt Hape Kerkeling auf dessen nicht nur unbeschwerten Wanderung, in die immer wieder Szenen aus Kerkelings Kindheit hineingeschnitten werden – Momente, die 2018 in Der Junge muss an die frische Luft noch einmal ausführlicher und zusammenhängend erzählt werden sollten. Der Großteil der 92 Minuten allerdings ist der Bewältigung jenes Weges gewidmet, der für Kerkeling selbst auf vielerlei Ebenen Änderungen im Leben bedeuteten.

    8. Samba in Mettmann (2004)

    Hape Kerkelings liebevolle satirische Betrachtung von Provinz und bürgerlicher Spießigkeit rückt ihn in gewisser Weise in die Nähe des Loriotschen Werks, auch wenn seine Mittel ganz andere sind. Auch Samba in Mettmann lebt in 89 Minuten vom Aufbrechen provinzieller deutscher Spießigkeit durch äußere Einflüsse. Ist es etwa in Willi und die Windzors der englische Adel, so sind es hier drei Brasilianerinnen, die Ort und Hauptfigur aufmischen. Samba in Mettmann, inszeniert wie viele seiner früheren Filme von Angelo Colagrossi, mag nicht Hape Kerkelings bester Film sein, trotzdem tragen auch diese Figuren seine unverkennbare Handschrift und bilden fein beobachtete kleine parodistische Porträts.

  • Von “Findet Nemo” bis “Zoomania”: Wie Filme unseren Umgang mit Tieren verändert haben

    Von “Findet Nemo” bis “Zoomania”: Wie Filme unseren Umgang mit Tieren verändert haben

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Nach dem Kinostart von Zoomania 2 berichteten Medien, dass Fans in China plötzlich echtes Interesse an Schlangen entwickelten, ausgelöst durch eine neue, überraschend sympathische Filmfigur. Ein einziger Animationsfilm hat gereicht, um ein Tier umzucodieren, das sonst fast automatisch mit Ekel oder Angst belegt wird. 

    Genau solche Verschiebungen sind der Kern dieser Liste. Es geht um Filme, die Tiere nicht als Deko oder Gag behandeln, sondern ihnen ein Gesicht geben. Plötzlich sind da nicht mehr „die Orcas“, „die Schweine“ oder „die Pinguine“, sondern Wesen mit Temperament, Eigenheiten, Beziehungen und einem Alltag, der nicht für uns gebaut ist. Man lacht vielleicht zuerst, staunt über die Bilder oder fiebert bei der Handlung mit, aber erst später merkt man: Der eigene Blick ist weniger bequem geworden. Diese zehn Titel haben genau das geschafft: Nicht als Moralunterricht, sondern als Gefühl, das sich leise festsetzt.

    1. Zoomania (2016)

    Judy Hopps kommt als ehrgeizige Häsin in die Großstadt, fest entschlossen, Polizistin zu werden, obwohl ihr alle erklären, wofür „so ein Kaninchen“ angeblich taugt. Nick Wilde, ein Fuchs mit schneller Zunge und noch schnellerem Instinkt für Vorurteile, kreuzt ihren Weg und wird widerwillig zum Partner. Zoomania macht aus seiner Krimihandlung keinen Vorwand, sondern einen Motor: Die Stadt lebt, die Figuren haben Tempo, und hinter den Pointen sitzt etwas, das unangenehm wahr ist. Tiere sind hier nicht niedlich, um harmlos zu wirken, sondern werden so ernst genommen, dass ihre Rollenbilder plötzlich peinlich vertraut klingen. Judy ist nicht „tapfer“, sie ist stur, überfordert, manchmal unfair, und gerade deshalb glaubwürdig. Nick ist nicht „cool“, er ist vorsichtig, weil er gelernt hat, was passiert, wenn man sich zu früh öffnet. Der Film schafft es, dass man irgendwann nicht mehr in Arten denkt, sondern in Menschenmustern, die man auch außerhalb des Kinos erkennt und schlechter ignorieren kann.

    2. Free Willy – Ruf der Freiheit (1993)

    Jesse muss in einem Wasserpark Sozialstunden ableisten und trifft dort auf Willy, einen Orca, der für Shows gehalten wird. Aus einer Pflicht wird ein Kontakt, aus Kontakt wird Bindung, und plötzlich steht da die Frage im Raum: Was machen wir eigentlich mit einem Tier, das nicht hierher gehört? Free Willy – Ruf der Freiheit erzählt das als Jugendgeschichte, aber er trifft einen an einer erwachsenen Stelle. Man sieht das Becken, man hört den Applaus, man sieht die Trainerposen, und mit jeder Szene wirkt das Ganze weniger wie Spektakel und mehr wie ein Gefängnis mit Scheinwerfern. Willy ist nicht „süß“, er ist wütend, traurig und unberechenbar, und genau das macht ihn so real. Jesse wird nicht zum Held mit Superplan, sondern zu einem Jungen, der merkt, dass Zuneigung Konsequenzen hat. Der berühmte Befreiungsmoment funktioniert nicht einfach, weil er kitschig ist, sondern weil er jeden Zuschauer erleichtert zurückläasst. Danach wirken Orca-Shows nicht neutral, sondern wie etwas, das man kaum noch ansehen möchte.

    3. Ein Schweinchen namens Babe (1995)

    Babe landet als Ferkel auf einem Bauernhof und soll, so ist der Plan, irgendwann einfach Teil der Fleischroutine werden. Stattdessen findet das Schwein eine Aufgabe, die niemand vorgesehen hat: Es will Schafe hüten, und es will es richtig machen. Ein Schweinchen namens Babe erzählt das ohne Zynismus und ohne grelles Drama. Babe ist höflich, hartnäckig und manchmal rührend unbeholfen - und genau dadurch bekommt es Würde. Der Film lässt einen mit einem warmen Unbehagen zurück: Man mag Babe nicht, weil es „niedlich“ ist, sondern weil es sichtbar versucht, seinen Platz zu verdienen. Die Tiere um ihn herum wirken nicht wie ein Cartoon-Chor, sondern wie Nachbarn mit eigenen Regeln, Eitelkeiten und Empfindlichkeiten. Wenn Babe scheitert, ist das kein Gag, sondern ein echter Stich. Und wenn es weiter macht, möchte man mit ihm durchhalten. Danach ist „Nutztier“ kein sauberes Wort mehr. Es klingt plötzlich wie ein Trick, um nicht fühlen zu müssen, und vegan zu werden wird zur realen Option.

    4. Findet Nemo (2003)

    Marlin verliert seinen Sohn Nemo nach einem Schockmoment am Riff und schwimmt los, obwohl er vor allem Angst hat, was nicht nach Kontrolle aussieht. Nemo landet derweil in einem Aquarium in einer Zahnarztpraxis und muss dort lernen, wie man in einem hübschen Käfig überlebt. Findet Nemo ist ein Abenteuerfilm, klar, aber einer mit dem Herz an der richtigen Stelle. Die Unterwasserwelt wirkt wie ein ganzer Kosmos, in dem jedes Wesen etwas zu riskieren hat. Marlins Überfürsorge wird nicht lächerlich gemacht, sondern verständlich, weil sie aus Verlust kommt. Nemo ist nicht nur „das Kind“, er ist neugierig, trotzig, mutig - und auch manchmal zu mutig. Das Aquarium ist der heimliche Schlag in den Magen: Es ist sauber, bunt und sicher, und genau deshalb so falsch. Wenn die Fische dort von Freiheit sprechen, klingt es nicht wie Pathos, sondern wie Hunger. Nach dem Film schaut man auf Aquarien anders: Sie sind nicht mehr ein beruhigendes Wohnaccessoire, sondern ein Ort, an dem etwas fehlt.

    5. Die Reise der Pinguine (2005)

    Der Dokumentarfilm begleitet Kaiserpinguine durch ihren extremen Lebenszyklus in der Antarktis, von der Partnersuche bis zu den Wochen, in denen Wind und Kälte jede Schwäche bestrafen. Die Reise der Pinguine arbeitet nicht mit Verniedlichung, sondern mit Geduld. Und genau daraus entsteht Nähe, ohne dass jemand einem Gefühle vorsagt. Diese Tiere wirken nicht wie Maskottchen, sondern wie konzentrierte Überlebenskünstler, die im falschen Moment einfach verschwinden können. Wenn die Kamera lange auf einem Pinguin bleibt, der gegen den Sturm steht, fühlt sich das irgendwann nicht mehr wie Naturfilm an, sondern wie eine Prüfung, die man selbst kaum aushalten würde. Der Film macht auch nichts „heroisch“. Er zeigt, wie viel Arbeit in einem einzigen Küken steckt, wie viel Zufall und wie viel Risiko. Danach ist die Antarktis nicht mehr nur eine schöne weiße Fläche auf Karten und Screensavers. Sie ist ein Zuhause. Und wenn man einmal ein echtes Zuhause gesehen hat, fällt Gleichgültigkeit schwerer.

    6. Happy Feet (2006)

    Mumble wird in eine Pinguinkolonie hineingeboren, in der Singen alles ist: Status, Zugehörigkeit und Partnersuche. Er kann nicht singen, dafür tanzt er, als wäre es seine Muttersprache, und genau damit macht er sich verdächtig. Happy Feet wirkt auf den ersten Blick wie ein lauter, bunter Musikfilm, aber er hat einen Ernst, der überraschend gut durch die Beats schlüpft. Die Handlung sagt sehr früh, worum es geht: Wer nicht ins System passt, wird nicht freundlich aussortiert, sondern aktiv schief angeschaut. Und dann kommt der zweite Schlag: Wenn Nahrung knapp wird, verändert sich die Gemeinschaft. Nicht in großen Reden, sondern in kleineren Gesten, in Misstrauen und in Panik. Der Film bleibt dabei locker, manchmal albern und manchmal überdreht, und genau deshalb erreichen die harten Momente einen auf direktem Weg. Mumble ist nicht der perfekte Held, sondern manchmal auch nervig, stolz und verletzt - aber dadurch wirkt er echt. Wenn man am Ende über Umweltfolgen nachdenkt, dann nicht, weil man belehrt wurde, sondern weil man gesehen hat, was Verlust mit Figuren macht, die man längst mag.

    7. Okja (2017)

    Mija lebt mit Okja in den Bergen, einem riesigen „Super-Schwein“, das ein Konzern als Vorzeigeprojekt gezüchtet hat, für sie aber einfach das Tier ist, das jeden Tag neben ihr herläuft. Als die Firma Okja zurückholt, kippt diese Normalität in Sekunden: ein paar höfliche Sätze, ein paar Unterschriften, ein kurzer Griff am Halfter, und plötzlich ist da nicht mehr Okja, sondern Abwicklung. Okja trifft genau deshalb, weil er sich nicht die Mühe macht, den Schmerz hübsch zu verpacken. Der Film baut die Beziehung nicht als großes Symbol auf, sondern als Gewohnheit, die man erst vermisst, wenn sie weg ist. Mija rennt los, nicht weil sie eine Idee vertritt, sondern weil sie dieses eine Lebewesen wiederhaben will, das ihr jemand weggenommen hat, als wäre es Eigentum auf Papier. In der Konzernwelt klingt alles freundlich und korrekt, aber jedes „Wir verstehen Sie“ fühlt sich an wie ein Deckel, der zugedrückt werden soll. Und während man zusieht, wie Sprache aus einem Tier ein Produkt macht, merkt man, wie unangenehm schnell das geht, wenn alle so tun, als wäre es das Normalste der Welt.

    8. Blackfish: Der Killerwal (2013)

    Die Dokumentation erzählt die Geschichte des Orcas Tilikum und beleuchtet, wie Orcas in Freizeitparks gehalten, trainiert und vermarktet werden. Von Anfang an ist klar, worum es geht: nicht um einen „Einzelfall“, sondern um ein System, das nur funktioniert, wenn man bestimmte Dinge nicht zu genau anschaut. Blackfish arbeitet nicht mit reißerischem Ton, sondern mit Details, die sich Schicht für Schicht übereinander legen. Archivbilder, Aussagen, Abläufe, Zahlen, Routine. Und genau diese Routine ist das Erschreckende. Je mehr man versteht, desto weniger kann man die bunten Lichter und die Jubelkulisse als unschuldig abheften. Der Film zeigt auch, wie Sprache benutzt wird, um Gewalt zu verkleinern, wie „Training“ nach Kontrolle klingt und „Show“ nach Spaß. Und dann merkt man: Das Tier ist der einzige Teil dieser Gleichung, der nie zustimmen konnte. Wenn man danach Orca-Aufnahmen sieht, sieht man nicht mehr nur Größe, man sieht auch Stress, Enge und Trennung. Blackfish lässt einen begreifen, und begreifen kann verdammt laut werden, auch wenn der Film selbst ruhig bleibt.

    9. Der Bär (1988)

    Da ist dieses kleine Bärenjunge, das von einem Moment auf den anderen ohne seine Mutter im Wald steht, und plötzlich ist alles, was eben noch selbstverständlich war, verschwunden. Der Wald fühlt sich nicht mehr nach Zuhause an, sondern nach etwas, das ständig Aufmerksamkeit verlangt. Der Bär erzählt diese Geschichte fast ohne Worte, und genau das macht sie so direkt. Man ist ganz nah dran, hört das Rascheln, spürt das Zögern, merkt, wie vorsichtig jeder Schritt wird. Wenn das Junge etwas zu fressen findet, ist das kein süßer Filmaugenblick, sondern schlicht Erleichterung: Dieser Tag ist geschafft. Der Film macht aus dem Tier keinen niedlichen Helden, sondern zeigt ein Leben, das sich tastend vorarbeitet, das Fehler macht und trotzdem weitergeht, weil es keine Pause gibt. Und dann tauchen Menschen auf, leise, aber spürbar, und sofort kippt etwas. Die Jagd wirkt nicht aufregend oder abenteuerlich, sondern wie ein Fremdkörper, der in diese fragile Welt hineinbricht. Plötzlich sieht die Natur nicht mehr schön aus, sondern verletzlich. Der Bär erklärt das nicht und drückt keine Botschaft aufs Auge. Er lässt einen einfach eine Weile mitfühlen, und genau das bleibt.

    10. Gorillas im Nebel (1988)

    Gorillas im Nebel erzählt die Geschichte von Dian Fossey, die in den Bergen Ruandas beginnt, Berggorillas zu erforschen und zu schützen. Was nach klassischer Feldforschung klingt, entwickelt sich schnell zu etwas Persönlichem, weil Fossey nicht aus sicherer Distanz arbeitet, sondern Zeit mit den Tieren verbringt, immer wieder zurückkehrt und lernt, wie Nähe überhaupt möglich wird. Der Film zeigt diese Annäherung ruhig und ohne Pathos, und genau dadurch versteht man auch ohne Vorwissen, worum es geht: Hier entsteht Beziehung, nicht Beobachtung. Die Gorillas werden nicht erklärt, sie werden erlebt, und irgendwann erkennt man einzelne Tiere wieder, so selbstverständlich wie Menschen, denen man schon öfter begegnet ist. Diese Vertrautheit verändert alles, denn sie macht jede Bedrohung greifbar. Wenn Wilderer ins Spiel kommen, wirkt das nicht abstrakt oder fern, sondern wie ein direkter Angriff auf etwas, das man inzwischen kennt. Fossey ist dabei kompromisslos, oft schwierig und emotional angreifbar, aber genau diese Unbequemlichkeit verhindert, dass der Film zur netten Naturgeschichte wird. Nach diesem Film sind Gorillas keine exotische Idee mehr, sondern konkrete Leben, und ihr Schutz wird zu einer Verantwortung, die einen so schnell nicht loslässt.

  • 10 Worldbuilding-Fakten, die die Welt von "Avatar" noch besser machen

    10 Worldbuilding-Fakten, die die Welt von "Avatar" noch besser machen

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Oft hört man die Kritik, Avatar fehle die erzählerische Tiefe eines Star Wars oder Der Herr der Ringe. Wer aber hinter die Kulissen blickt und ein wenig recherchiert, merkt: James Cameron hat kein dünnes Skript abgeliefert, sondern ein in sich stimmiges Ökosystem entworfen. 

    Die Komplexität steckt weniger in Stammbäumen und Chroniken, sondern in biologischer Logik, technischer Plausibilität und kultureller Konsistenz. Sprache, Fauna und Umweltregeln sind bewusst gestaltet und greifen ineinander, statt nur Kulisse zu sein. Viele Details bleiben auch in der neuen Fortsetzung Avatar: Fire and Ash (2025) beiläufig, werden aber in Begleitmaterialien und Interviews konkret erklärt. Hier kommen zehn Fakten, die zeigen, wie tief Pandoras Worldbuilding tatsächlich reicht.

    1. Die linguistische Tiefe: Mehr als nur Kauderwelsch

    Ein zentraler Pfeiler der Glaubwürdigkeit von Avatar (2009) ist die von Professor Paul Frommer entwickelte Na’vi-Sprache. Sie ist kein zufälliges Gemisch aus Lauten, sondern eine voll funktionsfähige Kunstsprache mit eigener Grammatik und über 1.000 Wörtern. Der Name „Na’vi“ selbst trägt eine bewusste Doppelbedeutung: In der Lore steht er schlicht für „das Volk“, während er realweltlich auf das hebräische Wort für „Prophet“ anspielt – ein Verweis auf ihre tiefe spirituelle Bindung. Diese Tiefe diente am Set als Stabilitätsanker: Die Darsteller mussten die Sprache aktiv lernen, damit Mimik und Betonung im Performance-Capture präzise zur Phonetik passten. Es ist dieser ausgeklügelte Unterbau, der dafür sorgt, dass sich die Sprache für uns zwar fremd anfühlt, aber eben nicht wie sinnfreies Kauderwelsch.

    2. Die „Regel der Sechs“: Biologische Konsistenz

    Hast du dich jemals gefragt, warum die meisten Tiere auf Pandora sechs Gliedmaßen haben, die Na’vi aber nur vier? Dieses Detail ist kein Designfehler, sondern evolutionäres Worldbuilding. Fast alle Wirbeltiere Pandoras, vom Schreckenspferd bis zum Leonopteryx, sind hexapedal (sechsfüßig). Die Na’vi und ihre nächsten biologischen Verwandten, die Prolemuren, bilden die Ausnahme. Beim affenähnlichen Prolemur sind die oberen Gliedmaßen am Ellenbogen gespalten. Das wirkt wie ein Fingerzeig auf eine Zwischenstufe in der Evolution von sechs zu vier Gliedmaßen. James Cameron wollte eine fiktive Welt schaffen, die sich über Millionen von Jahren entwickelt hat, wobei die Na’vi als „dominante Primaten“ Pandoras eine spezialisierte Entwicklung durchlaufen haben, die sie uns Menschen ähnlicher macht.

    3. Tsaheylu: Das biologische Glasfaserkabel

    Die neuronale Verbindung, die die Na’vi mit ihrer Umwelt eingehen, wird oft als „magischer Hokuspokus“ abgetan. Cameron hat jedoch erklärt, dass es sich um eine rein biologische Schnittstelle handelt. Der „Kuru“ (der neuronale Zopf) ist im Grunde ein freiliegendes Nervenbündel, das wie ein organisches Glasfaserkabel funktioniert. Es ermöglicht den direkten Austausch von Daten, Emotionen und Erinnerungen. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Ökosystem: Pandora ist ein gigantisches, neuronales Netzwerk. Wenn die Na’vi mit Eywa kommunizieren, „loggen“ sie sich buchstäblich in das planetarische Bewusstsein ein. Das betont die spirituelle Ebene des Films, hat aber zugleich einen plausibel gedachten biologisch-wissenschaftlichen Unterbau.

    4. Die Etymologie des „Avatars“

    Der Titel klingt nach Sci-Fi-Branding, hat aber eine klare inhaltliche Klammer: „Avatar“ bedeutet je nach Kontext entweder die Inkarnation einer Gottheit (aus dem Sanskrit „Avatara“) oder eine Stellvertreterfigur in digitalen Welten. In der hinduistischen Tradition bezeichnet es das Herabsteigen einer Gottheit in eine irdische Form, oft mit blauer Haut dargestellt – ein direkter visueller Verweis auf die Na’vi. Cameron verknüpft diese uralte Mythologie mit modernster Computertechnologie. Für Jake Sully ist der Avatar anfangs nur ein High-Tech-Werkzeug, doch am Ende vollzieht er durch ein spirituelles Ritual eine permanente Seelenübertragung. Aus dem Stellvertreter wird eine echte Inkarnation, was die zentrale philosophische Frage des Films unterstreicht: Wo existiert unser wahres Bewusstsein?

    5. RDA-Technologie: Hard Science im Schatten der Natur

    Während Pandoras Natur fantastisch wirkt, ist die Technik der Menschen nüchtern und realistisch geerdet. Hinter der Ressourcenförderung steht die Resources Development Administration (RDA), die den Ressourcenabbau auf Pandora organisiert und durchsetzt. Das Raumschiff ISV Venture Star aus dem ersten Teil ist eines der realistischsten Raumschiff-Designs der Filmgeschichte. Es nutzt Materie-Antimaterie-Annihilation und riesige Radiatoren, um Hitze im All abzustrahlen. Cameron, ein Technik-Enthusiast, legte Wert darauf, dass die menschliche Hardware den physikalischen Gesetzen folgt. Diese Detailverliebtheit sorgt für einen harten Kontrast: Die „kalte“ Logik der Menschen prallt auf die „warme“, vernetzte Biologie Pandoras. Dieser technologische Realismus macht die Bedrohung durch die RDA weitaus greifbarer als die oft austauschbare Technik anderer Sci-Fi-Epen.

    6. Evolutionäre Anpassung: Die Metkayina (Avatar 2)

    In The Way of Water (2022) lernen wir den Metkayina-Clan kennen. Viele Zuschauer sahen in ihnen nur „grüne Na’vi“, doch das Worldbuilding geht tiefer. Ihre Anatomie ist perfekt an das Leben im Ozean angepasst: Sie besitzen breitere, flossenartige Unterarme und Schwänze, die ihnen im Wasser enorme Geschwindigkeit verleihen. Ihre Hautfarbe ist heller und mit Mustern versehen, die an Lichtreflexionen auf der Wasseroberfläche erinnern. Sogar ihre Augen haben eine Nickhaut (ein drittes Augenlid), um sie unter Wasser zu schützen. Diese biologischen Unterschiede zeigen, dass der Kontinent Pandora riesig ist und die Na’vi keine homogene Masse sind, sondern sich – genau wie wir Menschen – über Jahrtausende an ihre spezifischen Lebensräume angepasst haben.

    7. Biolumineszenz als Kommunikationssystem

    Das Leuchten Pandoras bei Nacht ist nicht nur ein optisches Gimmick. Es ist ein komplexes System zur Kommunikation und Tarnung. Viele Pflanzen und Tiere nutzen spezifische Lichtfrequenzen, um Partner anzulocken oder Fressfeinde zu warnen. Für die Na’vi dient die Biolumineszenz ihrer eigenen Haut (die hellen Punkte in ihren Gesichtern) als Ausdruck von Emotionen und Gesundheitszustand; sie leuchten heller, wenn sie aufgeregt oder gesund sind. Da Pandora während der „Nacht“ (wenn der Gasriese Polyphemus die Sonne verdeckt) in Dunkelheit gehüllt ist, hat sich ein Großteil der Flora und Fauna auf diese visuelle Sprache spezialisiert, was Pandora zu einem ständig pulsierenden Informationsnetzwerk macht.

    8. Unobtanium und die Physik der schwebenden Berge

    Warum schweben die Hallelujah-Berge? Das Geheimnis liegt im Unobtanium, einem extrem seltenen Supraleiter, der bereits bei Raumtemperatur funktioniert. Dieses spezielle Gestein auf Pandora sorgt durch gewaltige magnetische Ströme einen sogenannten Maglev-Effekt. Da die schwebenden Berge riesige Vorkommen an Unobtanium enthalten, werden sie in den starken Magnetfeldern der Planetenoberfläche abgestoßen und beginnen zu driften. Dieser physikalische Prozess ist der Grund für die spektakulären Landschaften und erklärt gleichzeitig, warum die RDA bereit ist, Milliarden in die Zerstörung des Ökosystems zu investieren. Es ist kein bloßer Bergbau, sondern der Kampf um eine Ressource, die die Energiekrise unserer Erde lösen könnte. Das Worldbuilding verzahnt hier Geologie mit Politik: Der Rohstoff bestimmt die Machtverhältnisse und treibt den Konflikt der Handlung direkt an.

    9. Die Tulkun-Kultur: Eine nicht-menschliche Zivilisation

    Die walähnlichen Tulkun sind weit mehr als bloße Meeresbewohner; sie sind eine hochintelligente, empfindsame Spezies mit einer eigenen, komplexen Zivilisation. Sie besitzen eine mathematische und musikalische Begabung, die jene der Menschen und Na’vi bei weitem übertrifft. Sie führen eine mündliche Geschichtsschreibung über Generationen hinweg und folgen einem strengen Moralkodex, dem „Weg des Tulkun“, der Gewalt kategorisch ablehnt. Diese pazifistische Philosophie führte einst zur Verbannung von Payakan, was zeigt, dass die Tulkun über komplexe soziale und rechtliche Strukturen verfügen. Ihr Status als „Seelenbrüder“ der Metkayina ist keine bloße Folklore, sondern eine tief verwurzelte Allianz, die Pandora als einen Ort definiert, an dem verschiedene Formen von Intelligenz gleichberechtigt koexistieren.

    10. Das Asche-Volk: Die dunkle Seite Pandoras

    In Avatar: Fire and Ash wird das Worldbuilding um eine düstere Facette erweitert: den Varang-Clan, auch bekannt als das „Asche-Volk“. Diese Na’vi leben in den vulkanischen Regionen Pandoras und verkörpern eine Seite ihrer Kultur, die wir bisher nicht kannten: Aggression, Schmerz und Verbitterung. Ihr Lebensraum ist geprägt von kargen Lavawüsten, was sich in ihrer gräulichen Hautfarbe und einem weitaus pragmatischeren, fast zerstörerischen Umgang mit ihrer Umwelt widerspiegelt. Das Asche-Volk bricht das Bild des stets friedfertigen Naturvolkes und zeigt, dass die Verbindung zu Eywa auch dunkle Züge annehmen kann. Damit beweist Cameron, dass Pandora kein statisches Paradies ist, sondern ein Ort mit tiefen soziopolitischen Spannungen und moralischen Grauzonen.

  • Diese 10 Filme müsst ihr an Silvester zur exakten Uhrzeit starten – damit um Mitternacht eine ikonische Szene läuft

    Diese 10 Filme müsst ihr an Silvester zur exakten Uhrzeit starten – damit um Mitternacht eine ikonische Szene läuft

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Ein gepflegter Filmabend gehört zweifellos zu den besten und angenehmsten Arten, den Silvesterabend zu verbringen – egal ob in trauter Zweisamkeit, als Solo-Aktivität oder gemeinsam mit Freunden und Familie. 

    Mit einem kleinen Trick lässt sich dieser Abend jedoch noch magischer gestalten: Wenn ihr bestimmte Filme zur exakt richtigen Uhrzeit startet, landet ein entscheidender Moment genau um Mitternacht. So feiert ihr mit euren Lieblingshelden (oder wahlweise auch mit legendären Bösewichten) gemeinsam den Jahreswechsel auf besondere Art und Weise und die Filmparty bei euch zu Hause wird erst richtig euphorisch. Wenn ihr also einen Filmmarathon zu Silvester plant und den Jahreswechsel perfekt timen wollt: Hier sind zehn ideale Beispiele samt Startzeiten, die ihr unbedingt beachten müsst!

    1. Zurück in die Zukunft (1985) – Start um 22:19:07 Uhr

    Back to the future… und ab ins neue Jahr! Wer den Jahreswechsel mit Marty McFly & Co. verbringen möchte, kann das ganz einfach ton. Wenn ihr Zurück in die Zukunft exakt um 22:19:07 Uhr startet, rast Marty McFly genau um Mitternacht mit dem DeLorean auf 88 Meilen pro Stunde – und zurück ins Jahr 1985! Das ist gleich eine der Königsdisziplinen der Silvester-Filmtimings! Ein Filmsprung als Countdown: Draußen beginnt das neue Jahr und am Bildschirm gibt’s eine der großartigsten Zeitreisesequenzen der gesamten Kinogeschichte aus. Die Mischung aus Nostalgie, Spannung und dem Gefühl eines echten „Neuanfangs“ macht diese Szene perfekt für Silvester. Die Symbolik funktioniert wunderbar: Man verlässt 2025 genau in dem Moment, in dem Marty sein Schicksal wendet.

    2. Krieg der Sterne (1977) – Start um 22:02:43 Uhr

    Mit Star Wars ins neue Jahr – und auch der Filmuntertitel Eine neue Hoffnung passt absolut perfekt! Startet Krieg der Sterne um gneau 22:02:43 Uhr – dann erlebt ihr nämlich,  wie der Todesstern exakt in dem Moment explodiert, in dem draußen das neue Jahr beginnt. Luke Skywalker gelingt sein legendärer Schuss – ein galaktischer Knall als Silvesterfeuerwerk. Diese Synchronisierung fühlt sich triumphal und erhebend an. Die Szene steht für Hoffnung, Neubeginn und Mut, perfekt für den Start in ein neues Jahr. Gerade gemeinsam mit Freunden sorgt dieser Moment für Jubel und Gänsehaut. Möge die Macht des neuen Jahres mit euch sein!

    3. Alien (1979) – Start um 23:03:38 Uhr

    Wie wäre es mit dem Sci-Fi-Horror-Klassiker Alien, mit den grandiosen und vergesslichen Kreaturendesigns von H. R. Giger und der unvergleichlich düsteren Atmosphäre? Alien ist tatsächlich ein ungewöhnlich spannender Kandidat fürs Neujahr-Timing – allerdings nichts für Zartbesaitete. Wenn ihr den Film exakt um 23:03:38 Uhr startet, platzt der berüchtigte Chestburster genau zu Mitternacht aus Kanes Brust. Feierlich ist das nicht, aber für Horror- und Giger-Fans garantiert einer der makabersten und gleichzeitig lustigsten Silvester-Späße überhaupt. Dieser perfekt getimte Schockmoment sorgt regelmäßig für staunende Gäste, hysterisches Gelächter und eine unvergessliche Art, das neue Jahr mit purem Adrenalin und maximalem Kultfaktor zu beginnen.

    4. Stirb langsam – Start um 21:56:47 Uhr

    Die Diskussion, ob Stirb langsam nun ein Weihnachtsfilm ist oder nicht, ist mittlerweile altbekannt und eigentlich längst durchgespielt – aber egal, welche Antwort man bevorzugt: Als Silvesterfilm taugt der Action-Epos mit Kinolegende Bruce Willis auf jeden Fall. Wenn ihr Stirb langsam auf die Sekunde genau um 21:56:47 Uhr startet, stürzt Hans Gruber exakt zu Mitternacht vom Nakatomi Plaza. Ein herrlich schwarzhumoriger Countdown, während andere gerade aufs Feuerwerk schauen. Wer den Bonus möchte, beginnt 20 Sekunden früher – dann landet Gruber genau um zwölf. Für Actionfans ein kultiger, ungewöhnlicher und verdammt unterhaltsamer Start ins neue Jahr … und ein garantiert unterhaltsamer Actionabend obendrein!

    5. Titanic (1997) – Start um 21:07:43 Uhr

    Wer an Neujahr auf ein großes Drama-Epos und maximale Gefühlskino-Intensität setzt und sich einen der größten Klassiker aller Zeiten anschauen will, muss Titanic um 21:07:43 Uhr starten. Dann seht ihr nämlich genau zu Mitternacht, wie Jack und Rose am Bug stehen und sie den ikonischen Satz „Ich fliege!“ ruft – ein Moment voller Hoffnung, Freiheit und Neubeginn, perfekter kann ein Jahreswechsel kaum inszeniert sein. Natürlich bleibt auch im neuen Jahr die uralte Frage bestehen, ob Jack nicht doch auf das verdammte Rettungsfloß gepasst hätte… aber das ist eine Diskussion für später. Ein romantischer Start in 2026 für alle Fans großer Gefühle.

    6. Der große Gatsby (2013) – Start um 22:55:00 Uhr

    Der große Gatsby, nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald (einem absoluten Klassiker der englischsprachigen Literatur), ist eine ideale Wahl für Silvester. Schließlich geht es im Film um opulente Partys, Dekadenz, Sehnsucht und die ewige Jagd nach dem perfekten Moment – alles Zutaten, die hervorragend zum Jahreswechsel passen. Auch wenn die eigene Feier vermutlich nicht ganz so glamourös ausfällt wie die von Jay Gatsby, eignet sich der Film als Silvesterkulisse perfekt. Wer Der große Gatsby um 22:55 Uhr startet, landet nämlich genau zu Mitternacht mitten in Gatsbys schillernder Luxusparty. Art-Déco-Glitzer, Champagnerfontänen, Exzess – ein stilvoller, rauschhafter Start in 2026.

    7. Harry und Sally (1989) – Start um 22:31:41 Uhr

    Harry und Sally ist eine der bekanntesten Romanzen der Hollywood-Filmgeschichte. Meg Ryan und Billy Crystal zeigen hier, wie aus Freundschaft langsam, chaotisch und wunderschön Liebe entsteht – ein Klassiker, der bis heute nichts von seinem Charme verloren hat. Ihr habt zu Silvester Lust auf echte Romantik? Dann beginnt Harry und Sally um 22:31:41 Uhr. Genau zu Mitternacht gesteht Harry auf der legendären Silvesterparty seine Liebe – ein Moment voller Emotionalität, Wärme und Hoffnung. Während draußen die Raketen steigen, entfaltet sich auf dem Bildschirm einer der schönsten Liebesmomente des Kinos. Ein perfekter, herzenswarmes Start ins neue Jahr.

    8. Ghostbusters (1984) – Start um 22:36:00 Uhr

    Wen ruft ihr zu Silvester? Richtig: Ghostbusters! Wer an Silvester lieber lachen als weinen möchte, sollte dringend Ghostbusters ins Programm aufnehmen – kaum ein Film vereint 80s-Charme, Chaos und Kult so elegant. Und das Beste: Auch für das perfekte Neujahrs-Timing taugt der Klassiker sensationell gut! Wenn ihr Ghostbusters exakt um 22:36 Uhr startet, erscheint der legendäre Stay-Puft-Marshmallow-Mann genau zu Mitternacht erstmals in voller Größe auf der Leinwand. Ein großartig absurder, ikonischer Moment, der perfekt zu einer humorvollen Silvesternacht passt. Ob als Partyfilm oder als nostalgischer Wohlfühlklassiker – dieser Auftritt sorgt garantiert für Lachen, gute Stimmung und den vielleicht süßesten Countdown aller Zeiten.

    9. Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001) – Start um 21:51:30 Uhr

    Epischer geht Silvester nun wirklich nicht. Wer den Jahreswechsel mit Frodo & Co. sowie Mittelerde-Flair, Pathos und einem echten Gänsehautmoment feiern will, sollte Der Herr der Ringe: Die Gefährten um 21:51:30 Uhr starten. Denn dann schreit Gandalf exakt um Mitternacht sein ikonisches „Du kannst nicht vorbei!“ in den Abgrund der Moria-Brücke – ein symbolischer Kampf gegen das alte Jahr, während das neue gerade beginnt. Der Moment ist dramatisch, emotional aufgeladen und visuell überwältigend. Für Fantasy-Fans gehört dieses perfekte Timing zu den absoluten Highlights jeder Silvesternacht. Besser kann man das neue Jahr kaum mit epischer Kraft begrüßen.

    10. Spider-Man (2002) – Start um 22:54:23 Uhr

    Ihr wollt euer neues Jahr mit Nostalgie, Superheldenflair und einer guten Portion Romantik beginnen? Dann ist Spider-Man eine fantastische Wahl. Startet ihr den Kultfilm mit Tobey Maguire exakt um 22:54:23 Uhr, landet der berühmte kopfüber ausgeführte Kuss zwischen Spider-Man und MJ genau auf Mitternacht. Statt eines klassischen Neujahrskusses bekommt ihr eine der ikonischsten Romantic-Moments der 2000er geliefert – inklusive Regen, Dramatik und Danny Elfmans unvergesslichem Score. Für Fans des frühen Superheldenkinos ist das ein Highlight, das den Jahreswechsel zu einem kleinen filmischen Feuerwerk macht. Perfekt für alle, die 2026 mit einem Hauch Magie beginnen wollen.

  • Die besten Filme und Serien über Brettspiele – und kommende Tabletop-Adaptionen

    Die besten Filme und Serien über Brettspiele – und kommende Tabletop-Adaptionen

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Dass Computerspiele längst ein etablierter Stoff für XXL-Verfilmungen sind, ist längst bekannt – aber nicht nur das digitale Spielen stellt sich immer wieder ins Zentrum des Kino-Narrativs. Auch das gute alte Brettspiel, auf Englisch gerne Tabletop genannt, diente immer wieder als Ausgangspunkt für großartige Kinoabenteuer.

    Kartenspiele, Würfelspiele oder Rollenspiele inklusive – oft sind es gerade die klaren Regeln, die erst den Raum für Chaos, Zufall und menschliche Abgründe öffnen. Mal wird das Spiel selbst zur unkontrollierbaren Macht, die in die reale Welt hineinbricht, mal zum psychologischen Schlachtfeld, mal zum tödlichen Ritual mit festgeschriebenen Regeln. Das Spielbrett wird zur Bühne, der Würfel zum Schicksalsinstrument, die nächste Runde zur existenziellen Frage. Diese zehn Filme und Serien zeigen, wie stark das Kino wird, wenn es das Spielen ernst nimmt.

    1. Jumanji (1995)

    Keine Frage, Jumanji ist der Archetyp und das Paradebeispiel für Tabletop-Verfilmungen – und das auf mehreren Ebenen. Ein magisches Brettspiel steht im Zentrum der Handlung, eines, das seine Spieler nicht nur fordert, sondern sie gnadenlos in die Konsequenzen jedes einzelnen Würfelwurfs hineinzieht. Wer spielt, setzt nicht bloß eine Figur, sondern entfesselt reale Gefahren: stampfende Nashörner, reißende Fluten, tödliche Pflanzen. Das Spiel duldet keinen Abbruch, kein Pausieren, kein Aussteigen. Erst wer es zu Ende spielt, darf zurück in die Normalität. Jumanji macht das Brettspiel selbst zum Antagonisten – unpersönlich, regelbasiert und doch grausam kreativ. Genau darin liegt seine bis heute ungebrochene Faszination: Das Spiel kennt kein Erbarmen, nur Regeln. Und Regeln müssen befolgt werden.

    2. Das Damengambit (2020)

    Mit Das Damengambit (englischer Originaltitel: The Queen’s Gambit) lieferte Regisseur Scott Frank eine der großartigsten Serien der 2020er-Jahre. Im Zentrum steht der Klassiker schlechthin: Schach – hier weit mehr als nur ein Spiel, sondern ein Machtinstrument, eine Obsession und ein Spiegel innerer Abgründe. Die Serie erzählt vom Aufstieg der jungen Beth Harmon in einer strikt männerdominierten Welt, in der jede Partie ein Kampf um Kontrolle ist. Schach wird zum Schlachtfeld mit Metaebenen: Strategie trifft auf Intuition, Berechnung auf Sucht, Genialität auf Selbstzerstörung. Die Duelle sind psychologische Kriegsführung, oft wortlos, aber hochdramatisch. Grandioser hätte man Schach kaum inszenieren können: Sportfilm trifft Charakterstudie, Coming-of-Age auf Prestige-Drama, Kaltes Denkspiel auf emotionale Fallhöhe. Fans der Serie haben Grund zur Freude: Eine neue Staffel ist in Arbeit.

    3. Ouija: Spiel nicht mit dem Teufel (2014)

    Die Ouija-Filme basieren auf einem der bekanntesten – und umstrittensten – Brettspiele der Welt. Das spiritistische Board dient hier als direkter Kanal ins Jenseits. Anders als bei vielen Horrorfilmen ist das Spiel nicht nur Auslöser, sondern permanentes Werkzeug der Handlung. Jede Sitzung ist ein Risiko, jede Frage ein potenzieller Fehler. Die Filme leben von der Angst vor dem Regelbruch: Wer das Spiel nicht richtig beendet, öffnet Türen, die sich nicht mehr schließen lassen. Ouija: Spiel nicht mit dem Teufel nutzt das Brettspiel als Symbol für menschliche Neugier und Hybris. Der Wunsch nach Antworten wird zur Gefahr. Auch wenn die Filme kritisch aufgenommen wurden, zeigen sie eindrücklich, wie stark ein simples Spielkonzept als Horrormechanik funktionieren kann.

    4. Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben (2023)

    Mit Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben schaffte es erstmals eine große Kinoadaption, den Geist eines Tabletop-Rollenspiels einzufangen. Die Handlung fühlt sich an wie eine tatsächlich gespielte D&D-Kampagne: chaotische Heldengruppe, missglückte Pläne, überraschende Wendungen. Würfelwürfe sieht man zwar nicht, aber ihre Logik ist ständig spürbar. Entscheidungen haben Konsequenzen, Glück und Pech wechseln sich ab. Der Film nimmt die Welt ernst, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Humor entsteht genau dort, wo Rollenspieler ihn kennen: wenn der perfekte Plan scheitert oder ein Nebencharakter unerwartet glänzt. Honor Among Thieves ist weniger Fantasy-Epos als Liebeserklärung an das gemeinsame Erzählen am Spieltisch – und damit eine der gelungensten Spieladaptionen überhaupt.

    5. Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel (2017–2019)

    Kakegurui: Das Leben ist ein Spiel verlegt das Spielmotiv in eine exzessive Anime-Welt, in der Glücksspiel über sozialen Status entscheidet. Karten-, Würfel- und Strategiespiele bestimmen Hierarchien, Beziehungen und Macht. Wer verliert, wird zum Eigentum der Gewinner. Die Spiele selbst sind oft überkomplex, manipulativ und psychologisch brutal. Genau darin liegt der Reiz der Serie: Es geht weniger um Glück als um das Lesen des Gegners. Bluff, Täuschung und Wahnsinn gehören zur Grundausstattung. Kakegurui zeigt Spiele als extreme Form sozialer Interaktion, bei der jede Entscheidung öffentlich bewertet wird. Die Serie ist überzeichnet, laut und gnadenlos, aber sie trifft einen wahren Kern: Spiele können Systeme erschaffen, die Menschen formen – oder zerstören. Kaum eine Serie inszeniert das so radikal.

    6. Zathura: Ein Abenteuer im Weltraum (2005)

    Wer Jumanji mochte, sollte Zathura: Ein Abenteuer im Weltraum nicht verpassen – auch wenn der 2005 erschienene Film von Regisseur Jon Favreau bei vielen Filmfans eher unter dem Radar lief. Dabei gibt es bei Zathura viele Parallelen zum Klassiker mit Robin Williams: Ein magisches Brettspiel steht im Zentrum der Handlung, nur dass es seine Spieler diesmal nicht in den Dschungel, sondern direkt ins Weltall schleudert. Jede Runde bringt neue Bedrohungen mit sich – von aggressiven Robotern über Meteoriten bis hin zu bizarren Zeitverschiebungen. Eskapismus und Ausflüchte? Fehlanzeige, Kooperation ist für die Protagonisten die einzige Option. Auch hier steht das Brettspiel auf einer Metaebene: Es ist nicht bloß Auslöser der Handlung, sondern ihr ordnendes Prinzip.

    7. Battleship (2012)

    Battleship ist eine der freiesten Brettspieladaptionen überhaupt. Vom klassischen Spiel „Schiffe versenken“ bleibt vor allem der Name und das Rasterdenken. Statt Papier und Stift gibt es hier Kriegsschiffe, Aliens und Explosionen. Kritiker bemängelten den losen Bezug zum Spiel, doch genau das macht den Film interessant für diese Liste. Battleship zeigt, wie Marken und Spielideen als Ausgangspunkt für völlig neue Narrative dienen können. Das Prinzip des strategischen Treffens und Verfehlens wird auf militärische Ebene gehoben. Als Brettspielverfilmung im engeren Sinne mag der Film fragwürdig sein, als popkulturelles Experiment ist er jedoch ein wichtiger Beleg dafür, wie weit Spieladaptionen sich von ihrem Ursprung entfernen können.

    8. Werewolves Within (2021)

    Werewolves Within nimmt sich ein ganz besonderes Brettspiel als narratives Zentrum: „Werwölfe von Düsterwald“, ein soziales Deduktionsspiel, bei dem Täuschung, Verdacht und systematisches Misstrauen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Genau dieses Prinzip setzt Regisseur Josh Ruben gekonnt um. Das Spielprinzip – Diskussion, Verdacht, Abstimmung – wird direkt auf die Handlung übertragen. Gespräche werden zu taktischen Manövern, Dialoge zu verdeckten Angriffen, jedes Wort kann zur Falle werden. Daraus entsteht eine dichte Atmosphäre aus Beklemmung und Paranoia. Im Zentrum steht nicht das Monster, sondern die Gruppendynamik. Und genau das macht den Film so effektiv: Werewolves Within ist ein kluger Genre-Mix, der weniger auf Schockeffekte setzt als auf psychologischen Druck – und damit Fans von cleverem Horror ebenso abholt wie Liebhaber bitterböser Mystery-Thriller.

    9. Clue (1985)

    Fans von Tabletop-Verfilmungen sollten Clue (deutscher Titel: Alle Mörder sind schon da)  keinesfalls ungesehen lassen, denn eleganter und verspielter kann man sich dem Thema kaum nähern. Hier nimmt sich Regisseur Jonathan Lynn des absoluten Spieleklassikers Cluedo an – eines Brettspiels, das wohl fast jeder schon einmal gespielt hat. Im Spiel geht es um Mord, Motive und falsche Fährten, auf der großen Leinwand adaptiert bedeutet das: pointierte Dialoge, präzises Timing und ein whodunit, das seine eigenen Regeln genüsslich ausreizt. Clue übersetzt die Spielmechanik nicht nur in Handlung, sondern auch in Struktur. Das Brettspiel wird so zur dramaturgischen Blaupause. Das Ergebnis ist eine Komödie, die das Spiel ernst nimmt, ohne sich selbst jemals zu ernst zu nehmen. 

    10. Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot (2019)

    Ready or Not macht aus einem scheinbar harmlosen Gesellschaftsspiel ein gnadenloses Horror-Szenario. Im Zentrum steht ein tödliches Familienspiel, dessen Regeln älter sind als jede Moral. Wer mitspielt, akzeptiert die Konsequenzen – freiwillig oder nicht. Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett nutzen das Spiel nicht nur als Aufhänger, sondern als zentrales Machtinstrument. Das Brettspiel wird zum Ritual – und das beinhaltet viel Gewalt auf mehreren Ebenen. Besonders perfide: Niemand hinterfragt das Spiel selbst, nur die eigene Position darin. So wird Ready or Not gleichermaßen zu einer sehenswerten Gesellschaftssatire wie auch zu einem spannenden Thriller. Gerade deshalb bleibt Ready or Not so lange im Kopf: weil er zeigt, wie schnell blinder Regelgehorsam in blanken Horror kippen kann. Wer den Film mochte, darf sich auf einen zweiten Teil freuen – einen ersten Trailer gibt es bereits.

    11. Monopoly (in Entwicklung)

    Monopoly auf der großen Leinwand? Was nach einem Scherz klingt, soll bald Realität werden. Die Fußstapfen sind groß, schließlich hat man es hier mit einem der bekanntesten Brettspiele der ganzen Welt zu tun – einem Spiel, in dem es um Geld, Besitz und Macht geht. Gerade in Zeiten eines zunehmend hinterfragten Kapitalismus wirkt das Thema fast zwangsläufig relevant und bietet potenziell Stoff für Satire, Gesellschaftskritik oder sogar dystopisches Kino. Produziert wird das Projekt unter anderem von Margot Robbies Produktionsfirma LuckyChap, die bereits mit Barbie gezeigt hat, wie sich ikonische Marken klug brechen lassen. Noch ist über Ton und Handlung wenig bekannt. Klar ist aber: Monopoly bringt viel Potenzial mit sich!

    12. Catan (in Entwicklung)

    Mit Catan steht eines der einflussreichsten modernen Brettspiele vor der Leinwandadaption. Das 1995 erschienene Strategiespiel über Expansion, Handel und Ressourcenmanagement hat das Genre nachhaltig geprägt. Eine geplante Film- und Serienadaption bei Netflix, entwickelt gemeinsam mit Asmodee Entertainment, will die namensgebende Insel erstmals als erzählte Welt erfahrbar machen. Asmodee-CEO Thomas Koegler verweist darauf, dass Catan für viele Menschen bis heute der Einstieg ins moderne Brettspiel sei und über ein überraschend reiches Universum verfüge, das nun ein noch größeres Publikum erreichen könne. „Es ist zugleich ein Beleg dafür, dass Brettspiele längst ein fester Bestandteil der Popkultur sind und als Form der Unterhaltung in den Haushalten weltweit angekommen sind. Umso mehr freue ich mich, die Zusammenarbeit von Asmodee mit Netflix fortzusetzen“, erkärt Koegler.

  • „Emily in Paris” (oder Rom?): 10 Filme und Serien, die europäische Metropolen feiern

    „Emily in Paris” (oder Rom?): 10 Filme und Serien, die europäische Metropolen feiern

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Mit Emily in Paris hat Netflix eine Serie geschaffen, die weniger an Realismus als an Sehnsucht interessiert ist: Mode, Romanzen und das Gefühl, sich in einer Stadt neu erfinden zu können. Dass die 5. Staffel nun verstärkt in Rom spielt, wirkt dabei fast folgerichtig – denn europäische Metropolen sind hier vor allem Projektionsflächen für Lebensentwürfe. 

    Daran knüpft diese Liste an. Sie versammelt Filme und Serien, die Städte nicht nur zeigen, sondern spürbar machen – als Orte der Begegnung, der Verirrung und der Selbstfindung. Manche Metropolen stehen dabei im Rampenlicht, andere eher am Rand, aber alle prägen Ton, Figuren und Geschichten entscheidend.

    Midnight in Paris (2011) – Paris

    Woody Allens Midnight in Paris ist eine Liebeserklärung an Paris – und kreist auf mehreren Zeitebenen um die Stadt. Gil (Owen Wilson) wandelt nachts plötzlich durch das Paris der 1920er-Jahre und begegnet Künstlern wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald. Die Gegenwart und Vergangenheit der Stadt verschmelzen so zu einem melancholischen Traum. 

    Paris wird hier als ewige Inspirationsquelle inszeniert, die kreative Sehnsüchte nährt – aber auch die Gefahr birgt, die eigene Gegenwart zu verklären. Rachel McAdams, Marion Cotillard und Adrien Brody ergänzen das Ensemble.

    Vicky Cristina Barcelona (2008) – Barcelona

    Vicky Cristina Barcelona macht die katalanische Metropole zum Katalysator emotionaler Verwicklungen. Zwei Amerikanerinnen (Rebecca Hall, Scarlett Johansson) geraten in das Leben eines charismatischen Künstlers (Javier Bardem) und seiner unberechenbaren Ex-Frau (Penélope Cruz). Barcelona wird hier als sinnliche, kreative Stadt gezeigt – voller Kunst, Hitze und impulsiver Entscheidungen. 

    Die Handlung kreist um Liebe, Freiheit und Selbsttäuschung, während Gaudí-Architektur und mediterrane Atmosphäre ständig präsent sind. Der Film feiert Barcelona als Ort, an dem Lebensentwürfe ins Wanken geraten dürfen – und darin liegt sein anhaltender Reiz.

    Notting Hill (1999) – London

    Notting Hill ist eine romantische Komödie, die London überraschend leise und intim erzählt. Der schüchterne Buchhändler William (Hugh Grant) verliebt sich in den Filmstar Anna Scott (Julia Roberts) – mitten in einem der charmantesten Viertel der Stadt. 

    London erscheint hier nicht als hektische Weltstadt, sondern als Zusammenspiel aus Nachbarschaft, kleinen Läden und privaten Rückzugsorten. Gerade dieser Kontrast zwischen globalem Ruhm und lokaler Vertrautheit macht den Film so wirkungsvoll. Notting Hill feiert London als Metropole, in der große Geschichten auch im Kleinen beginnen können.

    Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) – Paris

    Jean-Pierre Jeunets moderner Klassiker macht Paris zu einem poetischen Paralleluniversum. Amélie Poulain (Audrey Tautou) bewegt sich durch Montmartre, Cafés und Hinterhöfe, als würde die Stadt eigens auf ihre inneren Welten reagieren. Die Handlung – Amélies Entscheidung, das Leben anderer heimlich zu verbessern – ist simpel, doch visuell und emotional dicht erzählt. 

    Paris erscheint hier nicht als reale Metropole, sondern als idealisierte Spielwiese für kleine Wunder, Zufälle und zarte Romanzen. Der Film feiert die französische Hauptstadt als Ort der leisen Exzentrik und emotionalen Offenheit – und prägt bis heute das internationale Bild der Stadt als romantisches Versprechen. 

    Über den Dächern von Nizza (1955) – Nizza

    Alfred Hitchcocks Über den Dächern von Nizza verbindet klassische Krimispannung mit mondänem Flair: Cary Grant und Grace Kelly bewegen sich durch Hotels, Villen und Küstenstraßen der französischen Riviera, während ein Juwelendieb die Stadt in Atem hält. Nizza ist hier weniger Metropole im klassischen Sinn als luxuriöser Sehnsuchtsort zwischen Stadt und Urlaubstraum. 

    Hitchcock nutzt die Kulisse gezielt und kontrastiert die Eleganz der Umgebung mit Misstrauen, Verdacht und Maskerade. Gerade dadurch entsteht ein spielerisches Porträt einer Stadt, die für Freiheit und Glamour steht – und zugleich als Bühne für Rollenwechsel und Täuschung dient.

    Babylon Berlin (Serie, 2017) – Berlin

    Babylon Berlin zeigt die titelgebende Stadt als pulsierende Metropole der Weimarer Republik – politisch aufgeladen, kulturell explosiv und gesellschaftlich polarisiert. Die Serie folgt dem Ermittler Gereon Rath und der Stenotypistin Charlotte Ritter (Volker Bruch, Liv Lisa Fries) durch Tanzlokale, Hinterzimmer und Machtzentren der Stadt. 

    Von “Feiern” kann natürlich nur die Rede sein, solange der Fokus der Serie auf der fragilen Freiheit und dem gesellschaftlichen Experiment der Zeit liegt, nicht auf dem späteren Terror. Berlin erscheint als Stadt der Möglichkeiten, aber auch der Abgründe – kaum eine Produktion hat die Metropole so konsequent als historischen, sozialen und emotionalen Resonanzraum inszeniert.

    Before Sunrise (1995) – Wien

    Richard Linklaters Before Sunrise beginnt als scheinbar beiläufige Begegnung in einem Zug und entfaltet sich in Wien zu einem der intimsten Stadtporträts des Kinos. Jesse und Céline (Ethan Hawke, Julie Delpy) streifen durch Straßen, Parks und Cafés, während Gespräche über Liebe, Leben und Vergänglichkeit die Stadt in einen Denkraum verwandeln. 

    Wien ist hier weder Postkartenmotiv noch historische Kulisse, sondern ein offener Möglichkeitsraum. Die späteren Filme der Trilogie verlagern das Gespräch nach Paris (Before Sunset) und schließlich nach Griechenland (Before Midnight), doch der Wiener Auftakt bleibt einzigartig: eine Nacht, eine Stadt, zwei Menschen – und das Gefühl, dass Metropolen manchmal nur dafür existieren, um Begegnungen zu ermöglichen.

    Der schlimmste Mensch der Welt (2021) – Oslo

    Joachim Triers Der schlimmste Mensch der Welt ist nicht nur ein Porträt einer jungen Frau, sondern auch ein präziser Blick auf Oslo als moderne, urbane Lebenswelt. Julie (Renate Reinsve) irrt durch Beziehungen, Karrieren und Selbstzweifel, während die Stadt mit ihren minimalistischen Wohnungen, teuren Straßen und stylischen Cafés stets präsent bleibt. Oslo wirkt hier elegant, funktional, und unterstreicht die exzentrische Selbstsuche von Julie als etwas, das man sich leisten können muss. 

    Der Film bildet den Abschluss von Triers sogenannter Oslo-Trilogie – zuvor: Auf Anfang (2006) und Oslo, 31. August (2011) –  die sich über Jahre hinweg mit Identität und Zeitgeist auseinandersetzt. In Der schlimmste Mensch der Welt wird die Metropole zum Spiegel innerer Unruhe – und gerade dadurch erstaunlich nahbar.

    Brügge sehen und sterben (2008) – Brügge 

    Zugegeben: Brügge ist keine Metropole. Und doch verdient der Film einen Platz auf dieser Liste. Brügge sehen und sterben nutzt die beschauliche mittelalterliche Stadt als ironischen Gegenentwurf zu urbaner Rastlosigkeit. Zwei Auftragskiller, Ray und Ken (Colin Farrell, Brendan Gleeson), warten nach einem missglückten Job in der belgischen Stadt auf neue Anweisungen. 

    Die pittoreske Kulisse steht im bitteren Kontrast zu Schuld, Gewalt und existenzieller Verzweiflung. Brügge wird für die Protagonisten zum Ort der erzwungenen Reflexion, vielleicht sogar zur Falle. Der Film beweist, dass auch kleinere Städte eine enorme erzählerische Kraft entfalten können – gerade wenn sie den Figuren keinen schnellen Ausweg bieten.

    Ripley (Serie, 2024) – Rom & europäische Sehnsuchtsorte

    Die Netflix-Serie Ripley interpretiert Patricia Highsmiths Romanstoff neu und verlegt den Fokus stärker auf Atmosphäre und Ort. Andrew Scott spielt Tom Ripley als kontrollierte, unheimlich leise Figur, die sich durch Rom, Küstenstädte und mondäne Rückzugsorte bewegt. Rom erscheint hier nicht als touristisches Spektakel, sondern als labyrinthartige Metropole voller Schatten, Geschichte und sozialer Codes. 

    An seiner Seite glänzen Dakota Fanning und Johnny Flynn. Die Stadt wird zur Bühne für Täuschung und Identitätsdiebstahl – überbordend, kühl und bedrohlich zugleich. Ripley zeigt, wie europäische Metropolen nicht nur romantisieren, sondern auch zur Inszenierung moralischer Abgründe eingesetzt werden können.

  • 10 spannende Hintergrund-Infos zu “Avatar”

    10 spannende Hintergrund-Infos zu “Avatar”

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Wir alle kennen die Schlagworte, die bei James Camerons Avatar sofort fallen: 3D-Revolution, Pandora, blaue Männchen, „Pocahontas im All“, Milliarden-Erfolg. Aber unter der Oberfläche steckt eine erstaunliche Menge an Details, die selbst Fans oft nicht kennen. 

    Nicht, weil die Informationen super-geheim wären, sondern weil sie im Spektakel leicht untergehen: Entscheidungen am Set, technische Experimente, hartes Training, der Bau einer echten Sprache, und kleine Weichenstellungen, die erklären, warum sich Pandora nicht wie bloße Kulisse anfühlt.

    Gerade jetzt, wo Avatar: Fire and Ash im Kino läuft, lohnt sich dieser Blick doppelt. Denn je größer die Reihe wird, desto spannender die Frage: Was macht diese Saga eigentlich so besonders?

    Na’vi als echte Sprache

    Cameron wollte keine blauen CGI-Wesen mit Kauderwelsch-Dialekt auf die Leinwand bringen, sondern real wirkende Figuren mit einer tief verwurzelten Kultur. Ein zentraler Pfeiler ist die von Professor Paul Frommer entwickelte Sprache mit komplexer Grammatik und über 1.000 Wörtern. Der Name Na’vi selbst trägt dabei eine bewusste Doppelbedeutung: In der Lore steht er schlicht für „das Volk“, während er realweltlich auf das hebräische Wort für „Prophet“ anspielt – ein Verweis auf ihre tiefe spirituelle Bindung an Pandora. Diese linguistische Tiefe ist weit mehr als nur ein „Nerd-Extra“; sie diente am Set als Stabilitätsanker. Die Darsteller mussten die Sprache aktiv lernen, damit Mimik und Betonung im Performance-Capture präzise zur Phonetik passten. Was wie die Pedanterie eines Perfektionisten wirkt, ist in Wahrheit das Fundament für eine Welt, die sich in ihren kleinsten Details absolut glaubwürdig anfühlt.

    Avatar war immer schon als Mehrteiler konzipiert

    Dass Avatar ein Mehrteiler ist, liegt nicht nur am irrwitzigen Einspielergebnis von Teil 1. Es liegt vor allem daran, dass Cameron die Reihe von Anfang an als Langzeitprojekt gedacht hat. Die grobe Roadmap läuft bis 2029/2031, und dahinter steckt ein ziemlich simples Prinzip: Jeder Film muss den vorherigen übertreffen, weil sich ein Projekt in dieser Größenordnung keine „Egal“-Kapitel leisten kann. Jeder Teil muss das Universum erweitern und die Geschichte vorantreiben, ohne den Kern zu verwässern. Cameron wollte die ersten drei Filme als in sich geschlossene Geschichte erzählen und danach mit Avatar 4 und 5 die Perspektive verändern: Zeitsprung, neuer Story-Arc, aber auf dem Fundament der ersten drei Teile aufbauend.

    1994: Die Ursprungsidee ist über 30 Jahre alt

    Avatar hat 3D im Kino wieder salonfähig gemacht. Wichtig ist aber: Die Entwicklung begann lange, bevor 3D überhaupt als Trend zurückkam. Cameron schrieb bereits 1994 ein ausführliches Treatment und wollte den Film deutlich früher drehen. Er hat das Projekt dann immer wieder verschoben, weil die bestehende Technik seiner Vision schlicht hinterherhinkte. Rückblickend macht genau das die Reihe spannender: Avatar ist kein Produkt, das einem Hype folgt, sondern das exakte Gegenteil. Und jeder neue Ableger verschiebt die Grenzen des Machbaren. Wenn du heute Teil 3 schaust, siehst du nicht nur ein unterhaltsames Spektakel, sondern auch einen technischen Meilenstein, dessen Innovationsdrang die gesamte Filmbranche beflügelt.

    Keine generative KI

    Bei einer Filmreihe, die so konsequent digitale Welten erschafft, scheint die Frage nach generativer KI naheliegend. Doch das Team hinter Avatar betont: Die Priorität liegt unerschütterlich bei der menschlichen Performance – sowohl vor als auch hinter der Kamera. James Cameron ist ein erklärter Verfechter des Gedankens, dass sich wahre kreative Arbeit nicht an Maschinen delegieren lässt; weder beim Entwurf der Concept Art noch beim Schauspiel. Für ihn ist Performance-Capture kein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, sondern eine Technologie, die menschliche Emotionen verlustfrei in eine digitale Form übersetzt. In einer Zeit, in der viele Blockbuster zunehmend synthetisch und beliebig wirken, liefert Avatar einen radikalen Gegenentwurf: Technisch maximal digital, doch der Kern der Inszenierung ist zutiefst analog.

