
Neue „Lanterns“-Details zeichnen ein völlig anderes Bild – selbst vom Schurken
Drei Monate vor dem Start am 16. August auf HBO Max hat Chris Mundy, Showrunner und Co-Autor der DC-Serie Lanterns (2026), gegenüber „Entertainment Weekly“ Plot-Details verraten, die die bisherigen Erwartungen an die Serie ziemlich über Bord werfen. Was als geerdeter Buddy-Cop-Mystery um Hal Jordan (Kyle Chandler) und John Stewart (Aaron Pierre) angekündigt war, läuft jetzt auf zwei parallelen Zeitebenen ab: Mit True Detective Staffel 1 als ausdrücklichem Vorbild und Ulrich Thomsen als Sinestro scheint dessen Auftritt weit mehr als nur ein Sidestep zu sein.
„Lanterns“: Zwei Zeitebenen, zwei Mysterien
Die Serie startet 2016 in Rushville, einer fiktiven Kleinstadt in Nebraska. Ein Mord wird zum Einstiegspunkt für eine Ermittlung, die Hal Jordan mit einem außerirdischen Ursprung in Verbindung bringt. Sheriff Kerry (Kelly Macdonald) zweifelt daran. Die zweite Zeitebene spielt ein Jahrzehnt später. Was dort passiert, behält Mundy bisher für sich. Er sagt nur, es gebe „etwas Anderes“, das den Fall in der Gegenwart aufgreift, und beide Mysterien würden im Lauf der 8 Folgen zu Ende erzählt.

Mundys Referenz dafür ist nicht zufällig: Die erste True Detective-Staffel von 2014 hatte mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson genau dieses Verfahren etabliert – einen Fall, der sich erst über zwei Zeitebenen hinweg auflöst. Mundy hat mit True Detective: Night Country (2024) selbst eine Staffel der Reihe geschrieben. Der zweite Vergleichspunkt: Slow Horses (seit 2022), die Apple-TV-Spionage-Serie um Jackson Lamb, an deren Auftakt der spätere Lanterns-Regisseur James Hawes mitgewirkt hat. Beide Referenzen verschieben die Serie weg vom Comic-Universum und hin zum erwachsenen TV-Krimi.
Was sich an Stewarts Origin geändert hat
Das deutlichste Plot-Update betrifft John Stewart. Wo Hal Jordans Ursprung im Wesentlichen dem Comic und der Green Lantern-Verfilmung von 2011 mit Ryan Reynolds folgt – Pilot stürzt ab, Pilot bekommt den Ring –, wird Stewart hier von den Wächtern des Universums selbst ausgewählt. Erstmals greifen die Guardians persönlich ein, um ein Mitglied des Corps zu bestimmen. Stewart wird als Backup-Lantern für die Erde installiert, falls Jordan ausfällt. Diese Entscheidung hat Folgen: Im Zentrum der Serie steht keine harmonische Lehrer-Schüler-Beziehung, sondern eine strukturelle Spannung zwischen dem etablierten Veteranen und seinem designierten Nachfolger. Mundy nennt das „the old guard and the heir apparent“ – die alte Garde und der vorgesehene Erbe. Pierre, dem mit Jeremy Saulniers Rebel Ridge (2024) auf Netflix der Durchbruch gelang und der zuletzt in Mufasa: Der König der Löwen (2024) zu sehen war, übernimmt damit die Rolle, die im Comic seit den 1970er-Jahren eine der wichtigsten schwarzen DC-Figuren darstellt.

Sinestro ist nicht der Sidekick – er ist die Geschichte
Ulrich Thomsen, im deutschsprachigen Raum vor allem aus Thomas Vinterbergs Das Fest (1998) bekannt, spielt Sinestro. Im Comic-Kanon ist Sinestro Jordans früherer Mentor, ein ehemaliges Mitglied des Green Lantern Corps, der zum gefährlichsten Gegner seines ehemaligen Schülers wird. Mundy bestätigt, dass diese Figur in Staffel 1 eine zentrale Rolle spielt. Was Mundy im Interview nur andeutet, ist die Verknüpfung der beiden Zeitebenen über Sinestro.
Frühere Berichte spekulierten über Jordans möglichen Tod in der Serie. Die Wächter des Universums zeigen sich „besorgt“ um den Schutz der Erde. Dass parallel ein Sinestro auftaucht, der einst Jordans Lehrer war, ist nicht zufällig. Das, was als Mordfall in Nebraska beginnt, wird damit zur Vorgeschichte einer kosmischen Auseinandersetzung. Der eigentliche Antagonist der Serie ist nicht der Mörder im amerikanischen Hinterland. Er ist der Mann, der Hal Jordan beibrachte, wie man Lantern wird.
Was das für die DC-Welt unter Gunn bedeutet
Die Verschiebung ist auch eine politische. James Gunn und Peter Safran haben die Serie 2023 als Grundpfeiler ihres „Chapter One: Gods and Monsters“-Plans angekündigt. Stewarts Bestimmung durch die Guardians ist also nicht nur eine Origin-Variante, sondern eine Setzung für das kommende DC-Universum. Mundy hat außerdem bestätigt, dass Nathan Fillions Guy Gardner aus Superman (2025) „ein paarmal“ in der Serie auftauchen wird. Damit hat der Earth-Sektor 2814 plötzlich drei aktive Lanterns auf einmal: Jordan, Stewart, Gardner. Pierre wird Stewart auch in Man of Tomorrow (2027) spielen, dem Superman-Sequel. Was bei Lanterns in der 2026er-Zeitebene passiert, soll laut Gunn Auswirkungen haben auf alles, was danach kommt. Mit Damon Lindelof (Co-Schöpfer von Watchmen für HBO) und Comic-Autor Tom King ist der Anspruch deutlich: Prestige-Format statt Konkurrenz zur Peacemaker-Schlagseite.
Warum diese Details nicht nur Marketing sind
Was Mundy preisgibt, sind nicht die üblichen Trailer-Häppchen, sondern grundlegende strukturelle Entscheidungen, die das Verständnis der Serie umkrempeln. Eine Detektiv-Story mit Cosmic-Pendant in der Hinterhand, zwei Zeitebenen mit zwei Fällen. Ein Hauptbösewicht, der nicht aus der Erde-Ermittlung kommt, sondern aus Jordans eigener Vergangenheit. Und ein John Stewart, der nicht der zufällige zweite Lantern ist, sondern eine bewusste Setzung der Wächter. Das ist kein Reboot des Green Lantern-Films von 2011, dessen Misserfolg DC mehr als zehn Jahre lang von einer Neuauflage abgehalten hat. Das ist der Versuch, die Figur erstmals in ein erzählerisch ernstzunehmendes Format zu setzen. Was nach 8 Folgen davon bleibt, wird zeigen, ob Mundys Vergleich mit True Detective Substanz hat oder nur ein PR-Hebel war.






































