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  • Von “Following” bis “Oppenheimer”: Alle Christopher-Nolan-Filme in der richtigen Reihenfolge - und was er 2026 plant

    Von “Following” bis “Oppenheimer”: Alle Christopher-Nolan-Filme in der richtigen Reihenfolge - und was er 2026 plant

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Wenn bei Christopher Nolan eine Uhr im Bild auftaucht, hat man das Gefühl, dass nicht nur die Zeit im Film läuft, sondern auch im eigenen Kopf etwas in Gang gesetzt wird. 

    Seine Filme erzählen von Erinnerung, Schuld, Obsession, Macht und oftmals davon, wie brüchig die eigene Wahrnehmung ist, und das alles in Bildern, die man auf einer großen Leinwand eigentlich gar nicht verlassen möchte. Es ist dieser Mix, der ihn von vielen anderen Blockbuster-Regisseuren unterscheidet: Wo klassische Actionreihen vor allem Schauwerte liefern, verbindet Nolan Spektakel mit Rätseln, die sich noch Tage später im Hinterkopf melden. Manchmal fühlt sich das an wie bei Matrix: Man geht anders aus dem Kino raus, als man hineingegangen ist. Wer seine Filme in der Veröffentlichungsreihenfolge schaut, sieht dabei ziemlich gut, wie sich aus einem kleinen Schwarzweiß-No-Budget-Experiment ein Werk entwickelt, das inzwischen mitten im Oscar-Rennen mitspielt, ohne seinen Kern zu verlieren.

    1. Following - Eine blutige Falle (1998)

    Ein junger Mann streift ohne festen Plan durch London und folgt Fremden, nur um ihrem Leben näher zu kommen und daraus Geschichten zu ziehen. Following wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines, fast zufälliges Projekt, entpuppt sich aber schnell als präzise konstruierter Noir-Thriller: Die Timeline springt, Identitäten verrutschen, und Zuschauer:innen müssen ständig neu sortieren, was wann passiert ist. Man spürt hier schon sehr deutlich, worauf Nolan steht: Figuren, die sich in ihren eigenen Plänen verheddern, und Strukturen, die mehr sind als ein Trick. Gerade im Rückblick wirkt der Film spannend, weil sich viele Motive später in größeren Filmen wiederfinden - etwa in Memento, das den Gedächtnisverlust zur Struktur macht. Following fühlt sich an wie ein Notizbuch, in dem ein Regisseur ausprobiert, wie weit er Erzählzeit biegen kann, ohne seine Figuren aus dem Blick zu verlieren.

    2. Memento (2000)

    Leonard Shelby sucht den Mörder seiner Frau, kann sich aber nach einem Unfall nichts Neues mehr merken und schreibt sich jeden Hinweis auf den Körper oder auf Zettel, die schnell wieder fragwürdig wirken. Memento erzählt diese Geschichte rückwärts in kleinen Blöcken, was dazu führt, dass man immer genau so desorientiert ist wie Leonard selbst. Dadurch entsteht eine Spannung, die nicht nur vom „Wer war’s?“ lebt, sondern von der Frage, ob Leonard seiner eigenen Version der Wahrheit überhaupt trauen kann. Der Film ist gleichzeitig Krimi, Psychostudie und Experiment darüber, wie Erinnerung funktioniert, und warum man sie manchmal lieber schützt, statt sie zu korrigieren. Wo Following noch wie eine schlanke Fingerübung wirkt, markiert Memento die erste voll ausgearbeitete Nolan-Signatur: komplex, aber nicht prätentiös und emotional, ohne kitschig zu werden - mit einem Finale, das man so schnell nicht vergisst.

    3. Insomnia - Schlaflos (2002)

    Ein erfahrener Cop reist nach Alaska, um einen Mord an einem Mädchen aufzuklären, während die Sonne dort praktisch nicht untergeht und ihm jede klare Grenze zwischen Tag, Nacht und Schuldgefühl raubt. Insomnia ist einer der stilleren Nolan-Filme, aber genau darin liegt seine Stärke: Statt die Handlung mit Twists zu überladen, beobachtet der Film, wie ein Mann Schritt für Schritt die Kontrolle verliert - nicht, weil er unfähig wäre, sondern weil er schon zu lange zu viel weiß. Al Pacino spielt diese Erschöpfung so spürbar, dass die ständige Helligkeit fast körperlich unangenehm wird. Robin Williams als Täter bringt eine unerwartete Ruhe in die Rolle, die den Film unheimlicher macht als jede laute Gewaltspitze. Wo Memento die Form in den Vordergrund stellt, zeigt Insomnia, wie Nolan Spannung auch dann halten kann, wenn er sie ganz klassisch über Figuren, Räume und Blicke erzählt.

    4. Batman Begins (2005)

    Ein junger Bruce Wayne ringt mit seiner Angst, seiner Wut und dem Erbe seiner Familie, bevor er sich überhaupt eine Maske aufsetzt. Batman Begins nimmt sich Zeit für genau diese Phase, in der andere Superheldenfilme schnell schneiden würden: Training, Selbstzweifel, Fehlentscheidungen, die Suche nach einer klaren Idee, wofür Batman eigentlich stehen soll. Dadurch wirkt Gotham weniger wie Comic-Kulisse und mehr wie eine Stadt, die diesen Helden wirklich braucht. Liam Neeson, Cillian Murphy und Gary Oldman formen eine Welt, in der jede Figur etwas Konkretes beiträgt und nicht nur „Schurke“, „Mentor“ oder „Polizist“ ist. Später wirkt The Dark Knight wie der große, dunkle Höhepunkt dieser Vision, aber hier, in Batman Begins, liegt der Reiz im Aufbau: Man erlebt, wie ein Mythos entsteht, Schritt für Schritt, mit sehr menschlichen Fehlern auf dem Weg dorthin.

    5. Prestige - Die Meister der Magie (2006)

    Zwei Magier im 19. Jahrhundert treiben ihren Konkurrenzkampf so weit, dass aus Tricks Obsessionen werden und aus Shows gefährliche Experimente. Prestige – Die Meister der Magie ist einer dieser Filme, bei denen man beim ersten Sehen gebannt verfolgt, wer wem überlegen ist und beim zweiten Mal plötzlich merkt, wie früh der Film seine Karten eigentlich offen auf den Tisch legt. Hugh Jackman und Christian Bale geben ihren Figuren eine Mischung aus Ehrgeiz, Verletztheit und Eitelkeit, die den Konflikt nachvollziehbar macht, auch wenn die Handlungen immer radikaler werden. Die Frage „Wie weit würdest du gehen?“ hängt über jeder Szene. Während Batman Begins mit viel Weltaufbau arbeitet, konzentriert sich The Prestige komplett auf diese zwei Männer und ihre Spirale aus Tricks und Selbsttäuschung. Das macht ihn zu einem der befriedigendsten Nolan-Filme: Am Ende klickt das Puzzle, aber der Nachhall bleibt emotional, nicht nur intellektuell.

    6. The Dark Knight (2008)

    Gotham scheint stabiler geworden zu sein, bis ein Mann mit Clownsschminke auftaucht und beweisen will, dass jede Ordnung nur ein dünner Vorhang ist. The Dark Knight ist längst mehr als „nur“ ein Batman-Film: ein kompromissloser Crime-Thriller, der sich fragt, wie weit eine Gesellschaft bereit ist, für Sicherheit ihre Prinzipien aufzugeben. Heath Ledgers Joker ist dabei der Motor - unberechenbar, witzig und abgründig, mit einer Präsenz, die jede Szene dominiert, ohne die anderen Figuren zu verschlucken. Christian Bale, Aaron Eckhart und Maggie Gyllenhaal verankern das Drama in Beziehungen, die sich echt anfühlen, sodass Entscheidungen Konsequenzen haben, die wehtun. Wo The Prestige seine Obsessionen eher im Privaten austrägt, dreht The Dark Knight dieselben Fragen auf eine städtische Bühne und zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Held und Schurke manchmal ist, wenn das System selbst ins Wanken gerät.

    7. Inception (2010)

    Cobb und sein Team brechen nicht mehr in Banken ein, sondern in Träume, um dort Ideen zu stehlen oder zu pflanzen. Inception verknüpft Heist-Film, Familiendrama und Science-Fiction so elegant, dass man die komplexe Mechanik dahinter gerne vergisst, einfach weil es sich richtig anfühlt. Mehrere Traumebenen, Zeitdehnung, ikonische Bilder wie der sich drehende Flur oder die Stadt, die sich selbst überklappt - alles wirkt spektakulär, aber nie beliebig. Der emotionale Kern liegt in Cobbs Verhältnis zu seiner verstorbenen Frau und den Kindern, die er nur noch in Erinnerungsfragmenten sieht. Deshalb funktioniert der Film sowohl als großes Actionkino wie als Geschichte über Loslassen. The Dark Knight definiert für viele das moderne Comickino neu, Inception macht etwas Ähnliches mit Blockbuster-Science-Fiction, nur mit Träumen statt Kostümen.

    8. The Dark Knight Rises (2012)

    Jahre nach den Ereignissen des Jokers hat sich Batman aus Gotham zurückgezogen, und Bruce Wayne ist körperlich wie seelisch gezeichnet. The Dark Knight Rises erzählt keinen Triumph, sondern eine Rückkehr, die sich erst erkämpft werden muss. Mit Bane zieht eine Bedrohung in die Stadt, die weniger nihilistisch ist als der Joker, dafür umso systematischer zerstört, was Gotham an Ordnung aufgebaut hat. Der Film fühlt sich größer, breiter und manchmal übervoll an, hat aber im Kern eine sehr klare Geschichte: Ein Mann, der entscheiden muss, ob er seine Rolle als Symbol noch einmal annimmt oder endgültig loslässt. Wo The Dark Knight wie ein ständiger Adrenalinstoß wirkt, ist The Dark Knight Rises eher ein Epos über Erschöpfung, Widerstand und den Versuch, ein Kapitel wirklich zu schließen.

    9. Interstellar (2014)

    Die Erde wird unbewohnbar, und ein Pilot bricht auf, um durch ein Wurmloch nach einer neuen Heimat für die Menschheit zu suchen mit dem Wissen, dass Zeit im All anders vergeht und seine Tochter auf der Erde schneller altert als er. Interstellar kombiniert wissenschaftliche Spekulation mit einer sehr direkten Vater-Tochter-Geschichte, die dem ganzen Spektakel einen erstaunlich persönlichen Kern gibt. Die Bilder - Planeten aus Eis, Staubstürme, das schwarze Loch - sind überwältigend, aber am stärksten sind die leisen Momente, in denen verpasste Zeit zwischen Menschen steht. Matthew McConaughey und Jessica Chastain tragen diese Schwere, ohne sie erdrückend zu machen. Während Inception mehr mit dem Kopf spielt, zielt Interstellar mitten ins Herz und zeigt, wie weit ein Mensch gehen kann, um einem Versprechen gerecht zu werden, das längst durch Zeit und Raum getrennt scheint.

    10. Dunkerque (2017)

    Hunderttausende Soldaten sitzen am Strand von Dünkirchen fest, über ihnen Flugzeuge, vor ihnen das Meer, hinter ihnen der Feind. Dunkerque erzählt dieses historische Ereignis nicht mit langen Dialogen oder detaillierten Erklärungen, sondern mit drei Zeitebenen - einer Woche, einem Tag, einer Stunde -, die sich gegen Ende ineinanderschieben. Man ist mitten in der Situation, hört das Kreischen der Stukas, spürt das Zittern eines kleinen Boots, das sich einer Kriegszone nähert. Der Film ist weniger „klassischer Nolan-Puzzlefilm“ wie Memento, sondern eher eine Erfahrung: klaustrophobisch, nervös, aber mit Momenten echter Menschlichkeit, wenn Zivilboote anrücken oder jemand in letzter Sekunde doch die Kontrolle behält. Gerade weil Dunkerque so wenig erklärt, wirkt er lange nach.

    11. Tenet (2020)

    Ein namenloser Protagonist wird in eine Welt gezogen, in der Zeit nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts läuft und Aktionen rückgängig gemacht werden können, während andere noch passieren. Tenet ist Nolans bisher wildestes Konstrukt: Dialoge erklären physikalische Konzepte, während gleichzeitig eine Verfolgungsjagd in beide Richtungen der Zeit stattfindet. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen Film, der eher gespürt als in Echtzeit komplett verstanden werden will. John David Washington und Robert Pattinson bringen eine Leichtigkeit in ihre Figuren, die die theoretische Schwere etwas aufbricht, und manche Szenen wirken wie live gedrehte Denkexperimente. Wo Inception Traumlogik emotional erdet, bleibt Tenet bewusst abstrakter, aber gerade das macht ihn für viele zu einem Film, den man öfter sehen muss, um an immer neuen Stellen einzuhaken.

    12. Oppenheimer (2023)

    J. Robert Oppenheimer arbeitet mit einem Team von Wissenschaftlern an der Atombombe und muss später mit der Erkenntnis leben, dass seine Erfindung nicht mehr aus der Welt verschwindet. Oppenheimer ist dialoglastig, schnell geschnitten und trotzdem erstaunlich intim, weil der Film konsequent aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der gleichzeitig brillant und überfordert ist. Cillian Murphy spielt Oppenheimer mit einer Mischung aus Arroganz, Zweifel und stillem Entsetzen, die sich in jeder Großaufnahme zeigt. Die Musik, der Schnitt, die Farb- und Schwarzweißebenen erzeugen einen Sog, der eher an einen psychologischen Thriller erinnert als an ein klassisches Biopic. Wo Interstellar die Frage stellt, wie weit man gehen darf, um eine Zukunft zu retten, zeigt Oppenheimer die andere Seite: Was passiert, wenn man eine Tür öffnet, die sich nie wieder schließen lässt.

    13. Die Odyssee (geplant 2026)

    Ein Krieger versucht nach Jahren des Krieges den Weg zurück nach Hause zu finden, doch seine Reise wird zu einer Kette von Prüfungen, die ihn körperlich wie emotional an Grenzen bringt. Die Odyssee ist Christopher Nolans Neuinterpretation der vielleicht berühmtesten Heimkehrgeschichte überhaupt, und schon jetzt fühlt es sich an, als würde er sein bisheriges Werk mit mythologischer Wucht öffnen. Das liegt nicht nur am Stoff selbst, sondern auch an der Besetzung: Matt Damon als Odysseus, Zendaya als Athene, Anne Hathaway als Penelope und Robert Pattinson in einer der zentralen Rollen - das ist fast so, als hätte Nolan einmal seine gesamte Lieblingsbesetzung aus den letzten 15 Jahren zusammengerufen. Gedreht wird erneut auf IMAX-Film, wodurch die Reise vermutlich diese körperliche Größe bekommt, die man schon aus Interstellar kennt, nur mit deutlich wilderen Schauplätzen. Gerade die Mischung aus realen Drehorten, mythischen Elementen und Nolans Hang zu psychologischen Konflikten lässt erahnen, dass hier etwas entsteht, das größer wirkt als alles, was er bislang gemacht hat. Vieles ist noch geheim, aber das, was offiziell bestätigt wurde, reicht schon aus, um Fans zu elektrisieren.

  • Die 10 besten Anime-Filme für Kinder

    Die 10 besten Anime-Filme für Kinder

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Anime ist nicht nur etwas für Erwachsene – viele der schönsten, witzigsten und herzerwärmendsten Animationsfilme sind perfekt für Kinder geeignet. Ob fantastische Abenteuer, emotionale Geschichten oder einfach bunte Unterhaltung: Diese Filme laden kleine (und große) Zuschauer:innen zum Staunen, Lachen und Träumen ein. Sie zeigen, wie Magie im Alltag steckt, wie wichtig Freundschaft und Familie sind, und dass man manchmal über sich hinauswachsen muss, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. 

    Wir haben zehn der besten Anime-Filme zusammengestellt, die Kinder lieben werden. Also Popcorn bereitlegen, rauf aufs Sofa  und gemeinsam abtauchen in Welten voller Fantasie, Gefühl und Zauber!

    Mein Nachbar Totoro (1988)

    Hayao Miyazakis gefeierter Klassiker ist pure Magie für Kinder. Zwei Schwestern ziehen aufs Land und entdecken dort Totoro, einen sanften Waldgeist mit riesigem Fellbauch und breitem Grinsen. Auch ohne großen Plot entfaltet der Film eine Welt voller Staunen, Fantasie sowie warmherziger Momente und feiert die Schönheit der Natur, kindlicher Neugier und der kleinen Wunder des Alltags. Die ruhige, fast meditative Erzählweise eignet sich perfekt für jüngere Kinder, die hier lernen, dass Magie oft in den kleinen Dingen steckt. Mein Nachbar Totoro ist ein zauberhaftes Meisterwerk, das Kinder begeistert, Erwachsene verzaubert und die ganze Familie immer wieder zusammen vor den Bildschirm holt. Wie Kikis kleiner Lieferservice feiert der Film Unabhängigkeit und kindliche Neugier, aber mit noch mehr Sanftheit.

    Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008)

    Das Fabelwesen Ponyo will unbedingt ein Mensch werden – und bringt damit die Welt um sie herum gehörig aus dem Gleichgewicht. Hayao Miyazaki verwebt in Ponyo das Märchen von der kleinen Meerjungfrau mit einem liebevollen Blick auf die Natur, das Meer und die Bande zwischen Familie und Freunden. Der Animationsstil ist verspielt, farbenfroh und voller kleiner Details, die Kinder immer wieder Neues entdecken lassen. Die Figuren sind warmherzig und witzig, und die Botschaft über Zusammenhalt, Akzeptanz und Verantwortung ist kindgerecht und dennoch tiefgründig. Ponyo ist ein Film, der kleine Zuschauer:innen zum Staunen bringt, Eltern mit seiner Poesie berührt und uns alle daran erinnert, wie wunderbar es ist, die Welt mit neugierigen Augen zu sehen. Wie Totoro steht auch Ponyo für Lebensfreude und Staunen, nur etwas turbulenter, wilder und lauter. 

    Chihiros Reise ins Zauberland (2001)

    Für Kids ist Chihiros Reise ins Zauberland das perfekte Abenteuer voller Magie, Geheimnisse und unvergesslicher Figuren. Der Film erzählt von der zehnjährigen Chihiro, die in eine fantastische Welt voller Geister, Götter und wundersamer Rätsel gezogen wird, als ihre Eltern sich plötzlich in Schweine verwandeln. Bildgewaltig, poetisch und manchmal ein wenig unheimlich, fesselt die Geschichte mit einer einzigartigen Atmosphäre, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann zieht. Chihiro lernt, über sich hinauszuwachsen, Mut zu zeigen und Vertrauen in sich selbst zu finden – und dass Freundschaft oft da entsteht, wo man es am wenigsten erwartet. Im Vergleich zu Ponyo ist Chihiros Reise komplexer und mystischer, doch genauso herzlich. Kein Wunder, dass dieser Film den Oscar gewann – er ist ein Tor zu einer anderen Welt, das man als Familie immer wieder durchschreiten möchte.

    Das wandelnde Schloss (2004)

    Ein Mädchen, ein geheimnisvoller Zauberer und ein fliegendes Schloss – fertig ist ein märchenhaftes Abenteuer, das jung und alt gleichermaßen begeistert. Das wandelnde Schloss beeindruckt mit fantasievollen Designs, von der dampfenden, quietschenden Festung auf Stelzen bis zu den liebevoll animierten Landschaften und Figuren, die aus einem Traum zu stammen scheinen. Die Geschichte dreht sich um Selbstfindung, Liebe, Mut und den Wert von Mitgefühl, erzählt dabei aber mit einer Komplexität, die für Kinder ab 6 Jahren geeignet ist. Dennoch zieht der Film auch jüngere Zuschauer:innen in seinen Bann – dank der skurrilen Charaktere, der magischen Welt und der berührenden Momente voller Humor und Wärme. Wie Chihiros Reise ins Zauberland zeigt auch dieser Film, dass in Mut und Mitgefühl eine besondere Magie liegt.

    Kikis kleiner Lieferservice (1989)

    Eine junge Hexe, ein neuer Lebensabschnitt und ein Besen, der nicht immer so will wie sie: Kikis kleiner Lieferservice ist eine warmherzige Coming-of-Age-Geschichte, die mit Leichtigkeit und Charme vom Erwachsenwerden erzählt. Kiki verlässt ihr Zuhause, um in einer fremden Stadt auf eigenen Beinen zu stehen, und gründet kurzerhand einen kleinen Lieferservice. Dabei lernt sie, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, Selbstzweifel zu überwinden und Freundschaften zu schließen. Der Film begeistert mit liebevollen Details, humorvollen Alltagsmomenten und einer leisen, aber starken Botschaft: Es ist okay, zu scheitern und sich verloren zu fühlen – wichtig ist, immer wieder aufzustehen. Mein Nachbar Totoro feiert die kindliche Neugier, Kiki hingegen die Selbstständigkeit – zwei Seiten derselben warmherzigen Medaille.

    Erinnerungen an Marnie (2014)

    Ein leiser, aber zutiefst berührender Film, der sich mit Themen auseinandersetzt, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen bewegen. Erinnerungen an Marnie erzählt die Geschichte von Anna, einem einsamen, unsicheren Mädchen, das während der Sommerferien aufs Land geschickt wird. Dort trifft sie auf die geheimnisvolle Marnie, die zu einer wichtigen Freundin wird – doch nichts ist so, wie es scheint. Die Geschichte behandelt Verlust, Zugehörigkeit, Freundschaft und Heilung auf sanfte, niemals kitschige Weise. Visuell wunderschön und emotional vielschichtig, bietet der Film ein berührendes Erlebnis, das Empathie weckt und zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst anzunehmen und seinen Platz in der Welt zu finden. Anders als in Ponyo oder Kiki geht es hier weniger um Abenteuer – das Herz steht klar im Mittelpunkt.

    Der Junge und das Biest (2015)

    Der junge Ren, der sich nach dem Tod seiner Mutter einsam und verloren fühlt, gerät in eine Parallelwelt voller Tierwesen. Dort trifft er auf Kumatetsu, einen grimmigen, bärartigen Krieger, der ihn zu seinem Lehrling macht – und widerwillig zu einer Art Vaterfigur wird. Der Junge und das Biest kombiniert mitreißende Buddy-Dynamik, rasante Kampfszenen und tiefgehende Themen wie Wut, Zugehörigkeit, Trauer und das Erwachsenwerden. Regisseur Mamoru Hosoda verknüpft hier Action und Emotion ähnlich wie in Summer Wars, legt den Fokus diesmal jedoch auf die Vater-Sohn-Beziehung. Kinder ab 12 Jahren kommen hier voll auf ihre Kosten, denn neben der Action erzählt der Film auch eine emotionale Geschichte über Familie, Freundschaft und die Frage, was es heißt, seinen Platz im Leben zu finden. 

    Mary und die Blume der Hexen (2017)

    Magische Pflanzen, sprechende Tiere und ein rätselhaftes Geheimnis, das nur darauf wartet, gelüftet zu werden – Mary und die Blume der Hexen entführt junge Zuschauer:innen in eine zauberhafte Welt voller Fantasie und Rätsel. Mary, ein scheinbar ganz normales Mädchen, stolpert durch Zufall in ein Abenteuer, das sie zu einer Schule für Hexen führt und sie mit ihren eigenen Stärken und Schwächen konfrontiert. Die detailreiche Animation, die skurrilen Figuren und das Setting erinnern entfernt an Kiki, nur mit mehr Spannung und Mystery. Im Mittelpunkt steht eine starke, mutige Heldin, die lernen muss, Verantwortung zu übernehmen und für das Richtige einzustehen. Perfekt für alle Kinder, die Hexengeschichten, Magie und eine bunte Welt voller Überraschungen lieben – und dabei lernen möchten, sich selbst ein bisschen mehr zuzutrauen.

    Summer Wars (2009)

    Digitale Welten, chaotische Großfamilien und ein Kampf um die Rettung der Welt – Summer Wars verbindet Action, Humor und Herz zu einem einzigartigen Abenteuer. Der Teenager Kenji wird in die Sommerferien der Familie seiner Freundin eingeladen, ahnt aber nicht, dass er schon bald im Zentrum einer digitalen Katastrophe stehen wird: Ein gefährlicher Virus bedroht die globale Online-Plattform OZ, und nur Kenji und die geballte Energie seiner bunt zusammengewürfelten Familie können das Schlimmste verhindern. Der Streifen bietet rasantes Tempo, clevere Wendungen und berührende Familienmomente, die ältere Kinder ab 12 Jahren begeistern werden. Wie Der Junge und das Biest vereint auch dieser Hosoda-Film spannende Action und viel Gefühl, ergänzt durch eine clevere Reflexion über Technik und Verantwortung. 

    Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft (2018)

    Was passiert, wenn plötzlich ein Baby die ganze Aufmerksamkeit der Familie bekommt? Mirai erzählt diese Geschichte aus der Perspektive des kleinen Kun, der sich mit der Geburt seiner Schwester Mirai plötzlich zurückgesetzt fühlt. Doch dann taucht eines Tages eine magische, ältere Version von Mirai aus der Zukunft auf – und nimmt Kun mit auf eine Reise durch Raum und Zeit. Wie Erinnerungen an Marnie erzählt Mirai vom inneren Wachstum und der Kraft der Familie. Der Film ist ein einfühlsames, oft humorvolles Porträt von Geschwisterliebe, Eifersucht und dem Prozess des Erwachsenwerdens. Ideal für Kinder, die selbst Geschwister haben (oder bald bekommen), und ebenso für Eltern, die mitlachen, mitfühlen und sich vielleicht sogar ein bisschen wiedererkennen werden.

  • Ambition, Geheimnisse, Macht: 10 Dark-Academia-Filme nach „After the Hunt“

    Ambition, Geheimnisse, Macht: 10 Dark-Academia-Filme nach „After the Hunt“

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    After the Hunt führt den italienischen Regisseur Luca Guadagnino erstmals tief in ein akademisches Milieu: In die ehrwürdigen Hallen der Yale University, wo Denken allerdings nicht nur Beruf sondern ebenso Bühne und Wettbewerbsdisziplin zu sein scheint. 

    Im Zentrum stehen drei Figuren, die an der philosophischen Fakultät lehren oder studieren: Alma (Julia Roberts), ihr Kollege Hank (Andrew Garfield) und ihre Doktorandin Maggie (Ayo Edebiri). Was als Diskurs über Ethik, Identitätspolitik und intellektuelle Verantwortung beginnt, verwandelt sich in ein ungewöhnliches #MeTee-Drama, als ein Vorwurf im Raum steht, der alles infrage stellt.

    Guadagnino interessiert sich dabei weniger für die Wahrheit selbst als für die Mechanismen, die sie umgeben: Macht, Karrierehunger, Imagepflege, und Angst. After the Hunt zeigt eine Welt, in der Bildung nicht bloß Wissen meint, sondern politisches Terrain, sozialen Status – und ein Ringen um Deutungshoheit. Diese Liste versammelt Filme, die denselben Nerv treffen: Erzählungen aus akademischen, künstlerischen oder intellektuellen Räumen, in denen Ambition, Geheimnisse und  Intrigen zu Spannungen führen, die sich psychisch, sozial oder existenziell entladen. Filme, die zeigen, wie wie leicht Ideale in Abgründe umschlagen können.

    10. Kill Your Darlings (2013)

    Ein Film über die Euphorie eines geistigen Aufbruchs – und den Moment, in dem ein Traum kippt. Ginsberg (Daniel Radcliffe) erlebt sein erstes Studienjahr an der Columbia University als Aufbruch in ein neues geistiges Leben: Er trifft auf Lucien Carr, David Kammerer und William S. Burroughs – allesamt junge Männer, die Literatur nicht als akademische Pflichtübung, sondern als radikalen Befreiungsversuch denken. Doch aus intellektueller Ekstase entsteht ein Abgrund, als ein Gewaltakt ihre Ideale und Loyalitäten erschüttert. Kill Your Darlings erzählt weniger vom Verbrechen als vom Ende einer jugendlichen Vorstellung davon, was Genie bedeutet. Der Film macht die Schattenseiten akademischer Selbststilisierung sichtbar: Inspiration, die sich zu Wahn versteigt; Freundschaft, die an Konkurrenz zerbricht; Ideale, die Zerstörung in sich tragen.

    9. Elle (2016)

    Michelle (Isabelle Huppert), Leiterin eines Pariser Videospielstudios, wird in ihrem eigenen Haus überfallen – und weigert sich, die Rolle des Opfers anzunehmen. Statt Rückzug sucht sie die Kontrolle über das Erlebte und über das Schweigen danach. Elle spielt nicht im direkten akademischen Umfeld, denkt jedoch über sehr ähnliche Räume nach: Ein Milieu, in dem Intellekt und Status die zentrale Währung sind. Paul Verhoeven interessiert sich nicht für moralische Eindeutigkeit, sondern für widersprüchliche Selbstbehauptung. Elle zeigt, wie Identität zur letzten Verteidigungslinie werden kann, wenn Systeme, Menschen und Institutionen versagen. Ein verstörend souveräner Film – komplex, kühl, provozierend.

    8. Saltburn (2023)

    Saltburn beginnt als scheinbare Augstiegsgeschichte: Oliver (Barry Keoghan), Außenseiter in Oxford, wird von Felix (Jacob Elordi) in seine aristokratische Familie eingeladen. Was wie ein Eintritt in ein anderes Leben wirkt, entpuppt sich allerdings als provokante Versuchsanordnung, in der Nähe, Bewunderung und Macht permanent neu verhandelt werden. Emerald Fennell interessiert sich weniger für das Klassenmärchen als für den Hunger, der es antreibt: Nach Anerkennung, nach Sichtbarkeit, nach Bedeutung. Saltburn ist ein bewusst provokant inszenierter Film, der mit großer Lust an Schockeffekten zeigt, wie schmal die Grenze zwischen Bewunderung und Besessenheit sein kann.

    7. Good Will Hunting (1997)

    Will Hunting (Matt Damon), Aushilfskraft am MIT, besitzt ein mathematisches Genie, das er ebenso vehement verdrängt wie seine inneren Verletzungen. Als ein Professor (Stellan Skarsgård) sein Talent erkennt, versucht er Will in eine akademische Laufbahn zu drängen, die für ihn zugleich Verheißung und Bedrohung ist. Der Wendepunkt entsteht erst im Gespräch mit einem geduldigen Therapeuten (Robin Williams), der keine Erwartungen stellt, sondern wirkliche Nähe zulässt. Good Will Hunting ist ein stilles Drama über Begabung, Angst und Selbstschutz – und darüber, wie Bildung nur dann heilend wirken kann, wenn sie den Menschen sieht, nicht nur sein Potenzial.

    6. Tagebuch eines Skandals (2006)

    Hier wird Sehnsucht zur Waffe: Sheba (Cate Blanchett), neu an einer Londoner Gesamtschule, beginnt eine Affäre mit einem minderjährigen Schüler – eine Grenzüberschreitung, die ihre Kollegin Barbara (Judi Dench) entdeckt und zunächst verschweigt. Was als stille Komplizenschaft beginnt, verwandelt sich allmählich in ein Geflecht aus Kontrolle, Abhängigkeit und emotionaler Erpressung. Auch ohne Universitätskulisse verhandelt Tagebuch eines Skandals zentrale Dark-Academia-Themen: Einsamkeit, institutionelle Macht, und moralische Grauzonen spielen eine zentrale Rolle. Richard Eyre inszeniert mit kühler Genauigkeit, getragen aber wird das Drama von zwei herausragenden Hauptdarstellerinnen. 

    5. Suspiria (1977)

    Ein finsteres Horrormärchen aus Angst, Disziplin und Okkultem: Als die amerikanische Ballettschülerin Suzy Bannion (Jessica Harper) an einer renommierten Tanzakademie in Freiburg ankommt, merkt sie schnell, dass der Ort von etwas Dunklerem beherrscht wird als bloßem Ehrgeiz. Dario Argentos Suspiria verwandelt die Institution in eine Art hermetisches Ritualsystem: ein Ort, an dem Disziplin, Geheimhaltung und Hierarchie nicht nur pädagogische Strukturen sind, sondern okkulte Machtmittel. Der Ausdrucksstil des Films – expressionistische Farben, opernhafte Musik, präziser Horror – lässt die Schule selbst zum psychologischen Labyrinth werden. Suspiria führt Dark Academia an ihren Ursprung zurück: als Erzählung von Wissen, das Kontrolle verspricht – und letztlich verzehrt. Ein hypnotisches, radikal stilisiertes Werk – schön und grausam zugleich.

    4. Der Club der Toten Dichter (1989)

    An einer Elite-Akademie in Neuengland inspiriert der neue Englischlehrer John Keating (Robin Williams) seine Schüler dazu, eigene Gedanken zu formulieren – und stößt damit auf den erbitterten Widerstand einer Institution, die Sicherheit über Selbstbestimmung stellt. Peter Weirs Film verweist auf ein Motiv, das sich in vielen Dark-Academia-Geschichten wiederfindet: Bildung als Versprechen, das nicht für alle gilt. Club der Toten Dichter gehört in diese Liste, weil er zeigt, wie schmerzhaft der Moment sein kann, in dem junge Menschen begreifen, dass Freiheit stets einen Preis hat – manchmal einen zu hohen.

    3. The Holdovers (2023)

    The Holdovers spielt an einem Elite-Internat in Neuengland und erzählt von einem Schüler, der über die Weihnachtsferien auf dem weitgehend menschenleeren Campus zurückbleibt – gemeinsam mit einem misanthropischen Lehrer (Paul Giamatti) und der trauernden Küchenchefin (Da’Vine Joy Randolph). Was als Zwangsgemeinschaft mit klaren Klassengrenzen beginnt, entwickelt sich zu einer Annäherung dreier Menschen, die auf unterschiedliche Weise feststecken: in Rollenerwartungen, Schuld, Schmerz. Alexander Payne lässt die Geschichte langsam, mit feinem Humor und melancholischer Tiefe entstehen. Visuell wie atmosphärisch ist der Film ein Musterbeispiel moderner Dark-Academia-Ästhetik. The Holdovers überzeugt durch seine Warmherzigkeit, seine eleganten Dialoge und seine leisen, unaufdringlichen Weisheiten – ein außergewöhnlich schöner Film darüber, wie Nähe entsteht, wenn sie am wenigsten erwartet. 

    2. Empörung (2016)

    Eine oft übersehene, aber überaus sehenswerte Adaption von Philip Roths gleichnamigen Roman: Marcus Messner (Logan Lerman), Sohn eines jüdischen Metzgers, erhält in den 1950er Jahren ein Stipendium an einem konservativen College. Das Studium soll ihn vor der Einberufung in die US-Armee schützen – doch er trifft auf ein System, das Disziplin verlangt, ohne Orientierung zu geben oder echte Bildung zu vermitteln. James Schamus inszeniert mit mitreißender Klarheit, wie Marcus in die Mühlen rigider Moralvorstellungen gerät. Vor allem die Wortgefechte mit dem College-Präsidenten entwickeln sich zur tiefgründigen Auseinandersetzung über Prinzipien, Sinn und Schuld. Empörung zeigt das Bildungssystem nicht als Befreiung, sondern als soziale Prüfung in politisch angespannten Zeiten – und macht sichtbar, wie selbst hehre Ziele und Ideale unter solchen Bedingungen zur Last ihres Trägers werden können. 

    1. Tár (2022)

    Lydia Tár (Cate Blanchett) ist die gefeierte Chefdirigentin der Berliner Philharmoniker – doch ihre Karriere gerät ins Wanken, als persönliche Verstrickungen und beruflicher Machtmissbrauch ans Licht dringen. Todd Field interessiert sich dabei weniger für den Skandal selbst als für die Mechanismen, die ihn möglich machen – für die verhängnisvolle Verzahnung aus Abhängigkeiten, Schweigen und institutionellem Selbstschutz. Tár folgt seiner Protagonistin in Proberäume, zu exklusiven Dinnern, aber auch in den Unterricht mit Studierenden an der renommierten Juilliard School, wo es zur ikonischsten Szene des Dramas kommt. Dass der Film dabei kühl, präzise und unaufgeregt bleibt, ist seine größte Stärke: Tár ist ein Meisterwerk psychologischer Beobachtung – und eine der eindringlichsten Charakterstudien der letzten Jahre.

  • “Valar morghulis”: Die 10 besten fiktiven Sprachen in Filmen und Serien

    “Valar morghulis”: Die 10 besten fiktiven Sprachen in Filmen und Serien

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Fiktive Sprachen haben etwas, das man nicht groß erklären muss: Ein paar Zischlaute, ungewöhnliche Betonungen oder eine Tonfolge, die man so noch nie gehört hat, reichen schon, um Figuren geheimnisvoller, lustiger oder bedrohlicher wirken zu lassen. 

    Gute Filme und Serien nutzen das wie einen heimlichen Verstärker für das Kopfkino: Wer bestimmte Klänge wiedererkennt, ist sofort wieder zurück in Mittelerde, im Thronsaal von Königsmördern oder auf einer völlig fremden Welt mit eigener Schwerkraft. 

    Dazu kommen all die anderen Fantasiesprachen, die sich ins Gedächtnis brennen, auch wenn man die Regeln nie gelernt hat - etwa die klickenden Alien-Geräusche aus District 9 oder die verspielten Fantasielaute aus manchen Anime- und Cartoon-Welten, die eher nach Musik klingen als nach Gesprächen. Genau diese Mischung aus Wiedererkennbarkeit, Atmosphäre und Popkultur-Kraft entscheiden dieses Ranking über die besten fiktiven Sprachen aus der Film- und Serienwelt.

    10. Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt (2001)

    Milo Thatch ist ein etwas verschrobener Sprach- und Kartenexperte, der sich einer Expedition anschließt, um die versunkene Stadt Atlantis zu finden und dort auf ein Volk trifft, das eine eigene, sorgfältig erfundene Sprache spricht. Diese Atlantean-Sprache wirkt nicht wie ein schneller Fantasy-Trick, sondern wie ein echtes Relikt aus längst vergangenen Zeiten: Wörter erinnern leicht an bekannte Wurzeln, sind aber gerade fremd genug, um neugierig zu machen. Der Film setzt den Klang nicht ständig ein, sondern streut ihn gezielt in Dialoge, Rituale und alte Inschriften, sodass jede Szene ein kleines Rätselgefühl bekommt. Gegen den bunten, lauten Klamauk von Die Simpsons wirkt das alles erstaunlich ernsthaft, fast ein bisschen altmodisch, und genau das macht Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt zu einem sympathischen Einstieg ins Ranking: nicht das berühmteste Beispiel, aber eines, das unterschätzt, liebevoll gebaut und klar eigenständig ist.

    9. Die Simpsons (seit 1989)

    In Springfield läuft das meiste ganz normal in verständlichem Englisch ab, bis die Die Simpsons beschließen, kurz komplett durchzudrehen: Aliens landen, Halloween-Episoden reißen alles aus der Realität, und plötzlich sprechen Figuren in überdrehten Fantasiesprachen, die wie eine Parodie auf ernsthafte Science-Fiction klingen. Immer wieder tauchen kleine Kunstlaute, Fake-Dialekte oder absurde Ritualsprüche auf, die nur für eine Folge existieren und trotzdem im Gedächtnis bleiben. Die Serie benutzt Sprache wie eine zusätzliche Pointen-Ebene, die einfach nochmal eine Umdrehung mehr Wahnsinn bringt. Wer danach direkt in das sehr viel liebevoller konstruierte Minionese aus Die Minions springt, merkt, wie unterschiedlich Humor-Sprachen funktionieren können: Hier ist alles kurz, bissig und zitatfähig, und genau deshalb sichert sich Die Simpsons diesen Platz als bunt-chaotischer Gegenpol zu den ernsteren Sprachwelten weiter oben.

    8. Star Wars (seit 1977)

    In der weit entfernten Galaxis von Star Wars reden zwar viele Figuren ganz normal, aber rundherum summt und brummt eine ganze Klanglandschaft aus Fantasiesprachen. Jabba und seine Unterweltkontakte lassen Huttisch wie klebrigen Sirup durch den Raum laufen, Chewbaccas Shyriiwook klingt, als würde jemand komplette Sätze durch ein Herz aus Fell filtern, und Droiden wie R2-D2 erledigen ihre Kommunikation mit Piepsen, Pfeifen und kurzen Tonfolgen, die längst wie richtige Kommentare wirken. Statt komplette Grammatiken aufzubauen, konzentriert sich das Universum auf klare, extrem einprägsame Audio-Signaturen: Ein Brummen, ein Bellen und ein bestimmtes Pfeifen - mehr braucht es nicht, um eine Figur sofort wiederzuerkennen. Wer danach in die Welt von Star Trek wechselt, merkt sehr schnell, wie unterschiedlich dieser Ansatz ist: Dort geht es um lernbare Sprachen, hier eher um Gefühl, Kodierung und Stimmung. Genau diese Mischung aus Einfachheit und ikonischem Wiedererkennungswert sorgt dafür, dass Star Wars im Mittelfeld trotzdem unverzichtbar bleibt.

    7. Dune (2021)

    Auf Arrakis, dem lebensfeindlichen Wüstenplaneten, versucht das Haus Atreides seine Rolle zu finden, während die Fremen längst gelernt haben, mit Sand, Hitze und riesigen Würmern zu leben. Ihre Sprache klingt so, als wäre sie direkt aus dieser Landschaft herausgeschliffen worden: kurze, harte Wörter, knappe Befehle und sparsame Höflichkeitsformen, die zu einem Volk passen, das keine Energie vergeudet. In Ritualen und Gebeten tauchen weichere, fast gesungene Elemente auf, die den Glauben der Fremen hörbar machen, ohne dass die Kamera viel erklären müsste. Die Gegenseite wirkt sprachlich deutlich steifer und bürokratischer, was die Machtverhältnisse noch klarer zeichnet. Wer sich an die sanfteren, gleitenden Laute der Na’vi aus Avatar – Aufbruch nach Pandora erinnert, spürt sofort, dass Dune eine andere Richtung einschlägt: weniger Harmonie, dafür mehr Überlebenswille. Genau das macht diese Sprachwelt so spannend und bringt ihr einen stabilen Platz im vorderen Mittelfeld ein.

    6. Die Minions (2010–heute)

    Die Minions aus Ich - Einfach unverbesserlich stolpern seit Jahren durch ihre Filme, immer auf der Suche nach einem möglichst fragwürdigen neuen Boss, und reden dabei in einer Sprache, die nach Zuckerrausch klingt. Minionese mischt Versatzstücke aus Spanisch, Englisch, Italienisch, Japanisch und purem Nonsens, und das alles in einem Tempo, bei dem man automatisch mitgrinst, auch wenn man kein einziges Wort konkret übersetzen könnte. Man versteht trotzdem sofort, ob gerade Begeisterung, Panik oder beleidigtes Schmollen angesagt ist, weil Tonfall, Rhythmus und Körperkomik perfekt zusammenspielen. Wer den Sound im Ohr behält und danach eine Szene mit Parseltongue aus Harry Potter hört, merkt erst, wie unterschiedlich Zischlaute und Fantasiegewusel eingesetzt werden können. Minionese ist nicht die tiefste, aber eine der fröhlichsten Kunstsprachen dieser Liste und völlig zu Recht längst ein eigenes Popkultur-Geräusch geworden.

    5. Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)

    Jake Sully kommt in Avatar als Außenseiter nach Pandora und landet im Körper eines Na’vi, der einer Gemeinschaft angehört, in der Sprache und Natur untrennbar zusammengehören. Na’vi klingt weich, rund und leicht gesungen, als würde jede Silbe einmal durch die leuchtenden Wälder der Welt wandern, bevor sie ausgesprochen wird. Dadurch entsteht der Eindruck, dass diese Sprache nicht nur erfunden, sondern wirklich gelebt wird. Viele Fans konnten einzelne Sätze sofort nachsprechen, obwohl sie nie eine Grammatik gelesen haben - einfach weil Klang und Bild sich so gut ergänzen. Wer danach an die kantigen, fast scharfen Laute der Fremen aus Dune denkt, erkennt zwei völlig unterschiedliche Wege, eine fremde Kultur hörbar zu machen. Na’vi entscheidet sich klar für Verbundenheit und Empathie, und genau das macht diese Sprache so reizvoll, die in den Top 5 landet.

    4. Harry Potter (seit 2001)

    Harry Potter wächst in einer Welt auf, in der Zaubersprüche oft fast nüchtern daherkommen: ein Wort, eine klare Wirkung, fertig. Parseltongue sticht da sofort heraus: Die Sprache der Schlangen klingt, als würde sie sich durch Wände und Knochen schlängeln, bevor sie überhaupt ankommt. Das Zischen zieht die Sätze in die Länge, macht jede Silbe unheimlich und verwandelt harmlose Räume in bedrohliche Orte. Weil nur wenige Figuren diese Fähigkeit besitzen, wird jede Szene mit Parseltongue automatisch zu etwas Besonderem, fast zu einem kleinen Horror-Moment. Man muss kein einziges Wort verstehen, um zu merken, dass hier eine Grenze überschritten wird, die anderen Zauberern verschlossen bleibt. Wenn man im Kopf einmal die raue, körperliche Kraft der Dothraki aus Game of Thrones danebenlegt, wirkt Parseltongue fast intim: weniger laut, dafür näher an den Ohren und deutlich dichter am Grusel. Genau dieser Fokus auf Stimmung bringt die Schlangensprache weit nach oben im Ranking.

    3. Star Trek: Raumschiff Enterprise (seit 1966)

    Im Universum von Star Trek ist Sprache mehr als nur Mittel zum Zweck, sie ist oft direkt mit Ehre, Logik oder Diplomatie verknüpft. Klingonisch klingt, als müsse jeder Satz mit geradem Rücken gesprochen werden, die Laute kommen aus dem ganzen Körper und passen perfekt zu einem Volk, das seinen Kriegerstolz mit jeder Geste betont. Vulkanisch wirkt dagegen kontrolliert und präzise, fast so, als würden Emotionen schon im Kehlkopf weggefiltert. Zusammen ergeben diese Sprachen ein klares Bild davon, wie unterschiedlich Kulturen in derselben Galaxie ticken können. Dass Fans Klingonisch tatsächlich gelernt, Wörterbücher geschrieben und eigene Treffen organisiert haben, zeigt, wie stark diese Kunstsprache funktioniert. Wer danach noch einmal auf das eher gefühlsgetriebene Klangchaos in Star Wars hört, spürt sofort, wie sehr hier Struktur und System im Vordergrund stehen. Genau diese Verbindung aus Popkultur und Benutzbarkeit rechtfertigt den Platz auf dem Treppchen.

    2. Game of Thrones (2011–2019)

    In den Ländern von Westeros und Essos prallen Kulturen aufeinander, und die Serie lässt das nicht nur in Rüstungen und Schlachtfeldern sichtbar werden, sondern auch in der Art, wie gesprochen wird. Hochvalyrisch (Kultsatz: “Valar morghulis”) wirkt elegant, fast schon feierlich, wenn es in feierlichen Schwüren oder alten Sprüchen verwendet wird, während Gemeinvalyrisch alltagstauglicher daherkommt. Dothrakisch bringt eine ganz andere Energie mit: kurze, kraftvolle Wörter, die zu einem Reitervolk passen, das die Steppe eher erobert als verwaltet. Figuren definieren sich darüber, ob sie diese Sprachen beherrschen oder nicht, und genau dadurch wird Macht hörbar. Legt man innerlich einmal das melancholische Elbisch aus Der Herr der Ringe daneben, entstehen spannende Kontraste: Dort alte Legenden, hier schmutzige Politik. Diese Mischung aus Weltgefühl, Härte und Detailarbeit sichert Game of Thrones den zweiten Platz.

    1. Der Herr der Ringe (2001)

    In Mittelerde geht es um Ringe, Könige und Opfer, aber der eigentliche Unterbau der Welt liegt in den Sprachen, die alles zusammenhalten. Elbisch, vor allem Sindarin und Quenya, klingt wie ein gesungenes Gedicht, in dem jede Silbe ein kleines Stück Geschichte trägt. Tolkien entwickelte Grammatik, Wortstämme und Lautregeln, bevor die Filme überhaupt existierten, und genau deshalb wirkt alles so stimmig: Lieder, Inschriften, kurze Dialogfetzen ergeben ein großes Ganzes. Dazu kommen Härten wie die Schwarze Sprache, die das Böse sogar im Klang verankern. Wenn man nach einem Marathon Game of Thrones die Ohren kurz ausruhen lässt und dann wieder Elbisch hört, fühlt sich das fast wie ein Kippen in eine andere, sanfter gealterte Mythologie an. Kaum eine erfundene Sprache strahlt so sehr wie hier, und deshalb führt Der Herr der Ringe dieses Ranking an.

  • „Sharknado“: alle sechs Filme, vom schlechtesten bis zum besten

    „Sharknado“: alle sechs Filme, vom schlechtesten bis zum besten

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Die Sharknado-Reihe ist eines der seltsamsten Popkulturphänomene überhaupt: Eigentlich hätte das Konzept nie funktionieren dürfen – und genau das erklärt seinen Reiz. Aus einem improvisierten TV-Projekt wurde ein globales Meme, das über sechs Filme hinweg immer weiter eskalierte. Manche Teile wirken wie reine Pflichterfüllung, andere treffen genau diesen absurden Ton, der die Reihe bis heute trägt. 

    Unser Ranking ordnet alle Teile vom schwächsten bis zum stärksten und bewertet, wie souverän jeder Film seine eigene Absurdität ausspielt und im direkten Vergleich abschneidet. Egal, ob du Trash-affin bist oder einfach den richtigen Stoff für eine herrlich bekloppte Filmnacht suchst: Hier findest du eine klare Orientierung – und zugleich einen passenden Einstieg, um bestens auf das für 2026 angekündigte Prequel Sharknado Origins vorbereitet zu sein.

    6. Sharknado 4 (Original: „Sharknado: The 4th Awakens“, 2016)

    Nach Jahren ohne Haistürme kehrt die Bedrohung zurück – diesmal als Sand-, Öl- und sogar radioaktive Nukenados. Fin kämpft erneut darum, seine Familie aus immer groteskeren Elementar-Sharknados zu retten, doch der Film verlässt sich fast vollständig auf Star-Wars-Parodien, Nostalgie-Referenzen und eine Flut belangloser Cameos. Während Sharknado 3 trotz Überfrachtung noch eine gewisse Energie und ein Gespür für sein eigenes Chaos besitzt, wirkt der vierte Teil wie ein ermüdeter Meta-Zitatgenerator, der Absurdität nur noch imitiert, statt daraus Funken zu schlagen – am Ende wie eine schlechte Kopie. Sharknado 5 zeigt später wenigstens wieder Ambition im globalen Maßstab. Sharknado 4 bleibt hingegen blass, konzeptlos und ohne jeden echten Trash-Reiz – der klar schwächste Beitrag der gesamten Reihe.

    5. Sharknado 3 (Original: „Sharknado 3: Oh Hell No!“, 2015)

    Fin muss diesmal erst Washington retten, dann die gesamte Ostküste und schließlich sogar die ISS, wo der Film in einem völlig überdrehten Weltraumfinale endet. Die Ideen überschlagen sich im Minutentakt, doch viele Szenen bleiben erstaunlich unfokussiert und wirken eher wie zufällig eingestreute Sketche als wie konsequent überzogener Trash. Im direkten Vergleich zu Sharknado 4, der sich in zielloser Meta-Satire verzettelt, besitzt Sharknado 3 zumindest so etwas wie Spielfreude und ein Grundmaß an chaotischer Energie. Gleichzeitig fehlt ihm die kompromisslose Anarchie von Sharknado 6, der seinen Irrsinn später offen auskostet. Wirklich gut ist Sharknado 3 nicht, aber er schlägt seinen Nachfolger – und ist chaotisch auf eine Weise, die tatsächlich unterhält.

    4. Sharknado 6: The Last One (Original: „The Last Sharknado: It’s About Time“, 2018)

    Der Abschlussfilm wirft jede Hemmung über Bord und jagt Fin quer durch die Zeit: von Dinosauriern über das Mittelalter bis in den Wilden Westen und diverse dystopische Zukunftsszenarien – immer mit dem Ziel, den allerersten Sharknado zu verhindern. Während Sharknado 3 unter seiner eigenen Überlastung einknickt und Sharknado 5 noch versucht, seine Bedrohung halb ernsthaft zu inszenieren, findet Sharknado 6 endlich den Mut zur vollständigen Selbstironie. Nicht jede Szene funktioniert, aber der Film akzeptiert offen, was die Reihe längst ist: hemmungsloser, maximaler Trash-Wahnsinn. Als Finale funktioniert das überraschend gut. Dieser Teil ist klar unterhaltsamer und deutlich stärker als die müde Mittelphase der Kultreihe.

    3. Sharknado 5: Global Swarming (Original: „Sharknado 5: Global Swarming“, 2017)

    Ein Netz aus globalen Mega-Sharknados bedroht Metropolen wie London, Rom und Tokio. Doch das ist noch lange nicht alles: Als Fins Sohn entführt wird, verwandelt sich der Film in eine weltumspannende Rettungsmission, die sich von Schauplatz zu Schauplatz steigert und voller bewusst überdrehter Momente steckt. Anders als Sharknado 4, der weitgehend wie ein ermüdeter Parodieautomat wirkt, zeigt Sharknado 5 spürbar den Willen, das Franchise größer, internationaler und tatsächlich etwas epischer wirken zu lassen. Gleichzeitig bleibt er geerdeter als Sharknado 6, der später vollständig im Multiverse-Irrsinn aufgeht. Am Ende ist dies der stärkste Beitrag der späten Phase – chaotisch, laut und überraschend unterhaltsam.

    2. Sharknado – Genug gesagt! (Original: „Sharknado“, 2013)

    Ein gewaltiger Sturm schleudert Haie über Los Angeles, während Fin verzweifelt versucht, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Die Effekte sind rudimentär, viele Szenen wirken improvisiert, und genau dieser Mangel an Feinschliff sorgt bis heute für den eigentümlichen Reiz des Films. Anders als Sharknado 3 (2015) oder Sharknado 4 (2016) wirkt der allererste Haisturm nicht wie ein bewusst kalkulierter Trash-Entwurf, sondern eher wie ein Projekt, das unbeabsichtigt in den Kultstatus hineinstolpert. Selbst im Vergleich zu Sharknado 2, der das deutlich bessere Timing und mehr Humor besitzt, bleibt der Erstling einzigartig: Keine spätere Fortsetzung konnte diese unfreiwillige Komik noch einmal reproduzieren oder auch nur annähernd einfangen.

    1. Sharknado 2 (Original: „Sharknado 2: The Second One“, 2014)

    Nach einem Hai-Angriff im Flugzeug verlagert sich das Chaos nach New York, wo Fin mit Kettensägen, improvisierten Waffen und purem Überlebenswillen gegen den nächsten Wirbelsturm aus Raubfischen antritt. Sharknado 2 findet genau den Sweet Spot der Reihe: schneller und klarer strukturiert als Sharknado, weniger überladen als Sharknado 3, einfallsreicher als Sharknado 4 und deutlich fokussierter als der später international aufgeblasene Sharknado 5. Der Film weiß exakt, welchen Ton er treffen muss, und setzt seinen Trash-Humor mit Timing, Tempo und Spielfreude um, wie es kein anderer Teil geschafft hat. Der unangefochtene Höhepunkt des gesamten Franchise und damit natürlich auch der Spitzenreiter unserer Liste.

  • Gen V und 7 weitere brutale Superhelden-Serien

    Gen V und 7 weitere brutale Superhelden-Serien

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Superhelden galten lange als moralische Leitfiguren – perfekte Figuren mit klaren Prinzipien. Doch Serien wie Gen V zeigen, wie weit sich das Genre davon entfernt hat. Statt edler Retter dominieren heute Narzissmus, Medienhysterie und Blut. Gen V führt das von The Boys geprägte Prinzip der Dekonstruktion fort: eine Welt, in der Macht per Algorithmus verteilt wird und Image alles ist. 

    Diese Entwicklung markiert den reifsten und radikalsten Moment des Superhelden-Fernsehens. Von der nihilistischen Gesellschaftskritik in Watchmen bis zur schmerzhaften Menschlichkeit in Doom Patrol – diese acht Serien beweisen, dass das Genre nur überlebt, wenn es sich selbst auseinandernimmt.

    Gen V (2023)

    Gen V verlegt das Universum von The Boys an die Godolkin University – eine Mischung aus Elitecampus, Realityshow und Waffenschmiede. Hier lernen junge Supes nicht Verantwortung, sondern Imagepflege. Die Serie kombiniert Teen-Drama mit abgründiger Satire und expliziter Gewalt. Hinter dem Blut steckt ein erstaunlich scharfer Kommentar über Ruhm, Leistungsdruck und mediale Selbstvermarktung. Gen V funktioniert als eigenständige Geschichte, ergänzt aber elegant das Mutter-Franchise. Für Fans von The Boys oder Peacemaker, die mehr über den Ursprung dieser kaputten Heldenwelt erfahren wollen, ist Gen V ein Pflichtprogramm – brutal, zynisch und verdammt treffsicher. Eine dritte Staffel wurde bislang nicht offiziell angekündigt, doch Showrunner Eric Kripke erklärte, dass bereits Pläne für Season 3 existieren.

    The Boys (2019)

    Die Serie, mit der alles begann. The Boys dekonstruiert das Superhelden-Genre bis zur bitteren Ironie: Hier sind Helden Markenprodukte, PR-geschützte Monster in Spandex. Gewalt und Zynismus sind keine Stilmittel, sondern Symptome einer durchkommerzialisierten Welt. Doch hinter dem Splatter steckt mehr als blanke Provokation – ein wütender, oft erschreckend ehrlicher Blick auf Machtmissbrauch, Fanatismus und Manipulation. Im Gegensatz zu Gen V wirkt The Boys erwachsener, politischer und nihilistischer, fast schon wie ein Spiegel unserer Gegenwart. Es ist der Referenzpunkt, an dem Serien wie Invincible oder Peacemaker gemessen werden. Nach dieser Serie glaubt niemand mehr, dass Superhelden noch etwas retten können – nicht einmal sich selbst.

    Invincible (2021)

    Was als klassischer Coming-of-Age-Comic beginnt, entpuppt sich als brutale Vater-Sohn-Tragödie über Erwartungen, Macht und Angst vor dem eigenen Erbe. Invincible nutzt Animation nicht zur Vereinfachung, sondern zur Eskalation: Kämpfe werden zu existenziellen Zusammenbrüchen, jedes Blutbad zum Spiegel familiärer Gewalt. Die Serie ist das emotionale Gegenstück zu The Boys: weniger zynisch, aber noch kompromissloser in ihrer Konsequenz. Gewalt dient hier nicht der Schau, sondern der tiefgreifenden Charakterentwicklung. Fans von Gen V oder Doom Patrol werden überrascht sein, wie viel psychologische Tiefe hinter der Comic-Optik steckt. Invincible zeigt, dass Reife im Genre vor allem dort entsteht, wo Helden an sich selbst zerbrechen.