    3D ist bei Avatar Bildsprache, nicht Nachbearbeitung

    Während viele 3D-Produktionen oft so wirken, als sei die räumliche Tiefe lediglich als Vorwand für höhere Ticketpreise nachträglich integriert worden, verfolgte Avatar einen kompromisslosen Ansatz: Hier war 3D von der ersten Sekunde an integraler Bestandteil der Bildsprache. Durch das eigens entwickelte Fusion-3D-Kamerasystem konnten Cameron und sein Team bereits am Set die räumliche Wirkung in Echtzeit kontrollieren, statt sich auf eine nachträgliche Konvertierung zu verlassen. Das Ergebnis ist eine perfekt komponierte Welt, in der Vorder-, Mittel- und Hintergrund organisch ineinandergreifen. Cameron etablierte damit eine eigene visuelle Sprache, die selbst Skeptiker überzeugte. Und durch den Einsatz von High Frame Rate (48 fps) stabilisiert Cameron die Tiefenwahrnehmung selbst in rasanten Action-Szenen und sorgt so für ein ermüdungsfreies Seherlebnis. Damit lieferte Avatar den endgültigen Beweis für 3D-Muffel: Nicht 3D an sich ist das Problem, sondern die oft lieblose Umsetzung.

    Cameron hat Pandora „live“ inszeniert

    Ein bahnbrechendes Merkmal von Avatar ist James Camerons Pionierarbeit in der sogenannten Virtual Production. Statt Schauspieler lediglich in Motion-Capture-Anzügen vor grauen Wänden zu filmen, agierte Cameron mit einer virtuellen Kamera in einer digitalen Echtzeit-Umgebung. Die American Society of Cinematographers beschreibt dieses System als einen getrackten Monitor mit integrierten Steuerelementen, der es dem Regisseur ermöglichte, die Darsteller bereits am Set als Na’vi in der Welt von Pandora zu sehen – statt als Menschen in MoCap-Lycra-Anzügen. Dieser Ansatz hebt die Avatar-Serie von anderen Produktionen ab: Die Szenen wirken dadurch nicht wie am Computer generierte Aufnahmen, sondern wie echte Kameraarbeit in einem digitalen Raum.

    Die Schauspieler mussten ins Dschungelcamp

    Um ein authentisches Gefühl für die Wildnis Pandoras zu entwickeln, schickte James Cameron sein Team in ein spezielles „Dschungelcamp“ auf Hawaii. Fernab klimatisierter Studios lernten die Schauspieler im dichten Regenwald, sich instinktiv durch unwegsames Unterholz zu bewegen. Besonders für Zoe Saldaña war die Vorbereitung auf ihre Rolle als Neytiri physisch extrem fordernd: Neben Bogenschießen und Kampfsport musste sie auch das Reiten ohne Sattel perfektionieren. Da die Na’vi keine Sättel nutzen, war dieses Bareback-Training essenziell, um ihre Körperbeherrschung später im Performance-Capture-Anzug glaubwürdig auf die Leinwand zu übertragen.

    Echte Unterwasser-Performance 

    Warum sollte man Unterwasserszenen mühsam in riesigen Wassertanks drehen, wenn das Endergebnis ohnehin am Computer entsteht? James Camerons Antwort ist so simpel wie kompromisslos: Um den “Videospiel-Look” zu vermeiden und echte physische Realität einzufangen. Dem Tiefsee-Enthusiasten war eine authentische Performance wichtig, die sich nicht einfach digital simulieren lässt. Seine Darsteller absolvierten ein wochenlanges Apnoe-Training, um unter Wasser minutenlang ohne Sauerstoffmaske zu agieren. Dass diese Szenen tatsächlich im nassen Element gespielt und gefilmt wurden, macht The Way of Water so eindrucksvoll. Heftig: Kate Winslet konnte durch das Training die Luft sensationelle sieben Minuten und 14 Sekunden lang anhalten und damit sogar den bisherigen Hollywood-Rekord von Tom Cruise brechen.

    Warum „Avatar“ als Titel das Thema auf den Punkt bringt

    Der Titel klingt nach Sci-Fi-Branding, hat aber eine klare inhaltliche Klammer: „Avatar“ bezeichnet je nach Kontext entweder die Inkarnation einer Gottheit (aus dem Sanskrit) oder eine Stellvertreterfigur, die eine Person digital oder innerhalb einer Geschichte repräsentiert. Beides greift Camerons Prämisse sauber auf, denn in Avatar wird menschliches Bewusstsein in einen anderen Körper „verlegt“ und erlebt die Welt buchstäblich durch die Ersatzhülle. Kleine Randnotiz: Der indische Schauspieler Govinda behauptet, James Cameron habe ihm eine Rolle angeboten und er selbst habe Cameron den Titel Avatar vorgeschlagen. Für diese Behauptung gibt es allerdings keine belastbaren Belege, und sie ist weder von Cameron noch aus seinem Umfeld bestätigt.

    Matt Damon lehnte die Hauptrolle ab

    Matt Damon wurde laut eigenen Aussagen die Hauptrolle des Jake Sully angeboten – inklusive einer außergewöhnlichen Gewinnbeteiligung: James Cameron stellte ihm zehn Prozent der Einnahmen in Aussicht. Damon lehnte jedoch ab, da er vertraglich an Das Bourne Ultimatum gebunden war und sein Team nicht im Stich lassen wollte. Angesichts der astronomischen Avatar-Einspielergebnisse ist klar: Diese Entscheidung kostete Damon schätzungsweise mehrere hundert Millionen Dollar. Anstelle des etablierten Megastars übernahm der damals noch weitgehend unbekannte Sam Worthington die Rolle. Obwohl er bereits erste Erfolge als Schauspieler feierte, war er noch weit vom großen internationalen Durchbruch entfernt. Das macht Worthingtons Besetzung zu einer der beeindruckendsten Aufsteigergeschichten der modernen Filmgeschichte.

  • “Spartacus”: Su schaust du alle Teile in der richtigen Reihenfolge

    “Spartacus”: Su schaust du alle Teile in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Als 2010 die erste Staffel von Spartacus startete, war das Fernsehen gerade im Umbruch: Serien wie Game of Thrones oder Rom brachten epische Geschichten mit filmischer Wucht ins Wohnzimmer, und plötzlich wollte jeder wissen, wie weit man historische Dramen treiben konnte. Spartacus war roher, intensiver und emotionaler und lieferte weniger höfisches Intrigenspiel und dafür mehr Körper, Blut und Freiheitshunger. 

    Jetzt, mit dem angekündigten Spin-off Spartacus: House of Ashur, bekommt das legendäre Gladiatoren-Universum neues Leben eingehaucht. Der Anlass ist ideal, um sich erneut durch die Saga zu kämpfen - von den Ursprüngen des Hauses Batiatus bis zum tragischen Ende der Rebellion. Die Serie bleibt dabei ein Paradebeispiel für Charakterentwicklung und erzählerische Konsequenz: Jede Staffel vertieft das, was die vorige aufgebaut hat, und führt Schritt für Schritt zu Spartacus’ Vermächtnis.

    1. Spartacus: Gods of the Arena (2011)

    Gods of the Arena ist ein Prequel zu Blood and Sand und sollte deshalb unbedingt zuerst angeschaut werden. Gods of the Arena erzählt, wie das Haus Batiatus zu Macht und Ruhm gelangt. Im Mittelpunkt steht der Gladiator Gannicus, dessen Stolz und Charisma die Arena dominieren, während Intrigen, Ehrgeiz und Gewalt langsam das Fundament der römischen Gesellschaft freilegen. Die Serie nutzt ihre sechs Episoden, um Figuren zu vertiefen, die später im Hauptplot entscheidend werden. Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die Blood and Sand noch stärker wirken lässt. Visuell und tonal wirkt Gods of the Arena fast wie eine Vorbereitung auf das, was kommt - weniger Rebellion, dafür mehr Herkunftsgeschichte. Es ist die Wurzel, aus der Spartacus’ Mythos wächst, und wer hier beginnt, versteht später, warum jede Tat in den folgenden Staffeln ihr Gewicht hat.

    2. Spartacus: Blood and Sand (2010)

    Mit Blood and Sand entfaltet sich das Herz der gesamten Saga. Der thrakische Krieger Spartacus, gespielt von Andy Whitfield, wird zum Spielball römischer Macht, zum Symbol des Widerstands und schließlich zur Legende. Die Serie ist brutal, aber nie selbstzweckhaft - ihre Gewalt dient dem Aufbau eines Systems, das durch Spartacus’ Kampf sichtbar gemacht wird. Zwischen Arena und Gefangenschaft, Loyalität und Verrat wächst der Held über sich hinaus. Im Vergleich zum ruhigeren Gods of the Arena ist Blood and Sand roher, emotionaler und direkter. Die Dynamik zwischen Spartacus und Batiatus gehört zu den besten Duellen der Fernsehgeschichte, das von Worten und nicht von Schwertern getragen wird. Diese Staffel ist das Fundament, auf dem alles steht: Der Moment, in dem aus einem Mann ein Mythos wird.

    3. Spartacus: Vengeance (2012)

    Vengeance führt die Reise von Spartacus fort und der Titel ist Programm: Spartacus hat sich von einem Gladiator zu einem wahren Rebellen entwickelt, der die römische Herrschaft herausfordert. In dieser Staffel sehen wir ihn als Anführer eines Aufstands, der in einer wachsenden Armee von Sklaven und Gladiatoren kulminiert. Der Film knüpft direkt an die Ereignisse von Blood and Sand an und zeigt, wie sich Spartacus und seine Gefährten dem römischen Imperium entgegenstellen. Die Staffel bringt nicht nur neue, spannende Charaktere, sondern vertieft auch die emotionalen Konflikte, die Spartacus durchlebt. Vengeance ist eine Staffel, die nicht nur die actionreichen Kämpfe liefert, sondern auch die komplexen Beziehungen und die psychologischen Aspekte der Rebellion erkundet. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt Vengeance politischer und strategischer - das Ringen um Führung, Moral und Zusammenhalt dominiert.

    4. Spartacus: War of the Damned (2013)

    Der dramatische Abschluss der Spartacus-Saga beginnt mit War of the Damned, in dem Spartacus endgültig gegen das römische Imperium aufbegehrt. Doch der Weg zum Sieg ist gepflastert mit Verlusten und Verrat, und die Rebellen müssen gegen die römischen Legionen und deren strategische Übermacht kämpfen. In War of the Damned werden die epischen Kämpfe noch größer und die persönlichen Opfer der Charaktere noch greifbarer. Hier kommt alles zusammen: das Pathos aus Blood and Sand, die strategische Tiefe aus Vengeance und die emotionale Wucht aus Gods of the Arena. Visuell ist diese Staffel größer als alles zuvor, gleichzeitig aber persönlicher, weil sie die Figuren an ihre Grenzen bringt. Spartacus ist hier kein bloßer Held mehr, sondern ein Symbol für das, was Menschen bereit sind zu opfern. War of the Damned lässt einen erschöpft, bewegt und erfüllt zurück - ein Ende, das seine Tragik nicht scheut, sondern umarmt.

    5. Spartacus: House of Ashur (2025)

    Mehr als zehn Jahre nach dem Finale kehrt das Franchise mit House of Ashur zurück-  allerdings mit einer Wendung. Die Serie erzählt eine alternative Zeitlinie, in der Ashur den Untergang überlebt und selbst zum Herrscher einer Gladiatorenschule wird. Showrunner Steven S. DeKnight bleibt dem Stil der Originalserie treu, setzt aber neue Akzente: weibliche Gladiatorinnen, Machtspiele jenseits der Arena und moralische Ambivalenz bestimmen die Handlung. Nach den epischen Schlachten von War of the Damned könnte House of Ashur wie ein Rückblick wirken, doch tatsächlich öffnet es das Tor zu einer neuen Ära. Während die ursprüngliche Saga vom Aufstieg und Fall eines Helden erzählte, erforscht dieser Spin-off, was Macht mit einem Menschen macht, der nie für sie bestimmt war. Wenn alles nach Plan läuft, beginnt hier die nächste große Blutlinie der Spartacus-Legende.

  • Nach „The Abandons“: 10 Neo-Western, die das Genre wirklich vorangebracht haben

    Nach „The Abandons“: 10 Neo-Western, die das Genre wirklich vorangebracht haben

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Der Neo-Western ist weniger ein festes Genre als eine Erzählhaltung. Er übernimmt Motive des klassischen Westerns – Gewalt, Gesetzlosigkeit, Grenzland – und konfrontiert sie mit moderner Geschichte, neuen Perspektiven und anderen Genres. Statt klarer Helden und moralischer Gewissheiten dominieren hier Ambivalenzen, ebenso wie die Frage nach Schuld und Verantwortung, nach ökonomischen Machtverhältnissen und Identität. 

    Weite Landschaften sind nicht mehr bloße Verheißung, sondern vor allem Projektionsflächen für gewaltsame Konflikte, die bis in die Gegenwart reichen. Diese Liste konzentriert sich bewusst auf Filme des 21. Jahrhunderts, mehrheitlich aus den letzten zehn bis fünfzehn Jahren. Entscheidend ist nicht, ob Pferde oder Revolver im Mittelpunkt stehen, sondern ob der Western als Denkraum neu genutzt wird: Für Kapitalismuskritik, Genre-Experimente, queere Narrative oder eine Abrechnung mit Kolonialismus. Hier sind 10 Werke, die abseits aktueller Streaming-Hits wie The Abandons zeigen, wie lebendig – und wie wandelbar – der Western tatsächlich geblieben ist.

    Brokeback Mountain (2005) 

    Ang Lees feinsinniger Film ist einer der entscheidenden Wendepunkte des modernen Westerns. Brokeback Mountain nutzt vertraute Bilder – Cowboys, Weite, Natur – und füllt sie mit einer Liebesgeschichte, der sich das Genre lange verschloss: Heath Ledger und Jake Gyllenhaal spielen Männer, deren Emotionen keinen Raum haben in der Welt, die sie geprägt hat. 

    Der Western wird hier zum Synonym für restriktive soziale Normen. Die gezeigte Gewalt ist nicht nur physischer, sondern struktureller Natur. Der Film hebt mit Nachdruck hervor, dass das Problem nicht die Liebe ist, sondern das System, das sie unterdrückt. Anders ausgedrückt: Brokeback Mountain hat den Western für Neues geöffnet – emotional, politisch wie kulturell.

    Django Unchained (2012) 

    Quentin Tarantino wiederum greift den Western frontal an – mit greller Überzeichnung der gentretypischen Gewalt und einer revisionistischen Erzählung. Django Unchained spielt während der Sklaverei und macht aus dem klassischen Rachewestern ein politisches Statement: Jamie Foxx’ Django ist ein bewusst überhöhter Held, dessen Machtfantasie als Gegenerzählung zu den gängigen Narrativen des Western funktioniert. 

    Dabei nutzt Quentin Tarantino durchaus Genrecodes, um historische Gewalt sichtbar zu machen. Der Film ist umstritten, aber unbestreitbar wirksam: Er zwingt den Western, sich zur Geschichte der Unterdrückung zu positionieren. Django Unchained treibt das Genre nicht subtil, sondern aggressiv voran – und darin liegt seine unleugbare Bedeutung.

    A Girl Walks Home Alone at Night (2014)

    Ana Lily Amirpour nennt ihren Film selbst einen „iranischen Vampir-Western“ – und das trifft es durchaus. In einer stilisierten Geisterstadt treffen typische Western-Ikonografie, Horror und Arthouse aufeinander: Sheila Vand spielt eine Vampirin, die durch die Nacht streift wie ein Revolverheld ohne Colt – aber mit Skateboard. Der Western ist hier vor allem Atmosphäre: Einsamkeit, Gesetzlosigkeit und moralische Grauzonen sind tonangebend. 

    Ana Lily Amirpour nutzt Genre-Versatzstücke, um Machtverhältnisse, Geschlechterrollen und Gewalt neu zu codieren. Dabei zeigt A Girl Walks Home Alone at Night, dass der Neo-Western nicht an Geografisches gebunden ist. Entscheidender ist die stimmungsvolle Inszenierung von Randexistenz, und das gelingt diesem Film meisterhaft.

    The Nightingale (2018) 

    Auch Jennifer Kent verlegt den Western mit Tasmanien an einen untypischen Spielort – und dekonstruiert ihn aus feministischer und kolonialkritischer Perspektive zugleich. The Nightingale ist ein brutaler, kompromissloser Rachewestern über patriarchale Gewalt und strukturelle Unterdrückung. Die klassische Westernreise wird hier zur unerbittlichen Leidensgeschichte, in der die weite Landschaft niemals Freiheit, sondern ausschließlich Bedrohung bedeutet. 

    Aisling Franciosi spielt mit mitreißender Dringlichkeit eine Frau, die sich durch ein von Männern und britischer Kolonialmacht dominiertes System kämpft, und kommt dabei hervorragend ohne heroische Verklärung aus. Jennifer Kent nutzt Westernmotive viel eher, um sie bewusst unerträglich und so ihre Schattenseite sichtbar zu machen. The Nightingale ist mitunter schwer mitanzusehen, aber gerade darin radikal: Der Film verweigert Erlösung und entlarvt den Mythos des “zivilisierenden” Westens als Gewaltgeschichte.

    First Cow (2019) 

    Kelly Reichardt geht die Erneuerung des Westerns auf beinahe gegensätzliche Art an und setzt auf etwas, das man als “radikale Zärtlichkeit” bezeichnen könnte: First Cow spielt im frühen 19. Jahrhundert und erzählt von zwei Außenseitern, die im Grenzland von Oregon mit gestohlener Milch und einfachen Backwaren ein kleines Geschäft aufziehen. Gewalt lauert ständig im Hintergrund, doch Kelly Reichardt interessiert sich mehr für fragile Freundschaft, ökonomische Ungleichheit und die Illusion von fairen Chancen. 

    Der Western wird hier zur leisen Kapitalismuskritik: Wer besitzt Ressourcen, wer profitiert von “Fortschritt”? John Magaro und Orion Lee spielen mit großer Zurückhaltung, was dem Film seine große melancholische Kraft verleiht. First Cow verschiebt den Western vom Mythos der Eroberung hin zu einer Geschichte über Abhängigkeit, Ausbeutung und den Irrsinn der Gewalt.

    Nope (2022) 

    Nope ist Science-Fiction-Horror – und zugleich ein moderner Western. Jordan Peele nutzt die weite Landschaft eines beinahe menschenleeren Kaliforniens, die harte Rancharbeit und das Motiv der Pferdeschau, um Fragen nach Ausbeutung, der Lust auf Spektakel und Kontrolle zu stellen. Daniel Kaluuya verkörpert dabei einen stillen Cowboy-Typus, dessen Beziehung zu Tieren und Land für den Film zentral ist. 

    Vor allem aber wird der klassische Westernkonflikt – Mensch gegen Natur – hier medial gebrochen: Wer schaut? Wer wird gesehen? Nope denkt den Western als Kommentar zur Unterhaltungsindustrie und zur Unsichtbarkeit Schwarzer Geschichte im Genre. Jordan Peele erweitert den Western damit nicht durch Nostalgie, sondern durch radikale Umdeutung – und beweist, wie anschlussfähig er für völlig neue Erzählformen ist.

    Colonos (2023) 

    Colonos wiederum ist ein schonungsloser Anti-Western über gewaltsame „Erschließung“ – in diesem Falle Patagoniens. Der Film folgt einer Expedition, die das Land im Namen von vermeintlichem Fortschritt und Besitz “säubert” – ein Wort, das hier seine ganze Brutalität entfaltet. Dabei nutzt Felipe Gálvez in seinem eindrucksvollen Debüt klassische Westernbilder, um sie moralisch umzudrehen: Helden gibt es nicht, nur Täter und Mitläufer. Die Landschaft hingegen wirkt in ihrer Inszenierung majestätisch und feindlich zugleich. 

    Colonos zwingt den Western, sich seiner kolonialen DNA zu stellen, ohne Ausflüchte oder ironisierende Distanz. Daraus entsteht ein düsterer, präziser, aber auch überaus kunstfertiger Film, der unterstreicht, wie sehr der Neo-Western auch eine Form historischer Aufarbeitung sein kann.

    Killers of the Flower Moon (2023) 

    Auch Martin Scorsese dekonstruiert den klassischen Western, allerdings indem er ihn mitunter aus der Perspektive der Ausgebeuteten erzählt. Killers of the Flower Moon zeigt den systematischen Mord an Mitgliedern der Osage Nation im frühen 20. Jahrhundert – nicht als tragische Ausnahme, sondern als fast symptomatische Folge kolonialer Gier. 

    Lily Gladstone verleiht dem Film die nötige emotionale Schwere, während Leonardo DiCaprio und Robert De Niro vor allem die moralische Verkommenheit verkörpern. Die weite Landschaft wird von ihnen und ihren Verbündeten nicht erobert, sondern geplündert. Der Western wird so zum True-Crime-Drama und zur historischen Anklage zugleich. Nicht zuletzt legt Martin Scorseses Blickwinkel nahe, dass das Genre nur dann Zukunft hat, wenn es seine eigenen Lügen offenlegt.

    Blood & Sinners (2025) 

    Blood & Sinners nutzt den Western nicht als nostalgisches Setting, sondern zeigt ihn als durchlässige Genre-Spielwiese. Der Film bewegt sich mit Verve und Lust an der Überzeichnung zwischen Western, Crime-Thriller und Monsterfilm: Eine abgelegene Südstaaten-Kleinstadt wird von einer vampirartigen Kreatur bedroht, die schließlich eine Gruppe Schwarzer ins Visier nimmt. 

    Ryan Coogler interessiert aber weniger der klassische Showdown als die Symbolik seiner Geschichte, die um Fragen nach der “Übertragung” von rassistischer Gewalt und die Bedeutung von Gemeinschaft als Form der Gegenwehr kreist.  Blood & Sinners führt noch einmal vor, dass der Neo-Western heute nicht strengen Regeln gehorchen muss, um zu funktionieren. Gerade die bewusste Überlagerung von Genres treibt das klassische Motiv der Verdammnis im Grenzland konsequent weiter.

    Eddington (2025) 

    Ari Aster überträgt seine Obsession für soziale Abgründe und kollektive Paranoia auf den Western: Eddington spielt in einer abgelegenen Kleinstadt und nutzt typische Genremotive – etwa den Kampf um Recht und Gesetz oder den klassischen Showdown zwischen Antagonisten –, um eine bissige Gesellschaftssatire über die Corona-Jahre zu entwerfen. Joaquin Phoenix verkörpert darin einen Sheriff, deren Autorität zunehmend brüchig wird, während Pedro Pascal als liberaler Bürgermeister als Gegenpol fungiert. 

    Der Western dient hier nicht als Rahmung eines Abenteuers, sondern als psychologisches Versuchslabor: Ari Aster zeigt, wie schnell vermeintlich Ordnung in Gewalt umschlägt, wenn Gemeinschaften sich radikalisieren. Eddington treibt den Neo-Western ins Unheimliche und Politische – weit entfernt von Romantik, aber nah an unserer Gegenwart.

  • „The Goonies“ wird 40: Was macht der Cast heute?

    „The Goonies“ wird 40: Was macht der Cast heute?

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Wenn es einen Film aus meiner Kindheit gibt, der sich heute noch genauso frisch anfühlt wie damals, dann ist es The Goonies (1985) von Richard Donner. 1985 stürzten sich Mikey, Brand, Mouth, Data und Co. in Astoria in das größte Abenteuer ihres Lebens. Vierzig Jahre später haben die Kids von damals völlig unterschiedliche Karrieren hingelegt: Herausgekommen sind ein Oscar-Gewinner, ein Marvel-Superschurke, ein Serien- und Streaming-Star, eine Theater-Ikone – und ein Medienanwalt, der heute in Beverly Hills Verträge verhandelt. 

    Zum 40. Geburtstag nehmen wir die wichtigsten Gesichter hinter dem Kultfilm unter die Lupe: Was machen sie heute – und wer ist vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden? Kurz: Der perfekte Artikel für alle, die den Film gerade wieder streamen, ihren Kids zeigen oder heimlich auf ein Sequel hoffen.

    Sean Astin (Mikey Walsh) 

    Er ist für viele Goonies-Fans bis heute der Inbegriff des gutherzigen Anführers, der mit Inhalator und großen Reden die Truppe zusammenhält. Auch später blieb er dem „Underdog mit Herz“-Typus treu: Touchdown (1993) und Steinzeit Junior (1992) machten ihn in den 90ern noch populärer, wirklich unsterblich wurde er aber als Samweis Gamdschie in Peter Jacksons Der Herr der Ringe (2001). Später tauchte er als liebenswerter Nerd Bob in Stranger Things (2016) auf und arbeitet weiterhin konstant in Film und TV – aktuell unter anderem in Indie-Produktionen wie Hard Miles (2024) und Fantasyprojekten wie Man and Witch (2024). Astin ist also immer noch gut im Geschäft und auch wenn er nicht als großer Leading Man die begehrtesten Hollywood-Hauptrollen abräumt, ist er ein tolles Beispiel dafür, wie gut eine Kinderstar-Karriere altern kann.

    Josh Brolin (Brand Walsh) 

    Als genervter großer Bruder mit Stirnband und Trainingsanzug war er nicht jedermanns Favorit, dennoch ist er heute einer der markantesten Charakterdarsteller Hollywoods. Nach Stationen in Filmen wie No Country for Old Men (2007), Sicario (2015) und Milk (2008) kam der ganz große Popkultur-Stempel mit Thanos in Avengers 3: Infinity War (2018), gefolgt von der Rolle des Soldaten Gurney Halleck in Denis Villeneuves Dune (2021). Parallel spielt er in der Serie Outer Range einen Rancher, auf dessen Weideland sich ein rätselhaftes schwarzes Loch auftut – und hat bei dieser Produktion inzwischen sogar selbst Regie geführt. Brolin ist damit der Goonie, der am stärksten im heutigen Blockbuster-Kino verankert ist – und gleichzeitig einer der spannendsten, auch wenn es um harte, erwachsene Stoffe wie in Weapons (2025) geht.

    Ke Huy Quan (Data) 

    Er war lange Zeit das „Was ist eigentlich aus dem geworden?“-Gesicht des Films – und hat diese Frage dann mit einem der spektakulärsten Comebacks beantwortet, die Hollywood in den vergangenen Jahren gesehen hat. Nach Kinderrollen in Indiana Jones and the Temple of Doom (1984) und Die Goonies arbeitete er jahrelang hinter der Kamera als Stuntkoordinator, bis ihn Everything Everywhere All at Once (2022) zurück vor die Linse holte und direkt zu einem Oscar führte. Seitdem ist er mit Loki (2021) im Marvel-Kosmos präsent, in American Born Chinese (2023) und in Animationshits wie Kung Fu Panda 4 (2024) und spielte sogar die Hauptrolle im Actionthriller Love Hurts (2025). Im umstrittenen Sci-Fi-Epos The Electric State (2025) war er ebenfalls vertreten. Bei seiner Hand- und Fußabdruck-Zeremonie vor dem TCL Chinese Theatre stand der Goonies-Cast Spalier – und Quan betonte erneut, wie gern er Data noch einmal spielen würde.

    Corey Feldman (Mouth) 

    Corey verkörpert wie kein anderer die Schattenseiten des Kinderstar-Daseins. Er war in den Achtzigern Dauergast auf der Leinwand – von The Goonies über Stand by Me (1986) bis The Lost Boys (1987) – und stürzte danach in Drogenprobleme, juristische Auseinandersetzungen und einen sehr öffentlich geführten Feldzug gegen Missbrauch im System Hollywood. Heute ist Feldman Aktivist für Betroffene, schreibt Memoiren, dreht Dokus und versucht immer wieder, mit musikalischen Projekten ein Publikum zu erreichen. 2025 kehrte er wieder in den Mainstream-Zirkus zurück: als Kandidat bei Dancing with the Stars (2005) und Auftritten in Shows wie The Masked Singer (2019). Parallel nutzt er das Goonies-Jubiläum für Roadshows und Q&As, bei denen Fans gemeinsam mit ihm den Film im Kino schauen können – ein Mix aus Nostalgie, Aufarbeitung und Selbstvermarktung.

    Jeff Cohen (Chunk) 

    Unbestreitbar der radikalste Cut: Nach The Goonies und seinem unvergesslichen Truffle-Shuffle wurde Jeff klar, dass seine Zukunft eher in der Kanzlei als vor der Kamera liegt. Er studierte Jura, spezialisierte sich auf Entertainmentrecht und ist heute Partner einer Kanzlei in Beverly Hills, die Produktionsfirmen, Talente und Deals betreut. Seine Verbindung zu den Goonies blieb trotzdem immer bestehen, und zwar nicht nur nostalgisch: Cohen hat unter anderem für Ke Huy Quan als Anwalt gearbeitet und an Verträgen für dessen Oscar-Rolle mitverhandelt. Dass ausgerechnet Chunk am Ende die Verträge einfädelte, die Datas zweiten Karrierefrühling ermöglichten, wirkt fast zu symbolisch, um wahr zu sein – und macht deutlich, wie eng dieser tolle Cast auch abseits von Fan-Conventions noch miteinander verbunden ist.

    Kerri Green (Andy) 

    Sie blieb im Vergleich zu den anderen Goonies deutlich leiser in der Öffentlichkeit. Nach weiteren Teenagerrollen in Lucas (1986) und Summer Rental (1985) zog sich Kerri Green teilweise aus dem Business zurück, studierte an der Vassar University und wechselte hinter die Kamera. Sie schrieb und inszenierte das Teenager-Schwangerschaftsdrama Bellyfruit (1999) und gründete eine eigene Produktionsfirma, die sich auf unabhängige Stoffe konzentriert. Ihr Name taucht eher punktuell in Credits und Festivalprogrammen auf, dafür ist Green bei Nostalgie-Event aber zuverlässig dabei: Sei es bei Conventions, Goonies-Reunions oder dem 40th-Anniversary-Roadshow-Projekt, bei dem sie gemeinsam mit Corey Feldman den Film zeigt und über die Dreharbeiten spricht. Wenn ihr euch also fragt, warum Kerri nie zur Dauerpräsenz im Kino wurde: Sie hat sich schlicht für ein ruhigeres, kreatives Leben abseits des roten Teppichs entschieden.

    Martha Plimpton (Stef) 

    Martha hingegen hat aus ihrer Goonies-Vergangenheit eine respektable Karriere als Charakterdarstellerin in Theater, Film und Fernsehen aufgebaut. Sie spielte in Filmen wie Running on Empty (1988), wurde später mit der Sitcom Raising Hope (2010) einem neuen Publikum bekannt und ist regelmäßig auf der Bühne zu sehen, oft in anspruchsvollen Off-Broadway-Produktionen. In den letzten Jahren sorgte vor allem das Kammerspiel Mass für Aufmerksamkeit, in dem sie eine Mutter spielt, die den Tod ihres Sohnes in einem Schulmassaker verarbeiten muss; dazu kommen Sprecherrollen etwa in Die Eiskönigin 2 (2019) und ein Auftritt im Thriller-Drama Sovereign (2025). Parallel engagiert sie sich politisch, besonders in Fragen von Frauenrechten und reproduktiver Selbstbestimmung.

    John Matuszak, Joe Pantoliano, Robert Davi, Anne Ramsey (Die Fratellis) 

    Die Gangsterfamilie Fratelli darf in dieser Aufzählung nicht fehlen, zumal der gutherzige Sloth im Laufe des Films sogar auf die Seite der Kids wechselt. Joe Pantoliano (Francis) wurde zum ewigen zwielichtigen Sidekick, unter anderem in Die Sopranos (1999), Memento (2000), The Matrix (1999) und Bad Boys (1995). Robert Davi (Jake) prägte sich als Bond-Schurke in Lizenz zum Töten (1989) ein und blieb ein typischer „Das Gesicht kenne ich doch!“-Darsteller. John Matuszak (Sloth), früher NFL-Profi bei den Raiders und zweifacher Super-Bowl-Sieger, starb 1989 mit nur 38 Jahren an einer Medikamentenüberdosis. Anne Ramsey, unvergesslich als Mama Fratelli, starb 1988 an Krebs, kurz nach ihrer Oscar-Nominierung für Schmeiß die Mama aus dem Zug (1987) – was dem Film von Danny DeVito rückblickend eine leise Melancholie verleiht.

  • 11 besondere Weihnachtsmänner der Filmgeschichte

    11 besondere Weihnachtsmänner der Filmgeschichte

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Der Weihnachtsmann ist eine der am stärksten normierten Figuren der Popkultur. Kaum eine andere Rolle ist so eindeutig festgelegt – und damit gleichzeitig so anfällig für Brüche, Ironisierung und Überdehnung.

    Zwischen moralischer Instanz, schlichtem Konsumtreiber, liebevoller Vaterfigur und leerer Projektionsfläche erzählt jede Santa-Version auch etwas über ihre Zeit: darüber, wie Arbeit gedacht wird, wie Autorität funktioniert, wie viel Zynismus man sich leisten kann, und wie dringend man noch an Güte glauben möchte.Diese Liste interessiert sich deshalb weniger für Bartlänge oder Rentierbestand als für Haltung. Welche Santas tragen ihren Mythos weiter, welche demontieren ihn produktiv, welche verraten ihn – und welche denken ihn neu? Von radikal entzaubert bis kollektiv organisiert, von warmherzig bis unerquicklich: Hier sind 10 besondere Weihnachtsmänner der Filmgeschichte.

    11. J.K. Simmons – “Red One” (2024)

    J.K. Simmons’ Weihnachtsmann ist weniger Figur als Konzept: Santa wird zur mythologischen Superinstanz, ist körperlich dominant, autoritär im Auftreten, und nahezu unverwundbar. Red One denkt Weihnachten als Action-Franchise, und Simmons fügt sich mit beeindruckender Präsenz ein. Sein Santa ist kein Menschenfreund, sondern ein Weltenlenker, befremdlich distanziert, effizient und beinahe militärisch organisiert. Das funktioniert vielleicht auf der Ebene des reinen Spektakels, emotional aber bleibt Red One unterkühlt. Der Film interessiert sich mehr für Weltenbau als für innere Konflikte. So bleibt dieser Santa ein imposantes Bild, ist ein seltsamer Gegenentwurf, aber kein berührender Charakter. Wenn man so will, ist er ein Weihnachtsmann der Gegenwart: groß, laut, durchdesignt – und ein wenig leer.

    10. Ed Asner – “Buddy der Weihnachtself” (2003)

    Ed Asners Santa ist mürrisch, überlastet und sichtbar genervt von der eigenen Legende. Buddy der Weihnachtself braucht diesen Kontrast, um seine naive Hauptfigur, den titelgebend Buddy (Will Ferrell) umso klarer herausarbeiten zu können. Dieser Santa verkörpert kein Ideal, sondern ist schlicht ein Mann, der das System kennt – und seine Schwächen. Asner spielt ihn mit trockenem Humor und einer Spur Melancholie: Weihnachten funktioniert nur noch, wenn jemand daran glaubt, doch das fällt ihm selbst zunehmend schwer. In einem Film voller Überdrehtheit ist dieser Santa der nüchterne Kern. Zwischen Gags und Slapstick ist er derjenige, der andeutet, dass (vermeintliche) Magie vor allem viel Arbeit bedeutet. 

    9. Paul Giamatti – “Die Gebrüder Weihnachtsmann” (2007)

    Die Gebrüder Weihnachtsmann ist ein Film, der mehr will, als er kann – aber Paul Giamattis Weihnachtsmann hält das fragile Konstrukt erstaunlich gut zusammen. Sein Santa ist kein magisches Ideal, sondern ein überforderter CEO mit Burnout-Symptomen, der zwischen Effizienzdenken und moralischem Anspruch zerrieben wird. Paul Giamatti spielt ihn nicht als Tyrannen, sondern als jemanden, der an seiner eigenen Rolle (ver-)zweifelt. Das verleiht der Figur eine ungewohnte Tiefe: Weihnachten als Betrieb, Santa als Manager, Güte als berechenbare Ressource. Die Gebrüder Weihnachtsmann ist im Ton uneinheitlich, schwankt zwischen Sentimentalität und Zynismus, doch Paul Giamattis überzeugendes Spiel gibt seiner Figur eine gewisse Bedeutung. Kein ikonischer Santa, aber einer, der den Mythos auf produktive Weise entzaubert, und ihn damit in seiner Bedeutung ernst nimmt.

    8. Ed Ivory (Stimme) – “Nightmare Before Christmas” (1993)

    Tim Burtons Nightmare Before Christmas interessiert sich weniger für Weihnachten als für seine Projektionen. Der im Original von Ed Ivory gesprochene Santa (in der deutschen Fassung: Manfred Lichtenfeld) ist keine echte Identifikationsfigur, sondern ein kulturelles Missverständnis: eine Autorität, die Jack Skellington zwar bewundert, aber nie ganz begreift. Diese Version des Weihnachtsmanns wirkt fremd, leicht unheimlich, beinahe austauschbar, und erfüllt damit exakt ihre dramaturgische Funktion. Santa ist hier kein emotionaler Anker, sondern ein Symbol dafür, wie Rituale ausgehöhlt werden können, wenn sie aus ihrem Kontext gerissen werden. Er ist kein warmer Santa, kein zentraler – aber ein klug eingesetzter. Gerade weil er distanziert bleibt, funktioniert er als Kontrastfigur in einem Film über Aneignung, Fremdheit und Identität.

    7. Kurt Russell – “The Christmas Chronicles” (2018)

    Auch Kurt Russells Weihnachtsmann ist ein bewusster Bruch mit seinem Image: Rockstar statt Rauschebart-Ikone, Eitelkeit und Selbstbewusstsein statt Güte und Sentimentalität. Der Santa in The Christmas Chronicles ist cool, schlagfertig, körperlich präsent – aber nie zynisch. Gerade das unterscheidet ihn von reinen Anti-Santas. Russell spielt die Figur als jemanden, der Spaß an seiner Rolle hat, ohne sie zu karikieren. Der Film bleibt formelhaft, doch sein Santa ist zeitgemäß, publikumsnah und am Ende erstaunlich herzlich. Damit entwirft The Christmas Chronicles keinen metaphysisch angehauchten Weihnachtsmann, sondern einen Popstar des Festes – und als solcher ist er konsequent und überzeugend.

    6. Tim Allen – “Santa Clause: Eine schöne Bescherung” (1994)

    Santa Clause denkt Weihnachten als Zumutung: Wer Santa wird, verliert Kontrolle über Körper, Identität und Lebensentwurf. Tim Allen spielt diesen Prozess mit physischer Komik, aber auch mit spürbarem Widerstand. Dieser Santa will nicht auserwählt sein – und genau das macht ihn interessant. Weihnachten erscheint hier nicht als Wunsch, sondern als Verpflichtung. Der Film tarnt seine existenziellen Fragen als Familienkomödie, doch Tim Allens Spiel verleiht ihnen (ein gewisses) Gewicht. Ein Santa, der nicht glaubt, sondern wächst. Modern, widersprüchlich und erstaunlich ernsthaft unter der klamaukigen Oberfläche.

    5. Richard Attenborough – “Das Wunder von Manhattan” (1994)

    Richard Attenborough übernimmt die ikonische Rolle des Weihnachtsmanns in Das Wunder von Manhattan mit einer leisen, beinahe sanften Autorität. Sein Santa überzeugt weniger durch Magie als durch Haltung: In einer konsumgetriebenen Welt verkörpert er Werte wie Vertrauen, Aufrichtigkeit und Mitgefühl – ohne sie aufzudrängen. Die Neuverfilmung der 1990er Jahre ist glatter als das Original, aber Richard Attenborough verleiht ihr eine gewisse Würde. Gerade im Kontrast zur stärker kommerzialisierten Zeit wirkt dieser Santa fast altmodisch – aber auf produktive Weise. Sein Weihnachtsmann ist kein Märchenwesen, sondern eine moralische Idee in menschlicher Gestalt. Ein klassischer, humanistischer Weihnachtsmann, der weniger verzaubert als überzeugt.

    4. Billy Bob Thornton – “Bad Santa” (2003)

    Billy Bob Thorntons Anti-Santa ist die radikalste Entzauberung der Figur – und paradoxerweise eine der ehrlichsten. Bad Santa zeigt Weihnachten nicht als Fest der Liebe, sondern als gesellschaftliche Maske. Billy Bob Thorntons “Willie” ist dementsprechend vulgär, selbstzerstörerisch, von zweifelhafter Moral – und doch nicht ohne einen Rest an Mitgefühl. Gerade darin liegt die Provokation: Dieser Santa ist kein Gegenentwurf zum Mythos, sondern sein Zerrspiegel. Der Film zwingt sein Publikum, sich zu fragen, was wirklich von Weihnachten übrig bleibt, wenn man seine  Symbolik entfernt. Billie Bob Thornton spielt das ohne ironische Distanz, was den Film riskant und wirkungsvoll macht. Ein Santa, der nicht gefallen will – und deshalb im Gedächtnis bleibt.

    3. J.K. Simmons (Stimme) – “Klaus” (2019)

    Klaus ist einer der wenigen Weihnachtsfilme, die den Mythos nicht ausschlachten, sondern wirklich hinterfragen: Wie entsteht eigentlich eine Legende – und wem nützt sie? Der Weihnachtsmann dieses Films ist kein allwissendes Wesen, sondern ein verletzter, zurückgezogener Mann, dessen Güte aus Verlust geboren wird. Gerade diese Erdung macht ihn so stark. Klaus erzählt als soziale Dynamik: Freundlichkeit verbreitet sich, weil sie gebraucht wird. Visuell betörend, erzählerisch klug und emotional präzise zeigt der Film, dass Mythos nicht vom Himmel fällt, sondern aus menschlicher Verbindung entsteht. Ein moderner Klassiker ohne Zynismus – und ohne falsche Sentimentalität.

    2. Edmund Gwenn – “Das Wunder von Manhattan” (1947)

    Edmund Gwenn definiert den Weihnachtsmann nicht über Magie, sondern über Würde. Sein Santa ist freundlich, aber nie allzu süßlich, durchaus bestimmt, aber nie autoritär. Das Wunder von Manhattan vertraut auf Ed Gwenns eindrückliche Präsenz – und gewinnt dadurch an zeitloser Kraft. Dieser Santa überzeugt nicht durch Effekte, sondern durch eine gewisse Gravitas. Er lebt die Werte, die andere erklären. In einer Welt des Zweifels bleibt er ruhig, offen, respektvoll. Ein Weihnachtsmann, der nicht verzaubert, sondern überzeugt – und gerade deshalb ein Maßstab bleibt.

    1. Der Weihnachtsmann – “Weihnachtsmann & Co. KG” (1997)

    Dieser Weihnachtsmann (in der deutschen Fassung gesprochen von Eckart Dux) ist keine gesonderte Einzelgestalt, sondern Teil eines Kollektivs – und genau darin liegt seine Größe. Weihnachtsmann & Co. KG denkt Weihnachten vor allem als soziale Praxis. Damit sie funktioniert, braucht es vor allem Zusammenarbeit und Solidarität. Der Weihnachtsmann ist hier weder unfehlbar noch entrückt, sondern zugewandt, lernfähig und klar in seinen Werten. Er delegiert, er erklärt und hört zu. Vielleicht ist Weihnachtsmann & Co. KG auch deswegen so prägend, weil die Serie Weihnachten zwar entromantisiert, aber ohne es zu entzaubern: Güte ist hier kein Gefühl, sondern eine Entscheidung – und Arbeit. Und kein anderer Weihnachtsmann erklärt so selbstverständlich, dass sie sich lohnt.

  • “Papa sagt…”: Das sind alle Stromberg-Filme und die Serie in der richtigen Reihenfolge

    “Papa sagt…”: Das sind alle Stromberg-Filme und die Serie in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Manchmal merkt man erst im Rückblick, wie sehr einen eine Figur über Jahre begleitet hat - oft wider Willen. Bernd Stromberg ist genau so ein Fall. Man will ihm eigentlich aus dem Weg gehen, aber er steht plötzlich wieder im Türrahmen, grinst und sagt etwas, bei dem man gleichzeitig lachen und im Boden versinken möchte. Wie bei The Office entsteht der Reiz genau dort, wo Humor und Fremdscham frontal aufeinandertreffen. 

    Stromberg ist keine gemütliche Bürocomedy, sondern ein Langzeitversuch in sozialer Zumutung. Der neue Kinofilm hat diese alte Debatte neu entfacht: Darf man so jemanden heute noch zeigen, oder war er immer schon eine Grenzüberschreitung mit Ansage? Eine klare Antwort gibt es nur, wenn man die Reihenfolge kennt. Die Serie legt die Sollbruchstellen an, der erste Film treibt sie an die Oberfläche, der neue Film blickt mit Abstand darauf zurück. Erst im Zusammenspiel wird deutlich, warum Stromberg Kult geworden ist und warum er nie einfach nur lustig war.

    1. Stromberg (2004–2012)

    Es dauert selten länger als drei Minuten, bis Bernd Stromberg etwas sagt, das man im echten Leben nur mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren würde. Im Fernsehen lacht man -  manchmal laut und manchmal panisch. Stromberg spielt in einer Versicherung, aber eigentlich geht es um diesen ganz speziellen Typ Chef, der immer glaubt, er sei der Schlaueste im Raum. Christoph Maria Herbst macht daraus eine Figur, die man nie mögen sollte und trotzdem nicht vergisst. Stromberg redet sich um Kopf und Kragen, lobt sich selbst, tritt nach unten und wundert sich ernsthaft, warum niemand dankbar ist. Inhaltlich passiert nichts Weltbewegendes: Meetings, Umstrukturierungen, Gerüchte und kleine Machtspielchen. Aber genau deshalb wird es so unterhaltsam: Die Serie trifft den Büroalltag mit einer Treffsicherheit, die weh tut. Kein Wunder, dass sie Kult wurde. Wer danach Stromberg – Der Film schaut, merkt sofort: Hier hat jemand jahrelang geübt, sich unmöglich zu benehmen und ist jetzt bereit für die große Bühne.

    2. Stromberg – Der Film (2014)

    Irgendwann wird selbst das größte Büro zu klein für ein Ego wie dieses. Stromberg – Der Film schickt Bernd Stromberg raus aus der gewohnten Flurhölle und hinein in eine größere, öffentlichere Welt, in der man nicht mehr jede Peinlichkeit hinter Aktenordnern verstecken kann. Inhaltlich geht es um Karrierechancen, Imagepflege und den verzweifelten Versuch, endlich wichtig zu wirken. Stromberg hält sich für einen unterschätzten Visionär - alle anderen für ein Hindernis. Christoph Maria Herbst dreht die Figur hier bewusst lauter, ohne sie zur Karikatur zu machen. Vieles eskaliert schneller, weil niemand mehr Zeit hat, seine Sprüche freundlich zu überhören. Wer die Serie kennt, lacht oft schon eine Sekunde früher, weil klar ist, wie das endet. Gegenüber Stromberg – Die Serie wirkt der Film wie ein Ausbruch aus dem geschlossenen Raum: mehr Tempo, mehr Fallhöhe und mehr Öffentlichkeit. Das Büro war Schutzraum, das Kino ist Bühne, und Stromberg stolpert mit Anlauf hinauf.

    3. Stromberg – Wieder alles wie immer (2025)

    Es ist einer dieser Momente, in denen man sich fragt, ob man lachen darf und es dann trotzdem tut. Stromberg – Wieder alles wie immer holt Bernd Stromberg zurück in eine Arbeitswelt, die inzwischen gelernt hat, Wörter wie „Sensibilität“ und „Awareness“ korrekt auszusprechen. Stromberg natürlich nicht. Inhaltlich geht es darum, ob jemand, der jahrzehntelang mit denselben Sprüchen durchgekommen ist, plötzlich merkt, dass die Luft dünner geworden ist. Christoph Maria Herbst spielt Stromberg mit exakt derselben Überzeugung wie früher, nur mit ein paar mehr Lebensjahren im Gesicht und null Einsicht im Gepäck. Viele Gags entstehen aus Situationen, in denen Stromberg glaubt, einen Raum zu kontrollieren, während alle anderen längst innerlich auf Abstand gegangen sind. Wo Stromberg – Der Film noch auf große Eskalationen setzte, zieht dieser Teil seinen Humor aus kleinen Momenten, schiefen Blicken und dem Wissen, dass manche Menschen nie begreifen, warum plötzlich keiner mehr lacht. Als Abschluss funktioniert das erstaunlich gut - gerade weil Stromberg exakt der bleibt, der er immer war.

  • Das Stephen King Easter Egg und weitere Popkultur-Anspielungen, die du bei “Zoomania 2” vielleicht übersehen hast

    Das Stephen King Easter Egg und weitere Popkultur-Anspielungen, die du bei “Zoomania 2” vielleicht übersehen hast

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Serien wie Stranger Things haben uns beigebracht, beim Schauen die Augen offen zu halten: Irgendwo könnte jederzeit ein kleines Detail lauern, das plötzlich eine ganze Welt vernetzt.

    Ein Schriftzug im Hintergrund, ein vertrauter Song oder auch ein Bild, das ohne Vorwarnung Erinnerungen an einen anderen Film weckt. Auch Zoomania 2 arbeitet mit dieser Lust am Entdecken. Hinter der bunten Tiermetropole verbergen sich Anspielungen auf Horrorklassiker, Disney-Legenden, Blockbuster und Memes, die klar an Erwachsene adressiert sind, ohne Kinder außen vor zu lassen. Wer genauer hinschaut, merkt schnell, wie viel Spaß das Kreativteam daran hatte, Lieblingsfilme, ikonische Figuren und Running Gags in der Kulisse zu verstecken. Es lohnt sich also, nicht nur der Handlung zu folgen, sondern auch den Rand des Bildes im Blick zu behalten - dort warten die Momente, die man später begeistert weitererzählt.

    1. Shining (1980)

    Das verschneite Heckenlabyrinth in Zoomania 2 wirkt wie ein kurzer Ausflug in Stephen Kings Universum, gefiltert durch die bunte Ästhetik der Tierstadt. Die hohen Wände, die engen Gänge, das Gefühl, in einem weißen Korridor ohne klaren Ausgang festzustecken - wer Shining kennt, hat sofort die Hotelanlage und Jack Torrance vor Augen. Der Film zitiert die ikonische Bildsprache, ohne wirklich Horror zu werden: Die Szene bleibt temporeich und familienfreundlich, aber sie trägt genau genug Wintergrusel, um Erwachsenen ein wissendes Grinsen zu entlocken. Spannend ist, wie selbstverständlich dieses Zitat eingesetzt wird. Niemand im Dialog erklärt etwas, es gibt keinen Fingerzeig, nur ein Setting, das für ein paar Augenblicke einen völlig anderen Film heraufbeschwört. Danach gleitet alles zurück in den gewohnten Ton von Zoomania 2 und das Labyrinth bleibt als heimlicher Beweis dafür, wie weit Animationskino heute mit Referenzen spielen darf. 

    2. Ratatouille (2007)

    In der Gala-Küche von Zoomania 2 kocht nicht nur das Essen, sondern auch die Filmgeschichte. Ein gestresster Löwenkoch, der von einer kleinen Kreatur unter seiner Mütze gesteuert wird, ist ein so klarer Gruß an Ratatouille, dass man fast automatisch die winzige Ratte aus Paris erwartet. Doch der Film legt noch eine zweite Schicht darüber und spielt mit der Raccacoonie-Idee aus Everything Everywhere All at Once: Das Bild eines Tieres, das einen Koch wie eine Marionette führt, kippt von der liebevollen Pixar-Hommage in Richtung absurder Multiversumsscherz. Die Szene ist dicht geschnitten, voller Hektik, und genau darin liegt der Spaß. Kinder sehen vor allem Chaos, Erwachsene spulen im Kopf zwei Filme parallel ab. Nichts davon wird erklärt oder ausgewalzt, es blitzt einfach auf, funktioniert im Vorbeigehen und macht die Küche für ein paar Sekunden zum Treffpunkt dreier völlig unterschiedlicher Filmwelten. Wer solche Details liebt, bekommt hier ein kleines Geschenk serviert, das man beim ersten Schauen leicht übersieht und beim zweiten mit extra Genuss wiederentdeckt.

    3. Susi und Strolch (1955)

    Der Marsh Market ist eigentlich kein Ort für große Gefühle: Laut, matschig, vollgestopft mit Ständen und Figuren, die durcheinander reden. Und doch schleicht sich ausgerechnet hier eine der romantischsten Melodien der Disney-Geschichte ein. Wenn „Bella Notte“ anklingt, rutscht für einen Moment die Erinnerung an Susi und Strolch ins Bild, inklusive Kopfkino von Spaghetti, Laternenlicht und schiefen Hinterhöfen. Das Lied kommt aus der Szene selbst, ohne Kommentar, fast wie ein Zufallsfund im Geräuschmix. Gerade das macht die Anspielung so charmant. Niemand spricht darüber, niemand erklärt etwas, aber die Stimmung kippt ganz kurz in Richtung Nostalgie, bevor der Markt weiterbrummt. Es fühlt sich an wie ein kaum wahrnehmbarer Gruß aus einer anderen Zeit, der sich in den Alltag der Tiermetropole schleicht und dort einfach liegenbleibt. Wer mit den alten Klassikern aufgewachsen ist, spürt sofort dieses leise Ziehen im Bauch, während jüngere Zuschauer einfach nur einen hübschen Song hören. Genau in dieser Doppelwirkung liegt die Stärke des Easter Eggs.

    4. Rapunzel – Neu verföhnt (2010)

    Eine Bratpfanne ist in Zoomania 2 nicht einfach Küchenwerkzeug, sondern ein Türöffner in eine andere Disney-Welt. Wenn Nick sie im entscheidenden Moment schwingt und der vertraute Klang aus Rapunzel – Neu verföhnt ertönt, schnappt das Popschutz-Gedächtnis sofort zu. Die Pfanne war in Rapunzels Geschichte schon mehr Running Gag als Requisite, und genau dieses Image nutzt der Film hier aus. Der Schlag ist überzeichnet, der Sound punktgenau, sodass die Szene wie ein winziger Crossover-Moment wirkt, ohne dass jemand den Namen Rapunzel sagen müsste. Spannend ist, dass das Easter Egg komplett über die Ohren funktioniert. Wer den Film kennt, erkennt die Referenz in Sekunden; wer ihn nicht kennt, bekommt einfach einen sehr komischen Pfannenmoment serviert und ahnt nicht, dass da noch eine zweite Ebene mitschwingt. So entsteht aus einem simplen Slapstick-Beat ein kleines Wiedersehen mit einer der ungewöhnlichsten Disney-Heldinnen der letzten Jahre, das ganz ohne Erklärung auskommt und trotzdem sofort verstanden wird.

    5. Das große Krabbeln (1998)

    Das IT-Büro in Zoomania 2 ist auf den ersten Blick nur ein weiterer Arbeitsplatz voller Bildschirme und Kabel, aber im Hintergrund wuselt ein ganzer Kosmos aus Anspielungen. „Crush the Bugs“ steht auf Schildern, deren Stil stark an Das große Krabbeln erinnert, und überall tauchen Formen und Figuren auf, die deutlich aus der frühen Pixar-Ästhetik stammen. Zusammen ergibt das kein einzelnes, klar umrissenes Easter Egg, sondern eher ein Mosaik aus Erinnerungsfetzen: kleine Gesten in Richtung eines Films, der damals gezeigt hat, wie charmant Insekten überhaupt sein können. Wer hier bewusst hinschaut, sieht ein liebevolles Nicken in Richtung der Computeranimations-Anfänge. Der Raum wirkt weniger wie ein neutrales Büro und mehr wie ein versteckter Ausstellungsraum, in dem eine bestimmte Phase der Filmgeschichte im Miniaturformat weiterlebt. Es passt, dass dieser Hinweis ausgerechnet im Technikbereich versteckt ist: Zwischen Servern und Monitoren erinnert das Design daran, wie sehr Pixar und seine Krabbler damals die Grundlage für viele Animationswelten gelegt haben, in denen wir heute selbstverständlich unterwegs sind.

    6. Ein Schweinchen namens Babe (1995)

    Manchmal reicht ein einziger Satz, um einen ganzen Film wachzurufen. „That’ll do, pig.“ ist so ein Fall. In Zoomania 2 fällt die Zeile fast nebenbei, als nüchterner Kommentar, doch wer Ein Schweinchen namens Babe gesehen hat, spürt sofort die stille Wärme dieses Moments. Damals war der Satz eine Art emotionaler Schlussstrich, ein leises Anerkennen, dass jemand über sich hinausgewachsen ist. Hier funktioniert er eher wie ein heimlicher Insiderwitz, der das Publikum in zwei Gruppen teilt: diejenigen, die innerlich kurz in die Neunziger zurückspringen, und diejenigen, für die es einfach nur eine lakonische Bemerkung ist. Das Easter Egg ist klein, aber präzise platziert und zeigt, wie wirkungsvoll Popkulturzitate sein können, wenn sie nicht mit Neonpfeilen markiert werden. Gerade weil niemand im Film diesen Moment groß macht, wirkt er so ehrlich. Die Zeile hängt einen Augenblick in der Luft, erfüllt den Raum mit einer sehr bestimmten Erinnerung und verschwindet dann wieder, als wäre nichts gewesen.

    7. Krieg der Sterne (1977)

    Der Huluzoo-Bildschirm ist eine kleine Spielwiese für Wortspiele, und mitten darin verstecken sich gleich mehrere große Franchises. „Star Roars“ lehnt sich deutlich an Star Wars an, „Die Herd“ erinnert an Die Hard, „Pigsar“ verzieht Pigsar in die Tierwelt, und „Rat Geo“ zwinkert in Richtung National Geographic. Alles rauscht in Sekundenschnelle vorbei, als würde jemand die Streaming-Startseite auf Turbo stellen. Gerade dieses Tempo macht den Gag so reizvoll. Wer nur grob hinschaut, nimmt ein lustiges Interface wahr; wer die Titel wirklich liest, entdeckt eine ganze Galerie von Referenzen, die sich gegenseitig überbieten. Der Bildschirm ist damit weniger bloße Requisite als ein Mini-Plakat für das Überangebot moderner Unterhaltung, liebevoll in Tierpuns übersetzt. Man hat fast das Bedürfnis, auf Pause zu drücken, um jedes Logo einzeln zu studieren und im Kopf wieder in die Originalwelten zurückzuspringen. Kaum eine andere Einstellung im Film bündelt so viele Zitate in so kurzer Zeit.

    8. Arielle, die Meerjungfrau (1989)

    Wer durch den Marsh Market streift, läuft eigentlich durch eine versteckte Karte der Disney-Geschichte. „Ariel’s Grotto“ ruft sofort Arielle, die Meerjungfrau ins Gedächtnis, „Hook’s Bait & Tackle“ spielt mit der Piratenwelt von Peter Pan, und ein „Mr. Toad’s“-Hinweis erinnert an eine Figur, die viele heute eher über alte Parkattraktionen als über Filme kennen. Zusammen erzeugen diese Schilder das Gefühl, als hätte jemand einen Themenpark in eine Straßenzeile gefaltet. Nichts davon wird groß ausgestellt, die Beschriftungen sind einfach da, zwischen Lampen, Stoffen und Dampf. Wer sie erkennt, bekommt plötzlich Lust, einmal stehenzubleiben und jedes Schild wie eine eigene kleine Erinnerungstür zu betrachten. Das Easter-Egg-Geflecht wirkt weniger wie ein Gag und mehr wie eine Liebeserklärung an all die Welten, aus denen Disney sich über Jahrzehnte selbst speist. Besonders schön ist, dass diese Referenzen nichts erklären müssen: Sie funktionieren wie Straßenschilder in einer Stadt, die man schon lange kennt, und erzählen trotzdem jedem Betrachter eine etwas andere persönliche Erinnerungsgeschichte.

    9. Ralph reichts (2012)

    Bei manchen Stimmen reicht ein halber Satz, und man weiß sofort, wohin die Reise geht - allerdings nur, wenn man Zoomania 2 in der englischen Originalfassung schaut. Dort taucht Alan Tudyk auf, der seit Jahren zum erweiterten Disney-Universum gehört und unter anderem in Ralph reichts seine Spuren hinterlassen hat. Hört man genauer hin, mischen sich außerdem Auli’i Cravalho aus Vaiana und Josh Gad aus Die Eiskönigin – Völlig unverfroren unter die Nebenfiguren, sodass die Szene wie ein kleines, verstecktes Sprecher-Treffen wirkt. Im Deutschen geht dieser Effekt naturgemäß verloren, aber in der OV entsteht ein akustisches Mini-Easter-Egg: vertraute Stimmen, die kurz aufblitzen, ohne dass der Film sie je in den Vordergrund rückt. Es fühlt sich an wie ein leiser Insidergruß, der sich erst offenbart, wenn man die Ohren spitzt - ein Detail, das man leicht verpasst und beim erneuten Schauen mit einem kleinen Lächeln wiederentdeckt.

    10. Zurück in die Zukunft (1985)

    Wenn in Zoomania 2 von „Michael J. the Fox“ die Rede ist, braucht es keinen erklärenden Zusatz: Die Assoziation zu Zurück in die Zukunft und Michael J. Fox springt praktisch von allein ins Bewusstsein. Der Name funktioniert wie ein kleines Popkultur-Feuerwerk in nur vier Wörtern. Dazu gesellen sich Figuren wie „Ed Shearin“, klar angelehnt an Ed Sheeran, oder „Bob Tiger“, ein tierischer Schatten von Disney-Boss Bob Iger. Diese Wortspiele sind nie laut inszeniert, sie stehen einfach im Raum, als wäre es das Normalste der Welt, dass berühmte Namen in Tierlogik übersetzt werden. Das Easter Egg sitzt hier in der Sprache selbst. Wer die Vorbilder kennt, freut sich über den schnellen Treffer, wer sie nicht kennt, bekommt zumindest ein paar ungewöhnliche, sehr merkfähige Namen serviert, die der Welt von Zootopia zusätzlichen Witz geben. Solche Details wirken wie kleine Stolpersteine fürs Ohr: Man bleibt innerlich kurz hängen, lächelt darüber und taucht dann wieder zurück in die eigentliche Handlung, ohne dass der Fluss je wirklich unterbrochen wird.

  • Die umstrittensten Final-Staffeln der TV-Geschichte

    Die umstrittensten Final-Staffeln der TV-Geschichte

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Serienabschiede haben diese Eigenart, plötzlich größer zu wirken als alles, was davor passiert ist. Kaum nähert sich ein Finale, kippt die Stimmung im Fandom - genau das spürt man jetzt, da Stranger Things langsam auf seinen letzten Akt zusteuert. Die Serie ist noch nicht vorbei, aber schon die Aussicht auf das Ende verändert den Blick: Jede Szene scheint auf einmal wichtiger, jedes Detail potenziell entscheidend. 

    Und genau dann zeigt sich, wie sensibel Finalstaffeln sind. Manche Serien bringen alles souverän nach Hause, andere geraten im letzten Moment ins Wanken und lösen mehr Diskussionen aus als in all ihren Staffeln zuvor: Figuren verhalten sich anders als erwartet, Stimmungen kippen oder Entscheidungen spalten gleich ganze Communitys. Um genau diese Art Abschlüsse geht es hier - Finalstaffeln, die weder eindeutig scheitern noch eindeutig glänzen, sondern vor allem eines hinterlassen: Gesprächsbedarf, der bis heute nicht abgeklungen ist.

