
„Elden Ring“ wird verfilmt – und hat jetzt schon ein Problem
Videospieladaptionen haben in Hollywood lange als Fluch gegolten. Inzwischen nicht mehr – aber das bedeutet noch lange nicht, dass jede Adaption auch wirklich funktioniert. Der Elden Ring-Film, der 2028 in die Kinos kommen soll, ist auf dem Papier ein Traum: A24, Alex Garland, IMAX und mit Kit Connor, Ben Whishaw und Cailee Spaeny einen Cast, der sich sehen lassen kann. Und trotzdem hängt über dem ganzen Projekt eine Frage, die sich mit keinem dieser Namen beantworten lässt.
Aber fangen wir kurz woanders an. Garland – Regisseur von Ex Machina, Civil War und Auslöschung – hat dieses Projekt nicht bekommen, er hat es sich geholt. Er schrieb 160 Seiten Drehbuch auf eigene Kosten und flog dann persönlich nach Japan, um Hidetaka Miyazaki, dem notorisch zugeknöpften Schöpfer des Spiels, seinen Pitch vorzutragen, weil er ein Fan ist und es schlicht unbedingt wollte. Das ist keine normale Hollywood-Geschichte.

Und genau deshalb ist die eigentliche Frage nicht, ob Garland der Richtige ist. Die Frage ist, ob jemand das Problem lösen kann, das mitten im Herzen von Elden Ring steckt: Das Spiel hat nämlich keine klassische, linear erzählte Geschichte, zumindest nicht in einem Sinne, den ein Film je erzählen könnte.
Was „Elden Ring“ eigentlich ist
Das Spiel folgt dem Tarnished, einem Verbannten, der in die sogenannten Zwischenlande zurückkehrt, um den zerbrochenen Elden Ring zu restaurieren und zum neuen Elden Lord aufzusteigen. Das klingt nach vertrautem Fantasy-Stoff, und auf dem Papier ist es das auch. Aber Elden Ring erzählt diese Geschichte so, wie kaum ein anderes Werk es tut: indem es sie größtenteils fragmentiert und indirekt vermittelt. Es gibt keine Exposition und keine Stimme aus dem Off, die erklärt, was vorgefallen ist und warum die Welt in Trümmern liegt. Die Geschichte steckt in Ruinen, in den Beschreibungen von Gegenständen, die man vielleicht nie findet, und in Halbsätzen von NPCs, die man trifft oder auch nicht, je nachdem, wohin man zuerst läuft.
Miyazaki hat in Interviews erklärt, dass er als Kind Bücher gelesen hat, die er gar nicht richtig verstehen konnte, und er die Lücken mit seiner eigenen Vorstellungskraft gefüllt hat. Genau das wollte er auch mit Elden Ring erreichen. Wer die Hintergrundgeschichte des Spiels kennt, hat sie sich selbst erarbeitet, aus Fragmenten und in einer Reihenfolge, die niemand vorgegeben hat.
Warum das für einen Film ein strukturelles Problem ist
Ein Film muss sich festlegen, und das ist nicht nur eine praktische Frage, sondern eine grundsätzliche. Er muss jemandem folgen. Er muss entscheiden, was das Publikum wann versteht, welche Zusammenhänge sichtbar werden und welche im Dunkeln bleiben.
Im Spiel funktioniert der Tarnished als fast leere Projektionsfläche, weil die Spielenden selbst die Lücken füllen. Und, weil der Moment, in dem man nach Stunden endlich versteht, wer eine bestimmte Person wirklich war und was sie wollte, nur funktioniert, weil man ihn sich erarbeitet hat.
Kit Connor kann das so gar nicht leisten: Er hat ein Gesicht, eine Stimme, eine Art, sich zu bewegen, und damit gehört die Geschichte plötzlich ihm und nicht mehr einem selbst. Das ist kein Problem der Stofffülle, denn es geht nicht darum, dass zu viel Hintergrundgeschichte für zwei Stunden da wäre. Es geht darum, dass Elden Ring Bedeutung auf eine Art erzeugt, die an aktive Teilnahme gebunden ist, und ein Film diesen Vertrag mit dem Publikum gar nicht anbieten kann, egal wie gut er ist.
Warum Garland trotzdem der Richtige ist
In Ex Machina versteht man am Ende nicht wirklich, was Ava ist. In Annihilation versteht man nicht, was die Zone will. Garland ist seit Jahren der Regisseur, der Welten baut, in denen das Unverständnis zum Erlebnis gehört, und der darauf vertraut, dass das Publikum das aushält. Das ist keine Strategie, die er sich für dieses Projekt überlegt hat, das ist einfach, wie er Filme macht. Und es fällt schwer, sich jemanden vorzustellen, der besser zu einem Spiel passen würde, dessen Hintergrundgeschichte absichtlich in Trümmern liegt.

Was trotzdem bleibt, ist die Frage, die kein Talent der Welt einfach wegwischen kann. Elden Ring ist groß geworden, weil es dem Spieler zugemutet hat, in der Stille zu sitzen und selbst nachzuforschen. Ein Kinopublikum sitzt auch in der Stille – aber ohne Pausentaste, ohne die Möglichkeit, einfach in eine andere Richtung zu laufen und später zurückzukommen. Das ist eine völlig andere Herausforderung. Garland hat das Spiel siebenmal durchgespielt und ist nach Japan geflogen, um Miyazaki persönlich zu überzeugen. Ob er damit auch das Publikum überzeugt, das vielleicht nie einen Controller in der Hand hatte, wird sich im März 2028 zeigen.
















































