Manchmal merkt man erst im Rückblick, wie sehr einen eine Figur über Jahre begleitet hat - oft wider Willen. Bernd Stromberg ist genau so ein Fall. Man will ihm eigentlich aus dem Weg gehen, aber er steht plötzlich wieder im Türrahmen, grinst und sagt etwas, bei dem man gleichzeitig lachen und im Boden versinken möchte. Wie bei The Office entsteht der Reiz genau dort, wo Humor und Fremdscham frontal aufeinandertreffen.
Stromberg ist keine gemütliche Bürocomedy, sondern ein Langzeitversuch in sozialer Zumutung. Der neue Kinofilm hat diese alte Debatte neu entfacht: Darf man so jemanden heute noch zeigen, oder war er immer schon eine Grenzüberschreitung mit Ansage? Eine klare Antwort gibt es nur, wenn man die Reihenfolge kennt. Die Serie legt die Sollbruchstellen an, der erste Film treibt sie an die Oberfläche, der neue Film blickt mit Abstand darauf zurück. Erst im Zusammenspiel wird deutlich, warum Stromberg Kult geworden ist und warum er nie einfach nur lustig war.
1. Stromberg (2004–2012)
Es dauert selten länger als drei Minuten, bis Bernd Stromberg etwas sagt, das man im echten Leben nur mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren würde. Im Fernsehen lacht man - manchmal laut und manchmal panisch. Stromberg spielt in einer Versicherung, aber eigentlich geht es um diesen ganz speziellen Typ Chef, der immer glaubt, er sei der Schlaueste im Raum. Christoph Maria Herbst macht daraus eine Figur, die man nie mögen sollte und trotzdem nicht vergisst. Stromberg redet sich um Kopf und Kragen, lobt sich selbst, tritt nach unten und wundert sich ernsthaft, warum niemand dankbar ist. Inhaltlich passiert nichts Weltbewegendes: Meetings, Umstrukturierungen, Gerüchte und kleine Machtspielchen. Aber genau deshalb wird es so unterhaltsam: Die Serie trifft den Büroalltag mit einer Treffsicherheit, die weh tut. Kein Wunder, dass sie Kult wurde. Wer danach Stromberg – Der Film schaut, merkt sofort: Hier hat jemand jahrelang geübt, sich unmöglich zu benehmen und ist jetzt bereit für die große Bühne.
2. Stromberg – Der Film (2014)
Irgendwann wird selbst das größte Büro zu klein für ein Ego wie dieses. Stromberg – Der Film schickt Bernd Stromberg raus aus der gewohnten Flurhölle und hinein in eine größere, öffentlichere Welt, in der man nicht mehr jede Peinlichkeit hinter Aktenordnern verstecken kann. Inhaltlich geht es um Karrierechancen, Imagepflege und den verzweifelten Versuch, endlich wichtig zu wirken. Stromberg hält sich für einen unterschätzten Visionär - alle anderen für ein Hindernis. Christoph Maria Herbst dreht die Figur hier bewusst lauter, ohne sie zur Karikatur zu machen. Vieles eskaliert schneller, weil niemand mehr Zeit hat, seine Sprüche freundlich zu überhören. Wer die Serie kennt, lacht oft schon eine Sekunde früher, weil klar ist, wie das endet. Gegenüber Stromberg – Die Serie wirkt der Film wie ein Ausbruch aus dem geschlossenen Raum: mehr Tempo, mehr Fallhöhe und mehr Öffentlichkeit. Das Büro war Schutzraum, das Kino ist Bühne, und Stromberg stolpert mit Anlauf hinauf.
3. Stromberg – Wieder alles wie immer (2025)
Es ist einer dieser Momente, in denen man sich fragt, ob man lachen darf und es dann trotzdem tut. Stromberg – Wieder alles wie immer holt Bernd Stromberg zurück in eine Arbeitswelt, die inzwischen gelernt hat, Wörter wie „Sensibilität“ und „Awareness“ korrekt auszusprechen. Stromberg natürlich nicht. Inhaltlich geht es darum, ob jemand, der jahrzehntelang mit denselben Sprüchen durchgekommen ist, plötzlich merkt, dass die Luft dünner geworden ist. Christoph Maria Herbst spielt Stromberg mit exakt derselben Überzeugung wie früher, nur mit ein paar mehr Lebensjahren im Gesicht und null Einsicht im Gepäck. Viele Gags entstehen aus Situationen, in denen Stromberg glaubt, einen Raum zu kontrollieren, während alle anderen längst innerlich auf Abstand gegangen sind. Wo Stromberg – Der Film noch auf große Eskalationen setzte, zieht dieser Teil seinen Humor aus kleinen Momenten, schiefen Blicken und dem Wissen, dass manche Menschen nie begreifen, warum plötzlich keiner mehr lacht. Als Abschluss funktioniert das erstaunlich gut - gerade weil Stromberg exakt der bleibt, der er immer war.





































































































































































































