    Peacemaker (2022)

    Peacemaker entwickelt die aus The Suicide Squad bekannte Figur weiter – derbe, laut, zugleich überraschend verletzlich. John Cena spielt den hyperloyalen Kämpfer als jemanden, der zwischen Schuld, Männlichkeitsbildern und Selbstbild schwankt. Seine Darstellung sitzt in jeder Nuance; in dieser Rolle wirkt er schlicht alternativlos. Die Serie verbindet groben Humor und Action mit Momenten echter Selbstreflexion. Gegenüber The Boys wirkt sie witziger, zugänglicher und stärker charakterzentriert; im Vergleich zu Doom Patrol weniger melancholisch, aber nicht banal. Zielgruppe: alle, die Antihelden mit Ecken und Kanten mögen und bei aller Härte auch Platz für Empathie wünschen. Kein Heiligenmythos, sondern eine bewusst unglamouröse Figurenskizze – mit Pop-Ader und klarer, pointierter Satire.

    Doom Patrol (2019)

    Doom Patrol konzentriert sich auf Außenseiter, deren Kräfte eng mit Trauma und Identität verknüpft sind. Statt einer klassischen Heldenreise setzt die Serie auf surreale, oft tragikomische Episoden, in denen Selbstsuche und Akzeptanz im Mittelpunkt stehen. Sie ist weniger zynisch als The Boys und weniger plappernd-ironisch als Peacemaker, aber ganz sicher nicht „leise“: Slapstick, groteske Bilder und abrupte Tonwechsel gehören dazu. Entscheidend ist, dass die Gewalt und das Absurde nicht zur Schau gestellt werden, sondern die inneren Brüche der Figuren spiegeln. Brendan Frasers Robotman steht exemplarisch für das Spannungsfeld aus Körper, Erinnerung und Selbstwert. Für Zuschauer:innen, die psychologisch gefärbte, ungewöhnliche Erzählweisen suchen, ist Doom Patrol eine perfekte Wahl – eigenwillig, berührend und oft bewusst chaotisch.

    Watchmen (2019)

    Damon Lindelofs Watchmen verlegt Motive des Comics in eine alternative Gegenwart der USA und verknüpft sie mit realer Gewaltgeschichte, darunter dem Massaker von Tulsa 1921. Das Ergebnis ist keine klassische Superhelden-Action, sondern ein politisch aufgeladener Diskurs über Erinnerung, Macht und Verantwortung in modernen Gesellschaften. Masken dienen hier als soziale Marker und als Spiegel kollektiver Verdrängung, nicht als Freifahrtschein für moralische Eindeutigkeit. Im Spektrum dieser Liste ist Watchmen die analytischste und konsequenteste Position: weniger Explosionen, mehr Meta-Ebene, präzise Figurenarbeit (etwa durch Regina King). Kurzum: Der perfekte Pick für alle, die das Genre als serielles Essay über Staat, Trauma und Identität begreifen.

    The Punisher (2017)

    The Punisher erzählt Vigilantismus mit klarem Fokus auf PTSD, Verlust und die lebenslangen Folgeschäden von Gewalt. Jon Bernthal zeichnet Frank Castle als Mann, der nicht in heroischen Gesten aufgeht, sondern mit der Leere nach dem Krieg und den Konsequenzen seines Handelns ringt. Die Inszenierung bleibt erdig und körperlich; die Action ist hart, aber nie ästhetisiert. Im Gegensatz zu Peacemaker fehlt die ironische sichtweise, im Gegensatz zu Invincible der Comic-Filter – genau das erzeugt eine ganz eigene Tonalität. Die Serie richtet sich an Zuschauer:innen, die eine dichte, ungeschönte Auseinandersetzung mit Rache suchen. Kein kathartischer Triumph, keine moralische Reinigung, sondern ein nüchterner Blick auf Gewalt ohne Romantisierung.

    The Umbrella Academy (2019)

    Hier stehen Familienstrukturen, Zeitreisen und persönliche Dysfunktion gleichberechtigt neben den unvermeidbaren Superkräften. The Umbrella Academy verbindet Pop-Energie und Melancholie, ohne in reinen Klamauk oder zynische Distanz zu kippen. Gewalt dient der Charakterentwicklung, nicht dem Spektakel. Im Vergleich zu Gen V rückt die Serie stärker Bindungen, Verluste und Verantwortung in den Vordergrund, statt Vermarktungsmechaniken auszuspielen. Für Zuschauer:innen, die Ensemble-Erzählungen mit klaren Figurenbögen mögen und ein weniger zynisches, aber erwachsenes Gegenangebot zu The Boys suchen. Ergebnis: ein zugänglicher, eigenwilliger Beitrag, der den Genre-Rahmen nutzt, um über Familie und Identität zu erzählen – ohne falsche Heldenpose.

  • Von „Harry Potter“ bis „Fantastische Tierwesen“: Alle Filme aus der Zaubererwelt in chronologischer Reihenfolge

    Von „Harry Potter“ bis „Fantastische Tierwesen“: Alle Filme aus der Zaubererwelt in chronologischer Reihenfolge

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Über zwei Jahrzehnte ist es nun her, dass das Kino erstmals in die magische Welt von „Harry Potter“ eintauchte. An Charme hat die Geschichte um einen Waisenjungen, der unverhofft Zugang in die Realität der Hexen und Zauberer erhält, und dort nicht nur erstmals echte Gemeinschaft erfährt, sondern sich auch im Kampf gegen das Böse beweisen muss, bis heute nicht verloren. Egal ob Neueinsteiger oder langjähriger Fan: Es gibt mehrere Wege, sich der zeitlosen Filmreihe zu nähern.

    Eine Möglichkeit ist, das Franchise in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu sehen. Die ursprüngliche Geschichte besteht aus acht Filmen, die in der Regel ein Schuljahr in „Hogwarts“ umfassen, Harry Potter (Daniel Radcliffe) sowie seine Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) beim Erwachsenwerden begleiten und von den immer gefährlicheren Konfrontationen mit „dem, dessen Name nicht genannt werden darf“ erzählen.

    Beginnend mit der Entdeckung seiner magischen Fähigkeiten in Der Stein der Weisen bis hin zum ultimativen Kampf gegen Voldemort (Ralph Fiennes) in Die Heiligtümer des Todes: Teil 2, ergibt sich folgende Reihenfolge: 

    Alle „Harry Potter“-Filme in der richtigen Reihenfolge

    1. Harry Potter und der Stein der Weisen (2001)

    Den Auftakt der Reihe umgibt wohl die größte Magie: Wir lernen den jungen Harry kennen, der erfährt, dass er ein Zauberer ist, und an die Schule für Hexerei und Zauberei „Hogwarts“ eingeladen wird. Regisseur Chris Columbus setzt während der 152-minütigen Spielzeit auf warmherzige Familienunterhaltung, eine detailverliebte Einführung in die magische Welt und eine (weitgehend) buchgetreue Umsetzung. Die Zielgruppe sind sowohl Kinder, die erstmals in Fantasywelten eintauchen wollen, als auch Erwachsene, die sich an klassischem Abenteuerkino erfreuen. Aus heutiger Sicht wirkt der Film stellenweise etwas langsam und visuell noch nicht so ausgereift wie spätere Teile, aber gerade diese gemächliche Einführung macht seinen Reiz aus. Wer das Franchise von Anfang an erleben möchte, sollte hier beginnen – auch, um alle Figurenentwicklungen in den kommenden Teilen nachvollziehen zu können.

    2. Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002)

    Im zweiten Teil wird der Ton etwas düsterer: Eine mysteriöse Macht greift Schüler in Hogwarts an, und Harry muss das Geheimnis einer uralten Kammer lüften. Erneut führt Chris Columbus Regie und erweitert das Universum in 161 Minuten um mythische Elemente wie den Basilisken und Tom Riddles Tagebuch, das später im Gesamtkontext eine große Rolle spielt. Für Fans von finsteren Rätsel- und Detektivgeschichten ist dieser Teil besonders lohnend. Das Besondere: Mit Harry Potter und die Kammer des Schreckens baut die Reihe erstmals spürbar Spannung auf, ohne ihre kindgerechte Leichtigkeit zu verlieren. Grundlegend für alle, die den Weg zu den ernsteren, späteren Kapiteln wie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes verstehen wollen. 

    3. Harry Potter und der Gefangene von Askaban (2004)

    Mit Alfonso Cuarón übernimmt ein neuer Regisseur – und sofort verändert sich der Stil. Die Geschichte um den entflohenen Sirius Black bringt eine spürbar düstere Atmosphäre und komplexere moralische Fragen ins Spiel. Visuell experimenteller, mit längeren Kamerafahrten und realistischeren Farben, bricht dieser Teil bewusst mit der märchenhaften Optik der ersten beiden Filme. Die Zielgruppe sind nun nicht mehr nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene, die mehr psychologische Tiefe schätzen, denn:Harry Potter und der Gefangene von Askaban bildet den Übergang vom kindlichen Abenteuer zur ernsteren „Coming of Age“-Geschichte. Einer der stärksten Teile, weil er packend die Weichen für das erwachsenere Erzähltempo der kommenden Filme stellt. Wer das Franchise bingewatcht, wird in diesen 142 Minuten einen deutlichen Reife-Sprung erleben. 

    4. Harry Potter und der Feuerkelch (2005)

    Der vierte Teil ist zugleich „Turnierfilm“ und Wendepunkt der Reihe: Das Trimagische Turnier bringt internationale Zaubererschulen ins Spiel, liefert spektakuläre Wettkämpfe – vom Drachenkampf bis zur Unterwasserrettungsaktion – und mündet in Voldemorts Rückkehr. Die Zielgruppe verschiebt sich hier klar zu Teenagern und Erwachsenen, da Themen wie Verrat, Tod und Angst nun zentral werden. Besonders auffällig: Die Figuren durchleben erstmals romantische Spannungen, was für zusätzliche Dynamiken sorgt. Allerdings wurde die Buchvorlage leider stark gekürzt, was manche Nebenhandlung- und figur blass wirken lässt. Dennoch ist Harry Potter und der Feuerkelch ein Schlüsselkapitel, um den eskalierenden Konflikt der Reihe zu verstehen. Empfehlenswert für alle, die 157 Minuten Fantasy mit Action und Thriller-Elementen erleben wollen.

    5. Harry Potter und der Orden des Phoenix (2007)

    Unter David Yates’ Regie wird die Reihe politischer: Harry muss nicht nur gegen Voldemort bestehen, sondern auch gegen ein Zaubereiministerium, das seine Rückkehr vehement leugnet. Dolores Umbridge steht sinnbildlich für Machtmissbrauch und und autoritäre Apparate. Die Zielgruppe sind eher jugendliche bis erwachsene Fans, die sich auch für den ideologischen Unterbau der Saga interessieren. Besonders spannend: Harrys Verzweiflung und Wut über seine Isolation werden spürbarer – er wächst als Figur, obwohl auch Harry Potter und der Orden des Phoenix gegenüber dem Buch viele Details streicht. Dadurch sind die Zusammenhänge etwas schwerer zu verstehen, als in den Vorgängerfilmen – und doch sind diese 138 Minuten für das Gesamtverständnis der Reihe essenziell. 

    6. Harry Potter und der Halbblutprinz (2009)

    Ein gelungener Balanceakt zwischen romantischen Erzählsträngen und düsterer Vorgeschichte: Während in Hogwarts Liebeswirren größeren Raum einnehmen, enthüllt Dumbledore gegenüber Harry nun immer mehr über Voldemorts Vergangenheit und die Horkruxe. Zielgruppe: Fans, die sowohl Figurenbeziehungen als auch den zentralen Plot im Blick behalten wollen. Harry Potter und der Halbblutprinz hat durchaus humorvolle Zwischentöne, verliert während der 153 Minuten aber nie die wachsende Bedrohung aus den Augen. Ein unterschätzter Teil, der wichtige Puzzleteile für das Finale liefert. Ideal für alle, die nochmal in den emotionalen Kern der Figuren eintauchen wollen.

    7. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 (2010)

    Weit weg von Hogwarts, folgen wir Harry, Ron und Hermine auf einer ziellosen Flucht, immer auf der Suche nach den Horkruxen: Das Tempo ist ruhiger, die Stimmung gedrückter, und viele Szenen leben stärker von Dialog und Atmosphäre als von Action. Anders ausgedrückt: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 ist der perfekte Harry-Potter-Teil für jene, die bereit sind, auf große Effekte zu verzichten, um mehr und tiefergehendere Charakterzeichnung zu sehen. Ein mutiger Film, der auf 146 Minuten zeigt, wie sehr die Figuren gereift sind – auch wenn die Handlung darüber manchmal kurz stillsteht. Wichtig: Ohne den zweiten Teil wirkt der Film unvollständig, doch als Auftakt zum Finale ist er essenziell. 

    8. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 (2011)

    Das große Finale liefert sowohl emotionale als auch visuelle Höhepunkte: Die Schlacht um Hogwarts, die endgültige Konfrontation mit Voldemort und berührende Momente mit Nebenfiguren wie Neville Longbottom. Der Film ist temporeich, actionlastig und schließt den Handlungsbogen konsequent ab. Trotzdem gilt auch hier: Manches besonderes charmante Detail aus den Büchern fehl, und die CGI-gesättigten Schlachten erhalten während der 130-minütigen Spielzeit beinahe mehr Raum als wichtige Charakterszenen. Dennoch ist Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 alles in in allem ein überaus würdiger Abschluss, der die jahrelange Reise an der Seite von Harry Potter, Ron und Hermine zu einem emotionalen Ende führt.

    Alle „Fantastische Tierwesen“-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Rund fünf Jahre später folgte allerdings der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die ebenfalls im „Harry Potter“-Kosmos angesiedelt ist und vom exzentrischen „Magizoologen“ Newt Scamander (Eddie Redmayne) erzählt, der magischen Kreaturen studiert und in die Welt der Zauberer in New York eintaucht. Möchte man die Filme in chronologischer Reihenfolge ihres Erscheinens sehen, folgen damit als nächstes:

    1. Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

    Der erste „Fantastische Tierwesen“-Teil eröffnet das Zaubereruniversum neu: 1926 reist der Magizoologe Newt Scamander nach New York, wo er magische Kreaturen sammelt – und mitten in eine politische Krise gerät. Die Zielgruppe sind Potter-Fans, die neugierig auf andere Kontinente und Epochen sind, sowie Fantasyfreunde, die sich besonders für Creature-Designs im Stile von Guillermo del Toro interessieren. „Fantastische Tierwesen“ ist vor allem in seiner atmosphärischen Dichte stark, aber narrativ etwas lose verknüpft: Die Balance zwischen „Tierwesen“-Abenteuer und aufziehendem politischem Subplot gelingt während der 133 Minuten nur bedingt. Dennoch bietet er frische Perspektiven und neue Figuren. Ideal für alle, die die Zaubererwelt jenseits von Hogwarts erkunden wollen.

    2. Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

    Der zweite Teil verschiebt den Fokus deutlicher auf den aufkommenden Machtkampf: Grindelwald will die Muggel unterwerfen, und Newt muss Farbe bekennen. Jude Law ist kein typischer junger Dumbledore und verlieht der Figur ein eher oberflächliches Charisma, während Johnny Depp (damals als Grindelwald) selten so überzeugend einen Bösewicht mimte wie hier. Die Zielgruppe sind zu diesem Zeitpunkt eingefleischte Fans. Aber auch die dürften es bisweilen etwas schwerer haben, eine emotionale Bindung aufzubauen - denn der 134 Minuten lange Film wirkt bisweilen mit Figuren und Handlungssträngen überladen.  Dennoch bietet er wichtige Weichenstellungen für das spätere Dumbledore-Grindelwald-Duell. Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen ist ein ambitionierter, interessanterer Teil der Reihe aber weniger fokussiert als der Vorgänger. 

    3. Fantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (2022)

    Hier rückt der Konflikt zwischen Dumbledore und Grindelwald (nun Mads Mikkelsen) endgültig ins Zentrum. Spionage, geheime Allianzen und ein magisches Tier mit prophetischer Bedeutung prägen die Handlung. Die Zielgruppe sind Fans, die komplexe politische Strukturen im Zaubereruniversum schätzen.Fantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse ist der bislang geschlossenste Teil der Reihe, auch wenn die emotionale Mitte – Newt als Figur – etwas in den Hintergrund tritt und sich die Geschichte aufgrund ihres unentschlossenen Erzählens immer weniger dringlich anfühlt. Trotz strafferer Erzählung bleiben manche Nebenfiguren während der 142 Minuten unterentwickelt. Als Abschluss funktioniert er, auch wenn ursprünglich mehr Filme geplant waren. 

    Alle Filme der Zaubererwelt in chronologischer Reihenfolge

    Als Prequel zu Originalgeschichte angelegt, spielt die Handlung von Fantastische Tierwesen etwa 65 Jahre vor dem ersten „Harry Potter“-Kapitel. Möchte man die Filme in Bezug auf den Handlungsverlauf in chronologischer Reihenfolge sehen, sollte man demnach mit der „Fantastische Tierwesen“-Trilogie beginnen und sich dann durch die „Harry Potter“-Reihe bis zum epischen Finale arbeiten.

    Weitere Filme sind für das beliebte Franchise im Moment übrigens nicht in Planung. Nachdem die Zuschauerzahlen der Fortsetzungen um „Newt Scamander“ hinter den Erwartungen zurückblieben, wurde die Produktion von zwei weiteren „Fantastische Tierwesen“-Teilen vorerst gestoppt. Allerdings ist derzeit eine „Harry Potter“-Serie in Arbeit, die voraussichtlich schon 2026 erscheinen soll. Eine neue Geschichte wird die jedoch nicht erzählen. Stattdessen ist die Rede von einem Remake, also einer erneuten Adaption der sieben „Harry Potter“-Bücher.

  • Alles vernetzt: Sämtliche Spider-Man-Filme und -Serien in der richtigen Reihenfolge

    Alles vernetzt: Sämtliche Spider-Man-Filme und -Serien in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Spider-Man ist eine Figur, die sich ständig neu erfindet, ohne dass der Kern verloren geht. Während Franchises wie Batman immer weiter ins Dunkel rutschen oder das X-Men-Universum zwischen politisch und episch wechselt, lebt Spider-Man von Variation: Jede Generation bekommt ein eigenes Tempo, eigenen Humor und einen eigenen Peter Parker. 

    Deshalb funktioniert eine reine Produktionschronologie nur bedingt. Diese Watchorder orientiert sich daran, wie die Versionen thematisch aufeinander reagieren: Welche Konflikte sich fortsetzen, welche Dynamiken sich spiegeln und welche Ideen wieder auftauchen. Wer so schaut, entdeckt Muster, die man sonst übersieht - etwa, wie animierte Serien Elemente vorwegnehmen, die später in Realfilmen anders klingen. So entsteht ein roter Faden durch ein Universum, das eigentlich aus mehreren Universen besteht.

    1. New Spiderman (1994–1998)

    Kaum eine Version legt so viele Grundlagen wie New Spiderman. Die Serie zeigt Peters Welt mit klaren moralischen Konflikten, starken Nebenfiguren und Gegnern, die mehr sind als reine Antagonisten. Diese breite Auslegung macht sie zu einem idealen Startpunkt, weil spätere Realfilmvarianten viele dieser Ideen wieder aufgreifen. Besonders spürbar wird das, wenn man danach Spider-Man sieht, der denselben inneren Druck erzählerisch konzentrierter erzählt. Die Serie vermittelt früh, wie sehr Spider-Man von Verantwortung und Beziehungen geprägt ist, und schafft damit ein Fundament, das spätere Iterationen anders gewichten. Ohne Vorkenntnisse funktioniert sie hervorragend, doch rückblickend versteht man gut, warum moderne Filme bestimmte Figuren neu definieren oder Konflikte stärker personalisieren.

    2. Spider-Man (2002)

    Der Realfilm setzt einen Ton, der für viele Zuschauer bis heute das emotionale Fundament der Figur bildet. Spider-Man erzählt Peters Anfänge mit aufrichtiger Verletzlichkeit und einer klassischen Dramaturgie, die spätere Filme bewusst variieren. Genau deshalb passt er an diese Stelle: Er übersetzt Themen, die die Animated Series etabliert, in eine realfilmische Intensität. Die Entwicklung lässt sich besonders gut mit Spider-Man 2 vergleichen, das denselben Peter unter größerem Druck zeigt und die Konflikte der Figur weiter verdichtet. Später entstehen neue Universen, die Peters Jugend anders definieren oder den Humor neu justieren. Doch dieser Film markiert eine klare Ausgangsposition: Er zeigt den emotionalen Kern, an dem sich spätere Iterationen reiben, ob sie nun nostalgisch, moderner oder multiversal erzählen.

    3. Spider-Man 2 (2004)

    Peters Leben wirkt hier so zerrissen wie nie: Verpflichtungen, Schuldgefühle und der Wunsch nach Normalität geraten permanent aneinander. Diese emotionale Belastung macht Spider-Man 2 zu einer der nuanciertesten Interpretationen der Figur. Interessant wird er in dieser Watchorder besonders, wenn man ihn neben The Amazing Spider-Man betrachtet, das ähnliche Themen moderner erzählt, aber stärker auf unmittelbare Emotion setzt. Die Parallelen zeigen, wie flexibel die Figur ist - dieselben Fragen, aber eine andere Betonung. Der Film bildet zugleich eine Brücke zwischen klassischer Heldengeschichte und späteren Versionen, die Peters Identität anders zusammensetzen. Dadurch versteht man später auch, warum neuere Universen bestimmte Konflikte zugunsten anderer Bereiche verschieben. Die emotionale Wahrhaftigkeit dieses Films bleibt dennoch ein zentraler Bezugspunkt.

    4. Spider-Man 3 (2007)

    Wenn Peters Welt zu kippen droht, dann in Spider-Man 3. Die Macht des Symbionten legt verletzliche Seiten frei, die er sonst kontrolliert - ein Moment, in dem der Held selbst zum Risiko wird. Die Überlagerung der Konflikte wirkt manchmal zu viel, aber genau das macht den Film in dieser Watchorder interessant: Er markiert das chaotische Ende einer Ära, bevor neue Universen andere Wege einschlagen. Besonders spannend ist der Vergleich zu The Amazing Spider-Man 2, das ebenfalls mehrere emotionale Linien verfolgt, jedoch mit anderer Dynamik eskaliert. So erkennt man, wie verschiedene Versionen mit Überforderung umgehen. Einzelne Motive tauchen später in ganz neuen Variationen wieder auf, wenn andere Spideys mit ihren eigenen Abgründen kämpfen.

    5. The Amazing Spider-Man (2012)

    Andrew Garfields Version The Amazing Spider-Man zeigt Peter als jemanden, der seine Welt stärker hinterfragt als frühere Varianten. Seine Beziehungen wirken direkter, sein Humor schärfer, und die emotionale Spannung zwischen ihm und Gwen verleiht der Geschichte eine moderne Intimität. Diese Tonlage entfaltet besonders dann Wirkung, wenn man zuvor Spider-Man 2 gesehen hat, das ähnliche Themen wie Verantwortung und persönliche Opfer behandelt, jedoch ruhiger und klassischer erzählt. Dadurch wirkt Garfields Peter weniger wie ein Nachfolger und mehr wie eine Neuinterpretation derselben Grundidee. Der Film nutzt vertraute Elemente, legt aber andere Akzente, etwa in den Familienbeziehungen und in Peters Suche nach Identität. So fügt sich diese Version nahtlos in die Watchorder ein: Sie öffnet die Figur für neue Emotionen, ohne den Kern zu verlieren.

    6. The Amazing Spider-Man 2 (2014)

    Hier wird deutlich, wie sehr Peters Leben zwischen Hoffnung und Belastung pendelt. The Amazing Spider-Man 2 erzählt große Gefühle, aber auch große Brüche, und genau das macht ihn zu einem spannenden Gegenpol für Spider-Man 3, das ähnliche Überforderung zeigt, jedoch in einer anderen emotionalen Tonlage. Die Beziehung zu Gwen prägt diesen Film stark, und ihre gemeinsame Geschichte verleiht dem Finale eine Schwere, die man in dieser Watchorder bewusst später erlebt. Dadurch erkennt man, wie unterschiedlich Spidey-Versionen mit Verlust umgehen und welche erzählerischen Wege sie wählen. Die Fülle der Konflikte wirkt manchmal ausufernd, aber gerade deshalb lohnt der Blick auf diese Iteration: Sie zeigt, wie weit man die Figur emotional dehnen kann, ohne sie aus ihrem Kern zu lösen.

    7. Spider-Man: Homecoming (2017)

    Diese Variante betritt die Bühne mit einer deutlich leichteren Note. Peters Alltag fühlt sich hier jugendlicher an als in allen bisherigen Iterationen, was nach der Schwere der beiden „Amazing“-Filme erfrischend wirkt. Spider-Man: Homecoming profitiert davon, dass es einen bereits etablierten Peter zeigt, nur eben in einem neuen Umfeld, das stärker von Schulalltag und persönlicher Unsicherheit geprägt ist. Im Vergleich zu The Amazing Spider-Man wird deutlich, wie unterschiedlich Reifeprozesse erzählt werden können: Hier entsteht Identität weniger aus Tragik und mehr aus alltäglichen Entscheidungen. Der Film nutzt das MCU als Hintergrund, ohne sich erzählerisch davon abhängig zu machen. Dadurch bekommt diese Version eine eigene Handschrift, die den Übergang zu einer neuen Spidey-Generation klar markiert.

    8. Spider-Man: A New Universe (2018)

    Kaum ein Film erweitert das Verständnis von Spider-Man so radikal wie A New Universe. Miles Morales wird nicht als Ersatz, sondern als neue Perspektive präsentiert, und die Animation erlaubt erzählerische Freiheit, die Realfilme nicht bieten. Das Spannende an dieser Stelle der Watchorder ist der Blick auf Gemeinsamkeiten mit Spider-Man: Homecoming: Beide erzählen das Erwachsenwerden eines jungen Helden, nur auf völlig unterschiedliche Weise. Während Homecoming grounded wirkt, setzt Spider-Verse auf visuelle Energie und multiversale Ideen. Diese Gegenüberstellung zeigt, wie flexibel das Grundkonzept wirklich ist. Der Film wirkt trotz der vielen Welten fokussiert und emotional klar, und genau deshalb öffnet er die Tür für spätere multiversale Entwicklungen, ohne dass man dafür Vorwissen benötigt.

    9. Spider-Man: Far From Home (2019)

    Nach den Ereignissen, die Peters Rolle im größeren Universum erschüttert haben, erzählt Far From Home bewusst kleiner - und gleichzeitig trotzdem größer. Der Film zeigt einen Peter, der versucht, Normalität zurückzugewinnen, während die Welt um ihn herum neue Erwartungen an ihn stellt. Dadurch entsteht ein spannender Kontrast zu Into the Spider-Verse, das Identität aus Vielfalt entwickelt, während Far From Home sie aus Verantwortung definiert. Diese Platzierung macht die wachsende Komplexität der Figur sichtbar: Peter kämpft nicht mehr nur mit seinen Kräften, sondern mit dem Bild, das andere von ihm haben. Der Film nutzt Humor, Unsicherheit und überraschende Wendungen, um diesen Druck greifbar zu machen. So entsteht eine Version von Spider-Man, die zugleich eigenständig ist und doch in einem größeren Kontext schwingt.

    10. Spider-Man: No Way Home (2021)

    No Way Home fühlt sich an wie eine emotionale Kreuzung der Ereignisse aus der Vergangenheit: Alles, was vorher getrennt existierte, findet hier auf eine Weise zusammen, die nicht nur nostalgisch ist, sondern erzählerisch sinnvoll. Gerade deshalb lohnt der Vergleich mit Far From Home, das Peters Identität noch aus der Perspektive eines Jugendlichen betrachtet, während No Way Home die Figur konfrontiert, die er über verschiedene Universen hinweg sein könnte. Der Film nutzt das Multiversum nicht als Trick, sondern als Spiegel. Die Entscheidungen, die Peter hier trifft, wirken wie Konsequenzen aus allem, was die früheren Iterationen aufgebaut haben. Diese Position in der Watchorder macht deutlich, wie weit die Figur inzwischen gereift ist und wie viel emotionale Geschichte sie aus unterschiedlichen Welten mitbringt.

    11. Spider-Man: Across the Spider-Verse (2023)

    Across the Spider-Verse hebt die multiversale Idee auf ein neues erzählerisches Level: größer, mutiger und zugleich persönlicher. Miles Morales wird hier nicht nur als Held, sondern als jemand gezeigt, der sich seinen Platz in einem System erkämpfen muss, das ihn eigentlich nicht vorgesehen hat. Das macht ihn zu einem spannenden Gegenpol zu Into the Spider-Verse, dessen Energie hier weitergeführt, aber ernster und komplexer gefasst wird. Die Animation nutzt ihre Möglichkeiten, um Themen wie Identität, Bestimmung und Selbstbehauptung stark zu visualisieren. In dieser Position zeigt der Film, wie sehr Spider-Man-Geschichten Variationen desselben existenziellen Drucks erzählen können. Gerade im Zusammenspiel mit den Realfilmen wird hier klar, wie weit sich das Konzept strecken lässt, ohne seine Wucht zu verlieren.

    12. Spider-Man: Beyond the Spider-Verse (geplant)

    Auch wenn Beyond the Spider-Verse zum Zeitpunkt dieser Watchorder noch nicht veröffentlicht ist, ergibt seine Platzierung hier Sinn. Der Aufbau aus Across the Spider-Verse deutet eine Geschichte an, die Miles Morales weiterführt und sein Verhältnis zu den multiversalen Regeln neu verhandelt. Diese erwartbare Entwicklung lässt sich gut mit No Way Home vergleichen, das Peters moralische Entscheidungen ebenfalls über die Grenzen eines einzelnen Universums hinaus erzählt. Beyond wird, der Logik nach, die emotionale Frage vertiefen, was einen Spider-Man wirklich definiert: Herkunft, Entscheidungen oder Kontext. Deshalb gehört der Titel in dieser Watchorder an den Schluss - nicht aus Vollständigkeit, sondern weil er den erzählerischen Bogen abrundet, den die vorherigen Filme aufgespannt haben.

  • Die besten Teenie-Filme: Von Kultklassikern bis zu neuen Coming-of-Age-Perlen

    Die besten Teenie-Filme: Von Kultklassikern bis zu neuen Coming-of-Age-Perlen

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Teenie-Filme sind ein eigenes Universum: Mal grell und komödiantisch, mal überraschend tief, mal radikal und roh. Diese Liste versammelt 20 Filme, die zeigen, wie unterschiedlich Jugend erzählt werden kann. Um diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist die Auswahl in drei Kategorien gegliedert: 

    • Nummer 20 - 14: klassische Highschool-Komödien & Popkultur-Phänomene, 
    • Nummer 13 - 8: moderne Coming-of-Age-Porträts, die Identität, Familie und Selbstsuche mit feiner Beobachtung erzählen; 
    • Nummer  7 - 1: und radikalere, düstere oder rebellische Filme, die Grenzen verschieben und zeigen, wie politisch Jugend werden kann.

    Eine kuratierte Mischung aus Klassikern und Filmen, die es noch werden könnten – über all das, was Teenagerjahre prägt: Humor, Schmerz, Orientierungslosigkeit, Freundschaft, Rebellion und Sehnsucht.

    20. Kick It Like Beckham – Weil ich ein Mädchen bin (2002)

    Kick It Like Beckham verbindet Sportfilm, Kulturkomödie und Teeniedrama auf so leichte Weise, dass man fast vergisst, wie klug der Film eigentlich gebaut ist. Jess möchte Fußball spielen – professionell, ernsthaft –, doch ihre traditionelle britisch-indische Familie hält das für unschicklich. Zwischen Training, Teamgeist, familiären Loyalitäten und ersten Verwirrungen des Begehrens navigiert sie ein Leben, das sie eigentlich in zwei Richtungen zerreißt. Gurinder Chadha erzählt die Geschichte ohne Pathos, aber mit spürbarer Wärme und einem besonderen Gespür für weibliche Freundschaften. Der Film ist charmant, politisch beiläufig präzise und bis heute ein Paradebeispiel dafür, wie Coming-of-Age Geschichten sich erweitern, wenn Herkunft und Identität gleich mitverhandelt werden.

    19. Plötzlich Prinzessin (2001)

    Plötzlich Prinzessin ist einer dieser seltenen Teeniefilme, die echte Reife hinter einer märchenhaften Oberfläche verstecken. Mia Thermopolis entdeckt, dass sie Thronerbin eines europäischen Kleinstaates ist – und muss plötzlich zwischen Mathehausaufgaben und Staatsbanketten jonglieren. Doch der Charme des Films liegt nicht in der Transformation selbst, sondern darin, wie Anne Hathaway sie spielt: unbeholfen, sanft ironisch, ohne die Figur je zur Witzfigur zu machen. Der Film erzählt überraschend feinfühlig über Selbstwert, Rollenerwartungen und die Kunst, sich nicht zu verleugnen, sondern sich endlich zu erkennen.

    18. Zehn Dinge, die ich an dir hasse (1999)

    Die Shakespeare-Adaption (Der Widerspenstigen Zähmung) schafft den Spagat zwischen Romantikkomödie und Gesellschaftskommentar über Geschlechterrollen. 10 Dinge, die ich an dir hasse zelebriert die Widersprüche der Teenagerzeit, ohne sie zu banalisieren: Rebellion, Stolz, Verletzlichkeit, erste Liebe. Heath Ledger und Julia Stiles verleihen ihren Figuren eine Tiefe, die viele Highschool-Romanzen nicht erreichen. Die Dialoge sind pointiert, die Charaktere überraschend komplex. Kein Wunder, dass der Film ganze Generationen begleitet hat – er hat einen Kern, der über Nostalgie hinausgeht.

    17. The Breakfast Club (1985)

    John Hughes’ Klassiker verdichtet das Teenageruniversum auf einen einzigen Raum: fünf Schüler beim Nachsitzen, fünf Lebenswelten, fünf Arten, mit Erwartungen umzugehen. The Breakfast Club ist ein Kammerspiel über Masken, Verletzlichkeit und den Klassenkampf im Schulflur. Der Film romantisiert seine Figuren nicht, sondern zeigt, wie sehr Jugendliche bereits internalisierte Erwartungen spielen, lange bevor sie wissen, wer sie sind. John Hughes’ Blick ist warm, aber klar und erkennt die Sehnsucht, gesehen zu werden, an. Für alle, die verstehen wollen, warum die Highschool als Erzählsystem so relevant bleibt: The Breakfast Club ist das Fundament, auf dem vieles später gebaut wurde.

    16. Grease (1978) 

    Grease wirkt heute wie ein Technicolor-Fiebertraum vergangener Jugendkultur: Süß, frech und kunstvoll künstlich. Die Handlung ist schnell erzählt: Es geht um einen Sommerflirt zwischen Sandy und Danny, der im Schulalltag überraschend kompliziert wird. Der Reiz des Films liegt aber nicht (allein) in der Romantik, sondern in seiner Choreografie sozialer Rollen. Hinter dem Glanz der Songs verhandelt Grease erstaunlich genau, wie performativ Teenager-Identitäten funktionieren: Coolness als Rüstung, Unschuld als Pose, Rebellion als Gruppencode. John Travolta und Olivia Newton-John spielen das mit einem ironisierenden Selbstbewusstsein, das den Film bis heute trägt. Anders ausgedrückt: Grease ist weniger Nostalgie als eine clevere Studie darüber, wie sehr Jugend immer auch Theater ist.

    15. Clueless (1995)

    Amy Heckerlings Clueless ist bis heute soetwas wie der Goldstandard der smarten Teenie-Komödie: Oberflächlich glitzernd, aber im Kern ein waches, warmherziges Porträt über Privileg, Selbstüberschätzung und die wachsende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Protagonistin Cher Horowitz ist keine Karikatur, sondern eine Teenagerin, die wir lieben, obwohl – oder gerade weil – sie noch so viel lernen muss. Der Humor von Clueless funktioniert zeitlos, die Mode ist ein Stück der 1990er-Popgeschichte. Wer Highschool-Filme liebt, die Spaß machen und trotzdem nicht banal werden, findet hier eines der formvollendetsten Beispiele des Genres.

    14. Easy A – Einfach zu haben (2010)

    Easy A - Einfach zu haben erzählt von Olive, die durch ein Gerücht zur Projektionsfläche einer ganzen Schule wird – und diesen unfreiwilligen Ruf überraschend souverän nutzt. Emma Stone verleiht der Figur nicht nur Witz und Selbstironie, sondern rückt mit ihrem perfekten komödiantischen Timing den Film in Richtung einer moderner Screwball-Komödie. Die Meta-Ebene, die bewusst auf Der scharlachrote Buchstabe anspielt, macht Easy A - Einfach zu haben zu einer selten klugen Teenie-Komödie, die leichtfüßig über Sprache, Ruf und Macht reflektiert. Perfekt für alle, die Humor schätzen, der mehr kann als der derbe Witz von American Pie.

    13. Vielleicht lieber morgen (2012)

    Vielleicht lieber morgen erzählt die Geschichte von Charlie, einem stillen Schüler, der nach einem traumatischen Jahr versucht, seinen Platz im Leben neu zu finden. Durch die Freundschaft zu Sam und Patrick öffnet sich für ihn ein Raum, in dem Zugehörigkeit und Verletzlichkeit tatsächlich Platz haben. Stephen Chbosky inszeniert Jugend hier nicht als geradlinige Selbstfindung, sondern als ein Mosaik aus Schmerz, Humor und unerwarteter Intimität. Der Film fängt das Aufatmen ein, das entsteht, wenn man zum ersten Mal wirklich gesehen wird – und zeigt zugleich, wie fragil dieses Gefühl bleibt. Ein warmherziges, melancholisches Coming-of-Age-Stpck, das aus kleinen Momenten große Bedeutung macht.

    12. Love, Simon (2018)

    Greg Berlanti erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der lernen muss, seine Sexualität offen zu leben – und tut das mit Wärme und Humor, statt mit Tragik. Love, Simon markiert einen Wendepunkt im Mainstream-Teenie-Film, weil er queeres Coming-of-Age nicht als Ausnahme, sondern als universelle Erfahrung behandelt. Die sanfte Erzählweise, die charmanten Nebenfiguren und die unaufgeregte Natürlichkeit des Films machen ihn zu einer Einladung: Zu Empathie, zu Normalität, zu Offenheit. Für alle, die sehen wollen, wie Repräsentation ohne pädagogischen Unterton funktionieren kann.

    11. Juno (2007)

    Mit Juno gelang Jason Reitman eines der ungewöhnlichsten Coming-of-Age-Dramen der 2000er – leichtfüßig erzählt, aber getragen von erstaunlicher emotionaler Klarheit. Juno McGuff, gespielt von einem brillanten Elliot Page, navigiert Schwangerschaft, Freundschaft und Verantwortung ohne das gängige Pathos, das solche Geschichten oft verklebt. Diablo Codys Dialoge sind scharf, aber nie zynisch, die Figuren warm, aber nicht weichgespült. Juno blickt auf Teenager nicht herab, sondern nimmt sie ernst in ihren Widersprüchen. Zugleich zeigt der Film, wie Humor und Verletzlichkeit nebeneinanderstehen können, ohne sich gegenseitig zu relativieren. Ein Werk, das mit Leichtigkeit berührt und mit Tiefgang überrascht.

    10. Booksmart (2019)

    Olivia Wildes Booksmart dreht die klassische „letzte Nacht vor dem Abschluss“-Erzählung auf links. Zwei Überfliegerinnen vermuten, etwas verpasst zu haben – und setzen alles daran, in einer einzigen Nacht aufzuholen, was sie an „Teenagerchaos“ versäumt haben. Der Film lebt von seiner rasanten Energie, queerem Humor und einem feinen Verständnis dafür, wie Mädchenfreundschaften funktionieren. Hier wird nicht über Teenager gelacht, sondern mit ihnen. Booksmart zeigt, dass Coming-of-Age auch in der Hypervernetzung der 2010er Jahre zärtlich und chaotisch zugleich sein kann, ohne in Nostalgie zu flüchten. Ideal für Zuschauerinnen und Zuscher, die in Teeniefilmen mehr suchen als bloße Albernheit.

    9. Lady Bird (2017)

    Lady Bird erzählt die letzten Schulmonate der 17-jährigen Christine „Lady Bird“ McPherson, die sich in Sacramento gefangen fühlt und unbedingt „woanders“ hinwill – egal wohin, Hauptsache weg. Greta Gerwigs Regiedebüt balanciert zärtliche Selbstsuche, familiäre Reibung und ersten Liebeskummer mit einer Leichtigkeit, die nie ins Sentimentale kippt. Saoirse Ronan spielt Lady Bird als Mischung aus Trotz, Sehnsucht und komischem Timing, während Laurie Metcalf die Mutter-Tochter-Dynamik schmerzhaft präzise erdet. Das Coming-of-Age-Drama versteht Adoleszenz nicht als Übergangsphase, sondern als eigenständige Welt. 

    8. The Hate U Give (2018) 

    The Hate U Give begleitet Starr Carter, die zwischen zwei Identitäten lebt: der prekären Schwarzen Community ihres Viertels und der wohlhabenden Privatschule, in der sie gelernt hat, sich möglichst reibungslos anzupassen. Als sie Zeugin rassistischer Polizeigewalt wird, kollidieren diese Welten unweigerlich. Der Film denkt diese Erfahrung vor allem als präzise erzählte Identitätskrise: Wie findet man eine Stimme, wenn jede Äußerung sofort politisch gelesen wird? Amandla Stenberg spielt Starr mit einer stillen Intensität, die die innere Zerrissenheit spürbar macht. Ein bewegender Film, der gesellschaftliche Wucht entfaltet, ohne seine Figuren auf Botschaften zu reduzieren. 

    7. Fish Tank (2009)

    Andrea Arnolds Fish Tank begleitet die 15-jährige Mia, die in einem trostlosen englischen Sozialbau aufwächst und ihre Wut in Hip-Hop-Choreografien kanalisiert. Der Film beobachtet sie mit einer seltenen Unmittelbarkeit: kein Kitsch, keine Dramatisierung, sondern ein stetiges Schaukeln zwischen Rebellion und Verwundbarkeit. Als der neue Freund ihrer Mutter in ihr Leben tritt, entsteht eine Dynamik aus Begehren, Macht und Grenzüberschreitung, die so präzise erzählt wird, dass sie kaum auszuhalten ist. Katie Jarvis spielt Mia mit einer Intensität, die den Film trägt – roh, widersprüchlich, wahr. Fish Tank ist Coming-of-Age ohne Filter: ein Blick in eine Jugend, der man nicht ausweichen kann.

    6. Lost & Delirious (2001) 

    Lost & Delirious erzählt Teenagerliebe mit einer Intensität, die kaum ein anderes Coming-of-Age-Drama erreicht. Die Internatskulisse wirkt wie ein abgeschlossener Mikrokosmos, in dem Gefühle ungebremst wachsen – und umso schmerzhafter auf die Realität prallen. Die heimliche Beziehung zwischen Pauline und Victoria ist rebellisch, zärtlich und von einer Dringlichkeit, die mehr mit existenzieller Identitätssuche zu tun hat als mit klassischer Romantik. Jessica Paré, Mischa Barton und Piper Perabo spielen ihre Figuren mit einer Verletzlichkeit, die den Film weit über den klassischen Teenie-Rahmen hinaushebt. Lost & Delirious richtet sich an alle, die Geschichten über erste Liebe nicht weichgespült, sondern kompromisslos emotional erleben wollen.

    5. Diary of a Teenage Girl (2015)

    Diary of a Teenage Girl ist einer der seltenen Teeniefilme, die weibliche Sexualität ohne moralischen Filter zeigen. Die Handlung folgt Minnie, die eine Affäre mit dem Freund ihrer Mutter beginnt – ein Szenario, das leicht zum exploitativen Stoff werden könnte, aber von Marielle Heller radikal subjektiv erzählt wird. Das Zusammenspiel aus Super-8-Ästhetik, Comiczeichnungen und direkter Erzählstimme macht den Film zu einem Manifest der Selbstdeutung: Minnie formuliert sich neu, bevor es jemand anderes tut. Erschütternd, humorvoll, persönlich – ein Teeniefilm, der Autonomie als Offenheit denkt, auf einfache pädagogische Botschaften verzichtet und wahrscheinlich gerade deswegen umso lehrreicher ist.

    4. The Runaways (2010)

    Floria Sigismondis Biopic über die Teenie-Band The Runaways zeigt Jugend als Rebellion, mit all ihrer Kreativität und ihrem Selbstzerstörungspotenzial. Der Film interessiert sich weniger für  den Mythos der Band als für die sexuelle und soziale Ausbeutung junger Mädchen im Musikbusiness der 1970er Jahre – und wie sie sich dagegen wehren. Kristen Stewart und Dakota Fanning verleihen Joan Jett und Cherie Currie den notwendigen ikonischen Anstrich, bleiben dabei aber verletzlich, wütend und roh. The Runaways ist laut, rau, energiegeladen und niemals nur glamourös – und genau darin liegt seine Stärke.

    3. Donnie Darko (2001)

    Donnie Darko ist der melancholische Außenseiter unter den Teeniefilmen: eine Mischung aus Zeitreiseparadox, Kleinstadttristesse und Depression, gefasst in die Perspektive eines Jungen, der die Welt anders wahrnimmt als alle um ihn herum. Jake Gyllenhaal spielt Donnie nicht als typischen „weirden Teenager“, sondern als jemanden, dessen Sensibilität zu groß ist für die normative Nüchternheit seines Umfelds. Donnie Darko balanciert erfolgreich Sci-Fi-Rätsel und Alltagsbeobachtung, ohne letztgültig aufzulösen, was real ist. Gerade deshalb funktioniert er so gut: Als Porträt einer Jugend, die versucht, Ordnung in ein System zu bringen, das ihnen keine sinnhaften Antworten gewährt. 

    2. Der Hexenclub (1996)

    Vier Außenseiterinnen entdecken die Hexerei und beginnen, ihre Macht als Gegenmittel zu ihren alltäglichen Demütigungen einzusetzen. Was zunächst wie eine Befreiungsfantasie wirkt, kippt zunehmend in eine Geschichte über Verführung, Gruppendruck und die Zerbrechlichkeit weiblicher Allianzen. Magie ist hier kein Eskapismus, sondern ein Verstärker für das, was ohnehin glimmt: Jugendliche Wut, Sehnsucht, Unsicherheit. Der Hexenclub nimmt seine Goth-Ästhetik ernst und zeigt Teenagerinnen nicht als Projektionsflächen, sondern als komplexe Figuren, deren Wünsche gefährlich werden können. Ein Kultfilm, weil er versteht, dass Jugend nicht nur Aufbruch ist, sondern auch die Versuchung, über sich hinauszuschießen.

    1. But I'm a Cheerleader (1999)

    But I’m a Cheerleader beginnt wie eine Pastell-Satire und entpuppt sich schnell als einer der sezierendsten Teeniefilme über Identität, Kontrolle und den performativen Zwang zur „Normalität“. Megan, Captain des Cheerleader-Teams, wird in ein Umerziehungscamp geschickt, weil ihr Umfeld überzeugt ist, sie sei lesbisch – ein Vorwurf, den sie zunächst selbst nicht versteht. Jamie Babbit inszeniert diese „Konversionstherapie“ als grelle Farbfantasie, in der Genderrollen so grotesk überzeichnet sind, dass ihre Absurdität unübersehbar wird. Natasha Lyonne spielt Megan mit einer Mischung aus Unschuld, Trotz und stillem Humor, die den Film trägt. But I’m a Cheerleader ist witzig, politisch und erstaunlich zärtlich – ein kultiger Gegenentwurf zu eingespielten Teenie-Klischees.

  • Stephen King: Alle Filme & Serien, die in Derry spielen

    Stephen King: Alle Filme & Serien, die in Derry spielen

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Es gibt eine Reihe von mystischen und wiederkehrenden Orten im Universum von Horror-Gott Stephen King … Derry ist ohne Zweifel einer davon. Wie wenige andere Orte in der King-Kartografie steht Derry für kleinstädtische Fassade, tiefe Finsternis und unheilvolle Wiederholungen. 

    Über Jahrzehnte hinweg diente der Ort im imaginären Maine für den Autor als seismografisches Nervenzentrum, als Spiegelbild amerikanischer Ängste und verdrängter Schuld und als perfekte Kulisse für kosmischen Horror und menschliche Tragödien. 

    Immer wieder kehrt King nach Derry zurück, weil hier alles zusammenfließt: Kindheitsängste, gesellschaftliche Spannungen, historische Traumata. Derry ist ein Ort, der zugleich real wirkt und von übernatürlicher Energie durchzogen ist, ein Brennpunkt, in dem das Böse zyklisch erwacht und die Stadtbewohner in kollektives Schweigen zwingt. Wir widmen uns allen Stephen-King-Filmen und TV-Shows, in denen Derry der tragende Ort ist und gehen dabei bis zum Anfang zurück.

    1. Es (1990, Miniserie)

    1990 nahm alles in Kings Derry-Kosmos seinen Anfang, und zwar in der legendären Miniserie Es. Wir schreiben das Jahr 1958, und King nimmt uns hier mitten hinein ins giftige Herz einer vermeintlich idyllischen Kleinstadt, in der Kinder spurlos verschwinden und Erwachsene konsequent wegsehen. Wir sehen dem Club der Verlierer dabei zu, wie er seine ersten Schritte in Richtung Selbstermächtigung macht, wie Freundschaft, Trauma und Mut untrennbar ineinandergreifen. Tim Currys Pennywise indes sorgt für eine der prägendsten Horrorfiguren des Jahrzehnts: clownesker Spott, kalte Grausamkeit und eine Präsenz, die selbst harmlose Straßenlaternen bedrohlich wirken lässt. Und am Ende ist alles vergiftet, verwundet, traumatisch, ein Derry, das sich wie ein lebender Organismus anfühlt und dessen Bosheit weit über die Kanalisation hinausreicht. Die Miniserie legte damit das Fundament für alles, was später folgte: die Ästhetik, die Mythologie und die unheilvolle Atmosphäre des wohl berühmtesten Ortes im Stephen-King-Universum.

    2. Dreamcatcher (2003)

    Okay, zugegeben: Der Großteil von Dreamcatcher spielt in einer verschneiten Waldhütte im US-Bundesstaat Maine, aber dennoch ist Derry hier das unbestrittene Epizentrum der Geschichte, denn die Stadt dient als zentraler historischer Ausgangspunkt für alles, was später eskaliert. Wir sehen im Rückblick Orte wie das Derry Memorial Hospital oder typische Straßenzüge, die sofort signalisieren: Hier war einmal etwas Grundsätzliches faul. Derry wird als Herkunftsort einer Freundschaft dargestellt, die tief von Trauma, Außenseiterdasein und einem schicksalhaften Kindheitsversprechen geprägt ist. Die Begegnung mit Duddits wirkt wie ein uralter Funke, der sich später als übernatürliches Feuer entlädt. Gleichzeitig fungiert Derry als atmosphärischer Hinweis darauf, dass der Ort selbst in Abwesenheit von Pennywise weiterhin ein magnetischer Brennpunkt für das Unheimliche bleibt, ein Ort, an dem außergewöhnliche Kinder, dunkle Kräfte und unausgesprochene Schuld unweigerlich kollidieren.

    3. Es (2017)

    2017 wurde es dann eine Nummer größer für Derry, sowohl cineastisch als auch budgetär. Unter der Regie von Andy Muschietti und mit Bill Skarsgård in der Hauptrolle als Pennywise sorgte die Neuverfilmung von Es für einen globalen Horror-Hype, wie man ihn im Stephen-King-Kosmos lange nicht gesehen hatte. Hier ist Derry als fiebriges, zerfallendes Herzstück dargestellt, als Ort der Vernachlässigung, der schwelenden Gewalt, der gebrochenen Familien und als Schauplatz für die kindliche Selbstbehauptung des Club der Verlierer. Die Kanalisation wirkt wie ein pulsierendes Organ, die Barrens wie ein verwundetes Biotop und die Neibolt Street als Manifestation eines städtischen Alptraums. Dass Derry hier noch beklemmender und vor allem surrealer wirkt, ist der grandiosen Performance von Skarsgård zu verdanken, der Pennywise eine Mischung aus kindlicher Verspieltheit, animalischer Grausamkeit und kosmischer Fremdheit verleiht. Die 2017er-Version definierte Derry für eine neue Generation, bombastisch, unbarmherzig und ikonisch.

    4. Es Kapitel 2 (2019)

    Derry, 27 Jahre nach den Geschehnissen von It: In Es - Kapitel 2 geht um Rückkehr, um das Wiederaufflammen alter Wunden und um die unausweichliche Konfrontation mit dem, was man verdrängt hat. It Chapter Two zeigt die Stadt als ausgesprochen melancholisches Gegenstück zu ihrer 80er-Jahre-Version. Sie wirkt größer, funktionaler, erwachsener, aber noch immer durchzogen von den unsichtbaren Rissen, die so charakteristisch für Kings Derry-Darstellung sind. Wir sehen, was aus den Charakteren von früher wurde. Aus dem Mut vergangener Tage wurde Defensive, aus kindlicher Unschuld wurde ein fragiles Erwachsenenleben, das nur mühsam zusammengehalten wird. Und Derry? Das ist immer noch pulsierendes Gift und trügerische Idylle zugleich, ein Ort, an dem sich scheinbar niemand für das Offensichtliche interessiert.

    5. 11.22.63 – Der Anschlag (2016, Miniserie)

    Auch in der Miniserie 11.22.63 – Der Anschlag spielt Derry eine zentrale Rolle, nämlich eine, die Vergangenheit und Zukunft, Trauma und Zeitreise miteinander verbindet. Als Gegensatz zwischen beklemmendem Paralleluniversum und archetypischer US-Kleinstadt mit vermeintlicher Harmlosigkeit taugt Derry naturgemäß ganz hervorragend. Die Serie zeigt die Stadt in all ihrer vergifteten Nostalgie und unterschwelligen Bedrohlichkeit: Pastellfarbene Fassaden, freundliche Ladenfronten, Kinder auf Fahrrädern und doch liegt ein unübersehbarer Schatten über allem. In Stephen Kings Derry-Kosmos ist diese Miniserie deshalb so bemerkenswert, weil sie einerseits die Stadt in einem völlig neuen erzählerischen Kontext zeigt, andererseits aber auch die unsichtbaren Fäden offenlegt, die Kings Werke miteinander verweben. Einerseits wird Derry hier nicht als primärer Horror-Schauplatz genutzt, sondern als atmosphärischer Prüfstein für Jakes Reise.

    6. Es: Welcome to Derry (2026, HBO)

    2026 wird Derry erneut in den Fokus gestellt. Und wie! In der HBO-Serie Es: Welcome to Derry, einem Prequel zu den Muschietti-Filmen, werden wir zur Genesis, zum Ursprung allen Grauens mitgenommen. Die Serie katapultiert uns in die 1960er-Jahre, dorthin, wo sich die Schatten erstmals verdichten und die Stadt beginnt, ihre wahre, verstörende Natur preiszugeben. Da ist zum Beispiel Pennywise, der Horrorclown und die zentrale Figur von It, dessen frühe Manifestationen hier erstmals ausführlich beleuchtet werden. Oder die gesellschaftlichen Spannungen, die unter der Oberfläche brodeln: Rassismus, ökonomische Konflikte, verdrängte Schuld, generationenübergreifende Traumata. Welcome to Derry nutzt die längere Erzählzeit, um diese Faktoren als Teil eines lebendigen, toxischen Mikrokosmos zu erkunden. Für all jene, die vom schauderhaften Derry nicht genug kriegen können, wird It: Welcome to Derry jetzt schon zum Pflichttermin, ein Prestige-Horrorprojekt, das tiefer, düsterer und komplexer wird als alles zuvor im King-Kosmos.

  • „Die, My Love“ – und 9 weitere schonungslose Dramen, die an die Substanz gehen

    „Die, My Love“ – und 9 weitere schonungslose Dramen, die an die Substanz gehen

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Emotionale Härte ist im Kino ein riskantes Versprechen: Sie kann abgegriffen wirken oder prätentiös, aber wenn sie gelingt, öffnet sie das Innenleben einer Figur in einer Weise, die fast körperlich erfahrbar wird. Die, My Love, die Verfilmung von Ariana Harwicz’ verstörend schönem Roman über Mutterschaft, Depression und ungesagtes Begehren, gehört zu diesen seltenen Werken. 

    Der Film seziert mit radikaler Intimität, wie viel Schmerz ein Leben erträgt, bevor Sprache versagt – und warum wir trotzdem hinschauen sollten.

    Die folgenden Filme stehen in dieser Tradition. Sie stammen aus den letzten zwei Jahrzehnten sowie aus dem frühen 2000er-Kino – einer Ära, in der Filmemacherinnen und Filmemacher wie Lynne Ramsay, Darren Aronofsky, Alejandro G. Iñárritu oder Lars von Trier das psychologische und emotionale Extrem neu definierten. Es sind Werke, die herausfordern, irritieren, überwältigen. Filme, nach denen man unweigerlich einen Moment braucht, um wieder in die Realität zurückzukehren.

    10. The Killing of a Sacred Deer (2017)

    In The Killing of a Sacred Deer treibt Yorgos Lanthimos seinen klinischen Albtraumstil (vorerst) auf die Spitze. Ein Herzchirurg (Colin Farrell) hat eine seltsame, zunehmend bedrohliche Beziehung zum Teenager Martin (Barry Keoghan), dessen Vater einst unter seinen Händen starb. Martin stellt eine Forderung, die wie aus einer antiken Tragödie stammt: Um „Gerechtigkeit“ herzustellen, müsse Steven ein Familienmitglied opfern. Die Brutalität des Films liegt in seiner eisigen Ruhe. Jede Szene wirkt wie sterilisiert, jede Entscheidung moralisch unlösbar. The Killing of a Sacred Deer entfaltet eine enorme psychologische Spannung, indem er von Schuld, Strafe und Ohnmacht ohne Schonung erzählt – ein modern-mythologisches Horrordrama, das lange nachhallt.

    9. Dogville (2003)

    Lars von Triers Dogville folgt Grace (Nicole Kidman), die vor Gangstern flieht und in einem abgelegenen Bergdorf Zuflucht sucht. Die Bewohner bieten ihr Schutz – unter der Bedingung, kleine Hilfsarbeiten zu übernehmen. Was zunächst wie ein fairer Tausch wirkt, kippt schleichend in Erpressung, körperliche Ausbeutung und eine Spirale der Entmenschlichung, an der die gesamte Gemeinschaft beteiligt ist. Die radikale Bühnenoptik – Häuser nur mit Kreidelinien markiert, keine Kulissen – legt jede Handlung offen, ohne stilistische Fluchtmöglichkeiten. Dadurch wirkt jeder Verrat und jeder Übergriff besonders ungeschönt, beinahe dokumentarisch. Dogville zeigt Grausamkeit nicht als Ausnahme, sondern als Ergebnis sozialer Dynamiken – und führt verstörend vor, wie gefährlich dünn die Decke der Zivilisation sein kann.

