
„House of the Dragon“: Das Ende von Staffel 3 erklärt – und was es für Staffel 4 bedeutet
Im Staffelfinale von House of the Dragon (seit 2022) eskaliert der „Tanz der Drachen“ nun endgültig. Die achte und letzte Folge der dritten Staffel schickt ihre Figuren in eine verheerende Schlacht um Stolperstadt, überrascht mit Offenbarungen am Rande – und zeigt eine Rhaenyra (Emma D’Arcy), die nichts mehr von der besonnenen Herrscherin früherer Tage gemein zu haben scheint. Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse.
Aegon lebt – und Rhaenyra setzt endgültig auf Härte
Die Nachricht, die Großmaester Orwyl (Kurt Egyiawan) gleich zu Beginn überbringt, könnte für Rhaenyra (Emma D’Arcy) kaum eine schlechtere sein: Aegon (Tom Glynn-Carney) ist wieder aufgetaucht – und auch sein Drache Sonnfeuer lebt. Die Häuser von Westeros, die ihm einst die Treue schworen, könnten sich nun wieder von Rhaenyra abwenden. Und beim einfachen Volk macht sich bereits der Glaube breit, dass das gemeinsame Überleben von König und Drache kein Zufall, sondern ein göttliches Zeichen sei.

Rhaenyra sieht ihre mühsam errungene Macht im aufgeregten Gespräch mit Daemon (Matt Smith) bereits davonschwimmen. Ihr Ehemann beschwört sie, dass nun ihre eigentliche Prüfung bevorstehe – und Rhaenyra schwenkt endgültig auf den kompromisslosen Kurs ein, für den ihr Ehemann schon lange wirbt. Daemon soll nach Stolperstadt ziehen und dort jeden Hohenturm ausmerzen, der ihm begegnet, trägt sie ihm auf. Aegon wiederum will Rhaenyra eigenhändig töten.
Wie radikal sich ihr Verständnis von Herrschaft inzwischen verändert hat, zeigt sich gleich darauf auch im Umgang mit Baela (Bethany Antonia). Die will aufbrechen, um ihren Großvater Corlys Velaryon (Steve Toussaint), die von der Grünen Fraktion gefangen genommene Seeschlange, zu retten. Rhaenyra weist sie brüsk zurück. Stattdessen soll Baela gemeinsam mit Addam (Clinton Liberty) Königsmund bewachen.
Baela wirft Rhaenyra daraufhin vor, sie beschütze nur jene Menschen, die ihr nützlich seien – alle anderen lasse sie zurück. Die Königin reagiert ungehalten, bezeichnet sie als unverschämtes Kind und spricht von schlechtem Blut. Als Beleg führt sie Baelas Schwester Rhaena (Phoebe Campbell) an.
Alyn (Abubakar Salim) erweist sich dagegen als loyal. Als Männer von Corlys aus Driftmark eintreffen und ebenfalls zu einer Rettungsmission aufbrechen wollen, hält er sie zurück. Auch sie sollen Königsmund verteidigen. Die Seeschlange muss vorerst ohne Hilfe auskommen.
Von Mysaria bis Helaena: Rhaenyra kennt kaum noch Skrupel
Damit ist Rhaenyras fataler Kurs, in Windeseile alte Allianzen zu gefährden und sich neue Feinde zu machen, aber noch nicht beendet. Zudem schickt sie Mysaria (Sonoya Mizuno) aus der Hauptstadt fort. Sie soll nach Pentos reisen und dort mit Reichtümern versorgt werden – dennoch ist es eine bemerkenswert harsche Entscheidung, gerade nach der erneuten Annäherung der beiden Frauen in der vorangegangenen Episode.

