
Ahmet Iscitürk
Der Streaming-Gigant Netflix hat in den vergangenen Jahren nicht nur zahlreiche Serien, sondern auch eine bemerkenswerte Reihe von Comedy-Filmen als Eigenproduktionen herausgebracht. Die Auswahl reicht von romantischen Geschichten über bissige Gesellschaftssatiren bis hin zu albernen Slapstick-Komödien – für fast jeden Humor ist etwas dabei.
Dieser Artikel richtet sich somit an alle, die Lust haben, das Genre in seiner ganzen Vielfalt zu entdecken, ohne sich endlos durch Mediatheken klicken zu müssen. Ganz egal, ob du herzhaft lachen, leise mitfühlen oder einfach mal für zwei Stunden abschalten willst. Langer Rede, kurzer Sinn: Diese Netflix-Comedys sind perfekt für einen humorvollen Abend allein oder mit Freunden!
Always Be My Maybe (2019)
Ali Wong und Randall Park zünden ein RomCom-Feuerwerk mit Herz, Humor und einem legendären Keanu-Reeves-Cameo, der nicht nur für Fans unvergesslich bleibt. Der Film erzählt von zweiten Chancen, kultureller Identität und der Frage, ob man sich selbst treu bleiben kann, ohne die Liebe zu verlieren. Dabei balanciert Always Be My Maybe gekonnt zwischen scharfen Dialogen, warmherziger Situationskomik und Momenten echter Emotionalität. Wie Set It Up beweist auch Always Be My Maybe, dass Netflix-RomComs Herz und Humor verbinden können – nur dass hier die Dialoge noch spitzer und die Pointen bissiger sind. Wer Lachen mit Gefühl sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Besonders stark: die Chemie zwischen Wong und Park, die sowohl lustig als auch berührend ist.
Don’t Look Up (2021)
Don’t Look Up ist eine Satire, die polarisiert – und gerade deshalb unbedingt gesehen werden sollte. Der Film erzählt von Wissenschaftlern, die vergeblich versuchen, die Menschheit vor einem herannahenden Kometen zu warnen. Klingt nach Science-Fiction, ist aber eine schonungslose Abrechnung mit Medien, Politik und öffentlicher Ignoranz. Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence brillieren in den Hauptrollen, während Meryl Streep als narzisstische Präsidentin für beißenden Humor sorgt. Wer nach dem fluffigen Charme von Always Be My Maybe oder dem Zeitschleifen-Witz von When We First Met etwas mehr Sarkasmus wünscht, findet hier das passende Gegenstück: kompromissloser Spott statt Herz. Gleichzeitig teilt Don’t Look Up mit The Meyerowitz Stories die Tendenz, menschliche Schwächen bloßzulegen – nur eben mit deutlich schärferer Klinge.
The Meyerowitz Stories (2017)
Noah Baumbach zeigt in The Meyerowitz Stories eine ganz andere Art von Comedy: leise, präzise und schmerzhaft komisch. Der Film dreht sich um die dysfunktionale Familie Meyerowitz, ihre verletzten Egos und ihre nie ausgesprochenen Enttäuschungen. Adam Sandler überrascht einmal mehr mit einer ernsten, nuancierten Leistung, Ben Stiller und Dustin Hoffman liefern ebenfalls starke Auftritte. Der Humor liegt hier zwischen den Zeilen, in Blicken, Pausen und unausgesprochenen Spannungen. Für alle, die bittersüße Familiengeschichten mögen, ist dieser Film ein kleines Juwel. Er fordert Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit feinen Beobachtungen über Eltern, Kinder und das, was bleibt, wenn man endlich ehrlich miteinander ist. Im Vergleich zu Wine Country wirkt er ernster und analytischer, während Don’t Look Up dieselbe Freude am Entlarven menschlicher Eitelkeiten hat, allerdings im viel größeren Maßstab.
The Wrong Missy (2020)
Wer es chaotisch und hemmungslos mag, ist bei The Wrong Missy genau richtig. Lauren Lapkus spielt die schräge Missy mit so viel Energie und Wahnsinn, dass man als Zuschauer:in kaum weggucken kann. Die Geschichte: Tim Morris (David Spade) lädt versehentlich die falsche Frau zu einem Firmen-Retreat ein – und das Chaos nimmt seinen Lauf. Der Humor ist ziemlich derb, oft vorhersehbar, manchmal fremdschämig, aber genau das macht den Reiz aus. Dieser Film ist aber mehr als nur ein Guilty Pleasure – er bietet ehrliche Comedy, die einfach nur gut unterhält und wirklich alles durch den Kakao zieht. Während The Meyerowitz Stories und Wine Country auf ernste Zwischentöne setzen, geht The Wrong Missy in die andere Richtung: schrill, laut und kompromisslos albern. Wer die Hemmungslosigkeit von Irgendwie schwanger feiert, bekommt hier sogar noch mehr anarchischen Wahnsinn.
Irgendwie schwanger (2025)
In Irgendwie schwanger spielt Amy Schumer eine Frau, die so sehr auf die Vorstellung von Familie fixiert ist, dass sie kurzerhand eine Schwangerschaft vortäuscht – mit allen absurden Folgen. Die Netflix-Komödie mixt Slapstick, Fremdscham und emotionale Zwischentöne zu einem wilden Cocktail. Zwischen peinlichen Yoga-Szenen, explodierenden Babybäuchen und chaotischen Liebesverwicklungen trifft der Film oft ins Schwarze, auch wenn nicht jeder Gag zündet. Schumers selbstironischer Humor steht klar im Mittelpunkt, begleitet von einer Story, die mal überdreht, mal erstaunlich ehrlich wirkt. Definitiv nichts für Fans subtiler Pointen, aber ideal für alle, die sich für albernen, derben Humor nicht zu schade sind. Mit seiner Mischung aus Slapstick und Cringe wirkt dieses Netflix-Exclusive wie das totale Gegenstück zu Wine Country oder The Meyerowitz Stories, die beide auf leise Zwischentöne setzen. Statt feinsinniger Beobachtungen gibt es hier grelle Eskalationen – schrill, tabulos und gleichzeitig überraschend menschlich.