    8. Precious (2009)

    Precious erzählt die Geschichte der 16-jährigen Claireece “Precious” Jones (Gabourey Sidibe), die in Armut lebt, in der Schule kaum Unterstützung erhält und zuhause schwerer Gewalt ausgesetzt ist. Als sie in ein alternatives Bildungsprogramm kommt, beginnt sie – vorsichtig, tastend – ein eigenes Selbstbild zu entwickeln, das nicht mehr ausschließlich von Demütigung bestimmt ist. Die emotionale Brutalität des Films entsteht aus der konsequenten Darstellung dessen, wie Trauma den Alltag formt, und wie Gewalt transgenerational weitergegeben wird. Mit anderen Worten: Precious ist mitunter schwer auszuhalten, dabei aber nicht gänzlich hoffnungslos. Ein Film über Überleben, Sprache und die Möglichkeit, sich selbst neu zu definieren, selbst wenn alle Umstände dagegen sprechen.

    7. Uncut Gems (2019)

    Wohl kaum jemand hat den Zusammenbruch eines Mannes je so ästhetisch inszeniert wie die Safdie-Brüder – Uncut Gems ist hektisch, funkelnd, klaustrophobisch. Der Film begleitet den New Yorker Juwelier Howard (Adam Sandler in seiner besten Rolle), der einen seltenen äthiopischen Opal ergattert und glaubt, damit endlich den großen Durchbruch zu schaffen. Doch jeder Versuch, aus Schulden und kriminellen Verstrickungen herauszukommen, führt ihn tiefer in das Chaos, das er selbst produziert. Uncut Gems ist auch deswegen so herausfordernd, weil das Drama keinen Moment der Erholung erlaubt: beständiges Telefonklingeln, familiäre Konflikte, riskante Sportwetten – alles passiert gleichzeitig, bis man es auch als Zuschauende kaum noch erträgt. Anders als die intime Innenperspektion von Die, My Love zeigt Uncut Gems einen Mann, der dem Absturz mit fast manischer Entschlossenheit entgegen rennt. Ein greller, brillant erzählter urbaner Albtraum.

    6. Whiplash (2014)

    Damien Chazelles Whiplash ist ein Psychodrama im Gewand eines Musikfilms. Im Zentrum steht die Dynamik zwischen dem jungen Schlagzeuger Andrew (Miles Teller) und dem gnadenlosen Jazz-Dozenten Fletcher (J.K. Simmons), dessen pädagogische Methoden eher an militärische Zermürbung erinnern als an schulische Förderung. Der Film zeigt mit chirurgischer Präzision, wie aus Ehrgeiz allmählich Obsession wird und wie ein System, das „Genie“ über alles stellt, seine Schüler eher zerstört, als ihr Talent zu formen. Der Stress ist hier nicht allein Stilmittel, sondern die Substanz des Filmes: Im Vergleich zu Whiplash wirken selbst die frühen Folgen von The Bear geradezu erholsam. Wie Die, My Love erzählt auch Damien Chazelles Dramas von innerer Zerrüttung – nur dass sie hier noch eindeutiger von außen provoziert und institutionalisiert wird.

    5. Im August in Osage County (2013)

    Im August in Osage County ist ein Film über familiäre Traumata, die wie seismische Wellen durch Generationen schlagen. Die Handlung setzt ein, als die weit verzweigte Familie Weston nach dem Verschwinden des Vaters (Sam Shepard) zum gemeinsamen Trauertreffen gezwungen wird – ein Wiedersehen, das rasch alte Wunden freilegt. Meryl Streep spielt die pillensüchtige, sarkastisch-brutale Matriarchin, während Julia Roberts als ihre älteste Tochter gegen ein ganzes Erbe aus Schweigen, Wut und Selbstbetrug ankämpft. An ihrer Seite brillieren unter anderem Juliette Lewis, Chris Cooper, Benedict Cumberbatch und Margo Martindale. Der Humor ist schwarz, die Dynamiken sind schmerzhaft ehrlich. Wer Die, My Love wegen seiner radikalen Innenperspektive schätzt, findet hier die kollektive Version desselben Abgrunds.

    4. Die, My Love (2025)

    Die, My Love ist eine verstörende Geschichte über Depression, existenzielle Leere und Familie, die sich konsequent jeder romantisierenden Lesart entzieht. Grace (Jennifer Lawrence), gerade Mutter geworden und zerrissen zwischen Lethargie und Selbstzerstörung, empfindet das Familienleben mit ihrem Gatten (Robert Pattinson) wie eine klaustrophobische Choreografie aus sinnlosen Ritualen, Sehnsucht und Wahn. Die Kamera bleibt radikal nah, als würde sie ihre Gedanken selbst verfolgen, statt nur Handlungen zu dokumentieren. Emotionale Brutalität entsteht hier nicht in großen Gesten, sondern in den Nuancen eines inneren Zerfalls, der fast körperlich spürbar wird. Der Film fordert, nicht weil er laut ist, sondern weil er unbarmherzig ehrlich bleibt.

    3. Biutiful (2010)

    Alejandro González Iñárritu kehrt in Biutiful zu den Themen zurück, die bereits Babel durchzogen: Individuelle Schuld, übergeordnetes Schicksal und soziale Verwerfungen. Javier Bardem spielt einen Mann, der im Schatten von Krankheit und Armeut versucht, seine Kinder zu schützen – zugleich aber ist er ein Antiheld, zur Kriminalität neigend, dessen Leben in kleinen, schmerzhaften Fragmenten zerfällt. Biutiful ist kein Film für schwache Nerven; er ist düster, aber von einer fast spirituellen Schönheit. Die emotionale Brutalität entsteht aus der Erkenntnis, dass Liebe nicht immer rettet – auch wenn sie Trost verspricht. Ein Film, der lange nachhallt und im allerbesten Sinne erschöpft.

    2. Mother! (2017)

    Darren Aronofskys Mother! ist ein Fiebertraum, eine Bibelallegorie, ein nihilistischer Öko-Horror – und zugleich einer der kompromisslosesten Filme über männliche Hybris und weibliche Erschöpfung seit Langem. Die Handlung beginnt scheinbar harmlos: Eine Frau (Jennifer Lawrence) und ihr deutlich älterer Partner (Javier Bardem) leben zurückgezogen, bis unerwartete Gäste ins Haus drängen und das Gleichgewicht der Beziehung empfindlich stören. Jennifer Lawrence’ Performance gehört zu ihren besten, ähnlich körperlich wie in Die, My Love, doch hier wird sie zur Märtyrerin einer Welt, die sie bereitwillig opfert. Darren Aronofsky, dessen Werke von Requiem for a Dream bis The Whale für emotionale und physische Grenzerfahrungen stehen, inszeniert so unerbittlich rasant wie nie zuvor. Ein Film, der traumatisiert, irritiert, überfordert und genau darin seine Wucht entfaltet.

    1. We Need to Talk About Kevin (2011)

    Lynne Ramsay verwandelt Lionel Shrivers Roman über Schuld, Mutterschaft und das Unaussprechliche in einen hypnotischen Albtraum, der weniger die Tat als ihren Nachhall erzählt. Im Zentrum steht Eva (Tilda Swinton), die rückblickend versucht zu begreifen, wie ihr Sohn Kevin (Ezra Miller) zum Täter werden konnte – und ob sie es hätte verhindern können.  Lynne Ramsay arbeitet mit Farben, Fragmenten und Stille, um die Psyche ihrer Figur sichtbar zu machen – ähnlich sezierend wie in Die, My Love, aber mit sozialem statt intimistischem Fokus.. We Need to Talk About Kevin ist emotional brutal, weil er jede einfache Antwort verweigert und die Ohnmacht seiner Figuren spürbar macht. Ein Film über das Scheitern von Sprache, Vernunft und gesellschaftlichen Erklärungsmodellen.

  • Alle “Mord ist ihr Hobby”-Filme und Serien in der richtigen Reihenfolge

    Alle “Mord ist ihr Hobby”-Filme und Serien in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Seit Jamie Lee Curtis bestätigt hat, dass sie Jessica Fletcher im kommenden Mord ist ihr Hobby-Reboot übernehmen wird, ist der alte Zauber sofort wieder da. Eine Schauspielerin mit dieser Mischung aus Präsenz, Humor und Charakterstärke wirkt wie eine moderne Entsprechung zu Angela Lansbury, die die Rolle über Jahrzehnte hinweg so selbstverständlich getragen hat, dass man sie kaum anders besetzen konnte. 

    Hinter den Kulissen arbeitet bereits ein neues Kreativteam daran, Jessicas Welt für die Gegenwart zu öffnen - mit Respekt vor der Originalfigur und dem Wunsch, ihren Scharfsinn und ihre ruhige Art weiterzuführen. Viele Fans hoffen auf ein Format, das den zeitlosen Charme der Vorlage aufgreift, aber frischer erzählt, ohne die alte Wärme zu verlieren. Um zu verstehen, worauf das Reboot aufbauen wird, lohnt sich ein Blick zurück: Die zwölf Staffeln und vier Filme zeigen eine Figur, die gewachsen ist, gereift ist und deren Fälle weit mehr waren als kleine Sonntagskrimis. Die folgende Reihenfolge bietet den klarsten Weg durch das gesamte Fletcher-Universum.

    1. Mord ist ihr Hobby – Die Serie (1984–1996)

    Cabot Cove ist einer dieser Orte, die man sofort wiedererkennt, auch wenn man nur eine Folge von Mord ist ihr Hobby gesehen hat: weiße Holzhäuser, ein Hafen, eine Ruhe, die ständig von kleinen und großen Geheimnissen unterbrochen wird. Genau hier beginnt Jessica Fletcher, eine Figur, die man nicht einfach schaut, sondern begleitet. Jede Episode zeigt, wie sie mit ihrer Mischung aus Höflichkeit und Scharfsinn in Situationen hineingerät, die andere überfordern würden. Sie hat ein Gespür für Zwischentöne, hört zu, bevor sie urteilt, und stellt Fragen, die so beiläufig wirken, dass man fast vergisst, wie präzise sie sind. Die Serie legt all das an: Jessicas Art zu denken, ihr Umgang mit Bekannten und Fremden, ihre Souveränität in Momenten, in denen jeder andere ins Straucheln käme. Und wenn man später Mord ist ihr Hobby: Das schwarze Tagebuch sieht, versteht man sofort, warum die Serie der Kern dieses Universums ist: Der Film atmet denselben Geist, dieselbe Wärme, dieselbe unaufgeregte Eleganz, die Jessica Fletcher jahrzehntelang begleitet hat.

    2. Mord ist ihr Hobby: Das schwarze Tagebuch (1997)

    Von allen Filmen fühlt sich Das schwarze Tagebuch am stärksten an, als hätte jemand einfach eine besonders großzügige Serienfolge gedreht. Jessica Fletcher steigt in einen Zug, beobachtet etwas, das nicht passt, und plötzlich entwickelt sich ein Fall, der sich wie selbstverständlich an sie bindet. Die Atmosphäre erinnert an Cabot Cove, obwohl die Handlung ganz woanders spielt: Menschen, die erst offen wirken und dann plötzlich schweigsam werden, kleine Blicke, die mehr verraten als Worte, und Jessica, die im richtigen Moment erkennt, wer die Wahrheit sagt und wer nicht. Der Film hält das Tempo bewusst ruhig, damit man die Figuren kennenlernen kann, statt durch die Handlung gejagt zu werden. Und gerade dadurch wirkt er wie der perfekte Übergang von der Serie zum neuen Format. Neben Mord ist ihr Hobby: Ein tödlicher Geist merkt man, wie eng dieser Film noch an Jessicas vertrauter Welt bleibt - ein letzter großer Ausflug im alten Stil, bevor die Filmreihe sich mutiger öffnet.

    3. Mord ist ihr Hobby: Ein tödlicher Geist (1999)

    Ein tödlicher Geist macht sofort klar: Jetzt wird die Welt ein Stück größer. Jessica steht plötzlich nicht im Zentrum eines kleinen Küstenorts, sondern mitten in einer Bühne voller Krimiautoren, Egos und alter Geschichten, die kaum einer aussprechen will. Der Fall wirkt dichter, die Motive verschlungener, und Jessica begegnet Menschen, die genau wissen, wie man Spannung konstruiert — nur eben nicht, wie man sie vermeidet. Es ist ein Umfeld, in dem sie fachlich zu Hause ist, aber emotional herausgefordert wird, weil jeder hier seine eigenen Wahrheiten schreibt. Jessica bleibt trotzdem Jessica: ruhig, freundlich, aber mit einem Blick, der schneller durchschaut als jede forensische Technik. Wenn man diesen Film neben Mord ist ihr Hobby: Der Tod kam zweimal setzt, merkt man, wie viel traditioneller er im Aufbau ist - ein klassischer, kluger Whodunit, der die Serie weiterführt, ohne ihre Grenzen sprengen zu müssen.

    4. Mord ist ihr Hobby: Der Tod kam zweimal (2000)

    Mit Der Tod kam zweimal verändert sich die Tonlage: Der Film schlägt eine Brücke über Generationen hinweg und zeigt, wie Geschichten aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart wirken können. Jessica untersucht einen Fall, der weit zurückreicht, und plötzlich öffnet sich eine zweite Ebene, die fast wie ein Roman in Bildern funktioniert. Rückblenden, alte Briefe und Familiengeheimnisse - alles mischt sich zu einem Mosaik, das mehr erzählt als nur ein Verbrechen. Dabei bleibt Jessica die ruhige Mitte, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet und den Kern der Wahrheit herauslöst, den andere übersehen. Dieser Film traut sich erzählerisch mehr als die Vorgänger, ohne je die Figur aus den Augen zu verlieren. Vergleicht man ihn mit Mord ist ihr Hobby: Rufmord, spürt man, wie bewusst hier mit Struktur gespielt wird, während der folgende Film wieder klarer in der Gegenwart bleibt. Der Tod kam zweimal wirkt dadurch wie der große, ungewöhnliche Ausflug der Filmreihe.

    5. Mord ist ihr Hobby: Rufmord (2003)

    Rufmord kehrt wieder näher an Jessicas vertrauten Rhythmus zurück, auch wenn die Geschichte in Irland spielt und von einem Testament, alten Rivalitäten und unausgesprochenen Verletzungen geprägt ist. Jessica bewegt sich durch die Landschaft und die Menschen mit einer Selbstverständlichkeit, die zeigt, wie viel Erfahrung sie über die Jahre gesammelt hat. Sie hört zu, erkennt Zwischentöne, bemerkt, wann jemand zu viel redet oder gerade nicht genug. Der Fall entfaltet sich leise, ohne große Effekthascherei, und fühlt sich gerade deshalb so stimmig an. Der Film braucht keine Rückblenden, keine Zeitverschiebungen - alles bleibt im Hier und Jetzt, getragen von Figuren, die mehr erzählen, als sie sagen wollen. Neben Der Tod kam zweimal wirkt Rufmord klarer, runder und fast wie ein Abschlusspunkt, der Jessica noch einmal in voller Ruhe zeigt. Es ist ein Fall, der nicht nur gelöst, sondern verstanden wird und ein vorerst würdiger letzter Vorhang für eine Figur, die ein ganzes Genre geprägt hat.

  • Die 10 besten Sylvester-Stallone-Filme

    Die 10 besten Sylvester-Stallone-Filme

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Ob Boxkampf, Bleihagel oder Polizeidrama – diese zehn Filme zeigen Stallone auf der Höhe seiner Kunst. Von kultigen Rollen wie Rocky oder Rambo bis hin zu unterschätzten Werken wie Cop Land oder Assassins reicht die Spannbreite. Die Auswahl basiert auf Bewertungen bei IMDb und Metacritic – also auf dem, was Kritiker und Publikum gleichermaßen überzeugt hat. 

    Dabei geht es nicht nur um Muskelspiele und Explosionen, sondern auch um emotionale Tiefe, erzählerische Qualität und ikonische Szenen. Ob du Stallone neu entdecken willst oder seine größten Hits noch einmal erleben möchtest: Diese Liste liefert dir einen kompakten Überblick über seine filmischen Highlights.

    Rocky (1976)

    Dieser Film machte Stallone zur Legende – und seinen Namen unsterblich. Als Underdog Rocky Balboa steigt er gegen den amtierenden Schwergewichtsweltmeister Apollo Creed in den Ring und gewinnt dabei vor allem an Würde. Rocky ist nicht nur ein Sportfilm, sondern ein bewegendes Charakterporträt mit ikonischen Szenen, messerscharfen Dialogen und einem der großartigsten Soundtracks der Kinogeschichte. Stallone schrieb das Drehbuch selbst, spielte die Hauptrolle – und setzte alles auf eine Karte. Drei Oscars, ein Kultstatus für die Ewigkeit und ein Symbol für Durchhaltewillen. Der Film zeigt, dass wahre Größe nichts mit Sieg zu tun hat, sondern mit dem Mut, überhaupt anzutreten. Viele seiner späteren Rollen, von Rambo bis Cliffhanger, basieren auf diesem Archetyp: der gebrochene Kämpfer, der stoisch weitermacht.

    Creed – Rocky’s Legacy

    Stallone übergibt das Staffelholz an Michael B. Jordan und zeigt sich von seiner verletzlichen Seite. Als gealterter Rocky trainiert er den Sohn seines verstorbenen Rivalen Apollo Creed. Das Ergebnis: ein emotionales Drama mit starken Bildern, glaubwürdigen Kämpfen und einer Oscar-nominierten Performance von Stallone. Creed ist nicht nur ein Spin-off, sondern ein stimmiger Restart mit viel Herz, der neue Generationen für das Franchise begeistert. Rocky Balboa war der Abschied, Creed ist der Neuanfang. Ryan Cooglers Regie verleiht der Geschichte Modernität, während der Geist des Originals erhalten bleibt. Besonders berührend: Rockys Kampf gegen den Krebs, der seine Menschlichkeit unterstreicht. Pflichtprogramm für Fans – und der Beweis, dass Stallone mehr kann als nur zuschlagen.

    First Blood – Rambo (1982)

    Bevor Rambo zur massenmordenden Actionfigur mit Stirnband und M60 wurde, war er ein traumatisierter, heimatloser Veteran. In First Blood spielt Stallone John Rambo als gebrochenen Mann, der in einer feindlichen Kleinstadt von der Polizei schikaniert und zur Eskalation getrieben wird. Der Film ist weniger ein Kriegs- oder Actionfilm, sondern vielmehr ein sensibles Drama über gesellschaftliches Versagen und seelische Narben. Visuell eindrucksvoll und atmosphärisch dicht erzählt First Blood von einem Außenseiter, der nie gelernt hat, im Frieden zu leben. Der Film funktioniert als Gegenstück zu Rocky: Beide erzählen von Außenseitern, aber während Rocky Erlösung findet, stürzt Rambo tiefer ab. Die eindringliche Musik und das düstere Finale unterstreichen den Kontrast zu späteren Fortsetzungen. Ein Film mit echtem Anliegen – und Stallone in absoluter Höchstform.

    Cop Land

    Nach dem grellen Zukunftsspektakel Demolition Man zeigt Cop Land Stallone von seiner stillen Seite – weniger Action, mehr innere Kämpfe. Ein Sheriff mit Hörschaden, ein korrupter Polizeiapparat und Stallone mitten in einem Ensemble aus De Niro, Keitel und Liotta. Klingt überraschend? Ist es auch. Subtil gespielt, intensiv inszeniert – eine seiner besten Schauspielleistungen. Statt Testosteron gibt es Verletzlichkeit, statt Explosionen moralische Dilemmata. James Mangolds Inszenierung gibt der Geschichte Tiefe, ohne sie emotional zu überfrachten. Die Spannung entsteht nicht durch Kugelhagel, sondern durch zwischenmenschliche Konflikte und innere Kämpfe. Stallone brilliert in einer Rolle, die ohne Posen auskommt – und gerade deshalb beinahe hypnotisch wirkt. Ein Film über Schuld, Feigheit und späte Aufrichtigkeit.

    Rocky Balboa

    Viele hielten ihn für zu alt, zu überholt, zu sentimental. Doch Rocky Balboa ist genau das Gegenteil: das emotionale Bindeglied zwischen Rocky und Creed: introspektiv, melancholisch, ehrlich. Der Film handelt weniger vom Gewinnen als vom Weitermachen. Und darin ist Rocky nun mal unschlagbar. Mit einem überraschend geerdeten Drehbuch, starken Dialogen und einem melancholischen Tonfall gelingt Stallone ein Spätwerk, das seine Figur neu definiert – als Mentor, als Mensch und als Mythos. Besonders stark ist die Trainingsmontage, die zeigt, dass Herz mehr zählt als Tempo. Kurz: Wahre Größe zeigt sich darin, auch im fortgeschrittenen Alter nicht aufzugeben – das beweist dieser Film eindrücklich.

    Cliffhanger – Nur die Starken überleben

    Höhenangst? Dann ist dieser Film wahrscheinlich nichts für dich. Stallone spielt einen Bergretter, der in den Rocky Mountains in einen brutalen Raubzug verwickelt wird. Atemberaubende Naturaufnahmen, harte Action und eine der spannendsten Einstiegsszenen der 90er machen Cliffhanger zu einem echten Adrenalin-Klassiker. Regisseur Renny Harlin inszeniert den Überlebenskampf spektakulär – mit echten Stunts, eisiger Atmosphäre und einem überzeugend verletzlichen Stallone. Der Film bringt physische Grenzerfahrungen und emotionale Reue glaubhaft zusammen. Auch das Motiv von Schuld und Wiedergutmachung verleiht seiner Figur Tiefe. Wo Rambo Vergeltung sucht, will Gabe Walker Vergebung – ein seltener Ton in Stallones Action-Phase. Das Ganze ist nicht besonders subtil, aber duchaus wirkungsvoll inszeniert.

    Demolition Man (1993)

    Frozen Cop trifft auf pazifistische Zukunft. Demolition Man ist eine schräge Satire auf political correctness, Technokratie und verweichlichte Gesellschaften – verpackt in knalliger 90er-Action. Stallone trifft auf Wesley Snipes und Sandra Bullock, der Film liefert Explosionen, Gags und Sozialkritik im B-Movie-Look. Das Worldbuilding ist bizarr, aber konsequent, der Humor überraschend treffsicher. Nach dem ernsten Cliffhanger zeigt Sly hier, wie witzig und selbstironisch er sein kann. Ob die drei Muscheln oder Taco Bell als einziges Restaurant – Demolition Man wurde Kult. Dazu kommt ein popkulturell aufgeladener Score und eine Zukunftsvision, die heute mehr Relevanz hat als je zuvor. Wer unterhaltsame SciFi-Action mit Krawallfaktor und satirischer Schärfe mag, wird hier definitiv fündig.

    Suicide Squad (2016)

    In diesem knallbunten Antihelden-Feuerwerk spielt Sylvester Stallone nicht den muskelbepackten Helden, sondern leiht im englischen Originalton dem furchteinflößendem Haiwesen King Shark seine Stimme – mit überraschend viel Charme. Suicide Squad ist ein Comicfilm der anderen Art: anarchisch, brutal, satirisch und vollgepackt mit schrägen Figuren, die in einer selbstmörderischen Mission für die US-Regierung kämpfen sollen. Regisseur James Gunn verpasst dem DC-Universum eine dringend nötige Frischzellenkur – mit bitterbösem Humor, visuellen Exzessen und einer respektlosen Grundhaltung. Stallone ist hier keine zentrale Hauptfigur, aber King Shark wurde von den Fans dennoch umgehend zur Kultfigur gekürt. Ein Beweis, dass Stallone auch mit wenigen Worten und CGI-Präsenz mächtig Eindruck hinterlässt. Nach den tragischen Rollen in Rocky oder Rambo ist King Shark pure Befreiung: simpel, brutal, witzig.

    John Rambo

    Blutiger, düsterer, kompromissloser als seine Vorgänger: John Rambo zeigt den alternden Krieger in Myanmar im finalen Gewaltausbruch. Kein Glamour, kein Pathos – nur rohe Gewalt, unbequeme Bilder und ein Stallone, der seine Figur noch einmal ganz neu definiert. Der Film ist kurz, brutal und ohne Schnörkel – ein Abgesang auf jede Form von Heldenmythos. Wo First Blood Empathie zeigte, herrscht hier Nihilismus. Als Regisseur verleiht Stallone dem Geschehen eine unerbittliche Konsequenz, die verstört und beeindruckt. Besonders eindrucksvoll ist die Radikalität, mit der der Film seine Gewalt zeigt – als puren, entmenschlichten Überlebensmechanismus. Die Dialoge sind reduziert, die Inszenierung kalt und direkt. Statt patriotischem Pathos gibt es moralische Leere. Ein gnadenloser Schocker, der mehr über Stallones Haltung zum Thema Krieg verrät als es Worte jemals könnten.

    Assassins – Die Killer

    Zwei Profikiller, ein Ziel, ein Duell: Assassins – Die Killer bringt Sylvester Stallone und Antonio Banderas in einem eiskalten Machtspiel gegeneinander auf die Leinwand. Der eine will sich zur Ruhe setzen, der andere an die Spitze – was folgt, ist ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel voller Täuschung, Taktik und technischer Raffinesse. Regie-Legende Richard Donner inszeniert mit kühler Präzision, während Julianne Moore als clevere Hackerin zwischen die Fronten gerät. Wer Stallones zurückhaltendes Spiel in Cop Land mochte, findet hier einen ähnlichen Ton – nur kühler, stilbewusster und moralisch ambivalenter. Assassins ist kein lärmiger Action-Overkill, sondern ein smarter, spannungsgeladener Thriller – und ein Beweis dafür, dass Stallone auch in etwas subtileren Rollen glänzen kann.

  • Die 10 besten Bollywood-Filme

    Die 10 besten Bollywood-Filme

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Bollywood hat diesen seltenen Zauber, der sofort etwas mit einem macht: Musik, die größer fühlt als der Moment, Figuren, die mitten ins Herz zielen, und Geschichten, die ohne Scham das ganze Gefühlsregal öffnen. Wer einmal drin ist, merkt schnell, dass das indische Kino eine Wärme hat, die man in westlichen Klassikern wie Notting Hill oder der Leichtigkeit von La La Land nur punktuell findet. 

    Bollywood meint jedes Gefühl ernst, auch wenn es verspielt ist, und genau deshalb braucht es ein Ranking, das diese Bandbreite einfängt. Manche Filme hier sind nostalgische Dauerbrenner, andere moderne Kraftpakete, einige leise und manche überlebensgroß. Und egal wie viele man gesehen hat: Es gibt immer wieder Titel, die einen überraschen, weil sie mehr Tiefe haben, als ihre bunten Poster vermuten lassen. Hier sind zehn Filme, die zeigen, warum Bollywood ein eigenes Universum ist.

    10. In guten wie in schweren Tagen (2001)

    Es gibt Familienfilme, die man einmal sieht und nett findet, und es gibt In guten wie in schweren Tagen, der einfach weiß, wie man große Emotionen ausreizt, ohne komplett ins Melodram abzustürzen. Die Geschichte ist simpel: eine wohlhabende Familie, ein Sohn, der gegen die Erwartungen lebt, und genügend Herzschmerz, um drei Filme zu füllen. Was diesen Film trägt, ist das Gefühl, dass die Figuren wirklich etwas verlieren könnten. Im Vergleich zur moderneren und freieren Inszenierung von Om Shanti Om wirkt In guten wie in schweren Tagen deutlich konventioneller und weniger mutig, aber er hat eine Wärme, die funktioniert. Man schaut zu, weil man die Menschen mag, nicht weil die Handlung überrascht. Und genau deshalb steht er hier: als ein Film, der berührt, ohne sich neu zu erfinden, solide, vertraut, mit Momenten, die sitzen, aber ohne die Tiefe der höheren Plätze.

    9. Om Shanti Om (2007)

    Om Shanti Om ist eine dieser charmanten Überdrehungen, die nur Bollywood so hinbekommt: Reinkarnation, Film-im-Film, Glamour, Humor und Shah Rukh Khan, der das alles mit einer Selbstverständlichkeit trägt, als wäre Chaos einfach sein zweiter Vorname. Der Film ist witzig, groß, verspielt - manchmal fast zu verspielt - doch genau das gibt ihm seinen Charme. Gegen einen strukturell stärkeren Titel wie Barfi! wirkt Om Shanti Om weniger fein gearbeitet, aber deutlich unterhaltsamer im Moment. Man schaut ihn nicht, weil man tiefe Figurenstudien erwartet, sondern weil dieses Ding einfach Spaß macht und keine Sekunde so tut, als wäre es etwas anderes. Er landet hier, weil seine Energie ansteckt, aber nicht lang nachhallt: eine richtige 9 - gerne gesehen, gern in Erinnerung, aber nicht der Film, der ein Genre neu ordnet.

    8. Barfi - Liebe braucht keine Worte (2012)

    Barfi! ist ein Film, der so viel Herz hat, dass man unwillkürlich lächelt, selbst wenn es an Stellen wehtut. Die Geschichte eines jungen, tauben Mannes, der sich in zwei unterschiedliche Frauen verliebt, könnte leicht kitschig werden, doch der Film bleibt erstaunlich leise, liebevoll und konzentriert. Er beobachtet, statt zu überinszenieren. Während Queen Emotionen offener zeigt und die Entwicklung seiner Hauptfigur deutlicher nach außen trägt, bleibt Barfi! stiller, weicher und näher an kleinen Momenten. Genau diese Zurückhaltung macht ihn berührend, aber sie nimmt ihm auch die Durchschlagskraft, die man in den oberen Plätzen findet. Barfi steht trotzdem hier, weil er ein wunderschön erzähltes Stück Kino ist, das nicht nach Größe ringt, sondern nach Ehrlichkeit. Trotzdem fehlt ihm der kulturprägende Moment der Filme darüber -  ein kleiner Schatz, aber keiner, der ganze Generationen geprägt hat.

    7. Dilwale Dulhania Le Jayenge (1995)

    Der Klassiker aller Klassiker. Dilwale Dulhania Le Jayenge ist der Film, den selbst Menschen kennen, die noch nie in ihrem Leben Bollywood geschaut haben. Die Geschichte ist einfach: Junge trifft Mädchen, Mädchen wird weggeschickt, Junge kämpft, aber mit einer Wärme und Naivität, die heute fast nostalgisch wirkt. Gegen ein moderneres Werk wie Queen merkt man, dass DDLJ altmodischer erzählt und weniger Mut zum Bruch hat. Trotzdem trägt der Film eine kulturelle Bedeutung, die man nicht wegdiskutieren kann. Seine Romantik ist unironisch, seine Figuren sind liebenswert und seine Songs praktisch eigenes Kulturgut. Die 7 ist ein respektvoller Platz für einen Film, der viel geprägt hat, aber stilistisch nicht mehr an die Feinheit und Kraft der oberen Ränge herankommt.

    6. Queen (2013)

    Queen ist der seltene Bollywood-Film, der frei atmet. Keine künstliche Dramatik, keine Überinszenierung, sondern nur eine junge Frau, die nach einem geplatzten Hochzeitstraum alleine auf Reisen geht und dabei endlich sich selbst trifft. Kangana Ranaut trägt das mit so viel Natürlichkeit, dass man irgendwann vergisst, einen Film zu schauen. Gegen einen emotionalen Ensemblehammer wie Man lebt nur einmal wirkt Queen kleiner, aber nicht schwächer: eher persönlicher, mutiger und ehrlicher. Der Film landet hier, weil er modern erzählt, empathisch ist und einen Ton findet, der selten im indischen Mainstream vorkam. Aber er hebt das Genre nicht auf ein neues Level, denn dafür braucht es mehr Wucht, als Queen bewusst einsetzt.

    5. Man lebt nur einmal (2011)

    Ein Film wie ein Sommer, an den man sich Jahre später noch erinnert. Drei Freunde, eine Reise und die Erkenntnis, dass man nur ein Leben hat - simpel beschrieben, aber mit so viel Gefühl und Timing inszeniert, dass jeder Moment sitzt. Der Film kann laut sein, kann leise sein, kann tief sein, ohne jemals aufdringlich zu werden. Gegen 3 Idiots ist er weniger universell und weniger sozial zugespitzt, aber emotional oft feiner. Man lebt nur einmal steht hier, weil er einer der wenigen Filme ist, die gleichzeitig unterhalten und etwas mitgeben, ohne es zu betonen. Er ist kein Klassiker wie die Top-Plätze, aber er trägt die Mitte des Rankings mit einer Selbstverständlichkeit, die man nicht oft sieht.

    4. 3 Idiots (2009)

    3 Idiots ist einer dieser Filme, die jeder einmal gesehen haben sollte: Witzig, klug, herzlich und gleichzeitig eine deutliche Kritik am indischen Bildungssystem, ohne belehrend zu klingen. Er schafft den Spagat zwischen Komödie und ernster Botschaft besser, als es viele Dramen könnten. Gegen Lagaan wirkt er moderner und zugänglicher, aber weniger monumental. 3 Idiots steht hier, weil er unglaubliche Wiedersehqualität hat und die seltene Fähigkeit, gleichzeitig zu berühren und laut zum Lachen zu bringen. Man spürt, dass der Film etwas verändern will, und er tut es, aber nicht mit der kulturellen Schwere der Top-3. Ein brillanter, wärmender Film, der genau hier richtig steht.

    3. Lagaan - Es war einmal in Indien (2001)

    Dieser Film ist ist groß, und das in jeder Hinsicht. Es war einmal in Indien ist gleichzeitig ein epischer Sportfilm, ein Period Drama, ein Klassenkampf und ein Ensemblefilm, aber irgendwie trotzdem nie überladen. Aamir Khan führt eine Gruppe von Dorfbewohnern an, die im Cricket gegen die britische Kolonialmacht antreten, und der Film schafft tatsächlich, dass man über drei Stunden lang mitzittert. Gegen andere Titel wie Black wirkt Lagaan breiter und opernhafter, aber weniger intim. Es ist ein Film, der etwas Großes will und es auch liefert. Er steht hier zu Recht in den Top 3, weil er ein Meilenstein ist, ein Klassiker und auch ein Stück Filmgeschichte.

    2. Black (2005)

    Black ist wahrscheinlich einer der mutigsten emotionalen Filme des indischen Mainstreams. Die Geschichte eines blinden, tauben Mädchens und ihres Lehrers könnte leicht manipulativ wirken, doch der Film geht einen schweren, ehrlichen Weg, der nah an den Figuren bleibt, ohne jemals auf billige Emotionalität zu setzen. Gegen Platz 1 ist Black weniger modern, aber deutlich intensiver. Man bleibt drin, weil alles an diesem Film wirklich gemeint ist. Er steht hier, weil er ein seltener Moment ist, in dem Bollywood die großen Gefühle komplett auskleidet, ohne die einfache Flucht in musikalische Überhöhung. Ein kraftvolles Stück Kino, das die Nummer 2 redlich verdient - und manchmal sogar wie eine 1 wirkt.

    1. Gully Boy (2019)

    Dieser Film hat dieses seltene Gefühl von Aufbruch, das man nicht planen kann. Die Geschichte eines Jungen aus einfachen Verhältnissen, der seinen Weg in die Musik findet, könnte leicht zum klassischen Underdog-Märchen werden, doch Gully Boy erzählt das Ganze mit einer Modernität und Direktheit, die Bollywood spürbar verändert hat. Die Energie, die Haltung und die visuelle Kraft - alles fühlt sich hier an, als wäre das genau der Moment gewesen, an dem das indische Mainstreamkino eine neue Richtung gefunden hat. Gegen Black ist Gully Boy weniger schwer, weniger düster und nicht so intensiv im Schmerz, aber dafür viel prägender für das heutige Publikum. Er öffnet eine Tür, während Black eine bereits bestehende Perfektion auslotet. Genau deshalb steht Gully Boy oben: Er zeigt, wohin Kino gehen kann, nicht nur, was es schon kann.

  • So kannst du die Asterix und Obelix Filme streamen

    So kannst du die Asterix und Obelix Filme streamen

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Asterix-Filme funktionieren anders als die meisten anderen Kino-Universen: Sie sind gleichzeitig Nostalgie, Satire, Abenteuergeschichte und ein Stück Kindheit, das man erstaunlich gut in die Gegenwart tragen kann. Während moderne Humor-Reihen wie Kung Fu Panda auf Tempo setzen oder große Animationsstudios ihre Geschichten glatt bügeln, behalten die Gallier immer etwas Handgemachtes, Eigenwilliges und fast Trotziges. 

    Genau das macht es so spannend, aus über fünf Jahrzehnten Filmgeschichte fünf Titel herauszupicken, die man wirklich gesehen haben sollte. Einige funktionieren wegen ihres Humors, andere wegen ihrer Frechheit oder ihrer erzählerischen Freiheit. Und manche überraschen einfach, weil sie viel moderner wirken, als man erwarten würde. Dieses Ranking zeigt, welche Asterix-Werke das Beste dessen einfangen, was die Gallier seit jeher unverwechselbar macht, ganz unten findet ihr sämtliche Werke der Comic-Legenden.

    5. Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks (2018)

    Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks fühlt sich an wie ein sanfter Neustart: neugierig, modern, aber noch nicht entschlossen genug, um die Reihe wirklich umzupflügen. Miraculix’ Suche nach einem würdigen Nachfolger eröffnet reizvolle Situationen, etwa wenn verschiedene junge Druiden ihre sehr eigenen Vorstellungen von Weisheit präsentieren. Dadurch bekommt der Film einen frischen Ton, der angenehm anders ist als der vertraute Dorfalltag. Allerdings spürt man gerade im Vergleich zu Asterix im Land der Götter, dass hier viel darauf geachtet wurde, niemanden zu überfordern. Wo der 2014er Film deutlicher stichelt, bleibt dieser versöhnlicher und glatter. Und stellt man ihn neben das ungebändigte Chaos von Asterix erobert Rom, merkt man sofort, wie vorsichtig er erzählt ist. Ein sympathischer Film, der Lust auf mehr macht - aber eben nicht der, der Maßstäbe setzt.

    4. Asterix im Land der Götter (2014)

    Hier zeigt sich, wie gut Asterix wirken kann, wenn man Tradition und moderne Optik wirklich miteinander verzahnt. Die römische Strategie, das Dorf durch Komfort statt Gewalt zu brechen, ist ein cleverer Ansatz, der überraschend aktuell wirkt. Viele kleine Momente, etwa die Verführungskraft römischer Annehmlichkeiten, sitzen in Asterix im Land der Götter so präzise, dass der Humor fast schärfer wirkt als früher. Doch wenn man den Film neben Asterix und Kleopatra legt, spürt man, dass ihm ein Hauch dieser lässigen Leichtigkeit fehlt, die die frühen Jahre auszeichnet. Und im Vergleich zu Mission Kleopatra zeigt sich, dass er erzählerisch weniger spielerisch, dafür sehr strukturiert bleibt. Ein moderner Treffer, der die Reihe weiterträgt, aber nicht neu definiert.

    3. Asterix und Kleopatra (1968)

    Dieser Klassiker lebt davon, wie natürlich alles ineinandergreift: Humor, Figuren und Rhythmus -  nichts wirkt konstruiert, alles fühlt sich nach reiner Freude am Geschichtenerzählen an. Die Szenen rund um Numerobis, dessen Baupläne ständig am Rand des Zusammenbruchs stehen, haben bis heute einen unverwechselbaren Charme. Asterix und Kleopatra erzählt seine Handlung ohne Effekte, aber mit einer Genauigkeit, die vielen modernen Werken fehlt. Vergleicht man ihn mit Asterix im Land der Götter, fällt auf, dass er viel weniger kalkuliert wirkt; und im Gegensatz zu Mission Kleopatra zeigt sich, dass der wesentlich Realfilm zwar größer denkt. Ein Film-Klassiker, der sich wie ein Herzstück der frühen Asterix-Jahre anfühlt - geliebt und sehr beständig, aber noch nicht das kreativste Experiment der Reihe.

    2. Asterix & Obelix: Mission Kleopatra (2002)

    Der Film hat eine Energie, die ihn sofort von allen anderen Realfilmen abhebt: schnelles Timing, selbstironische Figuren und viele kleine Ideen, die das Asterix-Universum ungewöhnlich verspielt wirken lassen. Ob Otis’ resignierte Lift-Demonstration oder die berühmte Baustellenmontage - vieles in Asterix & Obelix: Mission Kleopatra ist längst popkulturelles Allgemeingut. Wenn man den Film neben Asterix und Kleopatra stellt, zeigt sich, wie souverän er den Ton der Vorlage in eine zeitgemäße Komödie dreht. Doch im direkten Vergleich zu Asterix erobert Rom wird klar, warum er knapp unter dem Spitzenplatz landet: Er perfektioniert seinen Stil, während der Spitzenreiter ihn sprengt. Mission Kleopatra entfaltet enorme Spielfreude, aber Asterix erobert Rom besitzt eine radikale Freiheit, die man nicht herstellen kann - sie passiert einfach. 

    1. Asterix erobert Rom (1976)

    Asterix erobert Rom hat etwas, das man nicht planen kann: Er wirkt wie ein Glücksfall, so als hätte sich das gesamte kreative Chaos der Reihe für einen Moment perfekt sortiert. Die Idee der zwölf Aufgaben öffnet Türen, die kein anderer Asterix-Film zu betreten wagt. Jede Episode überrascht immer wieder - mal ist sie absurd, mal frech und mal so herrlich unberechenbar, dass man auch beim zehnten Rewatch noch grinsen muss. Im Vergleich zum neueren Mission Kleopatra stellt, merkt man sofort, dass beide funktionieren, aber nur einer wirklich frei ist. Asterix erobert Rom denkt nicht darüber nach, was man „darf“ oder „sollte“, dieser Film rennt einfach los und nimmt den Zuschauer mit. Das „Haus, das Verrückte macht“ ist dabei nur einer von vielen Momenten, die sich unauslöschlich einbrennen. Es ist der Film, der nicht nur die Reihe repräsentiert, sondern zeigt, was sie im besten Fall sein kann: wild, mutig, überraschend und absolut unvergesslich.

  • What the Razzie?! Diese 10 Kultfilme hat einst die  „Goldene Himbeere“ erwischt

    What the Razzie?! Diese 10 Kultfilme hat einst die „Goldene Himbeere“ erwischt

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Die Goldene Himbeere – oder der Razzie Award – ist Hollywoods boshaftester Preis: Jedes Jahr werden hier die angeblich schlechtesten Filme, Regie und Schauspielerinnen und Schauspieler der Saison „ausgezeichnet“. Doch was als ironischer Gegenpol zu den Oscars angelegt ist, verfehlte nicht selten die Pointe.

    Weil die Goldene Himbeere eher Stimmungsbarometer als präzises Urteil ist, tauchen in ihrer Geschichte immer wieder Filme auf, die aus heutiger Sicht weit positiver betrachtet werden.

    Einige Werke wurden schlicht missverstanden, andere passten nicht in den Geschmack ihrer Zeit, wieder andere lösten Debatten aus, die inzwischen völlig anders bewertet werden. Und: Einige der heute meistgeliebten Filme mussten sich Spott gefallen lassen, bevor sie Kult wurden. Hier sind zehn Nominierungen bekannter Filme, die aus heutiger Sicht überraschen.

    Der Pate – Teil III (1990)

    Sofia Coppola wurde 1991 gleich in zwei Kategorien für die Goldene Himbeere nominiert – Schlechteste Nebendarstellerin und Schlechtester Newcomer –, was oft als frühes Beispiel der später viel breiteren „Nepo-Baby“-Debatte gelesen wird. Die Tochter des Regisseurs war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 18 Jahre alt. Ihr Spiel in Der Pate - Teil III ist zurückhaltend, manchmal unsicher – Eigenschaften, die heute durchaus als Teil des Figurenkonzepts lesbar sind. 

    Spannender ist aber, was danach folgte: Als Regisseurin hat Sofia Coppola ihre eigene filmische Handschrift entwickelt, etwa mit The Virgin Suicides, Lost in Translation, zuletzt Priscilla. Die Razzie-Nominierungen markieren damit weniger ein vernichtendes Urteil als einen Ausgangspunkt, von dem sie sich konsequent emanzipiert hat.

    The Addams Family (1991)

    Schwarzer Humor, morbider Stil, makellose Ausstattung – und trotzdem eine Nominierung für den Schlechtesten Song. Ironischerweise gewann die Fortsetzung Addams Family in verrückter Tradition den Negativpreis dann sogar. Dabei fängt Barry Sonnenfelds Film mit Anjelica Huston und Raul Julia perfekt ein, was Familie als Gegenkultur bedeutet: Gothic-Eleganz trifft auf sentimentale Zärtlichkeit. 

    The Addams Family ist keine Komödie über „Freaks“, sondern über die Heuchelei der Normalität – und darüber, wie souverän man außerhalb ihrer Regeln leben kann. Eine Nominierung für schlechten Geschmack ist da eher ein Hinweis darauf, wie eigenständig der Film sich bewegt.

    Batman Begins (2005)

    Auch Christopher Nolans Batman Begins fing sich 2006 eine Nominierung für die Goldene Himbeere ein, in der Kategorie Schlechteste Nebendarstellerin für Katie Holmes. Und ja, ihre Darstellung von Rachel Dawes gehört nicht zu den Höhepunkten des Films. Katie Holmes wirkt in der Rolle oft zurückhaltender, als es die emotionale Dynamik verlangt, und bleibt neben den markanten Figuren erstaunlich blass. 

    Zur Wahrheit gehört aber auch: Christopher Nolan hat über die Jahre hinweg immer wieder gezeigt, dass komplexe Frauenfiguren nicht seine Stärke sind. In The Dark Knight Rises wird Marion Cotillards Figur zur Plot-Funktion, in Inception bleibt wurde sie zur Projektionsfläche für Trauma, und selbst in Oppenheimer geraten Emily Blunt und Florence Pugh trotz Präsenz in den Hintergrund männlicher Innenwelten.

    Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (1999)

    Gleich sieben Nominierungen für die Goldene Himbeere, darunter Schlechtester Film, Schlechteste Regie und eine viel diskutierte Nominierung für den jungen Jake Lloyd, zeigen wie enorm der Erwartungsdruck 1999 war. Episode I - Die Dunke Bedrohung erschien als erster neuer Star Wars-Film seit über anderthalb Jahrzehnten — und wurde durch eine nostalgisch aufgeladene Brille betrachtet, die wenig Raum für Experimente ließ. 

    Der Film ist nicht fehlerfrei, aber visuell kühn, politisch ungewöhnlich ambitioniert und technisch seiner Zeit weit voraus. Die damaligen Razzie-Reaktionen wirken heute eher wie ein Stimmungsbild. Und gerade rückblickend besitzt Episode I eine kantige Eigenheit, die den glattpolierten Star Wars-Produktionen der Gegenwart fehlt.

    Der Glöckner von Notre Dame (1996)

    Die Kategorie Schlechtest geschriebenes Drehbuch eines über 100-Millionen-Dollar-Hits war 1996 eine spontane Erweiterung des Razzie-Katalogs – und Der Glöckner von Notre Dame landete darin, wohl weil der Film tonal nicht in die damalige Disney-Erwartung passte. Das Werk bewegt sich zwischen Musical, historischer Tragödie und moralischer Parabel. 

    Dass diese Mischung irritierte, ist verständlich: Animationsfilme waren in der Wahrnehmung des Publikums enger definiert als heute. Dabei ist Der Glöckner von Notre Dame visuell opulent, thematisch überraschend erwachsen, musikalisch kraftvoll und damit vielleicht der mutigste Disney-Film der 1990er Jahre.

    Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

    Die Schlechteste Filmmusik-Nominierung für Ennio Morricone ist ein herrliches Paradox: Der Score, einst als „zu minimalistisch“ kritisiert, gilt inzwischen als Musterbeispiel atmosphärischer Reduktion. John Carpenters Film war 1982 schlicht zu kühl, zu kontrolliert und zu misanthropisch, um euphorisch aufgenommen zu werden.

    In der Ära bombastischer Orchesterklänge fiel diese Zurückhaltung „unangenehm“ auf. Die Razzie-Wertung zeigt vor allem, wie schwer sich Publikum und Kritik mit radikaler Nüchternheit tat. Heute ist Das Ding aus einer anderen Welt ein Klassiker, dessen Soundtrack ganze Generationen von Sci-Fi- und Horror-Autoren geprägt hat. Manchmal ist das Unheimlichste eben das leise Summen im Hintergrund.

    Interview mit einem Vampir (1994)

    Die Nominierung für Schlechtestes Leinwandpaar (Brad Pitt und Tom Cruise) wirkt im Rückblick vor allem als Hinweis darauf, wie unklar damals die Kategorien der Goldenen Himbeere definiert waren. Interview mit einem Vampir erzählt eine Beziehung, die dicht, aber narrativ untypisch ist – zu intim, um rein platonisch zu sein, aber zu atmosphärisch, um in klassische Romantik zu fallen. Neil Jordan interessierte sich weniger für „Chemie“ im konventionellen Sinne als für das Zusammenspiel zweier Weltsichten.

    Heute wirkt die Nominierung vor allem wie ein Kommentar auf die eigentümliche Zurückhaltung des Films. Interview mit einem Vampir inszeniert die beiden Figuren bewusst als platonisches Duo, obwohl die literarische Vorlage weit komplexere, queere Unterströmungen kennt. Zum Glück holt die aktuelle Serienadaption das nach: Die romantische Beziehung zwischen Lestat und Louis steht mit all ihren Widersprüchlichkeiten im Fokus.

    Das fünfte Element (1997)

    Die Nominierungen für Milla Jovovich (Schlechteste Nebendarstellerin) und Chris Tucker (Schlechtester Newcomer) zeigen vor allem, wie ungewöhnlich Luc Bessons futuristische Science-Fiction-Oper damals erschien. Dabei ist Das fünfte Element genau der frische Wind, den Hollywood damals braucht. Der Film bricht mit Konventionen, ist überdreht, sinnlich, kompromisslos stilisiert. 

    Mila Jovovichs „Leeloo Dallas Multipass“ wurde zur Ikone weiblicher Pop-Sci-Fi, Chris Tuckers schrill-exzentrischer Radiostar zur Drag-Queen-Extravaganz avant la lettre. Heute lässt sich gut erkennen, wie konsequent Das fünfte Element seine eigene Bühne baut und wie bewusst mit der Überzeichnung gearbeitet wurde: Eine barocke Vision einer Zukunft, in der Überforderung bewusst gesetztes Stilmittel ist.

    Joker (2019)

    Dass Joker 2020 für Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum nominiert wurde, klingt eher wie eine ironische Fußnote als nach ernsthafter Kritik. Todd Phillips’ düstere Origin-Story ist eine der seltenen Comicverfilmungen, die ihre Gewalt als Systemkritik begreift. Joaquin Phoenix’ Arthur Fleck ist keine Glorifizierung des Bösen, sondern das ambivalente Porträt einer Gesellschaft, die unweigerlich Außenseiter hervorbringt. Joker ist unbequem – und will es auch sein. Dass die Razzies darauf mit einer eigenen Kategorie reagierten, zeigt vor allem, wie stark Joker in den popkulturellen Debattenraum wirkte.

    Umso amüsanter ist der Blick auf die Fortsetzung: Joker: Folie à Deux sammelte 2025 gleich sieben Razzie-Nominierungen ein und gewann zwei davon – darunter Schlechteste Fortsetzung und Schlechtestes Leinwandpaar für Phoenix und Lady Gaga. Und hier kann man durchaus von einer treffsicheren Entscheidung sprechen. 

    The Shining (1980)

    Kaum zu glauben, aber Stanley Kubricks Meisterwerk des psychologischen Horrors wurde 1981 gleich doppelt für die Goldene Himbeere nominiert – für Schlechteste Regie und Schlechteste Schauspielerin (Shelley Duvall). Aus heutiger Sicht wirkt das erstaunlich, denn Stanley Kubricks strenges, beinahe mathematisches Stilbewusstsein, das damals als „kalt“ missverstanden wurde, prägte ein ganzes Genre. 

    Shelley Duvalls zittrige, erschöpfte Performance wiederum ist nicht Ausdruck mangelnder Technik, sondern integraler Teil der zerbrechlichen Psychodynamik des Films. The Shining ist kein Werk, das sich anbiedert. Es zwingt sein Publikum in eine Stimmung, aus der man nicht leicht entkommt. Und das, was den Film damals ungewöhnlich machte, sichert ihm nun seinen Status als Filmklassiker.

  • Alle „Bleach“-Teile in der richtigen Reihenfolge: Die Anime-Reihe im Streaming-Guide

    Alle „Bleach“-Teile in der richtigen Reihenfolge: Die Anime-Reihe im Streaming-Guide

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Bleach ist einer dieser Anime, der irgendwann richtig durch die Decke ging.

    Was mal mit einem orangehaarigen Teenager und einem riesigen Schwert begann, hat sich zu einem der epischsten Shonen-Werke der letzten zwei Jahrzehnte entwickelt, das mit über 350 Episoden, vier Kinofilmen, zahllosen Filler-Arcs und einer Rückkehr aufwartet, die fast zehn Jahre auf sich warten ließ.

    Wer hier einfach blind drauflos streamt, steht schnell vor einem Chaos aus Zeitsprüngen, Nebengeschichten und alternativen Realitäten. JustWatch bringt Licht ins Dunkel: Diese Liste zeigt, in welcher Reihenfolge man Bleach schauen sollte, damit die Geschichte Sinn ergibt, die Spannung hält und kein einziger wichtiger Moment verloren geht.

    1. Bleach (2004–2012)

    Die Originalserie Bleach beginnt mit Ichigo Kurosaki, der durch ein unerwartetes Ereignis zum Shinigami wird, einem Seelenschnitter, der Geister beschützt und böse Seelen vertreibt. Von dort entfaltet sich eine Geschichte, die zwischen der Menschenwelt, der Soul Society und später auch Hueco Mundo hin und her pendelt. Insgesamt besteht die Serie aus 366 Episoden und behandelt zentrale Arcs wie Soul Society, Arrancar, Fake Karakura und The Lost Substitute Shinigami. Dazwischen streuen sich diverse Filler - manche durchaus unterhaltsam, manche nicht unbedingt notwendig. Trotzdem bleibt der Kern spannend und durchgehend charaktergetrieben mit besonders starken Beziehungen zwischen Ichigo und Figuren wie Rukia, Renji oder Urahara. Wer sich auf das klassische Bleach-Erlebnis einlassen will, kommt an der TV-Serie nicht vorbei - sie legt das erzählerische Fundament für alles, was folgt.

    2. Memories of Nobody (2006)

    Der erste Bleach-Film Memories of Nobody lässt sich am besten zwischen Episode 63 und dem Beginn des Arrancar-Arcs einordnen. Im Fokus steht die mysteriöse Senna, die zwischen verschiedenen Welten existiert und gleichzeitig die Erinnerungen anderer in sich trägt. Obwohl der Film kein offizieller Bestandteil des Manga-Kanons ist, trifft er den Ton der Serie erstaunlich gut. Die Musik stammt erneut von Shiro Sagisu, das Bild ist kinoreif, und der Spannungsbogen solide. Es ist ein emotional aufgeladener Film, der Ichigos Rolle als Beschützer vertieft. Wer sich mehr von der Welt rund um Karakura City wünscht und eine kleine, abgeschlossene Geschichte sucht, findet hier einen gelungenen Film mit einem bittersüßen Ende und viel Herz.

    3. The Diamond Dust Rebellion (2007)

    Dieser Film rückt Hitsugaya in den Mittelpunkt, den oft unterschätzten Captain mit dem Eisdrachen. Nachdem ein königliches Siegel gestohlen wird, steht er plötzlich im Zentrum eines politischen Skandals innerhalb der Soul Society. The Diamond Dust Rebellion spielt ungefähr nach Episode 127 und wirkt wie ein tieferer Einblick in Hitsugayas Vergangenheit. Alte Verbindungen, Schuldgefühle und Loyalität prägen den Ton des Films. Auch wenn die Haupthandlung nicht verändert wird, bekommt man hier ein atmosphärisch dichtes Spin-off mit hochwertiger Animation und gut inszenierten Kämpfen. Die Dynamik mit seinem Vize Rangiku bleibt bestehen, aber es sind vor allem die inneren Konflikte, die den Film tragen. Kein absolutes Muss, aber definitiv eine lohnenswerte Ergänzung.

    4. Fade to Black (2008)

    Rukia vergisst in Fade to Black alles. Und mit ihr scheint auch die Welt Ichigo zu vergessen. Das ist die Ausgangslage dieses dritten Films, der sich erzählerisch wie ein düsterer Paralleluniversums-Trip anfühlt. Er spielt etwa nach Episode 212 und behandelt den Wert von Erinnerung, Identität und Bindung, also typische Themen, die Bleach immer wieder berührt. Visuell ist der Film dunkler und sogar beinahe melancholisch. Besonders Fans von Ichigo und Rukia kommen hier auf ihre Kosten, denn ihre Verbindung steht stärker denn je im Mittelpunkt und entwickelt sich weiter. Die Soul Society zeigt sich in diesem Film von einer verzerrten, kalten Seite. Wer gerne alternative Szenarien und emotionale Konflikte sieht, wird hier nicht enttäuscht. Der Film steht zwar allein, wirkt aber wie ein Spiegel der Hauptserie.

    5. Hell Verse (2010)

    Mit diesem Film wird erstmals ein Ort besucht, der in der Serie lange nur erwähnt wurde: die Hölle. Ichigo wird mit einer neuen Bedrohung konfrontiert, die aus den Tiefen dieses verbotenen Ortes aufsteigt. Der Film spielt nach Episode 299, also gegen Ende des Kampfes gegen Aizen. Inhaltlich bleibt Hell Verse unabhängig, doch die Themen sind sehr vertraut: Schuld, Kontrolle und innere Dämonen. Besonders interessant ist die Darstellung von IchigosHollow-Kräften, die hier in einem neuen Licht erscheinen. Die Actionszenen sind rasant und düster inszeniert, und das Design der Hölle erinnert fast an klassische Horror-Ästhetik. Wer auf visuelle Abwechslung und eine dichte, bedrückende Atmosphäre steht, bekommt hier eine der eindrucksvollsten Ergänzungen der Filmreihe.

    6. Bleach: Thousand Year Blood War Part 1–3 (2022–2024)

    Zehn Jahre nach dem Serienende kehrt Bleach zurück - mit einem finalen Handlungsbogen, der das Wandenreich ins Spiel bringt. Die ersten drei Teile von Thousand Year Blood War umfassen insgesamt 40 Episoden und setzen die finale Konfrontation zwischen den Shinigami und Quincy endlich um - in epischem Maßstab. Die Animation von Studio Pierrot gilt als durchgehend hochwertig, die Kämpfe sind brutal und die emotionale Intensität steigert sich nochmal auf einen neuen Höhepunkt. Besonders Uryūs Entwicklung, Yamamotos Schicksal und Ichigos Herkunft werden hier auf neue, dramatische Weise aufgedeckt, und das ohne Filler und ohne Ablenkung. Diese drei Teile liefern pure Story und gehören fest zur Chronologie. Wer Bleach bis hierhin verfolgt hat, erlebt jetzt den Lohn für jahrelanges Dranbleiben.

