
“Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück” wird 25: Wie gut ist die Rom-Com gealtert?
Manche Romantic Comedies altern so, dass man sie irgendwann nur noch als Zeitdokument schauen kann. Bei Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück ist es komplizierter und genau das macht den Film 25 Jahre später noch so interessant. Zum Jubiläum im April lohnt sich der Blick zurück nicht nur aus Nostalgie, sondern weil der Film bis heute erstaunlich lebendig wirkt und gleichzeitig an einigen Stellen sehr deutlich verrät, aus welcher Zeit er stammt.
2001 kam Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück ins Kino, wurde ein großer Erfolg und machte Bridget endgültig zur festen Größe der Rom-Com-Geschichte. Dass die Figur bis heute weiterlebt und mit Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns, Bridget Jones’ Baby und zuletzt Bridget Jones – Verrückt nach ihm noch weitere Kapitel bekommen hat, zeigt, wie stark diese Reihe kulturell hängen geblieben ist. Das Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt, um Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück noch einmal mit Zuneigung, aber nicht ganz unkritisch anzuschauen. Denn vieles funktioniert immer noch verblüffend gut und anderes wirkt heute spürbar anders als damals.
Was immer noch wunderbar funktioniert
Das Beste an Bridget war nie nur die Dreiecksromanze. Es war immer die Art, wie sie sich wie ein echter Mensch anfühlt und nicht wie eine geschniegelt geschriebene Rom-Com-Heldin mit ein paar dekorativen Macken. Bridget ist chaotisch, eitel, unsicher, lustig, oft komplett neben der Spur und dabei nie bloß eine Karikatur, und das macht den Film auch heute noch so angenehm. Er beobachtet eine Frau, die sich pausenlos selbst bewertet, aber trotzdem nicht nur als Witzfigur existiert. Man lacht zwar über sie, aber der Film lacht selten grausam über sie.
Auch die Komik ist überraschend gut gealtert. Vieles ist Fremdscham, aber nicht in dieser später oft sehr anstrengenden Form, bei der man nur noch weggucken möchte. Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück weiß ziemlich genau, wann Schluss ist. Die Katastrophen sind groß genug, um lustig zu sein, aber nie so überdreht, dass Bridget nur noch zur Gag-Maschine wird. Das gibt dem Film eine Wärme, die vielen neueren Rom-Coms fehlt.
Dazu kommt, dass Renée Zellweger die Figur mit einer Ernsthaftigkeit spielt, die dem ganzen Film Halt gibt. Das war schon damals ein großer Teil seines Erfolgs, und daran hat sich nichts geändert. Dass ihre Performance mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde, fühlt sich rückblickend völlig folgerichtig an. Sie macht Bridget nie bloß niedlich. Sie macht sie verletzlich, trotzig und manchmal auch ein bisschen unerquicklich, also genau so, wie Menschen eben oft sind.
Wo der Film heute sichtbar aus der Zeit gefallen ist
Am deutlichsten knirscht es beim Thema Körperbild. Dass Bridget im Film fast permanent so behandelt wird, als sei sie deutlich zu dick, wirkt aus heutiger Sicht beinahe surreal. Die Figur wird von ihrem Umfeld, von ihrer eigenen inneren Stimme und vom gesamten kulturellen Rahmen in eine Ecke gedrängt, in der ihr Gewicht wie ein zentrales Lebensproblem erscheint. Das ist nicht bloß eine kleine Unschärfe, sondern einer der Punkte, an denen man beim Wiedersehen wirklich merkt, wie stark frühe 2000er-Medien von Diätkultur und Body-Shaming geprägt waren. Auch die öffentliche Diskussion rund um Renée Zellwegers Gewichtszunahme für die Rolle gehört rückblickend genau in dieses Bild.