    1. Game of Thrones (2011-2019)

    Am Anfang wirkt Game of Thrones wie ein riesiges politisches Uhrwerk: Jede Bewegung hat Folgen, jede Allianz braucht Zeit, und große Schläge wie Ned Starks Tod oder die rote Hochzeit treffen nur deshalb so hart, weil die Serie zuvor geduldig den Boden dafür bereitet hat. Genau deshalb fühlte sich das Finale für viele wie ein plötzlicher Tritt aufs Gaspedal an. 

    Entwicklungen, die man eigentlich kommen sehen wollte, rasen an einem vorbei: Daenerys’ wachsende Brutalität wurde jahrelang angedeutet, aber im Finale bricht sie in wenigen Szenen komplett durch, Jaime, der sich mühsam aus alten Mustern gelöst hatte, wirft alles über Bord, als hätte die Serie selbst vergessen, wie weit er gekommen war, und Bran landet auf dem Thron, ohne dass die Erzählung auch nur ansatzweise gezeigt hätte, warum ausgerechnet er ein logischer Schluss sein soll. Viele Fans fühlten sich dadurch überrumpelt, andere verteidigen das Finale bis heute, weil sie die Härte dieser Entscheidungen konsequent fanden. Aber selbst die würden zugeben: Diese Staffel rennt. Und genau dieser Sprint durch eine Welt, die eigentlich von ihrem langsamen Puls lebt, ist der Grund, warum über dieses Ende immer noch gestritten wird, als wäre es gestern gelaufen.

    2. Die Sopranos (1999-2007)

    Über Jahre beobachtet man Tony Soprano dabei, wie er zwischen Familientisch, Therapie und Gewaltbalancen versucht, Kontrolle über sein Leben zu behalten. Man kennt seine Macken, seine Schwächen, seine Routinen. Das Finale dagegen stoppt abrupt: Ein Diner, ein Song, ein paar Sekunden lang alles normal - und dann Schwarz. 

    Kein Hinweis, kein Abschiedssatz. Dieser Moment hat damals viele Zuschauer regelrecht kalt erwischt. Die einen fanden das mutig, weil die Serie damit jede falsche Sicherheit durchschneidet; andere fühlten sich, als hätte man ihnen die letzte Seite weggenommen. Während Game of Thrones im Finale eher zu viel zeigt, wirft Die Sopranos das Publikum in ein plötzliches Nichts. Genau das macht den Schluss bis heute so bekannt: Man kann ihn jahrelang erklären wollen, aber das Gefühl, das er hinterlässt, bleibt geteilt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Szene so unvergessen bleibt.

    3. Lost (2004-2010)

    Lost baut von Anfang an eine Welt auf, die aus Fragen besteht: Warum diese Zahlen? Was steckt hinter der Insel? Wer spielt hier welches Spiel? Jede Staffel packt neue Rätsel drauf, während alte nur halb beantwortet werden. In der finalen Staffel ändert sich jedoch der Schwerpunkt. Statt alles logisch zusammenzubinden, rückt die Serie Nähe, Abschiede und eine fast spirituelle Ebene nach vorne. 

    Das berührt manche Zuschauer, die den emotionalen Kern der Figuren immer mochten; andere fühlten sich, als würde all die jahrelange Detektivarbeit plötzlich zur Nebensache erklärt. Bei The Sopranos liegt die Kontroverse im letzten Bild, bei Lost verteilt sie sich über die gesamte Final Season. Alles wirkt gleichzeitig bedeutungsvoll und unklar. Trotzdem hat das Ende heute einen anderen Ruf als damals - vielleicht, weil der Druck, jede Frage beantworten zu müssen, gesunken ist. Streitpunkt bleibt es dennoch: kaum ein Serienfinale zeigt so deutlich, wie unterschiedlich Erwartung und Erleben sein können.

    4. How I Met Your Mother (2005-2014)

    Neun Jahre lang läuft die Geschichte auf die Mutter zu - mal chaotisch, mal romantisch und mal richtig berührend. Als sie dann endlich auftaucht, hat man kurz das Gefühl, dass der Kreis sich schließt und Ted nun einen neuen Weg einschlagen kann. Doch das Finale von How I Met Your Mother zieht plötzlich einen ganz alten Faden wieder hervor, als hätte die Serie all die dazwischenliegenden Staffeln nur zur Hälfte gemeint. 

    Genau dadurch entstand der große Bruch: Viele Zuschauer hatten das Gefühl, dass die Entwicklung der Figuren rückgängig gemacht wurde, um eine frühere Dynamik wiederzubeleben. Bei Lost wird über die Art der Antworten gestritten, hier über die Botschaft. Und das alternative Ende, das später veröffentlicht wurde, zeigt ziemlich klar, wie viel Redebedarf dieses Finale ausgelöst hat. Die Frage, welche Version „richtiger“ ist, bleibt bis heute offen - aber fast niemand erinnert sich an dieses Ende ohne eine klare Meinung dazu.

    5. Dexter (2006-2013)

    Von Anfang an ist Dexter ein waghalsiges Konzept: ein Serienkiller mit moralischem Kodex, der tagsüber Blutspuren analysiert und nachts seine eigenen Spuren verwischt. Die Serie funktioniert, weil sie diesen Balanceakt ernst nimmt - man fühlt sich unwohl, bleibt aber trotzdem dran, weil Dexters innere Logik klar gezeichnet ist. Genau diese Logik bricht im Finale auseinander. Konflikte, die eigentlich schwer wiegen müssten, werden plötzlich im Vorbeigehen erledigt, Beziehungen, die jahrelang das emotionale Fundament bildeten, wirken auf einmal zweitrangig. 

    Und am Ende zieht sich Dexter aus seiner eigenen Geschichte heraus, als wolle er die Rechnung nicht sehen, die die Serie über acht Staffeln aufgebaut hat. Viele empfanden das nicht als mutige Wendung, sondern als Ausweichen. Der Bruch erinnert an Killing Eve, wo eine vielschichtige Dynamik im letzten Moment auf eine radikale Entscheidung reduziert wird - nur dass es bei Dexter nicht ein Schockmoment ist, sondern ein ganzes Finale, das seine eigenen Konsequenzen verweigert. Das spätere Revival zeigt, wie tief diese Enttäuschung saß. Und genau deshalb steht dieses Ende bis heute wie ein Mahnmal da: So fühlt es sich an, wenn eine Serie ihren eigenen Mut verliert.

    6. Gilmore Girls (2000-2007)

    Stars Hollow war immer ein Ort, der sich anfühlte, als könne man einfach wieder hineinspazieren: schnelles Gerede, vertraute Gesichter und natürlich Kaffee rund um die Uhr. In der letzten Staffel der Originalserie stimmt der Ton plötzlich nicht mehr ganz. Entscheidungen wirken etwas härter, Figuren kürzer angebunden und manche Entwicklungen sind weniger organisch als vorher. Das Finale liefert zwar schöne Abschiedsbilder, aber wenig Klarheit darüber, wohin diese Figuren eigentlich gehen.

    Bei Dexter stört die fehlende moralische Konsequenz, bei Gilmore Girls entsteht der Unmut eher durch kleine Verstimmungen, die sich summieren. Und als Jahre später das Revival herauskam, wurde nicht alles klarer - im Gegenteil, viele Fans hatten das Gefühl, dass die berühmten letzten vier Worte mehr Fragen aufwerfen als beantworten. So wird das ursprüngliche Ende zum Beispiel dafür, wie schnell eine unerwartete Schieflage den Blick auf eine ganze Serie verändern kann.

    7. Killing Eve (2018-2022)

    Killing Eve baut über mehrere Jahre eine Dynamik auf, die man selten im Fernsehen sieht: Eve, die pflichtbewusste Ermittlerin, und Villanelle, die charismatische Killerin, kreisen umeinander wie zwei Magneten, die sich gleichzeitig anziehen und abstoßen. Ihre Begegnungen sind gefährlich, intensiv und oft überraschend intim. Im Finale aber nimmt die Geschichte eine Wendung, die viele Zuschauer als geradezu schockierend konventionell empfanden. Statt die komplizierte Beziehung auszuerzählen, auf die die Serie so lange hingearbeitet hat, schlägt das Ende sehr abrupt eine Tür zu, die jahrelang mühsam geöffnet wurde. Diese Entscheidung wirkt, als würde man eine Geschichte über Grenzüberschreitung und gegenseitige Faszination im letzten Moment auf eine einfache, alte Formel reduzieren: Gefahr muss bestraft, Ambivalenz eingehegt, Unruhe beseitigt werden. 

    Während bei Gilmore Girls der Stimmungswechsel langsam einsickert, trifft Killing Eve sein Publikum im letzten Augenblick - ein finaler Schlag, der die gesamte Serie in einem Atemzug neu einordnet. Genau deshalb bricht bis heute Streit aus: War dieses Ende wirklich die logische Konsequenz von zwei Menschen, die sich an den Rand treiben? Oder war es ein Rückzieher, der eine komplexe Beziehung plötzlich auf das sicherste, aber uninspirierendste Ende reduziert?

    8. House of Cards (2013-2018)

    In den frühen Staffeln war House of Cards untrennbar mit Frank Underwood verbunden: seine Blicke in die Kamera, seine Intrigen und sein kontrollierter Wahnsinn. Als Kevin Spacey nach den Vorwürfen gegen ihn ausstieg, fehlte plötzlich der Kern, um den sich die ganze Serie gedreht hatte. Die finale Staffel setzte auf Claire Underwood - ein Schritt, der eigentlich enormes Potenzial hatte. Schließlich deutete die Serie jahrelang an, wie gefährlich und strategisch Claire im Schatten ihres Mannes agierte. 

    Viele hofften auf eine radikale Neuordnung der Macht. Stattdessen wirkte vieles angedeutet, aber selten zu Ende erzählt: Intrigen flackern auf und verlöschen wieder, Figuren tauchen auf, ohne wirklich Gewicht zu bekommen, und Claire bleibt als Hauptfigur erstaunlich unterbelichtet. Während Killing Eve im Finale wenigstens klare Kante zeigt, wirkt das Ende von House of Cards wie ein Versuch, ein Loch zu kaschieren, das zu groß ist, um es zu übermalen. Genau deshalb drehen sich die Diskussionen bis heute um dieselbe Frage: Hätte das nicht viel größer werden können, wenn die Serie den Mut gehabt hätte, Claires Machtübernahme wirklich auszuspielen?

  • 10 Hollywood-Stars, die wirklich Deutsch sprechen – oder es in Filmen getan haben

    10 Hollywood-Stars, die wirklich Deutsch sprechen – oder es in Filmen getan haben

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Deutsch taucht im internationalen Film selten auf, doch immer wieder überraschen Hollywoodstars mit (echter?) Sprachkompetenz. Manche sprechen Deutsch aus biografischen Gründen, andere haben es für eine Rolle erlernt, wieder andere nutzen es spontan in Interviews oder Shows.

    Die folgende Liste vereint Schauspielerinnen und Schauspieler, die Deutsch beherrschen oder es in Filmen und Serien gesprochen haben – mal überzeugend, mal holprig: von Oscar-prämierten Performances bis zu kurzen, aber eindrücklichen Dialogen. 

    Tina Fey – 30 Rock (2006–2013)

    Tina Fey hat selbst deutsche Wurzeln, aber in Interviews mehrfach betont, ihr eigenes Deutsch sei „unter Erstklässler-Niveau“. Trotzdem hat sie für verschiedene Rollen kurze deutsche Passagen erarbeitet – ihr Einsatz in 30 Rock ist aber der bekannteste. Tina Fey spricht darin Pseudo-Deutsch, aber das ist nicht unbedingt ein Fehler. Ihre überzeichneten, grammatikalisch wackeligen Sätze parodieren amerikanische Vorstellungen von deutscher Strenge und Bürokratie. Die Szene ist ein Beispiel dafür, wie Sprache in Comedy oft eingesetzt wird: Nicht zur verbalen Kommunikation, sondern zur Markierung kultureller Unterschiede. 

    Jim Parsons – The Big Bang Theory (2007–2019)

    Auch Jim Parsons spricht in einer Episode von Sheldons Online-Show „Spaß mit Flaggen“ ein kurzes Pseudo-Deutsch. In Lederhose gekleidet, mit Filzhut und bayerischer Flagge begrüßt er sein Publikum begleitet von Blasmusik und schwerem Akzent mit den Worten „Guten Morgen, das [sic!] YouTube! Ich bin ein Bavarian!“. Amy (Mayim Bialik), die neben ihm steht und als große Brezel verkleidet ist, stellt sich als ebensolche vor. Die Szene karikiert in The Big Bang Theory  liebevoll amerikanische Vorstellungen von „typisch deutsch“ und zeigt, wie weit Sheldon bereit ist zu gehen, um vermeintliche kulturelle Authentizität herzustellen. 

    Johnny Depp – bislang nur in Interviews

    Johnny Depp ist weit davon entfernt, fließend Deutsch zu sprechen, doch seine verblüffend charmanten Versuche sind legendär. Bei einer Pressekonferenz in Berlin etwa: Im Rahmen der PR-Tour zu The Lone Ranger  überraschte er Fans und Journalist*innen mit spontanen Sätzen wie „Ich bin eine Wassermelone“ und „Mein Vater ist ein Stierkämpfer“. Diese Mini-Einlagen zeigen weniger echte Sprachkenntnisse als seine Bereitschaft, sich auf das Publikum einzulassen und spielerisch mit Erwartungshaltungen umzugehen. 

    Christoph Waltz – Inglourious Basterds (2009)

    Dass Christoph Waltz hervorragend Deutsch spricht, ist natürlich keine Überraschung – bemerkenswert ist allerdings, wie der Schauspieler aus Österreich es in internationalen Produktionen einsetzt. Als Hans Landa in Inglorurious Basterds  ist sein Deutsch nicht Nebensache, sondern Zentrum seiner manipulativen Präsenz. Christoph Waltz wechselt mit Leichtigkeit zwischen aristokratischer Höflichkeit, eiskalter Präzision und lauernder Aggression und setzt Sprache als Machtmittel ein. Ein Paradebeispiel dafür, wie sehr Sprache eine Figur definieren kann.

    Diane Kruger – Inglourious Basterds (2009)

    Diane Kruger, in Deutschland geboren, ist im internationalen Kino längst etabliert – und auch sie nutzt ihre Mehrsprachigkeit regelmäßig. In Inglourious Basterds spricht sie Deutsch, Englisch und Italienisch, was ihre Figur der Schauspielerin und Spionin besonders authentisch macht. Ihr Deutsch ist natürlich muttersprachlich und wirkt nie wie ein bewusster Akzentmarker. Auch in Interviews wechselt Kruger mühelos die Sprachen. Sie zeigt, wie der Wechsel zwischen den Sprachen Filmfiguren zusätzliche Tiefe verleihen kann, ohne aufdringlich zu wirken.

    Michael Fassbender – Inglourious Basterds (2009)

    Michael Fassbender wurde in Heidelberg geboren und spricht als deutsch-irischer Schauspieler durchaus Deutsch – auf seine Rolle in Inglorious Basterds als britischer Agent, der sich als deutscher Offizier tarnt, hat er sich aber mit einem Gesangslehrer vorbereitet, um die Aussprache wirklich korrekt zu beherrschen. Das war auch notwendig, insbesondere in der legendären Kneipenszene: Eine Handbewegung verrät ihn darin, nicht sein Akzent. Die Spannung entsteht also gerade dadurch, dass seine sprachliche Tarnung so überzeugend ist. 

    Alan Rickman – Stirb Langsam (1988)

    Alan Rickman verwendet in Stirb Langsam zwar nur kurze deutsche Ausdrücke und Befehle, doch seine Verwendung der Sprache ist aufgefallen – gerade weil sie Teil der Inszenierung seiner Figur Hans Gruber ist. Seine Aussprache ist überraschend gut und genau das macht den Reiz aus: Die Sprache wirkt wie ein bewusst eingesetztes Stilmittel, das seine unterkühlte Professionalität und seine Distanz verstärkt. Rickman zeigt, wie effektiv wenige gezielte deutsche Worte sein können, um eine Figur zu prägen. 

    Arnold Schwarzenegger – „versteckt“ sein Deutsch

    Arnold Schwarzenegger ist einer der wenigen Hollywoodstars, dessen Muttersprache tatsächlich Deutsch ist. Interessant ist jedoch, dass sie in vielen der weltbekannten Filme des österreichischen Schauspielers kaum zu hören ist. Für die deutschen Kinofassungen ließ man ihn häufig von Profi-Sprechern wie Thomas Danneberg synchronisieren, weil sein österreichischer Akzent als zu ländlich oder ungeeignet für Figuren wie den Terminator galt. Erst später wurde gerade dieser Akzent zu seinem Markenzeichen im englischsprachigen Kino. Sprachlich entsteht dadurch ein kurioser Effekt: International kennt man Schwarzenegger für seine charakteristische Stimme, im deutschsprachigen Raum jedoch oft vor allem die seines Synchronsprechers.

    Sandra Bullock – Ocean’s 8 (2018)

    Sandra Bullock spricht Deutsch nicht nur im Film, sondern auch privat fließend: Sie wuchs in Nürnberg auf, ihre Mutter war deutsche Opernsängerin. In Ocean’s 8 nutzt sie diese Fähigkeit ganz beiläufig in einer Museumssequenz, in der sie ihre Tarnung mit ein paar kurzen deutschen Sätzen untermauert. Es ist kein großer Moment, aber ein verblüffend souveräner. Gerade weil Hollywood so selten auf die realen Sprachkompetenzen seiner Stars zurückgreift, wirkt Sandra Bullocks Deutsch wie ein kleines Geschenk an jene Zuschauerinnen und Zuschauer, die beurteilen können, wie gut sie es spricht. 

    Cate Blanchett – TÁR (2022)

    Cate Blanchett liefert in TÁR einen der seltsamsten – und gerade deshalb ikonischsten – Einsätze von Deutsch im internationalen Kino: Ihre Figur Lydia Tár bewegt sich souverän in der internationalen Klassikszene, leitet ein bedeutendes deutsches Orchester, aber beherrscht die Sprache aber hörbar nicht fließend. Das Resultat ist eine Mischung aus gelernten Sätzen, einem starken, aber durchaus charmanten Akzent und unerwarteten Formulierungen. Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer entsteht daraus aber ein eigener Reiz, weil manche Zeilen unfreiwillig komisch klingen – etwa wenn Lydia Tár auf dem Schulhof ein paar Kinder zurechtweist und streng erklärt: „Ich bin der Vater von Johanna, der liebe Gott sieht alles.“ Gerade diese leicht verschobene Sprachwirkung macht ihre Darstellung so denkwürdig: nicht authentisch deutsch, aber absolut unverwechselbar.

  • “Percy Jackson” und weitere Filme und Serien, die griechische Mythologie völlig anders denken

    “Percy Jackson” und weitere Filme und Serien, die griechische Mythologie völlig anders denken

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Wenn eine neue Staffel von Percy Jackson angekündigt wird, entsteht sofort dieses Gefühl, dass alte Geschichten wieder anfangen zu leuchten. Griechische Mythologie taucht dann überall auf: nicht als Schulstoff, sondern als großes Erzählfeld, das in die Gegenwart rutscht. 

    Das Faszinierende an modernen Mythos-Adaptionen ist, dass sie nicht mehr monumental sein müssen. Sie können verspielt, seltsam, komisch oder introspektiv sein und trotzdem tief im Alten wurzeln.

    Manche greifen die Strukturen der klassischen Sagen auf und verlegen sie in vertraute Welten, andere nehmen nur ein Motiv, eine Figur oder eine Stimmung und verwandeln sie in etwas völlig Neues. Und genau dort entfaltet sich die Kreativität: In Roadmovies, Superheldengeschichten, Familienkomödien oder düsteren Charakterstudien lebt der Mythos weiter, oft ohne Helm und Toga, dafür mit überraschender Wärme oder Schärfe. Selbst Werke wie The Killing of a Sacred Deer zeigen, wie biegsam diese alten Stoffe sind - ein Hinweis darauf, wie vielfältig Mythologie funktionieren kann. Diese Liste sammelt zehn Beispiele, die zeigen, wie lebendig griechische Götter und Legenden heute erzählt werden.

    1. Percy Jackson: Die Serie (seit 2023)

    Die Serie startet mit einer einfachen, sofort einleuchtenden Wendung: Ein Junge erfährt, dass sein Vater ein griechischer Gott ist und von einem Moment auf den nächsten bekommt sein ganz normales Leben eine zweite Ebene. Schule, Freundschaften, Unsicherheiten: alles bleibt bestehen, aber überall schimmert eine Mythologie durch, die näher wirkt, als man es zugeben möchte. Percy ist dabei kein makelloser Held, sondern jemand, der versucht, klarzukommen, während Monster, Prophezeiungen und göttliche Launen schneller auftauchen, als er Antworten findet. 

    Genau diese Mischung aus Überforderung, Humor und echtem Herz macht den Reiz der Serie aus. Wer den Kinofilm Percy Jackson – Diebe im Olymp kennt, entdeckt hier denselben Kern, aber wesentlich feinfühliger erzählt: weniger Hektik, mehr Raum für Figuren und ein deutlicheres Gefühl dafür, wie griechische Mythen wirken, wenn sie plötzlich mitten im echten Leben stehen. Während Hercules seine Götterwelt groß und grell inszeniert, zeigt Percy, wie überraschend menschlich sie sein kann.

    2. Kaos (seit 2024)

    Kaos zeigt griechische Götter, wie man sie selten sieht: kaputt, überfordert und politisch ineinander verheddert. Die Serie erfindet keinen neuen Olymp, sondern seziert den alten mit einem Humor, der zwischen bissig und liebevoll schwankt. Zeus wirkt wie ein Chef, der seine Autorität verliert, Hera organisiert ihre eigenen Wege, und die Sterblichen stecken zwischen himmlischen Befindlichkeiten fest. Die Serie nimmt Mythologie ernst genug, um sie wiederzuerkennen, aber leicht genug, um sie neu zu formen. Jede Figur wirkt wie ein vertrautes Echo, das jedoch anders schwingt. 

    Im Gegensatz zu American Gods, das Götter mit schwerer Symbolik auflädt, zeigt Kaos ihre Absurdität - nicht als Schwäche, sondern als menschliche Gemeinsamkeit. Das macht den Blick auf die Mythen warm und zeitgemäß: Macht ist hier kein Monument, sondern ein chaotisches Netzwerk aus Emotionen, Verletzungen und kleinlichen Entscheidungen. Ein überraschend moderner Zugang.

    3. American Gods (2017-2021)

    In American Gods bewegen sich alte Götter im Schatten einer Welt, die sie längst vergessen hat. Der Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird wie ein Wanderstück erzählt, voller Symbole, Gewalt und Schönheit. Die Serie fordert viel Aufmerksamkeit - nicht durch Komplexität, sondern durch die Art, wie sie Mythologie als etwas präsentiert, das man spürt, bevor man es versteht. Figuren wie Mr. Wednesday wirken gleichzeitig vertraut und fremd, weil sie aus einem alten Erzählraum stammen, der plötzlich in Motels und kleinen Diners landet. 

    Während Kaos mit Humor arbeitet, zieht American Gods die Mythen in ein düsteres, poetisches Licht: Glaube wird hier Macht, und Macht ist immer im Wandel. Die Serie zeigt, dass Mythen nicht verschwinden, sondern sich neu formieren, je nachdem, woran Menschen glauben. Es ist kein leichtes Seherlebnis, aber eines, das Mythologie in eine ungewöhnliche, hypnotische Form gießt.

    4. O Brother, Where Art Thou? (2000)

    Die Coen-Brüder verwandeln die Odyssee in ein musikalisches Roadmovie der 1930er Jahre. Drei Gefangene fliehen in O Brother, Where Art Thou? durch die Südstaaten, begegnen Sirenen, einem Zyklopen und einer Reihe grotesker Figuren, die Homers Epos lose spiegeln. Der Witz liegt darin, wie beiläufig der Film mit diesen Parallelen umgeht: Er ist nie eine Nacherzählung, sondern eine Variation, die den Geist der Vorlage einfängt, ohne sie zu imitieren. 

    Die Musik trägt die Reise wie ein zweiter Erzähler, und viele Szenen wirken, als würde Mythologie durch ein Americana-Prisma gefiltert. Anders als bei Die Odyssee (2026), die den Stoff monumental zurückbringt, zeigt dieser Film, wie flexibel Mythen sein können, wenn man sie entkleidet und neu zusammensetzt. Das Ergebnis ist warm, schräg, musikalisch und voller kleiner Momente, die gleichzeitig vertraut und völlig neu wirken. Eine der originellsten mythologischen Transformationen des modernen Kinos.

    5. Xena (1995–2001)

    Xena ist ein wunderbar unlogisches, aber völlig einnehmendes Universum: antike Schauplätze, die aussehen wie Theaterkulissen, Götter, die jederzeit auftauchen, und eine Heldin, die mehr Charisma als historische Grundlage besitzt. Die Serie ist nicht daran interessiert, Mythen korrekt zu erzählen - sie spielt mit ihnen, als wären sie Actionfiguren. Genau dieses Flirren aus Pathos, Witz und Camp macht sie bis heute zu einem unverwechselbaren Stück Popkultur. Jede Episode wirkt wie eine kleine Bühne, auf der Mythologie neu improvisiert wird. 

    Während Percy Jackson seine Mythen modernisiert, zersägt Xena sie und baut daraus etwas völlig Eigenes. Das Ergebnis ist bunt, chaotisch, aber mit einer echten Zuneigung zu den alten Stoffen. Xena beweist, dass mythologische Figuren nicht majestätisch sein müssen, um Kraft zu haben. Manchmal reicht ein Kriegsruf, ein Augenzwinkern und eine Geschichte, die Spaß daran hat, unberechenbar zu bleiben.

    6. Der Leuchtturm (2019)

    Zwei Männer auf engem Raum, ein Turm und das Meer - der Film wirkt wie eine archaische Prüfung, die sich selbst entfaltet. Der Leuchtturm ist keine Nacherzählung eines Mythos, aber in jeder Szene spiegeln sich Motive aus Prometheus- und Proteus-Erzählungen: Machtspiele, Bestrafung und Wissen, das nicht besessen werden darf. Die Bilder sind rau, die Emotionen heftig, und die Atmosphäre wirkt wie ein moderner Mythos, der im Nebel hängt. 

    Die Spannung entsteht weniger aus Handlung als aus den Kräften, die zwischen den Figuren wallen. Im Gegensatz zu O Brother, Where Art Thou?, das den Mythos mit Leichtigkeit aufbricht, geht dieser Film tief und düster in archetypische Strukturen. Mythologie wird hier spürbar, nicht erklärt. Das macht den Film ungewöhnlich, intensiv und offen für Interpretationen - ein Mythos, der sich anfühlt, als wäre er irgendwo zwischen Meer und Wahnsinn gestrandet.

    7. Wonder Woman (2017)

    Diana wächst in einer Welt auf, die von Göttern geschaffen wurde, aber der Film betrachtet diese Mythologie durch die Linse moderner Heldenfiguren. Der Übergang von Themyscira in die Menschenwelt ist nicht nur geografisch, sondern emotional eine Reise über Idealismus, Schuld und Selbstverständnis. Der Kampf gegen Ares dient als Spiegel für die Frage, ob Menschen angeboren gut oder schlecht sind. Während Percy Jackson den Mythos verspielt behandelt, setzt Wonder Woman auf große Bilder und klare Emotionen. Die Götter sind nicht abstrakt, sondern Konflikte in physischer Form. 

    Dadurch entsteht ein Film, der Mythologie ernst nimmt, ohne sie unnahbar zu machen. Er zeigt, dass klassische Stoffe im modernen Blockbusterkino funktionieren, wenn sie in konkrete Figuren übersetzt werden, die mit ihren Zweifeln ringen. Ein emotionaler Brückenschlag zwischen alter Sage und moderner Heldengeschichte.

    8. Die Odyssee (2026)

    Nolans Adaption von Die Odyssee wird ein monumentales Werk, das den Kern des Epos neu interpretiert und dennoch seiner Größe treu bleibt. Dreharbeiten in Marokko, Griechenland, Italien, Schottland und Island sowie die 70-mm-IMAX-Aufnahmeform deuten auf eine Reise hin, die ebenso episch wie persönlich wird. Mit Matt Damon als Odysseus setzt der Film auf eine Besetzung, die Stärke und Verletzlichkeit ungewöhnlich gut balanciert. Während andere moderne Mythenadaptionen spielerisch wirken, geht dieser Film den entgegengesetzten Weg: Er bringt die Geschichte in ihrer ganzen Intensität zurück. 

    Der Vergleich mit Hercules könnte kaum größer sein - dort dominiert Humor, hier Ernst. Diese Gegensätzlichkeit zeigt, wie flexibel Mythologie heute erzählt werden kann. Die Odyssee wird vermutlich nicht leicht, nicht leise und nicht klein sein. Aber genau dadurch setzt sie ein Zeichen: Die großen Geschichten können immer wieder neu entstehen, wenn man sie mit Hingabe und moderner Bildsprache zurückholt.

    9. Hercules (1997)

    Disneys Hercules verwandelt altgriechische Götter in Pop-Art-Ikonen. Hier gibt es Gospelgesang, schnelle Gags und grelle Farben. Der Film nimmt die Mythen nicht wörtlich, sondern als Inspirationsquelle für Humor und Emotion: Hercules’ Weg vom Außenseiter zum Helden bleibt eine klassische Struktur, wird aber mit so viel musikalischer Energie erzählt, dass die alte Sage fast neu erfunden wirkt. Vor allem Hades als zynischer Gegenspieler gibt dem Film eine moderne Wahrhaftigkeit: Macht als Entertainment und Intrige als Managementproblem. 

    Im Unterschied zu Wonder Woman, das den Mythos ernst ausleuchtet, zeigt Hercules, dass man ihn mit Leichtigkeit und Tempo anreichern kann, ohne ihn zu verlieren. Die Musen fungieren als moderner Chor, der die Handlung kommentiert und trägt. Ein Film, der beweist, wie wandlungsfähig Mythologie sein kann und wie viel Spaß es macht, sie mit Humor statt Ehrfurcht zu erzählen.

    10. My Big Fat Greek Wedding - Hochzeit auf Griechisch (2002)

    Hier gibt es keine Götter, keine Monster und trotzdem fühlt sich My Big Fat Greek Wedding an, als würde man versehentlich in einen Familien-Olymp stolpern. Die Portokaloses sprechen, feiern, streiten und entscheiden in Dimensionen, die so überlebensgroß wirken, dass man fast erwartet, Zeus persönlich würde vom Esstisch aus Blitze schleudern. Besonders das berühmte „Wir Griechen haben alles erfunden“ wird zu einer Art Running-Gag-Prophezeiung, mit der Tulas Vater die Welt ordnet: egal ob Mathematik, Karamellisierer oder sogar Glasreiniger - alles lässt sich mythologisch zurückführen, wenn man es nur überzeugend genug behauptet. 

    Toula selbst bewegt sich durch diese familiäre Sagenwelt wie eine moderne Persephone, die versucht, zwischen zwei Welten zu leben: der traditionellen, in der alles festgelegt scheint, und der modernen, in der sie sich neu erfindet. Anders als Hercules, das seine Mythen laut und bunt in Szene setzt, zeigt dieser Film, wie sie im Alltag weiterleben - in Stolz, Ritualen, Namen und den kleinen Dramen rund um eine Hochzeit, die irgendwann größer wirkt als jede antike Tragödie. Ein warmherziger, humorvoller Abschluss dieser Liste und der Beweis, dass Mythologie manchmal in einer Familienküche beginnt.

  • Die besten deutschen Filme: 10 Meisterwerke, die man gesehen haben sollte

    Die besten deutschen Filme: 10 Meisterwerke, die man gesehen haben sollte

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Was macht deutsches Kino eigentlich aus? Im Idealfall, dass es keine Angst vor großen Fragen hat. Viele seiner wichtigsten Filme fordern uns heraus – mit unbequemen Wahrheiten, ungewohnten Bildern und Figuren, die uns lange nicht loslassen. Sie erzählen von gesellschaftlichen Brüchen, von Sehnsucht und Hoffnung, von Vergangenheitstraumata und dem Versuch, sich das eigene Leben zurückzuerobern. 

    Dabei reicht die Spannweite von visionärer Science-Fiction über intime Liebesdramen bis hin zu politisch wachem Spannungskino. Die folgenden Meisterwerke stehen für den eindrucksvollen, mutigen, emotional und künstlerisch wegweisenden deutschen Film – geordnet nach Erscheinungsjahr. 

    1. Metropolis (1927)

    Fritz Langs Science-Fiction-Epos ist ein frühes Monument beeindruckender filmischer Weltgestaltung. Metropolis ist eine futuristische Stadt, die oben in Glanz erstrahlt, während unten die Arbeiter wie Maschinen schuften. In der Geschichte verliebt sich der Sohn des Stadtoberhaupts in Maria, eine junge Frau aus der Arbeiterklasse, die den Menschen dort Mut macht — doch eine künstlich erschaffene Doppelgängerin von ihr stürzt die Stadt ins Chaos.

    Metropolis überzeugt bis heute durch visuelle Kühnheit, wegweisende Spezialeffekte und die Symbolkraft eines Films, der Industrialisierung, Entfremdung und Klassenkampf als globale Zukunftsfragen begreift. Gerade weil das Drama zwischen Technikglauben, -skepsis und humanistischen Idealen oszilliert, wirkt es zeitlos modern. Ein Kinoerlebnis, das den Mythos des deutschen Expressionismus weltweit etabliert hat.

    2. M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931)

    M - Eine Stadt sucht einen Mörder ist ein nüchterner Thriller und zugleich ein kritischer Blick auf eine Gesellschaft, die kurz vor dem Kollaps steht – und sich einen Sündenbock sucht. Unter der Regie von Fritz Lang wird Jagd auf einen Kindermörder wird zur Studie gesellschaftlicher Verdrängungen: Polizei, Medien und Unterwelt geraten in ein kollektives Rasen, bis im improvisierten „Volksgericht“ sichtbar wird, wie dünn die Linie zwischen Recht und Rache ist. 

    Die filmische Präzision und der Einsatz von Ton als dramaturgisches Stilmittel wirken bis heute nach, aber auch Peter Lorres prägende Darstellung eines gehetzten Täters macht diesen Film so eindrucksvoll. Ein Meilenstein, der nicht nur Spannung liefert, sondern weh tut, weil er schmerzlich zeigt, wie schnell demokratische Prinzipien erodieren können.

    3. Angst essen Seele auf (1974)

    In Angst essen Seele auf verbindet Rainer Maria Fassbinder ein zartes Melodram mit politischer Schärfe: Die unerwartete Liebe zwischen der Putzfrau Emmi und dem jüngeren marokkanischen Gastarbeiter Ali ist mit Feingefühl erzählt, und offenbart gleichzeitig den alltäglichen Rassismus und die soziale Kälte im Nachkriegsdeutschland. 

    Formal streng, emotional direkt, seziert der Film gesellschaftliche Machtverhältnisse in kleinsten Gesten, sodass bereits die verstohlenen Blicke wie unverhohlenen verbalen Urteile der Nachbarn zu Gewalt werden. Rainer Maria Fassbinder lässt allerdings Beides zu: Verletzbarkeit und Hoffnung, und liefert damit ein schmerzlich aktuelles Werk über migrantische Lebenswelten und den Mut, gegen soziale Regeln zu fühlen.

    4. Das Boot (1981)

    Enge, Dunkelheit und der psychische Verschleiß einer Crew zwischen Pflichtgefühl und nackter Angst stehen im Fokus von Das Boot, dem vielleicht klaustrophobischsten aller Filme über den Krieg. Unter der Regie von Wolfgang Petersen wird der Terror des Zweiten Weltkriegs nicht zum heroischen Abenteuer verfälscht, sondern in seinem beklemmenden Alltag gezeigt.

    Seine minutiöse Inszenierung und die nüchterne Darstellung des Soldatenlebens machen Das Boot zum Gegenentwurf zu patriotischer Kriegsmythologie. Gerade deshalb wirkt der Film als eindrückliche Warnung vor dem, was vermeintlich „notwendig“ ist. Ein packendes Werk von internationalem Rang – und eine der kraftvollsten Antikriegsbotschaften des deutschen Kinos.

    5. Der Himmel über Berlin (1987)

    Zwei Engel beobachten Berlin, hören Gedanken voller Zweifel, Sehnsucht und alltäglicher Poesie. Einer von ihnen, der von Bruno Ganz gespielte Damiel, verliebt sich in eine Trapezkünstlerin und will das Menschsein erfahren – mit all seiner Schwere und Schönheit. 

    Der von Wim Wenders’ effektvoll eingesetzte Wechsel von Schwarz-Weiß zu Farbe markiert den Sprung von Beobachtung zu Beteiligung. Der Himmel über Berlin ist ein großer, stiller Film über Wahrnehmung, Verletzbarkeit und die Kraft des Fühlens. Philosophisch und träumerisch zugleich, lädt der Film dazu ein, den Blick auf die Welt neu zu kalibrieren – hin zum Staunen.

    6. Aimée & Jaguar (1999)

    Im Berlin des Jahres 1943 verlieben sich die Hausfrau Lilly und die jüdische Widerstandskämpferin Felice. Es ist eine Liebe gegen die menschenfeindliche Logik des Nationalsozialismus und sowieso alle Regeln ihrer Zeit, sie klingt unwahrscheinlich und ist doch historisch belegt. 

    Aimée & Jaguar schafft es, die wahren Begebenheiten im emotionalen Sog von Max Färberböcks melodramatischer Inszenierung aufgehen zu lassen, ohne die Gegebenheiten unlauter zu romantisieren. Die herausragenden Darstellungen von Maria Schrader und Juliane Köhler verleihen der Geschichte eine unmittelbare Kraft. Ein leises, aber lang nachwirkendes Drama.

    7. Gegen die Wand (2004)

    Fatih Akin inszeniert zwei Menschen am Rand, ohne Schonung, laut, hart, verletzlich: Sibel Kekilli spielt die gleichnamige Sibel, die aus ihrer streng kontrollierten Familie ausbrechen will, während Birol Ünel als Cahit vor seinem eigenen Leben flieht. Ihre arrangierte Ehe führt sie in eine fatale Abwärtsspirale aus Selbstzerstörung, befeuert von Begehren und dem Drang nach Freiheit.

    Gegen die Wand trifft wie ein Schock, weil er zeigt, wie eng Hoffnung und Absturz beieinander liegenDoch hinter jeder Eskalation steckt eine tiefe menschliche Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Liebe. Ein Film, der nicht erklärt, sondern aufrüttelt – und damit einer der prägendsten Beiträge des deutschen Gegenwartskinos.

    8. Das Leben der Anderen (2006)

    Das Leben der Anderen entfaltet die Mechanismen eines Überwachungsstaats mit kühler Brillanz und großer emotionaler Wirkung: Ein Stasi-Hauptmann überwacht ein Künstlerpaar und beginnt, durch ihre Menschlichkeit den Glauben an die Richtigkeit seines Tuns, und das des Systems, in dem er lebt, in Frage zu stellen. Florian Henckel von Donnersmarck zeigt mit Nachdruck letztlich beides: Wie Macht korrumpiert – und wie Empathie sie unterwandern kann. 

    Die präzise Inszenierung und nuancierte Darstellung von Ulrich Mühe machen den Film zu einem der bedeutendsten politischen Werke des 21. Jahrhunderts. Kein leichter Stoff, aber ein unvergesslicher: Er macht sichtbar, dass Freiheit immer gefährdet ist – dass es Mut braucht, sie zu verteidigen, und er oft im Kopf eines jeden Einzelnen beginnt.

    9. Das weiße Band (2009)

    Michael Haneke zeigt eine protestantische Dorfgemeinschaft als Keimzelle autoritärer Strukturen. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschehen rätselhafte Gewalttaten. Die Kinder sind nur scheinbar unschuldig – und zutiefst geprägt von repressiver Erziehung.

    Die formale Strenge, genau komponierte Schwarz-Weiß-Bilder, die wie Mahnungen zu uns hinüber leuchten und eine Atmosphäre schleichender Bedrohung machen den Film zur beklemmenden Ursachenforschung deutscher Abgründe. Das weiße Band ist kein Thriller mit Lösung, sondern einer Frage nachspürt: Wie entsteht Gewalt? Und wie wächst sie allmähich in den Alltag hinein? Ein Werk, das herausfordert – und lange im Gedächtnis bleibt.

    10. Toni Erdmann (2016)

    Ein Vater besucht seine entfremdete Tochter im Business-Alltag, erscheint verkleidet, gibt sich irgendwie immer übergriffig, und ist doch verzweifelt liebevoll: Was nach Slapstick klingt, wird zu einem der berührendsten Filme über Nähe und Verfehlungen. Sandra Hüller und Peter Simonischek spielen das Vater-Tochter-Gespann mit Wucht und Feinheit zugleich, und unter Maren Ades Hand verschmelzen Satire und Schmerz zu einem der erfolgreichsten und unverwechselbaren Filme des deutschen Gegenwartskinos. 

    Toni Erdmann ist ein Plädoyer gegen Leistungsfetisch und emotionale Entfremdung über die Wirren des Alltag: Lachen und Leiden liegen hier so nah beieinander, dass man sich kaum entscheiden kann, was gerade dominiert. Ein modernes Meisterwerk, das zeigt, wie lebendig und mutig deutsches Kino sein kann.

  • Diese acht deutschen Weihnachtsfilme sind ein Fest

    Diese acht deutschen Weihnachtsfilme sind ein Fest

    Oliver Baumgarten

    Oliver Baumgarten

    JustWatch-Editor

    Eine klassische Vorstellung davon, wie Weihnachtsfilme aussehen und sich anfühlen, wird seit Jahrzehnten vorrangig von Hollywood geprägt. Und so verwundert es nicht, wenn dort zum Standard gewordene Musiken, Motive und Figuren Eingang auch in Weihnachtsfilme aus anderen Teilen der Welt finden. Und trotzdem: Auch deutsche Weihnachtsfilme lohnen sich, denn sie variieren all diese Mythen und Motive auf ihre ganz eigene Art und Weise.

    Wir präsentieren Euch eine Auswahl deutscher Filme, die mal mehr und mal extrem wenig mit diesen klassischen Motiven und Narrativen zu tun haben und sie für ganz unterschiedliche Bedürfnisse erzählen: für Kinder oder die ganze Familie, für Kultur- oder historisch Interessierte.

    1. Weihnachten bei Hoppenstedts (1978)

    Ein herrlich komisches, satirisches und doch sehr warmes Abbild eines typisch deutschen Weihnachten lieferte Loriot mit seinem nur 37 Minuten dauernden TV-Special Weihnachten bei Hoppenstedts. Die 1997 entstandene Schnittfassung der sechsten Folge Loriot von 1978 hat sich als Kultspecial zum unverzichtbaren selbstironischen Pflichtprogramm im deutschen Weihnachtsfernsehen entwickelt. Der Film stellt eine episodische Reise durch den typischen weihnachtlichen Alltag der Familie Hoppenstedt dar, gipfelnd im chaotischen Heiligabend und Opa Hoppenstedts Feststellung: „Früher war mehr Lametta.” In gewohnt einzigartiger Manier gelingt es Loriot mit seiner kongenialen Spielpartnerin Evelyn Hamann, mit liebevollen Figuren und verrückten Momenten gutbürgerlichem Irrsinn den Spiegel vorzuhalten. Deutscher als Weihnachten bei Hoppenstedts kann ein Weihnachtsfilm nicht werden.

    2. Die Weihnachtsgans Auguste (1988)

    Friedrich Wolfs gleichnamige Erzählung war in der DDR sehr populär. Ihre Verfilmung von Bodo Fürneisen wurde dort an Heiligabend 1988 erstmals ausgestrahlt und gehört seitdem bis heute vor allem in Ostdeutschland zur festen Weihnachtstradition. Im Mittelpunkt steht die Familie um Opernsänger Löwenhaupt, der eine Gans kauft, um sie für Weihnachten zu mästen. Seine Kinder jedoch lieben das sprechende Tier und retten es nach einigen Turbulenzen schließlich vor dem Schlachten. Einer der letzten DEFA-Familienfilme lebt neben den Gesangseinlagen insbesondere auch vom Spiel der Kinder (u.a. Stefanie Stappenbeck) und natürlich des Ganters, der seine Filmkarriere später u.a. sogar in Männerpension (1996) von Detlev Buck und Roland Emmerichs Anonymous (2011) fortsetzen konnte. Ein witziger und einfallsreicher Weihnachtsfilm jenseits des Gängigen und gleichzeitig ein auch historisch spannender Blick in die Gegenwart der letzten DDR-Jahre.

    3. Zwei Weihnachtsmänner (2008)

    Seine deutsche Version von Ein Ticket für Zwei (1987) verlegte Autor Tommy Jaud kurzerhand von Thanksgiving auf Weihnachten und schuf so eine turbulente Komödie, die das Zeug zum festen Festtagsstandard hat. In erster Linie Spaß macht der immerhin dreistündige Film natürlich wegen des Aufeinandertreffens von Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst. Als zwei völlig gegensätzliche Geschäftsreisende geraten die beiden in ein heilloses Chaos beim Versuch, nach dem ausgefallenen Heimflug auf andere Weise nach Hause zu gelangen. Das Buch reizt hier alle Möglichkeiten, in Schlamassel zu geraten, weidlich aus und kann sich vor allem bei seinen beiden bestens aufgelegten Comedystars dafür bedanken, dass der Film bei aller Überdrehung nicht vollkommen abhebt, sondern ein wahrhaft wilder Spaß ist.

    4. Bach – Ein Weihnachtswunder (2024)

    In vielen Familien gehört es genauso selbstverständlich zu Weihnachten wie der geschmückte Tannenbaum: das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Florian Baxmeyers 90-Minuten-Film Bach – Ein Weihnachtswunder (2024) blickt zurück in das Jahr seines Entstehens: Im Dezember 1734 bereitet sich die Familie Bach in Leipzig auf das Weihnachtsfest vor, während Familienvater Johann Sebastian noch darum kämpft, dass seine Neukomposition in der Thomaskirche zur Aufführung gelangt. Mit seinem Weihnachtsoratorium möchte er am Dresdner Hofe auf sich aufmerksam machen, doch bis dahin müssen noch einige offizielle und auch familiäre Hürden überwunden werden. Mit Devid Striesow und Verena Altenberger in den Hauptrollen ist ein spannender Einblick in die Genese einer wahrhaft klassischen kulturellen Weihnachtstradition gelungen, der für kulturell Interessierte ebenso geeignet ist wie für jene, die nach vorweihnachtlicher Stimmung suchen.

    5. Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel (2011)

    Nach der gleichnamigen literarischen Vorlage von Cornelia Funke entstand ein höchst unterhaltsamer Familienfilm, der in perfekter Manier die Freude auf Weihnachten schürt. In 107 Minuten erzählt Regisseur Oliver Dieckmann die Geschichte des neunjährigen Ben, der dem flüchtenden Weihnachtsmann Niklas dabei hilft, einen Schurken daran zu hindern, das Weihnachtsfest in ein lieblos-kapitalistisches Konsumevent zu verwandeln. Der Film entwickelt viel Witz und Schwung und hat ein bemerkenswert ausgewogenes Verhältnis von herrlich phantastischen Szenen und äußerst realen Momenten. Großen Spaß bereiten neben den überzeugenden Fantasyanteilen besonders auch der von Alexander Scheer wunderbar eigenwillig gespielte Weihnachtsmann mit seinen schrägen Kobolden und Engeln.

    6. Alles ist Liebe (2014)

    Weihnachten als das Fest der Liebe: Markus Gollers Kinoerfolg Alles ist Liebe aus dem Jahr 2014 nimmt diese Vorgabe wörtlich und schickt ein vielfältiges Ensemble aus Figuren in der Weihnachtszeit in amouröse Verwicklungen. In den fünf miteinander verwobenen Episoden dreht sich alles um die Liebe, womit der Film nicht ganz zufällig wie eine deutsche Version von Tatsächlich…Liebe wirkt. Auch das Ambiente des zweistündigen Films, das in der Ausstattung strotzt vor weihnachtlichem Schmuck, erinnert überdeutlich an den Lichter- und Lametta-Prunk eines klassischen Hollywood-Weihnachtsfilms. Wer dieses Vorbild nicht scheuen muss ist auf jeden Fall das spielfreudige Ensemble, das sich aus dem Who is Who des deutschen Unterhaltungskinos zusammensetzt – von Nora Tschirner über Heike Makatsch und Christian Ulmen bis zu Wotan Wilke Möhring und Elmar Wepper: Dieser Weihnachtsfilm zieht wirklich alle Register.

    7. Pettersson und Findus 2 – Das schönste Weihnachten überhaupt (2016)

    Dieser zweite Film, den Regisseur Ali Samadi Ahadi nach den Bestsellern von Sven Nordqvist gedreht hat, handelt von der sprichwörtlich schönsten Zeit im Jahr, die Pettersson für Findus noch schöner als sonst gestalten will. Doch die großen Weihnachtspläne der beiden drohen jäh zu platzen, als sich Pettersson verletzt und alles vom findigen Findus abhängt. In liebevoller Verbindung der realen Bilder und Figuren mit sanft eingebetteten Computereffekten erschafft der Film mit seiner idealen Lauflänge von 79 Minuten eine warme und sehr eigenwillige Welt, die gerade für Kinder bis acht Jahre hervorragend geeignet scheint und durch hintergründigen Witz auch dem Rest der Familie viel Lust auf das kommende Weihnachten verschaffen dürfte.

    8. Hexe Lilli rettet Weihnachten (2017)

    Auch Hexe Lilli rettet Weihnachten ist als Teilanimation gestaltet. Doch wie in seinen beiden Vorgängerfilmen so orientieren sich auch in diesem dritten Film nach Figuren des Kinderbuchautors Knister die Animationen eher an Vorbildern aus dem Bereich des Fantasygenres. Was bei Pettersson und Findus noch so ein wenig den Eindruck von „handgemacht“ behält, das wandelt sich hier deutlicher in Richtung CGI-Magie. Aber warum auch nicht: Immerhin geht es hier ja auch um eine junge Hexe, die ihren Zauber dafür einsetzen muss, Knecht Ruprecht zurück in seine Welt zu führen und nach 99 Minuten – der Titel spoilert es selbst – nichts weniger als Weihnachten zu retten. Ein flotter Zeitreise-Weihnachtsspaß für Kinder im Alter von etwa 10 Jahren sowie für die ganze Familie.

  • Kaum zu glauben: Völlig unterschiedliche Filme, derselbe Regisseur

    Kaum zu glauben: Völlig unterschiedliche Filme, derselbe Regisseur

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Der Reiz vieler Regisseur:innen liegt in ihrer klaren Handschrift: Einen Nolan, eine Sofia Coppola oder einen Tarantino erkennst du oft nach zwei Einstellungen. Umso spannender sind Karrieren, in denen genau das nicht gilt. Manche Regiegrößen starten mit Splatterfilmen und landen bei Oscar-Epen, drehen erst überdrehte Martial-Arts-Opern und später intime Liebesgeschichten oder wechseln von Pinguin-Musicals zu benzingetränkten Endzeitorgien.

    In diesem Artikel stellen wir dir vierzehn Filme vor, die stilistisch und thematisch kaum weiter auseinanderliegen könnten – aber von derselben Person inszeniert wurden. Im Fokus steht dabei, wie sich diese „anderen“ Werke im Gesamtbild der jeweiligen Filmografie anfühlen, wie groß der Bruch zwischen den Projekten wirklich ist und warum genau das deinen Blick auf die einzelnen Filme noch einmal verschieben kann. 

    Der Regisseur von „Mad Max: Fury Road“ (2015) drehte auch „Happy Feet“ (2006)

    Wenn du nur Mad Max: Fury Road (2015) kennst, würdest du bei Happy Feet (2006) vermutlich nie auf George Miller tippen. Der Regisseur, der das Endzeit-Kino mit staubigen Verfolgungsjagden und röhrenden V8-Motoren geprägt hat, inszeniert hier einen quietschbunten, australisch-US-amerikanischen Computeranimationsfilm über einen tanzenden Kaiserpinguin, der nicht singen kann. Anstelle von Öl, Schrott und Todesmut regieren hier Tap-Dance, Jukebox-Hits und Umweltbotschaft, inklusive knuffiger Nebenfiguren für die ganze Familie. Gerade der Kontrast macht den Film interessant: Du kannst in der präzisen Choreografie der Tanz- und Massen-Szenen dieselbe Kontrollwut erkennen, die später in den Actiontableaus von Fury Road explodiert. Wer Miller bisher nur mit staubiger Wüste verknüpft, bekommt mit Happy Feet einen ziemlich radikalen Beweis, wie breit sein Regie-Spektrum tatsächlich ist.

    Der Regisseur von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ (2003) drehte auch „Braindead“ (1992)

    Peter Jackson ist für viele Zuschauer der Mann, der Mittelerde ins Blockbuster-Zeitalter gehievt hat: Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs (2003) räumte elf Oscars ab und zementierte seinen Ruf als Regisseur monumentaler Fantasyfilme. Davor allerdings standen mit Bad Taste (1987), Meet the Feebles (1989) und Braindead (1992) ein paar Splatterfeste, die so gar nichts von edler Hochglanz-Fantasy haben. Hier fliegen Gedärme, Körperteile und absurde Gags im Minutentakt, und vor allem die ikonische Rasenmäher-Szene in Braindead hat sich unauslöschlich ins Gedächtnis der Genre-Fans eingebrannt. Jacksons frühe Werke arbeiten mit billigsten Effekten, groteskem Humor und einer Anarcho-Energie, die eher nach studentischem No-Budget-Projekt als nach spätere-Oscar-Magnet aussieht. Gerade darin liegt der Reiz: Wer alle Werke kennt, sieht in Jacksons Karriere einen klaren roten Faden aus handwerklichem Ehrgeiz, perfektem Timing und Lust an überbordenden Welten. Seine Filme könnten kaum unterschiedlicher sein, doch jeder einzelne ist ein Angriff auf die Sinne.

    Der Regisseur von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001) drehte auch „Alien – Die Wiedergeburt“ (1997)

    Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) gilt als Inbegriff des verspielten Wohlfühlkinos: Pastellfarben, charmante Vignetten, eine scheue Hauptfigur, die ihrer Umgebung kleine, poetische Nadelstiche verpasst. Dass derselbe Regisseur, Jean-Pierre Jeunet, wenige Jahre zuvor den vierten Teil der Alien-Reihe inszeniert hat, wirkt fast wie ein Witz. Alien – Die Wiedergeburt (1997) wirkt auf den ersten Blick wie das komplette Gegenteil von Die fabelhafte Welt der Amélie: ein düsterer Science-Fiction-Horror, in dem Ellen Ripley als Klon in einem militärischen Forschungslabor gegen eine neue Alien-Generation antreten muss. Trotzdem ist der Film klar als Jeunet-Werk erkennbar. Die schrägen Charaktere, die Vorliebe für morbide Details und ramponierte Technik kennst du auch aus Amélie – nur werden sie hier in eine klebrige, klaustrophobische Albtraumwelt übertragen. Gerade dieser Kontrast zeigt, wie weit Jeunet stilistisch springen kann: vom warmherzigen Außenseiter-Märchen hin zur kalten Weltraumgroteske, ohne seine Handschrift bei Figurenzeichnung und Bildkomposition zu verlieren.

    Der Regisseur von „Jurassic Park“ (1993) drehte auch „Schindlers Liste“ (1993)

    Steven Spielberg ist für viele das Synonym für Blockbusterkino: Jurassic Park (1993) hat einen neuen Standard für digitalen Effektzauber gesetzt. Im selben Jahr brachte er Schindlers Liste (1993) ins Kino, einen fast komplett in Schwarz-Weiß gedrehten Holocaust-Film, der konsequent auf jede Form von Entertainment-Politur verzichtet und bis heute als einer der wichtigsten Geschichtsfilme überhaupt gilt. Die Kontraste könnten kaum größer sein: Hier die Dinosaurier-Achterbahn mit John-Williams-Fanfare, dort das nüchterne, verstörende Porträt eines Kriegsgewinnlers, der zum Retter wird. Gerade wenn du Spielberg vielleicht als „Blockbuster-Typ“ abgespeichert hast, lohnt sich das Nebeneinander dieser beiden 1993er-Werke. Du siehst denselben Regisseur, derselben Perfektionismus, aber einmal in den Dienst eskapistischer Spektakel-Fantasie gestellt und einmal als gnadenlose, politisch-historische Konfrontation mit der Realität.

    Der Regisseur von „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) drehte auch „Philadelphia“ (1993)

    Jonathan Demme hat mit Das Schweigen der Lämmer (1991) einen der prägendsten Thriller der Filmgeschichte gedreht: ein Serienkillerfall, die Spannung zwischen Starling und Lecter, ikonische Szenen und eine bedrückende Atmosphäre, an die seitdem kaum ein anderer Genrefilm heranreicht. Zwei Jahre später inszeniert er Philadelphia (1993), ein Gerichtsdrama über Diskriminierung von Menschen mit HIV/Aids, in dem Tom Hanks und Denzel Washington den Film allein über Blicke, Gesten und die feinen Nuancen in ihrem Verhältnis zueinander tragen. Statt düsterer Suspense-Architektur dominiert hier Empathie, emotionale Klarheit und eine inszenatorische Zurückhaltung, die den Schauspielern besonders viel Raum lässt. Wenn du beide Filme gesehen hast, erkennst du dieselbe Liebe zu Figuren, dieselbe Präzision im Timing, aber in völlig unterschiedlichen Aggregatzuständen. Philadelphia wirkt dadurch fast wie ein Gegenentwurf zum kalkulierten Schrecken von Das Schweigen der Lämmer – und zeigt, wie breit gefächert Demmes Skill-Set als Regisseur tatsächlich war.

    Der Regisseur von „Hulk“ (2003) drehte auch „Brokeback Mountain“ (2005)

    Ang Lee wurde im Westen mit opulenten Werken wie Tiger and Dragon (2000) und dem Superheldenfilm Hulk (2003) bekannt. Brokeback Mountain (2005) wirkte dagegen wie aus einem komplett anderen Universum: Ein intimes, stilles Drama über zwei Cowboys, die in einer homophoben Umgebung eine lebenslange, tragische Liebesgeschichte miteinander teilen. Der Film verzichtet auf Spektakel oder Pathos und arbeitet stattdessen mit langen Einstellungen, subtilem Schauspiel und Landschaften, in denen mehr unausgesprochen bleibt, als Dialoge je einfangen könnten. Im Vergleich zu seinen Ausflügen in Kostümfilm, Martial Arts und Effektkino zeigt Brokeback Mountain, wie souverän Ang Lee große Gefühle auch ohne Bombast inszenieren kann. Was all seine Werke eint, ist die Intensität der Bilder: Sie sind nicht nur eindrucksvoll, sondern auch eindringlich.

    Der Regisseur von „Hangover“ (2009) drehte auch „Joker“ (2019)

    Todd Phillips ist für viele der Mann hinter hemmungslosen Männer-Komödien wie Old School (2003) und Hangover (2009), in denen Alkohol, Blackouts und schlechte Entscheidungen zum Party-Slapstick verdichtet werden. Die Filme leben von improvisationslastigem Spiel, derber Situationskomik und Figuren, die eher Karikaturen als echte Menschen sind. Spulst du dann zu Joker (2019) vor, wirkt es fast, als wäre hier ein völlig anderer Regisseur am Werk: düstere Charakterstudie, langsame Eskalation, politisch aufgeladene Großstadt-Misere statt Bro-Exzess. Und doch steckt in beiden Filmen dieselbe Faszination für gescheiterte Männlichkeitsbilder und soziale Abstürze. Nur dass wir in Hangover darüber lachen – und uns beim Joker der Witz im Hals stecken bleibt.

  • Golden Globes 2026: Alle Nominierungen und wo es sie in Deutschland zu sehen gibt

    Golden Globes 2026: Alle Nominierungen und wo es sie in Deutschland zu sehen gibt

    Oliver Baumgarten

    Oliver Baumgarten

    JustWatch-Editor

    Neben den Oscars gehören die Golden Globes zu den wichtigsten Auszeichnungen in der Film- und Fernsehbranche. Am 11. Januar 2026 werden sie zum 83. Mal in Los Angeles verliehen.

    Mit den Anfang Dezember veröffentlichten Nominierungen stehen die Favoriten beim Run auf die begehrten Trophäen fest: Im Bereich Kinofilm führt Paul Thomas Andersons One Battle After Another mit neun Nominierungen, während der TV- und Streaming-Bereich von der Serie The White Lotus dominiert wird, die sechs Nominierungen verzeichnen kann. 

    Über zwei Nominierungen für zwei unterschiedliche Produktionen können sich Jacob Elordi und Jeremy Allen White freuen. Zu den weiteren nominierten Stars gehören u.a. George Clooney, Ariana Grande, Julia Roberts, Jennifer Lawrence und Ethan Hawke. Die folgende alphabetisch nach Titeln sortierte Liste gibt Euch einen Überblick über alle Nominierungen sowie die Möglichkeiten, wo Ihr die Produktionen in Deutschland sehen könnt.