    7. Bleach: Thousand-Year Blood War Part 4 (2026)

    Der letzte Teil der Saga ist offiziell für 2026 angekündigt und verspricht ein Finale mit allem, was dazugehört. Unter dem vorläufigen Titel The Calamity oder The Separation bringt dieser Abschnitt das Duell zwischen Ichigo und Yhwach zu Ende. Es fehlen noch etwa 13 Episoden, die sowohl den Krieg abschließen als auch epilogartige Rückblicke enthalten sollen. Erste Bilder von der Anime Expo 2025 deuten auf noch flüssigere Animation und ein aufwendig inszeniertes Finale hin. Erwartet werden nicht nur Schlachten, sondern auch Szenen aus der Vergangenheit des Soul King und neue Dialoge, die selbst im Manga nie vorkamen. Das große Ende steht bevor, und diesmal wird die Geschichte wirklich zu Ende erzählt!

  • Jenseits von „Stranger Things“: Serien, die 80er- und 90er-Nostalgie neu erzählen

    Jenseits von „Stranger Things“: Serien, die 80er- und 90er-Nostalgie neu erzählen

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Seit Jahren gilt Stranger Things als Maß aller Dinge, wenn es um Retro-Ästhetik geht – doch die grellen Lichter, der Synthpop und das Monster-Pathos verstellen oft den Blick auf das, was Nostalgie auch bedeutet: das Lebensgefühl vergangener Jahrzehnte ernst nehmen, und damit auch ihre Brüche, Ängste und Hoffnungen zu zeigen. 

    Viele Serien wie Pose, Halt and Catch Fire oder It’s a Sin graben tiefer: Sie rekonstruieren nicht nur Mode oder Musik, sondern das Denken, Fühlen und Atmen ihrer Zeit. Sie zeigen, wie man die 1980er und 1990er nicht allein als Kulisse, sondern als geistigen Zustand erzählt – ehrlich, klug, und im besten Fall: erkenntnisreich.

    11. Young Sheldon (2017–2024)

    Was The Big Bang Theory nie wagte, gelingt dem Spin-off: Young Sheldon zeigt den hochbegabten Jungen, bevor er zum Neurotiker wurde – und verwandelt die texanischen 1990er in ein sanftes, kluges Familienporträt, in dem schnelle Lacher auf die bisweilige Einsamkeit des Anderen im Vorstadtidyll treffen. Die Serie fängt das Amerika der Satellitenschüsseln, Kirchenchöre und Schul-Footballs mit seltenem Feingefühl ein. 

    Statt allzu viel Ironie gibt es Wärme, statt Retro-Glitter bisweilen feine Melancholie. Nostalgie bedeutet hier nicht „Früher war alles besser“, sondern: „So haben wir gedacht, gehofft, gestritten.“ Young Sheldon ist eine leichtfüßige Erinnerung an Kindheit als Erkenntnisprozess – liebevoll, aber mit Blick auf die Schwierigkeiten, die das Erwachsenwerden hinterlässt.

    10. Red Oaks (2014–2017)

    Red Oaks ist das vielleicht eindeutigste Retro-Stück auf dieser Liste: Eine Sommerkomödie über einen 20-Jährigen im Jahr 1985, der zwischen Tennisplatz, Jugendträumen und Zukunftsangst balanciert. Die Serie besticht durch feine Beobachtung – viel Aufbruchstimmung und Witz treffen auf subtile Tristesse und einen Soundtrack, der zwischen The Smiths und Hall & Oates pendelt. 

    Kein greller Retro-Gestus, sondern das Gefühl eines Sommers, den man nie vergisst, stehen im Fokus. Red Oaks wirkt in seinen besten Momenten wie ein verloren geglaubter Film von John Hughes (The Breakfast Club), nur etwas reifer, klüger, wärmer. Ein melancholischer Abschiedsbrief an eine Zeit, die uns durch ihre (vermeintliche) Unschuld lockt.

    9. GLOW (2017–2019)

    GLOW zeigt die 1980er, wie sie selten erzählt werden: grell und doch widersprüchlich. Alison Brie und Betty Gilpin spielen zwei Schauspielerinnen, die im Wrestling eine Bühne finden – und zugleich ein Schlachtfeld. Denn hinter Pailletten und allerlei Haarspray entfaltet sich ein feinsinniges Drama über weibliche Selbstbehauptung, beruflichen Ehrgeiz und persönliche Verletzlichkeit. 

    Die Serie balanciert Camp und Charakterstudie, Humor und Ernüchterung gleichermaßen. GLOW liebt den Glamour seiner Zeit, aber seziert ihn auch: die Maskerade, den Sexismus, die ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern. Nostalgie wird hier zum doppelten Boden, glitzernd, politisch, in den besten Momenten schonungslos ehrlich. Anders ausgedrückt: Wo Stranger Things schwärmt, zweifelt GLOW mehr.

    8. When They See Us (2019)

    Ava DuVernays When They See Us blickt auf die späten 1980er mit einer Wut, die spürbar kälter brennt als Nostalgie. Die Geschichte der zu Unrecht verurteilten „Central Park Five“ wird zum erschütternden Panorama von Rassismus, Justizversagen und medialem Voyeurismus. Das New York jener Jahre ist hier kein Schauplatz für Pop, sondern ein Systemfehler. 

    Mit großartigem Ensemble und dokumentarischer Genauigkeit legt DuVernay den Schmerz offen, der hinter jeder Retro-Verklärung liegt. When They See Us erinnert daran, dass die Vergangenheit nicht nur leuchtet. Eine Serie, die nicht erinnert, sondern mahnt.

    7. Pose (2018–2021)

    Ryan Murphys Pose leuchtet das New York der späten 1980er und frühen 90er wiederum als einen Kosmos aus Glitzer, Musik, Schmerz und Überlebenswillen aus. Zwischen Ballroom-Wettbewerben, Drag-Kultur und Aids-Krise erzählt die Serie von einer Gemeinschaft, die sich Schönheit erkämpft, wo die Welt sie ihr verweigern will. 

    Nostalgie ist hier kein Rückblick, sondern ein Statement: über Sichtbarkeit, Würde und queere Geschichte. Pose fängt den Zeitgeist jener Jahre in Bewegung, Farbe und Mode ein, ohne ihn zu verklären. Wo Stranger Things auf Pop-Ikonen verweist, erschafft Pose eigene – stolz, verletzlich und bisweilen bestechend schön.

    6. Yellowjackets (2021–)

    Wenn der Rückblick zum Albtraum wird: Yellowjackets lässt ein Mädchenfußballteam in den 1990ern nach einem Flugzeugabsturz in der Wildnis stranden – und konfrontiert die Überlebenden Jahrzehnte später mit ihren Dämonen. Zwischen Grunge, Kannibalismus und anderem Trauma entfaltet sich ein doppelbödiges Psychodrama über Schuld und gefährliche Gruppendynamiken. 

    Die Serie benutzt die 90er-Ästhetik nicht als Kulisse, sondern als Echo: Jede Kassette, jedes Lied von Nirvana, Garbage und Co. erinnert an das, was den Frauen verloren ging. Yellowjackets ist düster, bissig und hypnotisch – Nostalgie, die weh tut, weil sie das Unheimliche im Vertrauten zeigt. Wenn man so will: Ein Anti-Stranger Things, das sich traut, mitunter hässlich ehrlich zu sein.

    5. Chernobyl (2019)

    Kaum eine Produktion hat das Jahr 1986 mit so furchteinflößend realistischem Anspruch rekonstruiert wie Chernobyl. Craig Mazins Miniserie über die Nuklearkatastrophe in der Sowjetunion ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Präzisionswerk über Wahrheit, Lüge und menschliche Hybris. Jared Harris und Stellan Skarsgård spielen Männer, die inmitten des Desasters moralische Klarheit suchen und im Prozess zu zerbrechen drohen. 

    Anders ausgedrückt: Chernobyl zeigt die 1980er als ein Jahrzehnt, das sich selbst vergiftete: mit Ideologie, Schweigen und Angst. Statt Retro-Gefühl dominiert politische Nüchternheit – ein Gegenbild zu jeder sentimentalen Verklärung der Dekade. 

    4. Derry Girls (2018–2022)

    Derry Girls unterstreicht, dass die 1990er mehr waren als Boybands und Baggy Pants. Im Nordirland der „Troubles“ begleiten wir fünf Teenager, die zwischen Schulchaos, ersten Lieben und politischem Ausnahmezustand aufwachsen. Das Ergebnis: eine der witzigsten und zugleich menschlichsten Coming-of-Age-Serien der vergangenen Jahre. Sie verbindet deftigen Humor mit feinem Gespür für historische Realität – Popkultur trifft Pulverfass sozusagen. 

    Nostalgie entsteht hier nicht aus Requisiten, sondern aus der Erinnerung an jugendliche Freiheit inmitten von Ungewissheit. Derry Girls ist laut, ehrlich und manchmal überraschend berührend – eine Serie, die die 1990er tatsächlich lebendig werden lässt.

    3. Halt and Catch Fire (2014–2017)

    Mehr Geheimtipp als Quotenhit – und doch eine der besten Serien über den Aufbruch der 1980er und 1990er. Halt and Catch Fire folgt vier Pionieren der Computerära, deren Träume vom Internet sie antreiben und herausfordern:  Lee Pace, Scoot McNairy, Mackenzie Davis und Kerry Bishé verkörpern Figuren, die zwischen Idealismus und Ehrgeiz zerrieben werden. 

    Die Serie ist elegant, präzise, voller technischer und emotionaler Spannung. Nostalgie bedeutet hier: Zurückblicken, um zu verstehen, wie der Fortschritt uns verändert hat. Halt and Catch Fire liefert kein dekoratives Retro-Stück, sondern vor allem digitale Melancholie aus der Gegenwart, klug und unterschätzt.

    2. The Americans (2013–2018)

    The Americans verwandelt die Reagan-Ära in eine stille, aber spannungsgeladene Meditation über Vertrauen und Verrat. Keri Russell und Matthew Rhys spielen sowjetische Spione, die als amerikanisches Ehepaar in den Vororten Washingtons leben – und ihre Kinder, Nachbarn und sich selbst belügen. 

    Die Serie nutzt 80er-Nostalgie nicht zur Zierde, sondern zur psychologischen Verdichtung: Angst, Ideologie und Familienleben verschmelzen zu einem hochpräzisen Drama. Kein Neon, keine falsche Sentimentalität: The Americans ist damit weniger Rückschau als Spiegel: der vielleicht klügste Blick auf ein Jahrzehnt, in dem das Private immer politisch war.

    1. It’s a Sin (2021)

    Russell T Davies’ It’s a Sin spielt im London der 1980er Jahre, wo eine Gruppe junger Männer zwischen Pop, Party und Panik ihre Jugend erlebt – bis die Aids-Krise alles verändert. Mit rhythmischer Erzählweise, brillantem Soundtrack und großem Herz erzählt die Serie von Freiheit, Angst und Zusammenhalt. 

    Nostalgie verwandelt sich hier bisweilen in Trauerarbeit: Die Euphorie dieser Zeit wird umso kostbarer, weil man weiß, wie tragisch sie für Viele endete. It’s a Sin ist eine Feier des Lebens, die Tränen hinterlässt – ehrlich, erschütternd und, mehr als alles andere, zutiefst menschlich. Eine Miniserie, die ihre Perspektive auf die Dekade nach fühlbar macht, statt nur die vielbesprochenen Aspekte der Geschichte nur zu zitieren.

  • Die 10 besten Filme, die auf Broadway-Musicals basieren

    Die 10 besten Filme, die auf Broadway-Musicals basieren

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Wenn der Broadway ins Kino zieht, verändert sich etwas Grundlegendes: Musik, Tanz und Emotion treffen auf Licht, Kamera und Raum. Plötzlich entfalten sich Songs, die einst zwischen Kulissen erklangen, in ganzen Landschaften oder Straßenzügen. Doch selbst im größten Kinosaal bleibt der Herzschlag der Bühne spürbar. Diese Filme tragen das Gefühl des Live-Moments in sich, diesen Atemzug vor dem ersten Ton, das Publikum im Kopf, das nie ganz verschwindet.

    Im Gegensatz zu Kinomusikfilmen wie La La Land oder Once, die ihre Geschichten direkt für die Leinwand schrieben, erzählen Broadway-Adaptionen von etwas Gewachsenem: vom Zusammenspiel aus Handwerk, Timing und Spielfreude. Dass gerade jetzt wieder neue Musicalverfilmungen entstehen, ist kein Zufall. Nach Jahren digitaler Distanz sehnt sich das Publikum nach Energie, nach Farbe und nach Geschichten, die sich anfühlen, als könne man sie anfassen. Diese Liste zeigt, wie Kino und Bühne dieselbe Melodie finden.

    1. Chicago (2002)

    Zwei Varieté-Tänzerinnen werden nach einem Mordprozess zu Medienphänomenen – und genau dort liegt der Zauber von Chicago: Ruhm und Sünde tanzen hier denselben Takt. Rob Marshall inszeniert die Geschichte mit der Eleganz eines Showballetts, das jede Wahrheit in Glitzer verwandelt. Catherine Zeta-Jones und Renée Zellweger bringen Charisma, Ironie und Spielfreude mit, sodass der Zynismus leichtfüßig wirkt. Die Kamera bewegt sich wie ein Scheinwerfer, der immer dann stoppt, wenn der nächste Applaus naht. Die Songs sind bissig, die Choreografien messerscharf, und doch bleibt der Film nah an seinen Figuren. Statt die Bühne einfach abzufilmen, verwandelt er sie in ein Fieber aus Musik, Ehrgeiz und Illusion. Wenn Cabaret die dunkle Seite des Entertainments zeigt, antwortet Chicago mit einem Lächeln, das gefährlicher ist, als es scheint. Beides sind Glanzstücke über Menschen, die im Rampenlicht glänzen und darin fast verbrennen.

    2. West Side Story (1961)

    Zwei rivalisierende Straßengangs, eine verbotene Liebe und ein Tanz, der mehr erzählt als jedes Wort: West Side Story bleibt die wohl lebendigste Übersetzung des Broadway auf die Leinwand. Regisseur Robert Wise und Choreograf Jerome Robbins schufen 1961 ein Werk, das Bewegung, Musik und Farbe zu purer Emotion verschmilzt. Jede Szene trägt Energie, jeder Schatten eine Geschichte. Die Stadt wird zur Bühne, das Drama zu Rhythmus. Die später entstandene Neuverfilmung West Side Story von Steven Spielberg beweist, dass diese Struktur zeitlos ist - sie lässt dieselben Gefühle atmen, nur mit neuem Puls. West Side Story ist kein Musical, das man bloß ansieht, sondern eines, das man fühlt. Wo Les Misérables in die Tiefe der Seele schaut, richtet dieser Film den Blick auf die Oberfläche einer Gesellschaft, die in Bewegung bleibt. Das Ergebnis ist ein Kino, das singt, tanzt und schmerzt, ohne einen falschen Ton.

    3. Les Misérables (2012)

    Jean Valjean versucht nach Jahren der Haft, Vergebung zu finden, in einem Frankreich, das dafür keinen Platz mehr hat. Les Misérables macht daraus ein musikalisches Epos voller Wucht und Mitgefühl. Tom Hooper lässt seine Darsteller live singen, wodurch jeder Atemzug echt wirkt, jede Unsicherheit Gewicht bekommt. Hugh Jackman spielt Valjean mit brennender Aufrichtigkeit, Anne Hathaway verleiht Fantine in wenigen Szenen unvergessliche Trauer. Die Kamera sucht Nähe statt Pracht, doch das Pathos entsteht von allein. Statt große Kulissen auszuspielen, konzentriert sich der Film auf die Gesichter, auf zitternde Stimmen, auf den Punkt, an dem Musik und Schmerz eins werden. Les Misérables ist ein Monument, aber eines, das weint. Wo West Side Story Bewegung nutzt, um Hoffnung zu zeigen, findet dieser Film sie im Stillstand. Und wenn der Chor am Ende einsetzt, wirkt er wie ein Versprechen, dass Erlösung wenigstens gesungen werden darf.

    4. Mamma Mia! (2008)

    Sophie lädt drei Männer auf eine sonnendurchflutete griechische Insel ein, weil sie endlich wissen will, wer ihr Vater ist, und aus dieser verrückten Idee entsteht pures Sommerkino. Mamma Mia! funktioniert wie Urlaub in Spielform: voller Farbe, Witz und Leichtigkeit. Meryl Streep bringt Temperament und Wärme in jede Szene, Amanda Seyfried spielt jugendliche Aufregung, als wäre sie selbst in einem Song gefangen. Die bekannten ABBA-Hits verwandeln Alltag in Emotion, aus Gesprächen werden Refrains, aus Erinnerungen kleine Bühnenmomente. Die Inszenierung bleibt verspielt, aber ehrlich. Niemand versucht, perfekt zu singen, und genau das macht den Film so sympathisch. Mamma Mia! ist nicht nur eine Verfilmung, sondern ein Gefühl. Wenn Grease die Energie der Jugend feiert, erzählt dieser Film von der Freiheit, älter zu werden, ohne aufzuhören zu tanzen. Am Ende bleibt ein Lächeln, das auch im Kino wirkt wie Sonne auf der Haut.

    5. Grease (1978)

    Sandy und Danny verlieben sich im Sommer, verlieren sich und treffen sich wieder - mit neuen Rollen und altem Herzklopfen. Grease ist Nostalgie, Witz und Rebellion zugleich. John Travolta und Olivia Newton-John verleihen der Geschichte diese unkopierbare Mischung aus Coolness und Romantik. Die Musik klingt nach Motoren, Cola und endlosen Abenden, und die Tanzszenen halten den Takt einer ganzen Generation. Der Film macht aus der Bühne ein Popuniversum, das sich selbst nie zu ernst nimmt. Zwischen Pomade und Petticoats entsteht etwas Zeitloses: ein Musical, das nicht nur von Jugend handelt, sondern sie einfängt. Grease zeigt, dass Emotion und Energie manchmal genug sind, um einen ganzen Film zu tragen. Mamma Mia! feiert das spätere Lebensgefühl, hier steht das pure Aufblühen im Vordergrund - eine Erinnerung daran, dass die erste Liebe oft den besseren Soundtrack hat.

    6. The Rocky Horror Picture Show (1975)

    Ein naives Paar sucht Zuflucht im Regen, landet in einem Schloss voller Exzentriker und stolpert mitten in eine schillernde Feier der Freiheit. The Rocky Horror Picture Show ist Chaos mit System, eine Hymne an das Anderssein. Tim Curry macht Frank-N-Furter zu einer Figur, die so lebendig ist, dass sie das Publikum direkt anspricht. Der Film behält den Witz und die Spontaneität des Theaters, aber er sprengt die Grenzen des Formats. Kino und Publikum verschmelzen, jede Vorstellung wird zur Mitmach-Performance. Zwischen Reiz, Humor und Provokation entsteht ein Erlebnis, das sich nicht bändigen lässt. Rocky Horror ist ein Phänomen, das zeigt, wie Bühne und Leinwand sich gegenseitig verstärken können. Wenn Grease charmant und brav wirkt, ist das hier der wilde Bruder: schrill, lustvoll, selbstbewusst und seit Jahrzehnten Kult.

    7. Cabaret (1972)

    Sally Bowles singt im Berliner Kit-Kat-Club, während draußen die Freiheit langsam verschwindet. Cabaret vereint Glitzer und Gefahr mit einer Eleganz, die selten geworden ist. Liza Minnelli strahlt in jeder Szene, aber hinter dem Make-up blitzt die Ahnung, dass alles bald endet. Bob Fosse lässt Tanz und Politik kollidieren, ohne dass eines das andere übertönt. Jede Musiknummer ist Spiegel und Warnung zugleich, jedes Lächeln eine kleine Flucht. Die Kamera bleibt nah, beobachtet statt zu urteilen, und genau dadurch entsteht Spannung. Cabaret zeigt, dass Musicals nicht leicht sein müssen, um zu fesseln. Chicago feiert das Spiel mit Ruhm und Täuschung, und auch dieser Film trägt dieselbe Thematik mit leiser Bitterkeit. Er ist Glamour mit Gewissen und bleibt damit aktueller, als man denkt.

    8. My Fair Lady (1964)

    Eliza Doolittle verkauft Blumen auf Londons Straßen, bis ein Professor sie in eine Dame verwandeln will – und am Ende mehr verändert, als er geplant hatte. My Fair Lady ist Charme pur, elegant und witzig zugleich. Audrey Hepburn verkörpert Eliza mit Herz und Verstand, und der Film spielt mit Sprache, wie andere mit Tanz. George Cukor verwandelt die Bühne in ein festliches Farbspiel, das jede Zeile feiern lässt. Der Humor bleibt britisch, das Timing präzise, die Songs schweben leicht durch die Handlung. Trotzdem steckt Tiefe darin: Es geht um Stolz, Bildung und die Freiheit, sich selbst zu definieren. My Fair Lady beweist, dass ein Musical bezaubern kann, ohne zu übertreiben. Während Das Phantom der Oper große Gefühle ausbreitet, zeigt dieser Film, dass Eleganz leiser, aber genauso eindrucksvoll sein kann.

    9. Das Phantom der Oper (2004)

    In den Katakomben der Pariser Oper verliebt sich ein maskierter Musiker in eine junge Sängerin, und Leidenschaft wird zur Obsession. Das Phantom der Oper ist Oper im besten Sinne - überwältigend, pathetisch und wunderschön. Joel Schumacher inszeniert Andrew Lloyd Webbers Musical mit Bildern, die wie Noten wirken: alles glänzt, alles schwingt. Die Kamera gleitet durch Spiegel und Kronleuchter, während die Stimmen den Raum füllen. Es ist kein Film für Minimalisten, sondern für Romantiker, die Gefühl ernst nehmen. Der Pathos ist Programm, und gerade das macht ihn ehrlich. Phantom der Oper zeigt, wie Kino Emotion vergrößern kann, ohne sie zu verzerren. Wo Les Misérables von Erlösung singt, erzählt dieser Film von Verlangen. Beide enden im Schmerz, und beide klingen noch lange nach.

    10. Wicked (2024)

    Bevor Dorothy im legendären Zauberer von Oz die gelben Ziegelsteine entlangging, spielte sich in derselben Welt eine andere Geschichte ab: Die von zwei jungen Hexen, die Freunde wurden, bevor die Magie sie trennte. Wicked erzählt, wie aus Elphaba, der grünhäutigen Außenseiterin, die spätere „böse Hexe des Westens“ wurde, und wie Glinda, die Lichtgestalt, ihr Gegenbild fand. Die Verfilmung erscheint in zwei Teilen: Der erste kam 2024 ins Kino, Wicked Teil zwei folgt im November 2025. Regisseurin Jon M. Chu nutzt die Zweiteilung, um Figuren und Emotionen Raum zu geben. Farben, Musik und große Gefühle lassen die Welt von Oz lebendig werden, ohne Vorkenntnisse zu verlangen. Wicked verwandelt einen Mythos in ein modernes Märchen über Freundschaft, Mut und die Suche nach Zugehörigkeit. Während Musical-Adaptionen wie Chicago vom Glanz der Bühne erzählen, öffnet Wicked die Tür zu einer ganz anderen Welt, in der Gut und Böse nur Perspektiven sind, und Musik der Schlüssel zur Wahrheit bleibt.

  • Drei Engel für Charlie: Hier siehst du alle Filme und Serien in der richtigen Reihenfolge

    Drei Engel für Charlie: Hier siehst du alle Filme und Serien in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Drei clevere Frauen, ein mysteriöser Auftraggeber und jede Menge Action, das sind die Drei Engel für Charlie. Was in den 1970ern als stylishe TV-Serie begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem echten Popkultur-Phänomen. In wechselnden Besetzungen, mit immer neuen Ideen und moderner Optik kamen die Engel immer wieder zurück und präsentierten sich dabei mal als knallbunte Kinohits und mal als Serien-Reboot.

    Doch egal ob Original oder Neuauflage: Die Grundidee bleibt gleich. Die Engel lösen ihre Fälle mit Köpfchen, Charme und Kampfkünsten und haben dabei immer die Stimme von Charlie im Ohr. Hier gibt es alle Serien und Filme in der richtigen Reihenfolge.

    Drei Engel für Charlie (Serie, 1976–1981)

    Die Originalserie Drei Engel für Charlie aus den 1970er-Jahren macht das Konzept zum Kult.Drei Ex-Polizistinnen arbeiten undercover für ihren geheimnisvollen Boss Charlie Townsend, den man nur über Lautsprecher hört. Mittelsmann Bosley bringt sie dabei auf die richtigen Fährten. Mit Farrah Fawcett, Jaclyn Smith und Kate Jackson werden die ersten Engel zu TV-Ikonen. Später stoßen u.a. Cheryl Ladd und Tanya Roberts zum Cast. Die Serie ist ein riesiger Erfolg und prägt den Stil der späten 70er. Hier wimmelt es von bunten Outfits, schnellen Schnitten und selbstbewussten Frauen, die sich niemals unterkriegen lassen. Nach fünf Staffeln und 115 Folgen verabschieden sich die Kult-Engel fürs Erste wieder vom Bildschirm.

    3 Engel für Charlie (2000)

    Mit der Jahrtausendwende kommt das große Kino-Comeback: Regisseur McG verpasst dem Drei Engel für Charlie-Franchise ein knallbuntes Action-Update. Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu werden zu den neuen Engeln und landen damit einen Volltreffer. Charlies Aufträge setzen sie nicht nur mit Style um, sondern auch schlagkräftig und extrem selbstironisch. Statt Krimiserie gibt es nun Popcorn-Action mit Over-the-Top-Stunts, Techno-Soundtrack und einem schrägen Bill Murray als Bosley. Der Film nimmt sich nie zu ernst und lebt von der Chemie der Hauptdarstellerinnen. Verkleidung, Technik und Teamwork treffen hier auf Terroristen, gestohlene Dateien und geheime Identitäten. Das Konzept geht auf: Der Film wird ein Kassenerfolg, der sowohl neue Fans gewinnt als auch mit zahlreichen Anspielungen auf die Originalserie spielt.

    Drei Engel für Charlie – Volle Power (2003)

    Drei Jahre später kommt die Fortsetzung und präsentiert sich noch bunter, noch verrückter und noch schneller. In Volle Power treten die Engel gegen eine abtrünnige Ex-Agentin an, gespielt von Demi Moore. Die Handlung ist wilder als je zuvor: Nonstop-Action, Slapstick, CGI und Gastauftritte von Stars wie Pink und Shia LaBeouf. Der Film setzt erneut auf stylische Action, flotte Sprüche und entwaffnende Selbstironie. Auch hier punktet vor allem das Trio aus Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu, deren Spielfreude durch jede Szene blitzt. Nebenbei gibt es jede Menge Popkultur-Referenzen und Stars wie Pink und Shia La Beouf in Nebenrollen. Ein lauter, bunter Action-Blockbuster und genau das Richtige für Fans des ersten Teils.

    Drei Engel für Charlie (Serie, 2011)

    Ein neuer Versuch fürs Fernsehen: 2011wird erneut eine Serie unter dem bekannten Titel gestartet, diesmal entwickelt von Alfred Gough und Miles Millar, die bereits Smallville verantworten. Die drei Engel arbeiten in Miami und sollen frischen Wind ins Franchise bringen. Diesmal sind die drei Damen allerdings keine Ex-Polizistinnen, sondern Ex-Kriminelle, die von Charlie eine zweite Chance bekommen. Die neuen Hauptdarstellerinnen Annie Ilonzeh, Minka Kelly und Rachael Taylor können jedoch nicht ganz so überzeugen wie ihre Vorgängerinnen. Nach acht produzierten und nur vier in den USA ausgestrahlten Folgen ist schon wieder Schluss mit dem neuen Team.

    3 Engel für Charlie (2019)

    Die neueste Kino-Version 3 Engel für Charlie bringt das Franchise ins 21. Jahrhundert und hat internationales Flair und eine feministische Botschaft im Gepäck. Kristen Stewart, Ella Balinska und Naomi Scott übernehmen als neue Engel, während Regisseurin Elizabeth Banks selbst als weiblicher Bosley mitmischt. Die Handlung dreht sich um ein gefährliches Energiekern-Projekt, das in falsche Hände zu geraten droht. Die Engel müssen in mehreren Ländern ermitteln und kommen dabei einer Verschwörung auf die Spur. Der Clou dabei ist, dass das Engelnetzwerk längst global ist, und Charlie als ein Symbol für ein ganzes System steht. Der Film mixt Action mit Humor und frischem Teamgeist und öffnet die Tür für weitere Teile.

  • „Pluribus“ und weitere verstörend gute Sci-Fi-Serien der Gegenwart

    „Pluribus“ und weitere verstörend gute Sci-Fi-Serien der Gegenwart

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Vince Gilligan, der Meister moralischer Ambivalenzen (Breaking Bad, Better Call Saul), wendet sich der Science-Fiction zu: Und Pluribus ist „Mindfuck“ im allerbesten Sinn. Eine Serie, die Bewusstsein selbst zum Spielmaterial macht und Glück als subtile Form von Gewalt zur Disposition stellt. Zwischen Parabel und Paranoia werden die Schattenseiten der Harmonie verhandelt: das Unheimliche, das entsteht, wenn niemand mehr widerspricht.

    Damit reiht sich Pluribus in eine neue Generation von verstörend guter Science-Fiction ein, die weniger auf technische Spektakel als auf psychologische und moralische Erschütterung zielt. Auch die folgenden Serien befragen, was vom Menschen bleibt, wenn Systeme ihn zu perfektionieren versuchen – mal als Thriller, mal als leise Meditation zwischen kaltem Bürolicht, digitaler Transzendenz und metaphysischer Sehnsucht.

    10. Maniac ( 2018)

    Maniac ist eine Serie über Heilung und über die Unmöglichkeit, sie zu erzwingen. Cary Joji Fukunaga schickt Emma Stone und Jonah Hill als verlorene Seelen in ein Drogenexperiment, das ihre inneren Welten kollidieren lässt. Zwischen Retroästhetik, Traumlogik und bittersüßer Melancholie entsteht eine Erzählung, die an Eternal Sunshine of the Spotless Mind erinnert, aber kaputter und greller ist. 

    In ihren besten Momenten ist die Serie ein mitreißender Kommentar auf unsere Sehnsucht nach Kontrolle über das Unkontrollierbare. Maniac richtet sich an ein Publikum, das bereit ist, sich in Stilen, Stimmungen und Zeitebenen zu verlieren. Ein filmischer Fiebertraum, der so schön taumelt, dass man kaum merkt, wie tief er geht.

    9. Orphan Black (2013–2017)

    Orphan Black war, lange bevor Severance das Konzept in eine Near-Future-Dystopie übersetzte, die Serie über das fragmentierte Selbst. Tatiana Maslany spielt gleich ein Dutzend Klone und macht jeder Figur mit eigener Stimme, Haltung und Verletzlichkeit einzigartig. Zwischen Bioethik, Überwachung und Identitätschaos entwickelt das Schauspielkunststück ein Tempo, das philosophische Fragen nicht rein theoretisch, sondern vor allem körperlich erzählt. 

    Im Gegensatz zum nüchtern-technologiekritischen Blick von Severance bleibt Orphan Black eher ein energiegeladener Thriller: Zugänglich, temporeich, aber nie banal. Und anders als Pluribus besteht die Serie darauf, dass Multiplikation des Ichs nicht immer Auflösung bedeutet, sondern manchmal auch Selbstfindung.

    8. Tales from the Loop (Prime Video, 2020)

    Tales from the Loop übersetzt Science-Fiction in Nachdenklichkeit. Basierend auf einem Artbook des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag erzählt die Serie von einer Kleinstadt, in der das Alltägliche und das Unmögliche ineinanderfließen. Roboter, Zeitschleifen und verschobene Realitäten erscheinen nicht als Spektakel, sondern als natürliche Erweiterung menschlicher Sehnsüchte. 

    Jede Episode fragt leise, was Erinnerung, Verlust und Identität bedeuten, wenn Technologie selbst zu einer Form von Intimität wird. Im Gegensatz etwa zur epischen Breite von Westworld, bleibt Tales from the Loop introspektiv: eine Sammlung stiller Parabeln über das Leben im Schatten des Fortschritts.

    7. Matrjoschka (2019–2022)

    Nadia stirbt – und wacht wieder auf: Aus dieser simplen Zeitschleife macht Matrjoschka ein metaphysisches Puzzle über Selbsttäuschung und Reue. Natasha Lyonne spielt die ewig Wiedergeborene mit einer Mischung aus Zynismus und Zärtlichkeit, die an The Truman Show erinnert. Der Humor der Serie ist schneidend, ihre Tiefe beiläufig, ihr Existenzialismus von Zigarettenrauch durchzogen

    Matrjoschka ist weniger Sci-Fi im technischen Sinn als eine Reflexion über Zeit, Trauma und weibliche Autonomie. Gegenüber dem kühlen Intellekt von Severance wirkt Matrjoschka anarchisch verspielt, fast punkig. Am Ende steht die Einsicht, dass Erkenntnis oft mit Wiederholung beginnt  und, dass Scheitern manchmal die ehrlichste Form des Fortschritts ist.

    6. Black Mirror (2011–)

    Black Mirror bleibt das Referenzwerk, gegen das sich alle „Mindfuck“-Sci-Fi-Serien, die danach kamen messen lassen müssen: Kaum eine andere Produktion dieses Jahrtausends zeigte derart konsequent, wie Technologie menschliche Abgründe spiegelt und schärft, wie Charlie Brookers Anthologie-Serie. Jede Episode ist ein moralisches Gedankenexperiment, mal brilliant, mal grausam, oft beides. 

    Wer die Serie heute sieht, erkennt: Ihre dystopischen Visionen sind zum Teil längst Alltag. Die späteren Fortsetzungen haben etwas an erzählerische Kraft verloren, aber gerade die frühen Staffeln haben auch nach über einem Jahrzehnt sie nichts von ihrer Relevanz engebüßt – höchstens an (Rest-) Komfort. Und das ist ein großes Kompliment.

    5. Sense8 (2015–2018)

    Die Wachowskis schufen mit Sense8 eine Serie, die den kollektiven Geist feiert, ohne ihn zu fürchten. Acht Menschen auf verschiedenen Kontinenten teilen Bewusstsein, Erinnerungen und Gefühle – eine Utopie der Empathie in Zeiten globaler Fragmentierung. Während Pluribus die Vereinheitlichung als Horror entlarvt, inszeniert Sense8 sie als Befreiung: Glück nicht als Zwang, sondern als etwas, das erst aus dem Miteinander entsteht.

    Die Serie ist emotional, queer, überbordend, manchmal pathetisch – aber in ihrem aufrichtigen, utopischen Wunsch nach Verbundenheit unvergleichlich. Wer den Zynismus von Dystopien satt hat, findet hier das Gegenmodell: Science-Fiction als Liebeserklärung an das Menschliche. Ein globaler Chor, der nicht verbissen nach Harmonien sucht, sondern echte Resonanz.

    4. Devs (2020)

    Alex Garland fragt in Devs, ob Technologie Glaube ersetzen kann. In der goldgetauchten Welt eines Tech-Unternehmens versucht ein Entwickler, den Code des Universums zu entschlüsseln – und findet darin die Grenze zwischen Erkenntnis und Anmaßung. Die Serie ist langsam, meditativ, mitunter schwer, doch sie entfaltet zwischen hypnotischen Bildern eine fast religiöse Gravität. Wie Pluribus behandelt Devs das Verhältnis zwischen freiem Willen und Determinismus, allerdings ohne Spott.

    Devs richtet sich an Zuschauerinnen und Zuschauer, die in Serien eher ein nach spannenden Gedankenexperimenten als Eskapismus suchen. Ein leises, erhabenes Werk über die Arroganz des Wissens, den Wunsch, das Unerklärliche zu verstehen und stattdessen Demut schenkt.

    3. Severance (Apple TV+, 2022–)

    Kaum eine Serie hat das moderne Arbeitsleben so präzise seziert wie Severance. Die Prämisse – eine Firma trennt das Bewusstsein ihrer Angestellten in Arbeits- und Privatperson – wirkt absurd, ist aber erschreckend plausibel. Die sterile Architektur, das kühle Licht, der rhythmische Minimalismus erinnern an Kafka in Corporate Design. Severance ist ein perfekter Begleiter zu Pluribus: Beide erzählen vom Verlust des Selbst als Systemfehler. Beide zeichnen Routine als Horror, die Unterwerfung aber als ein noch viel größeres Übel. 

    Adam Scott spielt die Einsamkeit eines Rades im Getriebe mit entwaffnender Sanftheit. Besonders geeignet für alle, die das Gefühl kennen, sich montags selbst an der Tür abzugeben – und freitags nicht mehr zu wissen, wer man war.

    2. Westworld (2016–2022)

    Westworld bleibt die wohl ehrgeizigste Allegorie über Bewusstsein, Macht und Schöpfung seit Blade Runner. Was als Western-Attraktion beginnt, entfaltet sich zur vielschichtigen Parabel über den freien Willen. Jonathan Nolans Serie ist zugleich intellektuelles Rätsel und melancholisches Epos, das die Hybris der Menschen seziert. In ihrer dritten Staffel verliert sie zwar erzählerisch etwas Fokus, gewinnt aber an politischer Dimension. 

    Wer Pluribus für zu hermetisch hält, findet hier eine zugänglichere, aber nicht weniger verstörende Serie. Für Fans von Ex Machina oder Devs bleibt Westworld ein Muss – visuell erhaben, philosophisch kompromisslos und mit einem der besten Plot Twists der jüngeren TV-Geschichte unvergesslich.

    1. Pluribus (2025)

    Es braucht Mut, um in einer Welt der Spaltung eine Serie über totale Einigkeit zu drehen. In Pluribus infiziert ein außerirdisches Virus die Menschheit mit ewiger Glückseligkeit – nur Carol (Rhea Seehorn), eine verbitterte Bestsellerautorin, bleibt immun. Aus dieser grotesken Umkehrung einer Utopie entsteht eine Meditation über Individualität, Kontrolle unter dem Deckmantel des Guten, und die Schattenseiten, die von Harmonie ausgehen können.

    Pluribus ist keine Wohlfühl-Science-Fiction, sondern wirft verstörende Fragen auf: Was bedeutet Individualität noch, wenn Glück und Gleichheit zur Norm erklärt werden? Was, wenn die Menschheit ohne Ego tatsächlich besser dran ist? Und ist eine Welt ohne Widerspruch wirklich friedlicher, oder nur stiller?

  • Zwischen Glamour und Abgrund: Die besten Filme und Serien mit Jacob Elordi

    Zwischen Glamour und Abgrund: Die besten Filme und Serien mit Jacob Elordi

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Jacob Elordi ist so etwas wie Hollywoods schönster Widerspruch: Ein Schauspieler, der noch immer oft als hübsches Gesicht besetzt wird – und trotzdem beginnt, sich aus dieser Oberfläche freizuspielen. Nach Teenie-Rollen und Glanzprojekten wie The Kissing Booth und Euphoria wagt er sich zunehmend dorthin, wo Schönheit zur Last wird.

    Seine Filmografie gleicht mittlerweile einem Parcours durch Obsessionen, Machtspiele und moralische Brüche: vom aristokratischen Dandy in Saltburn über den gefallenen Helden in The Narrow Road to the Deep North bis zum Monster selbst in Guillermo del Toros Frankenstein. Die folgenden Filme und Serien zeigen, wie er mit Rollen zwischen Begehren und Selbstzerstörung seine eigene Identität als Schauspieler formt.

    9. The Kissing Booth (2018–2021)

    Drei Filme, ein Phänomen – und der Startschuss einer Karriere, die wohl keiner kommen sah. In The Kissing Booth spielt Jacob Elordi den Highschool-Traum Noah Flynn: Impulsiv, sportlich, ein wandelndes Klischeebild jugendlicher Attraktivität. Der Netflix-Erfolg machte ihn weltweit bekannt, aber auch zur Blaupause jener „Streaming-Schönlinge“, die mehr Deko als Drama sind.

    Trotz aller Klischees bringt Jacob Elordi einen gewissen Charme und physische Präsenz ein, die den simplen Plot über Teenagerliebe zumindest schauspielerisch etwas über das Durchschnittsmaß heben. Rückblickend wirkt die Trilogie wie das glänzende Gegenbild zu allem, was Jacob Elordi danach spielen sollte: ein Laborversuch in Oberflächlichkeit, aus dem ein ernsthafter Schauspieler hervorging.

    8. On Swift Horses (2024)

    In Daniel Minahans unaufgeregten Adaption von Shannon Pheadras gleichnamigen Roman wird Jacob Elordi zum Symbol junger Freiheit in einer repressiven Nachkriegszeit. Er spielt Julius, den unberechenbaren Schwager der Protagonistin Muriel (Daisy Edgar-Jones), der sich mit ihr in einem Netz aus Begehren, Geheimnissen und Schuld verstrickt.

    Das Drama, in greller 1950er-Ästhetik gehalten, verlässt sich (allzu) sehr auf Jacob Elordis verletzlicher Körperlichkeit: Sinnlich, rastlos, fast gefährlich. Während andere Rollen ihn als Machtfigur zeigen, ist er hier die Versuchung und ein Archetyp des Verlorenen. On Swift Horses ist ein stiller, beinahe träger Film über Sehnsucht, und Jacob Elordi wird darin zur Projektionsfläche einer Generation, die sich nach Intensität sehnt.

    7. The Mortuary Collection (2019)

    In dieser klug komponierten Horror-Anthologie zeigte Jacob Elordi früh, dass er mehr kann als Teenie-Romantik. The Mortuary Collection verwebt mehrere morbide Geschichten um eine Bestattereinrichtung und erzeugt dabei, trotz wechselnder Tonlagen, eine beständige Atmosphäre aus Unbehagen und schwarzem Humor. 

    In einer der Geschichten spielt er einen Studenten, dessen überheblicher Charme ihn in eine tödliche Falle führt. Der Film selbst ist ein Liebesbrief an das klassische Gruselgenre, gespickt mit makabrem Witz und handwerklicher Raffinesse. Jacob Elordi nutzt seine kurze Screentime, um Präsenz zu beweisen. The Mortuary Collection wurde zum Geheimtipp für Genrefans – und für den Schauspieler zum ersten Beweis, dass hinter seiner Eleganz ein Gespür für das Abgründige steckt.

    6. Oh, Canada (2024)

    Paul Schrader, der ewige Chronist der moralisch Zerrissenen, versammelt in Oh, Canada eine Reihe von Erinnerungsfragmenten eines alternden Filmemachers. Jacob Elordi spielt dabei die jüngere Version der Hauptfigur Leonard Fife – ein ehrgeiziger, unruhiger Mann, der auf der Flucht vor sich selbst ist.

    Die Rolle fordert ein Spiel zwischen Melancholie und Größenwahn – und Jacob Elordi liefert. An der Seite von Richard Gere deutet sich in seinem nuancierten Spiel an, dass seine wahre Stärke im Leisen liegt. Oh, Canada ist kein Film für Massen, sondern ein intimes Psychogramm  und der Schauspieler beweist, dass er auch in Paul Schraders intellektueller Welt bestehen kann.

    5. Priscilla (2023)

    Sofia Coppolas Priscilla dekonstruiert den Mythos “Elvis Presley” – und Jacob Elordi ist ihr idealer Partner dafür. Statt den Rockstar als Ikone zu spielen, mimt er ihn als fragiles Konstrukt aus Charme, Kontrollwahn und Einsamkeit. An der Seite von Cailee Spaeny gelingt ihm das Kunststück, gleichzeitig seltsam magnetisch und durchaus abstoßend zu wirken.

    Anders ausgedrückt: Jacob Elordi verwandelt den König des Rock’n’Roll in einen echten Menschen, gleichermaßen getrieben von Narzissmus und Angst. Sofia Coppola filmt das als schwebendes Trauerspiel über Begehren und Abhängigkeit. Mit dieser Rolle verabschiedete sich Jacob Elordi endgültig vom Image des Teen-Idols – und fand seine neue Signatur: Verletzlichkeit mit einer gewissen gefährlichen Schärfe.

    4. Frankenstein (2025)

    Guillermo del Toros märchenhafte Adaption des Klassikers macht Jacob Elordi zur Kreatur – zum Geschöpf, das in seiner Einsamkeit göttliche Grausamkeit spiegelt. Mit Oscar Isaac und Mia Goth an seiner Seite spielt er den geborenen Außenseiter als poetische Tragödie. Del Toro ist bekannt für seine empfindsamen Monster, doch Jacob Elordi verleiht diesem eine weitere, verletzliche Dimension: Weniger Zorn als Verzweiflung, weniger Horror als Sehnsucht.

    Nicht zu leugnen ist allerdings, dass Frankenstein den Schauspieler zumindest ein Stückweit wieder auf seine körperliche Präsenz reduzieren will. Durch Jacob Elordi wird Frankensteins Schöpfung auch aufgrund seiner Schönheit zur bemitleidenswerten Kreatur,  was der Vorlage etwas von seiner humanistischen Stärke nimmt, Menschlichkeit im Monströsen zu sehen – unabhängig von seiner Oberfläche.

    3. Euphoria (2019–)

    Mit Euphoria wurde Jacob Elordi berühmt – aber nicht bequem. Seine Rolle als Nate Jacobs, der kontrollsüchtige Quarterback mit väterlichem Trauma, ist ein Meisterstück an jugendlicher Ambivalenz. Zwischen Aggression und innerer Leere, zwischen Machtfantasien und Sehnsucht nach Nähe entfaltet Jacob Elordi auch schauspielerisch eine einnehmende Komplexität.

    Sam Levinsons Skandalserie über die Verlorenheit der Jugend ist formal brillant, visuell radikal und erzählerisch oftmals zu sehr auf den bloßen Schockeffekt aus. Doch Jacob Elordis Darstellung gehört zu den nuanciertesten Schurkenporträts der letzten TV-Jahre – ein Grundpfeiler seiner Karriere, der ihn weit über das Teenie-Fach hinaus katapultierte.

    2. Saltburn (2023)

    Emerald Fennells scharfe Satire über Klasse, Begehren und Zerstörung lebt von ihrer Plakativität – und von Jacob Elordi als Felix Catton. Er verkörpert den verführerischen Aristokraten mit so viel Beiläufigkeit, dass man ihm selbst dann die Gelassenheit glaubt, wenn er sich in Lügen verstrickt.

    Saltburn ist als ein bitteres Ballett aus Manipulation, Voyeurismus und Eskalation angelegt. Jacob Elordi spielt dabei weniger den Menschen als die Projektionsfläche, auf die sich die Wünsche seines aus der Mittelschicht stammenden Freundes (Barry Keoghan) richten. Der Film selbst endet mit einer enttäuschenden Pointe, doch Jacob Elordis Leistung bleibt ein Glanzpunkt: Beängstigend schön, faszinierend leer und schwer zu vergessen.

    1. The Narrow Road to the Deep North (2025)

    Die australische Miniserie nach Richard Flanagans gleichnamigen Roman markiert Jacob Elordis endgültige Reifeprüfung. Als Dorrigo Evans, ein Kriegsgefangener und Überlebender des Baus der thailändischen Eisenbahnlinie, spielt er einen Mann, der zwischen auf sich geladener Schuld, belastendem Status als Held und einer unerfüllten Liebe zerrieben wird. 

    Jacob Elordi trägt die Serie auch in ihren traumatischen Momenten erstaunlich gut – ruhig, körperlich, ohne Pathos. Es ist eine Darstellung, die den Heldenmythos dekonstruiert und menschliche Zerbrechlichkeit, Trauma und Schmerz an seine Stelle setzt. Damit steht The Narrow Road to the Deep North in der Tradition großer Antikriegsgeschichten – mehr Seelenseismografie, weniger Schlachtenspektakel. Ohne Frage Jacob Elordis bislang beeindruckendste Leistung.

  • Alle Doctor Dolittle-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Alle Doctor Dolittle-Filme in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Tiere verstehen und mit ihnen sprechen: Ein Traum, der für Doctor Dolittle Alltag ist. Die Figur aus den Kinderbüchern von Autor Hugh Lofting hat im Lauf der Jahrzehnte viele Gesichter bekommen: Vom singenden Gentleman in der Musicalverfilmung der 60er über den genervten Familienvater in Eddie Murphys Großstadt-Komödien bis zum exzentrischen Abenteurer mit Robert Downey Jr. 

    Die Filme sind so unterschiedlich wie ihre Hauptdarsteller, doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie zeigen eine Welt, in der Tiere nicht nur sprechen können, sondern auch ziemlich viel zu sagen haben. In dieser Liste findet ihr alle Dr. Dolittle-Filme in chronologischer Ordnung und erfahrt außerdem.

    Doctor Dolittle (1967)

    Der erste große Auftritt auf der Leinwand: In der Musicalverfilmung Dr. Dolittle von 1967 schlüpft Rex Harrison in die Rolle des spleenigen Arztes, der lieber mit Tieren als mit Menschen spricht. Die Inszenierung ist opulent, voller bunter Sets, fantasievoller Wesen und ausladender Musiknummern. Die Handlung folgt einer klassischen Abenteuerstruktur mit exotischen Reisen, fantastischen Kreaturen und viel britischem Charme. Der Film mag vielleicht heute aus der Zeit gefallen wirken, ist aber als kuriose Mischung aus Kindheitserinnerung und Musical-Tradition nach wie vor interessant. Die Ausstattung ist liebevoll, die Lieder teils schräg, teils charmant, und die Idee, dass ein Arzt mit einem Lama über Zahnschmerzen spricht, hat auch nach Jahrzehnten ihren Reiz nicht verloren. Besonders für Fans des klassischen Hollywood-Kinos ist dieser erste Dolittle eine sehenswerte Zeitreise.

    Doctor Dolittle (1998)

    Eddie Murphy bringt die Figur in die Gegenwart und damit in ein ganz neues Setting. Statt Landarzt mit Tiersprechstunde im Gartenhaus ist dieser Doctor Dolittle ein gestresster Großstadtarzt, der seine verlorene Fähigkeit wiederentdeckt, Tiere zu verstehen. Was folgt, ist eine Reihe turbulenter Begegnungen mit sprechenden Haustieren, Zootieren und allerlei unerwarteten Patienten. Der Ton ist deutlich moderner, die Gags sitzen, und viele Szenen leben vom Kontrast zwischen Murphys ruhigem Spiel und dem Chaos um ihn herum. Der Film verpasst der Figur ein lautes und schnelles Update und wartet außerdem mit vielen bekannten Synchronstimmen in den Tierrollen auf. Vor allem jüngere Zuschauer fanden daran Gefallen, und auch als Familienfilm funktioniert das Konzept überraschend gut. Die Grundidee bleibt erhalten, wird aber zeitgemäß verpackt und hat Dialogwitz und einenHauptdarsteller im Gepäck, der zwischen Wahnsinn und Sympathie pendelt.

    Doctor Dolittle 2 (2001)

    In Doctor Dolittle 2 bleibt Eddie Murphy seiner Rolle treu und hat diesmal einen neuen Auftrag: Ein geschützter Wald soll gerettet werden, und Dolittle wird zum Vermittler zwischen Mensch und Tier. Der Film wechselt von der Klinik in die Natur, ohne dabei auf den bekannten Tonfall zu verzichten. Die Handlung bringt neue Dynamiken wie die Zusammenarbeit mit einem tollpatschigen Bären und erweitert das Dolittle-Universum um ein Umweltthema, das trotzdem halbwegs leichte Kost bleibt. Die Tiere haben wieder viel zu sagen, und das Tempo bleibt hoch. Nebenbei darf auch diesmal wieder die Familie des Doktors mitmischen. Inhaltlich bleibt zwar alles auf bekanntem Terrain, die neue Umgebung bringt jedoch frischen Wind in die Reihe. Doctor Dolittle 2 schließt zwar an den ersten Teil an, probiert aber neue Schauplätze und Konstellationen aus. 

    Doctor Dolittle 3 (2006)

    In Doctor Dolittle 3 steht nicht mehr der Doktor selbst im Mittelpunkt, sondern seine Tochter Maya, gespielt von Kyla Pratt. Sie hat das Talent ihres Vaters geerbt, hadert aber mit ihrer Verantwortung. Als sie auf eine Ranch geschickt wird, steht sie vor der Aufgabe, nicht nur mit Tieren, sondern auch mit sich selbst klarzukommen. Die Geschichte ist diesmal kleiner angelegt, tritt bodenständiger auf und ist klar auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Der Wechsel der Hauptfigur bringt frischen Wind, und die neue Umgebung gibt Raum für ruhigere, alltäglichere Situationen. Pferde, Hunde und Ziegen helfen Maya dabei zu lernen, sich zu behaupten, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Der Film verlässt das klassische Dolittle-Setting, bleibt aber thematisch dicht an den Vorgängern. Ein Film, der zwar ein bisschen leiser daherkommt, aber im Kern dem Dolittle-Prinzip treu bleibt.

    Doctor Dolittle 4 (2008)

    Auch in Doctor Dolittle 4 steht Maya im Fokus, diesmal in einem Nationalpark, der durch eine PR-Kampagne gerettet werden soll. Die Geschichte nimmt Elemente der Vorgänger auf, versetzt sie aber in eine neue Umgebung mit neuen tierischen Stimmen. Wieder wird Maya zur Vermittlerin zwischen Menschen, Behörden und wilden Tieren, und das natürlich mit all den kleinen Katastrophen, die dazugehören. Auch Doctor Dolittle 4 behält den familientauglichen Ton bei und setzt auf einfache Konflikte und sympathische Figuren. Die Kulisse ändert sich zwar, die Formel bleibt aber vertraut: Tiere reden, Menschen reagierenund Maya wächst an ihren Aufgaben. Manche Szenen erinnern an klassische Sommerlager-Komödien, andere setzen auf bewährte Slapstick-Momente. Die Reihe wird hiermit in altbekannter Weise fortgesetzt.

    Doctor Dolittle 5 (2009)

    In Doctor Dolittle 5 geht Maya Dolittle nach Hollywood, wo sie als tierische Beraterin Karriere machen soll. Schnell merkt sie allerdings, dass Glanz und Glamour nicht alles sind. Der Film spielt mit bekannten Motiven der Branche und bleibt dabei leichtfüßig und unkompliziert. Auf tierischer Seite wird aufgestockt: Jetzt gibt es sprechende Möpse, schlaue Papageien und verwöhnte Schoßhunde im Designer-Pelz. Wieder steht die Kommunikation mit Tieren im Mittelpunkt, erneut ergänzt um Themen wie Eigenständigkeit und Selbstfindung. Die Kulisse ist neu, die Formel bleibt gleich: Maya lernt, Grenzen zu setzen und hört dabei wieder vor allem gut zu. Der Ton ist freundlich, der Verlauf vorhersehbar, aber genau das macht ihn für ein junges Publikum und Doctor Dolittle-Fans zugänglich.

    Die fantastische Reise des Dr. Dolittle (2020)

    Robert Downey Jr. übernimmt die Rolle in einem aufwändig produzierten Reboot, das die Geschichte als Abenteuerfilm neu denkt. Statt Großstadt oder Landarztpraxis gibt es bei Die fantastische Reise des Dr. Dolittle ein quasi-fantastisches Setting, Seereisen, sprechende Tiger, schrullige Piraten und einen Drachen mit Verdauungsproblemen.

    Der Film verlässt bewusst die Komödienformel und orientiert sich mehr am klassischen Abenteuerkino. Downey spielt den Doktor als zurückgezogenen, leicht verschrobenen Einzelgänger, der erst im Laufe der Handlung wieder Vertrauen zu anderen gewinnt - und damit sind sowohl Mensch als auch Tier gemeint. Die Tierfiguren sind aufwendig animiert, und der Look auf Hochglanz poliert. Manche Szenen wirken ein wenig überladen, andere hingegen überraschend verspielt. Die fantastische Reise des Dr. Dolittle ist eine Neuinterpretation mit eigener Bildsprache und deutlich anderem Tonfall als alle bisherigen Dolittle-Filme und präsentiert eher Reise als Routine.

  • 6 X-Men-Schurken, die wir immer noch nicht in Live-Action gesehen haben

    6 X-Men-Schurken, die wir immer noch nicht in Live-Action gesehen haben

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Fans des MCU-Universums wissen es ganz genau: Die Liste an Marvel-Bösewichten, die uns über die Jahre auf der Leinwand begegnet sind, ist lang – von ikonisch (Thanos) über charismatisch (Loki) bis hin zu vollkommen belanglos (Malekith, wir sehen dich). Auch das X-Men-Franchise hat mit Magneto, Mystique und Co. abgeliefert. Aber: Das war längst nicht alles.

    Wer die Comics kennt, weiß, dass da noch einiges im Schatten lauert – klüger, gefährlicher, abgründiger als alles, was bisher im Live-Action-Rampenlicht stand. Und Marvel? Hält sie uns seit Jahrzehnten vor, als wären wir zu schwach für echte narrative Komplexität. Genug damit. Hier kommen sechs Schurken, die endlich aus dem Panel auf die Leinwand gehören. Das Potenzial, da sind wir uns sicher, wäre enorm.

    1. Mister Sinister – vorher zu sehen in  X-Men: The Animated Series (1993–1997) und X-Men ’97 (2024– )

    Wohl kein X-Schurke wurde öfter angeteasert und konsequenter übergangen als Mister Sinister. In X-Men: Apocalypse tauchte sein Firmenlogo auf, Logan – The Wolverine spielte mit dem Namen Essex – aber statt dem Auftritt kam: Abspann. Dabei wäre Nathaniel Essex der perfekte Antagonist für das postapokalyptische Mutantenzeitalter gewesen – brillant, manipulativ, genverliebt, dabei visuell irgendwo zwischen viktorianischem Dandy und Horror-Rockstar. Während Apocalypse die großen mythologischen Linien zog, hätte Sinister als eleganter Puppenspieler im Hintergrund brillieren können. Eine Figur mit Stil, Skrupellosigkeit und Substanz. Hey, Marvel: Die Bühne steht bereits. Er braucht nur noch einen Auftritt. Und mal ehrlich: Wenn jemand es schafft, Wissenschaft, Dekadenz und Sadismus so charmant zu vereinen, dass man ihm fast verzeiht – dann er. Mister Sinister wäre der Bösewicht, der dem MCU endlich wieder Eleganz und Abgrund zugleich verpasst.

    2. Onslaught – vorher zu sehen in X-Men: The Animated Series (1993–1997)

    Ihr wollt einen Schurken, der eigentlich gar nicht ins Marvel-Schema passt? Einen, der größer ist als das klassische „Gut gegen Böse“, der statt Muskeln und Mut einfach Bewusstsein als Waffe benutzt – und dabei gleichzeitig Prophet, Dämon und Spiegelbild ist? Dann ist Onslaught euer Mann. Wobei – der „Mann“ aus purer Psychose und Telepathie ist gar kein Mann, sondern die Manifestation all dessen, was Charles Xavier und Magneto über Jahrzehnte verdrängt haben. Der Hass, die Schuld, der moralische Größenwahn – alles, was die X-Men jemals gefürchtet haben, vereint sich in dieser geformten Gedankensphäre aus purer Macht und Wahnsinn.

