
„The Punisher: One Last Kill“: Wann das Special in der MCU-Zeitlinie spielt
Sieben Jahre nach The Punisher Staffel 2 und eine Woche nach dem Finale von Daredevil: Born Again Staffel 2 kehrt Frank Castle zurück. The Punisher: One Last Kill (2026) läuft seit dem 13. Mai bei Disney+. Mit 51 Minuten Laufzeit ist es die längste der bisher drei Marvel Television Special Presentations, vor Werewolf by Night (2022) und dem Guardians of the Galaxy Holiday Special (2022). Regie führte Reinaldo Marcus Green, der 2021 die Williams-Story King Richard inszeniert hatte. Dieses Drehbuch schrieb er mit Jon Bernthal. Letzteres ist wichtig: Bernthal ist nicht nur der Schauspieler hinter Frank Castle, er ist seit dem desaströsen ersten Reboot-Versuch dieser Figur auch deren wichtigster kreativer Anker. Wer sich fragt, wie das Special in die ohnehin schon komplizierte MCU-Zeitlinie passt, bekommt hier die perfekte Übersicht.
Scardapane erklärt die MCU-Timeline
Die offizielle Auskunft zur Timeline-Frage stammt von dem Mann, der sich am besten damit auskennt: Dario Scardapane, Showrunner von Born Again. Im „Variety“-Interview sagt er einen Satz, der die Sache klärt: „Ich denke, dieses Special erzählt die Geschichte dessen, was nach The Punisher und vor sowie während der Ereignisse von Born Again Staffel 2 passiert.“ Auf Deutsch: Das Special überlappt mit der zweiten Disney+-Staffel, beginnt aber davor. Wer also Born Again Staffel 2 gesehen hat und sich gewundert hat, warum Frank Castle dort komplett fehlt, obwohl er am Ende von Staffel 1 spektakulär aus Wilson Fisks Anti-Vigilantes-Knast in Red Hook ausgebrochen ist, bekommt jetzt die Antwort. Was er in der Zwischenzeit gemacht hat, wird hier erzählt. Nicht alles davon, aber ein zentraler Abschnitt.

Warum Frank in Staffel 2 nicht auftaucht
Warum fehlte Frank in der zweiten Staffel von Born Again? Die naheliegende Erklärung wäre ein Terminkonflikt. Scardapane stellt im selben Interview klar, dass es eine kreative Entscheidung war. Bernthal hatte seit Jahren konkrete Vorstellungen, wohin er Frank Castle nach dem Ende der Netflix-Serie führen will, und bei den Gesprächen für Born Again hat er klargemacht, dass er das nicht im Rahmen einer Daredevil-Staffel ausspielen kann. Er kam für zwei Szenen in Staffel 1 zurück („eye-popping“, wie Scardapane selbst formuliert), und das war es zunächst. Aus den Gesprächen mit Bernthal, Marcus Green und den Produzenten entstand das Special. Marvel-Boss Brad Winderbaum bestätigte im Februar 2025 öffentlich, dass das Projekt in Arbeit ist. Mitte Juli 2025 wurde unter dem Arbeitstitel Jolly Roger in New York gedreht, innerhalb von zwölf Tagen. Dass die Sache so schnell ging, sieht man dem Special an. Im positiven Sinn.
Zwei Geschichten, die parallel existieren
Wer Born Again Staffel 2 aufmerksam geschaut hat, erinnert sich an die Unruhen in Hell's Kitchen – Demonstrationen, Polizeigewalt, Fisks Anti-Vigilantes-Task-Force im Vollbild. Im Punisher-Special spielen im Hintergrund genau die Ereignisse, die zur selben Zeit parallel dazu eskalieren. Frank Castle ist von ihnen nicht direkt betroffen, weil das Special bewusst in einem anderen Stadtteil spielt: Little Sicily. Keine direkten Verbindungen, kein Daredevil-Cameo, kein Fisk-Auftritt. Was Frank tut, bekommt Matt Murdock nicht mit, und umgekehrt. Das ist erzählerisch elegant gelöst – beide Geschichten existieren parallel, ohne sich gegenseitig zu erklären zu müssen. Erwähnt wird Wilson Fisk im Special nicht. Auch nicht, ob er noch Bürgermeister ist. Beides ist Absicht.