    Abbott Elementary (2021)

    • Best Television Series – Musical or Comedy

    Adolescence (2025)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Erin Doherty)
    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Stephen Graham)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Ashley Walters)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Owen Cooper)

    After the Hunt (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Julia Roberts)

    All Her Fault (2025)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Sarah Snook)

    Andor (2022)

    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Diego Luna)

    Arco (2025)

    • Best Motion Picture – Animated

    Avatar: Fire and Ash (2025)

    • Best Original Song („Dream As One“)
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Bill Maher: Is Anyone Else Seeing This? (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    Black Mirror (2011)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Rashida Jones)
    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Paul Giamatti)

    Black Rabbit (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Jude Law)

    Blood & Sinners (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Michael B. Jordan)
    • Best Director – Motion Picture (Ryan Coogler)
    • Best Screenplay – Motion Picture
    • Best Original Score – Motion Picture
    • Best Original Song („I Lied to You“)
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Blue Moon (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Ethan Hawke)

    Brett Goldstein: The Second Best Night of Your Life (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    Bugonia (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Emma Stone)
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Jesse Plemons)

    Chad Powers (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Glen Powell)

    Das Gift der Seele (2025)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Robin Wright)

    Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba – Infinity Castle (2025)

    • Best Motion Picture – Animated

    Die My Love (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Jennifer Lawrence)

    Die Stimme von Hind Rajab (2025)

    • Best Motion Picture – Non-English Language

    Dying for Sex (2025)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Michelle Williams)

    Ein einfacher Unfall (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Motion Picture – Non-English Language
    • Best Director – Motion Picture (Jafar Panahi)
    • Best Screenplay – Motion Picture

    Elio (2025)

    • Best Motion Picture – Animated

    F1 Der Film (2025)

    • Best Original Score – Motion Picture
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Frankenstein (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Oscar Isaac)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Jacob Elordi)
    • Best Director – Motion Picture (Guillermo del Toro)
    • Best Original Score – Motion Picture

    Hacks (2021)

    • Best Television Series – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Jean Smart)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Hannah Einbinder)

    Hamnet (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Jessie Buckley)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Paul Mescal)
    • Best Director – Motion Picture (Chloé Zhao)
    • Best Screenplay – Motion Picture
    • Best Original Score – Motion Picture

    Hedda (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Tessa Thompson)

    If I Had Legs I’d Kick You (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Rose Byrne)

    Jay Kelly (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (George Clooney)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Adam Sandler)

    Kevin Hart: Acting My Age (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    KPop Demon Hunters (2025)

    • Best Motion Picture – Animated
    • Best Original Song („Golden“)
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Kumail Nanjiani: Night Thoughts (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    Little Amélie or the Character of Rain (2025)

    1. Best Motion Picture – Animated

    Long Bright River (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Amanda Seyfried)

    Matlock (2024)

    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Kathy Bates)

    Marty Supreme (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Timothée Chalamet)
    • Best Screenplay – Motion Picture

    Mission: Impossible – The Final Reckoning (2025)

    • Cinematic and Box Office Achievement

    MobLand (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Helen Mirren)

    Monster: Die Geschichte von Ed Gein (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Charlie Hunnam)

    New Wave (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy

    No Other Choice (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy
    • Best Motion Picture – Non-English Language
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Lee Byung-Hun)

    Nobody Wants This (2024)

    • Best Television Series – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Kristen Bell)
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Adam Brody)

    One Battle After Another (2025)

    • Best Motion Picture – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Chase Infiniti)
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Leonardo DiCaprio)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Teyana Taylor)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Benicio del Toro)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Sean Penn)
    • Best Director – Motion Picture (Paul Thomas Anderson)
    • Best Screenplay – Motion Picture
    • Best Original Score – Motion Picture

    Only Murders in the Building (2021)

    • Best Television Series – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Selena Gomez)
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Martin Short)
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Steve Martin)

    Paradise (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Sterling Brown)

    Pluribus (2025)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Rhea Seehorn)

    Poker Face (2023)

    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Natasha Lyonne)

    Ricky Gervais: Mortality (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    Sarah Silverman: PostMortem (2025)

    • Best Performance in Stand-Up Comedy on Television

    Sentimental Value (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Motion Picture – Non-English Language
    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Renate Reinsve)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Elle Fanning)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Inga Ibsdotter Lilleaas)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Stellan Skarsgård)
    • Best Director – Motion Picture (Joachim Trier)
    • Best Screenplay – Motion Picture

    Severance (2022)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Britt Lower)
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Adam Scott)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Tramell Tillman)

    Sirat (2025)

    • Best Motion Picture – Non-English Language
    • Best Original Score – Motion Picture

    Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb (2022)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Gary Oldman)

    Song Sung Blue (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Kate Hudson)

    Sorry, Baby (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Drama (Eva Victor)

    Springsteen: Deliver Me from Nowhere (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Jeremy Allen White)

    Task (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Mark Ruffalo)

    The Bear: King of the Kitchen (2022)

    • Best Television Series – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Ayo Edebiri)
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Jeremy Allen White)

    The Beast in Me (2025)

    • Best Television Limited Series, Anthology Series, or Motion Picture Made for Television
    • Best Performance by a Female Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Claire Danes)
    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Matthew Rhys)

    The Diplomat (2025)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Keri Russell)

    The Last of Us (2023)

    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Drama (Bella Ramsey)

    The Morning Show (2019)

    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Billy Crudup)

    The Narrow Road to the Deep North (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Limited Series, Anthology Series, or a Motion Picture Made for Television (Jacob Elordi)

    The Pitt (2025)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Drama (Noah Wyle)

    The Secret Agent (2025)

    • Best Motion Picture – Drama
    • Best Motion Picture – Non-English Language
    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Wagner Moura)

    The Smashing Machine (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Dwayne Johnson)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Emily Blunt)

    The Studio (2025)

    • Best Television Series – Musical or Comedy
    • Best Performance by a Male Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Seth Rogen)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Catherine O’Hara)

    The Testament of Ann Lee (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Amanda Seyfried)

    The White Lotus (2021)

    • Best Television Series – Drama
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Aimee Lou Wood)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Carrie Coon)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role on Television (Parker Posey)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Jason Isaacs)
    • Best Performance by a Male Actor in a Supporting Role on Television (Walton Goggins)

    Train Dreams (2025)

    • Best Performance by a Male Actor in a Motion Picture – Drama (Joel Edgerton)
    • Best Original Song („Train Dreams“)

    Weapons – Die Stunde des Verschwindens (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Amy Madigan)
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Wednesday (2022)

    • Best Performance by a Female Actor in a Television Series – Musical or Comedy (Jenna Ortega)

    Wicked – Teil 2 (2025)

    • Best Performance by a Female Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (Cynthia Erivo)
    • Best Performance by a Female Actor in a Supporting Role in any Motion Picture (Ariana Grande)
    • Best Original Song („No Place Like Home“)
    • Best Original Song („The Girl in the Bubble“)
    • Cinematic and Box Office Achievement

    Zootopia 2

    • Best Motion Picture – Animated
    • Cinematic and Box Office Achievement
  • „Wicked“ & „Wicked: Teil 2“ – die 8 düstersten Buch-Momente, die du in den Filmen nie sehen wirst

    „Wicked“ & „Wicked: Teil 2“ – die 8 düstersten Buch-Momente, die du in den Filmen nie sehen wirst

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Die beiden Filme Wicked und Wicked: Teil 2 erzählen im Kern die Musical-Version von Elphabas Geschichte, die selbst schon eine entschärfte Variante von Gregory Maguires Roman Wicked – Die Hexen von Oz ist. Was dabei fast komplett rausfliegt: wie politisch brutal, sexuell verstörend und hoffnungslos dieses Buch teilweise ist. 

    Maguires Vorlage ist explizit als „dunkle Fantasy“ angelegt, mit Faschismus-Anspielungen, sexualisierter Gewalt, religiösem Fanatismus und einem Ende, das jede Wohlfühl-Hoffnung abräumt. 

    Unsere Liste zeigt, wie radikal sich der Ton der Romanvorlage von Musical und Film unterscheidet – und warum es nur logisch ist, dass Universal genau diese Szenen für ein jugendfreies Kinoerlebnis gestrichen hat.

    1. Der Zauberer als Sex-Offender: Elphabas Geburt ist Ergebnis eines Verbrechens

    In den Filmen ist der Zauberer ein manipulativer Scharlatan, aber immer noch als tragische Vaterfigur lesbar. Im Roman geht Maguire deutlich weiter: Der Zauberer kommt als Fremder nach Oz, bringt ein Wunderelixier mit und lässt Elphabas Mutter Melena davon trinken, bevor er mit ihr schläft. Das Elixier betäubt sie, die Schwangerschaft ist das Ergebnis eines schweren sexuellen Übergriffs, nicht einer „Affäre“. 

    Elphabas grüne Haut, ihre Wasserphobie und ihr Außenseiterstatus werden so direkt an diese Gewalttat gekoppelt. Die Filme übernehmen zwar die Idee, dass der Zauberer Elphabas Vater ist und ein grünes Elixier im Spiel war, lassen aber den Vergewaltigungsaspekt konsequent weg und romantisieren die Nacht eher als mysteriöse Begegnung. 

    Dass Elphabas komplette Existenz im Buch auf einem Machtmissbrauch basiert, ist einer der düstersten Punkte, die die Musical- und Filmfassung bewusst nur andeuten.

    2. Genozidpolitik gegen TIERE und Dr. Dillamonds blutiger Tod

    Die Filme zeigen Dr. Dillamond als sympathischen Ziegen-Professor, der verhaftet wird, nachdem er gegen die Diskriminierung der Tiere protestiert – hart, aber PG-verträglich. In Maguires Roman wird der politische Terror gegen die sprechenden TIERE (Großschreibung im Buch) viel aggressiver und systematischer erzählt: Gesetze wie die „Banns on Animal Mobility“ nehmen ihnen Jobs, Rechte und Würde, die Kampagne läuft klar auf ethnische Säuberung hinaus. 

    Dillamond wird nicht einfach „abgeführt“, sondern mit aufgeschlitzter Kehle aufgefunden; eine Zeugin beschuldigt Madame Morribles mechanischen Diener Grommetik des Mordes, während das Regime alles als Unfall vertuscht. 

    Seine lebenswichtige Forschung, die beweist, dass Menschen und TIERE gar nicht so verschieden sind, wird zerstört. Die Musical- und Filmfassung behalten den Aktivisten-Dillamond, blenden aber den expliziten Mord, das Gefühl von Staats-Terror und den genozidalen Subtext weitgehend aus. 

    3. Das Philosophie-Club-Massaker: Drogen, Sex und mehr

    Eine Szene, von der die Filme so tun, als hätte sie nie existiert: der Besuch im „Philosophy Club“. Im Musical ist das nur ein Name, im Roman erleben Elphabas Bekannte dort eine Show, bei der ein betrunkener Student Tibbett, eine Frau und ein Tiger auf einer Bühne zu sexuellen Handlungen gezwungen werden. Das Publikum wurde zuvor mit Drinks weichgekocht, Einwilligung ist hier bestenfalls ein schlechter Witz, mehrere Rezensionen und Inhaltswarnungen sprechen explizit von sexualisierter Gewalt und Bestialität. 

    Elphaba versucht Glinda und Nessarose aus diesem Umfeld herauszuhalten, was die Szene doppelt unangenehm macht: Sie weiß sehr genau, in welchem moralischen Sumpf Oz längst angekommen ist. Für ein Broadway-Musical, das sich auch an Teenager richtet, und erst recht für die Blockbuster Wicked und Wicked: Teil 2 war dieser Teil der Erzählung von Anfang an tabu.

    4. Elphabas Radikalisierung, Terror und AIDS

    Im Musical und in den Filmen kippt Elphaba relativ schnell vom idealistischen Außenseiter zur gejagten „bösen Hexe“ – emotional, aber ziemlich glattgebügelt. Im Roman hingegen vergehen ganze Jahre, in denen sie im Untergrund lebt, sich terroristischen Zellen anschließt und versucht, das Regime mit Gewalt zu stürzen. Sie plant Attentate, taucht in Verstecken unter und bewegt sich in einem moralischen Graubereich, in dem „Widerstand“ und „Terror“ kaum noch voneinander zu trennen sind.

    Zwischendurch zieht sie sich in ein Kloster zurück, wo sie Schwerkranke pflegt. Autor Gregory Maguire hat später selbst erklärt, dass diese Passagen stark von der AIDS-Krise geprägt sind, die in den 80ern und 90ern viele Leben zerstörte. 

    Die Musical- und Filmversionen lassen diese langen, bitteren Zwischenkapitel einfach weg und erzählen lieber eine Geschichte über Freundschaft, Queerness und Selbstakzeptanz – alles, was nach politischem Desillusionierungs-Horror schmeckt, wird einfach ausgeblendet.

    5. Fiyeros Doppelleben: Ehebruch, Tod und Reue

    In Wicked und Wicked: Teil 2 erlebt Fiyero am Ende so etwas wie eine Erlösung: Er wird zum Vogelscheuchen-Fiyero, überlebt und flieht mit Elphaba, während Oz ihn für tot hält. Im Roman ist Fiyero ein verheirateter Familienvater mit drei Kindern, der Elphaba wiedertrifft, mit ihr eine jahrelange Affäre beginnt und dafür seine Frau Sarima wie Luft behandelt. 

    Als Elphaba sich in einem geheimen Unterschlupf versteckt, wird Fiyero dort von der Geheimpolizei („Sturmtruppe“ bzw. Gale Force) erwischt, gefoltert und ermordet – keine Magie, kein neues Leben als Vogelscheuche, nur ein Toter, für den Elphaba sich bis zum Ende des Romans verantwortlich fühlt.

    Das Musical hat die Scarecrow-Idee erfunden, um Fiyero in eine halb-romantische, halb-tragische Figur zu verwandeln. Die Filme übernehmen diese entschärfte Variante und lassen den schonungslosen Ehebruch-und-Märtyrer-Handlungsstrang des Romans außen vor.

    6. Massaker an Fiyeros Familie und Liirs traumatischer Ursprung

    Die Filme verschweigen Fiyeros Familie fast komplett – dramaturgisch extrem bequem. Im Roman wird genau dieser blinde Fleck zum Kern einer der bittersten Enthüllungen: Nachdem Elphaba als „Hexe“ gebrandmarkt wurde, kehrt sie nach Kiamo Ko zurück und findet das Anwesen leer vor. Die Truppen des Zauberers haben Sarima und fast die gesamte Familie verschleppt; später enthüllt der Zauberer, dass er sie töten ließ und nur die Tochter Nor als Sklavin am Leben gelassen hat. 

    Der Junge Liir, der Elphaba begleitet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Fiyeros Sohn, wächst aber ohne klare Identität auf und trägt diese Geschichte durch den Roman Son of a Witch (2005). In Wicked und Wicked: Teil 2 wäre ein solcher Nebenplot aus Entführung, Folter, Versklavung und Kindheitstrauma natürlich undenkbar.

    7. Nessarose als religiöse Tyrannin statt tragische Schwester

    Die Filme und die Bühne zeichnen Nessarose als tragische Figur: körperlich eingeschränkt, emotional überfordert, besessen von Boq, am Ende von Trümmerteilen erschlagen und damit Auslöserin des Konflikts. Im Roman ist ihre Geschichte noch härter: Nessa wird ohne Arme geboren, übernimmt später die Herrschaft über Munchkinland und regiert als religiös verbrämte Diktatorin, die ihre Glaubenslehre nutzt, um Unterdrückung zu rechtfertigen. 

    Ihre Frömmigkeit kippt in Fanatismus, die politische Gewalt ist auch hier wieder klarer als in Musical und Filmen, in denen sie eher als tragische, eifersüchtige Schwester inszeniert wird. Dass Maguire eine behinderte Figur zur autoritären Herrscherin macht, ist bewusst unangenehm und moralisch kompliziert: Opferstatus schützt hier niemanden vor Täterschaft. Genau diese Ambivalenz glättet die Musical- und Filmfassung konsequent weg, weil sie zu heftig für eine große Familienproduktion wäre.

    8. Kein Fake-Out: Dorothy tötet Elphaba und Oz bleibt ein Scherbenhaufen

    Der vielleicht größte Bruch: In Wicked: Teil 2 übernimmt der Film im Kern die Musical-Lösung. Elphaba inszeniert ihren eigenen Tod, verschwindet mit dem Scarecrow-Fiyero durch eine Tür, und nur Glinda weiß, dass ihre Freundin noch lebt. Für das Publikum bleibt ein bittersüßes Happy End mit Hoffnung auf ein besseres Leben außerhalb von Oz. 

    Im Roman gibt es diesen Ausweg nicht. Elphaba ist wasserscheu, weil das mit ihrer Herkunft und dem Elixier zusammenhängt; als Dorothy den Eimer auskippt, stirbt Elphaba wirklich. Es gibt keinen geheimen Fluchtweg, keinen zweiten Akt irgendwo in der Provinz, nur einen abrupten, sinnlosen Tod mitten in der politischen Katastrophe, die Oz längst ist. 

    Das Land bleibt gespalten, die faschistischen Strukturen sind nicht einfach weg, und Elphabas Kampf endet ohne klaren Sieg – ein vager Schluss, den weder Musical noch Filme ihrem Publikum zumuten.

  • Zwischen Fakt und Fiktion: 8 Filme, die die Wahrheit verbiegen und trotzdem genial sind

    Zwischen Fakt und Fiktion: 8 Filme, die die Wahrheit verbiegen und trotzdem genial sind

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Manche Filme nehmen es mit historischen Fakten nicht besonders genau. Darum geht es hier: acht Werke, die Historiker:innen verärgern, weil sie Ereignisse vereinfachen, romantisieren oder bewusst uminterpretieren. Diese Filme zielen nicht auf ein exaktes Geschichtsbild, sondern auf Wirkung.

    Sie verdichten, um Konflikte verständlicher zu machen. Sie erfinden Figuren, um emotionale Linien zu schärfen. Und sie verschieben Zeitabläufe, weil Dramaturgie andere Prioritäten hat als Archivarbeit. Schließlich handelt es sich um keine Dokumentation, sondern eine Interpretation. Langer Rede, kurzer Sinn: Diese Werke versuchen nicht zu zeigen, wie es war, sondern wie es sich angefühlt haben könnte – und darin liegt ihre Magie.

    Pocahontas (1995)

    Disneys Pocahontas erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer Powhatan-Frau und dem Engländer John Smith – ein Konstrukt, das mit der Realität kaum etwas zu tun hat. Die echte Pocahontas war bei der ersten Begegnung mit Smith vermutlich zehn bis zwölf Jahre alt, und ihre Beziehung zu ihm war weder romantisch noch heldenhaft. Der Film verwandelt einzelne historische Fragmente in eine moralische Parabel über Verständigung, Respekt und Konflikt. Er zeigt ein idealisiertes Bild davon, wie dieser Culture-Clash hätte verlaufen können – nicht, wie er tatsächlich verlaufen ist. Ähnlich wie Braveheart rückt Pocahontas die emotionale Wirkung in den Vordergrund und ordnet die Fakten der erzählerischen Romantik unter.

    JFK – Tatort Dallas (1991)

    Oliver Stones JFK ist weniger historische Rekonstruktion als filmisches Fieberprotokoll. Der Film verbindet Politthriller, Gerichtsdrama und Verschwörungslogik zu einem unwiderstehlichen Sog, der wenig Raum für Distanz lässt. Historiker kritisieren zurecht, dass viele Zusammenhänge konstruiert oder spekulativ sind. Filmisch funktioniert das dennoch. Kevin Costner spielt Staatsanwalt Jim Garrison, der die Kennedy-Ermordung neu untersucht und dabei immer tiefer in ein Geflecht aus Gerüchten, Machtinteressen und Misstrauen gerät. JFK liefert nicht immer die Wahrheit, aber dafür jede Menge Atmosphäre. Das macht ihn problematisch, weil manche Zuschauer einige der Aussagen als Fakten deuten könnten. Gleichzeitig liegt darin seine faszinierende Wirkung. Und wie Pearl Harbor übersetzt auch JFK ein nationales Trauma in filmisches Spektakel – nur mit weniger Pathos und deutlich mehr Schärfe.

    Shakespeare in Love (1998)

    Shakespeare in Love nutzt die biografischen Lücken im Leben des Dramatikers als Freiraum für eine Liebesgeschichte, die historisch kaum belastbar ist. Der Film unterstellt, Shakespeare habe seine kreativste Phase einer leidenschaftlichen Affäre zu verdanken – eine Idee ohne Quellenbasis, aber dramaturgisch effektiv. Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes erzeugen eine glaubhafte, spielerische Chemie, während Ausstattung und Dialoge ein bewusst idealisiertes Bild des elisabethanischen Englands zeichnen. Wie Gladiator behandelt Shakespeare in Love Geschichte nicht als Rechercheauftrag, sondern als große Bühne für Emotion und Spektakel. Es geht weniger darum, wie Shakespeare tatsächlich lebte, sondern darum, warum seine Werke bis heute wirken. Ja, es ist Fiktion – doch sie wirkt plausibel genug, um für zwei Stunden wie eine mögliche Realität zu erscheinen.

    Die Brücke am Kwai (1957)

    Die Brücke am Kwai verhandelt Moral und Selbsttäuschung im Krieg, nimmt es mit der historischen Realität jedoch nur bedingt genau. Die Figur des Colonel Nicholson, der für die japanische Armee eine Brücke bauen muss, ist eine literarische Erfindung, keine überlieferte Person. Doch seine Haltung – Pflichtbewusstsein, das in Selbstverblendung umschlägt – wirkt als zeitloses Motiv. Der Film übersetzt Kriegsgräuel in ein Drama über Ideologie, Stolz und Identitätsverlust. Wie Pearl Harbor nutzt er ein historisches Ereignis als Projektionsfläche, allerdings mit deutlich mehr Zurückhaltung und filmischer Präzision. Realistisch ist das nicht, aber es trifft eine unbequeme Wahrheit: Krieg sorgt immer nur für Leid und Zerstörung. Heroisierung ändert daran nichts.

    Braveheart (1995)

    Mel Gibsons Braveheart erzählt die Legende von William Wallace als heroisches Freiheitsdrama und ignoriert dabei großzügig die historische Realität. Wallace trägt Kilts, die es in dieser Form erst Jahrhunderte später gab, und auch die große Liebesgeschichte des Films ist historisch nicht belegt. Genau wie Pocahontas verzichtet Braveheart auf Fakten und setzt stattdessen auf Mythos und große Gefühle. Filmisch funktioniert das wunderbar: Die Schlachten sind wuchtig inszeniert, die Figuren folgen klaren emotionalen Linien, und der Freiheitsbegriff wird nicht nur erklärt, sondern fühlbar gemacht. Kurz: Braveheart zeigt nicht das mittelalterliche Schottland, sondern den unbändigen Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Historisch falsch, filmisch perfekt. Punkt.

    Gladiator (2000)

    Gladiator ist für Rom, was Braveheart für Schottland war: Fakt und Fiktion werden vermischt, um maximale Wirkung bei den Zuschauerinnen und Zuschauern zu erzielen. Denn Maximus (Russell Crowe) hat nie existiert, und Kaiser Commodus (Joaquin Phoenix) war nicht der isolierte Schurke, als den ihn der Film zeichnet. Ridley Scott ging es nicht um historische Genauigkeit, sondern um ein moralisches Grundschema: Macht korrumpiert, Loyalität hat ihren Preis, und Rache verschlingt alle Beteiligten. Das Römische Reich wird nicht rekonstruiert, sondern stilisiert – als Bühne für Verrat, Gewalt und politische Inszenierung. Der Film revitalisierte das Monumentalkino, gewann fünf Oscars und machte den totgeglaubten Sandalenfilm wieder relevant.

    Der Soldat James Ryan (1998)

    Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan ist kein exaktes Protokoll, sondern ein emotionales Schlachtfeld der Erinnerung. Der Film erzählt die fiktive Rettungsmission um Private Ryan, die so nie stattgefunden hat. Dafür wurde die Landung in der Normandie so authentisch inszeniert, dass Veteranen während der Premiere weinen mussten – und hier liegt seine historische Stärke. Wie Die Brücke am Kwai oder Pearl Harbor arbeitet auch Spielberg mit fiktiven Elementen, um reale Gefühle zu transportieren. James Ryan ist weniger Kriegsfilm als moralisches Gleichnis über Opfer und Sinnlosigkeit. Wer Krieg nicht als Spektakel, sondern als menschliches Trauma begreifen möchte, findet hier den Maßstab, an dem sich alle späteren Filme messen müssen.

    Pearl Harbor (2001)

    Wie Der Soldat James Ryan behandelt Pearl Harbor den Zweiten Weltkrieg – nur mit mehr Pathos und Hochglanz. Beide zeigen Krieg als emotionales Spektakel, aber während Spielberg das Chaos von Omaha Beach erschütternd real inszeniert, verwandelt Bay den Angriff auf Pearl Harbor in eine Liebestragödie im Bombenhagel. Die historische Ablauflogik wird zugunsten emotionaler Schlagkraft großzügig zurechtgebogen. Michael Bay interessiert sich weniger für Ursachen und Folgen des Angriffs als für das Gefühl von Verlust, Heldentum und Zusammenhalt. Der Film setzt auf große Gesten, laute Musik und klare Gut-gegen-Böse-Bilder. Historiker halten das für verzerrt, und das ist es auch. Doch als Event-Kino funktioniert Pearl Harbor bestens – trotz überzogenem Pathos.

  • 10 Filme, die sich wie Stephen-King-Romane anfühlen – aber keine sind

    10 Filme, die sich wie Stephen-King-Romane anfühlen – aber keine sind

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Keine Frage: Stephen King hat nicht nur das US-amerikanische, sondern auch das internationale Horrorgenre geprägt wie kaum ein anderer. Nicht nur seine Romane, auch Filmadaptionen wie Carrie und The Shining gelten längst als Klassiker und beeinflussten ganze Generationen von Regisseurinnen und Regisseuren.

    Dabei sind es bestimmte King-Motive, die im heutigen Kino immer wieder auftauchen: die trügerische Kleinstadtidylle als Ausgangspunkt für moralische Abgründe; die Figuren, deren innerer Zerfall bedrohlicher wirkt als jedes Monster; das Übernatürliche, das nie Spektakel, sondern Spiegel menschlicher Abgründe ist. Und da wäre natürlich Kings Vorliebe für psychologischen Druck auf, für familiäre Konflikte, die langsam zu Horror eskalieren, die ebenfalls auch für andere Autoren und Regisseure ein beliebter Ausgangspunkt sind. Wir werfen einen Blick auf zehn Filme, die genauso gut aus Kings Feder stammen könnten, es aber nicht tun.

    1. Super Dark Times (2017)

    Eine Coming-of-Age-Geschichte mit psychologischem Horrortwist, angesiedelt in einer Kleinstadt, in der Freundschaften zerbrechen – das könnte durchaus eine Stephen-King-Story sein (wir denken da etwa an Stand By Me oder It), ist es aber nicht. Mit Super Dark Times schuf Regisseur Kevin Phillips 2017 einen Film, der ohne Weiteres in Derry oder Castle Rock hätte spielen können. Die typische Vorstadtfassade, die uns King immer wieder so grandios vorführt, jedoch diesmal ohne Clown oder kosmisches Urwesen, stattdessen mit Schuld, pubertärer Unsicherheit und der Angst, jemand könnte herausfinden, was man getan hat. Das Böse ist hier nicht übernatürlich, sondern wächst in den Figuren selbst, wie bei King in seinen düstersten Momenten. Die Eskalation beginnt banal, endet tragisch und schneidet tiefer als so mancher „Monsterfilm“.

    2. The Monster (2016)

    Liest man sich die Handlung von The Monster durch, hat man gleich das Gefühl, es mit einem waschechten Stephen-King-Plot zu tun zu haben. Die Zutaten erinnern stark an den größten Horrormeister unserer Zeit: eine Mutter und ihre Tochter stranden auf einer einsamen Landstraße, stoßen auf etwas Unheimliches, Bedrohliches, und doch steckt das eigentliche Beklemmende wieder einmal im Zwischenmenschlichen. In The Monster schuf Regisseur Bryan Bertino einen Film, der die äußere Gefahr nur als Spiegel eines inneren Zerfalls nutzt. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist gebrochen, voller Schmerz, Sucht, Enttäuschung. Genau wie bei King ist das Monster hier weniger Kreatur als Symbol: ein Ausdruck für all das, was unausgesprochen zwischen ihnen liegt. Die Dunkelheit, der Regen, die Einsamkeit – das ist King von der ersten bis zur letzten Minute, nur ohne Maine als Kulisse.

    3. The Blackcoat’s Daughter (2015)

    Mit The Blackcoat’s Daughter (deutscher Titel: Die Tochter des Teufels) gelang Regisseur Oz Perkins 2015 ein Horrorfilm, den Stephen King vermutlich lieben würde – und der genauso gut aus seiner eigenen Gedankenwelt stammen könnte. Zwei Mädchen in einem abgeschiedenen Internat, komplett isoliert von der Außenwelt. Hier wird wenig erklärt, aber viel angedeutet. Dadurch baut sich langsam ein innerer, psychologischer Horror auf, der sich wie Frost in die Knochen setzt. Das Ganze hat diese typische King-Qualität: Einsamkeit, Verlust, ein verzweifeltes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Der übernatürliche Aspekt fühlt sich nie wie ein billiger Trick an, sondern wie eine logische Folge einer verwundeten Psyche. Die Stimmung, die Stille, das langsame Sinken in emotionale Dunkelheit – das könnte direkt aus einer King-Novelle stammen. Wer auf unterschwelligen, tiefen Horror steht, wird hier belohnt.

    4. The Empty Man (2020)

    The Empty Man schafft das seltene: Mythologie, Kleinstadt-Stimmung, psychologische Verwundbarkeit und kosmischen Horror. King liebt Geschichten, in denen etwas jenseits der Realität langsam in den Alltag sickert und die Menschen moralisch zerfrisst. Genau das passiert hier. Der Film beginnt fast krimiartig, entwickelt dann metaphysische Tiefe, ohne je die Figuren zu vergessen. The Empty Man fühlt sich an wie eine Mischung aus Insomnia, It und Revival. Die Kleinstadt mit ihren Geheimnissen, die eskalierende Bedrohung, die menschliche Tragödie – alles King pur, nur ohne Maine. Und wie bei King hat das Böse hier eine tragische Gravitas, die mehr als Horror ist: es ist Schicksal, Verderben und die Versuchung, Antworten zu finden, die niemand will.

    5. A Simple Plan (1998)

    Idylle, die in Wahrheit alles andere als Idylle ist: A Simple Plan greift dieses bekannte King-Motiv gekonnt auf. Einmal mehr gilt: Nicht die Kulisse ist das Bedrohliche, sondern das Innenleben der Protagonisten. Das kleine, eingeschneite Städtchen ist nur Bühne – das eigentliche Grauen entsteht durch Schuld, Gier und Misstrauen. So entfaltet sich A Simple Plan als waschechter, psychologischer Horrorfilm, bei dem King zwar nicht beteiligt ist, aber allgegenwärtig wirkt. Zumindest in dem Sinn, dass das Böse nicht von außen kommt, sondern langsam zwischen den Figuren wächst, bis es alles zerstört. Ein Fehltritt genügt, und der Rest ist unausweichliche Tragödie – genau so, wie King sie schreiben würde.

    6. The Invitation (2015)

    Ein Abendessen unter alten Freunden, gutes Essen, nette Gespräche – und dann langsam der Horror, der sich nicht mit Effekten, sondern mit Blicken und Schweigen einschleicht. The Invitation könnte problemlos als King-Novelle im Stil von „Wenn du glaubst, du bist sicher, bist du verloren“ erscheinen. Regisseurin Karyn Kusama interessiert sich weniger für Jump Scares als für das Gift in den zwischenmenschlichen Beziehungen: Misstrauen, Gruppendruck, alte Verletzungen, die hier so elegant wie grausam aufbrechen. Das Haus über Los Angeles wirkt wie ein sozialer Käfig, aus dem niemand entkommt – ein Konzept, das King seit Jahrzehnten kultiviert. Das Böse kommt hier nicht mit Monsterklauen, sondern mit einem charmanten Lächeln und einem philosophischen Angebot, das man besser nicht annimmt. Leise, aber unvergesslich.

    7. Pontypool (2008)

    Fühlt sich an wie King, weil hier das Monster weniger eine Kreatur ist als ein Konzept, das die Menschen korrumpiert. In Pontypool ist Sprache das Virus. Das ist genau der King-Ansatz: ein simples, alltägliches Element wird zum kosmischen Schrecken. Dazu spielt alles in einem abgeschlossenen Ort – ein Radiosender im tiefen Winter, mit der Verlorenheit und Beklemmung einer Kleinstadtnacht. Die Figuren sind das Zentrum, nicht Splatter oder Action. Wie bei King wird das glaubwürdige Zwischenmenschliche zur Basis des Horrors. Der Film ist leise, bedacht, und furchteinflößend gerade durch die Andeutung. Außerdem trägt er diesen King-typischen Subtext: Kommunikation, Missverständnis, Wahrheit und die Angst, dass wir uns selbst zerstören, einfach indem wir reden.

    8. Midnight Special (2016)

    Midnight Special könnte auch ein King-Roadmovie sein – und zwar einer der melancholischen Sorte. Hier gibt’s Übernatürliches, aber nie als Spektakel, sondern vielmehr serviert wie ein Rätsel und eine Bürde. Regisseur Jeff Nichols interessiert sich weniger für Effekte, sondern dafür, wie Menschen reagieren, wenn ihre größte Angst und ihre größte Liebe plötzlich dasselbe sind. Das ist purer King: Ein Vater, der sein Kind beschützen will, obwohl er selbst kaum begreift, was mit ihm geschieht. Die Stimmung erinnert an Firestarter, aber mit mehr Herz und deutlich weniger Action. Midnight Special ist einer dieser Filme, den sich Fans von King-Romanen und Adaptionen wie The Dead Zone oder Stand By Me unbedingt ansehen sollten, weil er das Übernatürliche nutzt, um auf das Menschliche zu zeigen.

    9. The Witch (2015)

    King in Reinform? Mitnichten, denn auch wenn The Witch wie ein King-Roman klingt, zeichnet hier Robert Eggers fürs Drehbuch verantwortlich. Die Zutaten sind jedoch verblüffend King-kompatibel: ein abgelegenes Haus, die völlige Isolation und eine Familie, die innerlich zerbricht. Der Wald, die Einsamkeit, der religiöse Druck: The Witch klingt wie King in Puritan-Form. Eggers interessiert sich nicht für billige Schockmomente, sondern für die unheilvolle Atmosphäre, die religiöse Paranoia und den psychologischen Zerfall. Die Hexe selbst ist fast Randfigur; das eigentliche Grauen sitzt in der Familie, in Scham, Druck und Angst. Das erinnert an Carrie, nur ohne Highschool und Prom Night, dafür mit Bibelzitaten und Gottesschweigen. 

    10. The Autopsy of Jane Doe (2016)

    Kleines, abgeschottetes Leichenschauhaus, dunkle Nacht und ein großes Rätsel, das keinem von beiden Protagonisten Ruhe lässt. Klingt schaurig, ist es auch. Regisseur André Øvredal und Autor Ian Goldberg schufen mit The Autopsy of Jane Doe ein waschechtes Kammerspiel, das auf psychologische Spannung statt Splatter setzt. Das wirkt wie eine King-Novelle, irgendwo zwischen Misery und Revival, nur ohne Maine und mit mehr Skalpellarbeit. Die Tote ist das Mysterium, aber das eigentliche Grauen liegt in der Dynamik zwischen Vater und Sohn: Schweigen, Schuld, Ungewissheit. Genau da wird es King-haft. Keine Monster, kein CGI, sondern Atmosphäre, Druck und ein Rätsel, das sich langsam in einen Albtraum verwandelt. The Autopsy of Jane Doe zeigt: Das Unbekannte ist immer schlimmer als das, was man erklärt bekommt.

  • Von „Mario Galaxy“ bis „Mortal Kombat 2“: Die spannendsten Videospiel-Fortsetzungen der kommenden Jahre

    Von „Mario Galaxy“ bis „Mortal Kombat 2“: Die spannendsten Videospiel-Fortsetzungen der kommenden Jahre

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Videospiel-Verfilmungen sind längst keine Randerscheinungen mehr – das haben Blockbuster wie The Super Mario Bros. Movie eindrucksvoll bewiesen. 

    Egal, ob The Last of Us (2021) oder Fallout (2024); Fantasy, Action oder Kult-Charaktere von Nintendo, Sega & Co.: Das Tempo zieht weiter an: Studios investieren so viel Geld, Energie und kreative Ambition in Game-Adaptionen wie noch nie. Gleichzeitig haben Streamingdienste begriffen, dass Fans heute nicht nur Effekte wollen – sondern echte Welten, die sich anfühlen wie die Spiele selbst.

    Aus diesem Grund werfen wir einen Blick auf jene großen Fortsetzungen, die uns in den nächsten Jahren erwarten: Filme, die ikonische Game-Welten neu interpretieren, vertraute Helden zurückbringen und vielleicht sogar das Genre selbst ein Stück weiter nach vorne schieben.

    1. Mortal Kombat 2 (2026)

    Für Fans des legendären Kampfuniversums von Mortal Kombat kommt 2026 endlich der heiß erwartete zweite Teil Mortal Kombat 2 in die Kinos – nach aktuellem Stand am 15. Mai 2026. Eigentlich wollte man ja schon 2025 nachlegen, allerdings ist daraus bisher nichts geworden. Eingefleischte Fans bekommen alteingesessene Charaktere wie Johnny Cage, Kitana und Jax zu sehen.

    Die Handlung soll sich stark an der klassischen Outworld-Invasion rund um Shao Kahn orientieren. Es wird aber auch neue Charaktere wie Sindel und Baraka geben. In den Hauptrollen zu sehen sind wieder Lewis Tan als Cole Young und Hiroyuki Sanada als Scorpion; neu dabei ist Karl Urban als Johnny Cage, was für viele Fans ein echtes Highlight darstellt.

    Und dann, nachdem Mortal Kombat (2021) eher durchwachsen ankam – sowohl bei Kritikern als auch bei den Fans und dem Kinopublikum –, will man mit Mortal Kombat 2 nun die Messlatte deutlich höher legen und einen Blockbuster veröffentlichen, der dem Spirit der Originalspiele aus dem Hause NetherRealm Studios wirklich gerecht wird.

    2. Sonic the Hedgehog 4 (2027)

    Nicht nur Nintendo, auch der ehemalige Konkurrent Sega meldet sich 2027 mit einem neuen Film zurück. Allerdings setzt Sega – anders als Nintendo, das mit The Legend of Zelda Neuland betritt – auf Bewährtes: Nach dem Riesenerfolg von Sonic the Hedgehog 3 (2020) wird das blaue Maskottchen mit Sonic the Hedgehog 4 erneut die Kinos erobern. Inhaltlich bleibt das Erfolgsrezept weitgehend unangetastet: familienfreundliche Action, eine ordentliche Portion Slapstick und natürlich jede Menge Nostalgie für jene mittlerweile erwachsenen Gamer, die in den 90ern und frühen 2000ern erstmals mit Sonic über Green Hill Zone gerast sind.

    Die größte Neuerung ist die Erweiterung des Sonic-Universums um zwei zentrale Figuren der Spiele: Amy Rose und Metal Sonic. Beide gehören zu den beliebtesten Charakteren des Franchise und sollen dem vierten Teil frische Dynamik verleihen – Amy als quirlige, warmherzige Gegenstimme, Metal Sonic als kalt-düsteres Spiegelbild des Helden. Die Produktion bleibt in den Händen von Paramount und Neal H. Moritz, die bereits die Vorgänger verantworteten. Ein genauer Kinostart wurde noch nicht festgelegt, 2027 gilt jedoch als realistische Zielmarke. Für Fans von Sonic Adventure und Sonic CD ist das eine großartige Nachricht – denn selten war das Sonic-Kino-Universum größer, verspielter und selbstbewusster als jetzt.

    3. Resident Evil (TBA)

    Regisseur Zach Cregger, bekannt durch Barbarian (2022), nimmt sich dem neuen Resident Evil an, dessen Erscheinungsdatum leider noch nicht bekannt ist. Hier geht es ordentlich zur Sache – und das mit einer gehörigen Portion Horror. Genau in dieses Genre will man mit dem neuen Film schließlich auch konsequent zurückkehren.

    Spielen soll er vor den Ereignissen von Resident Evil 3 (2020) – also in einer Phase, in der die Katastrophe noch nicht allgegenwärtig, aber bereits spürbar ist. Es wäre der Resident Evil-Reihe dringend zu wünschen, endlich einmal einen absoluten Volltreffer zu landen. Denn auch wenn Fans der Spielereihe mit den bisherigen Filmen teilweise ganz glücklich waren, waren Kritiker längst nicht immer derselben Meinung.

    3. The Super Mario Galaxy Movie (2026)

    Der Super-Mario-Kosmos ist längst Kult. Seit dem ersten Super Mario Bros. aus dem Jahr 1985 hat Nintendo seine ikonische Figur vom knuffigen Klempner zum globalen Popkultur-Phänomen gemacht. Dass man sich immer wieder an Verfilmungen versuchte – mal erfolgreicher, mal weniger erfolgreich (man denke an die legendäre 1993er-Katastrophe mit Bob Hoskins und John Leguizamo) – gehört fast zur Mario-Tradition.

    Nun widmet man sich aber dem Nachfolger von The Super Mario Bros. Movie aus dem Jahr 2023, der weltweit über 1,3 Milliarden Dollar einspielte. Für The Super Mario Galaxy Movie setzt Nintendo erneut auf die Erfolgsformel aus Familienhumor, Nostalgie und visueller Opulenz. Chris Pratt kehrt als Mario zurück, Anya Taylor-Joy bleibt Peach und auch Charlie Day (Luigi) sowie Jack Black (Bowser) sollen wieder an Bord sein.

    Inhaltlich soll der neue Film – der am 3. April 2026 erscheint – Marios galaktische Abenteuer adaptieren, ästhetisch näher an die Switch-Spiele heranrücken und das Mario-Universum deutlich erweitern. Fans dürfen sich also auf einen echten XXL-Nachfolger freuen.

    4. Return to Silent Hill (2026)

    Mit Return to Silent Hill kehrt eine der ikonischsten Horrorwelten überhaupt zurück auf die Leinwand. Der Film basiert lose auf Silent Hill 2 und versteht sich als düstere, emotionale Neuinterpretation – „eine mythologische Liebesgeschichte“, wie die Macher es ausdrücken.

    Jeremy Irvine übernimmt die Rolle von James Sunderland, Hanna Emily Anderson spielt Mary/Maria. Regisseur Christophe Gans – der bereits den ersten Silent Hill-Film verantwortete – kehrt zurück und verspricht einen deutlich psychologischeren Ansatz.

    Was Fans freut: Pyramid Head ist wieder dabei, diesmal in einer Version, die näher am Spiel liegen soll. Und: Die Stadt Silent Hill wird stärker als Charakter inszeniert – nebliger, bedrückender, surrealer. Start: 26. Januar 2026.

    5. The Angry Birds Movie 3 (2027)

    Auch das Angry Birds-Universum kehrt zurück – und zwar mit erstaunlich viel Originalbesetzung. Jason Sudeikis (Red), Josh Gad (Chuck), Danny McBride (Bomb) und Rachel Bloom (Silver) sind alle wieder dabei.

    Die ersten beiden Filme waren weltweit Kassenschlager, auch wenn Kritiker sich uneinig waren. Der dritte Teil soll jetzt den Spagat schaffen: mehr Herz, weniger Chaos, trotzdem genug Slapstick, damit die Jüngeren glücklich sind.

    Regie führt John Rice, das Drehbuch stammt von Thurop Van Orman. Inhaltlich wird an die letzten Ereignisse angeknüpft, die Welt erweitert und erstmals ein größerer Bösewicht aufgebaut. Start: 29. Januar 2027.

    6. Pokémon: Detective Pikachu 2

    Fans der Pokémon-Welt warten bereits seit Langem auf eine Nachfrage zur Fortsetzung von Detective Pikachu, der 2019 in die Kinos kam. Dass es einen zweiten Teil geben würde, wurde vom Studio Legendary Pictures schon früh verlautbart – sogar noch im Erscheinungsjahr des ersten Films. Seitdem wurde immer wieder spekuliert, aber es wurden lange keine Nägel mit Köpfen gemacht.

    2023 wurde schließlich bekannt, dass Jonathan Krisel die Regie übernehmen wird und dass man Chris Galletta als Autor engagiert hat. Glänzte Detective Pikachu 1 schon mit Ryan Reynolds als Stimme von Pikachu und Justice Smith als Tim Goodman, hoffen Fans natürlich, dass die gelben Pikachu-Actionmomente auch im neuesten Film wieder voll ausgespielt werden.

    Wann Pokémon: Detective Pikachu 2 genau erscheinen wird, ist weiterhin unklar. Doch nach Jahren des Wartens scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen.

    7. Minecraft 2 (2027)

    Nach dem Riesenerfolg des ersten Films Ein Minecraft Film (2025) kehrt auch das Klötzchen-Universum zurück. Minecraft 2 soll am 23. Juli 2027 erscheinen und erneut eine Mischung aus Realfilm und Animation bieten – diesmal näher an der Ästhetik des Spiels. Details zur Handlung hält Warner Bros. streng unter Verschluss, doch die Erwartungen sind hoch. Schließlich gilt Minecraft für Millionen Spieler als Zuhause einer ganzen Generation. Das Original gilt als einer der erfolgreichsten Videospiel-Filme aller Zeiten – fast eine Milliarde Dollar Einspiel. Kein Wunder also, dass Minecraft 2 offiziell bestätigt wurde. Die Handlung bleibt geheim, aber es soll wieder eine Mischung aus Realfilm und Animation geben, noch näher an der Ästhetik der Spiele. Auch mehrere Rückkehrer aus Teil 1 werden erwartet, Details dazu hält Warner Bros. aber streng zurück.

    8. The Witcher Season 5

    Wenn ein Fantasy-Franchise der vergangenen Jahre konstant über seiner eigenen Fallhöhe balancierte, dann The Witcher (2019-). Fest steht: Season 5 wird kommen – und sie wird die letzte Staffel der Netflix-Serie sein. Eine echte Fortsetzung also, nicht als Anhängsel gedacht, sondern als dramaturgischer Schlusspunkt eines Universums, das sich seit 2019 zwischen Monsterjagd, Moral und Mythologie bewegt. Liam Hemsworth übernimmt die Rolle des Geralt endgültig von Henry Cavill – ein Wechsel, der die Fangemeinde gespalten hat, aber auch Raum für eine Neuinterpretation schafft. Während Staffel 4 den Übergang vorbereitet, soll Staffel 5 die großen Konfliktlinien zusammenführen: die politischen Risse im Kontinent, Ciris radikale Selbstfindung und die Frage, wie viel Identität ein Witcher überhaupt behalten kann in einer Welt, die permanent ihre eigenen Regeln bricht. Erwartet wird eine Staffel, die düsterer, dichter und emotionaler wird, ein Finale, das sich – wie schon die Spiele – weniger für glatte Heldenreisen interessiert, sondern für Konsequenzen. The Witcher verabschiedet sich damit nicht leise, sondern aufgeladen. Genau so, wie es sich gehört.

    9. Fallout: Season 2 (2025)

    Wenn eine Serie im Jahr 2024 so einschlug wie Fallout, dann war es nur eine Frage der Zeit, bis man den Vault erneut öffnet. Season 2 startet am 17. Dezember 2025, und schon jetzt wird klar: Das ist kein Anhängsel, kein „Mehr vom Selben“, sondern die selbstbewusste Weiterentwicklung eines Universums, das im ersten Anlauf fast schon frech mühelos funktionierte.

    Zurück sind Ella Purnell als Lucy – die in Season 1 vom unschuldigen Vault-Girl zur moralisch völlig überforderten Apokalypse-Heldin wurde – sowie Walton Goggins als Ghoul, der seine Rolle inzwischen mit einer Mischung aus Zynismus, Eleganz und Verzweiflung spielt, wie man sie im Videospielbereich selten gesehen hat. Und natürlich: Dogmeat, der in Season 2 offiziell zur emotionalen Hauptfigur befördert wird.

    Mit dabei sind auch neue Schwergewichte wie Justin Theroux (als Mr. House) und Macaulay Culkin in einer geheimnisvollen „genial-verrückten“ Rolle, die die Fallout-Fangemeinde schon jetzt hysterisch spekulieren lässt. Inhaltlich geht es zurück nach New Vegas – jener Stadt, die im Gaming-Kanon fast religiösen Status besitzt. Das ist ein Statement: Man weiß, was die Fans lieben, aber man nimmt sich die Freiheit, es filmisch neu zu interpretieren.

    Season 2 verspricht nicht nur mehr Lore, mehr politische Abgründe, mehr Retro-Pulvercharme – sondern auch die große Frage: Wie viel Menschlichkeit ist in einem Ödland überhaupt noch übrig?

    10. The Last of Us: Season 3 (2027)

    The Last of Us (2023) hat etwas geschafft, was kaum einem Game-Franchise gelingt: Es wurde zur Prestige-Serie, ohne seine Gaming-DNA zu verlieren. Season 3 – angekündigt für 2027 – ist deshalb kein gewöhnliches Sequel, sondern eine Art emotionaler Langstreckenlauf, der an jene Stellen geht, die man eigentlich nicht noch einmal durchleben möchte.

    Während Season 1 Ellies und Joels Welt erschüttert hat und Season 2 den mutigsten erzählerischen Stich wagte, den man im modernen Serienfernsehen wagen kann, verschiebt Season 3 nun erneut den Fokus: Abby, gespielt von Kaitlyn Dever, wird stärker ins Zentrum rücken, ganz so wie im zweiten Spiel. Craig Mazin deutete bereits an, dass Season 3 „größer, härter, intensiver und zugleich überraschend intim“ wird – ein Satz, der bei The Last of Us eigentlich immer bedeutet: Bereitet euch auf Schmerz vor, und zwar reichlich.

    Pedro Pascal und Bella Ramsey kehren zurück, aber diesmal auf einem erzählerischen Terrain, das weniger von klaren Heldenreisen und mehr von moralischen Konsequenzen bestimmt wird. Vieles wird dunkler, vieles wird stiller. Und doch steht da dieser Funke Hoffnung, den die Serie trotz aller Brutalität immer bewahrt hat: Dass Menschen selbst im unvorstellbaren Zerfall immer noch Verbindung suchen. Season 3 wird damit zur emotionalen Nagelprobe, nicht nur für die Figuren, sondern auch für die Fans, die wissen: Wenn eine Serie wehtun darf, dann diese.

  • Jenseits des „Upside Down“ von „Stranger Things“: Die 10 besten und bizarrsten Multiversen

    Jenseits des „Upside Down“ von „Stranger Things“: Die 10 besten und bizarrsten Multiversen

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Nicht nur Science-Fiction-Fans waren von jeher fasziniert vom Gedanken eines Multiversums. Was, wenn es einen Ort gäbe, der unseren spiegelte, ins Gegenteil verkehrte oder in gewisser Hinsicht sogar pervertierte? 

    Die Möglichkeiten für ein Multiversum sind mannigfaltig und reichen von rätselhaften Realitätsverschiebungen bis hin zu richtigen Dystopien. Besonders Stranger Things (2016-2025) rückte diese Idee zurück ins kollektive Bewusstsein – denn das Upside Down ist mindestens ebenso viel  Epizentrum wie das unscheinbare Städtchen Hawkins. Doch das Multiversum war lange vor Stranger Things eine Art philosophischer Spielplatz für Filme und Serien. Unterschiedlichste Ausprägungen, radikale Interpretationen, intime und kosmische Erklärungsmodelle – und jedes davon beantwortet dieselbe Frage auf völlig andere Weise: Was wäre, wenn alles anders wäre?

    1. Fringe - Grenzfälle des FBI (2008–2013)

    Fringe stellt das Paralleluniversum eher als zwei kontrastierende Spiegelwelten dar. Konträre Welten, die ähnlich und doch fundamental anders sind. Im Zentrum steht eine besondere FBI-Abteilung, deren Mitglieder zunächst rätselhafte und scheinbar übernatürliche Phänomene untersuchen. Erst später erkennen sie, dass diese Ereignisse nicht paranormal sind, sondern systematisch mit einem alternativen Universum zusammenhängen. Während Stranger Things das Upside Down als bedrohliche Schattenwelt etabliert, baut Fringe eine Welt, die weder gut noch böse ist. Das Paralleluniversum ist ein lebendiger Organismus. Die Härte kommt nicht aus Monstern, sondern aus Trauer, Verlust und der Frage, welche Realität das „Original“ ist. Wer Stranger Things liebt, erlebt hier die erwachsene Version des Multiversums.

    2. Everything Everywhere All at Once (2022)

    Das Multiversum in Everything Everywhere All at Once ist keine gruselige Parallelwelt, sondern eher ein Chaos aus Gefühlen und verpassten Chancen. Stell dir vor, du siehst alle Versionen deines Lebens, die du hättest führen können, auf einmal – das ist der Trip. Jede Evelyn, so der Name der Protagonistin, existiert gleichzeitig: die coole Kung-Fu-Meisterin, die erfolgreiche Geschäftsfrau, aber auch die Evelyn mit den absurden Hot-Dog-Fingern. Es geht hier nicht darum, böse Parallelwelten zu bekämpfen. Stattdessen ist das Multiversum ein Spiegel ihrer unbewältigten Probleme und all der Identitäten, die sie unterdrückt hat. Während Stranger Things auf Angst setzt, arbeitet EEAAO mit Empathie und Familien-Drama. Die zentrale Frage dabei ist die der : Selbstakzeptanz. Es gibt keine Dämonen oder Monster – nur die harte, aber befreiende Erkenntnis, dass wir alle aus unzähligen Möglichkeiten bestehen. 

    3. The Man in the High Castle (2015–2019)

    Was wäre, wenn die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Mit genau diesem dystopischen Grundgedanken spielt das Multiversum von The Man in the High Castle, basierend auf dem Roman von Philip K. Dick. Das Besondere: Diese Parallelwelt wirkt nicht wie ein fantasievoller Albtraum, sondern wie eine erschreckend plausible politische Version der Realität. Statt Monster oder Schleimwesen bekommen wir Ideologie, Propaganda, Unterdrückung und damit einen psychologischen Horror, der näher unter die Haut geht als jeder Demogorgon. Während das Upside Down bei Stranger Things eine metaphysische Schattenwelt ist, zeigt The Man In The High Castle eine Alternative, die sozial, historisch und emotional verankert ist.

    4. Spider-Man: A New Universe (2018)

    Multiversum? Nein, Spider-Verse! In Spider-Man: A New Universe dient die Idee paralleler Universen nicht der Angst, sondern der radikalen Selbstbefreiung. Im Gegensatz zu Stranger Things, wo das Upside Down ein giftiger Spiegel unserer Welt ist, nutzt Spider-Verse das Multiversum für eine kreative Explosion. Es geht um Vielfalt statt Verwirrung. Jeder Spider-Man ist absolut wichtig und echt – egal ob er ein lustiger Cartoon-Typ, ein melancholischer Detektiv im Mantel oder nur ein unsicherer Teenager ist. Und typisch für Spider-Man: Der Held muss immer wieder herausfinden, wer er eigentlich sein will. Hier geht es um Mut, Verantwortung, Identität und ein vor uns liegendes Universum voller Möglichkeiten.

    5. Rick and Morty (2013–)

    Man sagt oft, das Universum sei „indifferent“ – also gleichgültig gegenüber dem menschlichen Drama. Für das Multiversum gilt das unendlichfach mehr, zumindest in der Theorie der genialen Serie Rick and Morty. Während Stranger Things sein Upside Down als fokussierte Bedrohung inszeniert, verweigert sich Rick and Morty überhaupt der Idee einer zentralen Realität. Alles existiert gleichzeitig, alles ist möglich, und nichts davon besitzt moralische Priorität. Das fühlt sich psychologisch an wie eine radikale Entwertung: Identität wird zu einem lose verketteten System variabler Selbstzustände. Und genau darin liegt der Horror – kein Monster, kein Portal, sondern die Erkenntnis, dass Bedeutung relativ ist. Rick and Morty macht aus dem Multiversum keinen Albtraum, sondern einen kosmischen Zynismus, der so komisch wie philosophisch verstörend sein kann.

    6. Donnie Darko (2001)

    Der große Unterschied zwischen dem Multiversum von Donnie Darko und dem von Stranger Things? Dort eine greifbare Schattenwelt, hier eine zeitliche Fehlzündung. Donnie Darko arbeitet nicht mit Parallelräumen, sondern mit einer Tangenten-Realität, die existiert, obwohl sie nicht sollte. Das erzeugt keinen Monsterhorror, sondern psychologischen Druck: Was, wenn dieser Riss im Zeitgefüge eine Art emotionaler Spiegel ist? Donnie Darko ist ein melancholisches Teenager-Drama mit metaphysischem Einschlag – leise, unheimlich, fast flüsternd. Statt Portalen gibt es Gefühlsbrüche. Statt Demogorgons gibt’s existenziellen Schmerz. Das Multiversum ist hier kein Spielplatz, sondern Tragödie. Ein Albtraum, der nie schreit, sondern haucht – und genau deshalb bleibt er im Kopf hängen.

    7. Sliding Doors (1998)

    Sliding Doors (deutscher Titel: Sie liebt ihn – sie liebt ihn nicht) zeigt ein Multiversum ohne Sci-Fi-Überbau: Kein Portal, keine dunkle Welt, keine Monster. Nur ein verpasster Zug, und plötzlich entfalten sich zwei parallele Leben, beide wahr, beide möglich. Während Stranger Things das Upside Down als korrumpierte Spiegelwelt inszeniert, zeigt Sliding Doors die Parallelwelt als schmerzhaft plausible Alternative. Das Weirdeste ist gerade die Normalität: Das Multiversum entsteht nicht durch Science, sondern durch Alltag. Das Konzept ist brutal emotional, weil es zeigt, wie fragil Lebenswege wirklich sind. Keine grandiose Mythologie, sondern eine stille Folter: Was wäre gewesen, hätte man fünf Minuten früher gehandelt? Hier kommt das Multiversum nicht als Spektakel, sondern als Sehnsuchtsraum – so intim, dass es fast weh tut. Stranger Things baut Angst – Sliding Doors baut Wehmut.

    8. The OA (2016–2019)

    In The OA ist das Multiversum kein physischer Ort, sondern ein reiner Bewusstseinszustand. Dabei trennt die Serie die Multiversen nicht nur räumlich, sondern vor allem emotional: durch Traumata, Erinnerungen, Visionen und spirituelle Übergänge. Das Besondere daran: Während das Upside Down in Stranger Things bedrohlich, körperlich und klar abgegrenzt wirkt, sind die Welten in The OA durchlässig, mystisch und unfassbar – sie werden nicht betreten, man wird zu ihnen. Figuren „erleiden“ hier das Multiversum, statt es zu besuchen. Keine Portale, sondern Rituale; keine Monster, sondern Identitätsarbeit. Realität ist kein fixer Zustand, sondern ein Vorschlag, eine mögliche Version des Selbst. Bei The OA geht es im Multiversum nicht um Wissenschaft oder Monster, sondern um eine spirituelle Reise. Die ganze Sache fühlt sich an wie eine sanfte, aber tiefgreifende Suche nach dem eigenen Ich.

    9.  Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022)

    Wer wäre ich, wenn es unendlich viele Versionen von mir gäbe – bessere, schlechtere, monströsere? In Doctor Strange in the Multiverse of Madness wird diese Frage nicht philosophisch diskutiert, sondern cineastisch durchbeboxt. Das Multiversum ist hier keine tiefsinnige Metapher, sondern eine chaotische, überwältigende Vielfalt an Welten. Während das Upside Down in Stranger Things eine einzige dunkle Spiegelwelt ist, eröffnet Doctor Strange ein ganzes Panorama an Realitäten, jede mit ihren eigenen Regeln und ihrer eigenen Moral. Stranger Things projiziert die Angst nach außen, Doctor Strange kehrt sie nach innen – wir schauen nicht ins Multiversum, sondern werden darin gespiegelt. Es ist ein moralischer Stresstest, präsentiert mit einem gigantischen Pop-Faustschlag.

    10. Dark Matter (2024)

    Was wäre, wenn das Multiversum kein Ort wäre, sondern eine Art Lebensbilanz? In Dark Matter ist genau das der Fall: Parallelwelten entstehen nicht als Raum, sondern als Konsequenz für alljene Entscheidungen, wie wir getroffen haben. Während das Upside Down in Stranger Things wie ein feindlicher Albtraum über die Figuren stürzt, zeigt Dark Matter den Horror im Inneren. Wir sehen das eigene ungelebte Leben, der Spiegel dessen, was hätte sein können. Jede Abzweigung erzeugt eine Realität, die so plausibel ist, dass sie schmerzt. Es braucht hier keine Monster, keinen Vecna, nur die Erkenntnis, dass Glück, Liebe oder Erfüllung manchmal nur einen winzigen Impuls entfernt waren. Statt metaphysischer Finsternis herrscht hier die Angst, im Leben falsch abgebogen zu sein. Am Ende bleibt wenig, außer die überdimensionale Frage: Wie viele Versionen von uns laufen gerade in besseren Welten herum?

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    10 leichte Shakespeare-Adaptionen, die du schauen solltest, bevor “Hamnet” dich emotional zerstört

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Mit Hamnet kommt bald eine jener Verfilmungen, die einen schon beim Lesen der Inhaltsbeschreibung innerlich auf ein Kissen sinken lassen: Die Geschichte von Shakespeares Sohn, dessen früher Tod nicht nur seine Familie erschütterte, sondern später als emotionaler Schatten über Hamlet lag. 

    Und mit Stars wie Paul Mescal, Jessie Buckley und Emma Stone ist jetzt schon klar, dass der Film uns vermutlich genau dort treffen wird, wo man gerade am wenigsten damit rechnet. Bevor uns also diese Mischung aus Verlust, Liebe, Bühnenwelt und zerbrechlicher Intimität überrollt, darf man getrost die leichtere Seite Shakespeares genießen. Und ja - die gibt es, jede Menge sogar. Ob Highschool-Drama, romantisches Chaos oder Gnom-Abenteuer: Viele moderne Adaptionen nehmen seine Stoffe, ziehen ihnen die Rüschen aus und schenken uns Filme, die leicht sind, verspielt, manchmal albern, aber immer mit einer liebevollen Shakespeare-DNA versehen. Genau die richtige Einstimmung, um sich die Stimmung aufzupolieren, bevor Hamnet uns garantiert das Herz mindestens einmal bricht.

    1. 10 Dinge, die ich an Dir hasse (1999)

    Kat ist das Mädchen, das man in der Highschool sofort sieht - nicht, weil sie sich in den Mittelpunkt drängt, sondern weil sie sich konsequent weigert, sich irgend­einem Trend oder irgendeiner Gruppe anzuschließen. Als ein Verehrer sie unbedingt ausführen möchte, wird kurzerhand ein Plan geschmiedet, Kat mit Hilfe eines „Bad Boys“ aus der Reserve zu locken. Und genau daraus entsteht der besondere Zauber von 10 Dinge, die ich an Dir hasse: Man spürt in jeder Szene, wie sehr diese Welt nach Shakespeare klingt, ohne dass jemand jemals ein Sonett zitieren müsste. Die schönsten Momente sind die kleinen, unauffälligen - ein halbes Lächeln, ein flüchtiger Blick - und plötzlich steht man mitten in einer modernen, warmherzigen Version von Der Widerspenstigen Zähmung, die bis heute funktioniert. Man merkt, dass die Dynamik hier viel weicher schwingt als in Zur Hölle mit Eva, fast so, als würde die Vorlage einmal tief durchatmen und sich für eine jugendlichere, weniger scharfkantige Variante entscheiden.

    2. She’s the Man – Voll mein Typ! (2006)

    Viola möchte einfach nur Fußball spielen, doch nachdem ihr Mädchenteam gestrichen wird, übernimmt sie kurzerhand die Identität ihres Zwillingsbruders - inklusive tiefer Stimme, schiefer Haltung und der panischen Angst, dass ihr jemand die Perücke vom Kopf zieht. Ihr neuer Mitbewohner, eigentlich der coolste Typ des Internats, ahnt nichts von ihrem Geheimnis. Und genau das macht den Reiz aus: She’s the Man – Voll mein Typ! schafft eine moderne, liebevoll chaotische Variante von Was ihr wollt, die genauso viel Herz wie Klamauk besitzt. Besonders charmant sind die Momente, in denen Viola ihre männliche Tarnung kurz vergisst - etwa wenn sie sich zu sehr über etwas freut oder aus Versehen viel zu elegant sitzt. Der Film ist bunt, warm, herrlich schief und zeigt, wie gut Shakespeares Themen funktionieren, wenn man ihnen etwas Internatsluft und moderne Unsicherheiten verpasst.