    Geboren aus einem einzigen Moment geistiger Explosion, ist Onslaught weniger Figur als Konzept, weniger Feind als Katastrophe. In X-Men: The Animated Series (1993–1997) blitzt seine Präsenz nur kurz auf – aber jeder, der diese Folgen kennt, spürt: Da ist mehr. Etwas Schwebendes, Bedrohliches, das hinter den Augen der Helden lauert. Und ehrlich gesagt – was wäre furchteinflößender als die Vorstellung, dass Professor X selbst die ultimative Waffe gegen die Menschheit erschafft, einfach, weil er sie zu sehr retten will? In einer Live-Action-Version könnte Onslaught endlich das tun, was Marvel sich seit Jahren nicht traut: Superhelden wieder an die Grenze ihrer eigenen Moral treiben. Keine CGI-Massenkeilerei, keine Multiversums-Exzesse – sondern ein metaphysischer Albtraum, der sich in den Köpfen abspielt. Xavier gegen Xavier. Magneto gegen seine eigene Idee von Freiheit. Und wir, das Publikum, mitten in einem Gedankengewitter, das aussieht wie ein Fiebertraum zwischen Akira, Inception undThe Cell.

    3. Selene (Black Queen) – vorher zu sehen in Wolverine and the X-Men (2008)

    Klassisch, anachronistisch, gewichtig: Manche Schurken drängen sich nicht in den Vordergrund. Sondern: Sie wirken aus dem Schatten, uralt, unbegreiflich, fast religiös. Selene ist eine solche Figur, und wir finden: Sie sollte dringend einen eigenen Film bekommen. Zwar hatte sie in Dark Phoenix einen Kurzauftritt, aber die wahre Selene hat das Kino noch nicht gesehen. Eine Mutantin, die seit der Antike lebt, Lebensenergie wie Atemluft in sich aufnimmt, und Magie praktiziert, die nicht leuchtet, sondern verschlingt. Als Teil des Hellfire Clubs bewegt sie sich in einer Welt aus Macht, Dekadenz und Tod. Kein Zufall, dass sie aussieht wie eine Göttin aus einem vergessenen Pantheon. Selene wäre keine Villain-of-the-Week – sondern fast schon eine mythologische und lange in Erinnerung bleibende Wunde im Marvel-Universum. Sie ist die Verkörperung dessen, was passiert, wenn Unsterblichkeit zur Sucht wird – schön, gefährlich, unersättlich. In ihren besten Momenten wirkt Selene wie ein Crossover aus Elizabeth Bathory und einer satanischen Cleopatra. Ein Live-Action-Film mit ihr wäre kein klassischer Superheldenstreifen, sondern ein dunkles Opernspiel über Macht, Blut und Ewigkeit.

    4. Exodus (Bennet du Paris) – vorher zu sehen in  X-Men ’97 (2024)

    Eines steht fest: Die wahre Apokalypse trägt kein Schwert, sie trägt in erster linie eines: Überzeugung. Exodus ist genau das. Er ist kein Schurke, bestimmt auch kein kein Retter, sondern ein in Glauben gegossener Flächenbrand. Ein ehemaliger Kreuzritter, verflucht durch Zeit und Dogma, halb Engel, halb Fanatiker, und gefährlich gerade deshalb, weil er glaubt, Gott selbst würde ihm die Richtung weisen. Er kämpft nicht für Macht, er kämpft für Wahrheit – und das ist immer der Moment, in dem die Welt zu brennen beginnt.

    Bennet du Paris, dieser Name hallt wie ein Gebet aus einer kaputten Kathedrale. Er überlebte Jahrhunderte, Imperien, Ideen. Er war Soldat, Prophet, Ketzer. Heute wäre er der Messias, vor dem Magneto knien würde, wenn er nur den Mut dazu hätte. Exodus hebt die Hand, und Armeen fallen. Er denkt einen Satz zu Ende, und Städte zerfallen zu Staub. Seine Kräfte – Telekinese, Telepathie, Regeneration – sind bloß Werkzeuge einer größeren Obsession: einer göttlichen Ordnung, die nur durch Feuer wiederhergestellt werden kann. In einem Film würde er nicht auftreten – er würde erscheinen. Kein Donner, keine Explosion, nur ein Mann im Mantel, der an dich glaubt, während er dich vernichtet. Eine Figur, die zwischen den Zeilen von Ginsbergs Howl leben könnte: „I saw the best minds of my generation destroyed by madness, starving hysterical naked“ – und Exodus wäre der, der sie dort lässt.

    5. Emplate – vorher zu sehen in keiner Animationsserie

    Einer, der unbedingt ebenfalls einen Live-Action-Auftritt verdient hätte, ist Emplate – ein Mutant aus Generation X, dessen Bedrohung nicht durch rohe Zerstörung entsteht, sondern durch eine existenzielle Störung der Wirklichkeit. Emplate ernährt sich von der Lebensenergie anderer Mutanten, indem er sie über die Wirbelsäule aussaugt – ein Prozess, der seine Opfer verstummen lässt, ihre Identität auflöst und sie in ein leeres, willenloses Dasein stürzt. Er existiert zwischen den Dimensionen, ein Wesen, das nicht ganz hier und nicht ganz dort ist, körperlich deformiert und durch ein unheimlich zischendes Atemgerät entmenschlicht. Seine Erscheinung wirkt wie ein Fiebertraum aus Hellraiser, The Cell und Cronenbergs Die Fliege – ein visuelles Echo aus Albträumen, verstörend und tragisch zugleich.

    6. Shadow King

    Okay, jetzt wird’s metaphysisch. Der Shadow King ist kein Körper, kein klassischer Feind – sondern ein Bewusstsein, das sich in Gedanken einnistet, in Träumen wächst und Persönlichkeiten von innen heraus zersetzt. Kein Feind, den man besiegen kann. Nur einer, dem man widerstehen muss. Er ist der dunkle Spiegel des X-Men-Universums: kein zerstörerisches Monster, sondern ein Parasit aus Schmerz, Machtgier und uralter Bosheit. Ein Dämon der Identität – geboren aus kollektiver Wut, gespeist von Traumata. In der Serie Legion wurde seine zerstörerische Eleganz bereits angedeutet – stilisiert, surreal, zutiefst beunruhigend. In einer Ästhetik zwischen Delirium und Design. Aber auf der großen Leinwand? Schweigen. Dabei bietet der Shadow King genau das, was moderne Superheldenfilme oft vergessen: eine Bedrohung, die nicht durch Muskelkraft oder Magie zu lösen ist, sondern durch psychische Integrität. Er steht für Kontrollverlust, für das Flackern zwischen Ich und Nicht-Ich. Für eine Realität, die sich auflöst wie Rauch. Kein Finale in Flammen, keine grelle Lösung, nur der lange Schatten einer zerstörten Identität.Dafür ein leiser, langsamer Zerfall. Sollte Marvel mal etwas tiefer gehen wollen? Wir wüssten da, wie.

  • Die zehn besten Filme mit Tom Hardy

    Die zehn besten Filme mit Tom Hardy

    Oliver Baumgarten

    Oliver Baumgarten

    JustWatch-Editor

    Der britische Schauspieler Tom Hardy ist ein Phänomen. Er ist als Actionstar in Hollywoods Spektakelfilmen ebenso zuhause wie in unabhängigen Produktionen und auf den Roten Teppichen internationaler Preisverleihungen. Sein Spiel ist auf extreme Weise physisch ausgelegt, seine dominierenden Themen drehen sich um Macht und Gewalt, und sein Körper sorgt für eine massive Leinwandpräsenz.

    Im Gegensatz zu Kollegen wie etwa Jason Statham setzt er seine Physis aber nicht ausschließlich für Kämpfe und Stunts ein, sondern im besonderen Maße für eine erstaunliche Wandelbarkeit – sie ist die Basis seiner Schauspielkunst, die im Kino so gut funktioniert wie auf dem Bildschirm oder im Theater, wo seine Karriere begann. Sein Kinofilmdebüt gab er in Ridley Scotts Black Hawk Down (2001), worauf viele weitere unterschiedliche und spannende Rollen folgten. Wie wandelbar er ist, zeigen alleine seine beiden Auftritte von 2025 im Actionthriller Havoc und in Guy Ritchies Gangsterserie MobLand: Selten haben Eigenschaften wie Härte und Brutalität von einem Schauspieler derart unterschiedlichen Ausdruck erhalten.

    Wir stellen Euch zehn der besten Filme mit Tom Hardy in chronologischer Reihenfolge vor.

    1. Bronson (2009)

    Drive-Regisseur Nicolas Winding Refn erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Michael Peterson, der sich selbst Charles Bronson nennt und der es in England als gewalttätiger Dauersträfling zu einigem Ruhm gebracht hat. Der 92-minütige Film ist geprägt von einer eigenwilligen und irgendwie irren Atmosphäre aus harter Gewalt, überkandideltem Humor und naiv-ironischem Kunstgehabe – was in der Mischung entfernt an Kubricks Uhrwerk Orange (1971) erinnert. Gelungen ist das vor allem, weil Tom Hardy die perfekten Zwischentöne findet, um diese Pole so auszubalancieren, dass der Film einen stimmigen und treffsicheren Punch hat.

    2. Inception (2010)

    In Christopher Nolans komplexem und bombastischem Sci-Fi-Thriller ist Tom Hardy zwar nicht der „Leading Man“, das ist zweifellos Leonardo DiCaprio. Dafür beweist er mit seiner Rolle des Eames, wie gut er ein Ensemble mit seiner Präsenz (hier insbesondere mit seinem Witz) zu bereichern vermag. Mit Eames hat ihm Nolan außerdem eine Rolle anvertraut, die als Miniatur ein bisschen wie der Schauspieler Tom Hardy selbst funktioniert: Als Teil des Teams, das Träume anderer Menschen kapert, schlüpft er immer wieder in verschiedene Rollen – Eames besitzt also Tom Hardys ureigenste und augenscheinlichste Fähigkeit: enorme Wandelbarkeit. Nolans 148 Minuten dauernder Arthouse-Blockbuster bedeutet für Hardy den internationalen Durchbruch.

    3. Warrior (2011)

    Gavin O’Connors Kampfsportdrama erzählt über 140 Minuten die Geschichte zweier zerstrittener Brüder, die einen Wettkampf in Mixed Martial Arts bestreiten und im Finale aufeinandertreffen. „Warrior“ ist erneut ein extrem physisch funktionierender Film, in dem Gewalt zum Symbol innerer Befindlichkeiten der Figuren wird. Ähnlich wie Rocky (1976), auf den der Film im Bild hier und da auch anspielt, ist „Warrior“ im Kern ein Sozialdrama, das sich in knallharte Kampfbilder kleidet. Es legt für Tom Hardy endgültig den Grundstein für seinen Ruf als kampferprobter Actionstar, der, so ist zu lesen, auch privat ein Faible für verschiedene Kampfsportarten hat.

    4. The Dark Knight Rises (2012)

    Nach Inception besetzt Christopher Nolan erneut Tom Hardy und vertraut ihm in seinem düsteren 165-minütigen Batman-Film die Rolle des Schurken Bane an. Hardys einschüchternde Präsenz verleiht Bane eine enorme Bedrohlichkeit. Wieder erzeugt Hardy das durch gezielten Einsatz seiner Physis, diesmal verstärkt durch das Tragen einer futuristisch anmutenden Maske, die Bane permanent mit Schmerzmittel versorgt. Ohne Zweifel gehört Bane zu den am meisten angsteinflößenden Gegenspielern der DC- und Marvel-Filme und setzt Bruce Wayne bzw. Batman mächtig zu. Angeblich soll sich Tom Hardy für die Rolle rund 14 Kilogramm zusätzliche Muskelmasse antrainiert haben. The Dark Knight Rises ist ein Fest für alle, denen übliche Superheldenfilme zu gewöhnlich sind.

    5. No Turning Back (2014)

    Einen gänzlich anderen Tom Hardy gibt es in Steven Knights No Turning Back zu erleben. Hardy spielt Ivan Locke, der plötzlich erfährt, dass die Frau, mit der er einen One Night Stand hatte, in der Entbindungsstation liegt. Statt zu seiner Familie fährt er zu ihr, um Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Die gesamte Lauflänge von 85 Minuten sehen wir nur Locke im Auto auf der Fahrt nach London, während der sich in zahlreichen Telefonaten sein gesamtes Leben umkrempelt. Eine grandiose Sololeistung von Tom Hardy, der die fesselnde Dramatik des Films allein auf seinen Schultern trägt. Der sonst so körperlich agierende Hardy darf hier nur sitzen und begeistert durch seinen Ausdruck, seine Stimme und die Sorgenfalten hinter einem nachlässig rasierten Vollbart. Faszinierend: Nichts erinnert mehr an den knallharten Actionstar.

    6. Mad Max: Fury Road (2015)

    2015 ist das Jahr von Tom Hardy. Gleich drei ausnehmend starke Filme zementieren seinen Status als Star des außergewöhnlichen Hollywood-Blockbusters. Der lange sehnsüchtig erwartete vierte Teil der Mad Max-Reihe wurde schon in Cannes gefeiert und auch später von Kritik und Publikum hochgelobt. Hardy übernahm von Mel Gibson die Rolle des Max und gibt damit den verrückt-brutalen Ton des zweistündigen Films an, dessen Look und Feel zwar von George Miller modernisiert wurde, der aber trotzdem noch den Atem der 1980er-Endzeit verbreitet. Irrwitzige Figuren, eine rücksichtslose Jagd nach Macht und ein hohes Tempo mit real ausgeübten Stunts: Wer, wenn nicht Tom Hardy, könnte ein derart durchgeknalltes Gewaltepos mitprägen und auf ein neues Level heben?

    7. The Revenant – Der Rückkehrer (2015)

    Wie schon in Inception spielt Tom Hardy auch hier an der Seite von Leonardo DiCaprio, diesmal allerdings als dessen knallharter Gegenspieler. Alejandro González Iñárritus intensiver, spannender und visuell meisterhafter Western-Survival-Thriller schöpft seine initiale Energie aus der Bösartigkeit von Hardys Figur und dem daraus resultierenden Konflikt. Kampf ums nackte Überleben, gepaart mit Habgier und kalter Brutalität: Tom Hardy spielt seine Figur gegen alle Sympathien und bringt der Erzählung dadurch einen maximalen emotionalen Schub. Für seine Leistung wurde Hardy mit einer Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller geehrt. Sie bedeutete seinen endgültigen Eintritt in die Riege der Top-Hollywoodstars.

    8. Legend (2015)

    Zahlreiche Preise gewann Tom Hardy auch für diesen dritten für ihn wegweisenden Film des Jahres 2015. Im 132 Minuten umfassenden Legend spielt er die Doppelrolle eines legendären Gauner-Zwillingspaares, das in den 1960er Jahren das Londoner East End unsicher machte. Gewalt, Macht und Hardys Physis stellen auch in Brian Helgelands Gangster-Biopic wichtige Elemente dar. Was der doppelte Hardy hier aber an unterschwelliger Komik in Mimik und mit breitestem Cockney beifügt, eröffnet eine herrliche neue Facette. Insbesondere die vielen Momente, in denen beide Figuren gemeinsam im Bild sind – der eine tough und rough, der andere zarter und smarter – faszinieren allein schon durch die komplett unterschiedliche Körperspannung der beiden. Griffige und prägnante Doppelrollen-Action ohne die komödiantische Ebene eines Geballte Ladung – Double Impact (1991) oder Twin Dragons – Das Powerduo (1992).

    9. Venom (2018)

    „Wie geht’s dir, Eddie, du siehst schrecklich aus!” „Ach so, ich habe einen Parasiten.” Mit großer Lakonie verkörpert Tom Hardy seinen Marvel-Antihelden Eddie, der mit einer außerirdischen Lebensform zu Venom verschmilzt. Der 112-minütige Film bedient mit Genuss die düsteren Motive klassischen Bodyhorrors und nimmt damit im Superhelden-Kosmos eine besondere Stellung ein. Angesichts von Tom Hardys Karriere erscheint es fast als logische Konsequenz, dass er – nach dem so einprägsamen Schurken in The Dark Knight Rises – seine eigene Superhelden-Rolle bekommt: Seine Mischung aus Kraftprotz, Verwandlungskünstler und der Fähigkeit, sich selbst nicht immer ernst zu nehmen, prädestiniert ihn dafür. Mit den Fortsetzungen Venom: Let There Be Carnage (2021) und Venom: The Last Dance (2024) hat es seine Figur bis dato zu drei eigenständigen Filmen gebracht.

    10. Havoc (2025)

    Für Gareth Evans’ Havoc kehrt Tom Hardy zurück zum ultraharten Crime-Thriller mit Martial-Arts-Elementen à la Warrior. Ganz bewusst erinnern Momente dieses blutigen Kampf- und Schießerei-Spektakels an die Hochzeiten des u.a. von John Woo geprägten Hongkong-Thrillers der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Hardy spielt den korrupten Cop, der eine Verschwörung aufdeckt, was ihn buchstäblich ins Kreuzfeuer aller Beteiligten katapultiert. Für Liebhaber ausgeklügelter Action-Choreografien dürften die 107 Minuten Havoc genau das Richtige sein.

  • Anime-Meisterwerke, die das Kino verändert haben

    Anime-Meisterwerke, die das Kino verändert haben

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Große Ideen inspirieren große Ideen – und das grenz- und genreübergreifend. Fans von Anime wissen es längst: Oft kommen die größten Einfälle der Popkultur aus Japan – und schwappen, manchmal Jahrzehnte später, nach Hollywood. Immer wieder dienten Anime-Meisterwerke aller Subgenres als Ausgangspunkt für Kinoideen, die das westliche Erzählen nachhaltig verändert haben.

    Von futuristisch-cyberpunkigem Nihilismus bis zu blutrünstigem Melodrama über Identität, Verlust und Selbstzerstörung – was einst in Tokyo gezeichnet wurde, fand seinen Widerhall in Los Angeles. Anime war nie bloß Unterhaltung, sondern Labor für Visionen, in denen Technik, Körper und Bewusstsein aufeinanderprallen. Hollywood sah hin – und lernte. Diese Anime haben Regisseure wie Christopher Nolan, Darren Aronofsky, die Wachowskis, die Duffer Brothers oder Michael B. Jordan geprägt.

    1. „Perfect Blue“  (1997) als großer Einfluss für Darren Aronofsky

    Keine Frage: Perfect Blue von Regisseur Satoshi Kon war seiner Zeit weit voraus. Ein Meisterwerk des psychologischen Horrors – mit jeder Menge Stil, Subtext und Schockmomenten – und ein riesengroßer Einfluss auf das westliche Kino. Besonders Regisseur Darren Aronofsky war vom Film mehr als begeistert. Er war regelrecht besessen – so sehr, dass er die Rechte an Perfect Blue kaufte, nur um eine Szene exakt nachstellen zu dürfen. So hielt der verstörende Badewannenmoment aus Kons Werk auch in Requiem for a Dream Einzug. Später übernahm Aronofsky die zentralen Motive – Identitätsverlust, öffentlicher Druck, psychischer Zusammenbruch – erneut in Black Swan. Beide Filme kreisen um denselben Abgrund: den Zerfall des Selbst im Scheinwerferlicht. Perfect Blue zeigt die fragile Grenze zwischen Persona und Person, zwischen Beifall und Wahnsinn. Der Film war nicht nur ein Thriller, sondern ein Spiegel für das Medienzeitalter, das gerade erst begann. Heute, im Zeitalter von Social Media, wirkt er nahezu prophetisch. Wo Aronofsky Ballett und Pathos wählt, bleibt Kon klinisch präzise, beunruhigend real. Es gibt kaum ein westliches Psychodrama, das nicht etwas von Perfect Blue geerbt hat – und wer Aronofsky verstehen will, sollte sich mit Perfect Blue zumindest einmal beschäftigt haben.

    2. „ Paprika“ (2006) – Inspiration für Christopher Nolans „Inception“

    Was ist denn schon bitte echt – also wirklich real? Diese Frage steht nicht nur im Zentrum von Satoshi Kons Paprika, sondern wurde fünf Jahre später auch in Christopher Nolans Sci-Fi-Klassiker Inception gestellt. Das große Fragezeichen: Wo endet der Traum, und wo beginnt das Bewusstsein? Zwischen Paprika und Inception gibt es etliche Parallelen – etwa das unbändige Spiel mit Realitätsebenen, das stets hinterfragende Verhältnis von Kontrolle und Chaos oder die obsessive Suche nach Identität im Inneren des eigenen Kopfes.

    Der Unterschied? Während Paprika taumelt, tanzt und sich in seine Traumwelten verliebt, seziert Nolan sie mit kühler Präzision. Kon macht Kino wie Träumen im Fieber – schillernd, surreal, gefährlich schön. Nolan baut daraus einen architektonischen Albtraum, perfekt konstruiert, aber fast schon steril. Paprika dagegen lebt: ein Wirbel aus Farben, Symbolen, Gesichtern und Sehnsüchten, ein Film, der sich selbst verschlingt und dabei Wahrheit in Bewegung verwandelt. Wenn sich bei Nolan die Stadt faltet, ist das spektakulär – bei Kon ist es emotional. Es ist die Angst, sich selbst zu verlieren, und der Wunsch, nie wieder aufzuwachen. Und mal ehrlich: Wer Paprika gesehen hat, weiß längst – Inception war nie ein Traum. Es war ein Déjà-vu.

    3. „Ghost in the Shell“ (1995) – Inspiration für „The Matrix“ der Wachowskis

    Futuristische, post-cyberpunkig anmutende Stadtlandschaften, Körper, die sich den Gesetzen der Physik widersetzen, und eine Ästhetik zwischen Neonlicht und cölligem Nihilismus: Ghost in the Shell setzte die Messlatte für das Science-Fiction-Kino der 1990er-Jahre unerreichbar hoch. Regisseur Mamoru Oshii erschuf ein Werk, das ebenso kühl wie spirituell ist – eine Meditation über Bewusstsein, Identität und die Zerbrechlichkeit des „Ich“ in einer digitalisierten Welt. Noch heute berufen sich Dutzende Regisseure auf diesen Klassiker, doch kaum jemand so offen wie Lana und Lilly Wachowski (damals noch Larry und Andy).

    Bevor The Matrix die Welt aus der Steckdose zog, zeigten die Wachowskis Ghost in the Shell bei Warner Bros. als Pitch. „So soll unser Film aussehen“, sagten sie den Berichten nach– und bekamen grünes Licht. Der Rest ist Kinogeschichte. Der digitale Regen, die grünen Code-Zeilen, die Verschmelzung von Körper und Maschine – all das kann und muss als Reminiszenz an Oshii gesehen werden. Doch während The Matrix seine Ideen in Latex, Leder und Maschinengewehrfeuer hüllte, bleibt Ghost in the Shell deutlich elegischer. Cyberphilosophie trifft auf Körperpolitik, Technologie auf Transzendenz. 

    4. „Elfen Lied“ (2004) – Inspiration für „Stranger Things“ von den Duffer Brothers

    Mit Stranger Things schufen die Duffer Brothers eine der erinnerungswürdigsten Serien der letzten Dekade – ein Retro-Märchen zwischen Nostalgie, Neonlicht und Nervenzusammenbruch. Ihre Einflüsse? Mannigfaltig. Von Stephen King bis John Carpenter, von E.T. bis Akira – und, oft übersehen, vom verstörend schönen Anime Elfen Lied. Schon die Parallelen zwischen der Protagonistin Lucy und Elevens Figur sind unübersehbar: zwei junge Mädchen mit telekinetischen Kräften, Opfer grausamer Experimente, zwischen Menschlichkeit und Monstersein gefangen. Elfen Lied, 2004 von Mamoru Kanbe inszeniert, war nie ein reiner Horror-Anime, so einfach macht es einem der Film mitnichten. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Tragödie über Einsamkeit, Trauma und das Scheitern der Menschheit am eigenen Mitgefühl. Die Mischung aus expliziter Gewalt, zarter Melancholie und moralischem Dilemma hat Spuren hinterlassen, die bis Hawkins reichen. Bestätigt haben die Duffer Brothers den Einfluss zwar nie, aber man kann ihn doch deutlich spüren.

    5. „Dragon Ball Z“ (1989–1996) – Inspiration für „Creed III“ von Michael B. Jordan

    Ein Anime als Inspiration für einen US-Boxfilm? Klingt zunächst nicht ganz naheliegend – ist es aber. Dragon Ball Z ist in Creed III nämlich allgegenwärtig. Etwa in Michael B. Jordans Regiehandschrift oder in der Art, wie er physische Auseinandersetzungen inszeniert: nicht als sportlichen Wettkampf, sondern als metaphysische Selbstprüfung. Jordan lässt keinen Zweifel daran, dass Dragon Ball Z für ihn weit mehr war als nur ein Kindheitsfavorit – es war eine Philosophie.

    Schauen wir uns nur die Kampfszenen an – unter dem Gesichtspunkt der „Saiyajin-Energie“, wenn man so will. Jeder Schlag, jede Zeitlupe, jedes Innehalten ist durchzogen von der Ästhetik Toriyamas: Lichtblitze, Auren, innere Dämonen. Der Hollywood-Star in seiner Rolle als Adonis Creed zeigt regelrecht, wie Körper und Geist, Kampf und Katharsis miteinander verschmelzen.

    Dragon Ball Z war ohnehin nie nur ein Anime – es war eine Schule des Durchhaltens, des Freundschaftsglaubens, des ewigen „Noch-ein-Level-höher“. Und mehr noch: eine spirituelle Choreografie, in der jeder Schlag eine Erkenntnis bedeutet. Creed III übersetzt genau das in Fleisch, Schweiß und Pathos. Wenn Adonis am Boden liegt, kämpft er nicht gegen den Gegner – er kämpft gegen sich selbst. Und wer da noch glaubt, Anime hätten mit westlichem Kino nichts zu tun, hat wohl nie Goku und Apollo Creed im selben Atemzug gedacht.

  • Guillermo del Toros „Frankenstein“ und 10 weitere düstere Monsterfilme

    Guillermo del Toros „Frankenstein“ und 10 weitere düstere Monsterfilme

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Monster sind nie nur das, was sie zu sein scheinen. Sie spiegeln Angst, Schuld, Verlangen und oft auch das Menschliche, das wir lieber verdrängen. Während viele Studios ihre Kreaturen zu Franchises oder Actionfiguren degradieren, bleibt Guillermo del Toro ein Chronist des Tragischen: Seine Monster lieben, leiden, denken – sie sind Spiegel ihrer Schöpfer. 

    Sein Frankenstein knüpft genau daran an: als modernes Märchen über Einsamkeit, Hybris und die Grenzen göttlicher Schöpfung.Doch auch andere Regisseure haben das Monster neu gedacht – als Sinnbild für Trauma, Körper, Gesellschaft oder Begehren. Diese zehn Filme zeigen, wie wandelbar das Grauen sein kann.

    10. King Kong (2005)

    Peter Jacksons King Kong ist mehr als ein modernes Effektgewitter. Sein Remake des Klassikers von 1933 ist zugleich Hommage, Melodram und Tragödie. Naomi Watts spielt die Schauspielerin Ann Darrow, deren Mitgefühl den Riesenaffen zu einem tragischen Helden macht, ein Opfer von Schönheit, Gier und Zivilisation. Peter Jackson gelingt das Kunststück, Monsterfilm und Empathiegeschichte zu vereinen: King Kong ist zugleich Spektakel und elegische Reflexion über Mensch und Natur. Der Film feiert das Kino der 1930er-Jahre, aber auch die Sehnsucht nach Unschuld, die darin steckt. Kein Remake hat das Herz des Originals so gekonnt weiterschlagen lassen.

    9. Hatching (2022)

    Hanna Bergholms Hatching verwandelt verwandelt ein sicheres Zuhause in einen Albtraum aus perfekter Oberfläche und darunter lauernder Verdrängung. Im Zentrum steht ein zwölfjähriges Mädchen, das ein Ei ausbrütet – und damit eine Kreatur gebiert, die ihre unterdrückten Emotionen und den unaushaltbaren Druck einer Familie verkörpert, die Makellosigkeit von ihr erwartet. Das Monster wächst, wie auch die Wut auf die heile Welt der Influencer-Mutter. Bergholm inszeniert Körperhorror als psychologische Metapher: Die Häutung wird zur Selbstbefreiung, das Grauen zum Akt der Identitätsfindung. Hatching zeigt, dass das wahre Monster oft nicht das Fremde ist, sondern das, was man im Inneren so lange zu verbergen versucht.

    8. Die Nacht der lebenden Toten (1968)

    George A. Romeros Night of the Living Dead ist die Geburtsstunde des modernen Zombiefilms – und steckt voller gesellschaftlicher Sprengkraft. Mit minimalem Budget drehte Romero ein nihilistisches Gleichnis über Angst, Medien und Rassismus. Die Zombies selbst sind träge, aber unerbittlich und dienen Spiegel einer Gesellschaft, die ihre Menschlichkeit verliert. Der Film bricht mit Tabus, indem er viel Gewalt zeigt, aber er glorifiziert sie nicht. Und sein Ende bleibt bis heute eine der bittersten Pointen des Kinos. Die Nacht der lebenden Toten ist kein Monsterfilm im klassischen Sinne, sondern eine triftige Moralanalyse: Das wahre Monster ist die Masse.

    7. Gremlins (1984)

    Joe Dantes Gremlins ist ein Wolf im Weihnachtspelz: eine Satire über Konsum, Überforderung und den Horror des Alltäglichen. Die niedlichen Mogwai verwandeln sich bei falscher Behandlung in anarchische Kreaturen und werden so zum Sinnbild einer Kultur, die ihre eigenen Sehnsüchte und Besitztriebe nicht mehr kontrollieren kann. Was als Familienfilm beginnt, wird zum subversiven Kommentar über amerikanische Idylle und Massenkultur. Joe Dantes Humor ist schwarz, seine Monster zugleich grotesk und charmant – ein seltener Fall, in dem die Sympathie klar auf der Seite des Chaos liegt. Gremlins bewies außerdem, dass Horror und Komödie keine Gegensätze sind, sondern Zwillinge sein können: Als zwei Wege, um mit dem Unfassbaren umzugehen. 

    6. The Babadook (2014)

    Jennifer Kents The Babadook revolutionierte das Horrorgenre mit einer einfachen, grausamen Idee: Das Monster ist die Trauer selbst. Amelia (Essie Davis) versucht, nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn zurechtzukommen – bis ein Kinderbuch über den unheimlichen „Babadook“ zum Einbruch des Unbewussten wird. Statt auf Schockeffekte setzt der Film auf psychologische Tiefe: Das Grauen entsteht aus der Überforderung einer Mutter, die sich selbst fürchtet. Der Babadook steht für verdrängte Gefühle, die nicht verschwinden, solange man sie verleugnet. Jennifer Kents Film ist eine Meditation über Verlust, Depression und Mutterschaft – ein Horrorfilm, der wehtut, weil er an der Wahrheit interessiert ist.

    5. Pans Labyrinth (2006)

    Guillermo del Toros düsteres Märchen spielt im Spanien der Franco-Zeit und folgt dem Mädchen Ofelia, das in eine magische Unterwelt flüchtet, während die reale Welt von Grausamkeit beherrscht wird. Die fantastischen Kreaturen – der Faun, der bleiche Mann, die bizarren Insektenwesen – sind keine bloßen Monster, sondern Verkörperungen von Angst, Unschuld und Widerstand. Del Toro verbindet politische Realität mit mythischer Symbolik und macht das Fantastische zum Ort moralischer Wahrheiten. Pans Labyrinth ist weniger Eskapismus, als ein Plädoyer für Fantasie als Überlebensinstinkt. Es zeigt Monster als die letzten Wahrheitsboten in einer Welt der Gewalt. 

    4. Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

    John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt ist ein kühler, präziser Albtraum über Misstrauen und Identitätsverlust. In einer arktischen Forschungsstation taucht eine außerirdische Lebensform auf, die jedes Lebewesen perfekt nachahmen kann – und damit jede Sicherheit zerstört. John Carpenters Film zeigt, wie Angst selbst zur ansteckenden Kraft wird: Niemand weiß mehr, wem zu trauen ist. Mit bahnbrechenden praktischen Effekten, Morricones minimalistischem Score und einer beklemmend nüchternen Inszenierung verbindet The Thing (Originaltitel) Körperhorror mit psychologischem Terror. So entsteht ein beunruhigender Film über das Auseinanderfallen von Gemeinschaft.

    3. Nosferatu (2025)

    Robert Eggers, bekannt für The Witch und The Lighthouse, verfilmte den Urtext des Horrorkinos neu: Murnaus Nosferatu (1922). Mit Lily-Rose Depp, Bill Skarsgård und Nicholas Hoult interpretiert er ihn als einen düsteren, gotischen Albtraum. Eggers’ Stil – archaisch, sprachbewusst, voller Symbolkraft – hat den Vampirfilm von der romantischen Glätte jüngerer Adaptionen befreit. Während Dracula (1931) und Francis Ford Coppolas opulente Version von 1992 das Monster zur erotischen Figur machten, holt Eggers die Urangst vor ihm zurück: das Grauen der Pest, des Todes, der Begierde ohne Erlösung. Ein Film, der an die Wurzeln des Mythos geht. Nosferatu ist roh und schön, beunruhigend und metaphysisch geladen zugleich.

    2. Alien (1979)

    Ridley Scotts Alien ist das Paradebeispiel dafür, wie das Monster zum mythischen Archetyp wird. Das Xenomorph, erschaffen von Künstler H.R. Giger, verkörpert zugleich Geburtsangst, Sexualität und Tod – die perfekte biologische Bedrohung. Doch im Zentrum steht Ripley (Sigourney Weaver), deren Überlebenskampf das Genre veränderte. Alien verbindet klaustrophobische Spannung mit existenzieller Furcht: vor dem Körper, dem Kontrollverlust, der Fremdheit. Ridley Scott inszeniert das Weltall als kaltes, indifferent-unheimliches Reich, in dem Menschlichkeit zum Störfaktor wird. Kaum ein Film hat so nachhaltig definiert, was Monsterkino leisten kann – und wie viel Stärke in Isolation liegt.

    1. Bram Stoker’s Dracula (1992)

    Francis Ford Coppolas Dracula ist weniger eine klassische Horrorgeschichte als ein barockes Opern-Drama über Liebe, Verlangen und Verdammnis. Gary Oldman verkörpert den Fürsten der Finsternis als tragischen Liebenden, dessen Jahrhunderte überdauerdne Sehnsucht die Grenzen zwischen Opfer und Täter verwischt. Mit seiner exzessiven Ausstattung, dem Spiel aus Licht, Schatten und dem Körperlichen feiert Francis Ford Coppola das Kino als visuelles Rauschmittel. Der Film verbindet Romantik und Horror zu einer Sinfonie aus Blut und Begehren und dem wohl sinnlichsten Vampirfilm aller Zeiten. Dracula wird hier zur Figur des Schmerzes: Ein Monster, das mehr fühlt als die Menschen um ihn.

  • 10 kranke Contests, die „Squid Game“ wie einen Kindergeburtstag wirken lassen

    10 kranke Contests, die „Squid Game“ wie einen Kindergeburtstag wirken lassen

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Mit weltweit über 100 Millionen Zuschauern gehört Squid Game zu den erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Die Mischung aus absurden Spielen, Sozialkritik und tödlichem Nervenkitzel hat einen Nerv getroffen. Doch Squid Game ist bei Weitem nicht die einzige Produktion, die brutale Wettbewerbe ins Zentrum stellt.

    In dieser Liste zeigen wir dir zehn Filme und Serien, in denen die Spiele noch gnadenloser, perfider oder einfach komplett irre sind. Ideal für alle, die ihre Spannung gerne mit einem Schuss Gesellschaftskritik und einer blutigen Axt serviert bekommen. 

    Saw

    Saw ist nicht einfach nur ein Horrorfilm – es ist der Beginn eines bis heute nachhallenden Franchise, das psychologischen Terror, moralische Dilemmata und sadistischen Einfallsreichtum miteinander verwebt. Der Jigsaw-Killer stellt seinen Opfern perfide Aufgaben: Wer leben will, muss leiden. Die Fallen sind makaber durchdacht, teils chirurgisch präzise, teils symbolisch aufgeladen. Mit jeder Fortsetzung wird das Universum komplexer, inklusive Jigsaws Erben, moralischer Grauzonen und zunehmend verzweifelter Spielfiguren. Wer Squid Game mochte, weil es Schmerz, Schuld und Überlebenswillen gegeneinander ausspielt, findet in Saw die Serienkiller-Version auf Steroiden. Ähnlich wie bei Would You Rather stehen moralische Dilemmata im Zentrum – doch hier werden sie mit chirurgischer Präzision und makabren Fallen ins Extreme getrieben. 

    Battle Royale

    Dieser japanische Klassiker ist ein Meilenstein des dystopischen Kinos: Lange  bevor Squid Game internationale Aufmerksamkeit auf sich zog, ließ Battle Royale das Publikum verstört zurück. Der japanische Kultfilm aus dem Jahr 2000 basiert auf dem gleichnamigen Roman und zeigt eine Schulklasse, die auf einer abgelegenen Insel ums nackte Überleben kämpfen muss. Die Regeln: Jeder gegen jeden, nur ein Überlebender. Dabei werden Freundschaften zerstört, Allianzen gebrochen und menschliche Abgründe offengelegt. Was als staatlich sanktioniertes "Programm" beginnt, entlarvt sich schnell als dystopische Abrechnung mit Autorität, Angst und Gruppenzwang. Im Gegensatz zu The Hunger Games ist das alles roh, ungeschönt und frei von Hollywood-Glanz. Während Katniss Everdeen später zur Symbolfigur einer Rebellion wird, bleibt Battle Royale viel näher am nackten Überlebenskampf.

    Alice in Borderland

    Diese japanische Netflix-Serie kombiniert Survival-Thriller, Mystery, Sci-Fi und Gesellschaftskritik zu einem ebenso stylischen wie verstörenden Gesamtpaket. Ein paar Freunde werden plötzlich in eine verlassene, surreale Version Tokios katapultiert, in der sie tödliche Spiele bestehen müssen, um weiterleben zu dürfen. Jedes Spiel ist mit einem Kartensymbol versehen, das den Schwierigkeitsgrad und die Art der Herausforderung angibt. Hinter der Spielmechanik verbergen sich psychologische Abgründe, existenzielle Fragen und überraschend viel zwischenmenschliche Tiefe. Ähnlich wie Squid Game konfrontiert die Serie ihre Figuren mit moralischen Extremsituationen – aber sie tut es mit deutlich mehr Mystery und philosophischem Unterton. Und während Battle Royale die Gewalt frontal inszeniert, spielt Alice in Borderland stärker mit Mystery und Mind Games. Außerdem wirken die tödlichen Spiele hier wie ein perverses Rätsel-Universum, das mehr mit Escape Room gemeinsam hat als mit Saw. Ideal für alle, die Spannung, Psychospielchen und düstere Fragen über das Wesen der Realität lieben.

    Escape Room

    Escape Room knüpft an das Puzzle-Prinzip aus Alice in Borderland an, ist aber stringenter: Sechs Fremde werden in eine Reihe bizarrer Räume gelockt, in denen sie scheinbar harmlose Rätsel lösen müssen – bis klar wird, dass hier echte Menschenleben auf dem Spiel stehen. Jeder Raum ist auf die Vergangenheit der Teilnehmer zugeschnitten, was für psychologische Tiefe sorgt und über bloßes Gimmick hinausgeht. Der Film greift viele Elemente von Squid Game auf: Fremde Menschen, dunkle Geheimnisse und tödliche Spiele. Es gibt weniger Nihilismus als bei Battle Royale, dafür mehr massentaugliche Hochglanz-Optik. Die dichte Spannung und eine Prise Gesellschaftskritik haben beide Titel gemein.

    The Hunger Games - Die Tribute von Panem

    Wo Battle Royale kompromisslos, roh und schockierend bleibt, übersetzt The Hunger Games das Konzept ins Hollywood-Blockbuster-Format. In der dystopischen Welt von Panem werden Jugendliche aus unterdrückten Distrikten ausgewählt, um in einer Arena ums nackte Überleben zu kämpfen – live im Fernsehen, zur Belustigung der Reichen und als Warnung an alle, die das System infrage stellen. Damit ist das Ganze näher an The Running Man als an Der Kreis. Im Zentrum der Hunger Games steht Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence), die mit Mut, Instinkt und moralischer Zerrissenheit zur Symbolfigur des Widerstands wird. Die Filmreihe ist aber mehr als nur Young-Adult-Dystopie: Sie verhandelt Themen wie soziale Kontrolle, Propaganda, Gewaltverherrlichung und mediale Manipulation – und das auf visuell spektakuläre Weise. Wer Squid Game wegen der gesellschaftskritischen Komponente mochte, bekommt hier ein Hollywood-kompatibles, aber nicht minder kritisches Gegenstück.

    The Belko Experiment

    Ein ganz normaler Arbeitstag – bis plötzlich die Türen des Bürogebäudes verriegelt werden und eine Stimme aus der Sprechanlage befiehlt: Tötet euch gegenseitig, oder ihr werdet sterben. Was klingt wie ein besonders bösartiger Kündigungsprozess, entpuppt sich als makabres Sozialexperiment im Stil von Squid Game. The Belko Experiment versetzt das bekannte Battle-Royale-Prinzip in die triste Welt der Großraumbüros und zeigt, wie schnell kollegiale Freundlichkeit zu tödlicher Paranoia wird. Die Gewalt ist drastisch, wird aber durch schwarzen Humor und bitterböse Satire immer wieder aufgelockert. Der Film bewegt sich genau im Spannungsfeld zwischen Hollywood-Bombast und B-Movie: weniger Pomp als in The Hunger Games, mehr Spektakel als in Der Kreis.  Perfekt für alle, die schon mal heimlich ihre Outlook-Termine mit Mordfantasien verknüpft haben – und für Zuschauer, die wissen wollen, wie viel Mensch noch im Menschen steckt, wenn die Regeln verschwinden.

    Ready or Not

    Was als romantische Hochzeitsnacht beginnt, wird für Grace schnell zum nackten Überlebenskampf. Die versnobte Familie ihres frisch angetrauten Mannes pflegt nämlich einen uralten, blutigen Brauch: ein tödliches Versteckspiel, das angeblich dem Wohlstand der Familie dient. Grace wird zur Gejagten, die sich bald nicht nur mit zerrissenem Brautkleid, sondern auch mit einer Schrotflinte zur Wehr setzt. Ready or Not ist ein stilsicherer Mix aus Horrorkomödie, Action und Gesellschaftssatire. Die Kills sind einfallsreich, der Humor ist rabenschwarz, und die Sozialkritik zielt direkt auf das reiche Establishment. Wer Squid Game mochte, weil es soziale Ungleichheit seziert, findet hier die luxuriöse Frauenpower-Version davon – nur mit mehr Sarkasmus und schwarzem Humor.

    The Running Man

    Wenn The Hunger Games die Hochglanz-Variante von Battle Royale ist, dann war The Running Man in den 80ern der grellbunte Vorläufer. Basierend auf einem Roman von Stephen King (unter dem Pseudonym Richard Bachman) zeigt dieser 80er-Kultfilm Arnold Schwarzenegger als Ben Richards, einen ehemaligen Polizisten, der für ein Verbrechen verurteilt wurde, das er nie begangen hat. Um seine Freiheit zurückzuerlangen, muss er in der brutalen TV-Show The Running Man gegen sadistische Jäger antreten – live und zur Freude eines sensationsgeilen Publikums. In dieser dystopischen Zukunft sind Einschaltquoten wichtiger als Menschenleben, und Gewalt ist zur besten Sendezeit Programm. Wie bei Squid Game verschwimmen auch hier Unterhaltung, Ausbeutung und soziale Kontrolle. The Running Man ist grell, überzeichnet, actiongeladen und dennoch erstaunlich visionär in seiner Medienkritik. Ideal für Retro-Fans, Arnie-Liebhaber, Medienskeptiker – und alle, die Trash mit Tiefgang mögen.

    Tödliches Spiel - Would You Rather?

    Wer bei Saw die klaustrophobischen Fallen spannend fand, aber weniger Blut braucht, ist bei Tödliches Spiel genau richtig. Regisseur David Guy Levy inszeniert ein makabres Szenario, in dem moralische Dilemmata und existenzielle Entscheidungen im Mittelpunkt stehen. Ein wohlhabender Gastgeber lädt Gäste zu einem Spiel ein, bei dem sie zwischen zwei grausamen Optionen wählen müssen – die wir an dieser Stelle natürlich nicht spoilern werden. Es geht jedenfalls ziemlich fies zur Sache und die Regeln sind simpel, die psychologische Qual umso größer. Der Film verzichtet auf große Effekte und setzt stattdessen auf klaustrophobische Spannung und moralischen Druck. Wer Squid Game wegen der Frage mochte: „Was würde ich in dieser Situation tun?“, findet hier eine direktere, reduzierte Variante. Empfehlenswert für Fans intensiver Kammerspiele, nervenaufreibender Entscheidungen und moralischer Grauzonen.

    Der Kreis (Circle)

    Fünfzig Fremde wachen in einem mysteriösen Raum auf – keiner weiß, wie er dorthin gelangt ist, keiner kennt die anderen. In der Mitte: ein tödlicher Mechanismus. Alle zwei Minuten stirbt jemand, und die Gruppe muss per Abstimmung entscheiden, wer als Nächstes dran ist. Der Kreis ist ein hochkonzentrierter Psychothriller, der ganz ohne komplizierte Effekte oder  große Schauwerte auskommt und dennoch unter die Haut geht. Keine Fallen wie bei Saw, kein Spektakel wie bei The Hunger Games. Statt Blutfontänen gibt es psychologische Zermürbung, statt Action moralische Abgründe. Wer Squid Game wegen seiner existenziellen Fragen schätzte, findet in Der Kreis die noch radikalere, fast schon theatrale Reduktion – ein Kammerspiel über Moral und Menschlichkeit.

  • Die 10 brutalsten Spiele und Tode aus "Squid Game"

    Die 10 brutalsten Spiele und Tode aus "Squid Game"

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Wenn Kinderspiele zum Todesurteil werden: Squid Game schockiert mit brutaler Spielmechanik, perfider Gesellschaftskritik und einem extrem hohen Bodycount. Staffel 1 war nur der Anfang – in Staffel 2 und 3 wurde das Konzept weitergedacht, die Intensität gesteigert und das Ganze noch perfider inszeniert.

    Die Serie nutzt Kinderspiele, um moralische, wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten gnadenlos offenzulegen. Doch welche Szenen gingen besonders unter die Haut? Wir haben die zehn brutalsten Spiele und Tode aus allen drei Staffeln ausgewählt. Plus: Du erfährst, wo du jede der entsprechenden Folgen streamen kannst. Achtung: Die folgenden Abschnitte enthalten Spoiler für alle, die noch nicht alle drei Staffeln gesehen haben!

    Rotes Licht, grünes Licht – Das erste Massaker

    Staffel 1, Episode 1

    Gleich das erste Spiel ist ein krasser Schockmoment: Die Teilnehmer:innen treten beim Kinderspiel Rotes Licht, grünes Licht gegeneinander an – und wer sich bei “Rot” bewegt, wird erschossen. Die ersten Toten fallen völlig überraschend, es bricht Panik aus, Menschen rennen panisch umher, werden von Maschinengewehren niedergemäht.

    Die Wucht der Gewalt trifft alle unvorbereitet. Besonders brutal: der Wechsel zwischen kindlich-fröhlichem Soundtrack und eiskalter Exekution. Kein Entkommen, kein Verhandeln – nur das brutale Einhalten einer absurden Regel. Visuell und dramaturgisch ist die Szene ein perfekter Auftakt: grell, gnadenlos, präzise inszeniert. Ein Blutbad, das als psychologischer Stresstest dient – und das Publikum ebenso erschüttert wie die Spieler:innen. Im Vergleich zu den gezielten Verratsmomenten im Murmelspiel (Staffel 1, Episode 6) ist das hier ein anonymes Massaker: Niemand stirbt durch Vertrauen oder Betrug, sondern allein durch gnadenlose Regelmechanik.

    Dalgona – Tod durch Zuckerbruch

    Staffel 1, Episode 3

    Ein vermeintlich simples Spiel wird zum Höllentrip: Die Spielenden müssen mit einer Nadel eine geometrische Form aus fragiler Zuckermasse herauslösen – ohne sie zu zerbrechen. Wer scheitert, wird ohne Vorwarnung exekutiert. Der Druck steigt ins Unermessliche: Angstschweiß, zitternde Hände, panische Blicke.

    Als ein Spieler die Figur bricht, fällt der Schuss – direkt, kalt, kommentarlos. Besonders verstörend ist der Kontrast zwischen der bonbonbunten Kulisse und der tödlichen Konsequenz bei Fehlern. Die brutale Gewalt lauert hier unter der Oberfläche und droht jeden Moment auszubrechen. Dass Gi-hun am Ende die Form ableckt, um zu überleben, zeigt: In dieser Welt triumphiert nicht Stärke, sondern Cleverness – oft um den Preis der Würde. Anders als bei der Glasbrücke (Staffel 1, Episode 7), wo jede Entscheidung einem Münzwurf gleicht, ist hier nicht das Glück, sondern die zittrige Hand der entscheidende Faktor. 

    Das Murmelspiel – Verrat unter Freunden

    Staffel 1, Episode 6

    In einem der emotional schwersten Spiele treten die Teilnehmenden in Zweierteams gegeneinander an – eine Person gewinnt, die andere stirbt. Besonders tragisch: Ali vertraut seinem Partner Sang-woo und wird auf perfide Weise hintergangen. Der Zuschauer weiß, was Ali nicht ahnt: Seine Murmeln wurden heimlich durch wertlose Steine ersetzt. Als er den Betrug bemerkt, wird er ohne Zögern erschossen. Kein Spektakel, kein Blutrausch – nur ein stiller, kalt kalkulierter Verrat. Diese Szene ist ein Tiefpunkt der Menschlichkeit, die Squid Game so konsequent seziert. Hier stirbt nicht nur eine Figur – hier sterben das Vertrauen und der Glaube an Loyalität. Und genau das trifft uns härter als jede Kugel. Verglichen mit „Rotes Licht, grünes Licht“ (Staffel 1, Episode 1), wo die Gewalt wahllos und massenhaft zuschlägt, konzentriert sich hier alles auf den emotionalen Kern.

    Die Glasbrücke – Tritt ins Nichts

    Staffel 1, Episode 7

    Die Regeln sind simpel: Wer auf normales Glas tritt, stirbt – nur gehärtetes Spezialglas trägt das Gewicht. Die Spielenden müssen über 18 Felder hinweg den richtigen Weg finden, wobei jede Entscheidung tödlich enden kann. Besonders fies: Die Reihenfolge wird zufällig bestimmt, was bedeutet, dass die vorderen Personen fast zwangsläufig geopfert werden. Jeder Sprung gleicht einem Münzwurf zwischen Leben und Tod. Die Szene wird zur psychologischen Zerreißprobe, in der Verzweiflung, Taktik und nackte Angst aufeinandertreffen. Kaum scheinen die Teilnehmenden das System zu durchschauen, greift die Spielleitung ein – und schaltet das Licht ab. Ein gezielter, grausamer Kontrollverlust. Wo „Dalgona“ (Staffel 1, Episode 3) den Tod in feinster Millimeterarbeit versteckt, setzt die Glasbrücke auf blanke Fallhöhe und radikale Ungewissheit.

    Hide & Seek – Verstecken im Albtraum

    Staffel 3, Episode 1

    Dieses Spiel der dritten Staffel gilt unter Fans als besonders fiese Herausforderung: In einem verschachtelten Komplex aus engen Gängen und Räumen müssen sich die Teilnehmenden verstecken, während ausgewählte Jäger:innen sie aufspüren und eliminieren. Es gibt kein festes Zeitlimit, keine Hinweise – nur viel Angst, eine klaustrophobische Stimmung und die unbarmherzige Gewissheit, gejagt zu werden. Wer entdeckt wird, stirbt sofort. Die psychologische Belastung ist enorm, denn niemand weiß, wo die Gefahr lauert. Schreie hallen durch das Labyrinth, während das Spiel zu einem weiteren Kampf ums nackte Überleben wird. Hide and Seek ist kein taktisches Game mehr – es ist eine rohe, instinktgetriebene Überlebensübung. Während in „Sky Squid Game“ (Staffel 3, Episode 5) der Abgrund das Grauen sichtbar macht, entsteht die Bedrohung hier durch die Ungewissheit.

    Sky Squid Game – Absturz mit Todesfolge

    Staffel 3, Episode 5

    Das traditionelle Tintenfischspiel aus Staffel 1 kehrt zurück – doch diesmal in tödlicher Höhe. Die Teilnehmenden bewegen sich zwischen Plattformen über einem tiefen Abgrund und müssen das “Spielfeld” nach festen Regeln überqueren. Wer daneben tritt oder gestoßen wird, stürzt in die Tiefe und stirbt. Hier ist jeder Fehler endgültig und ein kleiner Moment der Unachtsamkeit kann bereits das Ende bedeuten.. Der physische Einsatz ist enorm: Balance, Kraft und Timing entscheiden über Leben und Tod. Statt symbolischem Bodenkampf wird das Spiel zu einem realen Hochseilakt mit tödlichem Ausgang. Sky Squid Game überträgt die bekannte Spielmechanik in ein neues Setting – radikaler, gefährlicher, endgültiger. Es ist kein Duell mehr – es ist ein buchstäblicher Tanz am Abgrund. Wie die Glasbrücke (Staffel 1, Episode 7) kennt auch dieses Spiel kein Zurück, doch anstelle zerbrechlichen Glases sind es hier Balance und Kraft, die über Leben und Tod bestimmen.

    Jump Rope – Rhythmus des Todes

    Staffel 3, Episode 3

    In Episode 3 der dritten Staffel müssen die Teilnehmenden eine schmale, erhöhte Brücke überqueren, während ein gigantisches mechanisches Seil mit wachsendem Tempo über das Spielfeld schwingt. Jeder Sprung verlangt perfektes Timing – ein Moment des Zögerns oder ein Ausrutscher führt unweigerlich zum Absturz. Bereits zu Beginn wird eine Spielerin vom Seil getroffen und in die Tiefe geschleudert – ein schockierender Auftakt, der den tödlichen Ernst des Spiels sofort deutlich macht.

    Laut Produktions-Insidern war die Brücke im Studio rund 1,5 Meter hoch, was bei den Darstellenden für spürbare Anspannung sorgte. Jump Rope kombiniert kindliche Spielsymbolik mit erbarmungsloser Konsequenz – und wird so zu einem Höhepunkt der dritten Staffel. „Rotes Licht, grünes Licht“ (Staffel 1, Episode 1) zwingt zur Starre im richtigen Moment – bei Jump Rope hingegen ist Stillstand selbst das Todesurteil.

    Mingle – Deadly Gruppenzwang

    Staffel 2, Episode 4

    Im mega-bösen Spiel Mingle müssen sich die Teilnehmenden innerhalb weniger Sekunden in Gruppen exakt vorgegebener Größe zusammenfinden – etwa zu dritt, zu fünft oder zu siebt. Wer sich zu langsam bewegt, übrig bleibt oder in einer falschen Gruppengröße landet, wird sofort eliminiert. Die Spielfläche rotiert, Türen öffnen sich plötzlich, und in jeder Runde ändern sich die Regeln. Das Spiel zwingt die Teilnehmenden zur panischen Kooperation mit Fremden – ohne Zeit für Vertrauen. Schubsen, Zerren und taktische Ausgrenzung bestimmen das Chaos. Besonders bitter: Einige sterben nicht durch Fehler, sondern weil niemand sie dabei haben möchte. Mingle ist ein Spiel über kranke Gruppendynamik – und über die tödlichen Folgen sozialer Isolation unter Zeitdruck. Das Spiel spiegelt in seiner Grausamkeit das Murmelspiel (Staffel 1, Episode 6) wider: Dort führt ein Verrat zu einem der emotional aufwühlendsten Tode, während hier die Ausgrenzung in der Gruppe die Schwächsten zu Opfern macht.

    Byeong-gi – Tod des Quacksalbers

    Staffel 1, Episode 5

    Byeong-gi, bekannt als Spieler 111, ist ein in Ungnade gefallener Arzt, der heimlich mit den maskierten Wächtern kooperiert. Gemeinsam betreiben sie illegalen Organhandel, bei dem die Körper ausgeschiedener Spieler:innen ausgeschlachtet und die Organe verkauft werden. Als die Spielleitung von der Manipulation erfährt, versucht Byeong-gi gerade zu fliehen. Doch seine Flucht endet abrupt und der Front Man macht unmissverständlich klar: Der wahre Verstoß war nicht der Organhandel, sondern der Bruch der Gleichheit unter den Spielenden. In diesem System wird nicht die Unmoral bestraft, sondern der Bruch der Regeln. Der Tod ist definitiv eine Machtdemonstration – vergleichbar mit den Eingriffen der Spielleitung auf der Glasbrücke (Staffel 1, Episode 7).

    Pentathlon – Der tödliche Qualmarathon

    Staffel 2, Episode 4

    In Episode 4 erwartet die Teilnehmenden ein gnadenloser Mehrkampf: Jedes Teammitglied durchläuft nacheinander fünf traditionelle koreanische Kinderspiele – darunter Ddakji, Gonggi, Flying Stone, Spinning Top und Jegi. Was zunächst harmlos wirkt, entpuppt sich schnell als tödlicher Staffellauf. Ein einziger Fehler? Spiel beendet – und die jeweilige Person wird sofort eliminiert. Während in „Jump Rope“ (Staffel 3, Episode 3) ein einziger Fehltritt das Ende bedeutet, verteilt sich der Druck hier über mehrere Etappen. Die Spiele sind kurz, hektisch und mental fordernd – die Squid Game-Initiatoren kennem keine Gnade. Der Körperkontakt ist minimal, doch der psychologische Druck steigt mit jeder Runde. Besonders perfide: Teamarbeit ist gefragt, aber individuelle Schwächen werden tödlich bestraft.

  • Die 10 besten Filme und Serien mit Rachel Brosnahan

    Die 10 besten Filme und Serien mit Rachel Brosnahan

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Rachel Brosnahan hat sich von einer Nebenrolle in House of Cards zur gefeierten Hauptdarstellerin in The Marvelous Mrs. Maisel hochgespielt. Comedy, Thriller, Historiendrama – sie überzeugt in jedem Genre mit einer Präsenz, die im Gedächtnis bleibt. Und aktuell sorgt sie auf der Kinoleinwand für Aufsehen: Im neuen Superman-Film übernimmt Brosnahan die Rolle der legendären Lois Lane.

    Unser Artikel stellt zehn Highlights aus ihrer bisherigen Karriere vor, die aktuell im Stream verfügbar sind. Von preisgekrönten Serien über intensive Indie-Produktionen bis hin zu großen Kinofilmen: alle Titel sind sehenswert. Wer Brosnahans beste Rollen erleben möchte, bekommt hier einen klaren Überblick – kompakt, übersichtlich und sofort abrufbar. Für Fans und alle, die es noch werden wollen.