Auch die Männer um Bridget sehen heute etwas anders aus als damals. Daniel Cleaver ist natürlich noch immer charmant, und Hugh Grant spielt diese Sorte glatten Katastrophenmann mit einer Leichtigkeit, die fast unfair ist. Aber der Film gönnt ihm stellenweise mehr verführerischen Glanz, als man ihm mit heutigem Blick eigentlich geben möchte. Viel von dem, was damals als sexy Frechheit durchging, liest sich heute klarer als Manipulation, Unzuverlässigkeit und emotionale Feigheit. Das ist nicht zwingend ein Problem des Films, eher ein interessanter Effekt. Daniel ist heute nicht weniger unterhaltsam, aber deutlich weniger romantisch.
Bei Mark Darcy ist es fast umgekehrt. Er funktioniert besser, je älter man wird und je weniger man nur auf das übliche Rom-Com-Prinzip hereinfällt, dass der lautere Mann automatisch der reizvollere ist. Gleichzeitig lebt auch seine Figur stark von einem Ideal, das der Film eher behauptet als komplett ausarbeitet. Mark ist der gute Mann, weil er stiller, anständiger und verlässlicher ist. Das stimmt auch, aber der Film liebt ihn manchmal schon, bevor er ihn ganz erklärt hat. Dass das trotzdem aufgeht, liegt stark an Colin Firth und natürlich daran, dass die ganze Konstruktion bewusst mit Stolz und Vorurteil spielt.
Feminismus, Karriere und das seltsame Bridget-Paradox
Interessant ist, dass Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück gleichzeitig fortschrittlicher und altmodischer wirkt, als man zunächst denkt. Einerseits ist Bridget eine berufstätige Frau mit eigenem Leben, eigener Wohnung, eigener Stimme und einem klaren Innenleben. Der Film nimmt ihre Perspektive ernst. Er interessiert sich für ihre Scham, ihre Hoffnungen, ihre Sexualität und ihren Wunsch, geliebt zu werden, ohne sie dafür zu bestrafen. Das ist ein echter Grund, warum die Figur so hängen geblieben ist. Bridget darf unperfekt sein. Sie muss nicht cool sein. Sie muss nicht alles unter Kontrolle haben. Und genau darin lag immer etwas Befreiendes.
Andererseits bleibt der Film doch auffallend stark in einer Welt verankert, in der weibliche Selbstbewertung fast automatisch über Begehren, Paarstatus und äußere Erscheinung läuft. Bridget arbeitet, klar, aber ihre Karriere wirkt nie ganz so wichtig wie ihr Liebesleben, ihr Gewicht oder die Frage, ob sie sich vor anderen wieder komplett blamiert. Das ist für eine klassische Rom-Com nicht ungewöhnlich, fällt heute aber stärker auf, weil sich das Genre verändert hat und Zuschauerinnen inzwischen oft mehr erwarten als nur die charmant verpackte Suche nach dem Richtigen. Die späteren Filme zeigen dabei durchaus, wie sich dieser Blick verschoben hat. Bridget wird älter, selbstsicherer und weniger stark über ihr Gewicht oder ihren Beziehungsstatus definiert, auch wenn die Reihe nie ganz aus ihren klassischen Rom-Com-Mustern ausbricht.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Film nach 25 Jahren so interessant geblieben ist. Er ist nicht makellos gealtert. An manchen Stellen wirkt er fast wie eine Zeitkapsel der frühen 2000er, inklusive toxischer Schönheitsmaßstäbe und einer Romantik, die weibliche Unsicherheit gern als Normalzustand mitverkauft. Aber er hat etwas überlebt, das viele andere Filme aus dieser Zeit nicht überlebt haben: seinen Menschenblick. Bridget ist keine Idee von einer Frau, sondern eine Figur mit Ecken, Widersprüchen und echtem Gefühl. Deshalb kann man heute kritisch auf den Film schauen und ihn trotzdem noch mögen. Vielleicht sogar mehr denn je, nur eben mit offeneren Augen.


