    3. Zur Hölle mit Eva (2003)

    Eva führt ihre Familie so entschieden an, dass die Schwager irgendwann beschließen, sie „unschädlich“ zu machen, indem sie ihr einen Mann unterjubeln, der genauso furchteinflößend souverän wirken soll wie sie selbst - eine erneute Abwandlung von Der Widerspenstigen Zähmung. Was folgt, ist eine charmante, moderne Variation, die sich langsam in etwas Echtes verwandelt. Das Schönste an Zur Hölle mit Eva ist, wie liebevoll der Film mit Evas Stärke umgeht. Niemand soll sie kleinhalten, niemand soll sie „zähmen“ - es geht vielmehr darum, wie zwei Menschen, die sich aneinander reiben, irgendwann bemerken, dass sie genau deshalb so gut harmonieren. Im Vergleich zum jugendlichen Hin und Her aus 10 Dinge, die ich an Dir hasse fühlt sich die Energie hier erwachsener und etwas kantiger an - näher an der ursprünglichen Reibung, aber mit einem modernen Augenzwinkern.

    4. Ran an die Braut (2001)

    Im Mittelpunkt stehen Schüler, die ein Theaterstück proben, während sie gleichzeitig mitten im eigenen Gefühlschaos stecken. Plötzlich verschwimmt die Grenze zwischen dem, was auf der Bühne passieren soll, und dem, was sie wirklich empfinden. Genau das macht Ran an die Braut zu einer liebenswerten, leichten Coming-of-Age-Adaption von Ein Sommernachtstraum. Die Figuren wirken wie Jugendliche, die zufällig Shakespeare spielen und erst dabei herausfinden, wie ähnlich ihre eigenen Probleme den alten Konflikten sind. Besonders schön sind die Probeszenen, in denen jemand viel zu ernst spielt oder jemand anderes viel zu sehr lacht, weil er sich ertappt fühlt. Der Film bleibt verspielt, nie verkopft, und zeigt, wie gut Shakespeare funktioniert, wenn man ihn dorthin bringt, wo echte Gefühle oft am lautesten stolpern: in die Pubertät. Die Leichtigkeit wirkt hier anders als im klassischen Ein Sommernachtstraum - nicht magischer, sondern herrlich pubertär-chaotisch, als würde Shakespeare selbst in der letzten Reihe sitzen und über die stolpernden Gefühle schmunzeln.

    5. Gnomeo und Julia (2011)

    Zwei Gartenzwerge aus verfeindeten Vorgärten verlieben sich - klingt absurd, ist aber überraschend charmant. In Gnomeo und Julia steckt all das Drama von Romeo und Julia, nur gedämpft durch bunte Farbtöpfe, quietschende Plastikblumen und einen Humor, der nie zulasten der Figuren geht. Was den Film so warm macht, ist die Art, wie Gnomeo und Julia ihre winzige Welt ernst nehmen. Wenn sie sich heimlich treffen, wirkt es fast größer als bei Menschen, weil jede Bewegung ihres Keramikkörpers vorsichtig und bedeutungsschwer erscheint. Man spürt den Shakespeare-Kern, aber ohne Herzschmerz-Schwere. Und wenn die zerstrittenen Gärten schließlich mehr Chaos produzieren, als irgendein Zwerg wegfegen kann, wirkt das Ganze wie eine Miniaturausgabe großer Tragödien, die plötzlich beschlossen hat, liebenswert und leicht zu sein. Im Vergleich zu der fiebrigen Intensität in William Shakespeares Romeo + Julia wirkt diese Gartenzwerg-Version viel frecher und farbenfroher.

    6. Ein Sommernachtstraum (1999)

    In diesem Film fühlt sich der Wald an wie ein Ort, an dem alles möglich ist, solange niemand versucht, es logisch zu erklären. Verliebte laufen sich in der Dunkelheit über den Weg, verlieren ihre Fassung und finden sie in völlig neuen Konstellationen wieder. Die Magie funktioniert nicht wie ein Spezialeffekt, sondern eher wie ein Stimmungswechsel - ein kurzes Knistern in der Luft, bevor jemand etwas sagt, das sein Herz verrät. Ein Sommernachtstraum nimmt Shakespeares Vorlage ernst, aber nicht schwer. Titanias Eleganz hat etwas Zartes, während Puck immer dann auftaucht, wenn Menschen ein bisschen zu sehr in ihren eigenen Dramen versinken. Die Inszenierung bleibt verspielt, warm und fast duftend - wie eine Sommernacht, in der alles ein bisschen schöner wirkt, als es in Wahrheit ist. Wo Ran an die Braut eher wie eine liebevolle Schulhofversion der Vorlage wirkt, gleitet dieser Film mit einer weichen, fast märchenhaften Selbstverständlichkeit durch denselben Stoff - ruhiger, aber genauso verspielt.

    7. Viel Lärm um nichts (1993)

    Man spürt sofort diesen mediterranen Sommer, der wie eine leichte Brise durch den Film weht. Die Figuren laufen durch offene Türen, lachen, streiten und beobachten einander - und irgendwo zwischen all dem Lärm entsteht etwas Echtes. Viel Lärm um nichts zeigt eine liebevoll moderne Version von Shakespeares Spiel aus Stolz und Verletzlichkeit: Zwei Menschen, die viel zu klug sind, um zuzugeben, dass sie einander mögen, liefern sich Schlagabtausche, die gleichzeitig neckisch und schutzlos wirken. Das Ensemble bringt eine Energie mit, die man leicht ansteckend nennen kann: laute Szenen wirken fröhlich statt schrill und stille Szenen gehen dann doch ein wenig ans Herz. Der Film ist sonnig, warm und weckt das Gefühl, man sei selbst zu Gast auf einer großen, leicht chaotischen Gartenfeier voller Menschen, die mehr fühlen, als sie zugeben wollen. Die Funken hier sprühen subtiler als in Rache ist sexy - weniger Teenie-Chaos, dafür mehr sommerliche Wortgefechte, die man fast schmecken kann.

    8. Warm Bodies – Zombies mit Herz (2013)

    R stolpert als Zombie durch eine zerfallene Welt und wirkt dabei wie jemand, der versucht, sich an seine Menschlichkeit zu erinnern, obwohl sie ständig vor ihm wegrennt. Als er Julie trifft, entsteht ein kleines Aufflammen von etwas, das er fast vergessen hat: Neugier, Wärme und vielleicht sogar Liebe. Warm Bodies – Zombies mit Herz verwandelt Romeo und Julia in eine ungewöhnlich sanfte Liebesgeschichte, die zwischen Humor und Gefühl pendelt, ohne je kitschig zu werden. Der Shakespeare-Bezug ist klar, aber nie aufdringlich - eher wie ein vertrauter Schatten, der die Geschichte weicher und wärmer erscheinen lässt. Es ist ein Film, der beweist, dass sogar Zombies zu romantischen Hauptfiguren werden können. Zwischen dem Neonrausch von William Shakespeares Romeo + Julia und der bunten Verspieltheit von Gnomeo und Julia steht dieser Film fast zärtlich da, als würde er die Tragödie vorsichtig auseinandernehmen und ihr eine zweite Chance geben.

    9. William Shakespeares Romeo + Julia (1996)

    Hier prallen große Gefühle auf laute Farben, religiöse Symbolik und Popmusik. Die Welt wirkt wie ein Fiebertraum aus Neon und Herzschlag, und doch bleibt alles erstaunlich emotional. Die Begegnung zwischen Romeo und Julia (Leonardo di Caprio und Claire Danes) hat einen elektrischen Moment, in dem man spürt, wie alle Nebengeräusche kurz verschwinden. William Shakespeares Romeo + Julia hält am Originaltext fest, aber die Inszenierung verwandelt ihn in etwas Rasantes, Modernes und Mutiges. Die Figuren sprechen Verse, als wären sie Songtexte, und die Kamera tanzt mit ihnen durch eine Welt, die gleichzeitig kitschig und tief berührend ist. Es ist ein Film, der zeigt, wie universell Shakespeares Worte sind, selbst wenn sie zwischen Pistolen, Strandpartys und übertrieben schönen Kostümen stehen. Wenn man zuvor die leichte Welt aus Gnomeo und Julia oder die schräg-sanfte Zombie-Romantik von Warm Bodies – Zombies mit Herz gesehen hat, fühlt sich dieser Film fast wie ein emotionaler Aufprall an – roh, intensiv, aber unglaublich schön.

    10. Rache ist sexy (2006)

    Vier Mädchen beschließen, einem notorischen Herzensbrecher eine Lektion zu erteilen und merken dabei schneller als geplant, dass Rache komplizierter ist als gedacht. Die kleinen Sabotageaktionen, die sie planen, laufen so herrlich schief, dass man fast jedes Mal grinsen muss. Rache ist sexy trägt die DNA von Viel Lärm um nichts, weil die Figuren ständig Dinge tun, die sie nicht fühlen wollen, und Dinge fühlen, die sie nicht zugeben wollen. Besonders schön sind die Momente, in denen jemand kurz nicht mehr weiß, ob er gerade wütend sein soll oder verliebt. Der Film wirkt leicht, warm und ein bisschen verspielt - genau das, was man von einer lockeren Shakespeare-Variante erwartet, die nicht die Welt verändern will, sondern einfach gute Laune macht. Man spürt die Vorlage stärker, wenn man direkt davor Viel Lärm um nichts gesehen hat - es ist derselbe liebevoll verknotete Mix aus Stolz, Missverständnissen und unerwarteter Nähe, nur eben mit Highschool-Tempo.

  • Die besten Hulk-Auftritte – vom grünen Giganten bis zum roten Wutwesen

    Die besten Hulk-Auftritte – vom grünen Giganten bis zum roten Wutwesen

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Der Hulk ist nicht einfach nur wütend – er ist eine popkulturelle Naturgewalt mit Langzeitwirkung. Vom tragischen Wissenschaftler Bruce Banner, der durch einen Unfall zum grünen Goliath mutiert, bis hin zu Varianten wie dem Red Hulk hat sich das Wut-Monster über die Jahrzehnte immer wieder neu erfunden. Mal als tragischer Einzelgänger, mal als tobender Teamplayer. 

    Manche Versionen sind fest im MCU verankert, andere entstanden lange vor dem großen Marvel-Zusammenschluss – etwa die ikonische Fernsehserie aus den 70ern, die noch heute Kultstatus besitzt. In dieser Liste findest du alle Hulk-Filme und -Serien in chronologischer Reihenfolge – inklusive Infos und Kontext für Fans jeder Generation.

    Der unglaubliche Hulk (1978–1982, Serie)

    Lange bevor CGI den Hulk definierte, reichten grüne Farbe, Muskelmasse und echte Tragik, um eine Ikone zu erschaffen. In dieser klassischen Serie spielt Bill Bixby den gequälten Dr. David Banner, der nach einem missglückten Experiment zum rastlosen Wanderer wird. Immer an seiner Seite – oder besser: in ihm verborgen – Lou Ferrigno als Hulk, das grüne Wutwesen mit Herz. Jede Folge steht für sich, oft als melancholisches Drama irgendwo zwischen The Fugitive und Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Während spätere Versionen wie Ang Lees Hulk (2003) in psychologische Tiefe abtauchten, lag der Fokus auf Banners Menschlichkeit. Wer die Ursprünge des Hulk verstehen will, findet hier echtes Seriengold – emotional, zeitlos und einfach gut!

    Hulk (2003)

    Ang Lees Hulk ist kein typischer Superheldenfilm – sondern ein sperriges, visuell ambitioniertes Psychodrama mit Monster-Elementen. Im Mittelpunkt steht Bruce Banner, der nicht nur mit seiner Mutation, sondern auch mit verdrängten Kindheitstraumata und der komplizierten Beziehung zu seinem Vater ringt. Nick Nolte liefert als instabiler Wissenschaftler eine intensive Performance, während der grün animierte Hulk – damals technologisch beeindruckend, heute teils umstritten – mehr Symbol denn Figur ist. Der Film ist visuell beeindruckend, die Erzählstruktur für einen Blockbuster ziemlich experimentell. Für viele war der Film zu verkopft, für andere ein faszinierender Ausreißer im Genre. Wo die 70er-Serie auf Emotion setzte und Der unglaubliche Hulk (2008) auf Tempo, richtet diese Origin Story den Blick ins Unterbewusste.

    Der unglaubliche Hulk (2008)

    Mit Der unglaubliche Hulk zündete Marvel die nächste Stufe: Edward Norton spielt einen gehetzten Bruce Banner, der rund um den Globus flieht – nicht nur vor dem Militär, sondern auch vor sich selbst. Im Gegensatz zu Ang Lees introspektivem Vorgänger setzt dieser Film auf Tempo, Action und klare Konflikte. Die Kämpfe sind wuchtig, die Effekte solide, und Tim Roth als Abomination liefert einen erinnerungswürdigen Gegenspieler. Gleichzeitig ist der Film wichtig für das frühe MCU: Die Post-Credit-Szene mit Tony Stark deutet bereits auf die Avengers hin. Trotz seiner Randposition im MCU-Kanon lohnt sich ein Blick zurück – als dynamischer, ernst gemeinter Beitrag zur Superhelden-Evolution.

    Die Avengers (2012)

    In The Avengers findet Hulk endlich seinen Platz im Superhelden-Team – und wird für viele zum heimlichen Star des Films. Mark Ruffalo übernimmt die Rolle von Bruce Banner und bringt eine neue, sympathisch zurückhaltende Note in die Figur. Wenn Banner sich dann in den Hulk verwandelt, explodiert nicht nur die Leinwand, sondern auch die Begeisterung der Fans. Der berühmte Satz „Ich bin immer wütend“ und die legendäre Szene, in der Hulk den überheblichen Loki wie eine Stoffpuppe durch die Gegend schleudert, sind bis heute Meme-Gold. Der Film inszeniert den grünen Giganten als ultimative Waffe, aber auch als tragische Figur. Eine gelungene Mischung aus Humor, Wucht und Identifikationspotenzial – Hulk wie nie zuvor!

    Avengers 2: Age of Ultron (2015)

    Age of Ultron zeigt Hulk von einer verletzlichen Seite. Bruce Banner wird stärker als bisher in die Gruppendynamik eingebunden – und seine Beziehung zu Natasha Romanoff bringt eine neue, emotionale Facette ins Spiel. Gleichzeitig gerät Hulk außer Kontrolle, was zum epischen Hulkbuster-Kampf gegen Iron Man führt – einer der visuell eindrucksvollsten Momente im gesamten MCU. Der Film thematisiert, wie gefährlich Hulk sein kann, selbst unter Freunden. Nach der finalen Schlacht verschwindet er auf mysteriöse Weise – ein Moment, der seine Isolation erneut betont. Trotz gemischter Kritiken bleibt Age of Ultron ein wichtiger Meilenstein für die Figur Hulk – und der Übergang zu noch tiefergehenden Entwicklungen in späteren Filmen.

    Thor: Tag der Entscheidung (2017)

    Mit Thor: Tag der Entscheidung kommt die wohl unterhaltsamste Hulk-Version auf die Leinwand: farbenfroh, verspielt und überraschend gesprächig – fast das Gegenstück zum stillen Konflikt in Infinity War. Nach Jahren im All hat Hulk eine eigene Identität entwickelt – er spricht in einfachen Sätzen, hat kindliche Züge und ist längst nicht mehr nur Banners Alter Ego. Die Arena-Kämpfe auf Sakaar sind spektakulär, doch besonders die Dynamik zwischen Thor und Hulk funktioniert auf komödiantischer Ebene brillant. Regisseur Taika Waititi schafft es, die Figur neu zu denken, ohne sie zu verwässern. Hulk wird hier nicht nur als Kraftpaket inszeniert, sondern als komplexe Figur mit Gefühlen, Wünschen und Eitelkeit. Ein frischer, poppiger Neuanfang für den grünen Riesen – und ein echter Fan-Favorit.

    Avengers 3: Infinity War (2018)

    Im Gegensatz zu seinen vorherigen Auftritt in Thor: Tag der Entscheidung bleibt Hulk in Infinity War erstaunlich passiv – und das ist kein Zufall. Nachdem er in den ersten Minuten des Films von Thanos besiegt wird, weigert sich der Hulk, erneut zum Vorschein zu kommen. Bruce Banner kämpft im Laufe der Geschichte vergeblich darum, das grüne Biest zurückzuholen. Dieses emotionale Tauziehen wird zur Metapher für Angst, Kontrollverlust und psychische Erschöpfung. Statt wie gewohnt zu wüten, bleibt Hulk im Verborgenen – und Banner muss die Schlacht mit Technik statt Muskelkraft bestreiten. Eine ungewöhnliche, aber erzählerisch kluge Entscheidung, die zeigt: Auch das stärkste Wesen im Marvel-Universum kann Zweifel und Angst empfinden. Ein mutiger Perspektivwechsel.

    Avengers 4: Endgame (2019)

    Wo Hulk (2003) Verdrängung zeigte, bringt Endgame Versöhnung und präsentiert uns eine völlig neue Version des Hulk: den sogenannten „Smart Hulk“. Bruce Banner hat einen Weg gefunden, Verstand und Monster zu vereinen – und wird damit zum sprechenden, brillentragenden Riesen mit Gelassenheit und Humor. Für einige Fans war das eine geniale Weiterentwicklung, andere vermissten die rohe Wut des klassischen Hulk. Doch Endgame zeigt, dass wahre Größe nicht nur in Kraft liegt – sondern auch in Erkenntnis. Der Hulk übernimmt eine zentrale Rolle in der Erzählung. Seine Taten unterstreichen, wie weit sich die Figur entwickelt hat – vom Monster zum Erlöser.

    She-Hulk: Die Anwältin (2022, Serie)

    Diese Disney+-Serie bricht radikal mit allem, was man von Hulk-Erzählungen kennt – und genau darin liegt ihr Reiz. She-Hulk erzählt die Geschichte von Jennifer Walters, einer Anwältin, die nach einem Unfall ebenfalls Hulk-Fähigkeiten entwickelt – dank einer Bluttransfusion ihres Cousins Bruce Banner. Letzterer tritt gleich mehrfach in Erscheinung: mal als Mentor, mal als nerviger großer Cousin, mal als Wissenschaftler, der sich selbst zu ernst nimmt. Die Story führt die Idee des „Smart Hulk“ aus Endgame mit Humor weiter. Die Serie kombiniert klassische Superhelden-Elemente mit Anwalts-Sitcom, Meta-Humor und feministischer Perspektive. Sie ist deutlich leichter und verspielter als andere MCU-Formate, was nicht allen MCU-Fans gefällt – aber gerade das macht sie zu einer wichtigen Ergänzung im Hulk-Kosmos. Wer sehen will, wie weit sich Marvel mittlerweile aus der Komfortzone traut, wird hier fündig.

    Captain America: Brave New World (2025)

    In diesem neuen Kapitel des MCU trifft man nicht auf Bruce Banner – sondern auf Red Hulk, verkörpert von Harrison Ford als General Thaddeus „Thunderbolt“ Ross.  Nach Jahren als wiederkehrende Nebenfigur verwandelt sich Ross nun selbst in eine monströse Version des Hulk – allerdings mit militärischem Kalkül statt unkontrollierbarem Zorn. Captain America: Brave New World setzt damit nicht nur die Geschichte von Sam Wilson als neuem Cap fort, sondern führt auch die nächste Evolutionsstufe der Hulk-Figur ein. Der Red Hulk ist kontrollierter, brutaler und deutlich autoritärer – eine spannende Kontrastfigur zum Banner-Hulk. Der Film markiert einen neuen, explosiven Wendepunkt im Marvel-Kanon. Wo Endgame Selbstakzeptanz predigte, zeigt dieser Film das Gegenteil: Macht ohne Moral. Quasi ein Spiegelbild der alten Hulk-Angst – nur in Uniform.

  • Blockbuster unterm Tannenbaum: Die 10 teuersten Weihnachtsfilme aller Zeiten

    Blockbuster unterm Tannenbaum: Die 10 teuersten Weihnachtsfilme aller Zeiten

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Weihnachtsfilme haben den Ruf, mit kleinen Mitteln zu funktionieren: ein Wohnzimmer, ein Baum, ein Familienessen, und fertig ist der Klassiker. Bei diesen zehn Titeln sieht das anders aus. Hier wurden Summen investiert, die sonst eher bei Superhelden, Sci-Fi-Epen oder historischen Schlachten landen.

    Die Millionen fließen in Kunstschnee, Fantasiewelten, Stars mit Spitzenhonoraren und digitale Tricks, die Schlitten und Geister so selbstverständlich wirken lassen sollen wie Raumschiffe in einem Blockbuster. Spannend ist, dass viele intime Lieblingsfilme der Feiertage deutlich billiger waren - ein Kevin - Allein zu Haus oder Gremlins wirkt im direkten Vergleich fast bescheiden. Genau das macht diese Rangliste reizvoll: Man merkt, wie sehr Studios darauf setzen, dass Weihnachten international als Marke funktioniert, die sich wie jeder andere Eventstoff aufblasen lässt. Ob es um Action am Flughafen, Motion-Capture-Experimente oder Romantik im Cottage geht - überall steckt die Vorstellung dahinter, dass Gefühle besser verkaufen, wenn sie in großen Bildern verpackt sind. Diese zehn Produktionen sind der Beweis dafür, wie teuer die Idee von Besinnlichkeit werden kann.

    10. Daddy’s Home 2 - Mehr Väter, mehr Probleme (2017), 69 Millionen US-Dollar

    Nach dem ersten Teil, in dem zwei Väter um die Gunst ihrer Kinder konkurrieren, zieht Daddy’s Home 2 das Chaos an Weihnachten komplett auf. Dieses Mal werden die Väter der Väter eingeflogen, und plötzlich stehen vier Männer, drei Generationen und eine ganze Kette ungelöster Konflikte vor dem Fest der Liebe. Die 69 Millionen Dollar stecken in der Starpower von Will Ferrell, Mark Wahlberg, Mel Gibson und John Lithgow, in großen Familiensets, winterlichen Locations und slapstickreichen Massenszenen. Der Film zeigt Weihnachten als emotional überladenen Ausnahmezustand, in dem jeder versucht, der bessere Papa zu sein, während die Kinder längst den Überblick verloren haben. Im Gegensatz zu einem Film wie The Holiday, der später in dieser Liste eher auf romantische Sehnsucht setzt, interessiert sich Daddy’s Home 2 vor allem für peinliche Eskalationen und zerstörte Fassaden. Teuer ist hier weniger die Magie, sondern der Versuch, aus familiären Neurosen ein regelrechtes Spektakel zu machen.

    9. Stirb Langsam 2 (1990), 70 Millionen US-Dollar

    John McClane verbringt zum zweiten Mal Weihnachten damit, Leben zu retten, statt in Ruhe Geschenke auszupacken. Dieses Mal sitzt er auf einem verschneiten Flughafen fest, während Terroristen die Kontrolle über den Luftraum übernehmen und seine Frau in einem der gefährdeten Flugzeuge sitzt. Die 70 Millionen Dollar Produktionskosten sieht man in Explosionen, Flugzeugstunts und der Größe des neuen Schauplatzes, der das Hochhaus des ersten Films deutlich toppt. Es ist ein Actionfilm mit Weihnachtsdeko, der sein Fest vor allem als ironische Kulisse nutzt, um den Kontrast zwischen „besinnlich“ und „brutal“ auszuspielen. Während Batman Returns später Weihnachten in eine düstere Comicoper verwandelt, bleibt Stirb langsam 2 bodenständiger und mechanischer, fast wie ein sorgfältig geölter Krawallapparat. Dass der Film trotzdem als Weihnachtsklassiker durchgeht, zeigt, wie stark das Setting wirken kann, selbst wenn im Zentrum eher Benzin als Besinnung steht.

    8. Der Grinch (2018), 75 Millionen US-Dollar

    In dieser animierten Version der Dr.-Seuss-Geschichte lebt Der Grinch als grünfelliger Einzelgänger in einer Höhle über Whoville und will mit dem überladenen Feiertagskitsch der Stadt nichts zu tun haben. Genervt von Lichterketten, Weihnachtsliedern und Dauerfröhlichkeit schmiedet er den Plan, Weihnachten einfach zu stehlen und die Bewohner um ihr großes Fest zu bringen. Die rund 75 Millionen Dollar mögen im Animationskontext vergleichsweise moderat sein, sie stecken aber in sorgfältig gestalteten Texturen, leuchtenden Farben und einer Stadt, die aussieht, als wäre sie aus Zuckerguss und Spielzeug gebaut. Die Figuren bewegen sich mit der typisch verspielten Energie eines Illumination-Films, inklusive kleiner Nebenfiguren, die schon nach wenigen Szenen im Gedächtnis bleiben. Während die Realverfilmung von Der Grinch mit praktischen Effekten und Jim Carrey auf körperliche Übertreibung setzt, wirkt Der Grinch in dieser Version runder, glatter und bewusst familienfreundlich. Das Herz der Geschichte bleibt gleich: Ein Außenseiter, der lernen muss, dass Zugehörigkeit nicht an Dekoration hängt.

    7. Batmans Rückkehr (1992), 80 Millionen US-Dollar

    Gotham liegt unter Schnee, große Weihnachtsbäume stehen auf Plätzen, und dennoch fühlt sich hier nichts warm an. Bruce Wayne kämpft als Batman gegen den deformierten Pinguin, der aus der Kanalisation auftaucht, und gegen Catwoman, die irgendwo zwischen Opfer, Rächerin und Versuchung schwebt. Die 80 Millionen Dollar flossen in Tim Burtons düstere Sets, aufwendige Kostüme, riesige Studiobauten und Spezialeffekte, die Gotham eher wie eine expressionistische Bühne als wie eine reale Stadt wirken lassen. Weihnachten ist in diesem Film ein kaltes, ironisches Ornament, das die Einsamkeit der Figuren nur stärker betont. Anders als Liebe braucht keine Ferien, das später warme Innenräume und romantische Schneelandschaften ins Zentrum stellt, nutzt Batmans Rückkehr das Fest, um Kontraste zu verstärken: zwischen Licht und Schatten, Familie und Ausgestoßenen. Es ist ein Weihnachtsfilm für Menschen, die die Feiertage nicht nur mit Kerzen, sondern auch mit ein bisschen Abgrund mögen.

    6. Liebe braucht keine Ferien (2006), 85 Millionen US-Dollar

    Amanda aus Los Angeles und Iris aus England sind beide emotional ausgebrannt und tauschen kurz vor Weihnachten kurzerhand ihre Häuser. Amanda landet im verschneiten Cottage, Iris in einer luxuriösen Villa, und beide müssen sich in neuen Umgebungen, neuen Beziehungen und alten Mustern zurechtfinden. Die 85 Millionen Dollar sind weniger in Effekte als in Atmosphäre und Starcast geflossen: Cameron Diaz, Kate Winslet, Jude Law und Jack Black tragen eine Liebesgeschichte, die sich über Kontinente erstreckt und trotzdem sehr intim erzählt wird. Jeder Raum sieht aus wie aus einem Wohnmagazin, jede Nebenfigur ist mit einer liebevollen Mini-Biografie ausgestattet. Im Vergleich zu Daddy’s Home 2, das Weihnachten als chaotische Familienarena zeigt, inszeniert Liebe braucht keine Ferien das Fest als Chance zum Runterfahren, zum Innehalten und zum behutsamen Neuanfang. Teuer ist hier der Traum, dass man sein Leben einfach für ein paar Wochen tauschen kann und dabei genau die Menschen findet, die man gebraucht hätte, ohne es zu wissen.

    5. Der Nussknacker und die vier Reiche (2018), 120 Millionen US-Dollar

    Clara erhält in Die Nussknacker und die vier Reiche von ihrer verstorbenen Mutter eine verschlossene Schatulle und findet den Schlüssel in einer anderen Welt, die sich hinter einem Weihnachtsbaum verbirgt. Dort stößt sie auf vier Reiche - Süßigkeiten, Blumen, Schnee und ein viertes, bedrohliches Reich -, zwischen denen ein fragiles Gleichgewicht herrscht. Die 120 Millionen Dollar verwandeln den klassischen Ballettstoff in ein visuell überwältigendes Fantasy-Spektakel, in dem jedes Kostüm, jede Halle, jede Landschaft wie ein eigenes Gemälde wirkt. Musik, Tanz und digitale Effekte verschmelzen zu einer Traumlogik, die eher erlebt als vollständig verstanden werden will. Während The Polar Express weiter oben die Reise an den Nordpol in konzentrierte, wiedererkennbare Motive packt, setzt dieser Film auf maximale Ornamentik und eine ganze Galerie an Schauwerten. Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, durch ein besonders opulentes Schaufenster gelaufen zu sein, hinter dem trotzdem eine einfache Geschichte vom Erwachsenwerden und vom Loslassen steht.

    4. Der Grinch (2000), 123 Millionen US-Dollar

    Ron Howards Realverfilmung schickt Jim Carrey als Der Grinch in ein Whoville, das wie eine Mischung aus Kinderbuch und Themenpark wirkt. Der grüne Miesepeter lebt abgeschottet in seiner Höhle, während die Bewohner der Stadt jedes Jahr lauter, bunter und konsumfreudiger feiern. Genervt von Lichterorgien und Geschenkbergen beschließt er, Weihnachten zu stehlen, stößt dabei aber auf die kleine Cindy Lou, die das Fest auf ihre ganz eigene, ernsthafte Art begreift. Die 123 Millionen Dollar sieht man in den detaillierten Sets, den aufwendigen Prothesen, den Massen an Statisten und in der Energie, die Carrey in jede Szene wirft. Der Film ist laut, schrill und körperlich, fast so, als würde ein Cartoon aus Fleisch und Blut bestehen. Im Gegensatz zu der animierten Version Der Grinch fühlt sich hier alles greifbar und anstrengend an, vom Kostüm bis zur Dekoration. Gerade dadurch sticht am Ende der einfache Gedanke heraus, dass Weihnachten nicht in Paketen steckt, sondern in der Bereitschaft, jemanden mit reinzulassen.

    3. Der Polarexpress (2004), 170 Millionen US-Dollar

    Ein Junge, der beginnt, am Weihnachtsmann zu zweifeln, wird in der Nacht vor Heiligabend von einem geheimnisvollen Zug abgeholt, der ihn zum Nordpol bringen soll. Auf der Fahrt erlebt er waghalsige Momente auf vereisten Brücken, trifft andere Kinder und rätselhafte Figuren, die alle etwas mit seiner inneren Unsicherheit zu tun haben. Die 170 Millionen Dollar machten Der Polarexpress zum damals teuersten Animationsprojekt und flossen in aufwendige Motion-Capture-Technik, detailreiche Umgebungen und Effekte, die den Zug fast wie ein eigenes Lebewesen erscheinen lassen. Die Optik bewegt sich an der Grenze zum Unheimlichen, was dem Film einen eigenartigen, traumartigen Charakter verleiht. Während Eine Weihnachtsgeschichte später dieselbe Technik nutzt, um moralische Abgründe zu beleuchten, konzentriert sich Der Polarexpress stärker auf ein Gefühl von Schwebe zwischen Kindheit und Erwachsensein. Teuer ist hier der Versuch, Zweifel sichtbar zu machen - als Schneesturm und als ferne Glocke, deren Klang man nur hört, wenn man noch glauben will.

    2. Disneys Eine Weihnachtsgeschichte (2009), 200 Millionen US-Dollar

    Ebenezer Scrooge ist ein geiziger, verbitterter Geschäftsmann, der Weihnachten verachtet und seine Mitmenschen wie Störfaktoren behandelt. In der Nacht besucht ihn zunächst der Geist seines verstorbenen Partners, dann die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht, die ihm zeigen, was aus seinem Leben geworden ist und wohin es führt. Die 200 Millionen Dollar von Eine Weihnachtsgeschichte stecken in einer Motion-Capture-Inszenierung, die London zur Geisterbahn macht: Kamerafahrten rasen durch Straßen, Häuser und Erinnerungen, Figuren verändern ihre Gestalt, und Jim Carrey spielt gleich mehrere Rollen, vom Scrooge bis zum Geist. Die Technik erlaubt extreme Perspektiven und albtraumhafte Bilder, die die moralische Reise härter wirken lassen als in vielen klassischen Verfilmungen. Wo Der Polarexpress einige Jahre zuvor eher auf melancholische Magie setzte, findet Eine Weihnachtsgeschichte in dieser Version einen deutlich finstereren Ton und konfrontiert seine Hauptfigur fast gnadenlos. Am Ende steht ein Mann, der sich ändern will, und ein Film, der zeigt, wie teuer es sein kann, eine alte Geschichte radikal neu zu bebildern.

    1. Red One - Alarmstufe Weihnachten (2024), 250 Millionen US-Dollar 

    In Red One arbeitet Callum Drift als Sicherheitschef am Nordpol, bis der Weihnachtsmann entführt wird und eine Rettungsmission gestartet werden muss, die mehr an Agenten- und Superheldenfilme erinnert als an klassische Festtagskost. Dwayne Johnson als Callum und Chris Evans als prominenter Unterstützer tragen eine Geschichte, in der Wichtel, Fabelwesen und Action-Setpieces miteinander konkurrieren. Mit einem Budget von rund 250 Millionen Dollar sprengt der Film alle Dimensionen, die man bisher mit Weihnachtskino verbunden hat, und gehört generell zu den teuersten Produktionen seiner Zeit. Man sieht es den vielen Greenscreen-Szenen, den großen Schauplätzen und der Fülle an Effekten an, auch wenn nicht jeder Shot so wirkt, als sei er mit dieser Summe entstanden. Red One wirkt wie der Versuch, Weihnachten endgültig in die Liga der globalen Markenuniversen zu holen. Es ist weniger ein Film über ein Fest, sondern ein Action-Franchise, das zufällig Schlitten, Mützen und Mythen im Gepäck hat und dafür mehr Geld bekommen hat, als manch anderer Stoff jemals sehen wird.

  • „Mortal Kombat 2“: Woher wir den Cast kennen

    „Mortal Kombat 2“: Woher wir den Cast kennen

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Mortal Kombat ist mehr als ein Computerspiel und mehr als eine Reihe von Verfilmungen. Es ist ein eigener Arcade-Kosmos, ein von Ed Boon und John Tobias entwickeltes Universum zwischen Mythos und Brutalität, zwischen Magie und Blut, zwischen Ritual und Körperlichkeit. Seit der Veröffentlichung des ersten Spiels im Jahr 1992 hat sich Mortal Kombat zu einem globalen Kulturphänomen entwickelt, das Generationen geprägt hat: visuell, erzählerisch und durch seine kompromisslose Ästhetik.

    Über die Jahre entstanden mehrere filmische Umsetzungen, die den Kern dieser Welt jeweils auf ihre eigene Weise interpretierten, zuletzt der Reboot von Regisseur Simon McQuoid, der die Vorlage zeitgemäß und atmosphärisch neu verhandelte. Mit Mortal Kombat 2, produziert unter anderem von James Wan, wird dieser Ansatz weitergeführt und um zentrale Figuren erweitert, die seit Jahrzehnten zu den ikonischen Konstanten des Franchise gehören. Wir werfen einen Blick auf die Besetzung und darauf, woher man die Schauspielerinnen und Schauspieler kennt.

    1. Lewis Tan (Cole Young)

    In Mortal Kombat 2 spielt Lewis Tan die Figur des Cole Young. Das Besondere an seiner Performance ist, dass er dem Charakter eine bemerkenswert konzentrierte innere Spannung gibt. Tan übertreibt nicht. Vielmehr arbeitet er mit reduzierter Mimik. Er arbeitet sich an der Substanz der Rolle hervor und gibt den Charakter wieder wie jemanden, der seinen Platz erst finden will und genau deshalb so glaubwürdig wirkt. Bereits im Reboot Mortal Kombat (2021) hat Tan diese Figur etabliert, nun vertieft er sie spürbar.

    Man kennt Tan aus Into the Badlands (2015-2019), wo er schon damals Kampfkunst als erzählerische Linie spielte, aus Deadpool 2 (2018), wo er lakonische Ruhe bewies, aus Wu Assassins (2019) und Shadow and Bone (2021-2023, wo er Figuren präzise über Haltung definierte. Seine Stärke liegt darin, physische Energie mit emotionaler Dichte zu verbinden. Mortal Kombat 2 nutzt das konsequent.

    2. Hiroyuki Sanada (Scorpion / Hanzo Hasashi)

    Die Rolle des Scorpion wird in Mortal Kombat 2 von Hiroyuki Sanada verkörpert, und er schafft es nicht nur, reinen Fanservice zu bedienen und die ikonischen Momente dieser Seminal-Figur präzise herauszuarbeiten, sondern denkt die Figur tatsächlich weiter. In Mortal Kombat (2021) setzte Sanada den Grundton für diesen Scorpion. Er gibt er ihm noch mehr emotionale Fallhöhe. Was Sanadas Scorpion von der Version im Computerspiel unterscheidet, ist eine zusätzliche menschliche Fallhöhe: Er spielt ihn nicht als bloßes Symbol der Rache, sondern als Mann, der von Verlust, Verantwortung und einer tief sitzenden spirituellen Unruhe getrieben wird.

    Bekannt ist Sanada aus The Last Samurai (2003), wo er Würde und Tragik verbunden hat, aus Avengers Endgame, wo er in wenigen Minuten Präsenz schuf, aus 47 Ronin (2013) und John Wick Kapitel 4 (2023), wo seine Körperlichkeit genauso präzise wie seine Stille war. Seine größte Stärke liegt darin, Figuren über Gravitas zu definieren. Mortal Kombat 2 baut genau darauf.

    3. Adeline Rudolph (Kitana)

    Eine tolle Besetzung ist auch Adeline Rudolph in der Rolle der Kitana, die sie mit einer bemerkenswerten Eleganz spielt. Klar, Kitana ist zu großen Teilen eine Kriegerin, aber Rudolph verleiht der Figur mehr: eine gefährliche, fast schon explosive Mischung aus Ruhe, Präzision und unterschwelliger Bedrohlichkeit. Sie macht Kitana zu einer Schlüsselfigur im Mortal-Kombat-Kosmos und schafft es, jene innere Spannung greifbar zu halten, aus der die Figur ihre Kraft bezieht. Nichts an ihrer Darstellung wirkt ornamental oder überzeichnet. Stattdessen baut sie Kitana als Persönlichkeit auf, die zugleich strategisch denkt und emotional verwundbar bleibt, was der Figur eine Tiefe gibt, die man aus der Spielvorlage so nicht kennt. Auch wenn Rudolph zum ersten Mal in der Mortal-Kombat-Filmreihe auftaucht, wirkt sie, als wäre ihre Kitana schon lange Teil dieser Welt.

    Man kennt Rudolph aus Chilling Adventures of Sabrina (2018-2020), wo sie ähnliche Schärfe zeigte, aus Resident Evil (2022), wo sie Eleganz mit Gefahr verband, und aus The School for Good and Evil (2022). Ihre Stärke liegt darin, Figuren über Haltung zu definieren, nicht über Lautstärke. Mortal Kombat 2 gibt ihr den Raum, genau das auszuspielen.

    4. Ana Thu Nguyen (Sindel)

    Ana Thu Nguyen ist perfekt in der Rolle der Sindel, denn sie setzt nicht auf Überzeichnung oder die oft karikaturhafte Schärfe der Vorlage, sondern unterlegt ihre Darstellung mit einer stillen, beinahe introspektiven Wucht, die die Geschichte ihrer Figur noch deutlicher macht. In der Filmreihe ist sie neu dabei, aber sie fügt sich ein, als hätte sie das Mortal-Kombat-Vokabular schon jahrelang im Blut.

    Zu sehen war Nguyen unter anderem in The Spy Who Never Dies und Suka, wo sie bereits Figuren spielte, deren inneren Konflikte wichtiger waren als deren Lautstärke. Ihre Stärke liegt in kontrollierter Intensität, einer Art atmosphärischer Präzision. Mortal Kombat 2 macht daraus ein zentrales Element des Gefüges. Nguyen lässt Sindel mit einer stummen Kraft auftreten, die weit intensiver wirkt als jede Effektspitze … und das macht ihren Charakter so interessant.

    5. Mehcad Brooks (Jax)

    Mehcad Brooks hat ganz genau verinnerlicht, was das entscheidende Charakteristikum seiner Figur Jax ist. Anstatt ihn als bloßen Muskelprotz oder klassisches „Powerhouse“ darzustellen, verleiht er ihm eine Haltung, die von Erfahrung, Schmerz und Disziplin geprägt ist. In Mortal Kombat (2021) legte Brooks den Grundstein für diese Interpretation – in der Fortsetzung vertieft er die Figur emotional. Er spielt Jax nicht als jemanden, der Stärke zeigt, weil er es kann, sondern als jemanden, der Stärke zeigt, weil er sonst auseinanderfallen würde. Das macht den Unterschied.

    Bekannt wurde Brooks durch Supergirl (2015-2021), wo er zwischen Idealismus und Trauma balancierte, durch True Blood (2008-2014), wo er Charisma und Verwundbarkeit verbinden konnte, und durch Desperate Housewives (2004-2012). Seine Stärke liegt darin, Figuren glaubhaft menschlich zu machen, selbst wenn ihre Körperlichkeit übermenschlich ist. Mortal Kombat 2 profitiert enorm von diesem Ansatz.

    6. Tadanobu Asano (Raiden)

    Wie spielt man einen Charakter wie Raiden? Na, natürlich mit einer gehörigen Brise stoischer Gelassenheit, einem Hauch entrückter Mystik – und der Fähigkeit, jeden Raum zu dominieren, ohne überhaupt die Stimme heben zu müssen. Genau das bringt Tadanobu Asano mit. Als Raiden war er bereits in Mortal Kombat (2021) der ruhende Pol der Erzählung; in der Fortsetzung wird seine Rolle noch klarer als moralische wie kosmische Konstante etabliert. Bei Raiden handelt es sich schließlich um eine Schlüsselfigur der Mortal-Kombat-Saga, eine Figur, die zwischen den Welten steht und deren Entscheidungen buchstäblich Universen beeinflussen können.

    Asano sah man in Ichi the Killer (2001), wo er eine radikale Intensität zeigte, in Zatoichi, wo er Ruhe mit Spannung verband, und in der Thor-Reihe (2011-2017). Seine große Stärke liegt in dieser einzigartigen Kombination aus Understatement und Präsenz. Mortal Kombat 2 nutzt das als Stabilitätsanker.

    7. Ludi Lin (Liu Kang)

    Ein weiterer wichtiger Mortal-Kombat-Charakter ist Liu Kang … und Ludi Lin gibt ihm genau das, was er braucht, um wirklich substanziell rüberzukommen. Er hatte die Rolle bereits in Mortal Kombat (2021) geprägt, und Mortal Kombat 2 erlaubt ihm, Liu Kangs innere Spannung noch klarer herauszuarbeiten. Lin zeigt einen Mann, der zwischen spiritueller Gelassenheit und innerem Druck balanciert, ohne jemals ins Klischee abzurutschen. Sein Liu Kang wirkt wie jemand, der Verantwortung nicht einfach trägt, sondern verkörpert – sie sitzt ihm in den Schultern, in der Haltung, im Blick. Seine Fights sind präzise, sauber gesetzt, fast schon chirurgisch. Aber: da ist diese Ruhe.

    Bekannt ist Lin aus Power Rangers (2017), wo er Körperlichkeit und Idealismus verschmolz, aus Aquaman (2018), wo er Charisma zeigte, und aus Marco Polo (2014-2016). Lins Stärke liegt darin, physische Rollen emotional zu verankern, eine Fähigkeit, von der Mortal Kombat 2 massiv profitiert.

    8. Karl Urban (Johnny Cage)

    Kein Mortal Kombat ohne Johnny Cage. Cage ist der Entertainer, der alte Haudegen und zugleich der unberechenbare Funken, der der ganzen Spielereihe immer jene Portion Übermut und Glamour gegeben hat, die sie gebraucht hat, um nicht nur brutal, sondern ikonisch zu sein. Genau das setzt Mortal Kombat 2 sehr bewusst um und Karl Urban trifft den Ton erstaunlich exakt. Da Urban erstmals im Franchise auftaucht, hat er den Vorteil, Cage ohne Vergleichslast neu zu setzen  und nutzt das sofort. Urban macht aus Cage keinen Klamauk, sondern einen Mann, der sein eigenes Image fast schon professionell managt: Showman nach außen, Kontrollverlust nach innen.

    Urban kennt man aus The Boys (2019), wo er Intensität und Humor verband, aus Dredd (2012), wo er reduzierte Ausdruckskraft perfektionierte, aus Star Trek (2009) und Thor Ragnarok (2017). Seine Stärke liegt im Timing, in diesem präzisen Spiel auf der Linie zwischen Coolness und Tragweite. Mortal Kombat 2 trifft mit ihm ins Schwarze.

    9. Tati Gabrielle (Jade)

    Tati Gabrielle spielt Jade mit einer Art fokussierter Klarheit, die sofort greift; so präzise, dass man das Gefühl hat, sie schneidet sich durch jede Szene wie durch dichter werdende Luft. Keine Nebenfigur, kein Schatten anderer. Sie steht für sich. Eine Kraft auf eigenen Beinen. Eine Frau, die nicht zufällig kämpft, sondern weil in ihr etwas brennt, das lange vor der Story angefangen hat zu glühen. Gabrielle ist neu im Mortal-Kombat-Kosmos, aber sie wirkt, als würde Jade seit Jahren zu ihrer inneren Frequenz gehören. Gabrielle hat diese fließende, kontrollierte Intensität, die man nicht lernen kann. Ein Puls unter der Oberfläche. Mal ruhig, mal geladen, aber immer wach. Ihre Jade wirkt wie jemand, der in jedem Moment abwägt, jede Loyalität prüft, bevor sie sie ausspricht. Keine Pose. Eine Überzeugung. Ein stiller Schwur.

    Man kennt Gabrielle aus You, wo sie Kontrolle zur Waffe gemacht hat, aus The 100 (2018), wo jede Entscheidung ein Überlebenstest war, und aus Chilling Adventures of Sabrina (2018-2020). Ihre Stärke: Figuren über mentale Schärfe zu definieren, über innere Ordnung im äußeren Chaos. Mortal Kombat 2 gibt ihr Raum und sie füllt ihn so selbstverständlich, als wäre er schon immer ihrer gewesen.

    10. Martyn Ford (Shao Kahn)

    Martyn Ford macht Shao Kahn zu einer Kraft, die den Film nicht nur physisch, sondern strukturell verändert. Er spielt ihn als Herrscher, der Macht nicht performt, sondern atmet. Ford ist neu in der Filmreihe, aber seine Interpretation wirkt, als hätte der Mortal-Kombat-Mythos diese Lesart von Kahn längst vorgesehen. Ford nutzt seine imposante Erscheinung nicht für leere Einschüchterung, sondern für eine Art strategische Präsenz, die zeigt, dass Kahn den Krieg längst durchdacht hat, bevor der erste Schlag fällt. Seine Darstellung hebt die Figur aus dem reinen Endgegner-Modus und macht sie zu einer echten Bedrohung, glaubhaft, klar, analytisch.

    Ford sah man unter anderem in Boyka Undisputed (2016), Final Score (2018) und F9 (2021), wo er ebenfalls Figuren verkörperte, die physische Dominanz mit psychologischer Struktur verbanden. Seine Stärke ist diese seltene Mischung aus Kraft und Intellekt. Mortal Kombat 2 nutzt sie konsequent.

  • The Beatles: Zehn unverzichtbare Filme, die dir das Warten auf die Biopics verkürzen

    The Beatles: Zehn unverzichtbare Filme, die dir das Warten auf die Biopics verkürzen

    Oliver Baumgarten

    Oliver Baumgarten

    JustWatch-Editor

    Sony nennt es „das erste binge-fähige Kinoerlebnis”: Voraussichtlich im April 2028 kommen vier Beatles-Biopics zum selben Zeitpunkt in die Kinos. Die Filme erzählen die Geschichte der Fab Four jeweils aus der Perspektive von John, Paul, George und Ringo. 

    Regisseur Sam Mendes, Oscargewinner für American Beauty und Schöpfer von Skyfall und Spectre, wird dieses in der Geschichte des Kinos einmalige Film-Quadrupel inszenieren. Eine faszinierende Vorstellung, wie auf diese multiperspektivische Weise die Geschichte der wohl legendärsten Pop-Band aller Zeiten erzählt werden wird. Bis es soweit ist, müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden. Um die Zeit sinnvoll zu überbrücken und langsam die Spannung auf dieses Beatles-Filmereignis aufzubauen, geben wir Euch im Folgenden den perfekten Guide zur Hand: zehn unverzichtbare Filme von, mit und über The Beatles – in chronologischer Reihenfolge und mit detaillierten Hinweisen, wo es sie zu sehen gibt.

    1. Yeah! Yeah! Yeah! (1964)

    Im Original heißt der Film wie das dazugehörige Album A Hard Day’s Night, was eine wesentlich bessere Idee davon vermittelt, was im 1964 entstandenen Film passiert. Dort nämlich wird auf fiktionalisierte und ironisierte Weise ein Tag im Leben der Beatles erzählt, der schon damals von der grassierenden „Beatlemania” gesteuert war. Das Wunderbare daran: Es ist eben kein Dokumentarfilm, sondern ein satirischer Spielfilm, in dem sich die vier Beatles selbst darstellen. Dank Regisseur Richard Lester ist der Schwarzweißfilm von einem fantastischen Surrealismus geprägt und gründete mit seiner Art der filmischen Gestaltung von Konzerten sowie seiner frech-lustigen Inszenierung der Stars den modernen Musikfilm. Noch heute also vermögen die 88 Minuten zu begeistern und das in einer hochwertig restaurierten und digitalisierten Fassung.

    2. Hi-Hi-Hilfe! (1965)

    Nach dem enormen Erfolg von Yeah! Yeah! Yeah! legten die Beatles gemeinsam mit Regisseur Richard Lester nur ein Jahr später mit einem neuen Film nach – wieder im Einklang mit der Veröffentlichung eines Studioalbums, ihres insgesamt fünften. Sieben Songs des Albums „Help!” sind in den neuen, 92-minütigen Film eingearbeitet. Wie schon der Film zuvor, so zeugt auch das Konzept von Hi-Hi-Hilfe! von cleverem und modernem Marketing. Doch beide Filme sind weit mehr als nur Verkaufsvehikel. Dank Richard Lester und seiner markanten Handschrift, deren schräger Witz sich mit dem Humor der Beatles auf wunderbare Weise verbindet, sind filmisch noch heute hervorragend funktionierende kleine Perlen entstanden. Auch der in Farbe gedrehte Hi-Hi-Hilfe! weist eine enorme Ideenfülle auf. Allein die Ausstattung der vier Liverpooler Reihenhäuser, in denen die Beatles im Film wohnen, ist grandios: Sie gehen alle ohne Wand ineinander über, sind farblich variiert wie ein Regenbogen und mit herrlich absurden figurentypischen Gimmicks ausgestattet. Die verrückte Handlung rund um einen Ring, den eine Sekte von Ringos Finger klauen will, tut ihr übriges, um auch heute noch blendend zu unterhalten.

    3. Wie ich den Krieg gewann (1967)

    Richard Lester zum Dritten: Die Beatles verstanden sich von Beginn an blendend mit dem Regisseur, was dazu führte, dass er auch in eigenständigen Filmen auf ihre Mitwirkung nicht verzichten musste. Für einen seiner bekanntesten Filme konnte er also den Pazifisten John Lennon dazu überzeugen, eine der tragenden Rollen zu übernehmen. Wie ich den Krieg gewann (1967) ist eine beißende und vor Ideen strotzende Satire gegen den Krieg und gleichsam gegen die mediale Aufarbeitung von Krieg. Es ist ein Anti-Antikriegsfilm, wenn man so will, und ist erneut geprägt vom surrealistischen, humoristischen und parodistischen Geist Richard Lesters. Der Film ist nicht nur eine Genreparodie, sondern kündigt dem (Anti-)Kriegsfilmgenre geradezu dessen Existenzberechtigung auf. Der lyrische, fast dadaistische Nonsens, den die Figuren sprechen, ist gar nicht mal immer zwingend komisch, sondern einfach nur offen nichtssagend – so nichtssagend wie die im Dialog aufbereitete Anklage sinnloser Gewalt in gewalttätigen Filmen. Auch heute noch ein meisterhaftes Feuerwerk an Zitaten, Geschmacklosigkeiten, Gags und visuellen Spielereien.

    4. Yellow Submarine (1968)

    Nur ein Jahr später stehen im nächsten Film wieder alle vier Beatles im Mittelpunkt. Der bis heute betörende, psychedelisch anmutende Animationsfilm Yellow Submarine (1968) erzählt in 90 knallbunten Minuten die abenteuerliche Geschichte eines U-Bootes und dessen Besatzung (die Beatles), die gegen böse und sich gegen das Musische wendende Mächte kämpft. Der Film ist ein visuell begeisterndes Stück Pop-Art, dessen künstlerische Leitung der deutsche Grafiker Heinz Edelmann verantwortete. Viel künstlerischen Input haben die Beatles selbst wohl nicht gegeben, dafür acht ihrer Hitsongs sowie drei neue Songs zur Verfügung gestellt, um so für einen weiteren unsterblichen Klassiker des Films zu sorgen.

    5. Let It Be (1970)

    Michael Lindsay-Hoggs Dokumentarfilm Let It Be (1970) sollte ursprünglich die Band, in der es zu kriseln begonnen hatte, dabei zeigen, wie sie wieder zu Gemeinsamkeit findet und für ein großes Konzert probt. Am Ende wurde der Film jedoch unfreiwillig zum Dokument der schleichenden Bandauflösung. Zwar endet der Film tatsächlich mit dem berühmten „Rooftop Concert" und den letzten als Band veröffentlichten Songs, aber er markiert eben auch das Ende der größten Popband aller Zeiten. Der aus diesem Hintergrund heraus sowieso schon extrem spannende Film, dessen 81 Minuten lange Schnittversion sich eben auch aus den Befindlichkeiten jener Zeit erklärt, hat seit 2021 sogar noch an Faszination gewonnen. In dem Jahr nämlich kam Peter Jacksons Dreiteiler The Beatles: Get Back bei Disney+ heraus mit einer Gesamtlänge von nicht weniger als 468 Minuten. Peter Jackson hatte die über 50 Stunden Originalmaterial von Lindsay-Hogg gesichtet und sie neu montiert (und natürlich restauriert). Entstanden ist eine faszinierende historische Perspektive auf diese letzte Phase der Beatles und damit natürlich auch ein spannender Kommentar auf den Originalfilm Let It Be. Denn nun zu sehen, welches Material Lindsay-Hogg damals in Rücksprache mit den Beatles aus dem Film herausgehalten hatte, erlaubt faszinierende Rückschlüsse auf damalige Dynamiken.

    6. Das Leben des Brian (1979)

    Was hat der Kultfilm der Comedy-Truppe Monty Python mit den Beatles zu tun? Eine ganze Menge, denn ohne das Engagement von George Harrison wäre dieser absolute Meilenstein der Filmkomödie nicht entstanden. Python-Mitglied Eric Idle erzählt diese Geschichte immer wieder: Wie die Vorproduktion des Films schon gelaufen war und die Dreharbeiten vor der Tür standen und wie dann die Geldgeber das Drehbuch doch zu anstößig fanden und kurzfristig ausstiegen. Idle erzählte seinem Freund George Harrison davon, der umgehend die Produktionsfirma HandMade Films gründete und die fehlenden vier Millionen Dollar für die Produktion bereitstellte. Der Grund: Er wollte den Film unbedingt sehen. Mit HandMade Films produzierte Harrison auch in den Jahren danach zahlreiche englische Klassiker, darunter immer wieder Filme von und mit Ex-Python-Mitgliedern wie Time Bandits (1981) oder Magere Zeiten (1984).

    7. The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years (2016)

    Ron Howard, Oscar-Gewinner für die Regie von A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn (2001), widmete sich in diesem Dokumentarfilm der Geschichte der Beatles-Livekonzerte und damit der Zeit zwischen den Hamburger Star-Club-Auftritten 1962 und einer anstrengenden Asien-Tour 1966. In lediglich diesen fünf Jahren hat die Band überhaupt live gespielt (mit Ausnahme des einmaligen „Rooftop Concert", mit dem der Film Let It Be endet). Das schnell zunehmende Ausmaß der Beatlemania, das unter anderem zu einem ohrenbetäubenden Lärmpegel bei den Konzerten führte, sowie eine Reihe turbulenter Ereignisse während der Tour 1966 führte die Vier zum Entschluss, keine Konzerte mehr zu spielen. Ron Howard erzählt mit teils erstmals veröffentlichten Bootleg-Aufnahmen über 106 Minuten von diesem speziellen Kapitel der Bandgeschichte.

    8. Yesterday (2019)

    Eine der schönsten filmischen Würdigungen der Beatles gelang Danny Boyle mit Yesterday (2019). Darin erwacht ein erfolgloser Singer-Songwriter nach einem Unfall während eines mysteriösen Stromausfalls aus der Bewusstlosigkeit in einer Welt, die sich nur durch ein Detail von der ihm bekannten unterscheidet: Es hat die Beatles nie gegeben. In Windeseile macht er sich also daran, aus dem Kopf alle Beatles-Hits zu reproduzieren und unvorstellbaren Erfolg einzufahren. Zahllose lustige Einfälle, ein irres Song-Battle mit Ed Sheeran, herrliche Romantic-Comedy-Momente sowie eine eigenwillige Wiederaufführung des „Rooftop Concert“ machen die 116 Minuten nicht nur für Beatle-Fans zu einem besonderen Filmerlebnis.

    9. Beatles ’64 (2024)

    Produziert u.a. von Martin Scorsese sowie Paul McCartney und Ringo Starr, geht Regisseur David Tedeschi in diesem Dokumentarfilm der Frage nach, welchen kulturellen Einfluss der Beatles auf die USA genommen haben, als sie 1964 erstmals mit einer Tournee dort für Furore gesorgt hatten. Anders also als Let It Be oder The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years bietet Beatles ’64 (2024) einen gesellschaftspolitischen Blick aus Perspektive der USA auf das Beatles-Phänomen. Entsprechend kommen nicht nur Beatles-Mitglieder zu Wort, sondern auch kulturpolitische Personen und Kulturschaffende wie David Lynch und Smokey Robinson. Das historische Filmmaterial wiederum besteht u.a. aus Fernsehsendungen wie der „Ed Sullivan Show“ und basiert in erster Linie auf Dokumentarfilmmaterial, das Albert und David Maysles 1964 drehten. Die beiden Pioniere des Direct Cinema hatten die Beatles 1964 begleitet und ihr Material als What’s Happening! The Beatles in the USA 1965 im Kino veröffentlicht.

    10. The Beatles: Anthology (1995-2025)

    1995 ursprünglich mit acht Folgen konzipiert, wurde die Dokuserie 2025 um eine weitere Folge erweitert und von Peter Jacksons Postproduktionsfirma auf den neuesten digitalen Klang- und Bildstand gebracht. Anders als die anderen dokumentarischen Formate dieser Liste strebt The Beatles: Anthology (1995-2025) eine die gesamte Karriere und Wirkung umfassende Darstellung des Beatles-Phänomens an. So etwa thematisiert die neue neunte Folge die Entstehung der Anthology-Reihe selbst und schließt damit einen 1960 beginnenden Bogen. Wer also an einem allgemeinen Gesamtüberblick über Schaffen und Wirken der Band interessiert ist, findet in der Serie The Beatles: Anthology einen idealen Einstieg, der sich mit den anderen erwähnten Filmen vertiefen lässt.

  • Ho ho ho – und Ka-Ching! Das sind die 10 umsatzstärksten Weihnachtsfilme

    Ho ho ho – und Ka-Ching! Das sind die 10 umsatzstärksten Weihnachtsfilme

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Weihnachtsfilme verbindet man eher mit Kerzenschein als mit Kassenstürzen. Aber genau darum geht es in diesem Ranking: um die Filme, die an Weihnachten nicht nur Herzen, sondern vor allem auch Kinokassen erobert haben. Diese zehn Titel haben weltweit so viel Geld eingespielt, dass man sie eher in der Liga der Blockbuster als im Kreis der stillen Fernsehabende einordnen muss. 

    Zum Vergleich: Selbst Filme wie Avatar, der als Maßstab für globalen Kinoerfolg gilt, zeigen, wie gnadenlos Zahlen im Unterhaltungsgeschäft zählen - und genau in diesem Maßstab bewegen sich auch diese Weihnachtsfilme, nur eben mit Tannenbaum statt Raumschiff. Hier wird deutlich, wie aus besinnlichen Geschichten globale Events wurden, die Millionen Menschen gleichzeitig ins Kino gezogen haben. Manche dieser Filme sind dadurch zu Klassikern gereift, andere vor allem zu Kassenschlagern, und oft fällt beides zusammen. Dieses Ranking erzählt also nicht nur, was wir uns gerne jedes Jahr wieder ansehen, sondern auch, welche Weihnachtsfilme finanziell wirklich gewonnen haben.

    10. Buddy – Der Weihnachtself (2003), ca. 225 Mio. US-Dollar

    Buddy wächst am Nordpol bei Weihnachts-Elfen auf, ohne zu wissen, dass er in Wahrheit ein Mensch ist. Als er erwachsen wird, macht er sich im knallgrünen Outfit auf nach New York, um seinen leiblichen Vater zu finden - einen überarbeiteten Kinderbuchverleger, der so gar nichts mit Weihnachtszauber anfangen kann. Buddy – Der Weihnachtself verbindet Fish-out-of-water-Slapstick mit erstaunlich warmem Kern: Zwischen Sirupnudeln, eskalierenden Kaufhaus-Santas und spontanen Schneeballschlachten blitzt immer wieder echte Einsamkeit durch. Will Ferrell spielt Buddy nicht als Witzfigur, sondern als naiven Gläubigen, der diese Stadt zwingt, kurz an Freundlichkeit zu glauben. Während ein Ensemblefilm wie Tatsächlich… Liebe viele Liebesgeschichten parallel auffächert, konzentriert sich Buddy komplett auf einen einzigen, sehr kindlichen Blick auf Weihnachten, und gerade diese Einfältigkeit macht den Film so quotentauglich, dass er sich Jahr für Jahr ins Weihnachtsschema der Sender und Streamer brennt.

    9. Stirb langsam 2 (1990), ca. 240 Mio. US-Dollar 

    Schneechaos, vollgestopfter Flughafen und Menschen wollen nach Hause zu ihren Familien -  und mitten drin wieder John McClane, der als Einziger merkt, dass ein Haufen Söldner gerade die Kontrolle über den Luftraum übernimmt. Stirb langsam 2 verlegt das Prinzip des ersten Teils vom Hochhaus aufs Rollfeld: Statt durch Lüftungsschächte robbt McClane jetzt über Flugzeugflügel, während seine Frau im Anflug über Washington D.C. kreist. Der Film ist lauter, größer, explosionsfreudiger und zeigt sehr klar, wohin Actionkino der frühen 90er wollte: mehr Spektakel, mehr Einzeiler, mehr Kerosin. Trotzdem bleibt der Kern klassisch: ein erschöpfter Typ, der eigentlich nur in Ruhe Weihnachten feiern will und doch wieder der Einzige ist, der sich bewegt. Wo Batmans Rückkehr die dunkle Seite des Festes mit Comic-Groteske verbindet, setzt Stirb langsam 2 auf blanke, schwitzige Panik – und macht damit aus der „Ist das wirklich ein Weihnachtsfilm?“-Debatte längst ein eigenes Feiertagsritual.

