
Die 10 besten Filme der 2000er – Jahr für Jahr
Die globale Aufregung war groß, als sich Ende 1999 alle nicht nur auf ein neues Jahrzehnt sondern gleich ein neues Jahrtausend einstimmten – und die darauffolgende Dekade hatte es in sich: Sie läutete einen weitreichenden digitalen Wandel ein, war von Terror und Krieg geprägt und schließlich von einer globalen Finanzkrise, um nur ein paar der großen Umbrüche zu nennen.
Entsprechend ging es auch filmisch hoch her, angefangen mit den Blockbustern dieses Jahrzehnts: Gewaltige Filmreihen wie Der Herr der Ringe (2001), Fluch der Karibik (2003), Harry Potter (2001), das Marvel Cinematic Universe mit Iron Man (2008) und schließlich auch die Vampir-Teenie-Romanze Twilight (2008) haben in den 2000ern ihren Anfang genommen, das noch dazu mit James Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora (2009) als erfolgreichstem Film aller Zeiten endete.
Ebenfalls in den Nuller Jahren bauten namhafte Regisseure wie Quentin Tarantino, die Coen-Brüder, Pedro Almodóvar und Martin Scorsese ihr großartiges Werk mit beeindruckenden Filmen weiter aus. Zugleich blühte das Independent-Kino auf und schuf mit Filmen wie Little Miss Sunshine (2006), Juno (2007), Once (2007), Donnie Darko (2001) und Brügge sehen… und sterben? (2008) bis heute geliebte Klassiker.
Die 2000er sind also ein höchst interessantes Jahrzehnt für eine filmische Entdeckungsreise, zu der wir zehn Filme zusammengestellt haben. Dabei haben wir für jedes Jahr einen prägenden und noch immer nachhallenden Film ausgesucht und verraten nebenbei, was in dem jeweiligen Jahr sonst noch lief – los geht’s:
Die Reise beginnt mit Wong Kar-Wais betörend schönem Liebesdrama In the Mood for Love (2000). Mit seinen beeindruckenden Bildkompositionen und der Sehnsucht und Nostalgie heraufbeschwörenden Atmosphäre hat es dieser so sachte inszenierte Film in diverse Listen zu den besten Filmen aller Zeiten geschafft.
Dabei musste sich In the Mood for Love zu Beginn des neuen Jahrtausends mit einigen anderen Meisterwerken messen: Lars von Trier beeindruckte mit seinem düsteren Björk-Musical Dancer in the Dark (2000), die Coen-Brüder schickten uns mit O Brother, Where Art Thou? (2000) auf eine wahnwitzige Mississippi-Odyssee und Tom Hanks kämpfte als Gestrandeter in Cast Away – Verschollen (2000) auf berührende Weise ums Überleben.
Auffällig farbenfroh und fantasievoll ging es im Filmjahr 2001 zu, als uns Jean-Pierre Jeunet in Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) einführte, Shrek – Der tollkühne Held (2001) ins Kino stapfte und Hayao Miyazaki uns von Chihiros Reise ins Zauberland (2001) erzählte. Zeitgleich hielten gigantische Spektakel wie Moulin Rouge und Peter Jacksons Der Herr der Ringe - Die Gefährten, der Einstieg in die Tolkien-Trilogie, das Kinopublikum in Atem.
Doch gerade als solch gewaltige Blockbuster ins Kino strömten, interessierte sich ein Mann für die Schattenseiten von Hollywood: Mit Mulholland Drive schuf Regie-Ikone David Lynch einen betörend enigmatischen Noir-Thriller, der den Verheißungen wie auch der dunklen Kehrseite der Traumfabrik eindrücklich nachspürte und dabei mit immer neuen rätselhaften Volten in seinen Bann zog. Bis heute gilt Mulholland Drive als einer der interessantesten Filme über Hollywood wie auch als Lynchs womöglich bestes Werk.
Obwohl der Wahrheitsgehalt der Lebensgeschichte des bekennenden Hochstaplers Frank Abagnale inzwischen stark angezweifelt wird, ist Stephen Spielbergs Spielfilm über dessen Gaunereien absolut sehenswert: Mit viel Schwung, Zeitkolorit und Traum-Besetzung (Leonardo DiCaprio an der Seite von Tom Hanks) erzählt Catch me if you can von einer höchst amüsanten Verfolgungsjagd, die an den richtigen Stellen aber auch Nachdenkliches über Lebensillusionen und das Streben nach Glück zu sagen hat.