Set It Up (2018)
Set It Up ist eine der charmantesten RomComs, die Netflix zu bieten hat – und ein kleiner Geheimtipp. Zwei überarbeitete Assistentinnen in New York hecken einen Plan aus, um ihre Chefs zu verkuppeln, damit sie selbst mehr Freizeit haben. Natürlich läuft alles anders als geplant, denn sonst wäre die Prämisse ja nicht so unterhaltsam. Der Film lebt von seinen launigen Dialogen, sympathischen Hauptdarstellerinnen und einem perfekten Gespür für Timing. Set It Up zeigt, dass Netflix-RomComs auch ohne große Innovationen glänzen können. Wer nach dem bissigeren Ton von Always Be My Maybe etwas Verspielteres sucht, bekommt hier eine charmant-fröhliche Alternative. Und während When We First Met seine Romantik mit einem Zeitreise-Twist auflädt, bleibt Set It Up bewusst auf dem Boden. Kurzum: Fans klassischer Liebeskomödien werden hier bestens unterhalten.
Wine Country (2019)
Amy Poehler, Tina Fey und Maya Rudolph – drei absolute Saturday-Night-Live-Legenden – machen Wine Country zu einem Fest für Fans der Comedy-Power-Frauen. Der Film begleitet eine Gruppe langjähriger Freundinnen auf einem Geburtstagswochenende im kalifornischen Weinland, wo alte Freundschaften gefeiert, neue Konflikte aufgewühlt und jede Menge Wein getrunken wird. Der Humor ist oft subtil, manchmal melancholisch und immer menschlich. Besonders stark ist die Chemie des Ensembles, das zwischen albern, ernst und verletzlich hin- und herwechselt. Wine Country ist kein Gag-Feuerwerk, sondern eine ruhige, ehrliche Geschichte über Freundschaft, Älterwerden und die Frage, was am Ende wirklich zählt. Ein ruhiger Gegenpol zu lautem Klamauk wie Irgendwie schwanger und ideal für alle, die in Komödien weniger nach krachenden Pointen, sondern nach zwischenmenschlicher Tiefe suchen.
When We First Met (2018)
When We First Met ist eine charmante RomCom mit Zeitschleifen-Twist, inszeniert von Ari Sandel. Adam DeVine spielt Noah, der enttäuscht feststellen muss, dass er bei seiner Traumfrau Avery (Alexandra Daddario) nur in der Friendzone gelandet ist. Doch dank eines magischen Fotoautomaten bekommt er die Chance, die entscheidende Begegnung immer wieder neu zu erleben – in der Hoffnung, endlich alles richtig zu machen. Der Film kombiniert leichten Humor, selbstironische Momente und zahlreiche „Was wäre wenn“-Situationen, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Sympathische Nebenfiguren sorgen für zusätzliche Dynamik und Lacher. When We First Met frischt das RomCom-Repertoire von Set It Up und Always Be My Maybe mit einem Zeitschleifen-Twist auf – und liefert nach der Schärfe von Don’t Look Up die wohl leichtfüßigste Abwechslung.
Nonnas (2025)
Nonnas ist eine herzerwärmende Dramedy über Joe (Vince Vaughn), der nach dem Verlust seiner Mutter und Großmutter ein italienisches Restaurant in Staten Island eröffnet und dabei „Nonnas“ (Großmütter) als Köchinnen engagiert. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und besticht durch eine charmante Besetzung: Susan Sarandon, Lorraine Bracco, Talia Shire und Brenda Vaccaro bringen ihren ganz eigenen Charakter und Humor ein. Wer die Ensemble-Chemie von Wine Country schätzt, findet hier quasi die kulinarische Variante. Gleichzeitig sorgt der Film mit Küchenchaos und Slapstick-Momenten für Lacher, die eher an Irgendwie schwanger erinnern – wenn auch deutlich zahmer. Dadurch vereint Nonnas zwei Richtungen: geerdete Wärme und ausgelassene Albernheit. Perfekt für alle, die feel-good Comedy mit authentischem Flair suchen.
Old Dads (2023)
Bill Burrs Regiedebüt Old Dads zeigt drei Männer mittleren Alters, die mit der modernen Welt einfach nicht mehr klarkommen – politisch korrekt, digital vernetzt und emotional überreflektiert. Derbe Sprüche, bissige Dialoge und eine erstaunlich ehrliche Auseinandersetzung mit männlicher Midlife-Verunsicherung machen den Film zu einer der kompromissloseren Netflix-Komödien. Im Gegensatz zu Irgendwie schwanger oder The Wrong Missy ist der Humor hier weniger albern, sondern deutlich zynischer und gesellschaftskritischer. Gleichzeitig teilt der Film mit Wine Country die Fähigkeit, Komik aus Lebenskrisen zu ziehen, nur eben aus männlicher Perspektive. Old Dads ist laut, direkt und manchmal plump – aber genau das macht ihn zu einer der authentischsten Netflix-Comedy-Produktionen der letzten Jahre.





































