
Enthüllt „Dutton Ranch“ die größte Schwäche des Yellowstone-Universums?
Dutton Ranch läuft seit dem 15. Mai auf Paramount+, hat aber bereits vor der Premiere für mehr Aufregung gesorgt als manch andere Show in einer ganzen Staffel. Der Showrunner wurde gefeuert, Beth und Rip ziehen von Montana nach Texas, Kevin Costner ist längst Geschichte, und Taylor Sheridan sitzt dieses Mal auch nicht mehr direkt am Steuer. Paramount nennt das eine neue Ära. Man könnte es auch als Stresstest bezeichnen.
Beth und Rip gegen den Rest von Texas
Das Gute zuerst: Wenn irgendjemand ein Franchise auf seinen Schultern tragen kann, dann diese beiden. Beth Dutton (Kelly Reilly) ist eine der wenigen Serienfiguren der letzten Jahre, die wirklich ikonisch geworden ist – nicht weil sie besonders sympathisch ist, sondern weil sie so konsequent unberechenbar bleibt. Rip (Cole Hauser) kommt an, weil er der einzige Mensch ist, der wirklich mit ihr klarkommt. Zusammen sind sie unterhaltsam, gefährlich und funktionieren hervorragend. Das Problem ist nur: Montana war nie bloß Kulisse. Diese Welt lebte von Weite, Einsamkeit und dem Gefühl, dass die Duttons gegen eine moderne Welt kämpfen, die langsam alles verschluckt. Daraus entstand dieser neue Westernmythos, der Yellowstone größer wirken ließ als eine normale Familiensaga.

Marshals deutete bereits an, wie schnell dieses Gefühl verschwinden kann. Kayce Dutton (Luke Grimes) funktionierte dort plötzlich wie die Figur aus einer vollkommen anderen Serie – etwas mehr klassische Crime-Network-Serie als Yellowstone. Texas ist jetzt Paramounts nächste große Wette. Rio Paloma klingt zwar gut, aber Texas ist im Fernsehen längst kein unberührter Mythos mehr wie Montana. Dutton Ranch wirkt kleiner, persönlicher und deutlich stärker auf Beth und Rip konzentriert als Yellowstone selbst. Das kann funktionieren. Es nimmt dem Franchise aber auch genau den mythologischen Größenwahn. Das eigentliche Sheridan-Problem.
1883 und 1923, die zwei Spin-offs, die Fans wirklich geliebt haben, hat Sheridan selbst geschrieben, produziert und kontrolliert. Das ist wichtig, weil Yellowstone nie nur über die Story funktioniert hat. Dieses Franchise lebt davon, wie Sheridan Spannung, Landschaften und Figuren miteinander verbindet. Bei Dutton Ranch ist er Executive Producer. Das ist nicht nichts, aber auch nicht dasselbe.

Showrunner werden im Sheridan-Universum inzwischen auffallend oft ausgetauscht. Tulsa King, jetzt Dutton Ranch – Chad Feehan ist raus, bevor die erste Episode überhaupt gelaufen ist. Reilly und Hauser versichern zwar, Sheridan habe seine Hände überall in der Show. Funktioniert das Franchise also auch ohne ihn noch genauso?
Was jetzt wirklich auf dem Spiel steht
Dutton Ranch muss zwei Dinge gleichzeitig zeigen: dass Beth und Rip ein Franchise alleine tragen können, und dass das Yellowstone-Universum auch ohne Kevin Costner und seinen kreativen Architekten funktioniert. Das ist viel verlangt von einer Serie, die ihren Showrunner schon vor dem Start verloren hat und in einem Setting beginnt, das sich erst noch beweisen muss. Vielleicht funktioniert Beth Dutton in Texas genauso gut wie in Montana. Vielleicht fühlt sich das alles sogar besser an als vorher. Aber wenn nicht, könnte Dutton Ranch am Ende weniger als ein einzelner Fehlstart wirken und mehr wie der Moment, in dem plötzlich sichtbar wird, wie viel dieses gesamte Universum eigentlich an einer einzigen Person hängt, Taylor Sheridan.







































