
10 Filme über große Reisen, die auf Christopher Nolans „Die Odyssee“ einstimmen
Mit Die Odyssee (2026) bringt Christopher Nolan eines der ältesten Abenteuer der Literatur zurück auf die Kinoleinwand – und das natürlich nicht gerade klein gedacht. Der Regisseur von Oppenheimer (2023) und Interstellar (2014) adaptiert Homers Epos als großes Kinoereignis mit einer Besetzung, die bereits jetzt ein Prestigeprojekt verspricht: Matt Damon übernimmt die Rolle des Odysseus, dazu kommen unter anderem Tom Holland, Zendaya, Anne Hathaway, Robert Pattinson und Elliot Page.
Große Reisen waren schließlich schon immer ein zentrales Motiv des Kinos: mal spirituelle Selbstsuche, mal Flucht, mal Roadtrip, mal Überlebenskampf. Hier sind zehn Filme, die dieses Gefühl von Bewegung, Gefahr und Transformation auf sehr unterschiedliche Weise einfangen – perfekte Vorbereitung auf „Die Odyssee“.
David Lowerys eigenwillige Artus-Adaption fühlt sich weniger wie ein klassisches Fantasy-Abenteuer an, sondern vielmehr wie eine hypnotische Traumerzählung über Mut, Schuld und Vergänglichkeit. Im Zentrum steht Sir Gawain (Dev Patel), der sich auf eine Reise begibt, um dem mysteriösen Green Knight gegenüberzutreten – wohl wissend, dass ihn am Ende möglicherweise der Tod erwartet.
The Green Knight (2021) interessiert sich dabei kaum für heroische Schlachten im traditionellen Sinn. Stattdessen wird die Reise selbst zur Prüfung: Wälder, Ruinen und fremde Begegnungen wirken wie psychologische Räume, in denen Gawain permanent mit seiner eigenen Feigheit und Unsicherheit konfrontiert wird. David Lowery inszeniert das Ganze mit beinahe tranceartiger Ruhe und Bildern, die sich ins Gedächtnis brennen. Damit erinnert der Film stark an jene mythischen Irrfahrten, die auch Homers Odysseus definieren – nur deutlich melancholischer und existenzieller.
Was als Wochenendausflug beginnt, entwickelt sich in Ridley Scotts Klassiker zu einer Flucht quer durch Amerika – und zu einem der einflussreichsten Roadmovies überhaupt. Geena Davis und Susan Sarandon spielen zwei Freundinnen, deren Leben nach einem Gewaltvorfall vollkommen aus den Fugen gerät. Statt zurückzukehren, fahren sie immer weiter.
Thelma & Louise (1991) funktioniert dabei gleichzeitig als Abenteuerfilm, Tragödie und Befreiungsgeschichte. Besonders spannend ist, wie sich die Reise permanent verändert: Anfangs wirkt alles fast leicht und spontan, später zunehmend verzweifelt und fatalistisch. Die amerikanische Landschaft wird dabei zum Symbol einer Freiheit, die die Figuren im Alltag nie hatten. Gleichzeitig schwebt ständig die Erkenntnis mit, dass diese Freiheit keinen sicheren Ort kennt. Das Zusammenspiel aus großer Euphorie und drohendem Verhängnis macht den Film bis heute so kraftvoll.
Oliver Laxes Sirât (2025) verwandelt eine Reise durch die Wüste in ein beinahe spirituelles Grenzerlebnis. Im Mittelpunkt steht ein Vater, der gemeinsam mit seinem Sohn nach der verschwundenen Tochter sucht und sich dabei immer tiefer in abgelegene Regionen Marokkos begibt. Die Reise führt durch staubige Landschaften, Techno-Raves und provisorische Gemeinschaften, die wie Parallelwelten zur bekannten Gesellschaft wirken.
Was Sirât so faszinierend macht, ist die Mischung aus physischer Härte und metaphysischer Atmosphäre. Die Figuren bewegen sich zwar konkret durch Weiten, gleichzeitig scheint der Film aber ständig nach etwas Größerem zu suchen: nach Erlösung, Verbindung oder vielleicht auch nach einem Zustand völliger Auflösung. Die Landschaft wirkt dabei nicht wie bloße Kulisse, sondern wie eine eigene Kraft, die Menschen verschluckt und verändert. Diese Mischung aus existenzieller Suche und körperlicher Odyssee macht Sirât zu einem der intensivsten Reisefilme der letzten Jahre.
Melina Matsoukas verbindet in Queen & Slim (2019) Liebesgeschichte, Gesellschaftsdrama und Roadmovie zu einem Film, der gleichermaßen romantisch wie tragisch ist: Nach einer eskalierenden Polizeikontrolle fliehen Queen (Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) quer durch die USA. Da ihre Gesichter zunehmend in den Medien verbreitet werden, verwandeln sie sich unfreiwillig in politische Symbole.
Die Reise wird dabei ständig von Angst begleitet, gleichzeitig aber entsteht zwischen den beiden Figuren eine intensive Nähe. Queen & Slim interessiert sich stark dafür, wie Bewegung letztlich Identitäten verändert: Aus zwei Fremden wird ein Paar, aus individuellen Menschen werden Projektionsflächen für ein ganzes Land. Besonders visuell entwickelt der Film enorme Kraft, weil er romantische Americana-Bilder mit permanenter Bedrohung kombiniert.
George Millers „Mad Max“-Odyssee ist im Kern ein einziger gigantischer Verfolgungsritt durch die Wüste. Tom Hardy spielt Max als traumatisierten Einzelgänger, während Charlize Theron als furchtlose Furiosa versucht, mehrere Frauen aus der Gewalt des Tyrannen Immortan Joe zu befreien. Was folgt, ist eine Reise durch eine postapokalyptische Hölle aus Staub, Feuer und Metall.