    The Marvelous Mrs. Maisel (2017–2023)

    Mit Midge Maisel hat Rachel Brosnahan als Darstellerin Fernsehgeschichte geschrieben: witzig, frech, verletzlich und mutig. The Marvelous Mrs. Maisel ist ein Farbenrausch voller Tempo, Humor und Herz – und Brosnahan ist das pulsierende Zentrum. Ihre Performance brachte ihr Emmys, Golden Globes und internationale Anerkennung ein und machte sie endgültig zum Star. Die Serie erzählt nicht nur vom Aufstieg einer weiblichen Stand-up-Komikerin im New York der späten 50er, sondern auch von Selbstbestimmung, Scheitern und Neuanfang. Im Vergleich zu ihren stilleren Auftritten in House of Cards oder Louder Than Bombs zeigt Brosnahan hier die andere Seite ihres Könnens: voller Energie und Präsenz, statt subtiler Zwischentöne. Man könnte Maisel auch als Kontrastpunkt bezeichnen, an dem sich alle ihre Rollen messen lassen.

    House of Cards (2013–2015)

    Als Rachel Posner übernimmt Rachel Brosnahan eine kleine, aber zentrale Rolle: eine junge Frau, deren Beziehung zu Doug Stamper einen der spannendsten und emotional aufgeladensten Handlungsstränge der Serie prägt. Ihr Spiel ist nuanciert, intensiv und zieht selbst neben Stars wie Kevin Spacey und Robin Wright alle Blicke auf sich. Hier zeigt Brosnahan eindrucksvoll, warum sie als eine der spannendsten Schauspielerinnen ihrer Generation gilt. Während sie in Maisel komödiantisch brilliert, ist sie in House of Cards eindringlich still und präzise. Das macht House of Cards nicht nur zu einem spannenden Politthriller, sondern auch zu einem perfekt besetzten Meilenstein des modernen Serienfernsehens.

    I’m Your Woman (2020)

    In I’m Your Woman spielt Rachel Brosnahan eine junge Hausfrau, die nach einem gescheiterten Coup ihres Mannes mit einem Baby auf der Flucht ist. Der Neo-Noir-Thriller besticht durch seine ruhige Erzählweise, dichte Atmosphäre und eine Brosnahan, die hier eine ganz andere Seite zeigt: verletzlich, entschlossen, rau und weit entfernt von ihrer bekanntesten Rolle in The Marvelous Mrs. Maisel. Bemerkenswert ist der feine Unterschied zu Boston oder Olive Kitteridge, wo sie in kleineren Rollen das Alltägliche nuanciert verkörpert – während sie hier das Zentrum der Geschichte bildet. Regisseurin Julia Hart setzt auf leise Spannung statt Action und taucht tief in das Innenleben einer Frau ein, die sich plötzlich selbst behaupten muss. Für Fans von Crime-Dramen mit 70er-Flair ist dieser Film ein Geheimtipp – ein intensives, stilvolles Genre-Stück, das Brosnahans Wandlungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellt.

    Manhattan (2014–2015)

    Manhattan ist ein historisches Drama rund um das streng geheime Manhattan-Projekt, das die erste Atombombe entwickelte – und Rachel Brosnahan mittendrin als Abby Isaacs, die Ehefrau eines Wissenschaftlers. Die Serie verwebt Ehekonflikte, gesellschaftliche Zwänge, moralische Fragen und wissenschaftliche Durchbrüche zu einem komplexen, fesselnden Gesamtbild. Anders als in The Courier (Der Spion), wo sie selbst als CIA-Agentin Teil der großen Politik ist, steht sie hier als Ehefrau im Schatten der Geschichte. Beide Rollen eint jedoch ihre Subtilität: Brosnahan macht aus leisen Momenten große. Für Fans von anspruchsvollem, historischen Drama bietet Manhattan nicht nur Spannung, sondern auch starke Figuren und packende persönliche Konflikte – eine unterschätzte Serie, die sich definitiv lohnt.

    Der Spion (2020)

    Der Spion ist ein packender Spionagethriller mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle – und Rachel Brosnahan als Emily Donovan, eine CIA-Agentin, die einen britischen Geschäftsmann für eine riskante Mission im Kalten Krieg rekrutiert. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Greville Wynne, der geheime Informationen aus der Sowjetunion schmuggelte, und verbindet dabei persönliches Drama mit politischem Nervenkitzel. Brosnahan bringt dieselbe Intensität ein, die auch I’m Your Woman prägt – nur in einem völlig anderen Szenario. Für Fans von Agentenstories, historischen Stoffen und subtiler Spannung ist The Courier genau die richtige Wahl: ein elegant erzähltes, intelligent gespieltes Drama mit viel atmosphärischem Druck.

    Boston (2016)

    Boston erzählt die Ereignisse rund um den Boston-Marathon-Anschlag 2013 und ist ein intensives, emotional aufwühlendes Drama mit starker Besetzung. Brosnahan übernimmt eine kleine Rolle, doch gerade im Vergleich zu Louder Than Bombs zeigt sich, wie viel sie selbst aus Nebenparts herauszuholen versteht. Während der eine Streifen introspektiv und leise ist, bringt Boston emotionale Härte und reale Tragik auf die Leinwand. Der Film kombiniert Polizeiarbeit, Zeugenschicksale und die emotionale Verarbeitung der Katastrophe zu einem spannenden und bewegenden Gesamtbild. Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich auf schwere Themen einlassen können, bietet Boston einen wichtigen, respektvollen Blick auf reale Ereignisse – nichts für schwache Nerven, aber ein sehenswertes Kapitel in Brosnahans Filmografie.

    Louder Than Bombs (2015)

    Mit Isabelle Huppert, Jesse Eisenberg und Gabriel Byrne stark besetzt, ist Louder Than Bombs ein stilles, komplexes Familiendrama. Der Film erzählt von Verlust, Erinnerung und den Spannungen, die zwischen Familienmitgliedern entstehen, wenn das Unausgesprochene plötzlich an die Oberfläche kommt. Rachel Brosnahan übernimmt hier eine Nebenrolle, doch sie nutzt jeden Moment auf der Leinwand, um ihr Können zu zeigen. Vergleicht man das mit Burn Country, fällt auf, wie sie mit unterschiedlichen Mitteln in beiden Indie-Filmen atmosphärische Tiefe schafft. In Louder Than Bombs bleibt sie zurückgenommen, während sie in Burn Country eine unterschwellige Spannung einbringt. Ihre subtile Präsenz fügt sich nahtlos in das fragile Beziehungsgeflecht der Hauptfiguren ein. Wer Filme mag, die sich Zeit nehmen, komplexe Emotionen auszuloten, findet hier ein stark gespieltes, nachdenkliches Werk – ein Geheimtipp für Fans anspruchsvoller Familiengeschichten.

    Burn Country (2016)

    Burn Country ist ein düsterer, atmosphärischer Indie-Thriller über einen Exil-Journalisten aus Afghanistan, der in einer kalifornischen Kleinstadt landet und dort in dunkle Geheimnisse verwickelt wird. Rachel Brosnahan spielt die Tochter des örtlichen Sheriffs und bringt mit ihrer Figur eine Mischung aus Unschuld, Sehnsucht und unterschwelliger Spannung ein. Im Vergleich zu Louder Than Bombs ist ihre Rolle hier weniger subtil, sondern deutlicher aufgeladen, aber weit entfernt vom Glamour von Maisel oder der Wucht von The Amateur. Der Film ist kein Mainstream-Stoff und richtet sich klar an Fans von Independent-Produktionen, die Wert auf Atmosphäre, Charakterstudien und leise Eskalation legen. Kurz: Wo The Marvelous Mrs. Maisel oder Der Spion auf Glanz und große Gesten setzen, überzeugt Burn Country mit stiller Intensität und ungeschliffenem Indie-Charme.

    Olive Kitteridge (2014)

    Olive Kitteridge wurde vielfach ausgezeichnet und basiert auf dem gleichnamigen Pulitzer-Roman von Elizabeth Strout. In vier Episoden erzählt die Mini-Serie mit leisen, präzisen Tönen von Ehe, Familie, Altern, Depression und den kleinen Momenten des ganz normalen Lebens. Frances McDormand brilliert in der Hauptrolle, und Rachel Brosnahan übernimmt eine kleine, aber eindrückliche Nebenrolle. Hier zeigt sie endgültig, dass ihr keine Rolle zu groß oder zu klein ist – und dass sie stets mit voller Hingabe überzeugt. Die Serie lebt von ihrer ruhigen Intensität, starken Figuren und einem außergewöhnlich sensiblen Blick auf menschliche Schwächen und Sehnsüchte. Wo Boston von realer Tragik erzählt und I’m Your Woman eine Fluchtgeschichte entwirft, entfaltet Olive Kitteridge seine Kraft in einem Mosaik aus stillen, alltäglichen Momenten. Für alle, die anspruchsvolle, literarisch angehauchte Serien schätzen, ist Olive Kitteridge ein großartiges TV-Erlebnis.

    The Amateur (2025)

    The Amateur ist ein spannender Thriller, in dem Rachel Brosnahan einmal mehr brilliert. An der Seite von Rami Malek und Laurence Fishburne spielt sie eine der zentralen Figuren in der Geschichte um einen Entschlüsselungsexperten, der nach einem tragischen Verlust gegen die eigenen Reihen arbeitet. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Littell, der bereits 1981 verfilmt wurde, und bietet dichte Spannung, moralische Grauzonen und komplexe Figuren. Wie in Der Spion bringt Brosnahan Entschlossenheit und emotionale Tiefe ein – Qualitäten, die sie auch in früheren Rollen stark gemacht haben. Für alle, die Brosnahan in einer aufwendigen Romanverfilmung sehen möchten, ist The Amateur eine klare Empfehlung.

  • Der vielleicht stärkste Mutant hat gerade das MCU betreten – und es ist nicht der, den du erwartest

    Der vielleicht stärkste Mutant hat gerade das MCU betreten – und es ist nicht der, den du erwartest

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Mit dem MCU-Debut von Fantastic Four: First Steps trat Marvels erste Familie endlich in die erfolgreichen Fußstapfen der Avengers, Guardians of the Galaxy und Thunderbolts. Doch auch wenn diese Teams längst etabliert sind, bringt das neue Quartett etwas ganz besonderes mit: das Potenzial, die mächtigste Einheit des gesamten MCU zu werden. 

    Der Grund dafür ist kein Muskelprotz, kein Superschurke und auch keine Galactus-Waffe – sondern ein kleines Kind. Genauer gesagt: Franklin Richards, der Sohn von Reed Richards und Sue Storm. Dieser Artikel zeigt dir, wie er sich gegen andere Mutanten mit gottgleichen Kräften behauptet – und warum ausgerechnet er das MCU für immer verändern könnte.

    Franklin Richards: Kind mit Vergangenheit

    Zwar ist Franklin im neuen MCU-Werk noch ein Säugling, doch in den Comics wächst genau dieses Kind zu einer der mächtigsten Figuren des gesamten Marvel-Universums heran. Franklin Richards wurde durch die kosmische Strahlung, die seine Mutter Sue Storm traf, mit einer Mutation geboren – als Omega-Level-Mutant mit grenzenloser Macht. Seine Hauptfähigkeit: Reality Warping. Franklin kann Materie, Energie und sogar Zeit manipulieren, ganze Universen erschaffen und besitzt zudem psionische Kräfte wie Telepathie, Telekinese und Astralprojektion. Schon im Kindesalter half er den Fantastic Four im Kampf. Später lernte er, seine Kräfte zu kontrollieren, und wurde unter dem Codenamen Powerhouse selbst ein Mitglied des Teams. 

    Damit bewegt er sich in einer Liga, die nur wenige andere Mutanten erreichen. Um zu verstehen, warum Franklin so einzigartig ist, lohnt sich der Blick auf einige seiner mächtigsten „Kollegen“ und Gegenspieler.

    Jean Grey “X-Men: Dark Phoenix” (2019)

    Jean Grey gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Mutantinnen überhaupt – doch erst mit der Dark-Phoenix-Saga wird ihre wahre Macht deutlich. Als Trägerin der Phoenix Force besitzt sie nahezu unbegrenzte Energie, kann Materie manipulieren und ganze Planeten auslöschen. In X-Men: Dark Phoenix (2019) erleben wir eine der stärksten Versionen dieser Figur – wenn auch mit tragischem Ausgang. Jean ist ein Paradebeispiel für die feine Linie zwischen Macht und Wahnsinn. Ihre Fähigkeiten machen sie zur tickenden Zeitbombe – und zur idealen Kontrastfigur zu Franklin Richards: Beide sind mächtig, aber nur einer war je fähig, das Multiversum zu formen.

    Magneto “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” (2014)

    Der ambivalente Magneto verkörpert die dunkle Faszination von Mutantenmacht: charismatisch, radikal und gefährlich. Mit der Fähigkeit, Magnetfelder zu kontrollieren, manipuliert er nicht nur Metall, sondern auch ganze Satellitensysteme und Gebäudekomplexe. In X-Men: Zukunft ist Vergangenheit hebt er ein komplettes Stadion in die Luft – ein ikonischer Beweis seiner zerstörerischen Macht. Seine Kräfte sind zwar physischer Natur, doch seine ideologische Wucht macht ihn fast noch bedrohlicher. Magneto zeigt, wie gefährlich eine klare Vision werden kann, wenn sie mit übermenschlicher Macht einhergeht – und wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse wirklich ist. Im Vergleich dazu wirkt Franklin fast schon abstrakt: Er braucht keine politischen Ideale, um Welten neu zu formen. Wo Magneto den Stahl biegt, biegt Franklin die Realität. Doch beide verdeutlichen, dass Mutantenmacht nicht in Kilotonnen gemessen wird, sondern in Einfluss und Wirkung.

    Scarlet Witch “Doctor Strange in the Multiverse of Madness” (2022)

    Wanda Maximoff, auch bekannt als Scarlet Witch, ist spätestens seit Multiverse of Madness eine der gefährlichsten Figuren im MCU. Ihre Chaosmagie sprengt alle bekannten Kategorien: Sie kann Realitäten verändern, Gedanken manipulieren, Materie umformen und sogar Dimensionen zerstören. Obwohl Marvel sie offiziell nicht als Mutantin bezeichnet, übertreffen ihre Fähigkeiten die vieler Omega-Level-Mutanten bei Weitem. Was Wanda jedoch so faszinierend macht, ist die emotionale Tiefe hinter ihrer Macht. Sie ist eine Figur voller Schmerz, Verlust und Sehnsucht – halb Opfer, halb überirdisches Wesen. Im Vergleich zu Franklin Richards wirkt sie erfahrener und kontrollierter, aber auch tragischer. Ihre Erlebnisse in Wanda Vision zeigen, was passiert, wenn Macht und Trauma kollidieren. Gerade das macht sie zur Warnfigur für Franklins Zukunft, denn Wanda zeigt die dunkle Seite derselben Münze.

    Apocalypse “X-Men: Apocalypse” (2016)

    Apocalypse gilt als der erste Mutant der Geschichte – ein uraltes Wesen, das im Laufe der Jahrtausende unzählige Kräfte angehäuft hat. In X-Men: Apocalypse zeigt er sich als unsterblicher Übermutant mit Fähigkeiten wie Telepathie, Telekinese, Regeneration und Molekularmanipulation. Er betrachtet sich selbst als Gott – und tritt ebenso auf: autoritär, größenwahnsinnig und gnadenlos. Sein Ziel ist nicht Schöpfung, sondern Unterwerfung. Er will die bestehende Welt umformen, schwache Systeme vernichten und eine neue Ordnung nach seinem Bild errichten. Im Vergleich zu Franklin Richards wirkt Apocalypse wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – mächtig, aber starr. Franklin hingegen schöpft aus kindlicher Vorstellungskraft heraus neue Realitäten und ist noch nicht in seinen Ansichten festgefahren. Das macht ihn aber nicht weniger gefährlich: Denn wer versehentlich ein Universum erschaffen kann, muss keine bösen Absichten haben, um alles ins Chaos zu stürzen.

    Legion “Legion” (2017)

    David Haller, besser bekannt als Legion, ist das Paradebeispiel dafür, wie Macht und Instabilität eine gefährliche Symbiose eingehen können. Als Sohn von Charles Xavier trägt er ein enormes psionisches Potenzial in sich – doch seine multiplen Persönlichkeiten machen ihn unberechenbar. Jede dieser Persönlichkeiten besitzt eigene Fähigkeiten, von Realitätssprüngen über Teleportation bis hin zu Zeitverzerrung. In der Serie Legion erleben wir David als faszinierend komplexe Figur, die ständig zwischen Genie, Wahnsinn und Selbstzerstörung schwankt. Was ihn von Franklin Richards unterscheidet, ist nicht das Machtlevel, sondern der emotionale Ursprung: Der Vergleich mit Beide sind Kinder berühmter Eltern, beide sind Singularitäten in der Mutantenwelt. Doch während Legion im Chaos seiner eigenen Psyche gefangen ist, wächst Franklin in Liebe und Stabilität auf – zumindest in den Comics. In Fantastic Four: First Steps ist er dagegen noch ein Säugling, dessen wahres Potenzial nur angedeutet wird.

    Storm “X-Men: Der letzte Widerstand” (2006)

    Ororo Munroe, besser bekannt als Storm, gehört zu den ikonischsten Figuren im Marvel-Universum – nicht nur wegen ihrer Fähigkeiten, sondern wegen ihrer Haltung. Sie kann das Wetter kontrollieren, Blitze heraufbeschwören, Wind und Regen als Waffe einsetzen und sogar das Klima großflächig verändern. In X-Men: Der letzte Widerstand erleben wir ihre zerstörerische Präzision in vollem Ausmaß – doch ihre wahre Stärke liegt woanders. Storm ist Anführerin, Mentorin, Symbolfigur. Sie verkörpert moralische Klarheit in einem oft grauen Konflikt zwischen Menschen und Mutanten. Im Vergleich zu Franklin Richards ist sie zwar weniger mächtig, aber dafür berechenbar, reflektiert und strategisch. Ihre Kräfte haben Grenzen – ihr Einfluss nicht. Wo Franklin ganze Welten versehentlich erschaffen könnte, verkörpert Storm Verlässlichkeit und Stabilität. Manche Fans sehen ihre wahre Superkraft darin, auch in den schwierigsten Momenten Verantwortung für andere zu übernehmen.

    Charles Xavier “X-Men: Erste Entscheidung” (2011)

    Professor X mag nicht der physisch mächtigste Mutant sein, doch seine telepathischen Fähigkeiten sind beispiellos. Er kann Gedanken lesen, manipulieren und ganze Gruppen beeinflussen. In X-Men: Erste Entscheidung erleben wir seinen Idealismus und seine Vision – aber auch seine Zweifel. Er verkörpert die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen und Mutanten – ein Ziel, das durch enorme Kompromissbereitschaft getragen wird. Franklin Richards könnte in Zukunft vor ähnlich ethischen Herausforderungen stehen. Und während Xavier ein Mentor aus einer anderen Zeit ist, wäre er genau die moralische Instanz, die Franklin helfen könnte, seine Macht zum Guten zu nutzen. Im Marvel-Multiversum liegt so eine Begegnung vielleicht nur einen Schritt entfernt.

  • M3GAN 2.0 und 6 weitere Killer-Spielzeug-Filme, die unter die Haut gehen

    M3GAN 2.0 und 6 weitere Killer-Spielzeug-Filme, die unter die Haut gehen

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Der Erfolg von M3GAN 2.0 hat einmal bewiesen, wie sehr das Publikum von der Angst fasziniert ist, dass ausgerechnet vertraute Kinderspielzeuge zur tödlichen Bedrohung werden können. Killer-Spielzeug-Filme nutzen eine der tiefsten menschlichen Urängste: Die Perversion der Unschuld – wenn Objekte des Trostes zu Quellen des Terrors werden.

    Von klassischen Voodoo-Puppen bis zu modernen KI-Robotern haben diese Filme über Jahrzehnte das Kinopublikum in Angst und Schrecken versetzt. Ob durch übernatürliche Kräfte, Voodoo-Zauber oder künstliche Intelligenz zum Leben erweckt: Diese mörderischen Spielzeuge bieten pure Angst und zeigen, wie schnell das Vertraute ins Unheimliche kippen kann.

    M3GAN 2.0 (2025)

    Mit M3GAN 2.0 wird die Killer-Puppe endgültig zur neuen Genre-Ikone. Während der erste Teil die Angst vor künstlicher Intelligenz etablierte, vertieft die Fortsetzung das Thema, indem sie M3GANs Fähigkeiten erweitert und die moralischen Grauzonen noch stärker auslotet. Im Gegensatz zu Chucky, der vor allem durch seine sadistische Persönlichkeit besticht, wirkt M3GAN hier fast wie eine globale Bedrohung – ähnlich wie die Armee aus Puppet Master, nur ungleich effizienter. Dabei bleibt der Film tonal ernster als Benny Loves You, aber zugänglicher als Annabelle. Das Publikum wird hier nicht mit übernatürlichen Mythen, sondern mit all den Schattenseiten der digitalen Revolution konfrontiert. M3GAN 2.0 zeigt also, dass dieses Subgenre nicht nur von Nostalgie lebt, sondern sich ständig mit den aktuellen Ängsten unserer Zeit weiterentwickelt.

    M3GAN (2023)

    Die KI-Roboterpuppe M3GAN katapultierte das Killer-Spielzeug-Genre ins digitale Zeitalter und definierte es dabei neu. Als hochentwickelte Beschützerin der verwaisten Cady programmiert, entwickelt sie einen mörderischen Instinkt gegen alle vermeintlichen Bedrohungen, die Cadys Wohlbefinden gefährden könnten. Regisseur Gerard Johnstone verbindet geschickt Science-Fiction-Elemente mit klassischen Horror-Tropen und schafft dabei eine Atmosphäre zeitgenössischer Ängste vor autonomer Technologie. Die präzise choreographierten Tanz- und Mordszenen sind stilistisch brillant inszeniert und tragen maßgeblich zur beklemmenden Stimmung bei. Im Gegensatz zur Puppe Annabelle ist M3GAN keine passive Bedrohung, sondern eine aktiv handelnde KI und gerade im Vergleich zu Benny Loves You zeigt sich, wie sehr sich das Genre zwischen bitterernster Dystopie und schwarzer Komödie auffächern kann.

    Chucky - Die Mörderpuppe (1988)

    Chucky - Die Mörderpuppe war der Beweis, dass Killer-Puppen nicht nur B-Movie-Material sind, sondern echte Mainstream-Horror-Hits werden können. Regisseur Tom Holland kombinierte gekonnt Übernatürliches mit Slasher-Elementen und schuf einen Film, der bis heute funktioniert. Chucky begründete ein ganzes Franchise, aber das Original bleibt der Goldstandard. Alles dreht sich um die Good Guy-Puppe Chucky, besessen von der Seele des Serienmörders Charles Lee Ray. Was Chucky so einzigartig macht, ist seine spielerische Leichtigkeit, die Annabelle bewusst meidet. Der Streifen definierte das Genre neu und schuf eine der bekanntesten Horror-Ikonen aller Zeiten. Er dient als Vorlage für fast alle späteren Puppenfilme, während M3GAN die Thematik technologisch ins Heute verlagert. Chucky ist ironisch und brutal zugleich – während Dead Silence gezielt den ernsten Gothic-Horror kultiviert.

    Annabelle (2014)

    Die fiese Porzellanpuppe aus dem Conjuring-Universum setzt auf atmosphärischen Horror statt Slasher-Action. Basierend auf einer angeblich wahren Geschichte, erzählt der Film von jungen Eheleuten, die von der antiken Puppe mit mörderischen Absichten terrorisiert werden. Regisseur John R. Leonetti nutzt klassische Geister-Horror-Techniken und verbindet sie mit dem visuell verstörenden Erscheinungsbild der viktorianischen Puppe. Annabelle bewegt sich kaum, aber ihre pure Präsenz genügt für echte Gänsehaut. Während Chucky Witze reißt und M3GAN Hightech-Terror verbreitet, ist Annabelle passiv – und wird dadurch nur noch unheimlicher. Die Gothic-Atmosphäre und die starken Darstellerleistungen machen Annabelle zu einem würdigen Vertreter des modernen Horror-Kinos. Wer subtilen, atmosphärischen Schrecken schätzt, findet hier seinen perfekten Alptraum.

    Dead Silence (2007)

    Mary Shaw und ihre Bauchredner-Puppe Billy bringen das Genre zurück zu seinen Gothic-Horror-Wurzeln. Während M3GAN die Angst vor KI schürt und Benny Loves You Humor einstreut, beschwört Dead Silence die schaurige Atmosphäre alter Geistergeschichten. James Wan inszeniert eine düstere Geschichte um einen rachsüchtigen Geist, der Menschen tötet und ihnen die Zungen herausschneidet. Die visuellen Effekte sind atmosphärisch und verstörend, ohne auf allzu derben Splatter zu setzen, was dem Film eine einzigartige und beklemmende Atmosphäre verleiht. Dead Silence konzentriert sich auf psychologischen Terror und seine unheimliche Stimmung. Die Geschichte ist komplex und überraschend, die Auflösung clever konstruiert, wobei jede Wendung die Spannung steigert und den Zuschauer bis zum Schluss fesselt. Wan schafft es, aus einer simplen Prämisse einen vielschichtigen Horror-Film zu entwickeln, der lange im Gedächtnis bleibt.

    Dolls (1986)

    Stuart Gordons Werk brachte eine ganze Armee lebender Puppen ins Kino. Reisende suchen Schutz vor einem Sturm in einem alten Herrenhaus – nur um zu entdecken, dass die Spielzeugsammlung der Hausbesitzer alles andere als harmlos ist. Der Film kombiniert klassischen Horror mit märchenhaften Elementen und schafft eine einzigartige Atmosphäre zwischen Nostalgie und Terror. Die praktischen Effekte sind charmant-gruselig, die Puppenchoreografie ist trotz eines überschaubaren Budgets beeindruckend. Dolls ist weniger brutal als andere Genre-Vertreter, aber nicht weniger effektiv. Anders als Chucky, der allein im Rampenlicht steht, oder Annabelle, die fast unbeweglich bleibt, setzt Dolls auf eine ganze Armee lebendiger Puppen. Damit nimmt der Film auf beklemmende Weise Elemente vorweg, die in Puppet Master weiter ausgebaut wurden.

    Puppet Master (1989)

    Puppet Master knüpft direkt an die Idee von Dolls an, geht aber tiefer: André Toulons Marionetten mit ihren einzigartigen Persönlichkeiten und Fähigkeiten schufen eine ganz eigene Horror-Mythologie. Blade mit seinen Messerhänden, Pinhead mit seiner übergroßen Kraft und Jester mit seinem sich wandelnden Gesicht wurden zu Kultfiguren des B-Horror-Genres. Regisseur David Schmoeller entfaltet eine komplexe Hintergrundgeschichte um den Puppenmacher und seine mit ägyptischen Zauber belebten Kreationen. Der Film lebt von seiner düsteren Atmosphäre, die sich klar von Chuckys ironischem Tonfall absetzt, sowie von den ausgefallenen Marionetten-Designs mit echtem Kultpotenzial. Die Mischung aus übernatürlichem Horror und praktischen Effekten macht jeden Film der Reihe zu einem besonderen Erlebnis für Genre-Fans – trotz schwankender Qualität.

    Benny Loves You (2019)

    Der britische Independent-Film zeigt, wie auch mit kleinem Budget frische Ideen im Genre möglich sind. Während M3GAN technologische Paranoia und Annabelle religiösen Horror bedienen, geht Benny Loves You den Comedy-Weg – ähnlich verspielt wie Chucky, aber mit mehr Slapstick und Herz. Ein mörderischer Teddybär "beschützt" seinen erwachsenen Besitzer vor allen vermeintlichen Bedrohungen – mit ziemlich blutigen Konsequenzen. Regisseur Karl Holt verbindet schwarzen Humor mit überraschend effektiven Schockmomenten. Benny ist sowohl niedlich als auch verstörend – eine schwierige Balance, die hier tatsächlich gelingt. Die praktischen Effekte sind kreativ und überzeugend, die Handlung überraschend emotional. Benny Loves You zeigt, dass das Killer-Spielzeug-Genre auch heute noch für Überraschungen gut ist und wie Independent-Produktionen etablierte Formeln kreativ weiterentwickeln können.

  • Die besten Superman-Cartoons aller Zeiten

    Die besten Superman-Cartoons aller Zeiten

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Superman ist mehr als nur der Mann aus Stahl – er ist ein Symbol. Seit fast einem Jahrhundert inspiriert er Generationen als Held, Ikone und moralischer Kompass. Kein Wunder, dass seine animierten Abenteuer mindestens so spannend, vielschichtig und emotional sind wie die Comics und Realverfilmungen, die sich seiner Figur widmen.

    Von nostalgischem Saturday-Morning-Charme über kühne „Was wäre wenn?“-Szenarien bis hin zu modernen, düsteren Neuinterpretationen zeigen diese Superman-Cartoons, warum der Kryptonier niemals aus der Mode kommt. Dieser Artikel ist für alle, die Superhelden lieben, Popkulturgeschichte erkunden oder einfach mitreißende Animation erleben wollen. Ob du mit den Klassikern groß geworden bist oder neugierig auf die neuesten DC-Abenteuer bist: Hier findest du die besten Superman-Cartoons aller Zeiten!

    Superman: The Animated Series (1996–2000)

    Diese Serie ist bis heute der Goldstandard für Superman-Fans – und gleichzeitig ein Gegenpol zu dem charmanten, aber naiven Super Friends. Während dort vor allem Teamwork und Nostalgie im Vordergrund stehen, macht The Animated Series Superman als Figur komplex und menschlich. Mit klarem, elegantem Stil, komplexen Figuren und durchdachten Storylines haben die renommierten Macher von Batman: The Animated Series auch hier echte Magie erschaffen. Clark Kent ist nicht nur der unerschütterliche Retter von Metropolis, sondern ein Mann mit Zweifeln, Humor und einem echten Herzen. Besonders stark: die dynamische Chemie mit Lois Lane, das dramatische Zusammenspiel mit Lex Luthor und Gastauftritte anderer DC-Legenden. Die Serie verbindet Action, Emotion und moralische Fragen auf eine Art, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen abholt. Pflichtprogramm für alle, die Superman nicht nur als Symbol, sondern als vielschichtige Figur erleben wollen.

    Super Friends (1973–1986)

    Okay, manchmal ist es mehr Slapstick als Spannung – aber genau das macht Super Friends so kultig. Superman kämpft hier Seite an Seite mit Batman, Wonder Woman, Aquaman und Co. gegen das Böse, oft in herrlich simplen, manchmal absurd-komischen Abenteuern. Für viele Kinder der 70er- und 80er-Jahre war diese Serie der erste Kontakt mit der Justice League – und damit ein Einstieg in die Welt der DC-Superhelden. Die Animation ist charmant altmodisch, die Moral dahinter klar, die Atmosphäre voller Feel-Good-Vibes. Wer nostalgische Popkultur-Momente sucht oder einfach wissen will, wie die DC-Helden als Team erstmals animiert zusammenkamen, wird hier fündig. Im Gegensatz zu The Animated Series, wo Superman auch Zweifel und Menschlichkeit zeigt, tritt er hier als unerschütterlicher Anführer in einer bunt-naiven Welt auf.

    Superman: Red Son (2020)

    Ein radikaler Gegenentwurf zu allem, was Super Friends oder The Animated Series ausmacht. Statt moralischer Klarheit und Metropolis-Optimismus geht es hier um ideologische Grauzonen. Dich erwartet ein mutiger Animationsfilm, der eine der faszinierendsten „Was wäre wenn?“-Geschichten im DC-Universum erzählt: Was, wenn Superman nicht in Kansas, sondern mitten in der Sowjetunion gelandet wäre? Statt zum Symbol amerikanischer Ideale wird er hier zur kommunistischen Ikone – mit all den politischen, moralischen und ideologischen Konflikten, die das mit sich bringt. Basierend auf dem gefeierten Comic von Mark Millar entwirft Superman: Red Son ein düsteres Paralleluniversum, das mit unseren Vorstellungen von Heldentum, Macht und Verantwortung spielt. Die Animation ist stilsicher, die Geschichte komplex und das Finale lässt einen nachdenklich zurück. Wer Superheldengeschichten mit Substanz und einem Hauch Realpolitik mag, sollte hier unbedingt reinschauen.

    Justice League (2001–2004) / Justice League Unlimited (2004–2006)

    Wo Super Friends die Blaupause für Team-Up-Action war, treibt Justice League dieses Prinzip in eine erwachsene, epische Richtung. Hier kämpft er mit seinen Freunden gegen intergalaktische Bedrohungen und moralische Dilemmata. Nach zwei Staffeln wurde die Serie als Justice League Unlimited fortgesetzt – jetzt mit einem riesigen Netzwerk aus Superhelden und -heldinnen des gesamten DC-Universums. Die Geschichten reichen von epischen Team-Missionen bis zu intimen, charakterzentrierten Folgen. Beide Serien gehören untrennbar zusammen und gelten als Meilensteine der DC-Animationsgeschichte. Sie bieten starkes Writing, komplexe Figuren und einen epischen Scope, der weit über einfache „Gut gegen Böse“-Geschichten hinausgeht. Ein Muss für alle, die ihre DC-Superhelden intelligent, spannend und emotional erleben wollen.

    All-Star Superman (2011)

    Wenn Red Son politische Extreme durchspielt, dann wählt All-Star Superman die intime, melancholische Perspektive. Dieser Comic-Streifen ist eine wunderschöne, melancholische Hommage an den Helden, der seit Jahrzehnten Generationen inspiriert. Basierend auf Grant Morrisons gefeierter Comicreihe erzählt der Film eine „letzte Superman-Story“: Clark Kent muss sich mit seiner Sterblichkeit auseinandersetzen, nachdem ihn eine tödliche Überdosis Sonnenenergie langsam auszehrt. Doch statt sich zurückzuziehen, nutzt er seine verbleibende Zeit, um die Welt ein letztes Mal besser zu machen. Der Animationsstil ist einzigartig und bleibt nah an der Vorlage, die Erzählung ist poetisch, philosophisch und emotional packend. All-Star Superman richtet sich an Fans, die den Helden von einer verletzlicheren Seite erleben möchten – aber auch an Neueinsteiger, die eine berührende, abgeschlossene Geschichte suchen.

    Superman: Man of Tomorrow (2020)

    Superman: Man of Tomorrow ist ein frischer, moderner Einstieg ins DC-Animationsuniversum – perfekt für alle, die Superman neu entdecken wollen. Der Film erzählt von Clarks frühen Tagen als Held, als er noch zwischen Reporterjob und Retterrolle jongliert und sich erstmals mit außerirdischen Bedrohungen wie Lobo und Parasite messen muss. Die Animation ist stylisch und etwas kantiger als frühere DC-Filme, der Humor sitzt, und die Figuren wirken menschlich und nahbar. Dabei bleibt der Film zugänglich für Neueinsteiger, ohne alte Fans zu vergraulen. Ein idealer Kontrastpunkt zu All-Star Superman: Dort Abschied, hier Neuanfang. Man of Tomorrow rückt die frühen Tage des Helden in den Fokus – mit mehr Humor, kantiger Optik und einer jugendlichen Energie, die an The Animated Series erinnert, aber viel moderner wirkt.

  • Was macht der Cast von 'Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast' (1997) heute?

    Was macht der Cast von 'Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast' (1997) heute?

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Mit dem Reboot rückt eder Slasher-Hit von 1997 wieder ins Rampenlicht. Damals wurde der Film zu einem Meilenstein des Teen-Horrors – dank düsterer Atmosphäre, Enterhaken-Mörder und einprägsamen Darstellern, die quasi über Nacht zu Stars wurden.

    Doch was wurde aus Jennifer Love Hewitt, Freddie Prinze Jr. und den anderen? Einige von ihnen blieben dem Genre treu, andere wagten den Absprung – mal mit großem Erfolg, mal mit etwas weniger Glück. In diesem Artikel zeigen wir dir, was der originale Cast heute macht.

    Jennifer Love Hewitt (Julie James)

    Während Sarah Michelle Gellar nach Buffy eine Pause einlegte und Bridgette Wilson sich weitgehend zurückzog, blieb Jennifer Love Hewitt konstant präsent und baute ihre Karriere sogar noch aus – als Schauspielerin, Produzentin und Autorin. Sie war und ist das prägende Gesicht des gemeinsamen Films. Nach dem Sequel und Erfolgen wie Heartbreakers wechselte Jennifer Love Hewitt ins Serienfach. Besonders prägend: ihre Hauptrolle in Ghost Whisperer und als Escort-Dame mit Doppelleben in The Client List. Seit 2018 spielt sie Maddie in 9-1-1, einer erfolgreichen Dramaserie rund um Feuerwehr und Notruf. Dort überzeugt sie mit emotionalem Tiefgang und spielt eine Figur mit interessanter Vorgeschichte.

    Freddie Prinze Jr. (Ray Bronson)

    Mit Eine wie keine und Scooby-Doo wurde er zum Teenie-Star – doch statt seine Schauspielkarriere wie Jennifer Love Hewitt (The Client List) weiter auszubauen, wandte sich Freddie Prinze Jr. dem Synchronsprechen zu: Als Voice Actor in Star Wars Rebels oder Mass Effect baute er sich eine zweite Karriere auf. Dazu kamen Wrestling-Engagements bei WWE und ein eigener Horrorfilm-Podcast. Ob romantisch, nerdig oder nostalgisch: Freddie hat bewiesen, dass man sich auch abseits der Leinwand auf ihn verlassen kann. Und genau wie Jennifer Love Hewitt hat auch Freddie Prinze Jr. einen Auftritt im Reboot von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast. Fans durften sich also auf ein längst überfälliges Wiedersehen mit Ray Bronson freuen.

    Sarah Michelle Gellar (Helen Shivers)

    Wer vom Horror der 90er spricht, kommt an ihr kaum vorbei: Sarah Michelle Gellar wurde durch Buffy zur Kultfigur. Nach Erfolgen wie Eiskalte Engel, The Grudge oder Scooby-Doo legte sie eine längere Pause ein, um sich um Familie und Projekte hinter der Kamera zu kümmern. 2023 kehrte sie mit der Mystery-Serie Wolf Pack zurück – allerdings blieb diese bei Kritik und Publikum hinter den Erwartungen. Dennoch ist Gellar nach wie vor eine einflussreiche Stimme in Sachen Female Empowerment. Beim Reboot von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast blieb sie dem Cast aber fern – obwohl Regisseurin Jennifer Kaytin Robinson laut eigener Aussage regelrecht darum gebettelt hat, sie wieder vor die Kamera zu zerren.

    Ryan Phillippe (Barry Cox)

    Phillippe war nie nur der Schönling – spätestens mit Eiskalte Engel bewies er, dass in ihm mehr steckt. Es folgten weitere ernste Rollen in Way of the Gun, Crash oder als Elite-Sniper in der Serie Shooter. In Big Sky spielte er eine spannende Figur, ebenso im etwas verunglückten Thriller The Locksmith (2023). Phillippe hat sich auf gebrochene Männer spezialisiert – vielschichtig, zwiegespalten und fern vom klassischen Leading Man. Er ähnelt darin seinem älteren Kollegen Muse Watson, der als Charakterdarsteller unter anderem in NCIS  oder Prison Break ernste, oft tragische Figuren verkörperte. Kurzum: Wer Phillippe heute sehen möchte, bekommt keine Teen-Romantik, sondern kantige Thrillerkost – mit einem Schauspieler, der seinem Schönling-Image längst entwachsen ist.

    Bridgette Wilson (Elsa Shivers)

    Sie war die strenge Schwester mit schlechtem Timing – und verschwand kurz nach dem Slasher-Film fast vollständig von der Bildfläche. Bridgette Wilson spielte in den 90ern noch in Filmen wie Mortal Kombat oder Billy Madison, bevor sie 2000 Tennislegende Pete Sampras heiratete. Danach konzentrierte sie sich auf ihr Familienleben und trat nur noch selten vor die Kamera, im Gegensatz zu Sarah und Jennifer, die bis heute in Serien wie Wolf Pack oder 9-1-1 ihre Starpower zelebrieren. 2022 wurde öffentlich, dass Bridgette an Eierstockkrebs erkrankt ist – seither befindet sie sich in Behandlung. Trotz diesem Rückzug bleibt sie für viele Fans ein Gesicht der 90er. Neue Filme gibt es nicht, doch ihre früheren Rollen genießen inzwischen Kultstatus.

    Muse Watson (Ben Willis / Der Fischer)

    Kaum ein Slasher-Killer war so grimmig ikonisch wie Watsons Enterhaken-Mörder. Doch der charakterstarke Muse Watson kann mehr als nur drohend schweigen: In NCIS spielte er Gibbs’ Mentor Mike Franks, in der ersten Staffel von Prison Break den inhaftierten Charles Westmoreland. Er ist Spezialist für Nebenrollen mit Gewicht – hart, wortkarg, aber oft mit moralischem Kern. Auch heute ist er gelegentlich in Indie-Filmen zu sehen oder auf Fan-Conventions aktiv. Es klingt wie eine leere Floskel, aber er ist wirklich ein Mann mit tausend Facetten. Wer einen verlässlichen Nebendarsteller mit Wiedererkennungswert sucht, findet ihn hier. Muse Watson mag nie der Megastar gewesen sein – doch seine Auftritte in Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast und Prison Break bleiben bis heute unvergessen.

  • Filme und Serien wie „Squid Game“: Tödliche Spiele und scharfe Sozialkritik

    Filme und Serien wie „Squid Game“: Tödliche Spiele und scharfe Sozialkritik

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Seit ihrem Start hat die Serie nicht nur Zuschauerrekorde gebrochen, sondern auch eine intensive Debatte entfacht: Ist Squid Game clevere Kapitalismuskritik oder lediglich eine brutale Unterhaltungsshow, die vorgibt, mehr zu sein? Fest steht, dass die Netflix-Produktion aus Südkorea längst zum popkulturellen Phänomen geworden ist – ein Werk, das den Nerv der Zeit trifft und weltweit Diskussionen über soziale Ungleichheit, Moral und menschliche Gier angestoßen hat.

    Wer nach dem Serienfinale spannende Titel erkunden möchte, die ähnliche Themen wie Ungleichheit, moralische Dilemmas und den Kampf ums Überleben behandeln, sollte die folgenden Serien und Filme nicht verpassen.

    10. Snowpiercer (2020, Serie)

    Die Serienadaption von Bong Joon-hos gleichnamigem Film bringt die Metapher des Zugs in voller Länge auf den Bildschirm: ein Zug, der die letzten Überlebenden nach einer Klimakatastrophe beherbergt, strikt nach Klassen sortiert. Vorne herrscht Luxus, hinten Elend. Mit Jennifer Connelly und Daveed Diggs erweitert die Serie den Filmstoff um politische Intrigen, Figurenentwicklung und langfristige Machtkämpfe. 

    Wie in Squid Game stehen soziale Ungleichheit und das allmähliche Aufbegehren der Unterdrückten im Zentrum. Für alle, die langfristige Gesellschaftsdramen bevorzugen, eine spannende Ergänzung zum gleichnamigen Film.

    9. Bargain (2022, Serie)

    Die südkoreanische Serie ist ebenso kompromisslos wie einfallsreich: Männer, die sich in einem Hotel als Freier einfinden, geraten in einen perfiden Organhandel. Während ihrer Auktion bricht ein Erdbeben aus, das das Gebäude zum Einsturz bringt – plötzlich sitzen Täter und Opfer im selben Boot. Bargain wirkt wie ein Albtraum aus Gier und Gewalt, ein Mix aus Sozialkritik und Survival-Drama, der die Brutalität des Marktes in buchstäbliche Körperlichkeit übersetzt. 

    Im Gegensatz zu Squid Game gibt es hier keine Arena-Spiele, sondern einen nackten Überlebenskampf unter Schutt und Geröll. Wer Geschichten schätzt, die Kapitalismuskritik mit physischem Terror verbinden, ist hier genau richtig.

    8. 3% (2016, Serie)

    Die brasilianische Serie 3% gehört zu den ersten internationalen Netflix-Hits und zeigt eine dystopische Welt, in der junge Menschen aus den Armenvierteln eine brutale Auswahlprüfung bestehen müssen, um in den privilegierten „Offshore“ zu gelangen. Nur drei Prozent schaffen es. Anders als Squid Game, das auf Spektakel und Schockmomente setzt, ist 3% minimalistisch inszeniert, oft fast karg. 

    Doch gerade diese Reduktion unterstreicht die gnadenlose Härte des Auswahlprozesses. Wie in Die Tribute von Panem oder eben Squid Game ist der soziale Aufstieg kein zu erarbeitender Traum, sondern ein blutiger Wettkampf. Wer subtile, aber harte Dystopien schätzt, sollte reinschauen.

    7. Alice in Borderland (2022, Serie)

    In dieser japanischen Serie werden drei Freunde plötzlich in ein leeres Tokio katapultiert – eine Stadt, die wie ein Spielbrett funktioniert, in dem tödliche Spiele über Leben und Tod entscheiden. Statt auf Kapitalismuskritik wie Squid Game setzt Alice in Borderland auf surreale, fast „Science-Fiction“-artige Elemente, die den psychologischen Druck weiter steigern. Jede Episode entwirft neue Spiele, die ebenso grotesk wie raffiniert sind, und lotet dabei die Abgründe menschlicher Verzweiflung aus. 

    Besonders stark ist die Serie in ihrer Bildsprache, die postapokalyptische Leere mit hektischer Action verbindet. Für alle, die in „Squid Game“ vor allem den gamifizierten Überlebenskampf mochten, lohnt sich die Serie besonders.

    6. Saw (2004–2023, Filmreihe)

    Die „Saw“-Reihe, mittlerweile zehn Filme stark, ist ein Klassiker des „Torture Horror“. Menschen werden in sadistische Spiele gezwungen, die über Leben und Tod entscheiden. Anders als in Squid Game fehlt die Kapitalismuskritik – hier geht es um moralische Prüfungen und den Willen zum Überleben. Doch die Parallelen liegen auf der Hand: Fremde müssen tödliche Rätsel lösen, deren Ausgang gnadenlos und final ist. 

    Während Saw dabei oft ins Splatterhafte kippt, bleibt Squid Game kalkulierter und politischer. Wer die Extreme solcher Szenarien mag, bekommt mit Saw das radikalere, blutigere Pendant zu sehen.

    5. Der Schacht (2019, Film)

    Galder Gaztelu-Urrutias spanischer Thriller ist eine gnadenlose Parabel auf soziale Ungleichheit: In einem vertikalen Gefängnis wandert Essen von oben nach unten. Während die oberen Etagen im Überfluss schwelgen, kämpfen die unteren ums nackte Überleben. Der Film steigert seine klaustrophobische Spannung von Szene zu Szene und zeigt, wie schnell Menschlichkeit in Hunger und Gewalt umschlägt. 

    Mit dem Prequel Der Schacht 2 wurde die bizarre Architektur später noch vertieft, doch der erste Film bleibt der einprägsamere. Wie Squid Game entlarvt er Mechanismen von Ausbeutung und Gier – nur noch karger, härter und ohne jede Verspieltheit. 

    4. Wir (2019, Film)

    Jordan Peeles Wir ist auf den ersten Blick ein Horrorfilm über Doppelgänger, doch unter der Oberfläche lauert eine scharfe Analyse über Klassenzugehörigkeit und Identität. Eine Mittelklasse-Familie wird plötzlich von ihren eigenen „Schatten“ bedroht, die aus den unterdrückten Schichten der Gesellschaft stammen. Wie Squid Game stellt der Film die Frage, wie dünn die Grenze zwischen Wohlstand und moralischem Abgrund tatsächlich ist. 

    Peele setzt dabei weniger auf Splatter als auf subtile Symbolik, groteske Bilder und beklemmende Atmosphäre. Wer Squid Game wegen seiner gesellschaftlichen Dimension mochte, findet hier eine ähnlich aufgeladene, aber poetische Auseinandersetzung – voller Doppelbödigkeit und unvergesslicher Bilder.

    3. The Menu (2022, Film)

    Ein luxuriöses Dinner auf einer abgelegenen Insel entwickelt sich zu einem tödlichen Psychospiel. Ralph Fiennes brilliert als Küchenchef, der die Taten seiner Gäste nach und nach entlarvt und bestraft – eine Oberschicht, die im Überfluss lebt, aber moralisch korrumpiert ist. Anya Taylor-Joy fungiert in einer einnehmenden Rolle als kritischer Gegenpol. 

    Wie Squid Game zielt The Menu auf den Entlarvungseffekt einer abgehobenen Elite. Mit seinem schwarzen Humor erinnert der Film an Satiren wie American Psycho. Doch statt Spiele gibt es Gänge, statt Gewinn für die Armen eine scharfe Abrechnung mit Dekadenz.

    2. Triangle of Sadness (2022, Film)

    Auch Ruben Östlunds Satire seziert die Welt der Reichen mit bissiger Schärfe. Auf einer Luxuskreuzfahrt treffen Influencer, Oligarchen und Schönheitsköniginnen aufeinander – bis die Idylle kippt und soziale Hierarchien grotesk neu geordnet werden. Wie Squid Game hält Triangle of Sadness der Gesellschaft einen Spiegel vor, allerdings mit mehr Spott und schwarzem Humor als mit Gewalt.

    Die berüchtigte Szene, in der zahlreiche Passagiere seekrank werden, ist in ihrer Aussagekraft nicht weniger drastisch als zugespitzte Dialoge über Macht und Status. Wer sich an Squid Game für den entlarvenden Blick auf Dekadenz begeisterte, findet hier eine absurd-komische Ergänzung – und eine der schärfsten Sozialsatiren des aktuellen Kinos.

    1. Parasite (2019, Film)

    Bong Joon-hos Oscar-Gewinner ist ein Meilenstein der Filmgeschichte: Eine arme Familie schleicht sich in das Leben einer reichen Familie ein – und der anfänglich clevere Schachzug eskaliert in blanke Gewalt. Wie Squid Game ist Parasite eine Parabel auf Klassengegensätze, nur subtiler und ohne Spielelemente. Stattdessen wird die Villa der Reichen zur Bühne einer Tragikomödie, in der Räume symbolisch für Machtverhältnisse stehen.

    Bong Joon-ho verbindet Spannung, Humor und Tragik meisterhaft, wodurch Parasite als Gesellschaftskritik ebenso eindrucksvoll wirkt wie als Thriller. Wer Squid Game für seine Kapitalismuskritik schätzt, findet hier das preisgekrönte Gegenstück.

  • Fortsetzung folgt: 7 spannende Prequels und Sequels, auf die sich Fans freuen dürfen

    Fortsetzung folgt: 7 spannende Prequels und Sequels, auf die sich Fans freuen dürfen

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Manche Geschichten sind einfach zu gut, um zu enden – oder zu lukrativ, um sie ruhen zu lassen. Hollywood hat das Prinzip der „zweiten, dritten und vierten Runde“ zum Modus Operandi erhoben: Kaum ein Erfolg, der nicht mit einem Prequel, Sequel oder Spin-off weiterverwertet wird. Zu oft entstehen dabei bloß Recyclingprodukte im Glanz bekannter Marken.

    Doch es gibt Ausnahmen – Projekte, die tatsächlich darauf hoffen lassen, dass neue Facetten eröffnet, Geschichten sinnvoll fortgesetzt, Figuren vertieft oder ganze Welten erweitert werden. Von Westeros bis Springfield, von Nonnenchören bis Modeimperien: Ein Blick auf bestätigte Prequels und Sequels, die tatsächlich spannend werden könnten. 

    7. Honey (2026)

    Die MI6-Agentin Marta führt im Ost-Berlin des Jahres 1982 einen geheimen Auftrag aus, doch die Stasi ist ihr bereits auf den Fersen: Honey führt zurück in den Kalten Krieg, die Hochzeit des Spionagegeschäfts – und soll die Vorgeschichte von Carolyn Martens aus Killing Eve erzählen, die in der Originalsserie von Fiona Shaw gespielt wurde.

    Killing Eve (2018–2022) war ein Meilenstein: Clever, doppelbödig, voll femininer Spannung zwischen Jägerin und Gejagter. Wenn Honey erneut diesen bittersüß-ironischen Ton trifft – aber in retro-ästhetischem Spionage-Setting – könnte daraus eine elegante Mischung aus Cold-War-Romantik und tödlicher Verführung werden. 

    6. The Hunger Games: Sunrise on the Reaping (2026)

    Nach The Ballad of Songbirds and Snakes (2023) geht die „Hunger-Games“-Saga weiter – und setzt diesmal 24 Jahre vor Katniss Everdeens Geschichte an: Der Film folgt dem jungen Haymitch Abernathy während der 50. Hungerspiele. Die Originalreihe war in ihren besten Momenten nicht allein Young-Adult-Dystopie, sondern auch politische Allegorie – über Macht, Spektakel und Widerstand. 

    Sunrise on the Reaping hat die Chance, diese Themen wiederzubeleben, ohne sich in Pathos zu verlieren. Wenn der Film Haymitch’ Zynismus und Trauma ernst nimmt, könnte er die Erzählung um eine interessante Perspektive auf die Figur erweitern – nicht als Mentor, sondern als Opfer eines Systems, das Helden frisst, bevor es sie ehrt.

    5. Elle (2026)

    Natürlich blond war 2001 eine charmante, feministische Komödie im rosa Gewand – witzig, klug,  charmant. Jetzt bekommt Protagonistin Elle Woods eine Vorgeschichte: Das Prequel soll von ihren Highschool-Jahren in den 1990er Jahren erzählen. Elle, so heißt es von Produktionsseite, will zeigen, wie aus der selbstbewussten Mode-Queen eine angehende Juristin wurde – samt Glitzer, Witz und Widerspruchsgeist. 

    Wenn Elle den Spagat zwischen Teen-Comedy und glaubwürdiger Charakterentwicklung schafft, könnte daraus ein moderner Nostalgie-Trip entstehen: weniger Parodie, mehr Ursprungsgeschichte einer Pop-Ikone. Reese Witherspoon produziert mit, was hoffen lässt, dass die Serie den Ton des Originals trifft – verspielt, aber nicht dumm.

    4. Die Simpsons 2 (2027)

    Zwanzig Jahre nach Die Simpsons - Der Film (2007) kehrt Amerikas vielleicht beliebteste Chaos-Familie auf die Kinoleinwand zurück. Der erste Film war eine anarchische Umweltkomödie über Homers fatale Dummheit und Springfields Einschluss unter einer riesigen Glaskuppel – grell, überdreht, aber voller klugem Witz und Charme.

    Was von Die Simpsons 2 zu erwarten ist, bleibt aktuell noch ein Rätsel: Disney hält die Handlung noch unter Verschluss. Doch wenn das Sequel seine satirische Schärfe wiederfindet und gleichzeitig das emotionale Familienzentrum wahrt, könnte es ein seltenes Revival gelingen: ein Film, der Nostalgie und Gegenwartsbeobachtung vereint. 

    3. Der Teufel trägt Prada 2 (2026)

    Fast 20 Jahre nach dem modischen Kultfilm kehrt Meryl Streep als Miranda Priestly zurück. Der Teufel trägt Prada (2006) war eine beißende Satire über Macht, Glamour und Selbstaufgabe in ihrem Dienste – getragen von Anne Hathaways einnehmender Naivität, die sie bald hinter sich lassen muss, und Streeps kühler Perfektion, die ihr eine Oscarnominierung einbrachte. 

    In der Fortsetzung steht Miranda vor einer neuen Krise: der sterbenden Printbranche. Emily Blunt spielt nun eine skrupellose Konzernstrategin, Stanley Tucci den loyalen Designer Nigel. Kenneth Branagh soll Priestlys Ehemann verkörpern. Auch Anne Hathaway wird wieder dabei sein – in welcher Rolle aber ist unklar. 

    2. Sister Act 3 (TBA)

    Whoopi Goldberg hat es bestätigt: Sister Act bekommt eine dritte Fortsetzung. Das Original von 1992 war ein komödiantisches Kleinod – eine singende Ganoven- und Nonnenkomödie mit Herz, getragen von Goldbergs Wärme und Witz. Der neue Film steht unter keinem allzu leichten Stern: Disney hat das Projekt 2020 angekündigt, Whoopi Goldberg sprach zwischenzeitlich bereits von einem fertigen Drehbuch, doch nach dem Tod von Maggie Smith, die die strenge Mutter Oberin spielte, musste es erneut überarbeitet werden. Wenn Sister Act 3 den Spagat zwischen Nostalgie und Lebensfreude meistert, könnte daraus eine Rückkehr zu jener Art von Komödie werden, die wir nur allzu gut gebrauchen können: Ein Humor, der in aller Leichtigkeit etwas zutiefst Menschliches erkennen lässt.

    1. A Knight of the Seven Kingdoms (2026)

    Nach dem Welterfolg von Game of Thrones und dem ambitionierten PrequelHouse of the Dragon wendet sich HBO nun einer stilleren, menschlicheren Geschichte zu. A Knight of the Seven Kingdoms spielt rund ein Jahrhundert vor den Ereignissen der Hauptserie und folgt dem jungen Ritter Ser Duncan dem Großen und seinem Knappen Egg – dem späteren König Aegon V.

    Das Projekt verspricht eine Rückkehr zu den Anfängen von Westeros: weniger Intrigen, mehr Abenteuer, weniger Blutrausch, mehr Freundschaftsbande. Wenn es der Serie gelingt, den Ton der Novellen von George R. R. Martin einzufangen, könnte A Knight of the Seven Kingdoms ein emotionales Herzstück des Thrones-Universums werden – erdverbunden, melancholisch, warm.

  • Von brutal bis ballettreif: Die 10 besten Kampfszenen der letzten Dekade

    Von brutal bis ballettreif: Die 10 besten Kampfszenen der letzten Dekade

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Kampfszenen sind längst mehr als bloße Kloppereien. Die besten unter ihnen sind Choreografie, Charakterzeichnung und Kameraarbeit in einem – kleine Meisterwerke inmitten des Chaos. In den letzten zehn Jahren haben Filmemacher, Stunt-Koordinatoren und Martial-Arts-Profis das Genre neu definiert: mit One-Take-Irrsinn, realistischen Keilereien und virtuosen Kämpfen, die mehr erzählen als viele Dialoge.

    Egal ob mit Tom Hardy durch dunkle Korridore (Havoc) oder mit Keanu Reeves über Pariser Treppen (John Wick 4): Diese Szenen bleiben im Kopf – und im Magen. Wir präsentieren dir an dieser Stelle zehn ikonische Kampfszenen der letzten Dekade. Jeder Tritt ein Statement, jeder Schuss ein Treffer!