    8. Tatsächlich… Liebe (2003), ca. 245 Mio. US-Dollar

    Ein Premierminister verliebt sich in seine Angestellte, ein Schriftsteller in seine Haushälterin, ein Rockstar in sein Comeback – und irgendwo dazwischen steht ein kleiner Junge, der denkt, seine erste große Liebe zu verlieren. Tatsächlich… Liebe verschachtelt mehrere Episoden miteinander, alle kurz vor Weihnachten, alle mit einem leicht verschneiten London, das mehr nach Gefühl als nach Realität aussieht. Der Film lebt weniger von perfekter Dramaturgie als von Momenten: dem Pappkarton-Geständnis an der Haustür, dem verkorksten Weihnachtskonzert, der stummen Szene vor dem CD-Player. Dass daraus ein weltweiter Hit wurde, liegt daran, dass der Film Weihnachtskitsch nicht ironisch bricht, sondern offen auskostet. Zugleich erlaubt er sich bittere Noten, etwa in der Ehekrise von Emma Thompson und Alan Rickman. Im Gegensatz zu einem klar familienorientierten Spaß wie Buddy – Der Weihnachtself richtet sich diese Ensemble-Romcom spürbar an Erwachsene, die genau wissen, dass Liebe selten so sauber verläuft, wie Weihnachtsfilme es versprechen.

    7. Batmans Rückkehr (1992), ca. 267 Mio. US-Dollar

    In Gotham City liegt Schnee auf den Straßen, Lichterketten funkeln, und aus der Kanalisation steigt ein bitterböser Pinguin auf, um die heile Weihnachtskulisse der Stadt zu zerreißen. Batmans Rückkehr ist offiziell Superheldenkino, fühlt sich aber wie ein düsteres Wintermärchen an, in dem jeder Charakter emotional verbeult ist: Bruce Wayne sucht weiter nach einem Platz in der Welt, Selina Kyle verwandelt sich nach einem Sturz in den Wahnsinn in Catwoman, und der Pinguin ist das weggesperrte Kind, das mit Biss zurückkehrt. Tim Burton nutzt die Weihnachtsdekoration wie ein Gegenlicht, vor dem seine Außenseiter noch tragischer wirken. Während Stirb langsam 2 den Feiertag vor allem als Setting für Action nutzt, macht dieser Film Weihnachten selbst zum perversen Kontrast: Unter den funkelnden Bäumen lauern Trauer, Wut und Rachefantasien. Dass der Film trotzdem als Weihnachtsklassiker gehandelt wird, zeigt, wie sehr das Fest längst auch Projektionsfläche für unsere schrägsten Gefühle geworden ist.

    6. Der Polarexpress (2004), ca. 315 Mio. US-Dollar

    Ein namenloser Junge, der langsam aufhört, an den Weihnachtsmann zu glauben, wird mitten in der Nacht von einem geheimnisvollen Zug abgeholt. Der Polarexpress rauscht durch Wälder, über zugefrorene Seen und direkt bis an den Rand des Nordpols - weniger als Transportmittel, sondern mehr als Prüfstrecke für Vertrauen und Fantasie. Robert Zemeckis inszeniert das Ganze als Mischung aus Geisterbahn, Traum und Technikdemo: Die Motion-Capture-Figuren wirken heute ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber der emotionale Kern ist erstaunlich schlicht. Es geht darum, ob man sich als Kind noch traut, etwas zu glauben, das man nicht beweisen kann. Wo Der Grinch (2000) Weihnachten als bunt-chaotische Show der Whos inszeniert, nimmt sich Der Polarexpress Zeit für stille Bilder: eine Glocke, die nur diejenigen hören, die wirklich glauben, oder ein einsamer Junge im letzten Waggon. Diese Mischung aus Pathos und märchenhafter Schwere macht den Film zu einem Dauerbrenner im Familienprogramm und an der Kinokasse.

    5. Disneys Eine Weihnachtsgeschichte (2009), ca. 325 Mio. US-Dollar 

    Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten, Menschen und jede Art von Gefühlsduselei. An einem einzigen Abend bekommt er Besuch von drei Geistern, die ihn durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schleudern, bis auch der letzte Rest seiner emotionalen Abwehr bröckelt. Disneys Eine Weihnachtsgeschichte ist technisch ein Showstück: Robert Zemeckis treibt seine Performance-Capture-Obsession auf die Spitze, Jim Carrey spielt gleich mehrere Figuren, und die Kamera gleitet wie ein Geist durch viktorianische Gassen. Inhaltlich bleibt die Story natürlich Dickens-klassisch, doch der Film betont stärker die Albtraumhaftigkeit dieser Läuterung. Die Zukunftssequenz ist fast schon Horror. Im Gegensatz zum sanfteren Polarexpress, der mit Staunen arbeitet, will diese Version den Zuschauer ordentlich durchrütteln: Weihnachten ist hier nicht nur gemütlich, sondern eine Deadline für die eigene Menschlichkeit. Dass der Film trotzdem familienkompatibel blieb und weltweit so stark lief, zeigt, wie zeitlos die Geschichte vom mürrischen Mann ist, der sich in letzter Minute umentscheidet.

    4. Der Grinch (2000), ca. 346 Mio. US-Dollar 

    Hoch über Whoville wohnt ein grün behaartes, schlecht gelauntes Wesen, das Weihnachten so sehr hasst, dass es beschließt, das Fest einfach zu stehlen. Der Grinch in der Realfilmversion mit Jim Carrey verwandelt Dr. Seuss’ dünnes Kinderbuch in eine ausgewachsene, knallbunte Satire auf Konsumrausch und Kleinstadt-Heuchelei. Hinter der Gummimaske spielt Carrey ein überdrehtes Kind, das nie gelernt hat, mit Zurückweisung umzugehen, und das lieber Geschenke klaut, als seine Verletzlichkeit zu zeigen. Die Whos feiern währenddessen Weihnachten wie eine Mischung aus Wettbewerb und Lichtershow. Spannend ist, dass der Film trotz Lärm und Kitsch sehr klar sagt: Das Fest rettet niemanden, es sind die Entscheidungen der Menschen (und Grinches), die etwas verändern. Gegenüber dem animierten Der Grinch von 2018 wirkt diese Version ruppiger und chaotischer, fast ein bisschen aus den Fugen geraten -  vielleicht aber gerade deshalb für viele die definitive Inkarnation des miesepetrigen Weihnachtssaboteurs.

    3. Kevin – Allein in New York (1992), ca. 359 Mio. US-Dollar 

    Eigentlich wollte die Familie McCallister dieses Mal alles besser machen, und trotzdem ist Kevin wieder allein, diesmal allerdings mit Kreditkarte in einem New Yorker Luxushotel. Während seine Eltern verzweifelt nach ihm suchen, verwandelt Kevin die Stadt in seinen persönlichen Abenteuerspielplatz: vom Spielwarenladen bis in die verlassene Dachgeschosswohnung, in der er den altbekannten Einbrechern Harry und Marv erneut eine Falle nach der anderen stellt. Kevin – Allein in New York ist weniger originell als der erste Teil, dafür maximaler Weihnachts-Fantasy-Trip: Die Stadt gehört dem Kind, und alles ist ein bisschen größer, heller, lauter. Gleichzeitig schiebt der Film eine unerwartet zarte Nebenhandlung ein, etwa in der Begegnung mit der Taubenfrau im Central Park. Wo Kevin – Allein zu Haus noch sehr stark um das Haus als Festung kreist, nutzt die Fortsetzung den urbanen Raum als Bühne und macht aus Weihnachten in der Großstadt einen der bekanntesten Kinoträume der 90er.

    2. Kevin – Allein zu Haus (1990), ca. 477 Mio. US-Dollar 

    Ein überfülltes Haus, eine hektische Großfamilie, ein vergessener Achtjähriger: Als Kevin am Morgen nach der chaotischen Abreise feststellt, dass wirklich niemand mehr da ist, beginnt zunächst die beste Zeit seines Lebens. Pizza zum Frühstück, Horrorfilme ohne Aufsicht – bis zwei Einbrecher beschließen, ausgerechnet dieses leerstehende Vorstadthaus auszurauben. Kevin – Allein zu Haus kombiniert Slapstick-Brutalität mit echtem Feriengefühl: Die Fallen sind derb, aber aus kindlicher Logik heraus entworfen, und hinter all dem Klamauk steckt die Angst, von der eigenen Familie nicht ernst genommen zu werden. Der Film ist so erfolgreich, weil er Kindern die totale Autonomie verspricht und Erwachsenen gleichzeitig nostalgisch den Spiegel vorhält. Gegenüber dem opulenteren Kevin – Allein in New York wirkt dieser erste Teil deutlich kompakter: ein Kammerspiel mit Farbeimern, Nagelbrett und Schneeflocken vor dem Fenster. Dass er trotzdem jahrzehntelang der Maßstab für Weihnachtskino blieb, sieht man auch an seiner Position in diesem Ranking.

    1. Der Grinch (2018), ca. 539 Mio. US-Dollar 

    Im animierten Der Grinch lebt der grüne Miesepeter in einem technisch perfekten, weich gezeichneten Whoville, das aussieht, als wäre es direkt aus einer Zuckerbäckerei gefallen. Wieder versucht er, den Bewohnern das Fest zu vermiesen, doch die neue Version dehnt seine Vorgeschichte und seine Einsamkeit stärker aus: Der Grinch ist weniger Monster als Überforderter, der in der Dauerbeschallung der Weihnachtszeit schlicht keinen Platz findet. Dass gerade diese Interpretation zum finanziell erfolgreichsten Weihnachtsfilm aller Zeiten wurde, liegt an der Mischung aus sicherem Familienkino, greifbarem Merchandise-Potenzial und einem Grinch, der eher grummelt als wirklich zerstört. Visuell ist der Film wie eine Überdosis Lichterkette, emotional aber überraschend sanft. Nachdem Kevin – Allein zu Haus den Rekord über Jahrzehnte gehalten hatte, zeigt dieser Hit, wie sich Weihnachtsfilme gewandelt haben: weg vom physischen Slapstick, hin zum animierten Wohlfühlpaket, das trotzdem eine kleine, sehr menschliche Sehnsucht in die Mitte stellt: einfach mal in Ruhe gelassen zu werden.

  • Die 10 besten Filme und Serien mit Captain America

    Die 10 besten Filme und Serien mit Captain America

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Er ist das moralische Rückgrat der Avengers, ein Symbol für Hoffnung – und zugleich eine Projektionsfläche für die Widersprüche Amerikas. Captain America ist mehr als nur ein Superheld mit Schild. Seine Filme und Serien zeigen eine erstaunlich komplexe Entwicklung: vom patriotischen Werbeträger zum kritischen Systemopfer – und weiter zum afroamerikanischen Nachfolger, der das Erbe neu definiert. 

    Denn Caps Vermächtnis endet nicht mit Steve Rogers: Es setzt sich fort in Rückblenden, Serien, alternativen Zeitlinien und Animationsfilmen. Diese Liste zeigt dir die zehn stärksten Auftritte – von prägenden Solofilmen über entscheidende Team-Missionen bis hin zu einem Cartoon-Abstecher.

    1. Avengers: Endgame (2019)

    In Endgame erlebt Steve Rogers seinen Abschluss – und es ist ein würdiger. Vom epischen Mjölnir-Moment bis zum finalen Tanz mit Peggy Carter schließt sich der Kreis eines Charakters, der vom Idealisten zum Realisten wurde, ohne seine Überzeugungen zu verlieren. Als Anführer der letzten Schlacht gegen Thanos zeigt Cap noch einmal, warum er die Seele der Avengers ist. Doch der emotionale Höhepunkt liegt im Persönlichen: Statt Ruhm oder Macht wählt er ein ruhiges Leben in einer anderen Zeit. Diese Entscheidung ist radikal, aber stimmig. Endgame ist eine filmische Verbeugung vor einem Helden, der nie durch Stärke glänzte, sondern durch Prinzipientreue. Ein bewegendes, melancholisches Finale. Wo Infinity War ihn als unerschütterlichen Krieger zeigte, präsentiert Endgame den Menschen dahinter. Vom Mjölnir-Moment bis zum Tanz mit Peggy Carter: alles Kulminationspunkte seiner Entwicklung. 

    2. The Return of the First Avenger (2014)

    Mit The Return of the First Avenger kommt die politische Reife ins MCU. Der Film kombiniert Superhelden-Action mit Elementen des Paranoia-Thrillers – irgendwo zwischen Three Days of the Condor und Jason Bourne. Gegenüber The Avengers wirkt dieser Film sehr geerdet, ernst und fast politisch. Dieser Film vollendet, was The First Avenger angestoßen hat: Cap begreift, dass wahre Loyalität auch den Mut zum Widerspruch braucht. Er kämpft nicht mehr nur gegen klassische Bösewichte, sondern gegen ein System, das seine eigenen Ideale verrät. Die Rückkehr seines alten Freundes Bucky als gehirngewaschtes Hydra-Werkzeug verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Die Action ist präzise inszeniert, die Choreografien erinnern mehr an Martial-Arts-Kino als an CGI-Spektakel. Auch Black Widow bekommt hier endlich mehr Profil. Wer glaubt, Marvel sei nur Krawall und Gags, sollte The Return of the First Avenger sehen – ein überraschend erwachsener Film über Loyalität, Vertrauen und Kontrollverlust.

    3. Captain America: Civil War (2016)

    Kein anderer Cap-Film hat so viel Diskussionsstoff geliefert wie Civil War. Steve Rogers stellt sich offen gegen die Regierung – und gegen Tony Stark. Die Frage nach Verantwortung und Kontrolle spaltet die Avengers und zieht sich durch jeden Dialog, jede Entscheidung. Der Film lebt von seiner moralischen Grauzone: Beide Seiten haben gute Argumente, niemand ist wirklich der Böse. Das macht Civil War zum bislang vielschichtigsten Konflikt im MCU. Gleichzeitig werden neue Figuren eingeführt, darunter Black Panther und Spider-Man, die sich nahtlos einfügen. Der Flughafen-Kampf in Leipzig ist legendär, aber es sind die stilleren Momente – etwa Steves Brief an Tony –, die emotional nachwirken. Civil War ist das emotionale Gegenstück zu The First Avenger – Patriotismus hinterfragt sich selbst.

    4. Marvel’s The Avengers (2012)

    Der erste große Zusammenschluss der Marvel-Helden markiert auch Captain Americas Debüt im modernen New York. Nachdem er am Ende seines Solo-Films eingefroren wurde, wacht Steve Rogers in der Gegenwart auf – und muss sich nicht nur an eine neue Zeit gewöhnen, sondern auch in einem Team zurechtfinden, das unterschiedlicher kaum sein könnte. Seine Führungsqualitäten werden ebenso getestet wie seine Geduld. Der Film lebt vom Zusammenspiel der Figuren, und Cap dient als moralischer Kompass der Gruppe. Der Film ist also nicht Caps Bühne allein, aber ohne ihn kein Gleichgewicht. Besonders eindrücklich: sein Konflikt mit Tony Stark, der schon hier erste Risse in der späteren Avengers-Dynamik zeigt. Und wer The First Avenger gesehen hat, erkennt, wie sich Steve Rogers’ Idealismus hier in Pragmatismus verwandelt.

    5. Captain America: The First Avenger (2011)

    Der Auftakt ist Retro pur – aber mit Herz. The First Avenger zeigt, wie der schmächtige Steve Rogers durch ein Supersoldaten-Serum zum Symbol wird. Doch nicht seine Stärke, sondern sein Charakter macht ihn besonders. Chris Evans verleiht der Rolle Glaubwürdigkeit, Aufrichtigkeit und Verletzlichkeit – fernab von Macho-Klischees. Der Zweite Weltkrieg wird hier zur Bühne für eine klassische Heldenreise mit düsterem Unterton. Im Vergleich zu späteren, politisch aufgeladenen Filmen wie The Return of the First Avenger ist dieses Abenteuer idealistisch und geradlinig – ein Heldenmärchen mit einer WW2-Ästhetik à la Indiana Jones. Auch Peggy Carter wird als eigenständige Figur eingeführt, die später ihr eigenes Serien-Spin-off erhält. Wer wissen will, wie alles begann, kommt an diesem Film nicht vorbei. Und wer ihn kennt, wird ihn mit neuen Augen sehen.

    6. Avengers: Age of Ultron (2015)

    In Age of Ultron wirkt Captain America endgültig als zentraler Teamleader – charismatisch, organisiert und ideologisch gefestigt. Der Film beginnt mit einem spektakulären Angriff auf eine Hydra-Basis und entfaltet sich dann zu einer Diskussion über künstliche Intelligenz, Verantwortung und Kontrollverlust. Während Tony Stark aus Angst einen globalen Schutzmechanismus schaffen will, bleibt Cap skeptisch – ein Konflikt, der später in Civil War eskalieren wird. Die Actionszenen sind eindrucksvoll, besonders Caps Duell mit Ultron und der epische Showdown in Sokovia. Auch seine Beziehung zu Wanda Maximoff beginnt hier. Letztlich vertieft der Film, was Return of the First Avenger andeutet: Misstrauen gegenüber Systemen und die Schwierigkeit, das Richtige zu tun, wenn Macht außer Kontrolle gerät.

    7. The Falcon and the Winter Soldier (2021)

    Die Serie ist mehr als ein Übergang – sie ist ein politisches Drama mit Superheldenelementen. Sam Wilson lehnt das Schild zunächst ab, übergibt es der Regierung – nur um zu sehen, wie ein weißer Soldat als offizieller Nachfolger präsentiert wird. Was folgt, ist ein Ringen um Identität, Verantwortung und Würde – ein Echo auf Steves Zweifel in Civil War. Bucky Barnes dient als emotionaler Spiegel, beide Figuren wachsen spürbar aneinander. Themen wie systemischer Rassismus, Veteranen-Trauma und Ungleichheit werden nicht nur angerissen, sondern durchgespielt. Die Action ist solide, aber nie Selbstzweck. Das Finale – Sam im neuen Cap-Anzug – ist weniger Triumph als notwendige Konsequenz. Eine Serie mit Haltung, Tiefe und Bedeutung.

    8. Avengers: Infinity War (2018)

    Steve Rogers ist in Infinity War nur Teil eines Ensembles – aber jede seiner Szenen ist prägnant. Als bärtiger, ernster Kämpfer ohne Nationalfarben steht er für Integrität im Schatten. Seine Loyalität zu Wanda und Vision, sein Einsatz in Wakanda, sein stummer Widerstand gegen Thanos – all das unterstreicht, wie sehr er zum moralischen Zentrum geworden ist. Der Film selbst ist ein Balanceakt aus zerrissenen Figuren, Handlungssträngen und Tonalitäten – und Cap liefert einen der wenigen echten Hoffnungsmomente. Besonders stark: seine wortlose Entschlossenheit, als Thanos zum ersten Mal zuschlägt. Wo Civil War ihn isolierte, zeigt Infinity War ihn als Anführer mit unerschütterlicher Moral. Kein Cap-Film im engeren Sinne, aber ein essenzielles Puzzleteil seiner Geschichte – als Vorbote für den finalen Akt seines Weges.

    9. Iron Man & Captain America: Heroes United (2014)

    Dieser Animationsfilm richtet sich klar an ein jüngeres Publikum, bietet aber auch für Marvel-Fans ein charmantes Abenteuer abseits des MCU-Kanons. Captain America und Iron Man müssen gemeinsam gegen Red Skull und Taskmaster antreten – eine Konstellation, die vor allem durch ihren Gegensatz lebt: Technik trifft Prinzipien, Ironie auf Disziplin. Die Animation ist zwar visuell eher schlicht, doch die Actionszenen sind überraschend dynamisch und die Synchronsprecher überzeugend. Besonders Taskmaster sorgt für visuelle Highlights im Kampf. Die Handlung ist vorhersehbar, aber solide – ideal für einen unkomplizierten Marvel-Nachmittag. Kein Meilenstein, aber ein sympathisches Duett zweier Superhelden mit klarer Rollenverteilung und Teamchemie. Verglichen mit den ernsteren Realfilmen wie Return of the First Avenger oder Civil War ist Heroes United quasi das lockere Zwischenspiel.

    10. Captain America: Brave New World (2025)

    Sam Wilson ist der neue Cap – und Brave New World zeigt, wie schwierig es ist, ein Symbol neu zu definieren. Der Film greift Themen wie Rassismus, Identitätsfindung und politisches Misstrauen auf, ohne sie zu simplifizieren. Harrison Ford als General Ross bringt die Bedrohung durch Macht und Militarismus zurück – ein Echo auf The Winter Soldier, diesmal mit anderen Vorzeichen. Visuell setzt der Film auf urbane Düsternis statt Hochglanz, was ihm einen ganz eigenen Stil verleiht. Sam kämpft nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen Erwartungen. Somit ist Brave New World kein klassischer Cap-Film, sondern ein Statement. Und es markiert den Beginn einer neuen Ära – mit anderen Werten, aber derselben Entschlossenheit.

  • 10 Fun Facts zu Kult-Weihnachtsfilmen

    10 Fun Facts zu Kult-Weihnachtsfilmen

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Weihnachtsfilme gehören inzwischen so fest zu den Feiertagen wie Kerzen, Plätzchen und Diskussionen darüber, wer den Baum schief aufgestellt hat. Viele dieser Filme kennt man in- und auswendig und trotzdem laufen sie jedes Jahr wieder, weil sie dieses ganz eigene Gefühl zwischen Nostalgie, Chaos und Kitsch bedienen. Gerade deshalb ist es so reizvoll, hinter die Kulissen zu schauen. Denn dort war oft nichts festlich: Menschen froren, schwitzten unter Masken, stolperten über Kabel oder waren plötzlich echtem Schmerz, echter Hitze, echtem Stress und sehr absurden Drehbedingungen ausgesetzt. 

    Manche der bekanntesten Momente entstanden aus Zufall, Improvisation oder schlichtem Durchhaltewillen. Diese Liste sammelt daher keine trockenen Produktionsdaten, sondern Geschichten, die zeigen, wie viel Realität in diesen scheinbar so gemütlichen Filmen steckt. Wer sie kennt, schaut beim nächsten Mal anders hin und lacht vielleicht genau an den Stellen, an denen es am Set eigentlich überhaupt nicht lustig war.

    1. Kevin – Allein zu Haus (1990)

    Ein achtjähriger Junge verteidigt das Elternhaus mit Farbeimern, Spielzeugautos und extrem zweifelhaften Sicherheitsstandards, während seine Familie im Flugzeug merkt, was sie vergessen hat. Hinter den Kulissen war Kevin – Allein zu Haus erstaunlich körperlich: Viele der Stunts wurden von Joe Pesci und Daniel Stern tatsächlich selbst gespielt, mehrere kleinere Verletzungen inklusive. Die berühmte Szene mit der Vogelspinne auf Sterns Gesicht war echt: Er durfte nur einen lautlosen Schrei ausstoßen, damit das Tier nicht erschreckt wird. Der Ton wurde später angepasst. Auch Pescis Tendenz zu deftiger Sprache musste gebremst werden: Statt echter Flüche nuschelte er Fantasiewörter, damit der Film familienfreundlich bleibt. Dass der Film sich trotzdem wie ein durchchoreografierter Cartoon anfühlt, liegt daran, dass diese Härte mit sehr präzisem Timing kombiniert wurde, was den Fun Fact noch absurder macht: Viele „Aua“-Momente sind deutlich weniger gespielt, als man denkt.

    2. Stirb langsam (1988)

    Ein New Yorker Polizist besucht seine getrennt lebende Frau zur Weihnachtsfeier in einem Hochhaus in Los Angeles, als eine Terrorgruppe das Gebäude übernimmt und aus dem Festabend eine Belagerung macht. Stirb langsam gilt inzwischen vielen als Weihnachtsfilm, obwohl er als reiner Actiontitel geplant war. Eine der bekanntesten Szenen verdankt ihre Wirkung einem echten Schreckmoment: Alan Rickman, der den Schurken Hans Gruber spielt, wurde bei seinem Stunt vom Nakatomi-Plaza-Modell früher fallen gelassen, als er erwartet hatte. Sein Gesichtsausdruck, wenn er in die Tiefe stürzt, ist deshalb keine gespielte Coolness, sondern echte Überraschung. Gleichzeitig war es Rickmans erste große Kinorolle, was dem Ganzen eine zusätzliche Note gibt: Ausgerechnet dieser unvorbereitete Moment wurde zu einem der ikonischsten Bilder des Films und ist bis heute einer der Gründe, warum die Szene so hängen bleibt.

    3. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973)

    Eine junge Frau, die sich nicht in ihr Schicksal fügen will, drei magische Nüsse und ein Prinz, der deutlich mehr lernen muss als nur höfisches Benehmen: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist für viele der Moment, in dem offiziell Weihnachten beginnt. Die märchenhaften Winterbilder sehen nach Punsch und Kaminfeuer aus, waren am Set aber eher ein Fall für Zähneklappern und Durchhalteparolen. Gedreht wurde bei echter Kälte, oft deutlich unter null Grad, mit Pferden und Darsteller:innen in hauchdünnen Kostümen, während man sich hinter der Kamera wahrscheinlich schon mit Frostbeulen angefreundet hatte. Und weil es vor Ort kaum echten Schnee gab, griff das Team zu einem Trick, der heute legendär klingt: Für das winterliche Weiß kam ein Mix aus zerstoßenem Eis und Fischmehl zum Einsatz - was hübsch aussah, aber offenbar bestialisch roch. Nicht die romantischste Mischung, dafür eine sehr wirkungsvolle. Digitale Effekte gab es natürlich keine, alles, was man sieht, ist echt inklusive Atemwolken und klammer Finger. Vielleicht fühlt sich der Film gerade deshalb bis heute so warm an: weil er vor der Kamera das genaue Gegenteil war.

    4. Schöne Bescherung (1989)

    Clark Griswold will das perfekte Familienweihnachten, scheitert an Verwandtschaft, Stromabrechnung und wild überambitionierter Deko und steht am Ende vor einem Haus, das eher wie ein Leuchtturm wirkt. In Schöne Bescherung war die Weihnachtsbeleuchtung nicht nur ein Gag, sondern ein echtes Sicherheitsproblem. Die Lichterketten produzierten so viel Hitze, dass das Studio darauf bestand, während der entsprechenden Szenen ein Feuerwehrteam in Bereitschaft zu halten. Mehrere Aufbauten mussten umgeplant werden, weil Kabel überhitzten und Requisiten in Mitleidenschaft gezogen wurden. Chevy Chase, der Clark spielt, improvisierte viele seiner Wutausbrüche spontan, was erklärt, warum einige Nebenfiguren manchmal wirklich irritiert wirken. Der Film zeigt nach außen hin reine Chaoskomik, war aber technisch ein ziemliches Experiment – und das merkt man heute vor allem dann, wenn man sich fragt, wie viel davon wohl in einem echten Vorort durch die Stromversorgung gekommen wäre.

    5. Der Grinch (2000)

    In Whoville lieben alle Weihnachten außer einem mürrischen Außenseiter, der hoch oben am Berg lebt und mit seinem Hund Max einen Plan schmiedet, das Fest zu sabotieren. Damit Der Grinch so aussieht, wie man ihn kennt, musste Jim Carrey täglich stundenlang in Maske und Kostüm. Berichten zufolge dauerte die Prozedur anfangs bis zu acht Stunden, inklusive Kontaktlinsen, Ganzkörperanzug und Gesichtsparts. Die Situation war so belastend, dass Carrey nach eigener Aussage Techniken von einem ehemaligen CIA-Ausbilder lernte, um besser mit der Klaustrophobie fertigzuwerden. Gleichzeitig sollte seine Mimik unter dem Make-up sichtbar bleiben - ein Balanceakt, für den Maske und Kamera ständig nachjustiert wurden. Der Fun Fact dabei: Hinter der verspielt-überdrehten Figur steckt ein Drehalltag, der eher an Ausdauertraining erinnert als an Weihnachtszauber. Vielleicht wirkt der Grinch genau deshalb so glaubwürdig genervt vom Fest.

    6. Tatsächlich… Liebe (2003)

    London im Dezember, mehrere verknüpfte Geschichten und sehr viele Versuche, Gefühle in möglichst ungewöhnlichen Situationen zu gestehen: Tatsächlich… Liebe hat sich zu einem der modernsten Weihnachtsklassiker entwickelt. Die berühmte Szene, in der Andrew Lincolns Figur mit beschrifteten Karten vor Keira Knightleys Tür steht, wurde bewusst nicht bis ins Detail durchgeprobt. Knightley kannte den groben Ablauf, aber nicht alle Texte auf den Schildern - ihr Lächeln ist zum Teil echte Spannung, weil sie nicht genau wusste, was als Nächstes kommt. Auch Hugh Grants Tanzszene im Regierungssitz ist weniger glatt geplant, als es aussieht. Er sollte bewusst etwas unbeholfen wirken und nutzte den Spielraum, um eigene Bewegungen einzubauen. Der Film lebt insgesamt davon, dass diese Momente zwischen präzisem Bauplan und Spontanität schweben, und genau das macht viele Szenen so wiedersehenswert.

    7. Die Feuerzangenbowle (1944)

    Ein erfolgreicher Schriftsteller schleicht sich als „neuer Schüler“ in ein Provinzgymnasium, um die Jugend nachzuholen, die er verpasst hat  und setzt eine Reihe von Streichen in Gang, die bis heute zitiert werden. Die Feuerzangenbowle entstand als bewusstes Eskapismus-Werk während des Zweiten Weltkriegs, gilt aber bis heute nicht als problematisch, weil der Film konsequent unpolitisch bleibt und keinerlei Ideologie transportiert. Während draußen Bomben fielen, arbeitete man im Studio an diesem bewusst harmlosen, nostalgischen Schulbild. Und ganz nebenbei wurde das Titelgetränk am Set nicht immer alkoholfrei serviert: Einige Szenen entstanden tatsächlich mit echter Bowle, was für entsprechend gelöste Stimmung sorgte.Dass der Film Jahrzehnte später zu einem festen Winter- und Weihnachtstitel geworden ist, lag ursprünglich gar nicht in der Planung - es entwickelte sich vor allem durch studentische Mitternachtsvorstellungen, bei denen das Publikum Dialoge mitsprach. Aus einer leichten Komödie wurde so ein wiederkehrendes Ritual.

    8. Buddy – Der Weihnachtself (2003)

    Ein Mensch, der bei Weihnachtswichteln aufgewachsen ist, macht sich auf den Weg nach New York, um herauszufinden, wo er eigentlich hingehört  und trägt dabei permanent ein Elfenkostüm, das niemand übersehen kann. In Buddy – Der Weihnachtself wurden mehrere Szenen mit Will Ferrell inmitten echter Passant:innen gedreht. Einige Straßenszenen waren nicht als klassischer Dreh mit Statisten aufgezogen, sondern eher als kontrolliertes Chaos, bei dem Ferrell einfach in voller Montur durch die Stadt lief und das Kamerateam aus der Distanz filmte. Viele irritierte Blicke sind deshalb echte Reaktionen von Menschen, die nicht wussten, was passiert. Auch Buddys extrem süßlastige Ernährung hinterließ Spuren: Der Darsteller berichtete später, dass die Kombination aus Sirup, Süßigkeiten und Pasta für Magenprobleme sorgte. Der Film wirkt verspielt und harmlos, dahinter steckt aber ein Hauptdarsteller, der körperlich einiges mitgemacht hat, um diese Figur glaubwürdig zu verkörpern.

    9. Ist das Leben nicht schön? (1946)

    Ein verzweifelter Mann steht an Heiligabend an der Brücke und bekommt durch einen Engel gezeigt, wie die Welt ohne ihn aussehen würde – Ist das Leben nicht schön? gehört zu den Filmen, die Weihnachten filmisch definiert haben. Der künstliche Schneefall, der so ikonisch wirkt, war damals allerdings eine handfeste Geräuschquelle: Statt der damals üblichen Lack- oder Gipsflocken setzte man auf eine Mischung unter anderem aus zerstoßenen Cornflakes, um einen natürlicheren Look zu erreichen. Das führte dazu, dass viele Szenen extrem laut waren, weil es bei jedem Schritt auf dem Set knirschte. Ein Großteil der Dialoge musste im Nachhinein im Studio neu aufgenommen werden, damit man die Stimmen überhaupt versteht. Ironischerweise sorgt ausgerechnet dieses improvisierte Schneesystem dafür, dass der Film heute so weich und winterlich aussieht, während am Set ständig irgendwo Frühstück unter den Schuhen zermalmt wurde.

    10. Versprochen ist versprochen (1996)

    Versprochen ist versprochen erzählt die vielleicht realistischste Weihnachtsfantasie überhaupt: Ein Vater will „nur schnell“ ein heiß begehrtes Geschenk kaufen und landet im kompletten Chaos. Arnold Schwarzenegger stolpert als verzweifelter Familienmensch durch Kaufhäuser, Parkplätze und Menschenmassen, während jede Spur von Besinnlichkeit in Rekordzeit verdampft. Der beste Fun Fact dazu: Viele der wildesten Einkaufsszenen wurden tatsächlich am Black-Friday-Wochenende gedreht - das Chaos ist also kein Filmtrick, sondern echtes Konsum-Armageddon. Die schubsenden Statisten sind echte Kunden, die Schreie sind real, und der Stress im Bild lässt sich kaum spielen. Genau deshalb wirkt der Film auch heute noch so treffsicher: Er ist keine romantische Weihnachtsillusion, sondern eine bitterlustige Bestandsaufnahme darüber, wie aus „Frohes Fest“ ganz schnell „Kampf um das letzte Spielzeug“ wird inklusive Einkaufswahn, Nervenzusammenbruch und Rudolph-Kostüm aus der Hölle.

  • Die 10 traurigsten Filme der letzten 10 Jahre

    Die 10 traurigsten Filme der letzten 10 Jahre

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Es gibt Filme, die nicht einfach traurig sind, sondern etwas in einem freilegen, das man längst zu gut kennt: diesen Moment, in dem ein Mensch versucht, weiterzufunktionieren, obwohl alles in ihm stillsteht. Traurigkeit im Kino wirkt oft dann am stärksten, wenn sie nicht als Schicksalsschlag inszeniert wird, sondern als etwas, das sich langsam ins Leben legt - in Gespräche, in Bewegungen oder in die Art, wie jemand lacht, obwohl man sieht, dass das Lachen schwer fällt. 

    Viele dieser Werke erinnern an ältere Herzbrecher wie Wie ein einziger Tag, die nicht durch große Gesten, sondern durch leise Wahrheiten treffen. Und genau so arbeiten diese zehn Filme: Sie zeigen Verlust, Liebe, Nähe und das, was zwischen all dem liegen bleibt. Manche brennen sofort, manche schleichen sich erst später ins Herz, aber jeder von ihnen berührt auf eine Weise, die man nicht so schnell wieder loswird. 

    1. The Whale (2022)

    Charlie lebt zurückgezogen in seiner Wohnung, als hätte er die Welt vor Jahren schon losgelassen, und doch spürt man in jedem seiner Atemzüge, dass in ihm noch etwas an Menschen hängt, die er verloren hat. Der Film beobachtet ihn mit einer Zärtlichkeit, die weh tut: die Art, wie er versucht, seine Tochter zu erreichen, obwohl er genau weiß, wie wenig Zeit ihm bleibt; die kleinen Versuche, Hoffnung zu finden, selbst wenn er kaum die Kraft hat aufzustehen. The Whale ist nicht laut, nicht pathetisch, sondern erschütternd menschlich. Man sieht einen Mann, der sich dafür schämt, wie er lebt, und gleichzeitig begreift, dass Liebe trotzdem in ihm brennt. Manche der stillsten Szenen fühlen sich an, als würde man jemanden dabei beobachten, wie er ein Fenster öffnet, das seit Jahren zu war. Und genau das macht diesen Film so gnadenlos traurig: Die Nähe entsteht nicht durch Worte, sondern durch die Art, wie er atmet, spricht, hofft.

    2. Aftersun (2022)

    Es beginnt wie ein gewöhnlicher Urlaub: Sonne, Wasser, ein Vater, der sein Kind zum Lachen bringt. Erst später merkt man, dass in manchen Momenten etwas flimmert, das man beim ersten Sehen leicht übersieht. Aftersun ist ein Film über Erinnerungen, die erst Jahre später schmerzen, weil man erst als Erwachsener versteht, was die eigene Kindheit verschwiegen hat. Man sieht Paul Mescal als jemanden, der versucht, die Welt für seine Tochter weich zu halten, während seine eigene zerbröckelt. Und im Rückblick erkennt man, wie viel man damals nicht sehen konnte. Der Film ist wie eine Welle, die erst sanft anrollt und dann mit voller Kraft trifft -  nicht, weil etwas Spektakuläres passiert, sondern weil man im Nachhinein weiß, wie viel Tränen in den Lücken liegen. Es ist dieses stille Erkennen, das alles zerreißt: dass manche der schönsten Erinnerungen gleichzeitig die traurigsten sind.

    3. Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)

    Ein Junge, der viel zu früh begreifen muss, was Verlust bedeutet, findet Trost in einer Kreatur, die wie ein Monster aussieht, aber die einzige Figur ist, die ihn nicht belügt. Sieben Minuten nach Mitternacht ist eine dieser Geschichten, die Fantasie nur benutzt, um etwas Wahreres zu erzählen, als es Realismus könnte. Die Traurigkeit baut sich nicht in Schockmomenten auf, sondern in kleinen Wahrheiten, die das Monster ihm abverlangt: Dinge, die er sich selbst nicht eingestehen kann, weil sie zu groß sind. Der Film trifft deshalb so stark, weil man sieht, wie ein Kind mit einer emotionalen Last ringt, die selbst Erwachsene kaum tragen könnten. Manche Szenen wirken, als würde jemand vorsichtig ein Geheimnis öffnen, das eigentlich für niemanden bestimmt war - und genau das macht den Schmerz so tief.

    4. Supernova (2020)

    Sam und Tusker sind seit Jahrzehnten ein Paar, vertraut bis in die kleinsten Bewegungen des Alltags. Doch seit Tusker die Diagnose einer früh einsetzenden Demenz erhalten hat, verändert sich ihre Beziehung still, aber spürbar. Auf einer gemeinsamen Reise durch England wollen beide noch einmal Orte besuchen, die für sie etwas bedeuten. Tusker merkt jedoch, wie Wörter ihm entgleiten und Gedanken wie hinter einer Scheibe liegen; Sam beobachtet das mit einer Mischung aus Angst und unbändigem Willen, ihn festzuhalten. Supernova findet seine Tragik in den Zwischentönen: in Gesprächen, die plötzlich abbrechen, weil Tusker einen Satz nicht mehr zu Ende führen kann und in der Art, wie beide aneinander festhalten, ohne zu wissen, wie viel Zeit ihnen bleibt. Das macht jede kleine Geste, jedes gemeinsame Frühstück, jedes Innehalten so schwer und gleichzeitig so kostbar. Supernova zeigt zwei Menschen, die beschließen, die letzten klaren Tage bewusst zu leben, und gerade dieses Bewusstsein ist das eigentlich Herzzerreißende.

    5. Lion – Der lange Weg nach Hause (2016)

    Ein kleiner Junge verliert seine Familie in der Hektik eines Bahnhofs, und dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit begleitet ihn selbst dann, als er längst erwachsen und scheinbar angekommen ist. Lion – Der lange Weg nach Hause zeigt, wie Sehnsucht funktioniert, wenn sie nicht vergeht, sondern in einem wächst. Saroo versucht, mit bruchstückhaften Erinnerungen eine Welt wiederzufinden, die er als Kind kannte, und genau das macht den Film so herzzerreißend. Er sucht nicht nur Menschen, sondern den Teil von sich, der verloren gegangen ist. Besonders bedrückend sind die Momente, in denen er als Erwachsener merkt, dass Liebe in seiner Adoptivfamilie nichts daran ändert, dass ein Stück Ursprung fehlt. Es ist eine Traurigkeit, die sich nicht in Tränen entlädt, sondern im Gefühl, dass selbst gefundene Antworten nicht alles heilen können.

    6. Pieces of a Woman (2020)

    Martha und Sean erwarten ihr erstes Kind und entscheiden sich für eine Hausgeburt, die jedoch in wenigen Minuten in eine Katastrophe kippt: Das Baby überlebt nicht. Ab diesem Moment folgt Pieces of a Woman Martha durch eine Zeit, in der jeder Tag an diesem Verlust zerrt - ihr Körper erinnert sich an etwas, das nicht mehr da ist, ihre Beziehung zu Sean bricht langsam auseinander, und ihre Mutter drängt sie in einen Prozess, den sie selbst noch nicht begreifen kann. Der Film zeigt Trauer nicht als linearen Schmerz, sondern als ein Gefühl, das in Wellen kommt: eine kleine Bewegung, die plötzlich wehtut, ein Raum, der sich zu eng anfühlt, ein Satz, der hängen bleibt. Was hier so tief trifft, ist die Art, wie Martha versucht, einen eigenen Weg durch das Unfassbare zu finden, obwohl alle um sie herum erwarten, dass sie schneller „funktioniert“. Pieces of a Woman tut weh, weil er zeigt, wie einsam Verlust sein kann, selbst dann, wenn Menschen um einen stehen, die eigentlich helfen wollen, aber nicht wissen, wie.

    7. Liebe zwischen den Meeren (2016)

    Tom, ein ehemaliger Soldat, und Isabel leben als Leuchtturmwärterpaar auf einer abgelegenen Insel vor Australien, weit entfernt von allem, was sie verloren haben. Nachdem Isabel mehrere Fehlgeburten erlitten hat, treibt eines Tages ein Boot an ihre Küste: Darin ein toter Mann - und ein Neugeborenes, noch lebendig, noch warm. In ihrer Verzweiflung entscheiden die beiden, das Baby zu behalten und als ihr eigenes aufzuziehen, überzeugt davon, dem Schicksal endlich ein Stück Glück abgerungen zu haben. Doch als sie Jahre später auf dem Festland der leiblichen Mutter begegnen, bricht diese fragile Welt in sich zusammen. Liebe zwischen den Meeren zeigt den Schmerz einer Entscheidung, die aus Liebe getroffen wurde und doch unweigerlich Unrecht verursacht, und er lässt spüren, wie zwei Menschen versuchen, richtig zu handeln, obwohl es kein richtig mehr gibt. Die Tragik liegt nicht im großen Bruch, sondern in der Erkenntnis, dass jeder Weg, den sie wählen, jemanden zerstört – und vielleicht auch sie selbst.

    8. All of Us Strangers (2023)

    Adam lebt allein in einem fast leeren Hochhaus, zurückgezogen und mit einer Einsamkeit, die sich wie ein zweiter Schatten anfühlt. Als er beginnt, ein Drehbuch über seine Kindheit zu schreiben, zieht es ihn zurück in die Vorstadthäuser seiner Vergangenheit, und dort trifft er plötzlich seine Eltern, so lebendig, warm und vertraut wie damals, obwohl sie seit Jahrzehnten tot sind. Diese Begegnungen fühlen sich an, als hätte jemand die Zeit kurz aufgehoben, damit Adam all das sagen kann, was er früher nicht sagen konnte. Parallel dazu entwickelt sich eine vorsichtige Beziehung zu seinem Nachbarn Harry, die genau diese Leerstelle berührt: das Bedürfnis, gesehen zu werden, ohne sich verstecken zu müssen. All of Us Strangers lässt offen, ob Adams Besuche echte Wunder sind oder Geschenke seines eigenen Herzens, aber er zeigt sehr deutlich, wie es sich anfühlt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart festzustecken. Die Traurigkeit entsteht dort, wo Adam merkt, dass Liebe manchmal erst dann greifbar wird, wenn man sie nicht mehr halten kann - und dass manche Begegnungen nur existieren können, weil sie nicht von dieser Welt sind.

    9. Bohemian Rhapsody (2018)

    Freddie Mercury steht im Mittelpunkt eines Lebens, das nach außen wie ein einziger Triumphzug wirkt, aber innerlich voller Brüche ist. Bohemian Rhapsody zeigt ihn nicht nur als Frontmann von Queen, sondern als Mensch, der zwischen seiner Herkunft, seiner Sexualität und dem enormen Druck der Öffentlichkeit nach einem Platz sucht, an dem er wirklich ankommen kann. Die Diagnose HIV trifft ihn schließlich in einem Moment, in dem er bereits spürt, wie viel er sich selbst abverlangt hat. Doch der Film zeigt auch, wie er sich langsam wieder der Band nähert, als würde er die einzige Familie zurückerobern, die ihn wirklich verstanden hat. Das macht das abschließende Live-Aid-Konzert so bewegend: Es ist nicht nur ein musikalischer Höhepunkt, sondern ein letzter großer Moment, in dem Mercury alles ablegt, was ihn verletzt hat, und genau der Mensch ist, der er immer sein wollte -  klar, verletzlich und frei, auch wenn er wusste, wie begrenzt seine Zeit geworden war.

    10. Sterben (2024)

    In Sterben begleitet man eine Familie, die an mehreren Stellen gleichzeitig aus dem Gleichgewicht gerät: Die Mutter liegt schwer krank im Pflegeheim, der Vater versinkt in seiner eigenen Überforderung, und die erwachsenen Kinder versuchen verzweifelt, ihr Leben zusammenzuhalten, während zwischen ihnen alte Wunden wieder aufreißen. Was den Film so erschütternd macht, ist die schonungslose Ehrlichkeit, mit der diese Menschen aneinander vorbeireden, sich an Kleinigkeiten festbeißen oder plötzlich alles hinwerfen, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Angst. Zwischen den Besuchen im Heim, den unausgesprochenen Vorwürfen und den seltenen Momenten echter Nähe entsteht ein Bild von Trauer, das roh und unordentlich wirkt - genau so, wie sie im echten Leben oft ist.. Dass der Film beim Deutschen Filmpreis mit der Goldenen Lola ausgezeichnet wurde, verwundert nicht: Er trifft einen Nerv, weil er das Schwierige nicht glättet, sondern sichtbar macht, und weil man in jeder Szene spürt, wie sehr alle versuchen, richtig zu handeln, obwohl ihnen die Zeit längst davonläuft.

  • Vor „Wicked 2“: 10 Musicalfilme, die eine erfolgreiche Fortsetzung bekamen

    Vor „Wicked 2“: 10 Musicalfilme, die eine erfolgreiche Fortsetzung bekamen

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Musicals erfreuen sich seit vielen Jahrzehnten auch in Hollywood großer Beliebtheit. Im besten Fall sind sie jedoch weit mehr als bloße Sing-Along-Filme oder gefällige Theateradaptionen. 

    Die wirklich großen Musicalmomente entstehen dann, wenn Musik, Bildsprache, Atmosphäre und Erzählung zu kulturellen Phänomenen verschmelzen – wie zuletzt Ariana Grande und Cynthia Erivo mit ihrer Neuinterpretation von Wicked und der megaerfolgreichen Fortsetzung Wicked - Teil 2 gezeigt haben. Perfekte Musicals treffen den Nerv mehrerer Generationen, sie verbinden Emotion, Humor und visuelle Kraft und wirken lange nach dem Abspann weiter.

    Und manche von ihnen schaffen es sogar, dieses Erfolgsrezept ein zweites Mal zu entfesseln. Denn Musical-Fortsetzungen gelten nicht gerade als Selbstläufer. Umso bemerkenswerter sind jene Werke, deren Sequels künstlerisch, erzählerisch oder kommerziell tatsächlich zünden konnten. Hier sind zehn Beispiele von Musicals, denen genau das gelungen ist.

    1. „Grease“ (1978) und „Grease 2“ (1982)

    1978 schuf Regisseur Randal Kleiser mit Grease eines der prägendsten Kultmusicals aller Zeiten in der Hauptrolle John Travolta und Olivia Newton-John. Wir sehen der jugendlichen Gang dabei zu, wie sie zwischen Sommerromanzen, Cliquenleben und motorisierten Ritualen ihren Weg finden. Wie legt man so etwas nach? 1982 folgte die Antwort. Grease 2 feierte keinen triumphalen Start, sondern begann eher mäßig erfolgreich. Mittlerweile ist das Musical aber längst eine kultige Fortsetzung geworden und schrieb Geschichte mit Michelle Pfeiffers Durchbruch, einer ganz eigenen Ästhetik und einer Tonalität, die stärker in Richtung Camp und Selbstironie ging. Heute wird Grease 2 oft neu bewertet: nicht als direkter Konkurrent zum Original, sondern als eigenständiger Film seiner Ära, der ein neues Publikum gefunden hat und durch seine Energie, seinen Humor und seine völlig eigene Identität längst einen festen Platz in der Musicalfilm-Kultur behauptet.

    2. „Mamma Mia!“ (2008) und „Mamma Mia! Here We Go Again“ (2018)

    Bei Mamma Mia! aus dem Jahr 2008 handelt es sich um ein Musical, einer Band, die alles erreicht hat. Nicht nur, dass man mit Songs wie Dancing Queen und The Winner Takes It All Popgeschichte schrieb und ABBA zu einer der beliebtesten Bands aller Zeiten machte. Der Film feierte auch in der Musicalwelt einen triumphalen Erfolg. 2008 brachten Benny Andersson und Björn Ulvaeus das Musical Mamma Mia! ins Kino, in dem es um Familienbanden, Identität und das Finden der eigenen Geschichte geht. Hier erscheinen die ABBA-Songs in ganz neuem Licht. Ein absoluter Megaerfolg, dessen Fortsetzung man sich 2018 vornahm. Mamma Mia! Here We Go Again setzte sogar noch eins drauf: emotionaler, musikalisch breiter und erzählerisch gewagter. Das Sequel wurde ein weltweiter Hit und gilt heute als Beispiel dafür, wie ein Musicalfilm auf intelligente Weise wachsen und sich weiterentwickeln kann.

    3. „Pitch Perfect“ (2012) und „Pitch Perfect 2“ (2015)

    Drei Jahre nach der Veröffentlichung von Pitch Perfect, dem erfolgreichen Musical unter Regie von Jason Moore und Drehbuch von Kay Cannon, machte man sich an den zweiten Teil. Pitch Perfect 2 setzte eines drauf – und wie. Der Film führte neue Figuren ein, erweiterte die Welt rund um die Bellas und sorgte an den Kinokassen für helle Begeisterung und klingelnde Einnahmen. Während der erste Teil rund 115 Millionen Dollar einspielte, erreichte die Fortsetzung etwa 287 Millionen Dollar und wurde damit zum kommerziell deutlich erfolgreicheren Film. Pitch Perfect 2 gelang es, Humor, Musik und Teamdynamik zu verstärken und gleichzeitig den Spirit des Originals zu behalten. Für viele Fans gilt die Fortsetzung als runder, größer und mutiger inszeniert. Ein Beispiel dafür, wie ein Sequel die DNA eines Films versteht und dennoch eigene Akzente setzt.

    4. „High School Musical“ (2006) und „High School Musical 2“ (2007)

    2006 lieferte Disney mit High School Musical in der Hauptrolle Zac Efron und Vanessa Hudgens einen absoluten Kultklassiker, der sowohl jung als auch alt in Begeisterung versetzte. Disney wusste, was zu tun war. Nur ein Jahr nach dem Megaerfolg legte das Studio mit Teil 2 nach. High School Musical 2 gilt bis heute als eines der größten TV-Musicals aller Zeiten. Der zweite Teil setzte die Reihe nicht einfach fort, sondern baute die bunte, glückliche Musicalwelt des ersten Films aus, erweiterte sie musikalisch und visuell und lieferte zugleich frische Sommerstimmung. Gerade diese Mischung aus vertrauten Figuren, eingängigen Songs und einer neuen, sonnendurchfluteten Atmosphäre ließ die Fortsetzung zu einem Publikumsliebling werden. Auch erzählerisch gelang ein Schritt nach vorn: Freundschaft, Zusammenhalt und Selbstfindung standen stärker im Mittelpunkt. Ein Sequel, das seine Fans exakt dort abholt, wo es sie braucht.

    5. „Saturday Night Fever“ (1977) und „Staying Alive“ (1983)

    1977 sorgte der US-amerikanische Schauspieler John Travolta für Begeisterungsstürme, als er in Saturday Night Fever eine Rolle als Tony Manero zeigte, der auf der Tanzfläche demonstriert, wie man den Alltag abschüttelt. Sechs Jahre später legten Travolta und Co. unter der Regie von Sylvester Stallone mit Staying Alive nach, und auch dieses Sequel war ein weltweiter Erfolg. Klar, es handelt sich hier nicht um ein klassisches Musical, sondern vielmehr um ein Dance-Musical. Nichtsdestotrotz schrieb der Film Musik- und Popgeschichte. Schließlich steuerte niemand Geringeres als die Bee Gees den Soundtrack bei, darunter den weltbekannten Titelsong. Travolta schuf hier einen ikonischen Tanzfilm, dessen Fortsetzung an die Energie des Originals anknüpfen konnte. Staying Alive verlegte den Fokus stärker auf Showbiz, Ambition und Selbstbehauptung und wurde gerade deshalb zu einem festen Bestandteil der Disco-Ära im Kino – ein spätes, aber wirkungsvolles Kapitel.

    6. „Mary Poppins“ (1964) und „Mary Poppins Returns“ (2018)

    Gut, man kann bei Mary Poppins Returns aus dem Jahr 2018 nicht unbedingt von einer klassischen Fortsetzung sprechen. Schließlich liegen Jahrzehnte und künstlerische Dekaden zwischen Original und Wiederbelebung des Kultmusicals rund um das magische Kindermädchen Mary Poppins, das sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen beliebt war. Nichtsdestotrotz: Als Emily Blunt 2018 in die großen Fußstapfen von Julie Andrews trat, avancierte der Film zum Megaerfolg. Der Grund dafür war nicht nur die liebevolle musikalische Umsetzung und die starke schauspielerische Leistung von Blunt, sondern auch die Regie von Rob Marshall, der die Essenz des Originals in ein modernes Disney-Gewand übertrug. Mary Poppins Returns wurde zu einer charmanten Hommage, die Nostalgie, Eleganz und neue Impulse miteinander vereint. Eine späte Fortsetzung, die zeigt, wie man einen Klassiker respektvoll fortschreiben kann.

    7. „The Rocky Horror Picture Show“ (1975) und „Shock Treatment“ (1981)

    Okay, ganz klar: Shock Treatment kann The Rocky Horror Picture Show in puncto Erfolg nicht ansatzweise das Wasser reichen. Wir werfen einen Blick zurück auf 1975. Damals erschien das grandiose Musical rund um Brad und Janet und ließ Frank-N-Furter, gespielt von Tim Curry, und Susan Sarandon in der Hauptrolle, zum Kult werden. Grandiose schauspielerische Leistungen, exzentrische Figuren und Musik, die einem bis heute im Ohr liegt. Wie kann man da nachlegen? 1981 versuchte das Regisseur Jim Sharman mit dem Musical Shock Treatment. Klar, ein kommerzieller Megaerfolg wurde das keiner, und während Rocky Horror heute jeder kennt, ist Shock Treatment eher ein Geheimtipp. Nichtsdestotrotz schuf Sharman hier ein eigenes Kultmusical mit unverwechselbarem Camp-Mythos und einer Ästhetik, die ihrer Zeit voraus war. Ein schräges, mutiges Sequel, das bis heute fasziniert.

    8. „Sing“ (2016) und „Sing 2“ (2021)

    Bei Sing aus dem Jahr 2016 handelt es sich um ein ganz besonderes Musical, schließlich ist es ein animierter Film rund um den Koala Buster Moon, der ein Theater leitet, das seit einiger Zeit schwächelt. Produziert von Chris Meledandri und Janet Healy und unter der Regie von Garth Jennings gelang hier eines der bemerkenswertesten Animationsmusicals der jüngeren Zeit. Dafür trug auch die Musik und die Performance von Matthew McConaughey als Buster Moon ihr Übriges bei. 2021 legte man mit Sing 2 (deutscher Titel: Sing – Die Show deines Lebens) den Nachfolger vor. Der Film konnte ebenfalls große Beliebtheit verzeichnen und spielte weltweit rund 408 Millionen Dollar ein – zwar weniger als die etwa 634 Millionen Dollar des ersten Teils, aber dennoch ein eindrucksvoller Erfolg. Das Sequel vergrößerte die Bühne, brachte neue Figuren ein und zeigte, wie gut Animationsmusicals in Serie funktionieren können. Eine liebevolle, dynamische Weiterführung.

    9. „Blues Brothers“ (1980) und „Blues Brothers 2000“ (1998)

    Es gibt wenige Filme, die einen so grandiosen Kultstart hinlegten wie Blues Brothers aus dem Jahr 1980 mit Dan Aykroyd und John Belushi. Der Film rund um die Brüder im schwarzen Anzug gilt heute als einer der wichtigsten Musikfilme aller Zeiten. 18 Jahre nach Teil 1, John Belushi war hier leider schon viel zu früh verstorben, machte man sich an ein Sequel. Dass dieses den Originalfilm übertreffen würde, glaubte niemand – und darum ging es auch gar nicht. Vielmehr war es großartig, die Blues Brothers noch einmal hochleben zu lassen und auf die große Leinwand zu bringen. Mit massig Cameo-Auftritten, unter anderem von B. B. King, Eric Clapton und Isaac Hayes, und der entsprechenden musikalischen Power entstand ein Film, der trotz schwächerer Zahlen einen festen Kultstatus besitzt. Blues Brothers 2000 wurde zur liebevollen Hommage an eine Legende.

    10. „Frozen“ (2013) und „Frozen II“ (2019)

    Zu guter Letzt kommen wir zu einem Paradebeispiel für erfolgreiche Musicalfortsetzungen. Frozen II (deutscher Titel: Die Eiskönigin 2) setzte dem sechs Jahre zuvor erschienenen Musical Frozen (deutscher Titel: Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren) aus dem Hause Disney sogar noch eins drauf. Und wie: Mit rund 1,45 Milliarden Dollar wurde es zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten. Weltweite Kinogänger und Musicalfans zeigten sich begeistert von einem Film, der unter der Regie von Jennifer Lee und Chris Buck zum absoluten Megahit wurde. Warum das so wichtig war? Weil Frozen II bewies, dass ein Sequel nicht nur größer, sondern auch reifer, emotionaler und thematisch mutiger sein kann. Themen wie Identität, Herkunft, Verantwortung und Selbstfindung machten die Fortsetzung nicht nur zu einem finanziellen Triumph, sondern zu einem kulturellen Ereignis. Ein Abschluss, der das Franchise auf ein neues erzählerisches Niveau hebt.

  • Leprechaun-Filme in der richtigen Reihenfolge – und worum es in jedem Teil geht

    Leprechaun-Filme in der richtigen Reihenfolge – und worum es in jedem Teil geht

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Grüner Zylinder, Goldtopf und ein Hang zu makabrem Humor: Der Leprechaun ist nicht nur ein Kobold aus der irischen Mythologie – sondern auch der Star eines der bizarrsten Horror-Franchises aller Zeiten. 

    Seit 1993 meuchelt sich die kultige Horrorfigur quer durch den amerikanischen Traum und macht sogar einen (no pun intended) Abstecher ins Weltall. Dabei changiert die Reihe mühelos zwischen Slasher, schwarzer Komödie und satirischem Trash – oft mit bewusst schlechtem Geschmack, aber ebenso viel Kultpotenzial.

    In acht Filmen wurde der kleine, mordende Kobold zur beliebten Horror-Ikone, deren Reim-Sprüche genauso berüchtigt sind wie seine blutigen Racheakte. In dieser Liste stellen wir dir alle Teile der Reihe in der richtigen Reihenfolge vor.

    Leprechaun - Der Killerkobold (1993)

    Leprechaun (1993) ist die Geburt einer Kultfigur und ein Paradebeispiel für das, was das Franchise ausmacht: absurder Humor, kreative Kills und eine Prämisse, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Der kleine Kobold metzelt sich in diesem ersten Teil durch ein abgelegenes Haus – mal mit Reimen, mal mit Flüchen, mal mit selbstgebastelten Fallen. Dabei steht sein gestohlenes Gold im Zentrum. Der Film bietet eine Mischung aus Slapstick, Gewalt und Märchenästhetik. Jennifer Aniston gibt hier ihr Debüt, was dem Film rückblickend Kultstatus verleiht. Zwar ist vieles trashig inszeniert, aber genau das macht den Reiz aus. Späteren Teilen wie Leprechaun 2 oder Leprechaun Returns diente er als Blaupause: wenig Logik, viel Spaß und maximaler Kultfaktor. Wer auf 90er-Jahre-Horror mit schrägem Ton steht, wird hier definitiv fündig.

    Leprechaun 2: Der Killerkobold kehrt zurück (1994)

    Leprechaun 2 (1994) verlegt das Geschehen nach Los Angeles und bringt neue Elemente ins Spiel: Der Kobold will heiraten – und sucht sich ausgerechnet eine Nachfahrin seiner alten Peiniger aus. Zwischen urbanem Chaos, Touristenfallen und makabren Hochzeitsszenarien entfaltet sich ein noch blutigeres Gemetzel. Die Kills sind kreativer, der Humor schwärzer, die Sprüche der Titelfigur noch bissiger. Warwick Davis überzeugt erneut mit sichtbarem Spaß an der Rolle. Auch wenn die Story hanebüchen und etwas holprig wirkt, punktet der Film durch Tempo, Skurrilität und eine gewisse Derbheit, die Fans zu schätzen wissen. Kein anspruchsvoller Klassiker, aber ein unterhaltsamer Beitrag zum wachsenden Trash-Kanon des Kobolds. Und wer ihn in Hochform erleben will, bevor es in Teil 3 und 4 völlig eskaliert, ist hier goldrichtig.

    Leprechaun 3 - Tödliches Spiel in Las Vegas (1995)

    Willkommen in Las Vegas – dem perfekten Ort für Gier, Betrug und todbringende Kobolde. In Leprechaun 3 (1995) findet sich der mörderische Mini-Protagonist im grellen Las Vegas wieder und entfesselt dort sein mörderisches Chaos, als hätte er sich James Bonds Lizenz zum Töten ausgeliehen. Ob Showgirls, Zocker oder Magier – niemand ist sicher vor seinem Rachedurst. Besonders gelungen ist der satirische Blick auf die Sucht nach Reichtum, der mit absurden Metamorphosen und grotesken Todesarten untermalt wird. Im Gegensatz zu Leprechaun 2 nimmt sich dieser Film gar nicht mehr ernst – und legt damit die Grundlage für den völligen Trash-Wahnsinn von Leprechaun 4: In Space. Trotz seines kleinen Budgets wurde er der erfolgreichste Direct-to-Video-Film des Jahres – und ist heute ein absoluter Kultfavorit unter Genrefans.