Noch drastischer fällt ihr Umgang mit dem Glauben aus. Rhaenyra will sich nun endgültig vom Septon krönen lassen. Das einfache Volk soll mit eigenen Augen sehen, wer die wahre Herrscherin der Sieben Königslande ist. Als dieser sich weigert, lässt sie ihn kurzerhand von Addam in der Septe töten. Für Anhänger der „Sieben“ ist das ein Sakrileg, dessen Folgen Rhaenyra in der kommenden Staffel zu spüren bekommen dürfte.
Vor den Menschen, die vor der Septe warten, rechtfertigt sie ihren Anspruch anschließend mit der Prophezeiung vom „Lied von Eis und Feuer“ und der drohenden Gefahr durch die – hier noch nicht so genannten – Weißen Wanderer. Rhaenyra scheint nicht mehr nur zu glauben, die rechtmäßige Thronerbin ihres Vaters zu sein, sondern hält sich auch für die Auserwählte.
Auch Helaena (Phia Saban) bekommt diesen neuen harten Kurs zu spüren. Weil sie nicht essen will, ordnet Rhaenyra an, sie zwangsernähren zu lassen. Die Grenzen zwischen notwendiger Härte, Paranoia und Grausamkeit verschwimmen immer öfter.
In Harrenhal enthüllt Alys ihr Geheimnis – und Aegon überrascht Aemond
Bevor es zur großen Schlacht kommt, führt die Episode noch einmal nach Harrenhal und offenbart Näheres zu Alys Stroms (Gayle Rankin) Vergangenheit. Wie sie Aemond (Ewan Mitchell) anvertraut, war sie die Frau des alten Harren und versuchte einst verzweifelt, ihren von einem Drachen verbrannten Sohn zu retten. Als alle gewöhnlichen Mittel und der Rat der Maester aus ganz Westeros versagten, griff sie zur Magie. Doch auch die konnte das Kind nicht retten. Alys wollte ihm in den Tod folgen – doch stattdessen wurde sie, wie sie sagt, zum Leben verdammt. Damit erhalten ihre rätselhafte Verbindung zu Harrenhal und ihre übernatürlichen Fähigkeiten zumindest teilweise eine Erklärung.
Wenig später taucht Aegon auf Sonnfeuer in Harrenhal auf. Aemond fällt vor seinem Bruder auf die Knie und bittet um Gnade. Nach allem, was zwischen ihnen geschehen ist, wäre Rache die naheliegende Reaktion, doch Aegon verzichtet darauf. Statt seinen Bruder zu bestrafen, fordert er ihn auf, mit ihm nach Stolperstadt zu kommen. Gemeinsam mit Aemond will Aegon zu Ormund Hohenturm (James Norton) aufbrechen und ihn von seinem Plan abbringen, Daeron (Benjamin Evan Ainsworth) als König zu installieren – und anschließend selbst nach Königsmund zurückkehren. Aegon will seinen Thron zurück.
Gawans Angebot vor Stolperstadt: Ein letzter Ausweg aus dem Krieg?
In Stolperstadt hat Ormund derweil einen perfiden Weg gefunden, den größten Vorteil der Schwarzen Fraktion – ihre Drachenstärke – zu neutralisieren: Er lässt Kinder auf den Zinnen positionieren. Ein Angriff mit Drachen würde damit zwangsläufig zum Massaker an Unschuldigen führen. Und tatsächlich verzichtet Daemon auf einen Dracheneinsatz, um ihm diesen propagandistischen Triumph nicht zu schenken. Er wolle nicht auch noch dafür sorgen, dass im ganzen Reich erzählt werde, ihre Truppen hätten Kinder mit Drachenfeuer verbrannt.

Dabei eröffnet sich sogar noch eine Möglichkeit, die Schlacht vollständig zu verhindern. Gawan Hohenturm (Freddie Fox) berät sich mit Daeron über die aussichtslose Lage. Beide wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Ormund mit Ulf (Tom Bennett) außerdem einen Drachenreiter auf die eigene Seite gezogen hat. Unter dem Friedensbanner trifft Gawan schließlich Daemon auf dem Schlachtfeld und übergibt ihm Corlys als Zeichen des guten Willens.
Gleichsam unterbreitet Gawan der Schwarzen Fraktion das Angebot, das Reich zu teilen. Rhaenyra bliebe Königin, während Daeron von Altsass aus über die Weite herrschen könnte.
Corlys hält diesen Vorschlag für vernünftig. Zu viele Häuser, erklärt er, würden sich niemals mit einer Frau auf dem Eisernen Thron abfinden. Eine Teilung könnte den Krieg beenden, ohne Rhaenyra die Krone vollständig zu nehmen.
Daemon lehnt trotzdem entschieden ab. Dabei beruft er sich auf seine Vision, das alte Valyria wiederauferstehen zu lassen. Sein vermessener Traum von längst vergangener Größe verhindert damit einen möglichen Frieden.
Die Schlacht um Stolperstadt wird zum Inferno
Daraufhin beginnt die Schlacht, doch nichts läuft wie geplant. Die Winterwölfe unter Roderick Dustin (Tommy Flanagan) müssen die Stadttore von Hand öffnen, um besagte Kinder vor dem Drachenfeuer zu verschonen. Ulf wiederum ist zunächst spurlos verschwunden – und beide Seiten suchen nach ihm, der mit Silberschwinge die gesamte Schlacht entscheiden könnte.
Der zweite Drachensamen, der weiterhin auf der Seite der Schwarzen Fraktion kämpfende Hugo (Kieran Bew), verzichtet derweil auf den Einsatz seines Drachen Vermithor. Stattdessen zieht er mit einer Waffe in den Kampf und sucht nach seiner Ehefrau Kat (Ellora Torchia). Später sieht man auch sie zwischen den Opfern liegen – allem Anschein nach tot.