    Havoc (2025)

    Tom Hardy prügelt sich durch eine düstere Unterwelt, inszeniert von Gareth Evans (The Raid). Besonders intensiv: eine Blockhüttenbelagerung bei Schneetreiben, choreografiert von Jude Poyer. Gedreht wurde mit praktischen Effekten und präzisem Stunt-Timing – visuell unterstützt durch jede Menge CGI. Die Kämpfe in Havoc wirken dennoch roh, improvisiert und glaubwürdig brutal. Evans setzt weniger auf Spektakel als auf Körpereinsatz, Schwerkraft und Schmerzerfahrung ohne Kompromisse. Hardy liefert nicht nur Präsenz, sondern auch spürbare Erschöpfung – was die Action besonders geerdet macht. Der Film hält immer voll drauf, gerade dann, wenn es richtig wehtut. Havoc ist kompromissloses Genre-Kino mit echtem Punch – atmosphärisch, düster und für Fans schnörkelloser Action absolut sehenswert. Havoc steht damit am realistischen Ende des Spektrums – wo rohe Körperlichkeit noch glaubwürdig bleibt, bevor The Night Comes for Us sie in exzessive Kunst verwandelt.

    The Night Comes for Us

    In The Night Comes for Us liefert Timo Tjahjanto eine kompromisslose Gewaltstudie, deren legendärste Szene im Schlachthaus spielt: Joe Taslim gegen Iko Uwais – zwei Martial-Arts-Veteranen, die physisch alles geben. Die Kamera bleibt konsequent nah dran, filmt durch Glassplitter, zwischen Fleischhaken und Blutspritzern. Choreografiert wurde die Szene von Uwais’ eigenem Stunt-Team, das sich auf brutale Silat-Techniken spezialisiert hat. Jeder Treffer klingt real, jede Bewegung ist Teil eines tödlichen Tanzes. Die Gewalt wirkt nicht stilisiert, sondern roh, chaotisch und “ehrlich”. Während Havoc noch auf schmutzigen Realismus setzt, treibt The Night Comes for Us die Action ins Groteske – exzessiv, kompromisslos und ungebändigt.

    John Wick: Kapitel 4

    Im vierten Teil der John Wick-Reihe kämpft sich Keanu Reeves ein zweites Mal durch Paris – diesmal buchstäblich Stufe für Stufe. Der ikonische Treppenkampf bei Montmartre wurde an Originalschauplätzen gedreht und von 87eleven Action Design choreografiert. Die Szene ist nicht nur visuell eindrucksvoll, sondern dramaturgisch brillant: Jede Rückwärtsrolle, jeder Sturz verstärkt das Gefühl, dass Wick an seine Grenzen geht. Die Kamera bleibt oft in der Totalen, verzichtet weitestgehend auf hektische Schnitte und zeigt, wie präzise die Choreografie tatsächlich ist. Im Gegensatz zum chaotischen Blutrausch von The Night Comes for Us kontrolliert John Wick 4 jede Bewegung – ein Tanz aus Präzision, Stil und Schmerz. Es geht nicht um Coolness, sondern um Effizienz.

    Nobody

    In Nobody überrascht Bob Odenkirk als Familienvater mit einer krassen Vergangenheit – und zwei Fäusten, die ein Busabteil in ein Schlachtfeld verwandelt. Der ikonische Kampf wurde von Daniel Bernhardt choreografiert, gemeinsam mit 87eleven, und punktet durch glaubwürdige Erschöpfung, improvisierte Gewalt und … äh … Platzmangel. Odenkirk hat monatelang trainiert, um den Realismus aufrechtzuerhalten: Er kämpft ungeschickt, taumelt, stürzt – und steht immer wieder auf. Die Szene spielt nicht mit Heldenposen, sondern zeigt die rohe, körperliche Anstrengung eines Mannes, der einfach nicht aufgeben will. Diese rohe, fast unbeholfene Physis unterscheidet Nobody von der glatten Eleganz eines John Wick. Es ist eine Hommage – und zugleich ein Gegenentwurf: schmutzig, ehrlich, menschlich. Wo John Wick chirurgisch agiert, kämpft Nobody ungeschliffen und menschlich – weniger Perfektion, mehr Realität.

    Atomic Blonde 

    Atomic Blonde liefert eine der körperlich intensivsten Kampfszenen der letzten Dekade: den Treppenhaus-Fight in Berlin. Gedreht in mehreren langen Takes, clever montiert, um wie ein einziger Kampf zu wirken – aber eben nicht ungeschnitten. Charlize Theron absolvierte große Teile der Choreografie selbst, trainierte monatelang mit Stunt-Teams, darunter auch Sam Hargrave. Der Stil ist kühl, der Schmerz real, der Rhythmus präzise. Es wird gestürzt, gekeucht, geblutet – mit minimaler Musikuntermalung und maximal schwerer Atmung. Die Kamera bleibt nah dran, verliert aber nie die Übersicht. Eine Szene, die physische Präsenz und filmisches Können auf meisterhafte Weise vereint. Während Nobody rohe Körperlichkeit zeigt, setzt Atomic Blonde auf eine stylische Inszenierung. Hier ist jeder Fight ein eleganter Kraftakt.

    Tyler Rake: Extraction

    Chris Hemsworth spielt in Extraction einen Söldner, der einen Jungen durch Dhaka rettet – mit einer spektakulären Actionsequenz, die wie ein 12-minütiger One-Take wirkt. Tatsächlich wurde sie aus mehreren Einstellungen zusammengesetzt, nahtlos verbunden mit digitalem Feinschliff. Was Atomic Blonde auf engem Raum zeigt, weitet Extraction zu einem Schlachtfeld aus – mit derselben physischen Intensität, aber größerem Maßstab. Regisseur Sam Hargrave, selbst erfahrener Stuntprofi, filmte teilweise mit Kamera am Körper – für maximale Nähe. Die Szene wechselt zwischen Autoverfolgung, Faustkampf, Schießerei und Sprung durch Fenster, ohne an Dynamik zu verlieren. Das Besondere: Es ist nicht die Länge, sondern der Fluss, der die Zuschauerinnen und Zuschauer beeindruckt. Jede Bewegung ist nachvollziehbar, jede Eskalation ein Hochgenuss. Extraction hat das Netflix-Actionkino neu definiert – und diese Szene bleibt das eindrucksvolle Herzstück.

    Kill Boksoon

    Kill Boksoon erzählt von einer Auftragskillerin (Jeon Do-yeon), die beruflich makellos funktioniert – und privat immer weiter ins Wanken gerät. Die eindrucksvollste Kampfszene des Films verbindet choreografische Eleganz mit innerer Spannung: Jeder Schlag wirkt kontrolliert, jede Bewegung durchdacht. Regisseur Byun Sung-hyun arbeitet mit ruhiger Kamera, klarer Lichtregie und makellosem Rhythmus. Es ist keine banale Zurschaustellung von Action, sondern hier ist alles Teil einer psychologischen Eskalation. Gewalt ist hier Ausdruck von Status, Haltung und Selbstbeherrschung. Die Action lebt von Timing, Körpergefühl und dem emotionalen Subtext. Kill Boksoon liefert dadurch nicht nur spannende Action, sondern ein glaubwürdiges Charakterporträt mit stilistischer Klarheit. Während Extraction permanentes Dauerfeuer liefert, konzentriert sich Kill Boksoon auf kontrollierte Gewalt – weniger Chaos, mehr Haltung.

    The Batman

    Der mega-stylische Flurkampf in The Batman ist ein geniales visuelles Konzept: völlige Dunkelheit, unterbrochen nur vom Licht der Mündungsfeuer. Regisseur Matt Reeves wollte keine klassische Actionszene, sondern ein Gefühl von Schrecken, Hochspannung und absoluter Kontrolle vermitteln. Die Choreografie ist brutal und effektiv. Robert Pattinson bewegt sich mit schwerer Rüstung und gezielter Wut durch enge Gänge, jede Bewegung wirkt geplant. Der Verzicht auf Musik verstärkt den Druck. Das Sounddesign sorgt dafür, dass man jeden Tritt, Schlag und Einschlag körperlich spürt. Besitzer einer Surround-Anlage kommen hier akustisch besonders auf ihre Kosten. Und im Gegensatz zur grazilen Präzision von Kill Boksoon fokussiert sich The Batman auf die Schwere und Düsternis der Gewalt.

    Creed II

    Während The Batman kühl und konzeptionell bleibt, setzt dieses Werk auf pure Emotion – ein Kampf aus dem Herzen, nicht aus dem Kalkül. Im finalen Kampf von Creed II treffen Adonis Creed und Viktor Drago im Ring aufeinander – zwei Männer, die nicht nur boxen, sondern auch die Geschichte ihrer Väter verarbeiten. Die Szene ist emotional, wuchtig und inszeniert mit rhythmischer Bildsprache. Regisseur Steven Caple Jr. nutzt bewegliche Kamera und klare Schnittführung, um jede Bewegung greifbar zu machen. Michael B. Jordan und Florian Munteanu bringen eine physische Intensität mit, die auf monatelanges Training mit echten Boxprofis zurückgeht. Der Kampf selbst ist weniger sportlich realistisch als dramaturgisch verdichtet: Es geht um Trauma, Identität und die Überwindung familiärer Schatten. Ein Finale, das ins Schwarze trifft – im Ring und darüber hinaus.

    The Woman King

    In The Woman King stehen die sogenannten “Agojie”, ein historisches Kriegerinnen-Regiment, im Fokus – repräsentiert von einer körperlich beeindruckenden Performance, meisterhaft angeführt von Viola Davis. Die Frauen wurden monatelang für intensive Kampftrainings vorbereitet, um echte Techniken, Geschwindigkeit und Kraft zu vermitteln. Fight-Choreografin Jenel Stevens kombinierte traditionelle afrikanische Bewegungsmuster mit moderner Stuntarbeit, geprobt und umgesetzt ohne Superheldenstil. Die Kamera bleibt stets nah an den Kämpfenden, der Schnitt betont Aufprall und Wucht. Das Ergebnis ist real, körperlich spürbar und ohne Überzeichnung. The Woman King verknüpft authentische Geschichte mit überzeugender Action – dramatisch, kraftvoll und geerdet. Was Creed II im Boxring erzählt, führt The Woman King auf dem Schlachtfeld fort – nicht als Duell, sondern als kollektiver Akt der Selbstbehauptung.

  • Die 10 besten Familienfilme auf Disney+

    Die 10 besten Familienfilme auf Disney+

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Manchmal reicht ein Filmabend, um die Woche wieder geradezurücken. Einer sitzt schon mit der Decke bereit, jemand anderes macht Popcorn, und irgendwo im Hintergrund läuft das Disney+-Logo. Familienfilme sind so etwas wie das sichere Terrain des Kinos - sie wissen, wie man Menschen zusammenbringt, ohne dass es sich bemüht anfühlt. 

    Die besten davon schaffen den Spagat zwischen Leichtigkeit und Herz, zwischen Lachen und echtem Gefühl. Sie erinnern daran, warum Geschichten uns verbinden: weil sie zeigen, wie ähnlich wir uns sind, egal wie alt. Und gerade jetzt, wenn draußen wieder Jackenzeit ist, funktionieren sie noch besser. Es gibt kaum etwas Schöneres, als gemeinsam einen Film zu schauen, der alle abholt – ob animiert, nostalgisch oder neu entdeckt. In dieser Liste findest du die größten Familien-Filmhits auf Disney+ - ohne FSK, dafür aber mit Unterhaltungsgarantie. 

    1. Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013)

    Was hier am meisten berührt, ist nicht das Eis, sondern die Zärtlichkeit, mit der zwei Schwestern zueinanderfinden. Die Eiskönigin  erzählt von Angst und Rückzug, aber auch davon, dass Liebe nicht laut sein muss, um alles zu verändern. Anna bleibt nicht stehen, selbst wenn ihr Ziel unklar ist, und Elsa lernt, dass Isolation kein Schutz ist. Das wirkt ehrlich, weil die Konflikte emotional nachvollziehbar sind. Wo Der König der Löwen Verantwortung im Außen sucht, bleibt Die Eiskönigin im Inneren - kleiner, aber unmittelbarer. Der Film schafft das Kunststück, große Bilder mit echter Verletzlichkeit zu verbinden. Kein Zufall, dass „Let It Go“ so funktioniert: Es ist kein Siegessong, sondern ein Befreiungsschrei. In dieser Liste steht Die Eiskönigin für das, was viele moderne Disney-Filme wiedergefunden haben: Selbstannahme statt Perfektion.  

    2. Toy Story (1995)

    Man vergisst leicht, wie revolutionär Toy Story war - nicht nur technisch, sondern auch emotional. Die Idee, dass Spielzeuge ein Eigenleben führen, wäre belanglos geblieben, hätte der Film sie nicht mit echter Melancholie gefüllt. Woody verliert an Bedeutung, Buzz verliert seine Illusion, und beide lernen, dass Freundschaft etwas ist, das man pflegen muss, nicht besitzen. Es gibt keinen klassischen Schurken, nur Veränderung. Das macht den Film so menschlich. Wie Ratatouille später, feiert Toy Story das, was entsteht, wenn jemand an sich glaubt, obwohl niemand zusieht. Und obwohl die Geschichte in einem Kinderzimmer beginnt, wirkt sie größer als viele Abenteuerfilme. Jeder Moment ist präzise getimt, jedes Detail erzählt von Sorgfalt. Man kann ihn mit Kindern sehen, aber er trifft auch Erwachsene - auf eine sanfte und ehrliche Art. Am Ende bleibt dieses eigenartige Gefühl, ein Stück der eigenen Kindheit wiedergefunden zu haben, und genau das ist seine Magie.

    3. Der König der Löwen (1994)

    Der König der Löwen wirkt wie ein Ritual, das man nicht zum ersten Mal sieht und doch jedes Mal neu erlebt. Hinter der Musik, den Farben und dem Pathos steckt eine sehr menschliche Geschichte über Angst vor der eigenen Rolle. Simba wächst nicht durch Kampf, sondern durch Reue. Das macht ihn greifbar, weil Stärke hier aus Akzeptanz entsteht. In dieser Liste ist der Film das Fundament, auf dem Narnia später aufbaut - beide arbeiten mit Symbolen, aber Der König der Löwen bleibt direkter. Es sind nicht nur die prachtvollen Bilder und die unvergesslichen Songs wie „Circle of Life“ von Musiklegende Elton John, die diesen Film auszeichnen -  wenn Simba am Ende endlich seinen Platz als König einnimmt, begeistert das jede Familie gleichermaßen. Hier ist Gänsehaut garantiert, und wenn der Abspann läuft, fühlt man sich nicht überwältigt, sondern geklärt. Ein Film, der daran erinnert, dass Verantwortung nichts Theatralisches ist, sondern ein stiller Entschluss.

    4. Vaiana (2016)

    Man kann den Wind fast spüren, wenn Vaiana  ihren Kurs sucht. Der Film erzählt nicht vom Sieg über andere, sondern vom Vertrauen in sich selbst. Kein Prinz, keine Rettung und keine klassische Krone - nur ein Mädchen, das hinausfährt, weil Stillstand keine Option ist. Die Bilder sind von einer Klarheit, die fast meditativ wirkt, und das Meer ist Figur, Rhythmus und Spiegel zugleich. Vaiana hat Humor, aber nie auf Kosten seiner Ernsthaftigkeit. Jeder Song treibt die Handlung voran, statt sie zu unterbrechen. Und das Schönste: Der Film nimmt kindliche Entdeckerfreude ernst, ohne sie zu verniedlichen. Er zeigt, dass Selbstfindung kein großer Knall ist, sondern ein Prozess aus Versuch und Irrtum. Wo Die Eiskönigin innen kämpft, zieht Vaiana nach außen: dieselbe Sehnsucht, aber ein anderer Weg. Wenn draußen das Wetter grau ist, fühlt sich dieser Film wie eine Einladung an, den eigenen Kompass wieder auszurichten.

    5. Die Unglaublichen (2004)

    Hinter all dem Tempo steckt hier ein erstaunlich ehrlicher Film über Familie. Die Unglaublichen  zeigt, dass Superkräfte nicht das Leben leichter machen, sondern nur komplizierter. Bob Parr will wieder Held sein, Helen will Normalität - und beide liegen richtig. Daraus entsteht eine Spannung, die viel echter wirkt als jeder Kampf mit Bösewichten. Der Humor trifft, weil er Alltag kennt. Man lacht, erkennt sich, und merkt, dass hier jemand die Dynamik einer Familie wirklich beobachtet hat. Die Action ist brillant choreografiert, aber nie Selbstzweck. Es geht um Kommunikation und um das Aushalten von Differenzen. Wer Zoomania schätzt, wird hier dieselbe kluge Balance finden: Unterhaltung mit Substanz. Am Ende bleibt kein Triumphgefühl, sondern Zufriedenheit, weil hier alle Figuren etwas verstehen, statt nur zu gewinnen. Die Unglaublichen sind genau deshalb so glaubwürdig: Sie scheitern auf die schönste Weise.

    6. Zoomania (2016)

    Zoomania ist einer dieser Filme, die man einschaltet, weil sie lustig aussehen und dann plötzlich merkt, dass sie richtig was zu sagen haben. In dieser Stadt voller Tiere will die ehrgeizige Häsin Judy Hopps unbedingt Polizistin werden, obwohl niemand ihr das zutraut. Der Trickbetrüger Nick Wilde, ein Fuchs mit goldenem Herz, wird unfreiwillig ihr Partner. Gemeinsam stolpern sie in einen Fall, der viel größer ist, als sie dachten. Das macht Spaß, weil jede Figur Witz, Timing und Charakter hat - die Kinder lachen über Faultiere im Amt, Erwachsene über die Satire dahinter. Und während Die Unglaublichen zeigt, wie Familie funktioniert, erzählt Zoomania, wie Gesellschaft funktioniert - mit Augenzwinkern, aber auch Gefühl. Der Film ist laut, bunt, klug, und trotzdem bleibt er warm. Wenn Judy am Ende sagt, dass Veränderung mit einem selbst beginnt, fühlt sich das an wie eine kleine Erinnerung für alle, die gerade glauben, nichts bewegen zu können.

    7. Ratatouille (2007)

    Man kann fast den Duft aus der Pfanne riechen. Ratatouille ist ein Film über Leidenschaft, Ehrgeiz und die Freude am Können - und das alles aus der Perspektive einer Ratte. Remy träumt davon, Koch zu werden, obwohl ihn niemand in einer Küche haben will. Es ist die perfekte Disney-Geschichte über Träume, die Widerstände überwinden.  Was diese Geschichte besonders macht, ist ihre Zärtlichkeit: Wie Toy Story feiert Ratatouille das Streben nach Bedeutung, hier duftet es allerdings nach Butter und Pfeffer statt nach Kindheit. Der Kritiker am Ende, der nach einem Bissen plötzlich wieder fühlen kann - das ist Kino pur. Ratatouille ist eine kulinarische Reise voller Humor, Kreativität und einem Hauch von Magie. Damit ist der Film über unsere Lieblingsratte nicht nur was für Gourmets, sondern für alle, die lachen, träumen und mitfiebern wollen und Paris gerne mal in einem anderen Licht sehen.

    8. Cars (2006)

     Cars beginnt laut und endet leise, und genau das ist seine Stärke. Lightning McQueen ist schnell, ehrgeizig und völlig überzeugt, dass Gewinnen alles ist. Dann strandet er jedoch in Radiator Springs, einer kleinen Stadt voller Menschen - oder besser gesagt: Autos - mit Geschichten. Dort lernt er, dass Erfolg ohne Freundschaft leer bleibt und präsentiert einen Film über sowohl Tempo und Stillstand, als auch über Zuhören und Dazugehören. Kinder lieben hier die bunten Rennen, Erwachsene spüren die Wärme dazwischen. Wo Ratatouille das Handwerk feiert, feiert Cars die Entschleunigung. Er zeigt, dass man manchmal stehenbleiben muss, um zu begreifen, wohin man eigentlich fährt. Der Humor ist freundlich, die Figuren ehrlich, und die Botschaft einfach, aber nie banal. Cars ist kein Film über Autos, sondern über Menschen - und darüber, wie man lernt, das Tempo des Lebens zu finden, das wirklich passt.

    9. Mary Poppins (1964)

    Es gibt Filme, die veralten nie, weil sie etwas so Grundsätzliches erzählen, dass man sie immer wieder neu versteht. Mary Poppins gehört dazu. Sie taucht auf, als der Wind dreht, und bringt einer müden Familie das Lachen zurück. Nicht mit Zauberstäben, sondern mit Haltung. Alles, was sie tut, ist leicht - sei es ein Lied, ein Blick oder die bestimmte Art, Dinge wieder zum Leben zu erwecken. Während die Kinder staunen, stolpern die Eltern, und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das heute noch funktioniert: ein Gefühl von Geborgenheit, ohne dass jemand es so nennt. Julie Andrews spielt diese Rolle mit einer Eleganz, die nichts beweisen will. Ihre Poppins ist fordernd und freundlich zugleich, streng genug, um ernst genommen zu werden, warm genug, um Herzen zu öffnen. Jeder Song hat Witz und Timing, jeder Moment Rhythmus. Der Film ist charmant, aber nie süßlich, nostalgisch, aber nie alt. Wenn sie am Ende mit ihrem Schirm verschwindet, bleibt das Wohnzimmer still, aber heller. Wie Zoomania viele Jahre später, erzählt auch Mary Poppins von Veränderung - nur leiser, persönlicher und mitten im Alltag. Und vielleicht ist das ihr größter Zauber: Sie bringt nichts Neues, sie erinnert nur daran, was längst da war.

    10. Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (2005)

    Vier Geschwister stolpern in Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia in einen Schrank und finden sich plötzlich in einer Welt aus Schnee, Fabelwesen und einem sprechenden Löwen wieder. Das klingt zwar erst verrückt, funktioniert aber, weil der Film das alles völlig ernst nimmt. Hier gibt es keine Ironie, kein Blinzeln in die Kamera, sondern einfach echtes Staunen. Was Narnia so charmant macht, ist seine Mischung aus Abenteuer und Wärme. Die Kinder dürfen Fehler machen, sich streiten, Angst haben und trotzdem über sich hinauswachsen. Der König der Löwen erzählt dasselbe über Verantwortung, nur in der Sonne - Narnia macht es im Schnee. Und wenn sich der Schrank am Ende wieder schließt, hat man dieses angenehme Gefühl, dass irgendwo da draußen immer noch eine Tür wartet, die man vielleicht nur lange genug anschauen muss.

  • Für Fans von „Der Sommer, als ich schön wurde“:  8 ähnliche Young Adult-Serien

    Für Fans von „Der Sommer, als ich schön wurde“: 8 ähnliche Young Adult-Serien

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Sommer, Sonne, erste Liebe und jede Menge Drama - das sind die Zutaten, die „Der Sommer, als ich schön wurde“ so erfolgreich gemacht haben. Wer sich in diese explosive Mischung aus Herzklopfen und emotionalen Verwirrungen verliebt hat, findet hier acht weitere Serien, die genauso viele Emotionen, Herzschmerz und jugendliche Wirbelstürme bieten wie „Der Sommer, als ich schön wurde“.

    Von chaotischen Teenagergefühlen bis hin zu tiefgründigen Beziehungen, langen Nächten und sehnsüchtigen Blicken: Diese Serien sind die perfekte Fortsetzung für die nächste Binge-Watching-Nacht. Mit JustWatch erfahrt ihr natürlich außerdem, wo ihr jede einzelne dieser Serien direkt streamen könnt.

    1. Outer Banks (seit 2020)

    Der perfekte Mix aus Abenteuer, Spannung und dramatischer Romantik und genau das, was Fans von „Der Sommer, als ich schön wurde“ suchen: Outer Banks. Die Geschichte dreht sich um John B. und seine Freunde, die auf der Suche nach einem verschollenen Schatz in eine Welt voller Geheimnisse, Gefahren und natürlich romantischer Verwicklungen stolpern. Besonders die Beziehung zwischen John B. und Sarah geht durch Höhen und Tiefen und sorgt für jede Menge Herzklopfen. Mit dem Sommer, einem wilden Abenteuer und der intensiven Chemie zwischen den beiden gibt es einen unvergesslichen Mix aus Gefühl und Spannung. Wer sich in die Welt von „Der Sommer, als ich schön wurde“ verliebt hat, wird sich in Outer Banks sofort wiederfinden. Hier gibt es alles: Action, Drama, Romantik und den typischen Sommervibe, der diese Geschichten so fesselnd macht.

    2. Noch nie in meinem Leben (2020 - 2023)

    Noch nie in meinem Leben hat alle Zutaten, die auch „Der Sommer, als ich schön wurde“ zu einem Hit gemacht haben: Chaos, Romantik und jede Menge jugendliche Verwirrungen. Devi, die Heldin der Serie, stolpert durch ihre Highschool-Jahre und versucht gleichzeitig, ihre indische Herkunft mit ihrem westlichen Leben in Einklang zu bringen. Das Resultat? Eine Geschichte voller Missverständnisse, erster Liebe und jeder Menge Drama. Ihre chaotischen Gefühle für Paxton und Ben und der damit verbundene Herzschmerz kommen einem in jeder Hinsicht bekannt vor, denn das ist fast wie bei Belly und ihren Wirrungen zwischen den Brüdern. Es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um das Selbstfinden und den Versuch, die eigene Identität inmitten von Gefühlen und Teenagerwirren zu entdecken. Wer „Der Sommer, als ich schön wurde“ mochte, wird auch Noch nie in meinem Leben lieben!

    3. Fate: The Winx Saga (2021–2022)

    Fate: The Winx Saga bringt genau das auf den Punkt, was auch „Der Sommer, als ich schön wurde“ so spannend macht: Drama, erste Liebe und eine gehörige Portion Teenagerchaos - nur, dass in dieser Serie Magie eine große Rolle spielt. An der magischen Internatsschule Alfea müssen fünf junge Feen nicht nur ihre Kräfte entdecken, sondern sich auch mit den üblichen Teenagerproblemen wie Liebe, Rivalitäten und Freundschaft auseinandersetzen. Die Serie kombiniert Fantasy mit jugendlichem Drama, bei dem ebenfalls emotionale Konflikte und ungestüme Sommerromanzen im Vordergrund stehen. Trotz gemischter Kritiken hat die Serie eine treue Fangemeinde, die sich in der Mischung aus Magie und Drama gut aufgehoben fühlt. Wer Lust auf ein bisschen Zauber in der Teenagerromantik hat, ist hier genau richtig.

    4. The Secret Life of the American Teenager (2008 - 2013)

    The Secret Life of the American Teenager könnte auf den ersten Blick etwas ernster wirken als „Der Sommer, als ich schön wurde“, aber es hat das gleiche Maß an Drama und Emotionen. Die Serie folgt Amy, die mit einer ungewollten Schwangerschaft und den Konsequenzen ihrer Handlungen zu kämpfen hat. Die Herausforderung besteht darin, sich nicht nur mit ihrer eigenen Identität auseinanderzusetzen, sondern auch mit den Beziehungen, die sie umgeben. Während „Der Sommer, als ich schön wurde“ die erste Liebe und die unerforschten Gefühle zwischen Belly und den Jungs thematisiert, geht es hier um die Entwicklung und Verantwortung, die mit den ersten Beziehungen und den größeren Fragen des Lebens einhergeht. Vor allem die emotionale Tiefe und die dramatischen Momente machen diese Serie genauso packend.

    5. Heartstopper (2022-2024)

    Zart, emotional und so süß wie die ersten Schmetterlinge im Bauch: Heartstopper fängt die Romantik und die innere Entwicklung von Charlie und Nick ein. Die beiden Jugendlichen verlieben sich langsam ineinander und müssen sich sowohl mit ihren eigenen Ängsten als auch mit den Herausforderungen der Gesellschaft auseinandersetzen. Ihre Reise ist berührend und feinfühlig, genau wie die langsamen Annäherungen, die wir bei Belly und Conrad sehen. Wer bei „Der Sommer, als ich schön wurde“ die leisen, aber tiefgründigen Momente geliebt hat, wird Heartstopper genauso zu schätzen wissen. Diese Serie spricht nämlich nicht nur die zarten Seiten der ersten Liebe an, sondern zeigt auch die Kraft der Akzeptanz und der Selbstfindung.

    6. Türkisch für Anfänger (2006 - 2008)

    Diese deutsche Serie könnte auf den ersten Blick eine etwas unerwartete Ergänzung zu einer Liste wie dieser sein, aber wer „Der Sommer, als ich schön wurde“ liebt, wird auch von der Dynamik von Türkisch für Anfänger begeistert sein. Im Mittelpunkt steht die Familie von Lena, deren Leben auf den Kopf gestellt wird, als ihre Mutter einen türkischen Mann heiratet,und sie plötzlich mit einer völlig neuen Familie und Kultur konfrontiert wird. Auch die Teenager in der Serie erleben ihre eigenen Verwirrungen und ersten Liebesgeschichten, was zu genau dem Drama und den Herzensentscheidungen führt, die auch in „Der Sommer, als ich schön wurde“ eine Rolle spielen. Mit viel Humor, aber auch reichlich Drama zeigt Türkisch für Anfänger, dass Teenager immer wieder auf die gleichen Herausforderungen stoßen, egal aus welchem Hintergrund sie kommen.

    7. Dare Me (2019)

    Dare Me taucht tief in die düstere Welt des Cheerleadings ein, wo Rivalitäten und Geheimnisse den Alltag der Mädchen bestimmen. Die Spannung zwischen den Charakteren ist greifbar, und hinter jeder Ecke lauern Überraschungen und ungelöste Konflikte. Die Serie ist ein bisschen düsterer als „Der Sommer, als ich schön wurde“, aber sie teilt das gleiche Maß an innerer Zerrissenheit und emotionaler Tiefe. Wer die inneren Kämpfe und dramatischen Konflikte in „Der Sommer, als ich schön wurde“ geschätzt hat, wird in Dare Me eine neue, aber genauso packende Welt entdecken.

    8. Ginny & Georgia (seit 2021)

    Das Chaos der Jugend und die Geheimnisse einer wilden Mutter-Tochter-Beziehung wird bei Ginny & Georgia auf ein neues Level gebracht. Ginny, anfangs 15 Jahre alt, muss sich nicht nur mit den üblichen Teenager-Dramen wie erster Liebe und der Frage „Wer bin ich eigentlich?“ auseinandersetzen, sondern auch mit ihrer komplexen Beziehung zu ihrer Mutter Georgia, die eine ganz eigene, geheimnisvolle Vergangenheit hat. Die Serie mischt Drama, Romantik und Geheimnisse ähnlich wie in „Der Sommer, als ich schön wurde“, nur dass hier die Beziehungen noch ein bisschen chaotischer sind. Während Ginny sich zwischen zwei Jungs hin- und hergerissen fühlt, kämpft sie gleichzeitig mit der Herausforderung, ihre eigene Identität zu finden. Ein Muss für alle, die Drama, starke Frauenfiguren und eine Menge unerforschter Gefühle lieben!

  • „Das Omen“: Alle Filme und Serien der Horror-Reihe in richtiger Reihenfolge

    „Das Omen“: Alle Filme und Serien der Horror-Reihe in richtiger Reihenfolge

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Es ist erstaunlich, wie sehr uns das Böse seit jeher fasziniert: Schon immer erzählen sich die Menschen Geschichten von Dämonen, dunklen Mächten und unerklärlichen Phänomenen – und seit den späten 1960er Jahren hat auch das Kino diese Stoffe intensiver verarbeitet. Nach Rosemaries Baby (1968) und Der Exorzist (1973) griff Das Omen (1976) die Vorstellung vom Antichristen auf und machte sie zum Zentrum einer ganzen Filmreihe.

    Die Geschichte um den kleinen Damien, der sich als Sohn des Satans entpuppt, traf einen Nerv und wurde zu einem der prägenden Horror-Franchises. Ein Überblick über alle Filme und Serien des „Omen“-Universums in chronologischer Reihenfolge:

    • Das erste Omen (2024, Prequel)
    • Das Omen (1976, Film)
    • Damien – Omen II (1978, Film)
    • Barbara’s Baby – Omen III (1981, Film)
    • Omen IV: Das Erwachen (1991, Film)
    • Das Omen (2006, Remake)

    1. Das Omen (1976, Film)

    Der Auftakt von Richard Donner machte den Horror spirituell und zugleich intim: Ein amerikanischer Diplomat (Gregory Peck) vertauscht heimlich das tote Kind seiner Frau mit einem fremden Baby, um ihr den Schmerz zu ersparen – nicht ahnend, dass der kleine Damien in Wahrheit der Sohn des Satans ist. Schon bald häufen sich mysteriöse Tode und Vorzeichen. Die Mischung aus politischem Hintergrund und familiärem Drama verlieh dem Film eine bedrohliche Ernsthaftigkeit, die ihn von zeitgleichen Horrorklassikern wie Der Exorzist unterschied. Jerry Goldsmith gewann für die eindringliche Musik einen Oscar. Bis heute gilt Das Omen als Musterbeispiel dafür, dass subtiler Schrecken wirkungsvoller sein kann als vordergründige Schockeffekte.

    2. Damien – Omen II (1978, Film)

    Die unter der Regie von Don Taylor entstandene Fortsetzung setzt die Handlung zwei Jahre später fort: Damien wächst bei seinem Onkel (William Holden) auf, ehe er auf eine Kadettenschule geschickt wird. Dort beginnt er zu begreifen, dass er tatsächlich der Antichrist ist – eine Erkenntnis, die das Drama aus einer neuen Perspektive heraus vorantreibt. Der Film versucht, die Balance zwischen Coming-of-Age-Erzählung und düsterem Horror zu halten, und erinnert damit entfernt an Carrie, wo jugendliche Selbstfindung ebenfalls ins Übernatürliche kippt. Zwar erreicht Damien – Omen II nicht die Raffinesse des Originals, doch die Darstellung von Damiens wachsendem Bewusstsein verleiht der Reihe eine interessante psychologische Dimension.

    3. Barbara’s Baby – Omen III (1981, Film)

    In diesem dritten Teil ist Damien (Sam Neill) erwachsen und hat durch ein Erbe enormen Einfluss gewonnen: Als Präsident eines multinationalen Konzerns und US-Botschafter in Großbritannien nutzt er seine Macht für finstere Ziele. Der Film verlässt das intime Familiendrama der Vorgängerfilme und wendet sich stärker politischen Dimensionen zu. Damit wirkt er fast wie ein finsteres Gegenstück zu The Manchurian Candidate, nur dass die Bedrohung hier nicht subtiler Manipulation, sondern offen satanischer Herkunft entspringt. Neills Darstellung verleiht Damien eine kalte, berechnende Aura, doch die Ereignisse des Schreckens wirken mitunter zu konstruiert, um sich zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Barbara’s Baby wäre gerne ein düsterer Politthriller mit okkultem Einschlag, schafft den Sprung mit einer uninspirierten Story nicht ganz.

    4. Omen IV: Das Erwachen (1991, Film)

    Rund 15 Jahre nach dem Original erschien dieser TV-Film, der mit einem neuen Ansatz überraschte: Statt Damien ist es hier die kleine Delia (Asia Vieira), die das Erbe des Antichristen trägt. Im Gegensatz zu Damien ist sie sich ihrer Bestimmung von Anfang an bewusst – und nutzt diese gezielt. Inhaltlich wirkt der Film wie ein Versuch, die Reihe ins Fernsehformat zu überführen, mit weniger Raffinesse und spürbar niedrigerem Budget. Ähnlich wie viele andere Sequels der späten 1980er und frühen 90er Jahre – etwa Hellraiser III – scheiterte er daran, die ursprüngliche Magie einzufangen. So bleibt Omen IV ein kurioses Kapitel, das zeigt, wie leicht Horrorfranchises scheitern, wenn sie ihr Kernmotiv überstrapazieren und nur leidlich variieren.

    5. Das Omen (2006, Remake, Film)

    John Moore inszenierte ein fast werkgetreues Remake des Originals, diesmal mit Liev Schreiber und Julia Stiles in den Hauptrollen. Während die moderne Bildästhetik und ein aktualisiertes Setting den Stoff visuell aufwerten, fehlte es dem Film doch an eigenständigen Ideen. Das Ergebnis ist zwar insgesamt gelungener, erinnert aber an andere Horror-Remakes dieser Ära wie The Wicker Man oder The Fog, die zwar handwerklich solide sind, allerdings inhaltlich blass blieben. Für Zuschauer, die die Geschichte noch kennen, bietet das Remake jedoch eine zugänglichere, zeitgemäße Variante – wenn auch ohne den verstörenden Nachhall des Originals.

    6. Damien (2016, Serie)

    Die kurzlebige Serie Damien knüpfte an den Originalfilm von 1976 an und stellte den inzwischen erwachsenen Damien (Bradley James) in den Mittelpunkt. Er ist Fotograf, geplagt von Visionen und langsam mit der Erkenntnis konfrontiert, wer er wirklich ist. Im Vergleich zu ähnlich gelagerten Horrorserien wie The Exorcist oder Constantine fehlte es der Serie jedoch an einer klaren Linie. Sie oszillierte zwischen Thriller und Mystery-Drama, ohne wirklich eigene Akzente zu setzen. Damien ist vor allem für Fans interessant, die die Figur in einem moderneren Setting erleben möchten.

    7. Das erste Omen (2024, Prequel, Film)

    Unter der Regie von Arkasha Stevenson entstand schließlich das Prequel, das die Ursprünge der Reihe neu beleuchtet: Im Mittelpunkt steht eine junge Frau (Nell Tiger Free), die im Vatikan zur Zeugin geheimer Machenschaften wird: Dunkle Kräfte arbeiten gezielt auf die Geburt des Antichristen hin. Visuell orientiert sich der Film an modernen Horrortrends, kombiniert sakrale Symbolik mit beklemmenden Setpieces. Ähnlich wie Annabelle: Creation im Conjuring-Universum zeigt Das erste Omen, wie ein Prequel zugleich Mythologie vertiefen und neue Schrecken beschwören kann. Zwar ist der Film wahrlich nicht frei von Klischees, doch er bietet spannende Einblicke in die Anfänge eines der ikonischsten Horror-Sagas.

  • „Insidious“ im Überblick: Alle Filme in chronologischer Reihenfolge

    „Insidious“ im Überblick: Alle Filme in chronologischer Reihenfolge

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Übernatürliche Phänomene, außerkörperliche Erfahrungen der besonders beunruhigenden Art und eine dunkle Zwischenwelt namens „Ewigreich“: Mit Insidious haben Regisseur James Wan und Drehbuchautor Leigh Whannell eine der bekanntesten Horrorreihen des 21. Jahrhunderts geschaffen. Schon durch ihre Zusammenarbeit bei Saw (2004) und Dead Silence (2007) galt das Duo als Garant für atmosphärisch verdichteten Schrecken.

    Ihre nächste Saga dreht sich um die Familie Lambert und deren Verbindung zum „Ewigreich“, einer Dimension zwischen Leben und Tod, in der Dämonen lauern. Wer sich erstmals mit der Reihe auseinandersetzt, sollte wissen: Die Handlung folgt einer anderen Reihenfolge als die Veröffentlichung. Wer die Geschichte gerne in chronologischer Reihenfolge sehen möchte, sollte folgendermaßen vorgehen:

    1. Insidious: Chapter 3 (2015, Prequel)
    2. Insidious: The Last Key (2018, Prequel)
    3. Insidious (2010)
    4. Insidious: Chapter 2 (2013)
    5. Insidious: The Red Door (2023)

    1. Insidious (2010)

    Mit dem ersten Teil setzen James Wan und Leigh Whannell neue Maßstäbe für den modernen Spukhausfilm. Erzählt wird die Geschichte der Familie Lambert, deren Sohn Dalton in ein unerklärliches Koma fällt. Schnell wird klar, dass sein Geist in der Zwischenwelt „Ewigreich“ gefangen ist. Rose Byrne und Patrick Wilson verkörpern die Eltern, die panisch versuchen, ihren Sohn zurückzuholen – unterstützt von Medium Elise Rainier. Atmosphärisch dicht, mit sparsam eingesetzten, aber wirkungsvollen Schockmomenten, brachte Insidious klassischen Geisterhorror zurück auf die Leinwand. Wer subtileren Grusel à la The Others oder Poltergeist statt Blutorgien schätzt, findet hier ein modernes Genre-Highlight.

    2. Insidious: Chapter 2 (2013)

    Die direkte Fortsetzung setzt nahtlos an die Ereignisse des ersten Films an: Die Familie Lambert wirkt nach außen gefasst, doch an Josh ist seine Begegnung im Ewigreich nicht spurlos vorbeigegangen. Bald mehren sich Hinweise, dass er von einer bösartigen Präsenz kontrolliert wird. Insidious: Chapter 2 erweitert geschickt die Mythologie der Reihe, ist aber auch stärker von Rückblenden geprägt, was den Spannungsbogen spürbar ausbremst. Ähnlich wie bei Sinister 2, das den Schrecken des Vorgängers durch mehr Hintergrund ergänzte, liegt der Reiz stärker im Verstehen von Zusammenhängen. Für Fans, die tiefer in die Vorgeschichte von Josh eintauchen wollen, bleibt der Film dennoch unverzichtbar – auch wenn er weniger originell wirkt als das Original.

    3. Insidious: Chapter 3 (2015)

    Der dritte Teil ist eigentlich ein Prequel und konzentriert sich auf die junge Quinn Brenner, die versucht, Kontakt zu ihrer verstorbenen Mutter aufzunehmen. Statt Trost zieht sie jedoch eine gefährliche Kreatur an, die sie heimsucht. Im Mittelpunkt steht besagte Elise Rainier, die zunächst widerwillig eingreift und damit zum Medium wird. Insidious: Chapter 3 punktet durch eine intime Atmosphäre und eine gelungene Einführung von Elise’ Team (Leigh Whannell und Angus Sampson). Damit besticht auch dieser Teil der Reihe weniger durch Innovation, als durch das Ausleuchten einer Hintergrundgeschichte und weiterer Plotbausteine. 

    4. Insidious: The Last Key (2018)

    Im vierten Teil steht erneut Elise im Mittelpunkt – diesmal kehrt sie in ihr Kindheitshaus zurück, um sich einem neuen, furchterregenden Dämon zu stellen. Rückblenden zeigen, wie ihre übernatürlichen Fähigkeiten schon früh ihr Leben prägten. Atmosphärisch bewegt sich der Film zwischen klassischem Haunted-House-Horror und psychologischem Familiendrama. Die Handlung ist etwas vorhersehbar, doch Insidious: The Last Key gibt der Figur Elise mehr emotionale Tiefe und erklärt, wie sie zur Schlüsselfigur der Reihe wurde. Wer Wert auf Charakterentwicklung legt, findet hier mehr als in den stärker auf Schocks ausgerichteten Vorgängern.

    5. Insidious: The Red Door (2023)

    Zehn Jahre nach Insidious: Chapter 2 setzt Patrick Wilson – erstmals auch als Regisseur – die Geschichte der Lamberts fort. Dalton ist inzwischen College-Student, als ihn Visionen aus dem Ewigreich wieder heimsuchen. Gemeinsam mit seinem Vater Josh muss er den alten Fluch endgültig brechen und die titelgebende „rote Tür“ schließen. Insidious: The Red Door punktet vor allem durch seine Coming-of-Age-Komponente, die den Schrecken geschickt mit Familienkonflikten verbindet. Auch hier ist Vieles vorhersehbar, doch der Film schließt die Lambert-Saga durchaus auf stimmige Weise ab. Besonders für Fans der ersten beiden Teile ist er trotz aller Schwächen ein würdiges Finale mit nostalgischer Note.

  • Die besten Formel-1-Filme

    Die besten Formel-1-Filme

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Schnelle Boliden, dramatische Wendungen, Power und Erfolg: Die Formel 1 fasziniert nicht nur auf der Rennstrecke, sondern sorgt auch im Kino für das eine oder andere Highlight. Zuletzt knüpfte der Kinofilm F1 mit Brad Pitt knüpft diese Tradition an: Gedreht auf echten Strecken während Grand-Prix-Wochenenden, will er den Sport so authentisch wie möglich ins Kino bringen. 

    Mit realen Boliden und authentischem Umfeld verspricht F1 spektakulär, modern und ungewöhnlich realistisch zu werden. Dabei setzte F1 auf maximale Authentizität: Gedreht wurde unter anderem während echter Grand-Prix-Wochenenden in Silverstone und Spa. Was man sieht, sind also echte F1-Boliden, echte Strecken, echter Rennsport – eingefangen mit Hollywood-ÄsthetikGrund genug, einen Blick auf die besten Formel-1-Filme zu werfen – von Klassikern über Dokumentationen bis hin zu ungewöhnlichen Adaptionen.

    Rush – Alles für den Sieg (2013)

    2013 brachte Ron Howard mit  Rush – Alles für den Sieg einen der packendsten Formel-1-Filme ins Kino. Das Drehbuch von Peter Morgan (The Queen) und die Musik von Hans Zimmer tragen zur Intensität bei. Erzählt wird die Rivalität zwischen James Hunt (Chris Hemsworth) und Niki Lauda (Daniel Brühl) während der Saison 1976. Besonders eindrücklich ist die Darstellung von Laudas Unfall auf dem Nürburgring. Der Film kontrastiert zwei völlig unterschiedliche Charaktere und verknüpft authentische Rennszenen mit emotionalem Drama. Rush gilt als gelungene Mischung aus Spannung, Realismus und Hollywood-Inszenierung – ein Film, der Motorsportgeschichte mitreißend aufbereitet und längst als moderner Klassiker gilt.

    Grand Prix (1966)

    John Frankenheimers Grand Prixaus dem Jahr 1966 gilt als Meilenstein des Rennkinos. Der Film erzählt eine fiktive Saison, in der James Garner die Hauptrolle übernimmt. Gedreht wurde auf Originalstrecken wie Monaco, Spa, Monza und Clermont-Ferrand. Authentizität stand im Vordergrund: echte Fahrer, echte Teams und aufwendige Rennaufnahmen prägen das Bild. Besonders bahnbrechend waren die Kameraarbeit, das Sounddesign und die Verwendung der Split-Screen-Technik. Drei Oscars, darunter für Schnitt und Ton, unterstreichen die filmische Bedeutung. Grand Prix vermittelt eindrucksvoll die Atmosphäre einer Epoche, in der Motorsport gefährlicher und unmittelbarer wirkte als heute, und bleibt ein unverzichtbarer Klassiker.

    Senna (2010)

    2010 erschien Asif Kapadias Dokumentation  Senna, die ausschließlich aus Archivmaterial zusammengesetzt ist. Der Film zeigt den Aufstieg Ayrton Sennas, seine größten Erfolge und seinen tragischen Unfalltod 1994. Interviews, private Aufnahmen und originale Rennszenen verleihen der Doku eine außergewöhnliche Intensität, da sie ohne Sprecher auskommt. Die Bilder sprechen für sich und lassen Senna als charismatischen, ehrgeizigen und spirituellen Menschen lebendig werden. Neben spannenden Rennsequenzen liefert die Doku intime Einblicke in Sennas Persönlichkeit. Senna wird nicht nur als Sportfilm geschätzt, sondern auch als bewegendes Porträt eines Ausnahmetalents, das bis heute weltweit verehrt wird und Motorsportgeschichte geprägt hat.

    Michel Vaillant – Jeder Sieg hat seinen Preis (2003)

    Michel Vaillant – Jeder Sieg hat seinen Preis basiert auf der gleichnamigen französischen Comicreihe und kam 2003 ins Kino. Regie führte Louis-Pascal Couvelaire. Im Zentrum steht das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, bei dem Michel Vaillant und sein Team gegen ein gegnerisches Team antreten, das zu Sabotage und Entführung greift. Der Film kombiniert Action, Thriller-Elemente und stilisierte Rennszenen. Optisch überzeugt er durch Tempo und dynamische Inszenierung, bleibt aber bewusst überdreht. Obwohl kein großer Erfolg an den Kinokassen, hat der Film seinen Platz als eigenwillige, charmante Abwandlung des klassischen Rennfilm-Genres gefunden und spricht besonders Fans von Comics und französischem Kino an.

    Ferrari (2023)

    Michael Manns  Ferrari  (2023) verfilmt das Leben des Rennsportpioniers Enzo Ferrari, mit Fokus auf das Jahr 1957. Adam Driver verkörpert den Gründer der legendären Automarke, Penélope Cruz spielt seine Frau Laura. Die Handlung beleuchtet eine Zeit existenzieller Krisen: wirtschaftliche Probleme, private Spannungen und der Druck, bei der Mille Miglia erfolgreich zu sein. Rennszenen treten in den Hintergrund, während Charakterzeichnung und Dialoge dominieren. Kritiken waren gemischt, doch das Biopic punktet mit stilvoller Inszenierung und differenzierter Darstellung. Ferrari ist kein klassischer Formel-1-Film, sondern eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Persönlichkeit, Ehrgeiz und Tragik – ein Werk für Biopic- und Motorsportinteressierte gleichermaßen.

    Driven (2001)

    Renny Harlins Driven erschien 2001 und spielt in einer fiktiven US-Kart-Serie, weist jedoch deutliche Parallelen zur Formel 1 auf. Sylvester Stallone übernimmt die Rolle eines erfahrenen Ex-Fahrers, der einem jungen Kollegen als Mentor dient. Neben ihm sind Til Schweiger, Burt Reynolds und weitere Darsteller zu sehen. Der Film gilt als Flop: Kritiker bemängelten übertriebene Action und unrealistische Rennszenen. Dennoch bietet Driven spektakuläre Bilder und den unverkennbaren Pathos Stallones. Heute wird er als überzeichnetes Relikt der frühen 2000er betrachtet. Trotz seiner Schwächen liefert er temporeiche Unterhaltung und bleibt ein Beispiel dafür, wie Hollywood Motorsport auf seine Weise interpretiert.

    Schumacher (2021)

    Die Netflix-Dokumentation  Schumacher aus dem Jahr 2021 zeichnet das Leben des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher nach. Gezeigt werden seine Anfänge im Kartsport, seine größten Erfolge in der Formel 1 und die Tragödie seines Skiunfalls 2013. Neben umfangreichem Archivmaterial kommen Ehefrau Corinna, die Kinder Gina-Maria und Mick sowie Weggefährten wie Jean Todt, Damon Hill und Sebastian Vettel zu Wort. Der Film beleuchtet Schumacher als ehrgeizigen, disziplinierten, aber auch gefühlvollen Menschen. Kritisiert wurde, dass manche Kontroversen ausgespart bleiben. Dennoch gilt Schumacher als berührendes Porträt, das den Menschen hinter der Legende sichtbar macht und Motorsportgeschichte mit persönlicher Tragik verbindet.

    F1 (2025)

    Der neueste Film im Formel-1-Rennstall ist F1, produziert von Apple in enger Zusammenarbeit mit der echten Formel 1. Niemand Geringerer als Hollywood-Superstar Brad Pitt übernimmt die Hauptrolle. Er spielt keinen Fahrer im Zenit seiner Karriere, sondern einen, dessen beste Tage längst vorbei sind. Für das fiktive Team APXGP kehrt er dennoch zurück auf die Strecke, um einem jungen Kollegen als Mentor zur Seite zu stehen. Gedreht wurde während realer Grand-Prix-Wochenenden, unter anderem in Silverstone und Spa. Echte Boliden, echte Strecken und packende Inszenierung verbinden sich hier zu einem authentischen, modernen Rennspektakel. . Sehenswert ist der Film vor allem für alle, die Motorsport realistisch und gleichzeitig in großer Hollywood-Inszenierung erleben wollen.

  • Die besten Netflix-Filme zu Halloween 2025 – von Horrorkomödie bis Slasher

    Die besten Netflix-Filme zu Halloween 2025 – von Horrorkomödie bis Slasher

    Markus Brandstetter

    Markus Brandstetter

    JustWatch-Editor

    Was macht einen guten Halloween-Film aus? Mittlerweile hat Netflix bewiesen, dass die Antwort längst nicht so eindimensional ist, wie wir vor ein paar Jahren noch gedacht hätten. Klar, klassische Gruselelemente und Schockeffekte gehören zu Halloween wie Kürbisse, Kostüme und Candy Corn. Aber da geht noch mehr – viel mehr. 

    Je nach Lust und Laune darf’s mal blutig, mal ironisch, mal völlig absurd sein. Von subtiler Gänsehaut bis zu knallbuntem Klamauk – Netflix hat für jeden Geschmack die passende Dosis Schrecken. Was die Filme gemeinsam haben? Sie spielen mit unserer Lust am Fürchten – und am Lachen. Sie machen Angst wieder zur Unterhaltung, Horror wieder zum Erlebnis. Kurz: Halloween auf Netflix ist längst mehr als nur Spuk. Es ist ein Fest der Fantasie.

    1. Echtes Grauen ohne Maske: "Monster: Die Geschichte von Ed Gein" (2025) 

    Wie weit kann das Böse wirklich gehen – und was passiert, wenn man es mit chirurgischer Präzision seziert? Ryan Murphy liefert mit  Monster: Die Geschichte von Ed Gein das vielleicht unbequemste Netflix-Horrorstück des Jahres: kein Jumpscare-Zirkus, sondern eine morbide Meditation über Wahnsinn, Fleisch und Finsternis. In den weiten Feldern Wisconsins liegt die Hölle still – und sie trägt ein menschliches Gesicht. Der Film gräbt dort, wo andere Horrorfilme lieber wegsehen, und feiert Halloween nicht mit Masken, sondern mit der grausamen Wahrheit hinter ihnen. Warum verkleiden wir uns eigentlich, wenn nicht, um kurz vor Ed Gein zu fliehen – oder uns in ihm zu erkennen?

    2. Spuk, der keiner sein will: "True Haunting" (2025)

    Wer auf der Suche nach einem echten Spuk-Erlebnis ohne Teenie-Schockeffekte ist, wird mit True Haunting auf Netflix fündig. Die Zutatenliste? Dunkle Flure, flackernde Lichter, unterschwellige Schuldgefühle und eine formidable schauspielerische Leistung von Annabelle Wallis, die Angst nicht spielt, sondern atmet. Der Halloween-Bezug? Na, das ist ganz klar: True Haunting ist kein Film über Geister, sondern über das, was wir in unseren Häusern zurücklassen. James Wan liefert hier den Beweis, dass Grusel erwachsen werden kann. Und zwar mit schleichender Panik statt Blut und Schreien. Ein Film, der dich nicht anspringt, sondern dich langsam umarmt, bis du merkst, dass du längst Gänsehaut hast.

    3. Glamour trifft auf Hölle: "K-Pop Demon Hunters" (2025)

    Halloween und K-Pop: Das sind nicht nur zwei unserer Lieblingsdinge, sondern auch eine perfekte Kombination! K-Pop Demon Hunters beweist das auf schillernde, überdrehte und wunderbar absurde Weise. Hier geht’s nicht zwingend um Angst, sondern um Attitüde, Freundschaft und Bühnenlicht im Angesicht der Apokalypse. Natürlich im K-Pop-Style: Hochglanz, Herzklopfen und jede Menge Glitter auf dem Boden der Hölle. Die Dämonen tanzen, die Idols kämpfen mit perfekt gestylten Frisuren, und irgendwo zwischen Beatdrops und Bannzaubern blitzt echtes Gefühl auf. Wer sagt, Horror könne nicht glitzern, hat diesen Film nicht gesehen – K-Pop Demon Hunters ist Halloween im Disco-Fiebertraum und macht verdammt viel Spaß.

    4. Adam Sandler rettet Halloween: "Hubie Halloween" (2020)

    Adam Sandler und Halloween? Die Comedy-Ikone kann nicht nur Golf und Chaos, sondern auch echten Halloween-Spaß. Klar, Betonung auf Spaß – denn beiHubie Halloween handelt es sich natürlich um eine höchst amüsante, überzuckerte und herrlich überdrehte Hommage an den wohl albernsten Feiertag des Jahres. Darin rettet Sandler als liebenswert verschrobener Hubie Dubois seine Heimatstadt Salem – bewaffnet mit Thermoskanne, Herz und grenzenloser Naivität. Zwischen sprechenden Kürbissen, falschen Monstern und echten Gefahren schwingt etwas Echtes mit: Nostalgie, Wärme und das Gefühl, dass Halloween eigentlich für alle da ist – selbst für die, über die alle lachen. Wer findet, dass an Halloween auch gelacht werden sollte: Comedy-Ass Sandler liefert genau das!

    5. Düster, verspielt und höllisch schön: "Wendell & Wild" (2022)

    Wenn’s eher schräg, kreativ und ein bisschen düster verspielt sein soll an Halloween, dann ist Wendell & Wild ein heißer Tipp. Denn anstatt plumper Jumpscares herrscht hier stilvolle Finsternis, grotesker Witz und liebevoller Stop-Motion-Zauber. Hier bekommt man ein wirklich toll inszeniertes, visuelles Vergnügen, das anmutet, als hätte man The Nightmare Before Christmas mit einem Hip-Hop-Album und einem Schuss Teen-Angst kombiniert – und dabei noch Tim Burtons Farbpalette geplündert. Henry Selick und Jordan Peele erschaffen ein höllisch gutes Fantasy-Spektakel, das gleichermaßen rebellisch wie melancholisch ist. Der perfekte Film für alle, die Halloween lieber mit Stil feiern und sich vom Grusel lieber verführen lassen, statt zu schreien.

    6. Gespenster mit Charme und Witz: "We Have a Ghost" (2023)

    Geister? Na klar. Aber hier wird nicht geschrien, sondern gelacht, und zwar herzlich. We Have a Ghost ist kein klassischer Spukfilm, sondern eine überdreht charmante Geisterkomödie mit dem großartigen David Harbour als dem wohl sympathischsten Untoten der Streaming-Geschichte. Der Film vermengt Retro-Vibes mit Social-Media-Satire, Familienchaos mit echter Wärme und beweist, dass Halloween viel mehr sein kann als klassische Schockmomente, Grusel und Kunstblut. Statt kaltem Schauer gibt’s hier warmherzige Ironie: Wenn der Geist Ernest viral geht und plötzlich die CIA anklopft, wird das Spukhaus zur Bühne für eine wunderbar überdrehte Gesellschaftskomödie. Wer’s einordnen möchte: Ghostbusters trifft ET, nur mit mehr TikTok-Zeitgeist. Und mal ehrlich, wer braucht schon Dämonen, wenn man einen melancholischen Geist mit Schnauzer und Charme hat, der uns an das Schönste an Halloween erinnert: dass selbst die Toten manchmal nur dazugehören wollen.

    7. Modernes Märchen zwischen Neon und Albtraum: "Nightbooks" (2021)

    Horror für Kinder klingt für viele zunächst vielleicht seltsam – aber erinnern wir uns: Viele unserer Lieblingsmärchen aus der Kindheit stecken voller Horror­elemente, und zwar ziemlich finsterer. Hexen, Flüche, sprechende Tiere mit Killerinstinkt – das alles war schon da, lange bevor Netflix auf „Play“ drückte. In Nightbooks setzt Regisseur David Yarovesky genau hier an und verwandelt klassische Grusel­motive in ein visuelles Feuerwerk zwischen Coraline und Hansel & Gretel im Neonlicht. Krysten Ritter brilliert als sadistische, modebewusste Hexe, die aussieht, als hätte sie den Laufsteg der Finsternis erobert. Der Film ist eine Ode an die Fantasie, die Angst und das Geschichtenerzählen selbst – schrill, verspielt, unheimlich schön. Ein Halloween-Film, der beweist: Wer Mut hat, darf auch träumen. Und Hand aufs Herz – waren wir als Kinder nicht alle ein bisschen fasziniert vom Dunkel?