Catch me if you can bot leichtfüßige, aber brillant inszenierte und gespielte Unterhaltung in einem Filmjahr, das ansonsten mit dem Holocaust-Drama Der Pianist (2002), Michael Moores vielbeachteter Doku Bowling for Columbine (2002) und Martin Scorseses Gangs of New York (2002) bestürzende Töne anschlug.
Auch 2003 überwogen die düsteren Töne im Kino, wobei sich sehr viele Filme Gewaltvollem zuwandten: In Monster (2003) spielte Charlize Theron bravourös die Serienmörderin Aileen Wuornos, Lars von Trier erkundete in Dogville (2003), wie schnell sich ein Überlegenheitsgefühl innerhalb einer Gruppe ausbreiten kann – mit grässlichen Folgen. Nicht zu vergessen ist Quentin Tarantinos bombastischer Kill Bill – Volume 1, in dem sich Uma Thurman auf einen brutalen Rachefeldzug begab.
Doch das noch etwas gewaltigere Rache-Epos lieferte 2003 Park Chan-wook mit seinem ausladenden Thriller Oldboy ab: Mit packender Erzähllust und Darstellungen voll psychischer wie physischer Brutalität legt Oldboy dar, wie Rachegelüste nie zur erhofften Erlösung führen und stattdessen nur weiteres Leid erzeugen. Dank seines großartigen Soundtracks und eines bestürzenden Finales bleibt Oldboy unvergessen und hat darüber hinaus mit kunstvoll gedrehten Kampf-Sequenzen das Action-Kino bis hin zu John Wick (2014) nachhaltig beeinflusst.
Natürlich steht Quentin Tarantinos gewagten Martial Arts-Feuerwerk Kill Bill ein Platz in dieser Liste zu. Da der Zweiteiler nach Tarantinos eigenem Willen als ein Film zu betrachten ist, erhält der die Saga vervollständigende Kill Bill – Volume 2 diesen Platz. Doch bei näherer Betrachtung wirkt Kill Bill – Volume 2 mit seinem faszinierenden Mix aus Western- und Eastern-Elementen und der emotionalen Tiefe, die die Geschichte um Beatrix Kiddos Vergangenheit hier erreicht, auch tatsächlich als der überlegenere der beiden Filme.
Tatsächlich war Kill Bill – Volume 2 2004 nicht der einzige Film, der kämpfende Frauen in den Vordergrund rückte: Regisseur Zhang Yimou begeisterte damals mit seinem bildgewaltigen Wuxia-Film House of Flying Daggers (2004) und Clint Eastwoods Boxerinnen-Drama Million Dollar Baby (2004) sollte vier Oscars erhalten – unter anderem als Bester Film. Dennoch gelang es beiden Filmen nicht, sich über die weiteren Jahrzehnte derart ins popkulturelle Gedächtnis einzubrennen wie der Kill Bill-Zweiteiler, in dem Tarantinos Gesamtwerk vielleicht sogar seinen Kulminationspunkt erreicht hat.
Bei aller Gewalt, Düsternis und Dunkelheit kann man sich fragen, wo die Liebe in den Filmen der 2000er geblieben ist? Nun, sie kam 2005 mit gleich zwei vielbestaunten Romanzen auf die Leinwand: Die eine war die im Biopic Walk the Line (2005) dargestellte Liebschaft zwischen Johnny Cash und June Carter. Die andere betraf zwei Cowboys, die in den 1960ern aufeinandertreffen, sich ineinander verlieben, aber diese Liebe aufgrund homophober Konventionen und Gesetze in den kommenden Jahrzehnten kaum ausleben können.
Aus einer Kurzgeschichte von Annie Proulx hat Regisseur Ang Lee mit Brokeback Mountain ein ungeheuer zu Herz gehendes, sanft inszeniertes und von Heath Ledger und Jake Gyllenhaal herausragend gespieltes Liebesdrama gemacht. Dieses setzt sich noch dazu kritisch mit Maskulinitätsvorstellungen und den lebens- wie persönlichkeitszerfasernden Folgen erzwungener Heimlichtuerei auseinander. Vielleicht eines der schmerzlichsten Liebesdramen überhaupt.