    Leprechaun 4: In Space (1997)

    Was macht man, wenn man als Franchise alles ausprobiert hat? Genau: Man fliegt ins All. Leprechaun 4 (1997) spielt auf einem fremden Planeten, wo der Kobold sich als galaktischer Tyrann versucht – inklusive Alien-Prinzen, mutierten Cyborgs und Laserschwerten. Die Handlung ist so absurd, dass sie fast schon wieder Sinn ergibt – also zumindest irgendwie. Wer Leprechaun 3 noch halbwegs nachvollziehbar fand, erlebt hier den endgültigen Kontrollverlust. Trashiger als dieser Film wird es kaum: billige Sets, groteske Make-up-Effekte und Dialoge zum Augenrollen. Aber genau deshalb funktioniert er – als selbstironisches Spektakel voller gestörter Ideen und Geschmacksverirrungen. Kurzum: Ein abgedrehter Trip ins interstellare Nonsens-Kino – meilenweit entfernt von intelligent, aber dafür unvergleichlich.

    Leprechaun 5 - In the Hood (2000)

    Mit dem fünften Teil wagt sich das Franchise auf ungewöhnliches Terrain: die Hip-Hop-Kultur der Jahrtausendwende. Drei Nachwuchsrapper stehlen dem Leprechaun sein Gold – ein dummer Fehler, den sie bald bitter bereuen. Leprechaun in the Hood (2000) mischt Slasher, Blaxploitation und Comedy mit Weed-Jokes und Rap-Performances. Der Film ist voller politisch unkorrekter Gags, stellt sich aber gleichzeitig als Kommentar auf Konsum, Armut und künstlerischen Ausverkauf dar. Besonders kurios: Der Leprechaun rappt selbst – mit überraschend viel Flow. Nach dem interstellaren Irrsinn von In Space wirkt In the Hood fast bodenständig – aber ähnlich bescheuert. Für viele Fans ist dieser Teil der unangefochtene Kult-Höhepunkt der Reihe. Wer offen für Genre-Crossover ist, sollte ihn unbedingt gesehen haben. Dasselbe gilt natürlich für die ähnlich durchgeknallte, aber nicht ganz so gelungene Fortsetzung.

    Leprechaun 6 - Back 2 tha Hood (2003)

    Es geht zurück in die Hood – aber mit deutlich weniger Biss als im Vorgänger. Back 2 tha Hood (2003) setzt erneut auf urbane Settings und popkulturelle Referenzen, wirkt dabei aber weniger inspiriert als der Vorgänger In the Hood.  Zwar sind einige Kills herrlich übertrieben und die Effekte handgemacht charmant, doch Story und Figuren wirken einfach eine Spur blasser. Die Ironie und Frechheit des Vorgängers fehlen hier weitgehend. Trotzdem: Der Film bietet soliden Splatter, absurde Dialoge und ein paar erinnerungswürdige Szenen. Klar, er gehört nicht zu den Highlights der Reihe – aber für eingefleischte Fans gilt: Lieber ein mittelmäßiger Leprechaun-Film als gar keiner. 

    Leprechaun: Origins (2014) 

    Mit Origins (2014) wagt das Franchise über zehn Jahre nach Back 2 tha Hood einen drastischen Neustart – düster, ernst, realistisch. Der Kobold ist hier kein witziger Sprücheklopfer mehr, sondern ein stummes, gnadenloses Monster. Die Optik erinnert an klassische Creature Features, das Setting spielt in einem irischen Dorf voller Geheimnisse. Trotz atmosphärischer Grundidee leidet der Film etwas unter schwacher Figurenzeichnung und generischen Horrorelementen. Fans der alten Reihe vermissen den Humor und Warwick Davis schmerzlich. Im Vergleich zum vier Jahre später folgenden Leprechaun Returns ein missglückter Neuanfang – interessant, aber seelenlos. Als Standalone-Horrorfilm funktioniert er durchaus – als Teil der Reihe wirkt er eher wie ein Fremdkörper.

    Leprechaun Returns (2018)

    Das von vielen Fans als enttäuschend empfundene Reboot veranlasste die Macher von Leprechaun Returns (2018) dazu, zur altbewährten Erfolgsformel zurückzukehren – mit überraschend solidem Ergebnis. Der Film versteht sich als direkte Fortsetzung des Originals von 1993 und knüpft tonal wie stilistisch genau dort an. Mit einem neuen Darsteller in der Titelrolle, viel Practical Effects und reichlich schwarzem Humor bietet der Film genau das, was Fans lieben: absurde Gewalt, ironische Sprüche und einen respektlosen Umgang mit Genre-Konventionen. Im Vergleich zu Origins wirkt dieser Film wie eine Wiedergutmachung: weniger Horror, mehr Spaß. Die weibliche Hauptfigur ist übrigens die Tochter von Anistons Figur aus Teil 1, was bei Fans zusätzlich Nostalgie erzeugt. Ein gelungenes Revival mit Augenzwinkern und Blutfontänen.

  • Schöne Bescherung! 10 besondere Sitcom-Weihnachtsfolgen

    Schöne Bescherung! 10 besondere Sitcom-Weihnachtsfolgen

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Weihnachtsfolgen gehören nicht selten zum Besten, was eine Sitcom zu bieten hat: Sie schaffen Nostalgie, emotionale Fallhöhe und treiben das Chaos auf die Spitze. Im Idealfall entstehen daraus kein bloßen Festtagsspecials, sondern kleine Verdichtungen dessen, was die jeweilige Serie auszeichnet – Slapstick, soziale Beobachtung, Charaktertiefe oder schlicht die Freude daran, wie Menschen aneinander scheitern und dennoch zusammenfinden.

    Die folgenden zehn Episoden gehören zu den unterhaltsamsten Annäherungen an den Feiertagsmythos, von eskalierenden Santa-Auftritten über familiäre Mini-Dramen bis hin zu überraschend nachdenklichen Momenten.

    The Middle – „Die Weihnachtsfrau“ (Staffel 4, Folge 9)

    Mit dem gewohnt leichten Ton zeigt The Middle, wie sehr Feiertage Familien aus der Mittelklasse fordern können. In Die Weihnachtsfrau wird dieser Druck fast dokumentarisch spürbar, als die Hecks versuchen, Job, Verpflichtungen und Wünsche in eine (fragile) Balance zu bringen. Frankie nimmt eine Aushilfsstelle im Kaufhaus an, um über den Mitarbeiterrabatt überhaupt Geschenke möglich zu machen. Mike stolpert währenddessen über eine irritierende Wahrheit, als er seinem Bruder beim „Einlagern“ von Möbeln hilft. Axl erklärt die Garage kurzerhand zu seinem Rückzugsort, während der Reverend Brick eine Aufgabe zumutet, die größer scheint als dessen Selbstvertrauen. In diesen vielen kleinen Katastrophen entsteht eine Wärme, die den besonderen Charme der Sitcom ausmacht. Zugleich zeigt die Folge, wie sehr Weihnachten als Prüfstein für familiäre Geduld dient – und wie überraschend tröstlich es sein kann, wenn dennoch etwas Festtagsstimmung durchscheint.

    2 Broke Girls – „Elfenterror“ (Staffel 1, Folge 10)

    In 2 Broke Girls prallt der Glanz der Feiertage auf die finanziellen Realitäten des Großstadtlebens. Caroline fiebert voller Vorfreude dem Fest entgegen, doch ein kaputtes Haushaltsgerät zwingt Max und sie zum Improvisieren. Ihr Job als Kaufhaus-Elfen entpuppt sich als wenig glamouröser Rettungsversuch und zeigt mit bitter-komischen Humor, wie hart saisonale Arbeit sein kann. Genau darin liegt die Stärke der Folge: Elfenterror verknüpft Witz mit einer ehrlich-satirischen Beobachtung darüber, wie prekäre Lebensumstände selbst an Weihnachten weiterwirken. So entsteht ein überaus lustiges, recht unsentimentales Gegenbild zum klassischen Feiertagskitsch. Gleichzeitig erinnert die Episode daran, dass Freundschaft und Zusammenhalt oft stärker wiegen als perfekte Geschenke.

    Malcolm mittendrin – „Das Weihnachtsdilemma“ (Staffel 3, Folge 7)

    Das Weihnachtsdilemma seziert die Illusion des harmonischen Festes mit jener gnadenlosen Ehrlichkeit, die Malcolm mittendrin so besonders macht. Lois, ohnehin mit wenig Geduld gesegnet, streicht Weihnachten kurzerhand komplett, weil ihre Söhne sich partout nicht benehmen können. Malcolm, Reese und Dewey versuchen sich in künstlicher Vorbildlichkeit, scheitern spektakulär und planen schließlich den Einbruch in die Garage, um an die versteckten Geschenke zu gelangen. Was folgt, ist ein überdrehtes, aber erstaunlich warmes Bild davon, wie sehr familiärer Zusammenhalt auch dann greift, wenn das Chaos längst überhand genommen hat. Gerade weil die Serie die Familie nie künstlich idealisiert, wirkt die mühsam errungene Versöhnung am Ende so glaubwürdig – und typisch weihnachtlich auf ihre ganz eigene Art.

    The Office (US) – „Secret Santa“ (Staffel 6, Folge 12)

    Secret Santa zeigt, wie The Office selbst aus einer simplen Bürofeier ein komödiantisches Minenfeld macht. Im Zentrum steht Michaels gekränkte Eitelkeit: Als Phyllis ihm den Santa-Posten wegschnappt, reagiert er mit einer Mischung aus Trotz und Größenwahn – und erscheint prompt als selbsternannter Jesus. Diese Kollision aus beleidigtem Ehrgeiz und Menschlichkeit macht die Episode so treffsicher. Auch wenn kurzzeitig Gerüchte über die Zukunft von Dunder Mifflin die Stimmung trüben, findet die Folge schnell zu ihrem eigentlichen Ton zurück: präzise getimter Humor, der aus kleinen Reibereien große Momente formt. Zudem bietet sie eine Reihe kleiner, perfekt gespielter Nebenmomente im Ensemble, die zeigen, wie fein die Serie zwischen Peinlichkeit und Wärme balancieren kann.

    Bob’s Burgers – „The Bleakening“ (Staffel 8, Folge 6 & 7)

    In dieser Doppelfolge zeigt Bob’s Burgers, wie aus einer harmlosen Idee ein vielschichtiges Weihnachtsabenteuer werden kann. Linda verwandelt das Familienrestaurant in eine improvisierte Festlocation, doch als der kleine Baum verschwindet, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Die Belcher-Kinder folgen der Spur eines ominösen „Bleaken“ bis zu einem versteckten Warehouse-Rave – dem Ersatz für den geschlossenen LGBTQ-Club der Stadt. Die Mischung aus Familienchaos, queerer Community-Wärme und leichtem Mystery-Ton macht „The Bleakening“ zu einer modernen Weihnachtsgeschichte, die überraschend herzlich endet. Besonders stark ist, wie die Folge die Idee von Gemeinschaft betont – nicht als Pflicht, sondern als Ort, den man sich selbst erschafft, auch jenseits traditioneller Feiertagsnormen.

    Die Simpsons – „Das schwarze Schaf” (Staffel 7, Folge 11)

    Das Schwarze Schaf gehört zu den Episoden, in denen die Simpsons hinter dem Humor eine fein beobachtete Familiengeschichte entfalten. Auslöser ist Barts Wunsch nach einem Videospiel, den Marge wegen der darin vorkommenden Gewalt ablehnt. Als er einen folgenschweren Fehler macht, wird das Vertrauen zwischen Mutter und Sohn auf eine harte Probe gestellt. Die Episode entwickelt daraus ein leises, berührendes Porträt elterlicher Enttäuschung – und eines Jungen, der lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Gerade die zurückhaltende Emotionalität macht diese Weihnachtsfolge so einprägsam. Zudem erinnert sie daran, dass selbst exzentrische Springfield-Maßstäbe stets Raum für Versöhnung lassen.

    South Park – „Weihnacht im Walde” (Staffel 8, Folge 14)

    Weihnacht im Walde beginnt wie eine harmlose Bilderbuch-Weihnachtsgeschichte, kippt jedoch rasch ins Abgründige. Stan trifft auf sprechende Waldtiere, die ein Weihnachtsfest vorbereiten – doch hinter der märchenhaften Fassade lauert ein satanistisches Ritual, das die Geschischte in eine rabenschwarze Parodie verwandelt. South Park spielt geschickt mit der Frage, warum wir bestimmte Weihnachtsnarrative als selbstverständlich empfinden, und dreht jedes davon konsequent ins Gegenteil. So entsteht eine Anti-Weihnachtsgeschichte, die die Mechanik sentimentaler Erzählungen seziert, ohne ihren Humor zu verlieren. Die Reibung zwischen kindlicher Erzählweise und brutaler Überzeichnung macht diese Folge zu einem der kühnsten Festtags-Experimente der Serie.

    The Big Bang Theory – „Die Geschenk-Hypothese“ (Staffel 2, Folge 11)

    Die Episode entfaltet zwei Weihnachtsstränge, die auf unterschiedliche Weise festliche Themen wie Nähe und Erwartungsdruck verhandeln. Leonard wird aus dem Gleichgewicht gebracht, als ein berufliches Vorbild unerwartet in Pennys Leben auftaucht. Währenddessen kämpft Sheldon mit einem Dilemma ganz anderer Art: Er lehnt Weihnachten aus Prinzip ab, fühlt sich aber durch Pennys Aufmerksamkeit plötzlich verpflichtet, ein exakt passendes Geschenk zu finden. Seine verkopfte Suche nach dem „korrekten“ Wert führt zu einem Moment, der ihn so emotional nahbar wirken lässt wie selten. Spätestens die Auflösung macht „Die Geschenk-Hypothese“ zu einer der warmherzigsten und erinnerungswürdigsten Folgen aus dem Nerd-Kosmos. Sie zeigt zugleich, wie wertvoll echte, ungeplante Nähe in dieser ansonsten streng logischen Welt sein kann.

    Eine schrecklich nette Familie – „Frohe Weihnacht“ (Staffel 4, Folge 11 & 12)

    In deutlicher Anspielung auf Ist das Leben nicht schön? zeigt die Doppelfolge, wie gnadenlos die Bundys jeden Anflug von Feiertagsromantik unterlaufen. Al hat Geld für Geschenke gespart, verliert es jedoch durch eine Reihe chaotischer Missgeschicke wieder. Allein zurückgelassen, landet er nach einem Stromschlag in einer Zwischenwelt, in der ihm ein zweifelhafter Schutzengel vorführt, wie sein Leben „anders“ hätte verlaufen können. Eine schrecklich nette Familie bricht die sentimentale Vorlage mit bitterem Humor, Gerade diese Mischung aus parodierendem Biss und Anti-Sentimentalität macht „Frohe Weihnacht“ zu einer der unvergesslichsten Weihnachtsspitzen gegen den Mythos besinnlicher Feiertagsstimmung. 

    Mr. Bean – „Merry Christmas, Mr. Bean“ (Folge 7)

    In der Weihnachtsfolge werden die Feiertage zur Bühne für Mr. Beans wunderbar verschrobene Weltsicht: Er will alles richtig machen – und scheitert mit Hingabe. Im Kaufhaus richtet er in der Spielzeugabteilung ein absurdes Miniaturtheater an, in dem Krippenfiguren und Plastiksoldaten plötzlich epische Schlachten austragen. Zuhause wiederum bereitet er das Festmahl mit bemerkenswerter Ahnungslosigkeit vor, die in einem der berühmtesten Truthahn-Momente der TV-Geschichte endet. Nichts wirkt bösartig, alles folgt Beans unbeirrbarem Vertrauen in seine eigenen Regeln: Geschenke, Dekoration, Tradition – alles wird neu sortiert, als gäbe es keine sozialen Skripte. Diese kindliche Unschuld, die in herrliche Katastrophen führt, macht Mr. Bean so einnehmend. Sie zeigt Weihnachten nicht als harmonisches Ideal, sondern als kleines Abenteuer, das vor allem von menschlicher Unbeholfenheit lebt.

  • “Culpa Mía”, “After” und alle anderen Wattpad-Adaptionen

    “Culpa Mía”, “After” und alle anderen Wattpad-Adaptionen

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Wattpad ist eine riesige Plattform, auf der Menschen ihre Geschichten direkt aus dem Kopf ins Netz schreiben - ungefiltert, emotional und oft näher am echten Leben als vieles, was Verlage zulassen würden. Aus genau dieser Energie entstehen später die Filme und Serien, die sich anfühlen, als würden sie den Puls ihrer Figuren noch aus dem Entstehungsmoment mittragen. 

    Sie haben diese ganz eigene Art, Gefühle so offen zu zeigen, dass man manchmal denkt, die Figuren hätten nie gelernt, irgendetwas für sich zu behalten. Alles passiert ein bisschen zu schnell, ein bisschen zu intensiv, ein bisschen zu nah an dem Punkt, an dem man normalerweise erst mal tief durchatmet. Ein Blick auf Twilight zeigt, wie vertraut dieses Tempo längst ist: zwei Menschen geraten in etwas hinein, das sofort größer wirkt, als beide es verstehen, und genau das macht den Reiz aus. Wattpad-Filme funktionieren ähnlich, nur direkter. In diesen Geschichten geht es nie darum, alles richtig zu machen, sondern darum, etwas zu fühlen, das man nicht wegdiskutieren kann. Und genau deshalb wirken sie so lebendig: Sie tun nicht so, als gäbe es eine richtige Reihenfolge fürs Verlieben.

    1. Culpa-Reihe 

    Noah zieht mit ihrer Mutter in ein neues Haus und landet mitten in einem Leben, das sich eher fremd als verheißungsvoll anfühlt. Dort trifft sie auf Nick, den Sohn des neuen Partners ihrer Mutter, der mit seiner Mischung aus Charme und Gefahr wie ein Problem wirkt, das man eigentlich nicht anfassen sollte. Culpa Mia – Meine Schuld zeigt, wie schnell Anziehung entsteht, wenn beide versuchen, cool zu wirken, aber längst mehr sehen, als sie wollen. Die beiden Fortsetzungen Culpa Tuya – Deine Schuld und Culpa Nuestra – Unsere Schuld vertiefen diese Bruchlinien zwischen Nähe, Loyalität und den Grenzen, die man überschreiten kann, bevor alles kippt. Die Reihe erzählt nicht in großen Gesten, sondern in Blicken, Missverständnissen und kleinen Verletzungen, die sich summieren. Und genau deshalb wirkt das Ganze so greifbar. Im Vergleich zur impulsiveren After-Reihe bleibt „Culpa“ näher am Alltag, ohne an Intensität zu verlieren. Die Filme sind weniger dramatisch aufgeladen, aber ehrlicher darin, wie schwierig es ist, jemanden zu mögen, der ständig etwas in einem auslöst, das man noch nicht einordnen kann.

    2. After-Reihe

    Tessa beginnt ihr Collegeleben in der Hoffnung auf einen Neuanfang und trifft dort auf Hardin, der all das infrage stellt, was sie über sich selbst zu wissen glaubte. After Passion erzählt ihre Verbindung so, dass man versteht, warum beide fasziniert sind, obwohl sie ständig aneinander vorbeireden. In After Truth wird deutlich, dass ihre Dynamik nicht einfacher wird, nur ehrlicher: Gefühle, die zu früh zu groß werden, Ausbrüche, die mehr über eigene Unsicherheiten sagen als über den anderen. Die folgenden Teile After Love, After Forever und After Everything zeigen, wie Beziehungen funktionieren, wenn Nähe gleichzeitig Kraft und Schwachpunkt ist. Die Reihe lebt davon, dass Tessa und Hardin aufeinander reagieren, bevor sie überhaupt zu Ende denken, was sie fühlen. Im Vergleich zur Culpa-Reihe wirkt alles unkontrollierter und roher, fast wie ein Dauerlauf zwischen Verletzlichkeit und Trotz. Die Filme zeigen sehr präzise, wie zwei Menschen sich finden können, obwohl sie sich ständig verlieren.

    3. The Kissing Booth-Reihe 

    Elle wächst mit festen Regeln auf, vor allem jener, dass man die Geschwister seines besten Freundes nicht daten sollte. Genau das passiert ihr, als sie ausgerechnet Noah näherkommt – und plötzlich ihr ganzes soziales Gleichgewicht verrutscht. The Kissing Booth erzählt das leichtfüßig und mit einem Charme, der an Sommerabende erinnert, an denen man sich zu schnell verliebt und zu spät begreift, was das für alle bedeutet. The Kissing Booth 2 erweitert diese Welt um Fernbeziehungssorgen und Zukunftspläne, und The Kissing Booth 3 zeigt, wie schwer es ist, Entscheidungen zu treffen, die wirklich von einem selbst kommen. Die Trilogie lebt von der Mischung aus Leichtigkeit und echtem Chaos: kleine Unsicherheiten, die große Wirkung haben, Freundschaften, die belastbarer sind als gedacht, und Momente, in denen Elle merkt, dass man nicht jedem gefallen kann. Im Vergleich zu den aufgeladenen Konflikten der After-Reihe wirken diese Filme spielerischer, dafür näher an den Fragen, die man sich stellt, wenn man zum ersten Mal versucht, sein eigenes Leben zu wählen.

    4. Through My Window-Reihe

    Raquel schreibt schon lange an einer Geschichte über Ares, bevor er überhaupt weiß, dass sie existiert. Als die beiden wirklich aufeinandertreffen, wirkt das wie ein Sprung von Fantasie zu Realität, der sie überrumpelt. Through My Window – Ich sehe nur dich zeigt, wie Nähe entsteht, wenn zwei Menschen sich gegenseitig aus der Ruhe bringen, ohne dass einer der beiden damit gerechnet hat. In Über das Meer werden sie mit der Frage konfrontiert, was bleibt, wenn Distanz plötzlich mehr Raum bekommt, und Ich seh’ dich an erzählt, wie schwer es ist, sich zu lösen, wenn die Verbindung einmal tief genug gegangen ist. Die Filme arbeiten mit einer leichten, fast mediterranen Wärme, die den ernsten Momenten eine Weichheit verleiht, ohne sie abzuschwächen. Im Vergleich zur direkteren Culpa-Reihe wirken die Konflikte behutsamer, aber nicht weniger intensiv. Die Trilogie trifft genau die Stimmung, die entsteht, wenn Realität und Fantasie sich überschneiden und man zum ersten Mal merkt, wie kompliziert Nähe werden kann.

    5. Perfect Addiction (2023)

    Sienna entdeckt, dass ihr langjähriger Partner sie betrogen hat, und ihr Leben kippt in einen Zustand, in dem Wut und Selbstzweifel sich ständig abwechseln. Sie sucht Halt im Training, das ihr Routine gibt, während alles andere wankt. Perfect Addiction verknüpft diesen Neuanfang mit Kayden, der selbst genug Ballast mitbringt, um zu wissen, dass Stärke nichts mit Härte zu tun hat. Der Film erzählt ihre Annäherung nicht als romantischen Zufall, sondern als vorsichtigen Prozess, bei dem beide lernen, Grenzen zu setzen, ohne sich komplett abzuschotten. In den besten Szenen sieht man Sienna genau dann weich werden, wenn sie glaubt, hart bleiben zu müssen. Im Vergleich zur stürmischen Dynamik der After-Reihe wirkt diese Geschichte klarer, fast erwachsener, aber nicht weniger emotional. Der Film zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst zurückzuholen, bevor man einem anderen Menschen Platz macht - und dass Vertrauen erst entsteht, wenn man aufhört, sich zu verstellen.

    6. Anónima - Nachricht von Unbekannt (2021)

    Valeria und Alex lernen sich anonym über Nachrichten kennen, lange bevor sie wissen, dass sie sich im echten Leben ständig verpassen. Ihre Chats werden zu einem Raum, in dem beide mutiger sind als offline. Nachricht von Unbekannt zeigt, wie leicht man sich in der Vorstellung einer Person verlieren kann, besonders wenn man glaubt, endlich jemanden gefunden zu haben, der einen wirklich hört. Als sie sich in der Realität begegnen, wirkt nichts so einfach, wie sie es sich ausgemalt haben, und genau darin liegt die Stärke des Films. Die Figuren versuchen nicht, besonders cool oder besonders reif zu wirken, sie sagen einfach, was ihnen Angst macht, und das macht sie glaubwürdig. Im Vergleich zu The Kissing Booth ist die Stimmung zurückhaltender, aber die Emotionen sind genauso stark. Der Film erinnert daran, dass die schönsten Verbindungen manchmal die sind, die einen dazu bringen, sich offline genauso ehrlich zu zeigen wie online.

    7. Ich und die Walter Boys (Serie, 2023)

    Nach einem tragischen Verlust zieht Jackie in eine Großfamilie, die so laut, herzlich und durcheinander ist, dass sie kaum Zeit hat, ihre eigene Traurigkeit zu verstecken. Die Walter Boys geben ihr unfreiwillig ein neues Umfeld, in dem sie herausfinden muss, wer sie ohne ihre alte Welt ist. Die emotionale Spannung entsteht vor allem durch die beiden Brüder Cole und Alex, die jeweils etwas in ihr auslösen, das sie nicht sofort greifen kann. Ich und die Walter Boys erzählt behutsam, wie Jackie Schritt für Schritt lernt, wieder Entscheidungen zu treffen, die ihr gehören. Die Figuren dürfen Fehler machen, dürfen danebenliegen, dürfen weiterziehen, und genau das macht die Geschichte so warm. Wenn man sich dagegen die aufgekratzte Dynamik der Kissing Booth-Reihe anschaut, wirkt Walter Boys reifer, aber nie schwer. Die Serie lässt ihren Figuren Raum zu wachsen und zeigt, dass Romantik manchmal nur der Anfang ist, um wieder Zugang zu sich selbst zu finden.

    8. Der Tränenmacher (2024)

    Nica wächst in einer Pflegefamilie auf, die so viele unausgesprochene Geheimnisse in sich trägt, dass sie früh gelernt hat, leise zu sein. Als Rigel dort auftaucht, wirkt er auf den ersten Blick unnahbar, aber in den stillen Momenten zeigt sich eine Verletzlichkeit, die Nica nicht ignorieren kann. Der Tränenmacher arbeitet weniger mit Handlung als mit Atmosphäre: Räume, die zu groß wirken, Blicke, die länger stehen bleiben, als sie sollten, Stimmen, die sich erst nach und nach öffnen. Die Beziehung zwischen Nica und Rigel entsteht im Schatten dieser Unsicherheiten, tastend und fast scheu. Der Film ist intensiver, als er tut, weil er alles Unausgesprochene ernst nimmt. Gegen die sonnenhelle Energie von Through My Window – Ich sehe nur dich wirkt diese Geschichte dunkler, aber nicht hoffnungslos. Sie erzählt davon, wie schwierig es ist, sich jemandem anzuvertrauen, wenn man gelernt hat, sich zu verstecken, und wie befreiend es sein kann, wenn jemand trotzdem bleibt.

    9. Boot Camp - Liebe ist den Einsatz wert (2024)

    Riley wird von ihren Eltern in ein vermeintlich therapeutisches Erziehungsprogramm geschickt, das mit Ordnung und Neustart wirbt, aber schnell wie ein Ort wirkt, an dem sich Regeln wichtiger nehmen als Menschen. Boot Camp erzählt ihre ersten Tage dort mit einer Mischung aus Ohnmacht und Trotz, weil jeder Versuch, sich anzupassen, nur deutlicher macht, dass sie eigentlich niemanden hat, dem sie trauen kann. Die stärksten Szenen entstehen genau dann, wenn kleine Bündnisse unter den Jugendlichen aufblitzen: kurze Momente von Solidarität in einem System, das darauf ausgelegt ist, sie zu brechen. Der Film macht daraus keine große Rebellion, sondern zeigt, wie schwer es ist, klar zu bleiben, wenn Erwachsene ständig behaupten, man wisse nicht, was gut für einen sei. Gerade das verleiht Rileys Entwicklung eine Glaubwürdigkeit, die man bei vielen lauteren Stoffen kaum findet. Wo eine Adaption wie Perfect Addiction mehr auf emotionale Nähe und Heilung setzt, zeigt Boot Camp, wie viel Mut es kostet, überhaupt erst zu sich zu stehen. Der Film bleibt nah an seinen Figuren und daran, wie sich Selbstbehauptung anfühlt, wenn der Raum dafür eigentlich gar nicht vorgesehen ist.

    10. The Bad Boy and Me (2024)

    Die Geschichte beginnt damit, dass die Hauptfigur völlig unerwartet zur Assistentin des beliebten Quarterbacks der Schule wird, obwohl beide keine Ahnung haben, was sie voneinander halten sollen. Diese Ausgangslage erzeugt eine Spannung, die nicht künstlich wirkt, sondern aus den Rollen entsteht, die ihnen zugeschrieben werden. Der Quarterback ist weniger selbstsicher, als sein Image vermuten lässt, und sie ist weniger unsichtbar, als sie denkt. The Bad Boy and Me erzählt von den Momenten, in denen man jemanden sieht, bevor man bereit ist zuzugeben, dass man es tut. Die Annäherung ist leise, fast unaufdringlich, aber gerade deshalb glaubwürdig. Im Vergleich zu Anonymously Yours wirkt die Geschichte etwas lauter, weil Schule, Sport und Erwartungen keine kleinen Räume sind, aber die Emotionen bleiben nachvollziehbar. Es ist eine dieser Romanzen, die zeigt, dass das echte Drama selten in großen Gesten liegt, sondern in kleinen Wahrheiten.

    11. Turn On (Serie, 2021)

    Turn On beginnt, als zwei Menschen in eine arrangierte Ehe gedrängt werden, obwohl sie einander kaum kennen. Die Serie interessiert sich nicht für große Konflikte, sondern für kleine Schritte der Annäherung, für die Frage, wie man jemandem vertraut, der plötzlich Teil des eigenen Alltags ist. Die Protagonisten nähern sich über Alltagssituationen an, über Gespräche, die vorsichtiger beginnen, als sie enden, und über Momente, in denen einer dem anderen mehr zeigt, als er geplant hatte. Die Geschichte bleibt intim und ruhig, ohne kitschig zu wirken. Im Vergleich zu Through My Window ist das Tempo langsamer, fast beobachtend. Turn On funktioniert, weil es nicht vorgibt, dass Nähe sofort entsteht, sondern zeigt, wie sie wächst, wenn zwei Menschen aufhören, sich voreinander zu verstecken.

  • Oscars 2026: Das sind die aktuellen Favoriten im Rennen um die „Academy Awards“

    Oscars 2026: Das sind die aktuellen Favoriten im Rennen um die „Academy Awards“

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Die Oscar-Saison 2026 nimmt zunehmend Konturen an – mit einem Feld, das zugleich breit, ungewöhnlich international und thematisch auffallend düster erscheint. 

    In den Vorläufen internationaler Branchenblätter kristallisieren sich bereits erste Favoriten heraus: Filme wie One Battle After Another, Hamnet oder Sinners markieren sehr unterschiedliche Schwerpunkte, spiegeln aber die gegenwärtigen Spannungen des amerikanischen wie internationalen Kinos. 

    Neben klassischen Prestigeprojekten und ambitionierten Studioproduktionen finden sich unerwartet viele Titel mit stark persönlicher Handschrift. Die folgende Übersicht fasst den aktuellen Stand der Debatte zusammen – und zeigt, welche Filme, Schauspielerinnen und Schauspieler in den wichtigsten Kategorien derzeit als führende Favoriten gelten und welche Außenseiter überraschen könnten.

    Bester Film

    In zahlreichen Branchenmagazinen führt aktuell One Battle After Another das Feld an: Tatsächlich trägt Paul Thomas Andersons paranoider Gegenwartsfilm zahlreiche Merkmale eines künftigen Kanonfilms, von Leonardo DiCaprios erschöpftem Ex-Revoluzzer bis zur nervös brodelnden Zeitgeiststruktur, die an seine eigenen frühen Ensemblewerke erinnert. Daneben behauptet sich der in Deutschland noch nicht erschienene Hamnet als klassische Prestigeproduktion in vielerlei Rankings: Chloé Zhao erzählt den Tod von William und Agnes Shakespeares Sohn als dichtes Trauerdrama und bietet dem Zweig der Academy, der Tradition schätzt, eine elegante Wahl. Die politischen und etwas wilderen Energien bündelt aber sicherlich Sinners, Ryan Cooglers Blues-Vampir-Hybrid, der Genre und Geschichte verschränkt und beim Publikum deutlich besser ankam, als es das Konzept zunächst vermuten ließ.

    Der hierzulande ebenfalls noch nicht erschienene Marty Supreme wiederum löst gerade einen regelrechten Netzhype aus und wirkt wie der logische Safdie-Nachfolger zu Uncut Gems: Ein fiebriger Rausch über Ruhm und Ausverkauf, der auch bei Kritikern für Euphorie sorgt. Joachim Triers Sentimental Value hält als leise Familienchronik die Arthouse-Fahne unter den Favoriten hoch, während Guillermo del Toros Frankenstein wohl eher durch opulente Bildarbeit und eine klassische Gothic-Struktur auf gewisse Sympathien der Academy stoßen dürfte. Netflix ist daneben mit Train Dreams und Jay Kelly im Rennen – ersteres ein stilles Americana-Drama, letzteres ein Baumbach-Beziehungsstück in der Tradition von Marriage Story. Abgerundet wird die Top 10 im Rennen um den Oscar für den „Besten Film“ von zwei Eventtiteln: dem Musical-Giganten Wicked 2 und dem Hochglanz-Rennfilm F1, die weniger wegen formaler Radikalität, sondern als populäre, technisch ambitionierte Schwergewichte mit ins Feld rücken.

    Beste Regie

    In der Regiekategorie zeichnet sich eine starke Auteur-Achse ab. Paul Thomas Anderson bleibt mit One Battle After Another der naheliegende Favorit, nicht zuletzt, weil die Academy ihm nach Jahrzehnten markanter Arbeiten und elf Nominierungen gewissermaßen eine überfällige Krönung schuldet. Ryan Coogler positioniert sich mit Sinners als Gegenpol: Ein formal verspielter, politisch aufgeladener Genre-Mix, der zeigt, wie weit Studiofilme gehen können. Chloé Zhao knüpft, so die vielfache Einschätzung, mit Hamnet an Nomadland an und verbindet intime Figurenführung mit präziser, historischer Bildgestaltung.

    Joachim Trier ist mit Sentimental Value wiederum der internationale Autorenname, der seit Jahren auf eine große Hollywood-Anerkennung zusteuert. Sein Film ist wie schon andere Werke des Norwegers ein Musterbeispiel dafür, wie persönliches Erzählen und gesellschaftliche Themen durch strukturelle Raffinesse zusammengehen können. In einem Jahr, das von Rückkehr-Erzählungen geprägt ist, sticht jedoch auch eine andere Handschrift hervor: Jafar Panahis Ein einfacher Unfall – ein filmisches Statement mit politischer Sprengkraft, das formal entschlackt, aber inhaltlich umso explosiver auftritt. Panahi führt das Kino an jenen Punkt zurück, an dem es zur reinen Beobachtung wird – und zur moralischen Frage.

    Dass sich mit Josh Safdies wahnwitzigem Marty Supreme zudem ein radikaler Regie-Akt aufdrängt, der das klassische Preisvokabular eher sprengt, denn bestätigt, macht die Gemengelage nur noch spannender. In der Summe wirkt die Kategorie 2026 wie ein Panorama möglicher Zukunftsrichtungen: von der operettenhaften Größe eines Oscar-Gewinners bis hin zur konzentrierten, widerständigen Miniatur.

    Beste Hauptdarstellerin

    Das Schauspielerinnenfeld wirkt außerordentlich weit – und auffallend Indie-geprägt. Jessie Buckley in Hamnet wird vielerorts bereits als sichere Größe gehandelt. Renate Reinsve wiederum führt mit Sentimental Value eine Linie fort, die mit Der schlimmste Mensch der Welt begonnen hat, diesmal jedoch ernster, schattierter und weniger verspielt vorbringt. In diese Richtung weist auch Rose Byrnes wagemutige Darstellung in If I Had Legs I’d Kick You, die ästhetisch wie emotional weit aus dem sicheren Terrain herausragt und bereits bei der Berlinale mit einem silbernen Bären gewürdigt wurde. Emma Stone wiederum setzt in Bugonia ihre überaus beeindruckende Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos fort und spielt eine Figur, die zwischen Farce, Körperhorror und Begehren oszilliert. Ein bewusst überzeichnetes, aber enorm beeindruckendes Spiel. Und Amanda Seyfried liefert – so heißt es – in dem ebenfalls noch nicht in Deutschland gestarteten The Testament of Ann Lee eine spirituell aufgeladene, körperlich hochriskante Performance, in der religiöse Ekstase, Wahn und Sehnsucht eng ineinandergreifen – und die das Potenzial besitzt, als späte Außenseiterin zum ernsthaften Faktor zu werden.

    Dazu kommen Chase Infiniti in One Battle After Another, Tessa Thompson in Hedda, einer modernen Ibsen-Variation, und eine einnehmend ausdrucksstarke Darbietung von Jennifer Lawrence in der radikal subjektiven Depressionserzählung Die, My Love, die eine Würdigung mehr als verdient hätte – aber wohl deutlich geringere Chancen hat als etwa Cynthia Erivo, die als Elphaba in Wicked 2 das einbringt, was die Academy immer wieder würdigt: große Stimme, ikonische Rolle, emotionaler Overkill. Dennoch ist es in diesem Jahrgang eine Favoritenkonstellation, in der auffällig wenig Platz für reine „Oscarbait“-Performances bleibt – und wie stark psychologische Extremzustände die Saison prägen.

    Bester Hauptdarsteller

    Die männliche Hauptkategorie ähnelt einem Schachbrett mit kaum schwachen Figuren. Leonardo DiCaprio in One Battle After Another steht naturgemäß im Zentrum vieler Prognosen: als gealterter Ex-Aktivist, der an seinen eigenen Idealen scheitert, verbindet er Starpower und charakterorientiertes Spiel in einer Weise, die Oscar-Gremien erfahrungsgemäß honorieren. Timothée Chalamet steht mit Marty Supreme ein zweites Mal in Folge in der Favoritenzone: Nach dem knapp verpassten Sieg für A Complete Unknown verkörpert er nun einen typischen Safdie-Protagonisten, der zwischen Hybris und Zusammenbruch taumelt.

    Während Michael B. Jordan mit Sinners überzeugend den Weg vom Franchise-Star zum formal interessanten Charakterkino weitergeht, bringt Wagner Moura in The Secret Agent die Sichtbarkeit einer internationalen Produktion in die Kategorie und könnte – sollte der Film im übrigen Feld gut laufen – zum Symbol einer stärker global aufgestellten Academy werden. Daneben gelten George Clooney (Jay Kelly), Ethan Hawke (Blue Moon) und Jeremy Allen White als Bruce Springsteen in Deliver Me From Nowhere als (einigermaßen) aussichtsreiche Kandidaten, die zeigen, wie unterschiedlich die Wege zur gleichen Statue sein können.

    Beste Nebendarstellerin

    In der Nebendarstellerinnen-Kategorie prallen Musical-Glanz, Arthouse-Feinarbeit und Genre-Aufbrüche aufeinander. Ariana Grande könnte mit ihrer Glinda in Wicked 2 einen klassischsten Oscar-Slot ergattern: eine prominente Popfigur, die sich als durchaus ernstzunehmende Schauspielerin in einer ikonischen Rolle behauptet. Allerdings sorgte Teyana Taylor in One Battle After Another trotz begrenzter Screentime für eine der meistbesprochenen Leistungen – und damit genau jene „Scene Stealer“-Darstellung, die in dieser Kategorie besonders weit kommen kann.

    Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas teilen sich in Sentimental Value eine Art Doppelspitze: zwei Performances, die überaus unterschiedlich sind und doch beide das Interesse der Academy wecken könnten. Auch Regina Hall wird regelmäßig als eine der Favoritinnen genannt, mischt im selben Film wie Teyana Taylor mit und könnte von der Gesamtwucht des PTA-Projekts profitieren. Schließlich drängen Amy Madigan (Weapons) mit einer erinnerungswürdigen Horrorperformance und Nina Hoss (Hedda) als deutsche Schauspielerin ins Favoritenfeld.

    Bester Nebendarsteller

    Im Nebendarsteller-Rennen überschneiden sich ausstehende Karriere-Würdigungen, Comebacks und Aufstiege. Stellan Skarsgård Rolle in Sentimental Value könnte die ideale Gelegenheit sein, eine jahrzehntelange Karriere auszuzeichnen. Sean Penn und Benicio del Toro sind als Teil eines großen Oscar-Favoriten, One Battle After Another, ebenfalls wahrscheinliche Kandidaten. Paul Mescal werden als William Shakespeare in Hamnet ebenfalls große Chancen zugesprochen. Aber auch für Adam Sandler könnte sich mit Jay Kelly endlich der Wunsch nach Anerkennung abseits seiner Komödiantenkarriere erfüllen.

    Jacob Elordi wiederum konnte in Frankenstein einen Schritt weiter weg vom Teenie-Seriengesicht hin zum ernsthaften Charakterdarsteller machen. Ergänzt wird das Favoritenfeld durch Namen wie Miles Caton (Sinners), William H. Macy (Train Dreams) oder Jeremy Strong (Springsteen: Deliver Me From Nowhere), die jeweils unterschiedliche Traditionslinien der Kategorie fortführen, vom Ensemble-Arbeiter bis zum „Method“-besessenen Charakterdarsteller.

    Bestes Originaldrehbuch

    Die Kategorie „Originaldrehbuch“ dient voraussichtlich auch dieses Jahr als Ventil für Filme, die in der Königskategorie womöglich knapp scheitern. Sinners ist hier einer der spannendsten Kandidaten: Ryan Coogler verknüpft Blues-Geschichte, Vampir-Mythologie und amerikanische Gegenwart zu einem Plot, der riskant, überbordend und in besten Momenten erstaunlich präzise ist. Sentimental Value von Joachim Trier und Eskil Vogt repräsentiert das Gegenteil: ein fein ausbalanciertes, aber strukturell komplexes Familiendrama, das sich nie in Konstruktion verliert.

    Marty Supreme bringt mit der Safdie-Signatur ein Drehbuch ins Rennen, das bewusst zu viel von allem ist – überfrachtet, dialoglastig, aber in seiner Überdosis konsequent, wie es heißt. Noah Baumbach (mit Emily Mortimer) liefert in Jay Kelly ebenfalls das, was die Academy von ihm kennt, bislang aber nur mit Oscar-Nominierungen bedacht wurde: scharfe Beobachtung von Paar- und Familienkonflikten. Ein einfacher Unfall von Jafar Panahi schließlich bietet ein politisch aufgeladenes, formal strenges Buch, das Macht, Schuld und Zufall verschränkt. Ergänzt durch Außenseiter wie The Testament of Ann Lee, The Secret Agent oder If I Had Legs I’d Kick You entsteht ein Feld, in dem Sprache, Struktur und Tonfall oft mehr wiegen als Publikumszahlen.

    Bestes adaptiertes Drehbuch

    Bei den Adaptionen konzentriert sich viel auf zwei offensichtliche Schwergewichte: Hamnet und One Battle After Another. Aber auch Guillermo del Toro werden Chancen eingeräumt – der transformiert mit Frankenstein einen Kanonstoff in eine persönliche Reflexion über Monstrosität, Kreatur und Schöpfer, was die Drehbuchleistung zwar nicht weit über eine bloße Aktualisierung hinaushebt, aber dennoch gewürdigt werden könnte. Deutlich interessanter ist da Bugonia (Will Tracy) als schneidige Satire, die auf dem südkoreanischen Film Save the Green Planet! basiert, und eine herausragende Gegenwartsdiagnose liefert.

    Train Dreams wiederum macht aus einem vergleichsweise kurzen Prosatext ein vollwertiges Drama, dessen Konzentration eher als Stärke denn als Limit gelesen wird. Wicked 2, The Smashing Machine und Springsteen: Deliver Me From Nowhere ergänzen das Feld um sehr unterschiedliche Formen von Vorlage – Musical, Dokumentarstoff, Biografie –, bei denen die Academy erfahrungsgemäß gern jene versieht, die mehr tun, als bekannten Stoff „cinematisch“ aufzubereiten.

    Bester internationaler Film

    Das internationale Rennen sieht aus wie eine Fortsetzung der vergangenen Jahre: stark, breit, deutlich weniger eurozentrisch als früher. Norwegen schickt Sentimental Value ins Rennen und platziert damit einen Film, der ohnehin bereits in den Hauptkategorien als Favorit kursiert. Frankreich setzt mit Panahis Ein einfacher Unfall ein politisches Signal und Südkorea schickt mit Park Chan-wooks No Other Choice einen Thriller zu den Oscars, der die Tradition von Parasite fortführen könnte. Brasilien tritt mit The Secret Agent an – einer Mischung aus Spionage, Sozialanalyse und Melodram –, während die Ukraine mit 2000 Meters to Andriivka eine Kriegsreflexion anbietet, deren Relevanz kaum zu übersehen ist. Dazu kommen etwa Spanien mit dem Raver-Film Sirât und Deutschland mit In die Sonne schauen, die beide in Cannes mit dem Jury-Preis ausgezeichnet wurden.

  • „Zootopia“ und 7 weitere Disney-Filme, deren Originalkonzepte zu düster waren

    „Zootopia“ und 7 weitere Disney-Filme, deren Originalkonzepte zu düster waren

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Disney und Pixar gelten als Studios, die Familienunterhaltung perfektioniert haben, doch viele Filme basierten ursprünglich auf deutlich härteren, brutaleren oder psychologisch unangenehmeren Ideen. 

    Einige dieser frühen Entwürfe wirken heute wie Material für Horror-Fans, andere so dystopisch, dass man kaum glauben kann, dass sie jemals für einen Kinderfilm vorgesehen waren. Die folgende Liste zeigt, wie radikal manche Projekte begonnen haben, bevor sie entschärft, komplett umgebaut oder ganz verworfen wurden. Überraschend ist vor allem, wie weit manche Konzepte gingen und wie klar erkennbar ist, dass einzelne Ideen die Altersfreigabe zuverlässig in Richtung „auf keinen Fall unter 12“ verschoben hätten.

    Warum aus „Zootopia“ plötzlich „Zoomania“ (2016) wurde

    Die ursprüngliche Version von Zoomania war fast schon gesellschaftsdystopisch: Raubtiere trugen sogenannte „Tame Collars“, Halsbänder, die ihnen bei jeder emotionalen Überreaktion einen schmerzhaften Elektroschock verpassten. Die Folter-Wearables sollten Zivilisiertheit erzwingen und verwandelten Raubtiere faktisch in Bürger zweiter Klasse. Die Handlung rückte dadurch deutlich stärker Themen wie systemische Diskriminierung, Kontrolle und Traumatisierung in den Mittelpunkt. Bei Testvorführungen wirkte dieser Ansatz jedoch zu bedrückend, sodass Disney die Idee ziemlich schnell verwarf. Geblieben ist nur eine deutlich freundlichere Fassung, die den Film klar in Richtung Familienunterhaltung verschiebt. Die Schockhalsbänder gelten heute als Paradebeispiel für ein Konzept, das schlicht „zu düster für Disney“ war.

    „Toy Story“ (1995) – Woody als manipulativer Tyrann

    Der frühe Woody unterschied sich massiv von dem heldenhaften Cowboy, den wir kennen und lieben gelernt haben. Im berüchtigten Storyboard-Entwurf, der heute als „Black Friday Reel“ bekannt ist, trat er als zynischer, herrischer und zeitweise sadistischer Anführer auf, der andere Spielzeuge manipulierte, beleidigte und gezielt einschüchterte. Die Tonalität erinnerte eher an eine düstere Antihelden-Satire als an einen Familienfilm. Sein Verhalten gegenüber Buzz Lightyear war nicht bloß Eifersucht, sondern klar bösartig. Pixar entschied sich deshalb für eine vollständige Neuausrichtung der Figur und formte Woody emotional so lange um, bis er als fehlerhafter, aber sympathischer Best-Buddy funktionierte. Ohne diesen radikalen Umbau wäre Toy Story kaum ein Meilenstein geworden, sondern ein finsterer Film, der Kinder wie Erwachsene eher irritiert hätte.

    Der „König der Löwen“ (1994) – Die brutale „King of the Jungle“-Version

    Bevor Der König der Löwen zum warmherzigen Coming-of-Age-Klassiker wurde, existierte eine deutlich härtere Ursprungsversion. Unter dem Arbeitstitel „King of the Jungle“ plante Disney eine rohere Tierwelt, brutalere Machtkämpfe und eine wesentlich finsterere Grundstimmung. Humor spielte kaum eine Rolle, Scar war weniger Shakespeare-Bösewicht als blutrünstiger Warlord, und Mufasas Bedeutung sollte ursprünglich deutlich kleiner ausfallen. Dieser nüchternere, aber emotional kalte Ansatz erschwerte jede Bindung zu einem jungen Publikum. Erst die spätere, zugänglichere Fassung mit klaren Gefühlen, Humor und musikalischen Momenten schuf jene emotionale Struktur, die den Film weltweit erfolgreich machte. Ohne diesen Richtungswechsel wäre Der König der Löwen kaum ein kulturelles Phänomen geworden.

    Die gestrichenen Emotionen aus „Alles steht Kopf“ (2015)

    Als Alles steht Kopf 2015 erschien, wurde der Film sofort für seine präzise Darstellung menschlicher Gefühle gefeiert. Doch frühe Entwürfe waren deutlich düsterer. Neben Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel sollten ursprünglich auch Depression, Verzweiflung und Trübsinn zentrale Rollen spielen. Diese zusätzliche emotionale Schwere führte jedoch zu einer düsteren, kaum noch kindgerechten Tonalität. Die Kreativen entschieden sich daher für eine radikale Reduktion, um die innere Dynamik von Riley klarer, verständlicher und weniger bedrückend zu erzählen. Von diesem Schritt profitierte letztlich der gesamte Film: Die Konzentration auf fünf Hauptgefühle schärfte die Dramaturgie und verhinderte eine zu dunkle psychologische Komplexität, die das Zielpublikum überfordert hätte.

    „Die Eiskönigin“ (2013) – Elsa, das pure Böse

    Die erste Fassung von Frozen orientierte sich deutlich stärker am düsteren Märchen der Schneekönigin. Elsa war darin eine reine Antagonistin, ohne Trauma, ohne Schwesterbindung und ohne innere Zerrissenheit. Ihre Eismagie diente nicht der Selbstbeherrschung, sondern purer Machtgier und Kontrolle. In dieser Version versklavte sie Arendelle, beschwor Kreaturen aus Eis und agierte über weite Strecken als überzeugte Bösewichtin ohne moralischen Kompass. Eine Selbstbefreiung wie „Let It Go“ existierte nicht, ebenso wenig ein moralischer Wandel. Das Ergebnis war eine konventionell dunkle, emotional hohle Geschichte. Erst als Elsa zur tragischen, kontrollsuchenden Figur umgeschrieben wurde, bekam der Film sein emotionales Zentrum – und wurde zum globalen Phänomen.

    „Aladdin“ (1992) – Der düstere Straßenjunge

    Der frühe Aladdin war keine charmante Trickster-Figur, sondern ein deutlich härter gezeichneter Charakter. In frühen Drehbuchfassungen erschien er als ruppiger, moralisch ambivalenter Straßenjunge, der aus Frust, Wut oder blanker Verzweiflung handelte. Er war älter, aggressiver und kaum als identifikationswürdiger Held angelegt. Auch der Ton der Geschichte war weniger märchenhaft, sondern stärker von einem dreckigen Straßendrama geprägt. Erst als das Team merkte, dass dieser Ansatz nicht zu Robin Williams’ energetischem Genie-Humor passte, wurde Aladdin jünger, frecher und emotional zugänglicher umgeschrieben. Dieser kreative Richtungswechsel machte aus einer rauen Diebesgeschichte jene warmherzige Abenteuerfantasie, die den Film zu einem der beliebtesten Disney-Klassiker überhaupt machte.

    „WALL·E“ (2008) – Die brutale Maschinen-Dystopie

    Die frühen Entwürfe von WALL·E waren deutlich härter und näher an klassischer Science-Fiction als an einem Familienfilm. In dieser Fassung war die Erde nicht nur vermüllt, sondern radioaktiv zerstört; die Menschheit war bereits ausgestorben. WALL·E stieß ausschließlich auf feindselige Maschinen und verlor im Verlauf der Handlung sogar Teile seines Bewusstseins. EVA war ebenfalls wesentlich kälter angelegt und hätte WALL·E am Ende eliminiert, um ihre Mission ohne emotionale Ablenkung zu erfüllen. Die Autoren fanden diese Vision spannend, doch die Testleser des Drehbuchs beschrieben die Geschichte als nihilistisch und emotional leer. Erst die überarbeitete, hoffnungsvollere Version mit Humor, Romantik und Menschen machte den Film zugänglich – und letztlich zu einem der beliebtesten Pixar-Werke.

    „Mulan“ (1998) – Die gestrichene Zwangsheirat mit Shang

    Frühe Entwürfe von Mulan (1998) enthielten ein paar deutlich traditionellere – und problematischere – Plot-Elemente. In einem frühen Storyboard waren Mulan und Shang einander versprochen, Teil einer arrangierten Ehe zwischen ihren Familien. Mulans Weigerung, dieses Arrangement zu akzeptieren, wäre der eigentliche Auslöser ihrer Reise gewesen, nicht die Sorge um ihren alternden Vater. Dieser Ansatz hätte Mulan jedoch zu einer weit weniger heldenhaften Figur gemacht und den emotionalen Kern des Films – Mut, Loyalität und familiäre Verantwortung – verwässert. Deshalb strich Disney die Idee komplett. Erst die spätere Version, in der Mulan aus Pflichtgefühl gegenüber ihrem Vater handelt und Shang nur eine zarte Andeutung von Romantik bleibt, schärfte ihren Charakter zu einer selbstlosen Heldin.

  • Unterhaltung ohne Tränen: 10 Filme, bei denen der Hund NICHT stirbt

    Unterhaltung ohne Tränen: 10 Filme, bei denen der Hund NICHT stirbt

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Kaum etwas trifft so tief wie der Tod eines Hundes im Film. Er schleicht sich meist am Ende ein, wenn man längst an der Bindung hängt - wie ein emotionaler Hinterhalt, der alles andere in den Schatten stellt. Ob in Marley & Ich, Hachiko oder I Am Legend, das Schema ist bekannt: Der Hund stirbt, und zurück bleibt ein Loch. Für viele gehört genau das zum Genre, aber genauso viele wünschen sich endlich mal Filme, bei denen man nicht mit Tränen endet, sondern mit einem Lächeln.

    Diese Liste ist genau für diesen Moment gemacht: Für alle, die Hunde lieben, sich aber nicht schon beim Einschalten emotional wappnen wollen. Hier stirbt kein Hund - kein Heldentod, kein Altersleiden und auch kein dramatischer Tod „fürs größere Ganze“. Stattdessen erzählen diese Filme von Freundschaft, Chaos, Zusammenhalt und Zärtlichkeit und zwar so, dass man sich endlich mal sicher fühlen darf, denn hier läuft alles ohne Verlust, ohne Tränen und ohne tragischen Abschied.

    1. Isle of Dogs - Ataris Reise (2018)

    Wes Andersons Animationsfilm ist keine klassische Hundegeschichte, und vielleicht gerade deshalb einer der klügsten Filme über Loyalität, Vertrauen und den Mut, nicht aufzugeben. In einer japanisch geprägten Zukunft werden Hunde auf eine Insel verbannt – aus Angst vor Krankheit und Chaos. Doch ein Junge sucht dort nach seinem verlorenen Freund, während die Hunde versuchen, zu verstehen, was mit ihrer Welt passiert ist. Zwischen Müllbergen und Verschwörungen entsteht eine Geschichte, die tiefer geht, als man es bei sprechenden Tieren vermuten würde. Wo Bolt eher verspielt mit dem Thema Identität umgeht, findet Isle of Dogs seine Stärke in der Stille, der Melancholie und der ganz eigenen Poesie, die durch jeden Bildausschnitt atmet. Wer Hunde nicht nur niedlich, sondern als Spiegel unserer eigenen Sehnsucht nach Zugehörigkeit begreift, ist hier genau richtig.

    2. Ein Hund namens Beethoven (1992)

    Wenn ein riesiger Bernhardiner plötzlich durchs Wohnzimmer trampelt, ist das Chaos vorprogrammiert. Und genau darin liegt der Reiz dieses Familienklassikers. Beethoven ist laut, wild und völlig unberechenbar - aber mit einem Herzen so groß wie sein Appetit auf Unordnung. Die Geschichte der Familie, die ihn erst ablehnt und dann nicht mehr hergeben will, ist überdreht und herzerwärmend zugleich. Doch zwischen den Slapstick-Momenten steckt auch etwas Echtes: die Erkenntnis, dass Liebe manchmal erst durch Zerstörung wächst. Während Dog – Das Glück hat vier Pfoten auf leise Zwischentöne setzt, ist Ein Hund namens Beethoven das laut bellende Gegenstück. Und das Beste: Der Hund bleibt bis zum Abspann quicklebendig. Wer lachen will, ohne hinterher zu weinen, liegt hier genau richtig.

    3. Zurück nach Hause: Die unglaubliche Reise (1993)

    Drei Haustiere auf einem Abenteuer durch Berge, Wälder und reißende Flüsse - das klingt nach Kinderkino, fühlt sich aber erstaunlich tief an. Die unglaubliche Reise erzählt von Treue und Instinkt, vom Zusammenhalt in der Fremde, aber auch von echten Gefahren. Die Tiere sprechen nicht mit animierten Mündern, sondern mit inneren Stimmen, was ihre Gefühle greifbarer macht. Es ist kein Film über Vermenschlichung, sondern über Verbindung. Während bei Ein Hund namens Beethoven das Familienleben durcheinander gerät, geht es hier um die Rückkehr zur Familie – ein Unterschied, der dem Film seinen emotionalen Kern verleiht. Wer Geschichten mag, die auch ohne Abschiedsschmerz ans Herz gehen, wird sich diesem Trio nicht entziehen können.

    4. Bolt - Ein Hund für alle Fälle (2008)

    Bolt ist der Star einer Actionserie, nur weiß er nicht, dass seine Kräfte nur gespielt sind. Als er plötzlich allein in der echten Welt landet, beginnt für ihn eine Reise, die mehr mit Selbsterkenntnis als mit Superkräften zu tun hat. Der Animationsfilm überrascht mit Witz, Tempo und einer Hauptfigur, die trotz Naivität nie nervt, sondern berührt. Es geht um Vertrauen, um echte Freundschaft und die Frage, was einen Hund eigentlich ausmacht, wenn die Kameras nicht mehr laufen. Die unglaubliche Reise setzte auf Natur und Wegstrecke, Bolt dagegen auf innere Entwicklung, ohne dabei je den Humor zu verlieren. Wer Disney mag, aber nicht immer denselben Tonfall hören will, findet hier einen angenehm eigenständigen Zugang zum Thema.

    5. Dog - Das Glück hat vier Pfoten (2022)

    Ein Mann, eine Hündin und ein Roadtrip, mehr braucht dieser Film nicht, um langsam und fast unmerklich, unter die Haut zu gehen. Sowohl Mensch als auch Hund sind verletzt, innerlich wie äußerlich und dabei beide auf dem Weg zu einem Ziel, das nicht nur geografisch ist. Dog erzählt mit viel Geduld davon, wie Vertrauen entsteht, ohne es je auszusprechen. Hier gibt es keine großen Dramen und keine aufgesetzten Dialoge, dafür aber Blicke, Nähe und einen Rhythmus, der zu Herzen geht. Während Bolt in knalligen Farben und schnellen Schnitten erzählt, bleibt Dog fast dokumentarisch ruhig. Der Tod steht hier nie im Raum, weil es um etwas anderes geht: ums Weitermachen, ums Heilen und darum, was bleibt, wenn niemand mehr wegläuft. Wer Hundefilme abseits der Klischees sucht, findet hier eine wohltuende Ausnahme.

    6. Pappa ante Portas (1991)

    Der Hund liegt. Und zwar die ganze Zeit. In Pappa ante Portas ist der Vierbeiner kein Plot-Element und kein emotionaler Anker, sondern einfach da - als träge Präsenz auf dem Wohnzimmerteppich, während sich ein Ehekrieg aus Einkaufslisten, Betriebsrente und 40 Gläsern Senf entfaltet. Loriot beweist, dass man auch mit einem Hund, der rein gar nichts tut, große deutsche Komödie machen kann. Der Hund stirbt nicht nur nicht -  er bewegt sich noch nicht mal. Und gerade das macht seinen stillen Beitrag als Komparse mit Schmunzelgarantie so großartig. Wo Filme wie Bolt – Ein Hund für alle Fälle auf Action und Selbstfindung setzen, liefert Pappa ante Portas eine Hunde-Meditation über das kleinteilige Chaos der bürgerlichen Ehe. Wer deutsche Komödien liebt, Loriot sowieso und keine Lust auf traurige Hunde-Enden hat, bekommt hier das wohl gemütlichste Haustier der deutschen Filmgeschichte.

    7. Das Hundehotel (2009)

    Zwei Pflegekinder verwandeln ein leerstehendes Hotel in ein Paradies für streunende Hunde - was klingt wie ein überdrehter Kinderfilm, entwickelt sich zu einer charmanten Ode an Eigeninitiative und Mitgefühl. Das Hundehotel zeigt Verantwortung auf verspielte Weise: Die Kids organisieren Futter, bauen Maschinen für Hundetoiletten und retten letztlich ein ganzes Rudel. Dass kein Hund stirbt, ist dabei kein Zufall, sondern die zentrale Erzählhaltung des Films. Statt Drama gibt es hier Engagement und statt Tränen ein Kollektivgefühl. Anders als bei Die unglaubliche Reise, wo die Natur zur Herausforderung wird, ist es hier die Gesellschaft, gegen die sich die jungen Heldinnen stemmen. Der Film ist laut, bunt und warmherzig und ein schönes Plädoyer dafür, dass Fürsorge auch anarchisch sein darf.

    8. Runt - Ein tierischer Champion (2024)

    Ein kleiner, ungezogener Terrier landet auf einer australischen Farm und soll dort plötzlich Champion werden: So beginnt die Geschichte von Runt, einem der jüngsten Neuzugänge auf dieser Liste. Der Film ist kindlich, aber nicht naiv: Er erzählt von Verantwortung, Ehrgeiz und der Beziehung zwischen einem jungen Mädchen und einem Hund, der ihre Familie retten könnte. Es geht um Training, um Rückschläge und um Gemeinschaft - und natürlich bleibt der Hund am Leben, denn hier geht es um Hoffnung statt Verlust. Während Dog – Das Glück hat vier Pfoten den emotionalen Wiederaufbau eines Erwachsenen zeigt, erzählt Runt kindlicher, aber nicht weniger berührend davon, wie ein Mädchen mit Herz und Hartnäckigkeit Verantwortung übernimmt und dabei über sich hinauswächst. Die Kamera bleibt nah an der kindlichen Perspektive, und das macht die Geschichte so zugänglich. Wer auf der Suche nach einem neuen, frischen Film mit viel Herz ist, wird hier fündig.