    8. Wenn das Jenseits zurücktextet: "Mr. Harrigan’s Phone" (2022)

    Natürlich, Stephen King und Smartphones – was soll da schon schiefgehen? Mr. Harrigan’s Phone nimmt die simpelste Idee der Welt – ein Toter, der zurücktextet – und macht daraus eine wunderbar unheimliche Meditation über Verlust, Macht und digitale Abhängigkeit. Donald Sutherland als grantiger Millionär und Jaeden Martell als sein schüchterner Schützling bilden ein Duo, das irgendwo zwischen Stand by Me und Black Mirror pendelt. Die Spannung kommt hier nicht aus Blut und Schreien, sondern aus jeder einzelnen Nachricht, die man besser nicht beantworten sollte. Ein Film für alle, die wissen: Der wahre Horror steckt längst nicht mehr in Friedhöfen, sondern in unseren Hosentaschen. Und mal ehrlich – wer würde nicht kurz zurückschreiben, wenn’s vom Jenseits vibriert?

    9. Teambuilding auf blutig: "The Conference" (2023)

    Hey, mal ehrlich – was ist gruseliger als ein Serienkiller im Wald? Richtig: ein verpflichtendes Teambuilding-Seminar mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen. Nun, wer wissen will, wie schnell aus Flipcharts und Gruppendynamik ein blutiger Albtraum werden kann, bekommt hier ein Fest serviert. The Conference mischt Slasher-Horror mit bitterböser Sozialkomödie – als hätte Franz Kafka mit der Belegschaft von The Office einen Betriebsausflug gemacht und Jason Voorhees hätte den Bus gefahren. Zwischen abgründigem Humor, blutigen Abrechnungen und schwedischer Büroabsurdität zeigt der Film: Die wahre Hölle hat keine Dämonen, sondern Excel-Tabellen. Wer sich an Halloween lieber über das Grauen des Arbeitsalltags amüsiert als über Geisterhäuser, ist hier bestens aufgehoben.

    10. Nordischer Albtraum für Hartgesottene: "The Ritual" (2017)

    Vier Freunde, ein Wald, ein Fehler: The Ritual ist jener Horrorfilm, den man eigentlich nur schauen sollte, wenn draußen Wind durch die Äste fährt und das Licht im Wohnzimmer schon ein bisschen zu flackern beginnt. Regisseur David Bruckner inszeniert keine platte Monsterjagd, sondern ein seelisches Labyrinth aus Schuld, Freundschaft und nordischer Finsternis. Der Wald wird hier zum lebenden Wesen, zum moralischen Spiegel – irgendwo zwischen The Blair Witch Project und Midsommar, nur mit weniger Blumenschmuck und mehr Panik. Das Monster? Vielleicht nur ein Teil der Männer selbst. Und mal ehrlich: Gibt es etwas Beunruhigenderes, als sich im Dunkel zu verlaufen – mit der Ahnung, dass man längst gefunden wurde?

  • Diese Plot-Twists haben Kino­geschichte geschrieben

    Diese Plot-Twists haben Kino­geschichte geschrieben

    Ahmet Iscitürk

    Ahmet Iscitürk

    JustWatch-Editor

    Manche Filme machen dich sprachlos, andere lassen dich den ganzen Abspann über still auf den Bildschirm starren. Plot-Twists sind das Herzstück solcher Momente: Sie reißen Erwartungen ein, verschieben Perspektiven und verändern im besten Fall, wie du das Kino begreifst. Wenn sie funktionieren, fühlen sie sich nie nach einem Trick an, sondern nach Offenbarung. 

    Diese zehn Filme zeigen, wie unterschiedlich diese Überraschungen inszeniert werden können – vom psychologischen Schock bis zur moralischen Erkenntnis. Sie führen dich heimlich dorthin, wo du dich sicher glaubst – und öffnen dann die Falltür.

    Achtung: Lies nur weiter, wenn du die folgenden Filme bereits kennst – sonst droht Spoiler-Gefahr!

    The Sixth Sense (1999)

    Kaum ein Film hat das Publikum so perfekt an der Nase herumgeführt – und gleichzeitig dermaßen emotional berührt. M. Night Shyamalans The Sixth Sense verwandelt eine scheinbar klassische Spukgeschichte in ein stilles Drama über Verlust und Wahrnehmung. Der Twist wirkt nicht konstruiert, sondern organisch – und beim zweiten Sehen entfaltet der Film erst seine ganze Brillanz. Ähnlich wie Shutter Island (2010) lädt er dich bei der zweiten Sichtung dazu ein, jede Szene neu zu bewerten. Beide Geschichten leben davon, dass man ihnen vertraut, bis man merkt, dass man es nicht sollte. Doch während Scorsese auf Wucht setzt, schleicht sich Shyamalan sanft in dein Unterbewusstsein.

    Fight Club (1999)

    David Finchers Gesellschaftssatire über Wut, Isolation und Männlichkeitsmythen entfaltet sich wie ein Selbstgespräch, das irgendwann komplett eskaliert. Der Twist, dass Tyler Durden nur im Kopf des Erzählers existiert, ist heute legendär – aber noch immer schockierend ehrlich. Wo The Usual Suspects (1995) seine Lüge kalkuliert und kühl serviert, packt Fight Club seine Enthüllung in blanke Emotion. Es geht nicht um Täuschung, sondern um Identitätsverlust. Am Ende weißt du nicht mehr, wer dich stärker manipuliert hat: die Figur oder dein eigener Verstand. Und wenn du danach etwas brauchst, das diese Energie mit philosophischer Präzision verbindet, führt kein Weg an Memento (2000) vorbei.

    Die üblichen Verdächtigen (1995)

    Ein Verhör, ein Erzähler, ein Mythos – und eine der brillantesten Täuschungen der Filmgeschichte. Bryan Singer zeigt, wie die Erzählstruktur selbst zur Lüge werden kann. Der Moment, in dem sich Keyser Sözés Identität offenbart, ist so präzise gebaut, dass du dich unweigerlich ertappt fühlst. Während Fight Club (1999) die Abgründe des Bewusstseins erkundet und The Prestige (2006) die zerstörerische Kraft von Obsession zeigt, vertraut The Usual Suspects auf die Macht des Wortes – Sprache als Täuschung. Wer nach einem Film sucht, der Logik über Emotion stellt, ist hier genau richtig. Wer aber beides möchte, findet in The Sixth Sense (1999) die perfekte Mischung.

    Oldboy (2003)

    Oldboy ist der Beweis, dass ein Plot-Twist nicht nur schockieren, sondern auch körperlich treffen kann. Park Chan-wooks Werk ist mehr Tragödie als Thriller – und seine Wendung raubt dir garantiert den Atem. Im Gegensatz zu The Sixth Sense (1999), wo der Twist eher Mitleid weckt, erzeugt Oldboy moralisches Unbehagen. Beide Filme erzählen von Schuld und Trauer, doch hier ist sie unversöhnlich. Auch The Game (1997) teilt diese existenzielle Wucht, nur dass Fincher sie westlich kanalisiert, als Versuch, Erlösung zu finden. Oldboy hingegen kennt keine Katharsis. Wer Filme liebt, die nach dem Abspann noch wehtun, bekommt hier den emotionalsten Schlag in die Magengrube.

    The Prestige (2006)

    Bei Nolan sind Tricks keine Täuschung, sondern Theologie. The Prestige erzählt von zwei Magiern, die sich gegenseitig vernichten – und dabei alles opfern, was sie lieben. Der Twist entfaltet sich doppelt: körperlich und moralisch. Wo Memento (2000) Erinnerung als Falle nutzt, zeigt The Prestige, wie weit man für Perfektion geht. Beide spielen mit Wiederholung und Struktur, beide erfordern Nachdenken. Doch The Prestige ist kühler, trauriger und auf perfide Weise menschlicher. Wenn du bei The Usual Suspects (1995) über das Konstrukt staunst, wirst du hier über das Opfer nachdenken. Kein anderer Film zeigt so elegant, dass Täuschung selbst eine Form von Kunst ist.

    Memento (2000)

    Ein Mann ohne Kurzzeitgedächtnis – und eine Geschichte, die rückwärts erzählt wird. Memento ist nicht nur innovativ, sondern emotional erschütternd. Sein Twist ist weniger Schock als Erkenntnis: Wahrheit kann tödlich sein. Wie Shutter Island (2010) zwingt dich der Film, deinem eigenen Verständnis zu misstrauen. Beide lassen dich glauben, du würdest aufdecken, was passiert ist – bis du merkst, dass du selbst im Kreis läufst. Doch während Scorsese dich in Emotion erstickt, bleibt Nolan analytisch und präzise. Fans von The Prestige (2006) werden hier die Blaupause seiner späteren Obsessionsmechanik erkennen: Gedächtnis als Illusion, Logik als Falle.

    Psycho (1960)

    Mit Psycho schrieb Alfred Hitchcock das Lehrbuch des filmischen Twist, lange bevor das Wort überhaupt existierte. Was als Fluchtgeschichte einer Diebin beginnt, kippt unvermittelt in eine düstere Studie über Identität, Schuld und Wahnsinn. Der Twist ist legendär, aber kein bloßer Trick – er dient als seelischer Schock, nicht als Gag. Verglichen mit Gone Girl (2014) zeigen sich Parallelen: Beide Filme täuschen mit vertrauten Mustern – Mord, Sexualität, Opferrolle – und entlarven die Unzuverlässigkeit der Wahrnehmung. Doch während Fincher das Spiel der Medien seziert, dringt Hitchcock in die menschliche Psyche selbst vor. In der Rückschau gilt Psycho als Blaupause für die psychologischen Täuschungsspiele, die Shutter Island (2010) und Fight Club (1999) später perfektionierten.

    Gone Girl (2014)

    David Finchers modernes Meisterstück über Manipulation spielt mit denselben Mitteln wie Psycho (1960), nur unter dem grellen Licht der Öffentlichkeit. Die Enthüllung, dass Amy ihre eigene Entführung inszeniert, verwandelt den Film von einem Krimi in eine Gesellschaftssatire. Wie The Game (1997) seziert er Kontrolle und Selbstbild – doch wo Michael Douglas am Ende Erlösung findet, bleibt hier nur Leere. Gone Girl bildet das elegante Gegenstück zu Fight Club (1999): Zwei Filme über den Moment, in dem das eigene Narrativ die Realität verdrängt. Wer Fincher der Redundanz verdächtigt, unterschätzt ihn: Erst im Doppel zeigen Fight Club und Gone Girl, wie subtil er die Manipulation des Publikums variiert.

    Shutter Island (2010)

    Martin Scorsese kleidet seine Tragödie über Schuld in den Mantel eines Thrillers – und führt dich so tief in den Wahnsinn, dass du erst am Ende erkennst, wo du wirklich stehst. Shutter Island ist die ruppige Schwester von The Sixth Sense (1999): Beide handeln vom Verlust, beide erschüttern durch Erkenntnis. Doch während Shyamalan sanft täuscht, zwingt Scorsese dich, Komplize zu werden. Die Atmosphäre erinnert an Memento (2000), doch hier liegt der Fokus weniger auf Struktur als auf Gefühl. Wer das Kino liebt, weil es Täuschung ist, findet hier den schönsten Beweis dafür, dass Selbstbetrug manchmal die einzige Form von Trost bleibt.

    The Game (1997)

    David Finchers oft unterschätzter The Game verknüpft die Themen von Oldboy (2003) und Gone Girl (2014): Kontrollverlust, Täuschung, Identität. Ein wohlhabender Mann (Michael Douglas) wird durch ein mysteriöses „Spiel“ aus seiner geordneten Welt gerissen – nur um am Ende zu begreifen, dass das vermeintliche Desaster eine Inszenierung war, die ihn retten soll. Der Twist wirkt hier nicht zerstörerisch, sondern erlösend – das Gegenstück zu Oldboy. Beide Filme enden mit Erkenntnis, doch während der eine vergibt, richtet der andere. The Game verzichtet auf Gewalt, aber nicht auf Tiefe. Wer ein Finale sucht, das überrascht und zugleich tröstet, findet hier die vielleicht menschlichste Täuschung dieser Liste – und Finchers vielleicht schönstes Finale.

  • Große Fortsetzungen, ambitionierte Neustarts: Die meist erwarteten Serien 2026

    Große Fortsetzungen, ambitionierte Neustarts: Die meist erwarteten Serien 2026

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Das Serienjahr 2026 verspricht einen dichten Mix aus großen Fortsetzungen und ambitionierten Neustarts – und viele etablierte Reihen treten in entscheidende Phasen. Wer wissen will, welche Serien 2026 prägen könnten und warum sie das Potenzial haben, Maßstäbe zu setzen, findet hier die wichtigsten Neustarts und Rückkehrer des Jahres.

    The Bear, Staffel 5

    Längst hat sich The Bear vom Geheimtipp zum Dauerbrenner entwickelt. Was einst als nervenaufreibendes Work-Place-Drama begann, entfaltete sich schnell zu einer Erzählung über familiäre Traumata, Trauer und den schmalen Grat zwischen Kreativität und Selbstzerstörung. Doch die fünfte Staffel steht vor der Herausforderung, den immensen Druck zu variieren – neue Konflikte zu schaffen, statt erneut alte Muster zu wiederholen.

    Die Serie bleibt dann am stärksten, wenn sie Stille zulässt – jene entwaffnenden Momente zwischen den Service-Höllenfeuern. Wenn die Figurenentwicklung wieder Priorität erhält, könnte The Bear erneut zu einer präzisen Gegenwartsserie über Arbeit, Würde und die Kosten von Perfektionismus werden. Andernfalls droht sie, sich endgültig selbst überlebt zu haben.

    The Witcher, Staffel 5

    Nach turbulenten Personalwechseln und gemischten Kritiken steht The Witcher an einem entscheidenden Punkt. Die fünfte Staffel soll die bisherige Saga abschließen – mit Ciri als emotionalem Zentrum und einer erzählerisch dichteren Struktur. Einst als europäische Antwort auf Game of Thrones gefeiert, überzeugte die Serie in ihren besten Momenten mit slawischer Märchendüsternis, politischen Intrigen und Monstern, die menschliche Abgründe spiegeln.Wenn die neue Staffel den Fokus wieder auf den emotionalen Kern zwischen Geralt, Ciri und Yennefer legt und sich auf moralische Grautöne und tragische Romantik besinnt, könnte The Witcher mit einem würdigen, melancholischen Finale seine alte Größe zurückgewinnen.

    One Piece, Staffel 2

    Die Live-Action-Adaption von Eiichirō Odas Kultmanga hat mit der ersten Staffel wohl eine der misstrauischsten Fangemeinden überhaupt überzeugt – dank einer spürbaren Liebe zur Vorlage, glaubwürdiger Crew-Chemie und einem klugen Sinn für Reduktion. One Piece besticht durch seine Aufrichtigkeit: Freundschaft, Mut und Freiheit werden hier ohne Ironie erzählt, getragen von charismatischen Figuren und einer farbenprächtigen Ästhetik. 

    Wenn es der Serie gelingt, diesen Charme und ihre visuelle Verspieltheit beizubehalten, während sie neue Abenteuer in größerem Maßstab ohne CGI-Gewitter wagt, bleibt sie das seltene Beispiel einer gelungenen Übersetzung zwischen Manga-Weite und Live-Action-Wärme.

    Star Trek: Starfleet Academy, Serienstart

    Mit Starfleet Academy verspricht das traditionsreiche Franchise, zu seinen humanistischen Wurzeln zurückzukehren – und eröffnet zugleich ein neues Kapitel. Statt intergalaktischer Kriege stehen Ausbildung, Ethik und Teamgeist im Mittelpunkt. Die Serie begleitet junge Kadetten, die auf ihren ersten Missionen lernen, Verantwortung zu übernehmen – im Schatten der großen Ideale der Sternenflotte.

    In ihrer Konzeption erinnert die Serie an den optimistischen Geist der 1990er Jahre, den zuletzt Strange New Worlds wiederbelebte. Wenn Starfleet Academy Vielfalt als erzählerisches Prinzip und nicht als Pflichtübung versteht, könnte sie die Balance zwischen Zukunftsvision und Charakterdrama finden, die Star Trek einst groß machte.

    The Boys, Staffel 5

    Nach der gnadenlos satirischen Eskalation der vierten Staffel und mehreren Spin-offs steht The Boys nun vor seiner schwierigsten Aufgabe: dem Zynismus neue Schärfe zu verleihen. Die Serie bleibt relevant, wenn sie das Superhelden-Genre nicht nur demontiert, sondern die Ambivalenz zwischen grellem Splatterwitz und bitterem Kommentar über Macht, Männlichkeit und Medien erhält.

    Statt „größer, härter, lauter“ sollten die neuen Folgen also auf Präzision setzen – auf Charakterbögen, die echte Konsequenzen haben. Wenn es gelingt, die groteske Überzeichnung mit echter Tragweite zu verbinden, bleibt The Boys die unangefochtene Referenz für die Dekonstruktion des Superhelden-Mythos.

    Euphoria, Staffel 3

    Kaum eine Serie hat die Ästhetik des modernen Fernsehens so nachhaltig geprägt wie Sam Levinsons Euphoria. Zwischen hypnotischer Bildsprache, treibendem Sound-Design und wunderschönen Montagen wurde sie zum TV-Phänomen. Nach einer polarisierenden zweiten Staffel – groß in Momenten, aber strukturell unruhig – steht die Serie nun vor der Reifungsprobe.Die neuen Folgen müssen mehr sein als Eskalation: weniger Skandal, mehr Substanz. Wenn Euphoria nach seinem visuellen Rausch auch erzählerisch erwachsen wird, könnte die dritte Staffel ein Abschluss voller Schmerz und Klarheit werden.

    Dexter: Wiedererwachen, Staffel 2

    Mit Dexter: Wiedererwachen kehrte die Saga um den wohl beliebtesten Serienkiller der TV-Geschichte mit überraschender Konsequenz zu ihren Wurzeln. Die erste Staffel zeigte, wie Dexter Morgan (Michael C. Hall) nun in New York versucht, Normalität zu leben und für seinen Sohn ein guter Vater zu sein – und dabei doch in alte Muster verfällt. Im Finale entkommt er den Fängen des Mäzen mit Mordbegeisterung (Peter Dinklage), doch die Detectives Wallace und Olivia sind ihm weiter auf den Fersen.

    Nach dem desaströsen Finale der Originalserie und dem missglückten ersten Spin-Off Dexter: New Blood bleibt zu hoffen, dass das mittlerweile dritte Spin-Off diese neue gelungene Mischung aus Nostalgie, neuem Schauplatz und spannenden Kontrahenten weiter zu nutzen weiß.  

    Beef, Staffel 2

    Die erste Staffel von Beef war eine Sensation – eine bittere, zugleich tief komische Studie über Wut, Klassenunterschiede und das fragile Ego moderner Existenzen. Die zweite Staffel erzählt eine neue Geschichte, bleibt aber thematisch verwandt: Ein junges Paar wird Zeuge eines häuslichen Streits zwischen seinem Chef und dessen Frau – ein Ereignis, das eine perfide Kettenreaktion aus Machtspielen und Erpressung in der abgeschotteten Welt eines Country-Clubs auslöst.

    Mit einem hochkarätigen Cast um Oscar Isaac, Carey Mulligan und Yuh-Jung Youn sowie Lee Sung Jin erneut als Showrunner verspricht Beef eine neue Variante kontrollierter Eskalation – gesellschaftsscharf, düster komisch und emotional entwaffnend.

    House of the Dragon, Staffel 3

    Das Game of Thrones-Prequel steuert auf seinen Höhepunkt zu: Der Drachentanz, der bereits in Staffel 2 entbrannt ist, erreicht nun den Punkt, an dem politische Intrige und persönlicher Verrat untrennbar werden. House of the Dragon bleibt herausragend, wenn es nicht dem Spektakel, sondern der Ambivalenz seiner Figuren vertraut.

    Im Zentrum steht die fragile Beziehung zwischen Rhaenyra Targaryen und Alicent Hightower – zwei Frauen, deren Machtkampf ebenso emotional wie ideologisch geführt wird. Wenn die Serie die Zerrissenheit ihrer Welt spürbar hält, bleibt sie das komplexeste, weil menschlichste Fantasy-Drama der Gegenwart.

    A Knight of the Seven Kingdoms, Serienneustart

    Das neue Game of Thrones-Prequel führt Westeros in eine ruhigere, menschlichere Ära. Jahrzehnte vor den Ereignissen der Hauptserie folgt die Handlung von A Knight of the Seven Kingdoms dem jungen Ritter Ser Duncan und seinem Knappen Egg, dem späteren König Aegon V. Targaryen. Statt höfischer Intrigen und Massenschlachten stehen Abenteuer, Freundschaft und moralische Entscheidungen im Vordergrund.

    Wenn die Serie die Wärme und Bodenständigkeit der zugrunde liegenden Novellen einfängt, ohne den scharfen Unterton von Westeros zu verlieren, könnte sie zum wohltuend anderen Kapitel im GoT-Kosmos werden – weniger Drachenpolitik, mehr Wärme.

  • Nach „The Woman in Cabin 10“: Zehn Psychothriller aus weiblicher Perspektive

    Nach „The Woman in Cabin 10“: Zehn Psychothriller aus weiblicher Perspektive

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Mit der Romanverfilmung The Woman in Cabin 10 landet Netflix zwar einen Chart-Erfolg, aber keinen Kritikerliebling. Der Psychothriller von Simon Stone (Die Ausgrabung), basierend auf Ruth Wares Bestseller, folgt der Journalistin Lo Blacklock (Keira Knightley) auf eine luxuriöse Kreuzfahrt durch Nordeuropa – und in einen Albtraum zwischen Wahn und Wirklichkeit.

    Als sie Zeugin eines vermeintlichen Mordes wird, glaubt ihr niemand. Was als eleganter Whodunit beginnt, entwickelt sich zum klaustrophobischen Psychospiel über Isolation, Angst und Selbstzweifel.  Wer nach ähnlichen Psychothrillern mit starken, vielschichtigen Frauenfiguren sucht, findet in dieser Liste zehn lohnende (und bessere) Alternativen.

    Eileen (2023)

    In Eileen entfaltet William Oldroyd nach Ottessa Moshfeghs Roman ein kühles, verstörend intimes Psychogramm zweier Frauen. Thomasin McKenzie spielt Eileen, eine unscheinbare Angestellte in einem Jugendgefängnis, deren Leben durch die charismatische Psychologin Rebecca (Anne Hathaway) aus dem Gleichgewicht gerät. Zwischen Faszination und Manipulation entwickelt sich eine verhängnissvolle Dynamik um Begehren und Macht. Oldroyd inszeniert das mit präziser Langsamkeit: Blicke und Gesten werden zum Rätsel. Hathaway fasziniert als verführerische Rächerin, McKenzie als verletzliche Suchende. Eileen ist ein unaufdringlich radikaler Film über weibliche Sehnsucht – und ihr zerstörerisches Potenzial.

    10 Cloverfield Lane (2016)

    Michelle (Mary Elizabeth Winstead) erwacht nach einem Unfall in einem unterirdischen Bunker – mit einem Mann, der behauptet, die Welt draußen sei nach einem Nuklearangriff nicht mehr dieselbe und unbewohnbar. 10 Cloverfield Lane entfaltet sich als Psychothriller im Miniaturformat: drei Figuren, ein Raum, keine Gewissheit. Michelle entwickelt sich dabei vom eingeschüchterten Opfer zur überlegten Taktikerin, die jede Situation analysiert. Hier erzeugen Überlebensinstinkte und Intelligenz die Suspense - ein Psychothriller, der ohne Blut und Pathos auskommt und dafür ganz auf psychologische Präzision setzt.

    The Girl on the Train (2016)

    Rachel Watson (Emily Blunt) fährt jeden Tag mit dem Zug an einem idyllischen Haus vorbei, in dem scheinbar ein perfektes Paar lebt – ein Symbol für das Leben, das sie selbst verloren hat. Doch als die Frau plötzlich verschwindet, wird Rachel in ein Netz aus Lügen, Gewalt und Selbstzweifeln gezogen. Getrieben von Schuld und Alkoholsucht versucht sie zu rekonstruieren, was in jener Nacht geschah – und was sie wirklich gesehen hat. The Girl on the Train erzählt eindringlich von Erinnerungslücken, Selbsttäuschung und weiblicher Ohnmacht – bis Rachel erkennt, dass ihre Schwäche zugleich ihre größte Stärke ist.

    Elle (2016)

    In Elle liefert Isabelle Huppert eine ihrer radikalsten Leistungen: als Michèle, die nach einem Übergriff nicht zum Opfer wird, sondern die Kontrolle übernimmt – über Täter, Umfeld und die eigene Geschichte. Paul Verhoeven inszeniert das als provokante Gratwanderung zwischen Gewalt, Begehren und Macht, die moralische Gewissheiten in Frage stellt. Huppert spielt mit faszinierender Kühle und subtilem Sarkasmus, macht lässt Regungen doppeldeutig und Gesten zur Herausforderung an das Publikum werden. Elle ist kein Film über Befreiung, sondern über Autonomie – schmerzhaft, brillant und intellektuell verstörend. 

    Der Unsichtbare (2020)

    Elisabeth Moss brilliert als Cecilia, die glaubt, ihrem gewalttätigen Ex entkommen zu sein – bis seltsame Ereignisse sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Der Unsichtbare verwandelt ein klassisches Monster-Motiv in eine Parabel über häusliche Gewalt und verwandelt Unsichtbarkeit in ein Sinnbild für Gaslighting und Machtmissbrauch. Cecelia wird zum Symbol des Überlebens in einem System, das Frauen nicht glaubt, bis sie selbst verschwinden. Der Film ist unaufdringlich politisch, erschütternd klug und entfaltet mit minimalistischem Setting eine fast unerträgliche Spannung. Ein moderner Klassiker weiblicher Selbstbehauptung.

    Don’t Worry Darling (2022)

    Don’t Worry Darling ist Olivia Wildes durchinszenierte Vision einer perfekten 1950er-Jahre-Idylle – und ihrer gnadenlosen Zersetzung. Was wie ein stilisierter Traum wirkt, wird bald zum Albtraum über Kontrolle, Geschlechterrollen und Unterdrückung. Florence Pugh trägt den Film mit einer Wucht, die selbst dann überzeugt, wenn die Handlung ins Symbolische kippt. Der Film funktioniert als visuell überbordende Parabel auf das Gaslighting einer ganzen Generation: Schönheit als Falle, Ordnung als Lüge – und lässt die nicht außen vor, die sich diese Zeit am liebsten zurückwünschen.

    Promising Young Woman (2020)

    Cassie (Carey Mulligan) führt ein Doppelleben: Tagsüber freundliche Barista, nachts kalter Racheengel. Sie täuscht sie Betrunkenheit vor, um Männer mit ihren eigenen Übergriffen zu konfrontieren. Emerald Fennell inszeniert diesen schillernd-bunten Psychothriller mit kühler Präzision. Mulligan spielt Cassie mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und kontrollierter Härte, ihre Rache wird zur verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit in einem System, in dem Gewalt gegen Frauen oft ohne Konsequenzen bleibt. Promising Young Woman ist ein klar komponiertes, sarkastisches und erschütternd gegenwärtiges Werk über Schuld, Scham und (männliche) Macht.

    Rebecca (1940)

    Alfred Hitchcocks Rebecca bleibt das Urbild des Psychothrillers mit weiblicher Hauptfigur: Eine junge Frau (Joan Fontaine) heiratet den geheimnisvollen Maxim de Winter – nur um festzustellen, dass das Anwesen Manderley noch immer im Bann seiner verstorbenen Frau Rebecca steht. Rebecca ist dabei allerdings kein Geisterfilm, sondern ein meisterhaftes Psychogramm über Eifersucht, Kontrolle und weibliche Unsicherheit. Die namenlose Heldin verwandelt sich von naivem Mädchen zur Frau, die das Unaussprechliche erkennt.Elegant, unheimlich, zeitlos.

    Mother! (2017)

    Darren Aronofskys Mother! ist weniger Thriller als eine apokalyptische Versuchsanordnung über weibliche Schöpfungskraft und männliche Vereinnahmung. Jennifer Lawrence verkörpert eine namenlose Frau, deren Haus – Sinnbild ihres Körpers und Bewusstseins – von Fremden heimgesucht wird, während ihr narzisstischer Mann schöpferischen Größenwahn mit beinah göttlicher Macht verwechselt. Dabei treibt Aronofsky seine gewaltvolle Allegorie an die Grenze des Erträglichen: Ein Film als Fiebertraum, wuchtig und erschöpfend zugleich. Mother! ist ein beißender Kommentar – und ein Film, der Vieles zugleich will, aber gerade im Chaos seine Wahrheit findet.

    Das Schweigen der Lämmer (1991)

    In Das Schweigen der Lämmer begegnet die FBI-Anwärterin Clarice Starling (Jodie Foster) dem inhaftierten Kannibalen Hannibal Lecter, um einen Serienmörder zu fassen – und gerät dabei in ein psychologisches Duell, das weit über den Fall hinausgeht. Jonathan Demmes Film ist nicht nur ein Thriller-Meilenstein, sondern auch ein Porträt weiblicher Selbstbehauptung in einer Männerwelt. Jodie Fosters Clarice ist klug, sensibel, unbeirrbar – eine Figur, die Stärke nicht durch Dominanz, sondern durch Empathie zeigt. Das Schweigen der Lämmer ist ein Film, der den Horror nicht im Monströsen, sondern im menschlichen Blick sichtbar macht.

  • 40 Jahre Geister, Kult und Comedy: Alle „Ghostbusters“-Filme und Serien im Überblick

    40 Jahre Geister, Kult und Comedy: Alle „Ghostbusters“-Filme und Serien im Überblick

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Vier Jahrzehnte nach dem ersten Kinoauftritt sind die Ghostbusters noch immer quicklebendig – oder besser gesagt: untot präsent in der Popkultur. Mit Ghostbusters: Frozen Empire (2024) wurde das Franchise fortgeführt, und die jüngste Generation der Geisterjäger trifft dabei auf die Veteranen, die alles ins Rollen brachten. 

    Zwischen Kult, Reboots und Nostalgie hat sich eine Reihe entwickelt, die so wandelbar ist wie die Geister, die sie jagt. Wir geben einen einordnenden Überblick über alle Filme und Serien, die dazugehören. 

    Ghostbusters (1984, Film)

    Ivan Reitmans Original ist mehr als nur eine Komödie: Ghostbusters ist ein Meilenstein der Popkultur. Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson spielen eine illustre Gruppe an Außenseitern, die mit wissenschaftlichen Gerätschaften Geister jagen und dabei unfreiwillig zur letzten Verteidigungslinie New Yorks werden. 

    Die Mischung aus Slapstick, trockenen One-Linern und visuellen Effekten, die für ihre Zeit bahnbrechend waren, machte den Film sofort zu einem Klassiker. Der ikonische Marshmallow-Mann und der Ohrwurm-Soundtrack von Ray Parker Jr. zementierten den Kultstatus. Bis heute ist Ghostbusters die Art von Film, die gleich mehrere Genres umarmt – und dabei alles mühelos balanciert. 

    The Real Ghostbusters (1986–1991, Serie)

    Die erste Animationsserie machte die Geisterjäger für Kinder zur festen Nachmittagsunterhaltung. Über sechs Staffeln hinweg vertieften The Real Ghostbusters das Universum und erweiterten die mythologische Ebene, die im Film nur angerissen wurde. 

    Figuren wie Slimer rückten stärker in den Vordergrund, und der Ton schwankte zwischen Grusel und Cartoon-Humor. Nicht so stark wie der erste Kinofilm, doch die Serie brachte den Figuren eine neue Generation von Fans und etablierte „Ghostbusters“ endgültig als Marke. Mit 140 Episoden ist sie bis heute ein wichtiger Teil der Reihe – eine Art Bindeglied zwischen Blockbuster-Kino und Merchandise-getriebenem Branding. Ideal für alle, die den Charme der 80er-Jahre-Cartoons lieben.

    Ghostbusters II (1989, Film)

    Fünf Jahre nach dem Triumph des Originals kehrten die Geisterjäger zurück – diesmal, um sich mit einem Gemälde und einer Welle aus negativem Schleim auseinanderzusetzen. Regisseur Ivan Reitman und der Originalcast waren erneut an Bord, doch der Zauber von Teil eins ließ sich nicht gänzlich wiederholen.

    Die Handlung wirkt formelhaft, doch für Fans des ersten Film ist Ghostbusters II wegen vertrauten Gesichtern und nostalgischen Charme dennoch gute Unterhaltung. Heute wirkt Ghostbusters II wie ein Kind seiner Zeit: ein bunter, leicht überdrehter Nachschlag, der die Marke am Leben hielt, ohne wirklich Neues zu wagen. Wer Lust auf 80er-Sequels im Stil von Gremlins 2 hat, wird trotzdem seinen Spaß haben.

    Extreme Ghostbusters (1997, Serie)

    Fast ein Jahrzehnt später brachte Extreme Ghostbusters frischen Wind – zumindest auf dem Papier. Egon Spengler übernimmt die Rolle des Mentors und bildet ein neues Team aus jungen Geisterjägern aus, das diverser und moderner wirken sollte. Die 40 Episoden setzen stärker auf düstere Elemente und wagen inhaltlich den Schritt in Richtung Teen-Horror. 

    Doch trotz interessanter Ansätze fehlte es der Serie an Charme: Die Figuren wirken austauschbar, und die Serie verschwand dementsprechend nach nur einer Staffel im TV-Nirwana. Ein Versuch, Ghostbusters ins neue Zeitalter zu bringen, der nie sein ganzes Potenzial ausschöpfte. Wer die düsteren Interpretationen beliebter Cartoon-Helden der späten 90er- und frühen 00er-Jahre, wie Teenage Mutant Ninja Turtles, schätzt, könnte aber vielleicht auch hieran seine Freude haben. 

    Ghostbusters (2016, Film)

    Das Reboot von Paul Feig wiederum wollte die Marke komplett neu aufstellen: Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Kate McKinnon und Leslie Jones übernahmen die Protonenpacks. Mit einem höheren Budget als je zuvor sah der Film modern aus, doch der Ton war deutlich alberner als im Original. 

    Trotz tollem Cast leidet der Film an Ideenarmut und schwachen Gags.  Zwar hatten Originaldarsteller Cameos, doch ohne echte Verbindung zur alten Story wirkt der Film, als fände er in einem Paralleluniversum statt. Heute wirkt Ghostbusters weniger wie ein Neubeginn, als wie ein einmaliger, experimenteller Ausreißer. Wer sich von anderen umstrittenen Reboots wie Drei Engel für Charlie oder Karate Kid IV  unterhalten fühlt, könnte diesem Ausreißer aber vielleicht durchaus etwas abgewinnen.

    Ghostbusters: Legacy (2021, Film)

    Mit Ghostbusters: Legacy allerdings gelang Gil Kenan die Rückkehr zur DNA des Originals – diesmal mit Fokus auf die Familie Spengler. Carrie Coon, Finn Wolfhard und McKenna Grace spielen die Erben von Egon, die in einer Kleinstadt zufällig die alte Geisterjäger-Historie freilegen. Der Film lebt stark von Nostalgie, bringt aber auch neue Energie durch die Perspektive der Kinder. 

    Mit einer Laufzeit von 124 Minuten ist er länger als die Vorgänger, doch die Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Geisteraction funktioniert nach den vorangegangenen Enttäuschungen wieder überraschend gut. Eine Brücke zwischen den Generationen und ein gelungenes Revival – wenn auch mit viel „Fan-Service“ im Gepäck.

    Ghostbusters: Frozen Empire (2024, Film)

    Zwei Jahre nach Legacy führte Kenan die Geschichte nahtlos fort: Die Spengler-Familie zieht ins ikonische Feuerwehrhaus nach New York, wo ein neues Forschungslabor entstanden ist. Doch ein mysteriöses Artefakt entfesselt eine uralte Macht – und zwingt Alt und Jung erneut zusammen. 

    Ghostbusters: Frozen Empire beschwört erneut den Nostalgie-Wert der Reihe und verfolgt gleichsam das Ziel eine neue Generation zu etablieren. Dabei wiederholt sich allerdings manches, anderes wirkt viel zu überdreht – beinahe wirkt es, als würde die Fortsetzung die Fehler von Ghostbuster II wiederholen. Damit ist Frozen Empire zwar kein großer Wurf, aber als Popcorn-Kino mit Retro-Flair funktioniert er – ähnlich wie andere späte Sequels, die sich lieber auf bekannte Muster verlassen, etwa Terminator: Dark Fate oder Jurassic World.

  • Alle Filme und Serien um „Der Zauberer von Oz“

    Alle Filme und Serien um „Der Zauberer von Oz“

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Kaum ein Fantasiestoff hat die Popkultur über mehr als ein Jahrhundert so nachhaltig geprägt wie Der Zauberer von Oz. Die Geschichten von L. Frank Baum sind seit ihrer Veröffentlichung Anfang des 20. Jahrhunderts unzählige Male aufgegriffen worden – mal als treue Adaption, mal als freie Reimagination. Dabei zeigt sich, wie flexibel das Universum von Oz ist: Es kann zugleich kindgerechtes Musical, düstere Fantasy und sogar dystopische Science-Fiction sein. 

    Mit Wicked kehrte die Saga nun in einem zweiteiligen Blockbuster zurück und beweist, dass der Stoff immer wieder neu interpretiert werden kann. Doch wie hat sich Oz auf Leinwand und Bildschirm entwickelt? Ein Überblick über die wichtigsten Filme und Serien gibt es hier im Artikel – einen Überblick über alle Filme und Serien um „Der Zauberer von Oz“ gibt es am Ende des Textes.

    Der Zauberer von Oz (1939, Film)

    Kaum ein Klassiker des amerikanischen Kinos hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wie Der Zauberer von Oz. Victor Flemings Adaption mit Judy Garland als Dorothy definierte, wie Generationen den Stoff wahrgenommen haben. Lieder wie „Somewhere Over the Rainbow“ sind längst fester Bestandteil der Popkultur, und die farbenprächtige Technicolor-Inszenierung machte den Film schon bei seiner Veröffentlichung zu einem Meilenstein. Was oft vergessen wird: Ihm gingen bereits mehrere Stummfilmversionen voraus, die heute nur noch als Kuriosität gelten. Der MGM-Film dagegen überdauerte und gilt bis heute als Musterbeispiel für das Zusammenspiel von Musical, Fantasy und Coming-of-Age-Geschichte. Ohne ihn wären spätere Adaptionen und Neuinterpretationen undenkbar.

    Oz – Eine fantastische Welt (1985, Film)

    Fast fünf Jahrzehnte nach dem MGM-Klassiker wagte Disney eine Fortsetzung – und überraschte mit einer deutlich düstereren Tonlage. Oz – Eine fantastische Welt mit Fairuza Balk als Dorothy lehnt sich enger an die Buchvorlagen von L. Frank Baum an, verzichtet auf den Glanz des Musicals und zeigt stattdessen ein bedrückenderes Bild des Fantasiereichs. Prinzessin Mombi und das mechanische Wesen Tik-Tok sind originelle Ergänzungen, doch das Publikum wollte die verstörendere Vision nicht annehmen. An den Kinokassen floppte der Film, erhielt aber später Kultstatus, gerade bei Fans, die die dunklere Seite von Oz schätzen. Im Rückblick wirkt er wie ein mutiger, wenn auch unglücklicher Gegenentwurf zum fröhlich-bunten Vorbild von 1939.

    Muppets – Der Zauberer von Oz (2005, Film)

    Die Muppets sind bekannt dafür, Klassiker der Literatur und des Films mit parodistischem Witz neu zu erzählen – wie etwa die Weihnachtsgeschichte. 2005 nahmen sie sich die Welt von Oz vor. In Muppets – Der Zauberer von Oz übernimmt Kermit den Zauberer, Miss Piggy ist Dorothy und Fozzie Bear gibt den Blechmann. Der Film ist weniger eine ernsthafte Adaption als vielmehr ein Meta-Kommentar, der den Stoff durch Muppet-Humor spiegelt. Für Fans der Puppen ist es ein amüsantes Wiedersehen, für Puristen der Oz-Geschichte wirkt es eher wie ein Gag in Spielfilmlänge. Gerade durch seine ironische Distanz zeigt er aber, wie wandelbar das Ausgangsmaterial tatsächlich ist.

    Tin Man – Die fantastische Reise nach Oz (2007, Miniserie in 3 Teilen)

    Mit Tin Man hat das Fernsehen versucht, Oz für ein modernes Publikum zu reinterpretieren – und zwar im Stil einer dystopischen Sci-Fi-Serie. Zooey Deschanel spielt DG, eine moderne Dorothy, die in einer dunklen Parallelwelt mit cyberpunkartigen Anklängen ihren Weg sucht. Mit Alan Cumming als exzentrischem „Blechmann“ und Richard Dreyfuss als mysteriöser Zauberer vereinte die Produktion durchaus prominente Namen. Die Serie erweitert das Universum kreativ, auch wenn sie nie denselben Nachhall wie die Kinofilme erzielte. Ihr Wert liegt vor allem darin, zu zeigen, wie flexibel sich Oz zwischen Fantasy, Science-Fiction und Märchen bewegen lässt – auch wenn die Umsetzung manchmal klar Stil über Substanz stellt.

    Emerald City (2017, Serie)

    2017 versuchte NBC mit Emerald City eine düstere Serienvariante, die explizit erwachsener wirkte. Die Welt von Oz wurde als Mischung aus Märchen und „Game of Thrones“-Drama inszeniert – inklusive politischer Intrigen, Gewalt und einem realistischeren Tonfall. Trotz eines ambitionierten Designs und solider Besetzung, etwa mit Vincent D’Onofrio als Zauberer, fand die Serie nie ihr Publikum. Nach nur einer Staffel war Schluss. Emerald City bleibt ein Beispiel dafür, wie schwer es ist, Oz aus der (halbwegs) kindgerechten Nische herauszuführen. Der Versuch, den Stoff in Richtung High Fantasy für Erwachsene zu verschieben, mag interessant klingen, scheiterte aber an einer konfusen Umsetzung.

    Wicked (2024)

    Mit Wicked kam die bekannteste Nebengeschichte von Oz endlich ins Kino. Ursprünglich als Roman von Gregory Maguire veröffentlicht und seit 2003 eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals, erzählt die Geschichte die Vorgeschichte der Hexen Elphaba und Glinda. Mit Cynthia Erivo und Ariana Grande in den Hauptrollen inszeniert der Film ihre Freundschaft, Rivalität und die Frage nach moralischen Grauzonen. Villain oder Heldin? Wicked bricht mit dem simplen Schwarz-Weiß-Schema des Originals. Die opulente Ausstattung und Musical-Nummern machen den Film zu einem Ereignis, aber auch zu einem Balanceakt: Wer das Musical liebt, bekommt hier eine bilgewaltige Filmübersetzung. 

    Wicked 2 (2025)

    Ob die Erzählung über ganze zwei Filme trägt und dafür ausreichend Tiefgang bieten kann, bleibt abzuwarten. Die Fortsetzung, Wicked 2, startet am 19. November 2025 in den deutschen Kinos. Und darin wird auch Dorothy vorkommen: Ihre Ankunft und die Enthüllung der Geheimnisse um den Zauberer von Oz (Jeff Goldlbum) bringen das Gleichgewicht ins Wanken, während für Glinda die Hochzeit mit Fiyero (Jonathan Bailey) bevorsteht und Elphaba sich im Exil weiter für die magischen Kreaturen einsetzt. Wenn Wicked 2 den Ton seiner Vorlage hält und die Musik als inneren Monolog nutzt, könnte eines der großen Kinoereignisse 2026 winken.

  • „The Boys“: So schaust du die Superhelden-Satire in der richtigen Reihenfolge

    „The Boys“: So schaust du die Superhelden-Satire in der richtigen Reihenfolge

    Nora Henze

    Nora Henze

    JustWatch-Editor

    Was Invincible für die Animationswelt war, ist The Boys für das Superheldengenre in Live-Action: ein kompromissloser, brutaler Blick hinter die Maske. Während das MCU auf polierte Helden und große Schlachten setzt, erzählt dieses Amazon-Franchise von Machtmissbrauch, Narzissmus und perfidem Marketing. 

    Statt Hoffnung gibt es Korruption, statt Vorbilder Antihelden. Doch wer glaubt, The Boys sei nur Provokation, unterschätzt die erzählerische Tiefe - besonders dann, wenn Spin-offs und Animationsableger klug in die Chronologie eingebettet sind. Anders als bei Marvel oder Star Wars ist die Reihenfolge hier überschaubar, aber umso wichtiger: Denn wer etwa Generation V zu früh schaut, versteht zentrale Twists der Hauptserie nicht. Damit alles sitzt, kommt hier die empfohlene Reihenfolge, die zeigt, wie sich das Universum von Staffel zu Staffel weiter zuspitzt.

    1. The Boys: Diabolical (2022)

    Die animierte Serie ist auf den ersten Blick eine schräge Entscheidung, aber The Boys: Diabolical funktioniert hervorragend als Einstieg in diese verdrehte Welt. Die Anthologie-Serie wechselt zwischen Albernheit, Brutalität und überraschender Melancholie und spiegelt damit viele Facetten des Universums, ohne eine durchgehende Handlung zu erzählen. Nur Episode 8 („One Plus One Equals Two“) ist wirklich kanonisch und beleuchtet Homelander vor den Ereignissen der Hauptserie - ein spannender Einblick, der für Kenner von The Boys ein Zusatz und für Neueinsteiger ein Vorgeschmack ist. Was hier besonders auffällt: Der Mut zur stilistischen Freiheit. Ob Cartoonlook, Anime-Stil oder klassische TV-Optik -  jede Episode lebt in ihrem eigenen Rhythmus. Im Vergleich zur Hauptserie wirkt Diabolical spielerischer, aber nicht weniger bitter. Gerade wenn du noch keine Folge von The Boys gesehen hast, bekommst du hier ein Gefühl für Ton, Moral und Fallhöhe dieser Welt. 

    2. The Boys – Staffel 1 (2019)

    Der Auftakt von The Boys ist ein wütender Schlag in die Magengrube des Superhelden-Genres. Während Marvel und DC ihre Helden als moralische Ikonen inszenieren, reißt diese Serie die glänzende Fassade brutal ein. Statt edler Retter bekommst du hier korrupte Machtmenschen mit PR-Teams, Drogenproblemen und mörderischen Geheimnissen. Gerade deshalb trifft Staffel 1 einen Nerv: Sie fühlt sich an wie eine bitterböse Antwort auf das allzu saubere Heldentum, das über Jahre dominiert hat. Die Welt von The Boys ist zynisch, dreckig und überraschend aktuell: eine gnadenlose Abrechnung mit Medien, Kapitalismus und Celebrity-Kultur. Im Vergleich zu späteren Staffeln wirkt die erste Staffel fast kompakt, aber gerade das macht ihren Reiz aus. Sie setzt klare Akzente, lässt keine Figur aus dem Blick und schafft es, trotz aller Härte echtes Mitgefühl zu erzeugen. 

    3. The Boys – Staffel 2 (2020)

    Mit Staffel 2 schraubt The Boys die Eskalation deutlich nach oben, sowohl inhaltlich als auch visuell. Die gesellschaftlichen Bezüge werden schärfer, der Ton düsterer und die Gewalt expliziter. Besonders mit der Figur Stormfront trifft die Serie einen neuen Nerv. Hier verschwimmt endgültig die Grenze zwischen Unterhaltung und Zeitdiagnose: The Boys wird politischer, ohne belehrend zu sein. Wo Staffel 1 noch aufrüttelte, will Staffel 2 entlarven, und tut das mit bitterem Sarkasmus. Jetzt kämpft Hughie nicht mehr nur gegen das System, sondern auch mit sich selbst, und Butcher verliert zunehmend die Kontrolle über seinen Rachefeldzug. Manche Figuren wie Queen Maeve oder A-Train gewinnen an Nuancen, andere verlieren sich im Chaos, doch genau darin liegt die Stärke der Staffel: Sie zeigt, wie Instabilität auch die Moral erodiert. Staffel 2 ist damit keine bloße Fortsetzung, sondern ein mutiger Schritt Richtung Abgrund: brillant, unbequem und verdammt unterhaltsam.

    4. The Boys – Staffel 3 (2022)

    Wenn Staffel 2 das Chaos entfesselt hat, dann tanzt Staffel 3 förmlich auf dessen Trümmern. The Boys steigert sich in der dritten Runde zu einem fiebrigen Albtraum aus politischer Satire, persönlichen Abgründen und entfesselter Gewalt. Besonders mit der Einführung von Soldier Boy, einer Art toxischem Urvater aller Superhelden, verschiebt sich der Fokus: Vergangenheit und Gegenwart kollidieren brutal, alte Traumata brechen auf. Diese Staffel geht nicht nur tiefer in die Figuren, sondern entlarvt ihre innersten Schwächen. Hughie trifft Entscheidungen, die man ihm vorher nie zugetraut hätte, und Butcher überschreitet endgültig die Grenzen dessen, was Heldentum bedeuten könnte. Parallel verlieren auch die “Seven” zunehmend ihre Kontrolle: Homelander wird unberechenbarer, die Machtverhältnisse verschieben sich gefährlich. Besonders eindrucksvoll ist die visuelle Wucht der Staffel: Man spürt, dass hier nicht mehr nur provoziert wird, sondern ein Endspiel vorbereitet wird. Staffel 3 ist radikaler als Staffel 2, schonungslos und vielleicht die konsequenteste Staffel des gesamten Universums.

    5. Gen V (2023)

    Mit Generation V geht es an die Uni, aber das bedeutet nicht weniger Wahnsinn. Die Serie spielt direkt nach der dritten Staffel von The Boys und fühlt sich an wie ein Bekenntnis zur nächsten Generation. Die Godolkin University ist Schauplatz für eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich zwischen Party, Trauma, Blut und Leistungsdruck abspielt. Marie Moreau und ihre Kommilitonen sind zwar jünger, aber nicht minder gefährlich. Interessant wird Gen V vor allem durch die Verbindungen zur Hauptserie: Figuren wie Victoria Neuman oder Vought tauchen regelmäßig auf, manche Entwicklungen wirken wie Vorboten für The Boys Staffel 4. Während The Boys sich oft an der Oberfläche der Medienwelt abarbeitet, geht Gen V tiefer in die Psyche: der Horror ist persönlicher und intimer. Die Serie ist weniger eine Abspaltung als eine konsequente Erweiterung. Wenn du nach den ersten drei Staffeln das Gefühl hattest, schon alles gesehen zu haben, belehrt Gen V dich eines Besseren.

    6. The Boys - Staffel 4 (2024)

    Mit der vierten Staffel kehrt The Boys zurück, aber verändert. Der Kontext von Gen V wirkt deutlich nach, einzelne Storylines setzen direkt dort an. Figuren wie Neuman, Homelander und Butcher bewegen sich in einem Umfeld, das noch paranoider, gewaltbereiter und kaputter erscheint als zuvor. Gleichzeitig nimmt die Serie sich Zeit für neue Dynamiken: Beziehungen verschieben sich, Loyalitäten brechen, die Welt scheint endgültig dem Untergang geweiht. Besonders spannend ist, wie sich die Machtverhältnisse aus Gen V auf die Hauptserie übertragen. Während Staffel 3 noch eine Art Hochphase der Superhelden-Industrie zeigte, ist Staffel 4 ein kalter Blick auf die Trümmer dahinter. Es ist das düsterste Kapitel bislang, und damit vielleicht das ehrlichste. Wenn du bis hierhin durchgehalten hast, wirst du merken, wie stark die Serie im Gesamtbild geworden ist.

    7. The Boys - Staffel 5 (geplant)

    Auch wenn bislang nur der Episodentitel „Fifteen Inches of Sheer Dynamite“ offiziell bekannt ist, lässt sich die Bedeutung von Staffel 5 jetzt schon einordnen: Sie wird das Finale der Hauptserie The Boys bilden und soll die offenen Handlungsstränge aus Staffel 4 zu einem Abschluss bringen. Damit markiert sie auch den chronologischen Endpunkt des bisherigen Universums - zumindest, solange kein weiterer Spin-off angekündigt wird. Während Gen V und Diabolisch eigene Blickwinkel auf das Franchise werfen, kehrt Staffel 5 voraussichtlich wieder zur Kernhandlung um Butcher, Homelander und Hughie zurück. Gerade nach den Entwicklungen der vierten Staffel steht einiges auf dem Spiel, und die große Frage bleibt, wie radikal oder ironisch das Ende inszeniert wird. Wer The Boys als durchgehende Geschichte sehen möchte, braucht diesen Schlusspunkt, auch wenn er aktuell noch aussteht. 

    8. The Boys: Mexico (geplant)

    Noch liegt wenig Konkretes vor, aber The Boys: Mexico ist als nächstes Spin-off bereits bestätigt. Es wird außerhalb der USA spielen, aber im selben Universum. Diese geographische Verschiebung könnte dem Franchise einen frischen Blickwinkel geben, ähnlich wie es Gen V durch das Unimilieu gelungen ist. Wenn du nach Staffel 4 das Gefühl hast, du brauchst eine neue Perspektive auf diesen Wahnsinn, dann könnte The Boys: Mexico genau das liefern. Schon jetzt ist klar: Die Serie wird stark mit den bestehenden Ereignissen verwoben sein. Du solltest also auf keinen Fall direkt mit ihr einsteigen. Erst Diabolical, dann The Boys, dann Gen V und Staffel 4 - und erst danach ist Mexico dran. Wenn die Serie hält, was sie verspricht, bekommst du hier nicht nur neue Supes, sondern auch neue Fragen: Was passiert, wenn das System von Vought global wird? Und was, wenn niemand mehr zuschaut?

  • Der Guide zu „Doraemon“: Alle Anime-Serien, Filme und Shorts in richtiger Reihenfolge

    Der Guide zu „Doraemon“: Alle Anime-Serien, Filme und Shorts in richtiger Reihenfolge

    Arabella Wintermayr

    Arabella Wintermayr

    JustWatch-Editor

    Kaum ein Anime-Franchise ist über Jahrzehnte so beständig geblieben wie Doraemon. Der blaue Roboter-Kater, der aus der Zukunft kommt, um dem faulen, aber gutherzigen Nobita mit kuriosen Gadgets beizustehen, ist in Asien längst eine Kultfigur – und auch international Symbolfigur für ein Subgenre zwischen Slapstick, Science-Fiction und kindgerechtem Eskapismus. 

    Seit den 1970er Jahren ist um die Figur ein riesiges Medienimperium gewachsen: Anime-Serien, Kinofilme, CGI-Specials und Kurzfilme. Im Folgenden stellen wir die 5 zentralen Produktionen vor, die Doraemon geprägt haben. Ganz am Ende des Artikels findet ihr eine vollständige Liste aller Serien, Filme und Kurzfilme in der richtigen Reihenfolge.

    Doraemon (1979–2005, Serie)

    Die langlebigste und prägendste Serie des Franchise ist ohne Zweifel die im Jahr 1979 gestartete Adaption. Über mehr als 25 Jahre hinweg und in insgesamt 1.787 Episoden (!) wurde die Manga-Vorlage fast vollständig umgesetzt. Viele der Erzählungen, die Fans heute mit Doraemon verbinden – vom Dinosaurier-Abenteuer bis zu Zeitreise-Gags – stammen direkt aus dieser Version. 

    Für ganze Generationen japanischer Kinder war diese Serie täglicher Begleiter im Fernsehen. Die Animation mag nach heutigen Maßstäben schlicht wirken, dennoch ist die lange Laufzeit ein zentraler wert: Wer Doraemon kennenlernen will, kommt an dieser Serie nicht vorbei. Sie ist Herzstück und Fundament des gesamten Franchise.

    Doraemon: Nobita’s Dinosaur (1980, Kinofilm)

    Der allererste Doraemon-Kinofilm ist bis heute einer der beliebtesten. Nobita’s Dinosaur erzählt die Geschichte eines kleinen Dinosauriers, den Nobitaausbrütet und großzieht – nur um festzustellen, dass er in der modernen Welt nicht überleben kann. Der Film schlägt einen Ton zwischen Abenteuer, Tragik und kindgerechtem Pathos an, der zum Standard für alle späteren Kinoabenteuer wurde. 

    Und: Immer wieder kehrte das Franchise zu dieser Geschichte zurück, etwa im Remake Nobita’s Dinosaur 2006 oder Nobita’s New Dinosaur. Wer sehen will, wie Doraemon seine Langfilm-Form fand und warum die Reihe so langlebig ist, sollte hier beginnen.

    Doraemon (2005–heute, Serie)

    Nach dem Ende der 1979er-Version wagte das Studio ein Reboot, das bis heute läuft und inzwischen mehr als 800 Episoden umfasst. Mit modernisiertem Animationsstil, neuer Sprecherbesetzung und frischem Humor richtet sich diese Auflage stärker an ein zeitgenössisches Publikum, ohne die Grundidee darüber aufzugeben.

     Nobita bleibt derselbe ungeschickte Junge, Doraemon derselbe Kater aus der Zukunft – doch die Erzählweise ist straffer, die Gagdichte höher und die Technik auf Höhe der Zeit. Damit ist die 2005er-Version der perfekte Einstieg für heutige Zuschauer, die Doraemon nicht nur als nostalgisches Phänomen, sondern als immer noch lebendiges, populäres Franchise erleben wollen.

    Stand by Me Doraemon (2014, CGI-Film)

    Mit Stand by Me Doraemon wagte Doraemon erstmals den Sprung in eine komplett neue Ästhetik: 3D-Animation im CGI-Stil, verbunden mit einer nostalgisch gefärbten Rückschau auf zentrale Kapitel des Manga. Der Film zeigt, wie Doraemon in Nobitas Leben tritt, ihre Freundschaft wächst – und was geschieht, als Doraemon eines Tages verschwindet. 

    Damit richtet er sich explizit an ältere Fans, die mit der Serie aufgewachsen sind, und bietet gleichzeitig Neulingen einen kompakten Einstieg. Stand by Me Doraemon überzeugt durch emotionale Tiefe, ein modernes Look-and-Feel und eine berührende Coming-of-Age-Erzählung. Für viele ist der Film bis heute die „ultimative“ Doraemon-Erfahrung im Kino.

    Stand by Me Doraemon 2 (2020, CGI-Film)

    Sechs Jahre später erschien eine lose Fortsetzung, die noch stärker auf Nostalgie setzt. Diesmal geht es um Nobitas Angst vor seiner eigenen Hochzeit und seine Reise in Vergangenheit und Zukunft. Besonders emotional ist die Begegnung mit seiner verstorbenen Großmutter – eine Szene zu den bewegendsten Momenten des gesamten Franchise zählt. 

    Der Film beweist, dass Doraemon mehr sein kann als nur futuristischer Slapstick: eine feinfühlige Geschichte über das Erwachsenwerden etwa, über Verantwortung und die Angst vor dem Leben selbst. Trotz mancher Wiederholung bietet Stand by Me 2 gerade für Fans, die mit Nobita groß geworden sind, eine sehr sehenswerte Ergänzung.

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