
Tom Cruises „Die Mumie“: Die wahre Geschichte hinter Universals gescheitertem Dark Universe
Es fühlt sich fast absurd an, dass ein einzelner Film ein ganzes Franchise beenden kann, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Doch genau das ist mit Die Mumie (2017) passiert - in einem Moment, in dem Die Mumie (1999) für viele längst die moderne Referenz für diese Figur war. Während mit Lee Cronin’s The Mummy ein neuer Mumienfilm ansteht und das Thema gerade wieder zurück auf die große Bühne drängt - allerdings unabhängig vom damaligen Dark Universe und als eigenständiger Ansatz gedacht -, lohnt sich der Blick zurück auf eines der ambitioniertesten und gleichzeitig kürzesten Großprojekte der Blockbuster-Geschichte: Universals „Dark Universe“.
Die Idee war klar. Marvel hatte vorgemacht, wie mächtig ein vernetztes Filmuniversum sein kann, und Universal wollte das Gleiche mit seinen ikonischen Monstern erreichen. Dracula, Frankenstein, der Unsichtbare, die Mumie - Figuren, die das Studio seit den 1930ern geprägt hatten, sollten in einer modernen, zusammenhängenden Welt neu erzählt werden. Die Mumie mit Tom Cruise war als Startpunkt gedacht. Nur: Statt ein Universum zu eröffnen, hat der Film es direkt wieder beendet.
Was für Tom Cruises „Die Mumie“ eigentlich geplant war
Die 2017er-Version von Die Mumie war nie als Einzelprojekt gedacht. Sie war der Auftakt zu einem großen, durchgeplanten Franchise. Russell Crowe tritt im Film als Dr. Jekyll auf, nicht als Nebenfigur, sondern als Verbindungselement, das alle kommenden Geschichten zusammenhalten sollte. Parallel dazu standen weitere Projekte bereits so gut wie fest. Javier Bardem war als Frankensteins Monster vorgesehen, Johnny Depp als Unsichtbarer. Auch eine neue Version von „Bride of Frankenstein“ war konkret geplant. Das Ziel war ein klar strukturiertes Universum mit wiederkehrenden Figuren und ineinandergreifenden Handlungen. Selbst innerhalb von Die Mumie wird das vorbereitet, etwa durch die Organisation „Prodigium“, die als zentrale Instanz für zukünftige Filme gedacht war. Der Film war damit weniger eigenständige Geschichte als Fundament für ein größeres System.
Was tatsächlich im Kino gelandet ist
Auf dem Papier sah alles nach einem sicheren Start aus: ein Megastar wie Tom Cruise, ein bekanntes Franchise und ein enormes Budget. Doch das Ergebnis fiel anders aus. Die Mumie spielte weltweit zwar Geld ein, galt durch seine hohen Kosten aber nicht als Erfolg und wurde vor allem kritisch deutlich schwächer aufgenommen als erhofft. Ein zentraler Punkt war der Ton. Der Film schwankt zwischen Abenteuer, Horror und Action, ohne eine klare Richtung zu finden. Hinzu kam, dass sich die 2017er-Version an einem Film messen lassen musste, der für viele längst die moderne Mumien-Referenz war: Die Mumie (1999) stand im Popkulturgedächtnis so fest, dass Tom Cruises Neuauflage von Anfang an nicht nur als Neustart, sondern auch als Ersatz gelesen wurde. Gleichzeitig wirkt der Film überladen. Statt eine in sich geschlossene Geschichte zu erzählen, baut er permanent an zukünftigen Ideen, Figuren und Verbindungen. Das führt dazu, dass vieles angerissen wird, aber kaum etwas wirklich trägt. Am Ende bleibt ein Film, der sich eher wie ein halbfertiger Auftakt anfühlt als wie ein überzeugender erster Teil.
Warum das Dark Universe so schnell wieder verschwand
Der entscheidende Punkt ist: Die Mumie sollte ein Fundament sein, war aber keines. Das gesamte Dark Universe war darauf ausgelegt, dass dieser erste Film funktioniert. Als das nicht passiert ist, wurde das Projekt still und leise beendet. Bereits geplante Filme wurden gestrichen oder neu gedacht, noch bevor sie in Produktion gehen konnten. Damit verschwand ein komplettes Filmuniversum, das nie wirklich existiert hat. Gleichzeitig hat Universal daraus eine klare Konsequenz gezogen. Statt weiter auf ein großes, vernetztes System zu setzen, kehrte das Studio zu eigenständigen Filmen zurück. Der Unsichtbare (2020) zeigt genau diesen Ansatz: kleiner, fokussierter und mit klarer Tonalität. Vor diesem Hintergrund wirkt der neue Mumienfilm fast wie ein Neustart unter anderen Vorzeichen - nicht mehr als Teil eines großen Plans, sondern als eigenständige Geschichte, die für sich funktionieren muss.

