Die größere MCU-Timeline
Was die Punisher-Geschichte in der MCU-Chronologie betrifft, ist die Lage seit dem Special
klar. Die Netflix-Serien Daredevil (2015–2018) und The Punisher Staffel 1 und 2 (2017 und 2019) spielen in der ersten Hälfte der 2010er bis 2017. Dann klafft eine Lücke von neun Jahren – Marvel-Fans diskutieren bis heute, ob Frank in den fünf Jahren der „Blip“-Phase (Thanos' Snap) verschwunden war oder nicht, eine offizielle Antwort gibt es nicht. Born Again Staffel 1 (Frühjahr 2026) bringt ihn zurück, lässt ihn aus Fisks Verlies ausbrechen. One Last Kill füllt die Zeit danach und überschneidet sich mit Born Again Staffel 2 (Frühjahr 2026, innerhalb der MCU-Timeline leicht später angesiedelt). Direkt im Anschluss kommt Spider-Man: Brand New Day am 31. Juli 2026 ins Kino, mit Bernthal als Frank Castle in einer noch nicht offiziell verratenen Rolle. Trailer und Set-Fotos legen nahe, dass er im Punisher-Outfit auftauchen wird, was am Ende von One Last Kill auch genau so etabliert wird. Wer chronologisch schauen will, sollte sich also folgende Reihenfolge merken: Netflix-Punisher, Born Again Staffel 1, One Last Kill (überlappt mit Born Again Staffel 2), Brand New Day.
Was das Special erzählerisch leistet
Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Frank versucht, nicht mehr zu töten. Er besucht eine Therapiegruppe für Marines, geleitet von seinem alten Freund Curtis Hoyle (Jason R. Moore, aus der Netflix-Serie zurück), und kämpft mit Visionen seiner toten Familie. Maria Castle (Kelli Barrett) erscheint in Archivaufnahmen aus der Netflix-Serie. Karen Page (Deborah Ann Woll) kehrt in einer halluzinierten Szene zurück. Das Verhältnis zwischen Frank und Karen, eine der besten Konstellationen der Netflix-Ära, wird damit zumindest emotional weitergeführt, auch wenn es nur in Franks Kopf passiert. Antagonistin ist Ma Gnucci, gespielt von Judith Light. In den Comics ist sie das Oberhaupt der Gnucci-Crime-Family, die Frank in der berühmten Garth-Ennis-Miniserie Welcome Back, Frank (2000/01) komplett auseinandernimmt – und genau diese Vorlage hat Bernthal als Inspiration für das Drehbuch genannt. Wer also wissen will, wie der Punisher die Gnuccis behandelt, kann das in zwölf Comicheften nachlesen. Spoiler: ähnlich wie hier.

Was bleibt: Das Special ist die Brücke. Es schließt eine inhaltliche Lücke zwischen Netflix-Punisher und MCU-Punisher, es erklärt indirekt, warum Frank in Born Again Staffel 2 fehlt, und es liefert das Outfit-Update für Brand New Day. Erzählerisch funktioniert es nur, wenn man die Netflix-Serie kennt oder zumindest Born Again Staffel 1. Dramaturgisch ist es ein 51-minütiger Charakter-Reboot mit ein paar bemerkenswerten Action-Sequenzen. Nicht mehr, nicht weniger. Bernthal hat selbst gesagt, das Ganze sei „wie ein Schrotflinten-Schuss von einer Geschichte“. Stimmt. Und der Schrotflinten-Schuss zielt auf den Sommer-Blockbuster, der danach kommt.
