Mad Max: Fury Road funktioniert jedoch nicht nur als Actionfilm. Hinter dem atemlosen Tempo steckt auch eine Geschichte über Hoffnung, Erlösung und die Suche nach einem besseren Ort. Dadurch bekommt der Film trotz seines maximalistischen Wahnsinns, einer mitreißenden Soundkulisse und Visualität überraschende emotionale Tiefe.
Chloé Zhaos vielfach ausgezeichnetes Roadmovie erzählt zwar keine klassische Heldenreise voller Monster und Kämpfe, kommt der eigentlichen Idee der Odyssee aber erstaunlich nahe: dem rastlosen Unterwegssein zwischen Verlust, Erinnerung und der Suche nach einem Ort, an dem man bleiben kann. Frances McDormand spielt Fern, die mit einem Van durch den amerikanischen Westen reist und dabei auf eine Gemeinschaft moderner Nomaden trifft.
Nomadland (2020) interessiert sich weniger für spektakuläre Abenteuer als für die emotionale Erfahrung des Reisens selbst. Straßen, Wüsten und Campingplätze werden zu Zwischenräumen eines Lebens, das permanent in Bewegung bleibt. Gleichzeitig stellt das Drama immer wieder die Frage, ob Heimkehr überhaupt noch möglich ist – oder ob manche Menschen irgendwann nur noch unterwegs existieren können. Gerade darin passt Nomadland überraschend gut zu den melancholischen Untertönen der Odyssee.
Sean Penn erzählt in Into the Wild (2007) die reale Geschichte von Christopher McCandless, gespielt von Emile Hirsch, der nach seinem Collegeabschluss Besitz, Familie und gesellschaftliche Erwartungen hinter sich lässt, um durch Amerika bis nach Alaska zu reisen. Dort möchte er vollkommen unabhängig von der modernen Welt leben.
Das Drama romantisiert diese Entscheidung letztlich nicht vollständig, versteht aber sehr genau, warum Menschen sich nach solch radikaler Freiheit sehnen. Into the Wild zeigt Reisen als Versuch, sich von sozialen Zwängen zu lösen und eine „authentischere“ Existenz zu finden. Gleichzeitig wird immer deutlicher, wie gefährlich diese Vorstellung sein kann. Besonders die Naturbilder entfalten enorme Wirkung: Flüsse, Wälder und Berge erscheinen gleichzeitig wunderschön und gnadenlos. Darin liegt auch der Reiz dieses Films – er interpretiert das Abenteuer nicht als konsumierbares Erlebnis, sondern als existenzielle Konfrontation mit Einsamkeit und Gefahren.
Kaum ein Film hat das Bild des amerikanischen Roadmovies so geprägt wie Easy Rider (1969). Peter Fonda und Dennis Hopper spielen zwei Motorradfahrer, die nach einem Drogendeal quer durch die USA in Richtung New Orleans fahren. Doch die Reise entwickelt sich schnell zum Abbild eines Landes im kulturellen Umbruch.
Easy Rider lebt von staubigen Highways, Rockmusik und dem Gefühl grenzenloser Freiheit – gleichzeitig aber auch von wachsender Ernüchterung. Die Figuren suchen eine alternative Lebensform jenseits gesellschaftlicher Konventionen und stoßen dabei immer wieder auf Misstrauen, Aggression und Gewalt. Besonders Jack Nicholson sorgt in einer Nebenrolle für einige erinnerungswürdige Momente. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass große Reisen im Kino oft weniger ein Ankommen als ein permanentes Suchen bedeuten.
Alejandro G. Iñárritus Survival-Epos verwandelt die Wildnis des frühen 19. Jahrhunderts in einen beinahe mythologischen Albtraum. Leonardo DiCaprio spielt den Trapper Hugh Glass, der nach einem Bärenangriff schwer verletzt von seinen Begleitern zurückgelassen wird und sich durch eisige Landschaften kämpfen muss, um zu überleben.
Die Reise in The Revenant ist auf brutale Weise körperlich und nicht nur von Überlebenswille, sondern auch von obsessiven Rachegelüsten getrieben. Besonders die Natur wird beinahe spirituell inszeniert: Sie ist majestätisch, gleichgültig und tödlich zugleich. Emmanuel Lubezkis Kamera verstärkt diesen Eindruck mit beeindruckenden Bildern. Dadurch wirkt The Revenant stellenweise wie eine dunkle, fiebrige Variante einer antiken Heldenreise.
Kaum eine moderne Filmreihe hat das Motiv der beschwerlichen Reise so stark geprägt wie Peter Jacksons Adaption von J.R. R. Tolkiens Fantasy-Epos. Bereits Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001) etabliert Mittelerde als eine Welt, in der Bewegung immer auch Gefahr bedeutet: Frodo (Elijah Wood) verlässt das sichere Auenland, begleitet von Aragorn (Viggo Mortensen), Gandalf (Ian McKellen) und der titelgebenden Gemeinschaft, um den Ring nach Mordor zu bringen.
Die Reise führt durch Minen, Wälder, Gebirge und Ruinen – und verändert jede Figur nachhaltig. Gerade darin erinnert die Trilogie stark an klassische mythologische Abenteuer wie die Odyssee: Prüfungen, Versuchungen und Opfer sind wichtiger als reine Action. Wer nach noch mehr Wanderlust in Mittelerde sucht, kann anschließend auch zur Hobbit-Trilogie zurückkehren, die Bilbo Beutlins deutlich verspieltere, aber ebenfalls gefährliche Reise erzählt.


























