Gleich drei Filme setzten sich 2006 mit unterdrückerischen Regimes auseinander: In Das Leben der Anderen (2006) spielte Ulrich Mühe einen Stasi-Hauptmann in der DDR, Forest Whitaker wurde für seine Darstellung des ugandischen Diktators Idi Amin in Der letzte König von Schottland (2006) mit einem Oscar ausgezeichnet und Guillermo del Toro zeichnete mit seinem düsteren Fantasy-Drama Pans Labyrinth (2006) die Auswüchse der Franco-Diktatur in Spanien nach.
Doch der politisch bis in die heutige Zeit am meisten nachhallende Film dürfte Alfonso Cuaróns dystopischer Thriller Children of Men sein. Er zeigt eine kurz vorm Kollaps befindliche Gesellschaft, in der unerwartet ein letzter Hoffnungsschimmer erscheint. Diesen hat ausgerechnet ein Mann zu bewahren, der mit Aktivismus längst abgeschlossen hat. Children of Men trumpft mit einer bis heute atemberaubenden Eröffnungsszene auf und erzählt anschließend mit blankem Realismus von der überdauernden Kraft der Menschlichkeit – schonungslos wie zeitlos.
Paul Thomas Andersons wuchtiges Drama There Will Be Blood erzählt vom Aufstieg eines Öl-Magnaten in den USA des frühen 20. Jahrhunderts und in gleichem Zuge vom Durchsetzungsvermögen kapitalistischer Gier. Der Film führt dabei in die sich fortwährend steigernde Misanthropie des von Daniel Day-Lewis unvergesslich verkörperten Protagonisten herab und verdeutlicht mit hoher Symbolkraft, inwiefern dessen Machtstreben schließlich exemplarisch für die Entwicklung des Landes steht.
Mit seiner Darstellung eines halt- und rücksichtslosen Soziopathen befand sich There Will Be Blood 2007 in guter Gesellschaft: Javier Bardem mordete sich zeitgleich kaltblütig durch No Country for Old Men (2007), während David Fincher in seinem Mystery-Drama Zodiac (2007) die bis heute ungeklärte Spur eines Serienmörders aufnahm.
Von X-Men über Sam Raimis Spider-Man-Trilogie bis hin zum Beginn des Marvel Cinematic Universe mit Iron Man: Die 2000er waren ein Fest für Superhelden-Fans, die ihre vielgeliebten Comicplots nun endlich mit bestmöglichen visuellen Effekten im Kino erleben konnten. Doch dem farbenprächtigen Bombast und den komödiantischen Einlagen setzte Christopher Nolan mit seiner Batman-Trilogie einen rauen Realismus entgegen, der in The Dark Knight kulminierte.
Bahnbrechend in Szene gesetzte Action-Sequenzen vereinen sich in The Dark Knight mit einer interessante Untersuchung moralischer und ethischer Fragestellungen, die bis heute Fans und Kritiker dieses Films umtreiben und dem Superhelden-Filmgenre nie zuvor erlebte Komplexität abrang. Damit gehört The Dark Knight nicht nur zu einer der sehenswertesten Batman-Adaptionen, sondern auch zu einem der besten Filme innerhalb der 2000er.
Filmisch vielgestaltig klangen die 2000er Jahre schließlich aus: Michael Hanekes intensives Drama Das weiße Band (2009) wurde bei den Filmfestspielen von Cannes gefeiert und Kathryn Bigelow heimste für ihren Kriegsfilm Tödliches Kommando - The Hurt Locker (2009) als erste Frau den Regie-Oscar ein. Gemeinsam mit der animierten Kriegs-Doku Waltz with Bashir (2009) und Tarantinos Inglourious Basterds (2009) beleuchteten diese Filme mit Ursprünge und Ausmaß der bis in die komplexe Gegenwart hineinstrahlenden Kriegsgewalt.
Doch inmitten dieser bedrückenden Filme über vergangene wie gegenwärtige unrühmliche Kapitel der Menschheit, erschien 2009 mit Oben ein Pixar-Animationsfilm, der an die menschlichsten aller Emotionen rührte: die mühsam erarbeitete Zuversicht im Angesicht von Trauer. Oben ist eine mit entzückender visueller Brillanz erschaffene Erzählung über das Fortbestehen nach allem Schmerz und der Hoffnung als treibende Kraft. Genau der richtige Film, um diese filmische Zeitreise durch die bewegten 2000er Jahre zu beschließen.

































