    9. Susi und Strolch (1955)

    Ob animiert im Original oder als Realverfilmung - Susi und Strolch bleibt eines der liebevollsten Duette der Disney-Geschichte. Der Straßenhund und die verwöhnte Cocker-Spaniel-Dame bilden ein Paar, das kulturell längst ikonisch ist. Die Geschichte ist alt, aber nicht angestaubt: Es geht um Vertrauen, Freiheit und Zugehörigkeit und es wird mit Humor, Tempo und einem Hauch Romantik erzählt. Auch die neueste Version von Susi und Strolch lässt die Hunde leben, weil die Botschaft nicht durch Tragik, sondern durch Nähe vermittelt wird. Während Bolt – Ein Hund für alle Fälle mit der Metaebene des Medienzirkus spielt, bleibt Susi und Strolch klassisch und charmant, fast wie ein Märchen. Besonders schön: Auch hier geht es nicht nur um Liebe zwischen Hunden, sondern auch um das Verständnis zwischen Mensch und Tier. Ein zeitloser Film für alle Generationen.

    10. Pets (2016)

    Was machen Haustiere, wenn wir nicht zuhause sind? Pets liefert eine quietschbunte, überraschend actionreiche Antwort auf diese Frage und schafft es, das Innenleben von Hunden, Katzen und Kaninchen mit Tempo und Witz zum Leben zu erwecken. Im Zentrum steht Max, ein verwöhnter Terrier, der plötzlich mit einem neuen Mitbewohner klarkommen muss. Der Film bleibt leichtfüßig, aber nicht seicht, und auch wenn es chaotisch wird, steht am Ende das Miteinander im Mittelpunkt. Ein Hund stirbt natürlich nicht, keine Frage - Pets ist schließlich kein Drama, sondern ein urbanes Abenteuer voller Tempo. Wo Runt auf Landleben und Trainingsparcours setzt, liefert Pets eine Großstadt-Fabel mit überraschender Tiefe - ein würdiger Abschluss für diese Liste, weil dieser animierte Film noch einmal zeigt, wie vielfältig hundefreundliches Kino sein kann.

  • Alle Filme und Serien um „Pumuckl“ im Überblick – von den TV-Anfängen bis zur Neuauflage

    Alle Filme und Serien um „Pumuckl“ im Überblick – von den TV-Anfängen bis zur Neuauflage

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Pumuckl gehört zu den langlebigsten Figuren des deutschen Kinderfernsehens. 

    Dass ausgerechnet der kleine Kobold mit den feuerroten Haaren den Sprung von der Hörspielfigur der analogen 1960er Jahre bis in das Streaming-Zeitalter geschafft hat, liegt dabei wohl weniger an Nostalgie als an seinem zeitlosen Wesenskern: an einer eigensinnigen Haltung, die sich gegen stumpfe Routine genauso wie gegen Autorität stemmt. Pumuckl widerspricht, fragt nach, zweifelt – und durchkreuzt so jenen Gehorsam, den die Welt gern von den Kleinsten erwartet.

    Die folgende Liste blickt auf die unterschiedlichen Etappen dieser Figur: Auf die Wärme der Werkstatt, die Abenteuer außerhalb der Hinterhofswelt des Münchner Stadtteils Lehel – und auf das, was an Pumuckl zeitlos bleibt.

    1. Meister Eder und sein Pumuckl (Serie, 1982–1988)

    Die erste TV-Adaption der Pumuckl-Hörspiele ist bis heute das Herzstück des Pumuckl-Kosmos – und vermutlich immer noch die souveränste Form, in der die Figur je erzählt wurde. In der Schreinerwerkstatt im Münchner Lehel, einem überschaubaren Mikrokosmos aus Handwerk und kauzigen Nachbarn, entfalten sich Komik und Dramen des Alltags in kleinen, präzisen Beobachtungen: Pumuckl treibt seinen Schabernack, sorgt (oft unfreiwillig) für Chaos und bringt dabei ebenso seinen Meister Eder wie wiederkehrende Figuren, etwa die abergläubische Putzfrau Frau Eichinger, an den Rande des Nervenzusammenbruchs. Allerdings steckt hinter jedem Unsinn stets ein zarter Gedanke über Vertrauen, Verantwortung und die Kunst des Zusammenlebens. 

    Die Serie lebt von der Dynamik zwischen dem gutmütigen Meister Eder, gespielt von Gustl Bayrhammer und einem Pumuckl (gesprochen von Hans Clarin), der mit anarchischer Freude jede Ordnung sprengt. Niemals als pädagogischer Fingerzeig, bisweilen aber sogar als Einladung zum Nachdenken über Routinen und festgefahrene Strukturen. Ein Klassiker, der nicht in Nostalgie versinkt, sondern zeitlos bleibt. 

    2. Meister Eder und sein Pumuckl (Kinofilm, 1982)

    Dieser erste Kinofilm nimmt eine besondere Stellung im Pumuckl-Kanon ein: Er besteht im Kern aus den ersten vier Episoden der damals parallel produzierten Fernsehserie – Spuk in der Werkstatt, Das verkaufte Bett, Das Schlossgespenst und Das Spanferkelessen. Allerdings wurde vieles neu und doppelt gedreht: Nebenrollen anders besetzt, Szenen neu arrangiert, die musikalische Gestaltung überarbeitet. Selbst die Animation unterscheidet sich in Details – etwa in der Sequenz, in der Pumuckl erstmals sichtbar wird und Meister Eder erklärt, dass er für immer bei jenem bleiben muss, der ihn einmal gesehen hat.

    3. Pumuckl und der Blaue Klabauter (Kinofilm, 1994)

    Hier wird der Mythos größer gedacht: Der Blaue Klabauter bringt erstmals die Herkunft Pumuckls dramatisch ins Spiel – samt Familiengeschichte, Seefahrtsmythos und der titelgebenden Figur, die ihm ein anderes Leben anbietet. Visuell ambitionierter und erzählerisch großformatiger, setzt der Film stärker auf ein weites Abenteuer als auf kleine Beobachtungen. Manche Effekte wirken heute angestaubt, aber narrativ gewinnt der Film an Tiefe, indem er erstmals die Frage stellt, ob Pumuckl eigentlich bleiben will – oder bleiben muss.

    Besonders stark sind die Sequenzen an Bord des Schiffes, in denen Pumuckls Identität durch die Verlockungen des Blauen Klabauters und sein Beschwören der “Koboldsgesetze” ins Wanken gerät. Geradezu rührend ist wiederum, wie der Film den Zwiespalt des kleinen Wesens darstellt, der natürlich auch die Bindung zu Meister Eder nicht aufgeben möchte. Ein ungewöhnlicher, emotionaler Höhepunkt der Reihe.

    4. Pumuckls Abenteuer (Serie, 1999)

    Die kurzlebige Serie versuchte, den Faden von Pumuckl und der Blaue Klabauter aufzunehmen – und führt den Kobold aufs Schiff zurück, diesmal an der Seite des Schiffskochs Odessi (Towje Kleiner). Erzählerisch wirkt dieser Neustart wie ein bewusster Bruch mit der Lehel-Werkstatt: Statt der vertrauten Hinterhofswelt eröffnet sich eine episodische Reise entlang fremder Küsten und Häfen. Tatsächlich aber war dies ein Versuch, die Geschichte des Pumuckl ohne seinen Meister Eder fortzusetzen, nachdem dessen Schauspieler Gustl Bayrhammer gestorben ist.

    Doch auch der Kern des Kobolds selbst entfernt sich in Pumuckls Abenteuer merklich vom ursprünglichen Konzept: Aus dem eigensinnigen Störenfried wird häufiger ein neugieriger, beinahe pflichtbewusster Gefährte. Seine anarchische Reibung, einst komisches Fundament, wird zugunsten eines milderen Tonfalls abgeschwächt. Visuell ambitioniert bleibt die Serie ein interessantes, aber letztlich uneinheitliches Experiment.

    5. Pumuckl und sein Zirkusabenteuer (Kinofilm, 2002)

    Pumuckl kehrt nach München zurück – doch die Werkstatt gehört nicht mehr Meister Eder, da dieser zwischenzeitlich (nun auch in der Erzählwelt) verstorben ist. Nun gehört sie dessen Cousin Ferdinand (Hans Clarin nun vor der Kamera), der den Kobold zunächst für eine Halluzination hält. Doch nach dem ersten Schreck entsteht langsam Vertrauen. Als zwei Zauberkünstler Pumuckls Existenz entdecken, entführen sie ihn kurzerhand: Eine echte magische Sensation, perfekt für die Manege, glauben sie. Doch ihre Pläne stehen im krassen Gegensatz zu Pumuckls Freiheitsdrang – denn der lässt sich ungern instrumentalisieren. 

    Die Zirkuswelt wird zur Falle, aber auch zur Bühne für seine anarchischen Streiche, die das gesamte Unternehmen aus den Fugen geraten lassen. Dramaturgisch ist Pumuckl und sein Zirkusabenteuer weniger präzise als die Serie, und auch die Darstellung des Kobolds selbst ist noch zu weit von dem entfernt, was seinen eigentlichen Charme ausmacht.

    6. Neue Geschichten vom Pumuckl (Serie, seit 2023)

    Mit der Neuauflage der Serie gelang der Neustart dann allerdings mit Bravour: Die Neuen Geschichten vom Pumuckl sind weit mehr als ein nostalgisches Wiederaufkochen. Florian Brückner spielt den Neffen des alten Schreinermeisters als sanft exzentrischen Einzelgänger, der versucht, den Geist der Werkstatt in eine neue Zeit hinüberzuretten: Mit einer (scheinbar) bewussten Verweigerung gegenüber dem digitalen Rauschen der Gegenwart. Auch im 21. Jahrhundert kommt die (rekonstruierte) Hinterholfwelt ohne Smartphone aus – stattdessen setzt der bayrische Kultregisseur Marcus H. Rosenmüller auf die alte, charmante Langsamkeit samt besagter genauer Alltagsbeobachtungen.

    Die Episoden greifen dabei vertraute Themen neu auf: Pumuckl spielt wieder seine Streiche und richtet dabei allerhand Chaos an. Besonders gelungen sind jene Folgen, die beinah weise geraten sind: Der Tod des ursprünglichen Meister Eder wird nicht ausgespart, sondern offen thematisiert. Kindergerecht, aber ohne falsche Furcht vor der Ernsthaftigkeit der Thematik. So bewahrt die Serie jene rare Mischung aus Humor, Wärme und einer bisweilen leisen Melancholie – ein Ton, der erstaunlich gut ins Heute passt.

    7. Pumuckl und das große Missverständnis (Kinofilm, 2025)

    Der vierte Kinofilm funktioniert etwas wie Pumuckl und der blaue Klabauter, und erzählt doch eine ganz eigene Geschichte. Auch hier lassen Pumuckl und (der neue) Meister Eder die Werkstatt hinter sich und brechen in ein Abenteuer jenseits des Münchner Lehels auf. Florian Eder (weiterhin Florian Brückner) wird in die Berge eingeladen, um an seiner ehemaligen Ausbildungsstätte ein altes Maibaum-Karussell zu reparieren. Der kleine Kobold langweilt sich dabei und bringt – wie so oft, eigentlich mit allerbesten Absichten handelnd – reichlich Chaos in das Dorf und seinen Ziehvater in Erklärungsnot. Darüber kommt es zum Streit zwischen den beiden, und erneut stellt sich für Pumuckl die Frage, wo er eigentlich hingehört.

    Pumuckl und das große Missverständnis ist ob dieser Entwicklung ein ähnlich emotionaler Höhepunkt wie jener zweite Kinofilm um den kleinen Kobold. Erzählerisch nicht immer präzise, aber voller situativer Komik, charmanten Momenten und letztlich viel Zärtlichkeit: Ein mindestens so spaßiger wie schöner Film über Zugehörigkeit und Zusammenhalt.

  • Zum Start der 5. Staffel: 5 Stranger Things-Easter Eggs, die du vielleicht übersehen hast

    Zum Start der 5. Staffel: 5 Stranger Things-Easter Eggs, die du vielleicht übersehen hast

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Stranger Things hat eine besondere Art, Nostalgie nicht einfach zu zitieren, sondern wieder lebendig zu machen. Manche Szenen fühlen sich an, als würde man zufällig in einem alten Wohnzimmer sitzen, in dem gerade Videokassetten von Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers oder Poltergeist herumliegen, während draußen die Straßenlaternen flackern.

    Die Serie arbeitet nicht mit großen Pfeilen auf dem Bildschirm oder „Achtung! Referenz!“- Momenten, sondern mit diesem fließenden Gefühl, dass Bilder und Stimmungen von früher wie kleine Geister in Hawkins herumspuken. Ein Blick in ein verlassenes Kinderzimmer oder ein kurzer Moment im Wald, ein ungewöhnlicher Schatten über einem Gesicht - und plötzlich sieht man im Hintergrund die Filmgeschichte der 80er mitlaufen. Genau dadurch entsteht dieser ganz eigene Zauber: Man erkennt etwas, ohne es sofort greifen zu können, und wenn man es doch erkennt, wirkt es wie ein kleines Geschenk. Diese fünf Easter Eggs gehören zu jenen, die besonders schön versteckt sind - nicht laut, nicht protzig, sondern so eingebaut, dass man sie eher spürt als sieht.

    1. E.T. – Der Außerirdische (1982)

    Es gibt Momente in Stranger Things, in denen man fast vergisst, dass man eine Horrorserie schaut, weil plötzlich dieses warme, flirrende Gefühl von E.T. – Der Außerirdische durch die Szene weht. Die Anspielung ist nicht nur das berühmte Fahrradmotiv, sondern steckt viel tiefer in der Art, wie die Serie das Unsichtbare behandelt. Als die Jungs Eleven zum ersten Mal verstecken, riecht die Szenerie förmlich nach Kinderzimmer, Popcorn und Geheimnissen, genau wie die Szenen, in denen Elliott versucht, E.T. vor den Erwachsenen zu schützen. Die blonde Perücke und das Kleid, die Eleven übergestülpt bekommt, sind nicht einfach nostalgische Requisiten; sie sind wie ein kleiner Liebesbrief an den Moment, in dem ein Wesen aus einer anderen Welt für wenige Sekunden so tut, als würde es dazugehören. Und wenn Will später über die Weihnachtslichter kommuniziert, spürt man dieselbe Magie wie beim leuchtenden Finger, der sagt: „Ich bin noch da.“ Dieses Easter Egg wirkt so stark, weil es zeigt, dass das Fremde in Hawkins nicht nur bedrohlich sein muss – manchmal fühlt es sich an wie ein verlorener Freund, der nur den falschen Ort erwischt hat.

    2. Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)

    Die vielleicht düsterste Filmspur der Serie führt direkt zu Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, und man merkt das spätestens dann, wenn das Upside Down zum ersten Mal als lebendiges, atmendes Gebilde gezeigt wird. In Staffel 2 gibt es eine Sequenz, in der Forscher in Schutzanzügen durch die von Sporen durchzogenen Tunnel gehen, und man könnte schwören, dass gleich das Kratzen des Xenomorphs zu hören ist. Das Flackern der Taschenlampen auf organischen Wänden, die feucht glänzenden Oberflächen, die bedrückende Enge - das ist nicht zufällig gestaltet, sondern eine visuelle Liebeserklärung an Ridley Scotts Sci-Fi-Albtraum. In Hawkins ist die Gefahr weniger weit entfernt als im Weltraum, aber sie fühlt sich ähnlich an: etwas schlaues, wachsendes, das man nicht kontrollieren kann. Besonders intensiv ist die Szene, in der Hopper allein in den Tunneln feststeckt und jede Bewegung klingt, als wäre der Raum selbst lebendig. Genau dort verschmilzt Stranger Things am stärksten mit Alien: im Gefühl, dass man nicht weiß, ob man gerade etwas sucht, oder ob etwas einen findet.

    3. Nightmare – Mörderische Träume (1984)

    Wenn Vecna in Staffel 4 zuschlägt, fühlt es sich an, als würde jemand die Tür zu Nightmare - Mörderische Träume öffnen und Freddy Krueger persönlich hineinbitten. Die Art, wie seine Opfer plötzlich in Visionen kippen, die erst wie Kindheitserinnerungen wirken und dann in groteske Verzerrungen abrutschen, ist eine nahezu perfekte Echoaufnahme des 80er-Kult-Horrors. Besonders eindrucksvoll ist eine Szene, in der das Opfer buchstäblich die Decke verliert: die Welt knickt ein, als hätte sich die Realität selbst in einen Traum verwandelt, der niemandem gehören will. Stranger Things übernimmt dabei nicht nur die Ästhetik, sondern auch die psychologische Logik: Der Angriff beginnt im Inneren, im Schmerz und nicht im Monster. Und dann dieser Meta-Moment, der Fans jedes Mal ein Grinsen entlockt: Robert Englund, der Mann, der Freddy zu einer Ikone machte, steht plötzlich als Victor Creel vor uns. Das ist kein Zufall, das ist eine bewusste Verbeugung. Dieses Easter Egg ist deshalb so stark, weil es nicht nur referenziert, sondern mitspielt, als würde Hawkins selbst kurz zu Springwood werden.

    4. Die Goonies (1985)

    Die Goonies schleicht sich in Stranger Things nicht als Zitat hinein, sondern als Energie: dieses leicht chaotische, aber unfassbar liebenswerte Gefühl, wenn eine Gruppe Kinder zu einer Bande wird, weil sie niemanden sonst hat, der ihnen glaubt. Die deutlichste Hommage findet man in Staffel 2, wenn Wills Zeichnungen plötzlich zur Karte eines unterirdischen Labyrinths werden. Die Kids knien auf dem Boden, schieben Papierstücke zurecht, diskutieren, streiten und lachen - exakt der Spirit, der Die Goonies zu einem Klassiker gemacht hat. Nur dass in Hawkins am Ende kein Piratenschatz wartet, sondern der Ursprung einer Bedrohung, die still unter den Straßen wächst. Auch das Umherschleichen in Kellern, das Erkunden verlassener Orte oder das gegenseitige Durchschleppen durch halbkaputte Häuserflure tragen diese Handschrift. Dieses Easter Egg macht so viel Freude, weil es zeigt, dass Abenteuer nicht immer leicht sein müssen, um sich so anzufühlen, und dass Mut manchmal einfach darin besteht, mit den richtigen Menschen in die falsche Richtung zu rennen.

    5. Das Imperium schlägt zurück (1980)

    Von allen Easter Eggs ist dieses eines der subtilsten, aber vielleicht auch eines der schönsten. Das Imperium schlägt zurück lebt in Stranger Things als Sprachschablone der Kinder weiter: Sie sprechen über Loyalität, über Verrat, über Mut und benutzen dabei ganz selbstverständlich Begriffe aus der Star Wars-Saga. Wenn jemand in der Gruppe plötzlich „wie Lando“ handelt, weiß jeder sofort, was gemeint ist: charmant, aber vielleicht nicht ganz zuverlässig. Die Wände der Jungszimmer sind gespickt mit Figuren, Raumschiffen und Postern, die wie kleine Orientierungspunkte dienen, wenn die reale Welt unübersichtlich wird. Und dann gibt es diese winzigen Geräusche: ein Konsolen-Ping, ein Alarm oder ein blinkender Ton aus dem Labor, die klingen, als hätte jemand versehentlich den Todesstern im Keller eingeschaltet. Die Serie zeigt damit, wie tief Popkultur in den Alltag von Hawkins eingewebt ist: Für die Kinder ist Star Wars kein Film, sondern eine Sprache. Und genau dadurch fühlt sich dieses Easter Egg so wahr an - wie ein kleiner Funke Galaxis mitten in Indiana.

  • Queeres Kino: Die 10 besten LGBTQ-Filme

    Queeres Kino: Die 10 besten LGBTQ-Filme

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Queere Filme erzählen oft von Momenten, die nicht groß aussehen müssen, um alles zu verändern. Diese Geschichten leben davon, dass sie niemanden glätten: weder die Sehnsucht noch die Unsicherheit, weder die Verletzlichkeit noch den Mut, den es kostet, sich überhaupt zu zeigen. 

    Viele Filme, die heute selbstverständlich wirken, konnten nur entstehen, weil andere Werke wie Boys Don’t Cry, Blau ist eine warme Farbe oder The Danish Girl gezeigt haben, dass queere Perspektiven tragende Erzählungen sind. Die zehn Filme hier knüpfen daran an, aber jeder auf eigene Weise. Manche bleiben nah am Alltag, andere setzen auf formale Präzision, einige gehen politisch vor, andere folgen zwei Menschen durch stille Räume. Was sie verbindet: Sie schaffen Orte, in denen Figuren vorkommen, die sonst oft übersehen werden, und genau darin liegt ihre Stärke.

    10. Paris brennt (1990)

    Die Dokumentation führt in die Ballroom-Szene von New York, in der Menschen lebten, die außerhalb dieser Räume kaum Sicherheit fanden. Die Kamera begleitet sie durch Wohnungen, Hinterzimmer, Wettbewerbe und Gespräche, die direkter sind, als man es aus Filmen dieser Zeit kennt. So entsteht ein Porträt einer Gemeinschaft, die sich selbst tragen musste: nicht idealisiert, nicht beschönigt, aber voller Würde. Die Stärke liegt darin, dass der Film niemanden interpretiert – er lässt Stimmen wirken, wie sie sind. Gleichzeitig bleibt die Erzählform offen: viele Einblicke, aber kein durchgehender Bogen, weil die Figuren nebeneinanderstehen. Das macht seine historische Bedeutung enorm, seine filmische Verdichtung aber kleiner. Neben Tangerine L.A. spürt man genau das: Dort trägt eine Figur die gesamte emotionale Linie eines Tages; hier teilt sich Bedeutung auf viele Leben auf. Paris brennt bleibt ein unverzichtbares Fundament, reicht aber trotzdem noch nicht an höhere Platzierungen heran.

    9. Tangerine L.A. (2015)

    Eine trans Frau kämpft sich durch einen Tag in Los Angeles, und der Film bleibt dabei so nah an ihr, dass man fast das Gefühl bekommt, mitzulaufen. Die Szenen wirken spontan, manchmal laut, oft komisch, aber darunter liegt eine Erfahrung von Zurückweisung, die immer wieder durchbricht. Das iPhone-Bild gibt dem Ganzen eine Offenheit, die nicht nach Authentizität sucht, sondern einfach zeigt, wie es ist. Der Film konzentriert sich auf eine einzige Figur und trägt dadurch eine klare, direkte Energie. Gleichzeitig bleibt der Umfang klein: ein Tag, ein Konflikt, ein innerer Druck. Das macht ihn intensiver als Paris brennt, aber weniger vielschichtig als Filme, die breiter angelegt sind. Direkt neben Pride sieht man, warum er nicht höher rutscht: Tangerine L.A. bleibt ein Funken, während Pride sein Ensemble stärker miteinander verzahnt. Ein rauer, lebendiger Film, der genau deshalb hier steht.

    8. Pride (2014)

    Queere Aktivisten unterstützen walisische Bergarbeiter, und aus dieser zunächst unwahrscheinlichen Begegnung entsteht etwas, das beiden Gruppen fehlt: Solidarität, die sie im eigenen Umfeld nicht finden. Der Film zeigt, wie Vertrauen langsam wächst, manchmal in einer Küche, manchmal auf einer Dorfparty, manchmal in einem Moment, in dem jemand zugeben muss, dass er sich geirrt hat. Die queere Perspektive steht im Zentrum, aber die Inszenierung bleibt zugänglich und warm. Jede Figur hat Gewicht, ohne die Handlung zu überfrachten. Gleichzeitig ist Pride klassischer aufgebaut als die Filme weiter oben: klarer Konflikt, klare Auflösung, eine Dramaturgie, die spürbar geführt wird. Pride bleibt jedoch weniger bei inneren Wendepunkten, sondern wirkt stärker im Ensemble. Ein Film, der verbindet und Mut macht, aber nicht die emotionalste Tiefe dieser Liste erreicht.

    7. Die Taschendiebin (2016)

    Zwei Frauen geraten in eine Beziehung, die weder geplant noch erlaubt ist, während ein Betrug vorbereitet wird, der sich zunehmend auflöst. Der Film baut eine Spannung auf, die nicht aus schnellen Wendungen entsteht, sondern aus Beobachtung: einem Blick, einer Berührung, einer Frage, der man ausweichen möchte. Perspektivwechsel und stilistische Präzision sorgen für ein Gefühl von Kontrolle, das die Figuren selbst kaum besitzen. Die Inszenierung ist kunstvoll, aber nicht kalt; sie lässt Raum, um die beiden Frauen ernst zu nehmen. Dennoch rückt die Konstruktion manchmal näher an den Vordergrund als das Gefühl selbst. Im Vergleich zu Milk, das stärker auf eine einzelne Persönlichkeitsentwicklung fokussiert ist, bleibt Die Taschendiebin etwas distanzierter. Ein brillanter Film, der seine Emotionen vorsichtig ausspielt - genau deshalb landet er an dieser Stelle.

    6. Milk (2008)

    Harvey Milk kämpft darum, als offen schwuler Politiker ernst genommen zu werden, und der Film zeigt, wie mühsam es ist, Öffentlichkeit und Privates zu verbinden, ohne daran zu zerbrechen. Man spürt, wie viel Mut es kostete, in einer Zeit sichtbar zu sein, in der Sicherheit alles andere als garantiert war. Der Film folgt seinem politischen Weg, aber auch seinen Zweifeln und seinen Versuchen, Nähe zuzulassen. Dadurch entsteht ein klares Bild eines Mannes, der lernen musste, sich nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst einzusetzen. Gleichzeitig bleibt die Struktur vergleichsweise klassisch: Sie trägt den Film stabil, aber sie öffnet weniger Innenräume als spätere Platzierungen. Daneben wirkt Carol konzentrierter auf innere Bewegungen - die Spannung entsteht dort zwischen zwei Frauen, nicht zwischen Politik und Privatem. Milk bleibt ein eindringliches Porträt, aber kein filmisch radikales.

    5. Carol (2015)

    Eine zufällige Begegnung in einem Kaufhaus entwickelt sich zu einer Beziehung, die leiser beginnt, als sie endet. Die Schritte von Distanz zu Nähe sind so fein erzählt, dass man manchmal erst spät merkt, wie sehr sich beide Figuren schon verändert haben. Jede Geste trägt Bedeutung, jedes Gespräch hält etwas zurück, das erst später Gewicht bekommt. Der Film vertraut seinem ruhigen Tempo und baut eine Spannung auf, die von inneren Entscheidungen lebt. Dadurch wirkt alles konzentriert und genau. Das macht ihn eleganter, aber auch zurückhaltender als einige der Filme weiter oben. Neben Porträt einer jungen Frau in Flammen fällt auf, dass dort noch mehr Freiheit zwischen den Figuren entsteht und ein radikalerer Fokus auf ihrem gemeinsamen Raum liegt. Carol bleibt ein wunderschön erzähltes Liebesdrama, dessen Stärke in seiner Ruhe liegt, und genau deshalb einen würdigen fünften Platz bekommt.

    4. Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019)

    Eine Malerin reist auf eine abgelegene Insel, um eine junge Frau zu porträtieren, die genau weiß, dass dieses Bild ihr Leben bestimmen soll. Aus der Aufgabe entsteht eine Begegnung, die vorsichtig beginnt und schnell tiefer geht, als beide erwartet haben. Der Film arbeitet mit Reduktion: wenige Figuren, klare Räume und kaum Ablenkung. Dadurch rücken Blicke, Bewegungen und Pausen in den Vordergrund, die sonst verschwinden würden. Die queere Perspektive wirkt selbstverständlich und frei - zumindest so frei, wie es die Zeit zulässt. Die Inszenierung ist genau, aber nie kalt; sie schafft Momente, die weit über das Bild hinaus wirken. Direkt neben Call Me by Your Name sieht man den Unterschied: Dort öffnet sich die Erzählung weiter in Erinnerung und Zeit, während Porträt einer jungen Frau in Flammen ganz im Moment bleibt. Ein stiller, konzentrierter Film, der gerade in seiner Klarheit viel Kraft hat.

    3. Call Me by Your Name (2017)

    Ein Sommer in Italien wird zum Wendepunkt im Leben eines jungen Mannes, der merkt, dass er sich verliebt hat, bevor er dazu bereit war. Die Szenen bleiben leicht, aber jede trägt etwas in sich, das später nachhallt: ein Gespräch im Schatten, ein Spaziergang, ein Missverständnis, das sich nicht ganz klären lässt. Die queere Perspektive entsteht aus der Unsicherheit des Erwachsenwerdens und der Frage, wie viel man sich selbst zugesteht. Die Erzählung wirkt nah, offen und unangestrengt, aber genau in dieser Einfachheit entsteht Tiefe. Neben Brokeback Mountain zeigt sich, warum dieser Film nicht höher steht: Dort ist der Konflikt existenzieller und die Grenzen enger gezogen, während Call Me by Your Name weichere Übergänge hat. Ein Film über ein erstes Gefühl, das länger bleibt, als man denkt.

    2. Brokeback Mountain (2005)

    Zwei Männer verlieben sich an einem Ort, der für Gefühle keinen Raum vorsieht. Die Jahre danach sind geprägt von Heimlichkeit, Rückzügen und Entscheidungen, die immer etwas verlieren lassen. Die Stärke des Films liegt darin, wie viel zwischen den Figuren unausgesprochen bleibt und wie deutlich man den Druck spürt, unter dem sie stehen. Die queere Perspektive zeigt sich hier als ständiges Ringen zwischen Wunsch und Sicherheit. Brokeback Mountain ist direkter und härter als die Platzierungen darunter, aber weniger komplex geschichtet als der Film an der Spitze, der eine innere Entwicklung über längere Zeiträume zeigt. Ein Werk, das bleibt, weil es sich weigert, etwas zu vereinfachen. Damit landet es fast ganz oben.

    1. Moonlight (2016)

    Chiron wächst mit einer Unsicherheit auf, die ihn durch drei Lebensphasen begleitet und sein Verhältnis zu Nähe und Stärke prägt. Der Film folgt ihm so genau, dass man sieht, wie früh er lernt, sich zu verstecken, und wie schwer es später wird, dieses Versteck zu verlassen. Die queere Perspektive ist tief in seinem Alltag verankert, nicht als Konflikt, sondern als ständige Frage danach, was er zeigen darf. Die Inszenierung arbeitet mit Blicken, Gesten und Körperlichkeit, die mehr erzählen als Worte es könnten. Dadurch entsteht eine Nähe, die selten wirkt und lange bleibt. Neben Brokeback Mountain zeigt sich der entscheidende Unterschied: Während dort eine Beziehung im Zentrum steht, öffnet Moonlight ein ganzes Leben - brutal, zart und widersprüchlich - aber immer ehrlich. Ein Film, der nicht ohne Grund mit ganzen drei Oscars ausgezeichnet wurde und sich auch hier den Spitzenplatz redlich verdient.

  • Action in Niederkaltenkirchen: Alle Eberhofer-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Action in Niederkaltenkirchen: Alle Eberhofer-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Die Welt von Franz Eberhofer ist eines dieser filmischen Universen, das sofort vertraut wirkt: ein Dorf, das ständig zu viel redet, Familienbande, die sich knurrend umarmen, und Fälle, die irgendwo zwischen Alltag und völliger Absurdität entstehen. 

    Wer die Mischung aus Regionalkrimi und eigenwilligen Figuren aus den Steirerkrimis kennt, findet hier eine ähnlich vertraute Bodenständigkeit, nur eben mit bayerischem Grant und noch mehr Chaos pro Quadratmeter. Von Film zu Film wachsen Figuren, Gespräche und die leicht anarchische Art, wie Niederkaltenkirchen auf jedes neue Chaos reagiert. Jeder Film hat seine eigene Note, mal lauter, mal leiser und mal überraschend emotional, aber immer mit Franz Eberhofer, der all das in stoischer Ruhe durchsteht. Wer die Reihe verfolgt, erlebt kein klassisches Erzählen, sondern ein fließendes Weiterleben: Menschen, die sich annähern, entfernen, wieder einpendeln, während Leichen auftauchen, verschwinden oder einfach im falschen Moment im Weg liegen. Die folgende Reihenfolge bringt diese Entwicklung am klarsten zum Vorschein.

    1. Dampfnudelblues (2013)

    Das Chaos nimmt in Dampfnudelblues seinen Anfang, als ein Lehrer unter rätselhaften Umständen stirbt und Franz Eberhofer plötzlich mehr Gesprächsbedarf im Dorf auslöst, als ihm lieb sein kann. Der Film zeigt ihn als jemanden, der Fälle nicht löst, indem er heroisch auftritt, sondern indem er sich durch Alltagssituationen treiben lässt und im richtigen Moment hinschaut. Die Mischung aus liebenswerter Sturheit, Familienkrach und beiläufigen Beobachtungen legt den Ton der gesamten Reihe. Zwischen Dorffesten, kleinen Lügen und unverhofften Geständnissen entsteht ein Bild von Niederkaltenkirchen, das zugleich überspitzt und erstaunlich real wirkt. Wer später Winterkartoffelknödel sieht, merkt, wie sehr dieser erste Teil das Fundament legt: Die Figuren sind noch etwas kantiger, die Wege klarer, weil das Dorf erst definiert wird. Dampfnudelblues eröffnet damit nicht nur den ersten Fall, sondern auch ein Lebensgefühl, das die Filme später immer weiter ausbauen.

    2. Winterkartoffelknödel (2014)

    In Winterkartoffelknödel wird Niederkaltenkirchen durch eine Reihe merkwürdiger Todesfälle erschüttert, die zunächst wie tragische Zufälle aussehen. Franz Eberhofer bewegt sich durch Gespräche und verschlossene Gesichter, bis sich langsam ein Muster zeigt. Die ruhige Komik des Films entsteht aus Situationen, in denen Menschen mehr preisgeben, als sie wollen – manchmal aus Eitelkeit, manchmal aus purer Verwirrung. Die Welt aus dem Vorgänger wirkt hier gewachsener: Beziehungen vertiefen sich, Rituale schleifen sich ein, und das Dorf beginnt, seine eigene Dramaturgie zu entwickeln. Während Schweinskopf al dente später mutiger mit Tempo und Ton experimentiert, bleibt dieser zweite Teil näher am klassischen Krimibild, was ihm eine angenehm klare Linie verleiht. Winterkartoffelknödel fühlt sich dadurch an wie der Moment, in dem aus einer guten Idee eine langlebige Filmreihe wird.

    3. Schweinskopf al dente (2016)

    Kaum ein Schritt in Niederkaltenkirchen verläuft ruhig, und Schweinskopf al dente zeigt das besonders deutlich: Ein alter Bekannter sorgt für Unruhe, während eine Entführung das Dorf erschüttert. Der Film hat eine größere Lust am Chaos und an zugespitzten Begegnungen, ohne die Figuren jemals ins Lächerliche zu ziehen. Franz versucht, alles gleichzeitig zu bewältigen – Beziehungen, Ermittlungen, Familienwahnsinn – und stolpert dabei wie gewohnt auf die entscheidenden Hinweise. Die Energie ist höher, das Dorf lebendiger, und viele Szenen haben diesen typischen Rhythmus, in dem Smalltalk plötzlich wichtig wird. In Grießnockerlaffäre wird dieser Blick auf Beziehungen emotionaler aufgeladen, doch hier spürt man, wie die Reihe ihre spielerische Seite auskosten darf. Schweinskopf al dente zeigt, dass Eberhofer-Filme nicht nur Krimis sind, sondern kleine Dorfepiken, die mit jeder Wendung ein bisschen über sich hinauswachsen.

    4. Grießnockerlaffäre (2017)

    Dass Franz Eberhofer selbst unter Verdacht gerät, macht Grießnockerlaffäre zu einem Film, der näher an seiner Person ist als viele vorherige Teile. Plötzlich muss er sich mit Gesprächen auseinandersetzen, die er sonst vermeidet, und merkt, dass Schweigen manchmal weniger hilfreich ist als ein ehrliches Wort. Die Komik entsteht aus Verletzlichkeit, aus der Art, wie das Dorf reagiert, wenn einer der ihren im Mittelpunkt steht - nicht als Held, sondern als Problem. Seine Beziehung zu Rudi wird intensiver ausgespielt, und man erkennt, wie sehr beide voneinander abhängen, obwohl sie das nie offen sagen würden. Sauerkrautkoma greift später diesen Mix aus persönlichem und beruflichem Durcheinander auf, aber mit mehr Ortswechseln; hier bleibt die Geschichte näher an Franz selbst. Grießnockerlaffäre wirkt dadurch fast intimer – ein Fall, der zeigt, dass Eberhofer nicht nur ermittelt, sondern sich selbst immer wieder neu sortiert.

    5. Sauerkrautkoma (2018)

    Ein Abstecher nach München verleiht Sauerkrautkoma eine ganz eigene Dynamik, weil Franz plötzlich zwischen zwei Welten steckt: seinem chaotischen Dorf und einer Stadt, mit der er sichtbar wenig anfangen kann. Als dann auch noch ein Mord im familiären Umfeld auftaucht, verschiebt sich der Fokus zurück nach Niederkaltenkirchen, wo Konflikte selten leise ausgetragen werden. Der Film pendelt geschickt zwischen Orten, Gefühlen und einer Geschichte, in der jeder Beteiligte einen Tick zu viel auf einmal will. Daraus entstehen Szenen, die komisch sind, weil sie aus ehrlichen Reibungen entstehen. Wenn man danach Leberkäsjunkie sieht, fällt auf, wie viel innere Bewegung dieser fünfte Teil bringt: Die Identität der Reihe weitet sich, ohne sich zu verlieren. Sauerkrautkoma ist dadurch ein Wendepunkt - ein Film, der zeigt, wie flexibel die Eberhofer-Welt sein kann, ohne ihren Kern zu verändern.

    6. Leberkäsjunkie (2019)

    Mit Leberkäsjunkie wird Franz Eberhofers Alltag enger, voller und unberechenbarer, weil plötzlich Verantwortung an seine Tür klopft und nicht wieder verschwindet. Gleichzeitig brennt ein Haus, und der Fall zieht ihn quer durch Familiengeschichten, Dorffeste und Gespräche, die teilweise mehr über die Beteiligten verraten als über die Tat. Die Warmherzigkeit dieses Films entsteht aus Momenten, in denen Franz überfordert wirkt, aber weitermacht. Die Welt wirkt enger verzahnt, jeder kennt jeden, und jede Wahrheit hängt an einer zweiten. Während Kaiserschmarrndrama später schneller und lauter wird, bleibt dieser Teil näher am Alltagschaos. Leberkäsjunkie zeigt, wie tief diese Reihe inzwischen verwurzelt ist - ein Film, der sich anfühlt wie ein vollgestopftes Wochenende im Dorf, an dem alles gleichzeitig los ist.

    7. Kaiserschmarrndrama (2021)

    Digitale Eifersucht, Dorftratsch und ein Mordfall im Umfeld einer Erotikseite - Kaiserschmarrndrama zeigt Niederkaltenkirchen von einer moderneren, aber genauso verwirrten Seite. Die Figuren ringen mit Emotionen, die schwerer zu greifen sind als eine gewöhnlicher Dorffehde. Gleichzeitig bleibt alles vertraut: die hitzigen Diskussionen, Franz’ stoische Art und Rudis übertriebene Ernsthaftigkeit. Die Energie ist hoch, der Ton frecher, und immer wieder entstehen Momente, die zeigen, wie gut die Reihe Situationen überzeichnet, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. In Guglhupfgeschwader geht es später ruhiger und familiärer zu; dieses Kapitel wirkt dagegen wie ein kurzzeitiges Aufdrehen. Kaiserschmarrndrama bringt Tempo und Chaos zusammen und hält die Balance zwischen Übermut und echtem Gefühl.

    8. Guglhupfgeschwader (2022)

    Als Glücksspielschulden und eine unerwartete Bedrohung ins Dorf drängen, bekommt Guglhupfgeschwader eine Wärme, die aus Zusammenhalt entsteht. Die Figuren wirken vertrauter als je zuvor, und viele Szenen entfalten eine überraschende Zärtlichkeit, weil man merkt, wie eng diese Gemeinschaft wirklich ist. Franz Eberhofer gerät zwischen Verantwortung und innerer Müdigkeit, doch gerade dadurch entstehen Momente, die besonders menschlich wirken. Der Humor ist weniger bissig und mehr beobachtend, was dem Film einen ruhigeren Puls gibt. Wer danach Rehragout-Rendezvous sieht, spürt, wie dieser Teil die Grundlage für die emotionaleren Töne des nächsten legt. Guglhupfgeschwader zeigt die Reihe als das, was sie im Kern ist: eine Geschichte über Menschen, die sich ständig ärgern, aber trotzdem zusammenhalten.

    9. Rehragout-Rendezvous (2023)

    Ein Verschwinden erschüttert das Dorf, und in Rehragout-Rendezvous führt das zu einer der emotional dichtesten Geschichten der Reihe. Franz Eberhofer muss sich mit Konsequenzen beschäftigen, die weit über den Fall hinausreichen, und man merkt, wie sehr ihn die letzten Jahre geprägt haben. Der Ton ist leiser, manchmal nachdenklich, aber nie schwer – denn das Dorf bleibt das Dorf, mit all seiner liebenswerten Unordnung. Gleichzeitig rücken Beziehungen stärker in den Mittelpunkt, wodurch der Film wirkt, als säße man mitten in einem langsam schwelenden Konflikt, der sich schließlich entlädt. Vor dem bereits angekündigten Steckerlfischfiasko dient dieser Teil fast als innerer Vorbereitungsbogen, weil vieles hier persönlicher erzählt wird. Rehragout-Rendezvous lässt spüren, wie vertraut diese Menschen geworden sind – und warum man ihnen gern folgt.

    10. Steckerlfischfiasko (2026)

    Auch wenn Steckerlfischfiasko erst 2026 erscheint, lässt sich bereits erkennen, wohin die Reise geht: dörfliches Chaos, ein Fest, das aus dem Ruder läuft, und ein Fall, der aus einer Kleinigkeit entsteht und dann plötzlich alle mitreißt. Die Produktion verspricht einen frecheren Ton, der wieder etwas lauter werden dürfte, ohne die vertraute Struktur zu sprengen. Franz wird erneut zwischen Familie, Gefühlen und Ermittlungen stehen, und das Dorf wird, wie üblich, mehr helfen als nötig und dabei alles erschweren. Im Verhältnis zu Rehragout-Rendezvous, das emotional tiefer ging, kündigt sich hier ein Film an, der wieder mehr auf Tempo und Situationskomik setzt. Steckerlfischfiasko wirkt damit wie ein Schritt zurück in die spielerische Energie der mittleren Teile der Reihe - ein sinnvoller Abschluss des bisherigen Zehnersets.

  • Die Welt von Pandora: Alle Avatar-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Die Welt von Pandora: Alle Avatar-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Pandora ist einer dieser Orte, die sich anfühlen, als hätte sich jemand die schönsten Naturmomente unseres Planeten geschnappt, sie verstärkt und daraus eine Welt gebaut, die man kaum loslassen möchte. 

    Wenn die Na’vi über die Baumkronen jagen oder die Biolumineszenz im Dunkel aufleuchtet, ergibt sich dieses Gefühl von Weite, das man sonst nur bei großen Kinoepen wie Der Herr der Ringe bekommt, wenn eine vertraute Welt plötzlich riesig wirkt. James Cameron plant das Avatar-Universum seit Jahren in einer klaren Abfolge, und die chronologische Reihenfolge folgt 1:1 auch der geplanten Story-Entwicklung. Zwei Filme sind bereits veröffentlicht, drei weitere befinden sich in Produktion oder Postproduktion und setzen die Familiengeschichte der Sullys fort mit neuen Regionen Pandoras und einer immer größeren Bedrohung, die die Na’vi zusammenschweißt. Wer die Reihe sehen möchte, sollte also unbedingt der Story-Chronologie folgen.

    1. Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)

    Der ehemalige Marine Jake Sully wird in ein Avatar-Programm geschickt und entdeckt auf Pandora eine Welt, die ihn mehr fasziniert als jede Mission zuvor. Avatar – Aufbruch nach Pandora erzählt Jakes Wandel vom Beobachter zum Verbündeten der Na’vi mit einer Klarheit, die sofort funktioniert: Die Filme zeigen, wie überwältigend die Natur Pandoras wirkt und wie schnell man versteht, warum die Na’vi um jeden Baum kämpfen. Die Beziehung zu Neytiri und das Aufeinandertreffen zweier Kulturen bilden das Herz des Films, während die Action nur der Motor ist, der alles in Bewegung hält. Dieser erste Teil legt die emotionale Grundlage für alles, was kommt, und genau deshalb fühlt sich Avatar: The Way of Water später größer an - weil man hier erlebt, wo alles beginnt und welche Werte Jake zum ersten Mal wirklich begreift.

    2. Avatar: The Way of Water (2022)

    Mehrere Jahre später lebt Jake Sully als Familienvater bei den Na’vi, und der Kampf gegen die Menschen entflammt erneut, diesmal heftiger und persönlicher. Avatar: The Way of Water erweitert die Welt entscheidend, indem der Film die Riffe, Tiere und Rituale der Metkayina zeigt, die sich fast wie ein zweites Pandora anfühlen. Die Familie steht im Mittelpunkt: Kinder, Verantwortung und neue Rollen - alles wirkt organischer, weil man spürt, wie viel Jake und Neytiri zu verlieren haben. Die visuellen Details sind spektakulär, doch der Film bleibt warm, weil er die Beziehungen ernst nimmt. Der Kontrast zu Avatar – Aufbruch nach Pandora macht klar, wie stark sich die Dynamik verschiebt: Früher suchte Jake einen Platz, jetzt versucht er, ihn zu schützen. Und genau das gibt den kommenden Teilen ein großes emotionales Gewicht.

    3. Avatar 3: Fire and Ash (2025)

    Dieser Film wird die Geschichte der Sullys direkt fortsetzen und erstmals eine neue Na’vi-Fraktion einführen, die von James Cameron selbst als komplexer und moralisch ambivalenter beschrieben wurde. Über Avatar 3: Fire and Ash ist bekannt, dass wir weitere Regionen Pandoras sehen werden - darunter eine Gruppierung, die nicht in das bisher bekannte „harmonische Naturvolk“-Bild passt. Der Film ist vollständig gedreht und befindet sich in der Postproduktion, sodass Tonalität und Figurenentwicklung schon klar definiert scheinen: mehr Familienkonflikte, größere politische Spannungen und ein Ausbau der Welt, ähnlich wie es Avatar: The Way of Water bereits angedeutet hat. Da der Film direkt an Teil 2 anschließt, entsteht erstmals ein echter Übergang zu einer größeren Saga, die sich über mehrere Generationen ausbreiten könnte.

    4. Avatar 4 (geplant 2030)

    Dieser Teil ist teilweise gedreht, weil James Cameron bestimmte Szenen mit den Kinderdarstellern frühzeitig aufnehmen musste, um Kontinuitätsprobleme zu vermeiden. Inhaltlich ist bereits bekannt, dass Avatar 4 einen deutlicheren Zeitsprung enthalten soll, der die Welt erwachsener, politischer und möglicherweise düsterer macht. Der Film führt die Geschichte der Na’vi in eine neue Phase, in der alte Konflikte ihre Konsequenzen zeigen und jüngere Figuren in den Vordergrund rücken. Da Avatar 3 noch enger an die Ereignisse des zweiten Films anschließt, wird Avatar 4 wohl der Punkt sein, an dem sich das Universum spürbar verändert - größer, weitläufiger und emotional aufgeladen. Die spätere Entwicklung hin zu Avatar 5 soll sich hier bereits abzeichnen, weshalb dieser Film eine Brücke schlägt, die weit über die unmittelbaren Ereignisse hinausgeht.

    5. Avatar 5 (geplant 2031)

    Der geplante Abschluss der Saga soll laut Cameron teilweise auf der Erde spielen und zeigen, wie die Menschheit auf die Kultur der Na’vi reagiert und umgekehrt. Avatar 5 wird damit der erste Film, der beide Welten bewusst miteinander verknüpft und damit die größte thematische Spannung der Reihe ausspielt: Was passiert, wenn ein Volk, das im Einklang mit seiner Umwelt lebt, auf eine Zivilisation trifft, die ihre eigene zerstört? Der Film ist noch nicht gedreht, aber Camerons Hinweise lassen erahnen, dass dieser Teil emotional besonders groß angelegt wird. Nach dem Aufbau in Avatar 4 wird Avatar 5 vermutlich die Fäden zusammenführen -Familie, Identität und Zugehörigkeit - und damit den logischen Abschluss der über zwei Jahrzehnte geplanten Geschichte bilden. Der Ton dürfte reifer sein, aber weiterhin stark von dem getragen, was Pandora so einzigartig macht: Verbindung statt Eroberung.

  • Von “Following” bis “Oppenheimer”: Alle Christopher-Nolan-Filme in der richtigen Reihenfolge - und was er 2026 plant

    Von “Following” bis “Oppenheimer”: Alle Christopher-Nolan-Filme in der richtigen Reihenfolge - und was er 2026 plant

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Wenn bei Christopher Nolan eine Uhr im Bild auftaucht, hat man das Gefühl, dass nicht nur die Zeit im Film läuft, sondern auch im eigenen Kopf etwas in Gang gesetzt wird. 

    Seine Filme erzählen von Erinnerung, Schuld, Obsession, Macht und oftmals davon, wie brüchig die eigene Wahrnehmung ist, und das alles in Bildern, die man auf einer großen Leinwand eigentlich gar nicht verlassen möchte. Es ist dieser Mix, der ihn von vielen anderen Blockbuster-Regisseuren unterscheidet: Wo klassische Actionreihen vor allem Schauwerte liefern, verbindet Nolan Spektakel mit Rätseln, die sich noch Tage später im Hinterkopf melden. Manchmal fühlt sich das an wie bei Matrix: Man geht anders aus dem Kino raus, als man hineingegangen ist. Wer seine Filme in der Veröffentlichungsreihenfolge schaut, sieht dabei ziemlich gut, wie sich aus einem kleinen Schwarzweiß-No-Budget-Experiment ein Werk entwickelt, das inzwischen mitten im Oscar-Rennen mitspielt, ohne seinen Kern zu verlieren.

    1. Following - Eine blutige Falle (1998)

    Ein junger Mann streift ohne festen Plan durch London und folgt Fremden, nur um ihrem Leben näher zu kommen und daraus Geschichten zu ziehen. Following wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines, fast zufälliges Projekt, entpuppt sich aber schnell als präzise konstruierter Noir-Thriller: Die Timeline springt, Identitäten verrutschen, und Zuschauer:innen müssen ständig neu sortieren, was wann passiert ist. Man spürt hier schon sehr deutlich, worauf Nolan steht: Figuren, die sich in ihren eigenen Plänen verheddern, und Strukturen, die mehr sind als ein Trick. Gerade im Rückblick wirkt der Film spannend, weil sich viele Motive später in größeren Filmen wiederfinden - etwa in Memento, das den Gedächtnisverlust zur Struktur macht. Following fühlt sich an wie ein Notizbuch, in dem ein Regisseur ausprobiert, wie weit er Erzählzeit biegen kann, ohne seine Figuren aus dem Blick zu verlieren.

    2. Memento (2000)

    Leonard Shelby sucht den Mörder seiner Frau, kann sich aber nach einem Unfall nichts Neues mehr merken und schreibt sich jeden Hinweis auf den Körper oder auf Zettel, die schnell wieder fragwürdig wirken. Memento erzählt diese Geschichte rückwärts in kleinen Blöcken, was dazu führt, dass man immer genau so desorientiert ist wie Leonard selbst. Dadurch entsteht eine Spannung, die nicht nur vom „Wer war’s?“ lebt, sondern von der Frage, ob Leonard seiner eigenen Version der Wahrheit überhaupt trauen kann. Der Film ist gleichzeitig Krimi, Psychostudie und Experiment darüber, wie Erinnerung funktioniert, und warum man sie manchmal lieber schützt, statt sie zu korrigieren. Wo Following noch wie eine schlanke Fingerübung wirkt, markiert Memento die erste voll ausgearbeitete Nolan-Signatur: komplex, aber nicht prätentiös und emotional, ohne kitschig zu werden - mit einem Finale, das man so schnell nicht vergisst.

    3. Insomnia - Schlaflos (2002)

    Ein erfahrener Cop reist nach Alaska, um einen Mord an einem Mädchen aufzuklären, während die Sonne dort praktisch nicht untergeht und ihm jede klare Grenze zwischen Tag, Nacht und Schuldgefühl raubt. Insomnia ist einer der stilleren Nolan-Filme, aber genau darin liegt seine Stärke: Statt die Handlung mit Twists zu überladen, beobachtet der Film, wie ein Mann Schritt für Schritt die Kontrolle verliert - nicht, weil er unfähig wäre, sondern weil er schon zu lange zu viel weiß. Al Pacino spielt diese Erschöpfung so spürbar, dass die ständige Helligkeit fast körperlich unangenehm wird. Robin Williams als Täter bringt eine unerwartete Ruhe in die Rolle, die den Film unheimlicher macht als jede laute Gewaltspitze. Wo Memento die Form in den Vordergrund stellt, zeigt Insomnia, wie Nolan Spannung auch dann halten kann, wenn er sie ganz klassisch über Figuren, Räume und Blicke erzählt.

    4. Batman Begins (2005)

    Ein junger Bruce Wayne ringt mit seiner Angst, seiner Wut und dem Erbe seiner Familie, bevor er sich überhaupt eine Maske aufsetzt. Batman Begins nimmt sich Zeit für genau diese Phase, in der andere Superheldenfilme schnell schneiden würden: Training, Selbstzweifel, Fehlentscheidungen, die Suche nach einer klaren Idee, wofür Batman eigentlich stehen soll. Dadurch wirkt Gotham weniger wie Comic-Kulisse und mehr wie eine Stadt, die diesen Helden wirklich braucht. Liam Neeson, Cillian Murphy und Gary Oldman formen eine Welt, in der jede Figur etwas Konkretes beiträgt und nicht nur „Schurke“, „Mentor“ oder „Polizist“ ist. Später wirkt The Dark Knight wie der große, dunkle Höhepunkt dieser Vision, aber hier, in Batman Begins, liegt der Reiz im Aufbau: Man erlebt, wie ein Mythos entsteht, Schritt für Schritt, mit sehr menschlichen Fehlern auf dem Weg dorthin.

    5. Prestige - Die Meister der Magie (2006)

    Zwei Magier im 19. Jahrhundert treiben ihren Konkurrenzkampf so weit, dass aus Tricks Obsessionen werden und aus Shows gefährliche Experimente. Prestige – Die Meister der Magie ist einer dieser Filme, bei denen man beim ersten Sehen gebannt verfolgt, wer wem überlegen ist und beim zweiten Mal plötzlich merkt, wie früh der Film seine Karten eigentlich offen auf den Tisch legt. Hugh Jackman und Christian Bale geben ihren Figuren eine Mischung aus Ehrgeiz, Verletztheit und Eitelkeit, die den Konflikt nachvollziehbar macht, auch wenn die Handlungen immer radikaler werden. Die Frage „Wie weit würdest du gehen?“ hängt über jeder Szene. Während Batman Begins mit viel Weltaufbau arbeitet, konzentriert sich The Prestige komplett auf diese zwei Männer und ihre Spirale aus Tricks und Selbsttäuschung. Das macht ihn zu einem der befriedigendsten Nolan-Filme: Am Ende klickt das Puzzle, aber der Nachhall bleibt emotional, nicht nur intellektuell.

    6. The Dark Knight (2008)

    Gotham scheint stabiler geworden zu sein, bis ein Mann mit Clownsschminke auftaucht und beweisen will, dass jede Ordnung nur ein dünner Vorhang ist. The Dark Knight ist längst mehr als „nur“ ein Batman-Film: ein kompromissloser Crime-Thriller, der sich fragt, wie weit eine Gesellschaft bereit ist, für Sicherheit ihre Prinzipien aufzugeben. Heath Ledgers Joker ist dabei der Motor - unberechenbar, witzig und abgründig, mit einer Präsenz, die jede Szene dominiert, ohne die anderen Figuren zu verschlucken. Christian Bale, Aaron Eckhart und Maggie Gyllenhaal verankern das Drama in Beziehungen, die sich echt anfühlen, sodass Entscheidungen Konsequenzen haben, die wehtun. Wo The Prestige seine Obsessionen eher im Privaten austrägt, dreht The Dark Knight dieselben Fragen auf eine städtische Bühne und zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Held und Schurke manchmal ist, wenn das System selbst ins Wanken gerät.

    7. Inception (2010)

    Cobb und sein Team brechen nicht mehr in Banken ein, sondern in Träume, um dort Ideen zu stehlen oder zu pflanzen. Inception verknüpft Heist-Film, Familiendrama und Science-Fiction so elegant, dass man die komplexe Mechanik dahinter gerne vergisst, einfach weil es sich richtig anfühlt. Mehrere Traumebenen, Zeitdehnung, ikonische Bilder wie der sich drehende Flur oder die Stadt, die sich selbst überklappt - alles wirkt spektakulär, aber nie beliebig. Der emotionale Kern liegt in Cobbs Verhältnis zu seiner verstorbenen Frau und den Kindern, die er nur noch in Erinnerungsfragmenten sieht. Deshalb funktioniert der Film sowohl als großes Actionkino wie als Geschichte über Loslassen. The Dark Knight definiert für viele das moderne Comickino neu, Inception macht etwas Ähnliches mit Blockbuster-Science-Fiction, nur mit Träumen statt Kostümen.

    8. The Dark Knight Rises (2012)

    Jahre nach den Ereignissen des Jokers hat sich Batman aus Gotham zurückgezogen, und Bruce Wayne ist körperlich wie seelisch gezeichnet. The Dark Knight Rises erzählt keinen Triumph, sondern eine Rückkehr, die sich erst erkämpft werden muss. Mit Bane zieht eine Bedrohung in die Stadt, die weniger nihilistisch ist als der Joker, dafür umso systematischer zerstört, was Gotham an Ordnung aufgebaut hat. Der Film fühlt sich größer, breiter und manchmal übervoll an, hat aber im Kern eine sehr klare Geschichte: Ein Mann, der entscheiden muss, ob er seine Rolle als Symbol noch einmal annimmt oder endgültig loslässt. Wo The Dark Knight wie ein ständiger Adrenalinstoß wirkt, ist The Dark Knight Rises eher ein Epos über Erschöpfung, Widerstand und den Versuch, ein Kapitel wirklich zu schließen.

    9. Interstellar (2014)

    Die Erde wird unbewohnbar, und ein Pilot bricht auf, um durch ein Wurmloch nach einer neuen Heimat für die Menschheit zu suchen mit dem Wissen, dass Zeit im All anders vergeht und seine Tochter auf der Erde schneller altert als er. Interstellar kombiniert wissenschaftliche Spekulation mit einer sehr direkten Vater-Tochter-Geschichte, die dem ganzen Spektakel einen erstaunlich persönlichen Kern gibt. Die Bilder - Planeten aus Eis, Staubstürme, das schwarze Loch - sind überwältigend, aber am stärksten sind die leisen Momente, in denen verpasste Zeit zwischen Menschen steht. Matthew McConaughey und Jessica Chastain tragen diese Schwere, ohne sie erdrückend zu machen. Während Inception mehr mit dem Kopf spielt, zielt Interstellar mitten ins Herz und zeigt, wie weit ein Mensch gehen kann, um einem Versprechen gerecht zu werden, das längst durch Zeit und Raum getrennt scheint.

    10. Dunkerque (2017)

    Hunderttausende Soldaten sitzen am Strand von Dünkirchen fest, über ihnen Flugzeuge, vor ihnen das Meer, hinter ihnen der Feind. Dunkerque erzählt dieses historische Ereignis nicht mit langen Dialogen oder detaillierten Erklärungen, sondern mit drei Zeitebenen - einer Woche, einem Tag, einer Stunde -, die sich gegen Ende ineinanderschieben. Man ist mitten in der Situation, hört das Kreischen der Stukas, spürt das Zittern eines kleinen Boots, das sich einer Kriegszone nähert. Der Film ist weniger „klassischer Nolan-Puzzlefilm“ wie Memento, sondern eher eine Erfahrung: klaustrophobisch, nervös, aber mit Momenten echter Menschlichkeit, wenn Zivilboote anrücken oder jemand in letzter Sekunde doch die Kontrolle behält. Gerade weil Dunkerque so wenig erklärt, wirkt er lange nach.

    11. Tenet (2020)

    Ein namenloser Protagonist wird in eine Welt gezogen, in der Zeit nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts läuft und Aktionen rückgängig gemacht werden können, während andere noch passieren. Tenet ist Nolans bisher wildestes Konstrukt: Dialoge erklären physikalische Konzepte, während gleichzeitig eine Verfolgungsjagd in beide Richtungen der Zeit stattfindet. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen Film, der eher gespürt als in Echtzeit komplett verstanden werden will. John David Washington und Robert Pattinson bringen eine Leichtigkeit in ihre Figuren, die die theoretische Schwere etwas aufbricht, und manche Szenen wirken wie live gedrehte Denkexperimente. Wo Inception Traumlogik emotional erdet, bleibt Tenet bewusst abstrakter, aber gerade das macht ihn für viele zu einem Film, den man öfter sehen muss, um an immer neuen Stellen einzuhaken.

    12. Oppenheimer (2023)

    J. Robert Oppenheimer arbeitet mit einem Team von Wissenschaftlern an der Atombombe und muss später mit der Erkenntnis leben, dass seine Erfindung nicht mehr aus der Welt verschwindet. Oppenheimer ist dialoglastig, schnell geschnitten und trotzdem erstaunlich intim, weil der Film konsequent aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der gleichzeitig brillant und überfordert ist. Cillian Murphy spielt Oppenheimer mit einer Mischung aus Arroganz, Zweifel und stillem Entsetzen, die sich in jeder Großaufnahme zeigt. Die Musik, der Schnitt, die Farb- und Schwarzweißebenen erzeugen einen Sog, der eher an einen psychologischen Thriller erinnert als an ein klassisches Biopic. Wo Interstellar die Frage stellt, wie weit man gehen darf, um eine Zukunft zu retten, zeigt Oppenheimer die andere Seite: Was passiert, wenn man eine Tür öffnet, die sich nie wieder schließen lässt.

    13. Die Odyssee (geplant 2026)

    Ein Krieger versucht nach Jahren des Krieges den Weg zurück nach Hause zu finden, doch seine Reise wird zu einer Kette von Prüfungen, die ihn körperlich wie emotional an Grenzen bringt. Die Odyssee ist Christopher Nolans Neuinterpretation der vielleicht berühmtesten Heimkehrgeschichte überhaupt, und schon jetzt fühlt es sich an, als würde er sein bisheriges Werk mit mythologischer Wucht öffnen. Das liegt nicht nur am Stoff selbst, sondern auch an der Besetzung: Matt Damon als Odysseus, Zendaya als Athene, Anne Hathaway als Penelope und Robert Pattinson in einer der zentralen Rollen - das ist fast so, als hätte Nolan einmal seine gesamte Lieblingsbesetzung aus den letzten 15 Jahren zusammengerufen. Gedreht wird erneut auf IMAX-Film, wodurch die Reise vermutlich diese körperliche Größe bekommt, die man schon aus Interstellar kennt, nur mit deutlich wilderen Schauplätzen. Gerade die Mischung aus realen Drehorten, mythischen Elementen und Nolans Hang zu psychologischen Konflikten lässt erahnen, dass hier etwas entsteht, das größer wirkt als alles, was er bislang gemacht hat. Vieles ist noch geheim, aber das, was offiziell bestätigt wurde, reicht schon aus, um Fans zu elektrisieren.

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