
„Der Kastanienmann“ kehrt nach fünf Jahren zurück – aber warum gerade jetzt?
Als Der Kastanienmann im September 2021 auf Netflix erschien, erzählte die dänische Serie 6 Folgen lang die Geschichte und schloss sie ab. Søren Sveistrup, Schöpfer von Kommissarin Lund, hatte mit dem gleichnamigen Roman sein Debüt gegeben. Netflix adaptierte das Buch. Die Story: Die Kopenhagener Ermittler Naia Thulin und Mark Hess jagen einen Serienmörder, der an jedem Tatort eine kleine Figur aus Kastanien hinterlässt. Das Ende war rund: kein Cliffhanger, keine ausgesparte Antwort, keine Einladung zur Fortsetzung. Fünf Jahre später kehrt die Serie trotzdem zurück, und die interessanteste Frage ist nicht, ob das eine gute Idee ist, sondern warum ausgerechnet jetzt.
Warum „Der Kastanienmann“ jetzt zurückkommt
Die neuen Folgen bringen Thulin und Hess in einem neuen Fall wieder zusammen. Die Erklärung für die lange Pause liegt im Material selbst, aber anders, als es zunächst klingt: Die Fortsetzung basiert auf dem zweiten Hess-und-Thulin-Roman von Søren Sveistrup. Die dänische Originalausgabe erschien bereits 2024, die englische Fassung „Hide and Seek“ folgte im März 2026 – nur wenige Wochen vor dem Serienstart. Die Serie musste also nicht darauf warten, dass überhaupt ein neuer Stoff entsteht, sondern darauf, dass Sveistrup diese Welt tatsächlich weiterschreibt. Das unterscheidet sie von vielen anderen Streaming-Fortsetzungen: Sie knüpft nicht einfach an den Erfolg einer Marke an, sondern an eine Geschichte, die von ihrem Autor selbst weitergedacht wurde.

Warum wieder alles bei der Kindheit beginnt
Wie schon im ersten Buch geht es auch dieses Mal darum, wie sehr die Kindheit Menschen prägt. Sveistrup hat in Interviews erzählt, dass ihm bei True-Crime-Fällen immer wieder auffällt, welchen Einfluss belastende Kindheiten auf das spätere Leben haben. Auch seine eigene Biografie wird in diesem Zusammenhang oft erwähnt: Er wurde adoptiert und erfuhr das erst mit 12 Jahren. Sein Adoptivvater war Alkoholiker, seine Adoptivmutter nahm sich später das Leben. Diese Erfahrungen gelten als möglicher Grund dafür, warum Sveistrup immer wieder zu ähnlichen Themen zurückkehrt.

In diesem neuen Fall wird eine Frau als vermisst gemeldet, und als die Polizei ihre digitalen Spuren auswertet, stellt sich heraus, dass sie monatelang gestalkt wurde – der Täter hat ihr Bilder, Videos und ein scheinbar harmloses Kinderlied geschickt. Das Versteck-Motiv ist dabei mehr als nur ein Kinderspiel: Es stellt auch die Frage, wer sich versteckt, wer wegschaut und wer gelernt hat, sich emotional zurückzuziehen.
Spannung zwischen Hess und Thulin
Die neuen Folgen deuten an, dass das Verhältnis zwischen Hess und Thulin dieses Mal komplizierter ist als zuvor. Schon die erste Staffel zog viel Spannung aus dem, was zwischen den beiden unausgesprochen blieb. Genau daran knüpft die Fortsetzung spürbar an.
Neu zur Besetzung stößt Sofie Gråbøl, die als Sarah Lund in Kommissarin Lund das Genre geprägt hat. Ihre Beteiligung verortet die neue Staffel deutlich in dieser Tradition, ohne dass sich daraus automatisch ableiten lässt, welchen Ton sie anschlagen wird. Ob die 2. Staffel dem gerecht wird, lässt sich erst ab dem 7. Mai beurteilen. Sicher ist nur: Die Rückkehr basiert erneut auf einem Stoff von Søren Sveistrup und damit auf derselben erzählerischen Grundlage wie die erste Staffel.







































