
Sollte man „Die Odyssee“ im IMAX schauen? Es gibt nur eine Antwort
Ein einzelnes Schiff, ein schwarzer Horizont und plötzlich so viel Meer, dass die Leinwand beinahe nicht mehr reicht: Für Christopher Nolans Die Odyssee (2026) ist das IMAX-Format wie gemacht. Der Film erzählt Homers antikes Epos als gewaltige Heimreise. Nach dem Trojanischen Krieg versucht König Odysseus (Matt Damon), nach Ithaka zurückzukehren, während seine Frau Penelope (Anne Hathaway) und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) seit Jahren auf ihn warten. Dazwischen liegen Stürme, Götter, Monster und einige der berühmtesten Prüfungen der Literaturgeschichte.

In Deutschland startet der Film am 16. Juli 2026, und selten ließ sich die Frage nach dem richtigen Kinosaal so eindeutig beantworten: Ja - Die Odyssee sollte man nach Möglichkeit im IMAX sehen.
IMAX ist hier kein nachträgliches Upgrade
Bei vielen Blockbustern bedeutet „in IMAX“ vor allem, dass ein ohnehin digital gedrehter Film auf einer größeren Leinwand läuft. Nolan und Kameramann Hoyte van Hoytema haben es andersherum gemacht. Jede Einstellung von Die Odyssee wurde mit IMAX-Filmkameras aufgenommen, wodurch der Film der erste abendfüllende Spielfilm ist, der vollständig in diesem Format entstanden ist. Dafür musste IMAX seine traditionell extrem lauten Kameras weiterentwickeln.

Eine neue Schallschutzkonstruktion machte es möglich, auch ruhige Dialogszenen mit dem riesigen Apparat zu drehen. Das ist wichtig, weil Nolans Konzept nicht nur auf Seeschlachten und den Zyklopen zielt. Auch ein Blick zwischen Odysseus und seinen Begleitern oder ein Gespräch mit seinem Sohn wurde für dieselbe Bildgröße komponiert. IMAX setzt also nicht erst ein, sobald das Spektakel beginnt, es ist die visuelle Grammatik des gesamten Films.
Das höhere Bild verändert vor allem den Maßstab
Die vollständigste Fassung läuft im Verhältnis 1.43:1. Das Bild ist deutlich höher als das breite 2.39:1-Format vieler normaler Kinos und füllt eine entsprechend gebaute IMAX-Leinwand fast vom Boden bis zur Decke. In schmaleren Fassungen werden oben und unten Bildanteile entfernt. Nolan achtete bei der Aufnahme darauf, dass dabei keine entscheidende Handlung verloren geht. Trotzdem verändert sich jedoch, wie groß die Welt wirkt. Bei einer Geschichte über einen Menschen, der dem Meer, den Göttern und seinem eigenen Schicksal ausgeliefert ist, zählt dieser zusätzliche Raum.

Ein Schiff wirkt hier nicht nur länger, sondern kleiner gegenüber den Wassermassen. Felsen ragen weiter über die Menschen hinaus, und Himmel und Wellen drücken stärker in das Blickfeld. Der Vorteil besteht daher nicht darin, irgendwo am oberen Bildrand ein zusätzliches Monster zu entdecken. IMAX macht das Verhältnis zwischen Odysseus und seiner Umgebung körperlich spürbarer.
Hinzu kommt die Schärfe des analogen IMAX-Materials. Nolan beschreibt IMAX 70 mm als eine Projektion, bei der die Leinwand im besten Fall aus dem Bewusstsein verschwindet und ein beinahe dreidimensionaler Eindruck ohne Brille entsteht. Bei einem Film, der reale Schiffe, große Sets und Dreharbeiten auf offenem Meer miteinander verbindet, ist das mehr als eine technische Spielerei.
Nicht jeder IMAX-Saal zeigt dieselbe Fassung
Der Haken für das deutsche Publikum: Die analoge IMAX-70-mm-Version im vollen 1.43:1-Format ist nach aktuellem Stand in Deutschland nicht verfügbar. Wer exakt diese Fassung sehen möchte, muss zu einem der wenigen entsprechend ausgestatteten Kinos im Ausland reisen. Zu den bestätigten europäischen Spielstätten gehören das BFI IMAX und das IMAX im Science Museum in London, das Cinema City IMAX Flora in Prag sowie das Pathé Odysseum in Montpellier.
Das ist die technisch maximale Variante, aber natürlich keine Voraussetzung dafür, den Film angemessen zu erleben. Auch digitales IMAX bleibt eine sinnvolle Wahl. Je nach Saal und Projektionssystem kann das Bild weniger hoch ausfallen als bei IMAX 70 mm, dennoch profitieren Zuschauer von der größeren Leinwand, der sorgfältigen Übertragung des IMAX-Negativs und dem kräftigen Mehrkanalton. Nolan betont zudem, dass sein Team die digitalen Fassungen und Dolby-Cinema-Versionen eigens abstimmt. Ein gutes Laser-IMAX oder Dolby Cinema ist deshalb nicht einfach nur ein Trostpreis.

Vor der Buchung lohnt sich ein Blick auf die Angaben des Kinos. Steht dort ausdrücklich IMAX 70 mm oder 1.43:1, ist das die bevorzugte Fassung. Fehlen diese Hinweise, bietet ein moderner IMAX-Saal immer noch mehr von dem Erlebnis, für das der Film gedreht wurde. Bei einer Laufzeit von 172 Minuten sollte der Platz außerdem nicht zu weit vorn liegen. Nolan selbst verriet übrigens, dass er in großen 1.43:1-Sälen lieber etwas hinter der Mitte sitt.
Lohnt sich der Aufpreis?
Für Die Odyssee lautet die Antwort klarer als bei fast jedem anderen Film: ja. Das IMAX-Format wurde nicht für einzelne Actionmomente reserviert, sondern bestimmt jede Szene. Wer nur einen gut erzählten Abenteuerfilm sehen möchte, verliert in einem normalen Kino weder Handlung noch Verständlichkeit, wer aber erleben will, warum Nolan Homers Heimreise überhaupt in dieser Größenordnung verfilmt hat, sollte den größten verfügbaren IMAX-Saal wählen. Der Aufpreis im Kino lohnt sich ganz bestimmt. Ob man eine Reise nach London oder Prag für das beste IMAX-Erlebnis auf sich nehmen will, ist dann nochmal eine ganz andere Sache.