Als Ulf schließlich von Ormund und seinen Männern ausfindig gemacht wird, ist die Schlacht längst in vollem Gange. Der Mann, von dem so viel abhängt, hat das Gemetzel beinahe verschlafen – auf der Toilette. Ormund findet ihn dort mit heruntergelassenen Hosen vor, lässt ihn von seinen Männern unsanft zu Boden werfen und beschimpft ihn. Es ist eine weitere Demütigung für den Drachensamen, der sich schon von Daemon und Rhaenyras Seite herabgesetzt fühlte und nun feststellen muss, dass auch seine neuen Verbündeten kaum mehr Respekt für ihn aufbringen.
Das erklärt zumindest in Teilen, was anschließend geschieht: Nachdem ihn beide Seiten gedemütigt haben, wirkt sein Eingreifen wie die rücksichtslose Abrechnung eines arroganten Mannes, dem inzwischen fast gleichgültig ist, wer unter ihm verbrennt. Silberschwinges Feuer trifft zunächst zahlreiche Soldaten der Schwarzen Fraktion – und schließlich die Stadt selbst.
Innerhalb der Mauern kommt es indes zu diversen Zweikämpfen zwischen zentralen Figuren: Ser Roxton (Joplin Sibtain) und Daemon treffen aufeinander, wobei Daemon fast ein Auge verliert. Roderick wiederum begegnet Ormund. Der schlägt Roderick zunächst einen Arm ab, doch selbst schwer verwundet gelingt es ihm noch, Ormund einen Dolch in den Hintern zu rammen. Dann erreicht auch sie Ulfs Drachenfeuer und beide Männer verbrennen.
Als Daemon nach einem Zeitsprung wieder zu sich kommt, ist vom vermeintlichen Ruhm der Schlacht nichts geblieben. Um ihn herum liegen verkohlte Leichen. Mütter halten ihre toten Kinder in den Armen. Es ist eine der stärksten Szenen der bisherigen Serie, weil House of the Dragon für einen Moment jeden Gedanken an Thronansprüche, Prophezeiungen und politische Strategien beiseiteschiebt – und den Wahnwitz zeigt, der sich dahinter verbirgt. Übrig bleibt das, was dieser Krieg für die meisten Menschen tatsächlich bedeutet: Leid, Elend und Tod.
Corlys findet schließlich Daemon und spricht aus, was längst offensichtlich ist: Die Stadt ist verloren, sie müssen fliehen. Schließlich zeigt die Sequenz noch, dass Gawan überlebt hat. Als er auf dem Schlachtfeld wieder zu sich kommt, gilt sein erster Gedanke Daeron. Er ruft nach ihm, aber eine Antwort erhält er zunächst nicht.
Helaenas Sturz – und ein blutiges Omen für Rhaenyra
Das Staffelfinale endet schließlich wieder in Königsmund. Rhaenyra wird hastig in Helaenas Gemächer gerufen. Dort steht ein Fenster offen – und schnell wird klar, dass sich Helaena hinausgestürzt hat.
Eine kurze Einstellung zeigt Alicent (Olivia Cooke), der nach dem misslungenen Versuch, Aemond im Auftrag Rhaenyras zu töten, die Flucht aus Harrenhal gelungen ist. Um sie herum steigen Schmetterlinge auf, was der Mutter ein klares Zeichen dafür sein dürfte, dass ihre Tochter tot ist. Auch ihr Opfer war demnach umsonst: Sie wandte sich gegen den eigenen Sohn und hat nun auch noch ihre Tochter, die sie mit dem Attentat retten wollte, verloren.

Rhaenyras Blick fällt derweil auf jene Stickerei, an der Helaena gearbeitet hat. Darauf ist deren eigener Sturz aus dem Fenster zu erkennen, Tränen laufen über ihr Gesicht. Doch noch unheilvoller ist das zweite Motiv: Rhaenyra sitzt auf dem Eisernen Thron, überströmt von Blut. Dann schließt sie entschlossen das Fenster.
Das Ende des Staffelfinales – wer hat gewonnen?
Es ist ein starkes Schlussbild für eine Episode, in der Rhaenyra immer unerbittlicher versucht, ihre Herrschaft zu sichern, und dabei eben jene Eigenschaften verliert, mit denen die Serie ihren Anspruch auf den Thron lange begründet hat. Aus der Frau, die die größten Härten des Krieges vermeiden wollte, ist eine Königin geworden, die Widerspruch nun bisweilen mit dem Tod beantwortet, Verbündete oftmals wie Spielfiguren behandelt und ihren eigenen Herrschaftsanspruch zunehmend mythisch überhöht.
Helaenas letzte Stickerei wirkt da wie ein weiteres Menetekel. Nach allem, was in dieser Folge geschehen ist, braucht es allerdings kaum noch prophetische Fähigkeiten, um zu erkennen, wohin Rhaenyras Weg führt. Sie sitzt zwar auf dem Thron, doch hat sie dafür nicht nur längst wichtige Prinzipien aufgegeben, sondern sich auch aus machtpolitischer Sicht zu viele Fehler geleistet, als dass dieser Zustand noch sehr lange anhalten dürfte.

Damit hinterlässt die dritte Staffel beide Lager schwer gezeichnet. Die Grünen können zwar mit der Rückkehr Aegons und seinem etwaigen Schulterschluss mit Aemond neue Hoffnung schöpfen, bezahlen die Schlacht um Stolperstadt aber mit dem Tod Ormunds, dem Verlust der Stadt und einem unklaren Schicksal Daerons.
Einen wirklichen Sieger gibt es damit nicht. Passend dazu steht über allem Helaenas letztes Bild: Rhaenyra auf dem Eisernen Thron, umgeben von Blut. Die entscheidende Frage ist inzwischen, was von Westeros überhaupt noch übrig sein wird, wenn einer von ihnen gewonnen hat.











