
„Top Gun 3“ kommt – und hat ein Problem
Es gibt Filme, die man einfach nicht weitererzählen kann, weil sie sich selbst so vollständig erzählt haben, dass jede Fortsetzung zwangsläufig wie ein Nachklapp wirkt. Top Gun: Maverick war 2022 solch ein Film. Er funktionierte nicht nur als Blockbuster, er veränderte, wie wir über Legacy-Sequels nachdenken. Und genau das macht Top Gun 3 zur wahrscheinlich schwierigsten Aufgabe, die Paramount gerade auf dem Tisch hat.
Bei der CinemaCon in Las Vegas wurde offiziell bestätigt: Top Gun 3 ist in Entwicklung, das Drehbuch ist weit fortgeschritten. Tom Cruise soll zurückkehren, Jerry Bruckheimer produziert erneut. Die Maschinerie läuft. Nur die entscheidende Frage, die jeder stellt, bleibt erst einmal offen: Wozu?
Was Maverick so schwer zu übertreffen macht
Um zu verstehen, warum Top Gun 3 ein so heikles Unterfangen ist, muss man erst verstehen, warum Maverick so außergewöhnlich gut war: nicht wegen der Stunts, nicht wegen des Soundtracks, nicht wegen Tom Cruise auf dem Motorrad, auch wenn das alles dazugehört.
Maverick gelang etwas, was viele seiner Vorgänger im Legacy-Sequel-Genre scheitern sahen: Es stellte das Menschliche ins Zentrum, nicht das Spektakel. Der erste Top Gun von 1986 war ein brillanter Werbefilm für Testosteron und Kampfjets. Maverick nahm diese Vorlage und baute etwas emotional Schwereres daraus: die Geschichte eines Mannes, der mit Schuld lebt, mit dem Tod eines Freundes und mit der Frage, was von einem übrig bleibt, wenn man zu lange derselbe geblieben ist.
Gooses Tod aus dem ersten Film, der dort fast wie eine dramaturgische Fußnote wirkte, wurde zur emotionalen Achse des gesamten Sequels. Dazu kam die Spannung zwischen Maverick und Gooses Sohn Rooster: Wie trägt man Schuld gegenüber jemandem, den man aufwachsen sah? Diese Fragen waren es, die den Film trotz aller Spektakelmomente zusammenhielten. Maverick blieb mit 1,5 Milliarden Dollar Umsatz weltweit der kommerziell erfolgreichste Film in Cruises Karriere und erhielt sechs Oscar-Nominierungen, darunter eine für den besten Film. Die Messlatte liegt astronomisch hoch.
Das Paradox des perfekten Abschlusses
Hier beginnt das eigentliche Problem. Maverick fühlte sich wie ein Abschluss an, hatte kein offenes Ende, das nach Fortsetzung schreit. Maverick hatte seinen Frieden mit Gooses Tod geschlossen. Die Beziehung zu Rooster war repariert. Er hatte bewiesen, dass er noch gebraucht wird. Er flog davon. Was bleibt da noch zu erzählen?
Regisseur Joseph Kosinski hat angedeutet, dass Top Gun 3 eine existenzielle Krise für Maverick ins Zentrum stellen wird, eine, die ihn kleiner fühlen lässt als alles, was er bisher erlebt hat. Das klingt nach echtem Ehrgeiz, und man sollte Kosinski nicht unterschätzen. Aber es wirft sofort die Folgefrage auf: Welche existenzielle Krise kann nach allem, was war, noch glaubwürdig wirken?
Kosinski selbst hat betont, dass der Film nur gemacht wird, wenn die Geschichte stark genug ist. Das ist die richtige Haltung. Aber es ist auch eine, die man von jedem Sequel hört, das dann trotzdem enttäuscht. Miles Teller und Glen Powell werden in Berichten als erwartete Rückkehrer gehandelt. Sollte das stimmen, stellt sich die nächste strukturelle Frage: In Maverick war ihr Ensemble bewusst als nächste Generation angelegt, als Staffelübergabe an Menschen mit eigener Dynamik und eigenen Widersprüchen. Wenn Maverick jetzt erneut vollständig im Mittelpunkt steht, werden sie zur Kulisse, dieses Mal ohne den Entschuldigungsgrund, dass sie noch unbekannt sind. Das Gleichgewicht zwischen Abschied und Übergabe ist das Heikelste, was Top Gun 3 navigieren muss.
Warum „Top Gun 3“ mehr beweisen muss als andere Sequels
Man kann Top Gun 3 nicht ohne seinen Kontext betrachten. Maverick wurde von vielen in der Branche als einer der entscheidenden Beweise gelesen, dass das große Leinwandkino in der Post-COVID-Ära noch funktioniert, wenn man es wirklich ernst nimmt. Der Film setzte auf speziell entwickelte IMAX-Kameras in echten Kampfjets und einen langen Kinostart ohne frühen Streaming-Abstecher. Das Ergebnis war kein Nostalgie-Erfolg, sondern ein Kinoereignis.
Top Gun 3 trägt damit mehr als das Franchise. Es trägt die Erwartung, dass diese Art von Kino noch einmal passieren kann. Die eigentliche Frage ist dabei subtiler als nur: Wird die Geschichte gut?
Maverick war notwendig, weil er etwas auflöste, das 36 Jahre lang ungelöst geblieben war. Top Gun 3 muss beweisen, dass es noch etwas gibt, das aufgelöst werden muss. Wenn Kosinski und sein Team das herausgefunden haben, könnte der Film der zweite unmögliche Beweis in Folge werden. Wenn nicht, wird es das sein, was Legacy-Sequels fast immer sind: ein Schatten von etwas, das damals nicht wusste, wie gut es war.
































































