
Warum der Watcher in „Daredevil: Born Again“ auftaucht – und was das wirklich bedeutet
In Episode 4 von Daredevil: Born Again (2026) gibt es einen Moment, den die meisten Zuschauer vermutlich nicht bemerkt haben. Bullseye springt durch ein Fenster in Fogwell's Gym. Das Glas bricht. Und in der Splitterstruktur des zerbrochenen Fensters, hinterleuchtet von Neonröhren, erscheint das Gesicht des Watchers: riesiger Schädel, leuchtende Augen, unverkennbar für jeden, der What If…? gesehen hat. Perfekt inszenierte Bildsprache!
Marvel-TV-Chef Brad Winderbaum bestätigte die Szene auf Instagram mit dem Kommentar „Always watching…" und den Hashtags für Daredevil und What If…? Eine Bestätigung also – aber eben auch die Frage: Was hat ein kosmischer Beobachter des Multiversums in einer Street-Level-Serie über einen Anwalt in Teufelshorns-Kostüm zu suchen?
Die naheliegende Antwort: Vanessa Fisk wurde verletzt, der Watcher beobachtet Ereignisse von multiversaler Bedeutung, also könnte das Konsequenzen für Avengers: Doomsday haben – ist vermutlich nicht die einzige. Es gibt eine andere Lesart, die tiefer geht und direkt in die Mythologie der Serie führt.
Was der Watcher hier beobachtet
Der Watcher, gesprochen von Jeffrey Wright in What If…? (2021), ist ein außerdimensionales Wesen, das sich verpflichtet hat, nicht einzugreifen, und diese Verpflichtung regelmäßig bricht, wenn die Ereignisse groß genug werden. Sein Auftauchen in Daredevil: Born Again markiert möglicherweise, sofern es kein bloßes Easter Egg ist, den ersten Live-Action-Auftritt der Figur im MCU. Die Frage, warum er gerade hier erscheint, hat eine interessante Fan-Theorie befeuert: Das letzte Mal, als Kingpin Vanessa verlor, riss er ein Loch durch das Multiversum, um eine andere Version von ihr zu finden. Wenn Vanessa jetzt wieder in Gefahr ist oder stirbt, könnte das erneut multiversale Konsequenzen haben. Der Watcher weiß das. Aber da ist noch etwas anderes, das die Serie bereits ausgelegt hat.
Die religiöse Allegorie, die die Season durchzieht
Daredevil: Born Again ist durchgehend mit religiösen Motiven durchzogen – wenig überraschend für eine Serie über einen katholischen Superhelden, der buchstäblich „der Teufel von Hell's Kitchen" heißt. Das Red Hook Gefängnis funktioniert visuell wie eine Hölle. Kirchen tauchen immer wieder als Schauplätze auf. Und die Farbsprache der Serie ist auffällig konsequent: Blau dominiert die Szenen mit Bullseye, auch Kingpins Frau träumt in Blau. Rot ist Matts Farbe. In den gemeinsamen Szenen von Karen und Matt hingegen liegt alles in warmen Goldtönen – als wäre das ihr Zwischenraum zwischen den Fronten, eine Art neutrales Terrain.
In Episode 2 sagt Karen zu Matt: „Both sides are hunting you now." Ein Satz, der im Kontext einer Gangster-Geschichte Sinn ergibt und im Kontext eines Kampfes um Matts Seele noch mehr. In derselben Episode erschießt Buck einen Hauptmann, der nach Bucks eigener Aussage unschuldig war. Direkt danach wird das Licht über ihm auffällig heller, und er schaut hoch. Göttliches Urteil – oder einfach eine Lampe? Mit dieser Serie ist man sich nie sicher, und das ist vermutlich Absicht.
Der Beast, die Hand und Shadowland
Hier wird es interessant für Comic-Kenner. Die Hand – die Ninja-Sekte, deren Ankunft in Spider-Man: Brand New Day bereits angedeutet wurde – verehrt in den Comics einen Dämonen namens The Beast. Ihr Kult und ihre Resurrection-Rituale ziehen ihre Kraft aus dieser Entität. In der Shadowland-Storyline von 2010 wird Matt Murdock, nachdem er Anführer der Hand geworden ist, langsam von The Beast besessen – eine Possession, die ihn vom Street-Level-Helden zum übernatürlichen Bedrohungsträger macht, bis Iron Fist ihn durch Chi-Energie befreit und Matt sich anschließend selbst tötet, um eine erneute Übernahme zu verhindern.
Der Beast ist nicht irgendein Dämon. Er nährt sich von der Gewalt und dem moralischen Verfall der Menschen um ihn herum – je mehr Menschen in seiner Nähe Böses tun, desto stärker wird er. Das Northern Star, dessen Untergang in Born Again Season 2 einen Wendepunkt markiert, könnte genau dieser Moment sein, in dem die Seite des Guten eine entscheidende Niederlage einsteckt.
Wenn The Hand und ihr Dämon tatsächlich der übergreifende übernatürliche Antagonist der Serie werden, wäre der Watcher als Beobachter nicht nur ein MCU-Tie-in-Gimmick. Er wäre ein Zeichen dafür, dass das, was mit Matt Murdock passiert, tatsächlich von kosmischer Bedeutung ist – nicht wegen des Multiversums, sondern weil Matts Seele buchstäblich auf dem Spiel steht.












