
Karl Urban hat aus „Mortal Kombat II“ eine inoffizielle „Herr der Ringe“-Fortsetzung gemacht
Wenn ein Schauspieler durch genug Franchises gegangen ist, bauen die Filme irgendwann von selbst Brücken zueinander. Karl Urban, in Mortal Kombat II (2026) als Johnny Cage zu sehen, hat dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. Während der Dreharbeiten zur Videospielverfilmung von Simon McQuoid, der bereits den Reboot Mortal Kombat (2021) inszeniert hat, schmuggelte Urban mehrere Anspielungen auf seine Rolle als Éomer in Peter Jacksons Der Herr der Ringe – Die zwei Türme (2002) und Die Rückkehr des Königs (2003) ins Drehbuch. Aus dem Schmuggel wurde eine kleine Linie, die Mortal Kombat II stellenweise wie eine inoffizielle Fortsetzung der Mittelerde-Trilogie wirken lässt.
Wie aus Johnny Cage ein heimlicher Mittelerde-Fan wurde
Urban beschreibt den Vorgang als Entdeckung während des Drehs. „Beim Filmen habe ich herausgefunden, dass Johnny Cage ein Fan von ‚Herr der Ringe‘ ist“, sagte er „ScreenRant“. „Ich schaue mich um, sehe Figuren, die mich an ‚Herr der Ringe‘ erinnern“, so Urban weiter. Zum Beispiel: „Raiden ist Gandalf.“ Aus dieser Beobachtung sei eine Improvisationspraxis geworden, die mit dem Wissen von Regisseur Simon McQuoid in den Filmwanderte. „Ich habe einfach angefangen, Dinge in den Raum zu werfen, und es ist gewachsen. Es hat ein Eigenleben entwickelt.“ Was als Witz unter Kollegen begann, hat der Figur Johnny Cage eine eigene Comic-Logik gegeben: ein abgehalfterter Hollywood-Actionstar, der bei jeder magischen Bedrohung sofort an Mittelerde denkt, weil seine kulturelle Bildung dort endet, wo der Pop-Kanon aufhört.
Die zentrale Szene, die an „Herr der Ringe“ erinnert
Die deutlichste Anspielung kommt im dritten Akt. Tadanobu Asanos Raiden, der Donnergott und Beschützer des Earthrealm, hat eine Aufgabe für Cage und Kano (Josh Lawson): Sie sollen das Amulett von Shinnok zerstören, das den Antagonisten Shao Kahn (Martyn Ford) unsterblich macht. Cage steht im brennenden Netherrealm, dreht das Amulett in den Händen und beginnt, eine Inschrift zu lesen, die es gar nicht gibt. Die Worte aus J. R. R. Tolkiens Trilogie: „One Ring to rule them all“ …

Wer Der Herr der Ringe – Die Gefährten (2001) gesehen hat, erkennt sofort die Schmiede-Szene aus Bilbos Haus, in der Gandalf den Ring ins Feuer wirft und die elbischen Schriftzeichen auftauchen. McQuoid inszeniert das ohne Augenzwinkern in die Kamera. Der Witz funktioniert genau deshalb so präzise. Hinzu kommt der Meta-Effekt: Der Mann, der hier Tolkien zitiert, war selbst Teil der Verfilmung und ritt 2002 als Anführer der Rohirrim in die Schlacht.
Raiden als Gandalf, das Turnier als Schicksalsberg
Urbans Beobachtung ist nicht nur eine Pointe. Mortal Kombat II folgt tatsächlich einer Struktur, die der Heldenreise von Der Herr der Ringe näher steht als den meisten Action-Sequels. Eine versprengte Gruppe von Kämpfern, jeder mit eigenen Wunden und Schwächen, wird von einem übermenschlichen Mentor versammelt und durch eine fremde, gefährliche Welt geführt, um eine fast unmögliche Mission zu erfüllen. Raiden erteilt Aufgaben, gibt Warnungen aus und greift selbst nur ein, wenn es nicht anders geht. Genau die Funktion, die Gandalf in der Gefährtschaft hatte. Cage als Boromir-Variante mit Hollywood-Ego, Liu Kang (Ludi Lin) als Aragorn-Pendant in der Findung, Kitana (Adeline Rudolph) und Jade (Tati Gabrielle) als Edenian-Variante von Arwen und Éowyn, je nach Auslegung. Das Drehbuch von Jeremy Slater spielt mit diesen Parallelen offensichtlich nicht aus Versehen.

Warum die Pointe bei Karl Urban funktioniert
Urban ist seit Jahren das, was man einen „Geek-Liebling“ nennt: Éomer in der Jackson-Trilogie, Dr. McCoy in J. J. Abrams’ Star-Trek-Reboot Star Trek - Die Zukunft hat begonnen (2009), Skurge in Thor: Ragnarok (2017), Judge Dredd in Dredd (2012) und seit 2019 Billy Butcher in The Boys, deren fünfte und finale Staffel parallel zum Mortal-Kombat-Kinostart läuft. Niemand sonst trägt so viele Fandom-Pässe in der Hosentasche.
Genau deshalb funktioniert der Tolkien-Witz: Wer Urban sieht und die Worte vom „Einen Ring“ hört, hat das Bild des Reiters aus Rohan automatisch im Kopf. „Time“ schrieb in einem Porträt, Urban habe den „Geek-Dom still erobert“. Die Mortal-Kombat-Szene ist eine kleine, freundliche Bestätigung dieser These. Urban hat selbst gesagt, er hoffe auf einen dritten Teil. Wenn der kommt, dürfte das nächste Tolkien-Zitat im Drehbuch vorprogrammiert sein.

































