Gambits Schicksal als Apocalypse-Reiter ist viel schlimmer, als „X-Men ’97“-Fans denken

Gambits Schicksal als Apocalypse-Reiter ist viel schlimmer, als „X-Men ’97“-Fans denken

Veröffentlicht am10. August 2026

Aktualisiert am10. August 2026

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Ein Blitz zuckt, grünlich und grell, durch ein Labor voller Kabel und Kondensatoren. Auf der Bahre liegt ein Toter, ausgerechnet der charmanteste Halunke des ganzen Teams, der schmierige, großmäulige, unwiderstehliche Remy LeBeau. Und dann schlägt er die Augen auf. Nur sind es nicht mehr seine. Die Haut aschgrau, das Haar weiß wie Knochenmehl, die Spielkarten in seiner Hand keine Spielkarten mehr, sondern Tarot. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Kartenspieler als Sensenmann zurückkommt? X-Men ’97 (2024) feiert diesen Moment in der zweiten Staffel mit allem, was das Trickfilmhandwerk hergibt: blitzend, pathetisch, herrlich übertrieben. Doch wer die Comics kennt, weiß: Das ist die freundliche Version! In den Heften von 2006 fällt Remy nicht, er springt. Und das wirft eine Frage auf, an der sich diese Figur seit sechsunddreißig Jahren abarbeitet: Wie viel Dieb steckt eigentlich noch im Helden?

Was in Staffel 2 passiert

Zur Erinnerung: Gambit, gesprochen von A.J. LoCascio, starb in der fünften Folge der ersten Staffel beim Massaker auf Genosha. Er opferte sich, um einen Sentinel zu zerstören, und lieferte dabei den Satz, den seither jeder zitiert, der die Serie gesehen hat. Schon das Finale der ersten Staffel deutete an, dass die Sache nicht erledigt ist: Apocalypse, gesprochen von Ross Marquand, klaubt eine verkohlte Spielkarte aus der Asche. In Folge sechs der zweiten Staffel, betitelt Danger.exe, löst die Serie dieses Versprechen ein. Mit frankensteinhaftem Blitzgewitter erweckt Apocalypse den Toten und macht ihn zu seinem Reiter Death. Eine Folge später findet X-Force das Labor, doch Apocalypse liegt dort als vertrocknete Leiche, und Jubilee entdeckt daneben eine angesengte Herz-Dame. Der Verdacht liegt auf der Hand.

Die Vorlage: Blood of Apocalypse

Die Serie greift eine Comic-Geschichte auf, die unter Fans bis heute umstritten ist. Blood of Apocalypse erschien 2006 in X-Men Nummer 182 bis 187, geschrieben von Peter Milligan, gezeichnet von Salvador Larroca. Der Zeitpunkt ist wichtig: Kurz zuvor hatte die Scarlet Witch in House of M die Welt umgeschrieben und fast allen Mutanten die Kräfte genommen, gut zweihundert blieben übrig. In dieses Vakuum stößt Apocalypse mit einem Angebot, das nach Erlösung klingt: Sein Blut soll verlorene Kräfte zurückbringen. Wer sein Blut trinkt, wird zum Reiter, daher der Titel der Reihe. Vier stellt er auf: Gazer als War, Polaris als Pestilence, Sunfire als Famine. Und Death, der vierte im Bunde, ist ausgerechnet der Mann, den Rogue liebt. So weit die Kulisse. Der eigentliche Schock steckt woanders.

Der Unterschied: Er wurde nicht geholt, er ging

Hier trennen sich Serie und Vorlage, und zwar gründlich. In der Serie ist Gambit ein Opfer, eine Leiche, über die verfügt wird. Im Comic lebt er und entscheidet sich. Remy fühlt sich abgehängt, von den X-Men nicht ernst genommen, von Rogue auf Abstand gehalten, zumal deren Mutter Mystique eigens ins Institut zieht, um die beiden auseinanderzubringen. Also geht er zu Apocalypse, halb aus Trotz, halb aus dem Gedanken heraus, jemand müsse diesen Mann im Auge behalten. Und dann kommt der Satz, an dem sich alles entscheidet: Er lehnt jede Betäubung ab. Er will bei Bewusstsein bleiben, damit niemand in seinem Kopf herumpfuscht. Er besteht darauf, die Prozedur bei vollem Bewusstsein zu durchleben. Es nützt ihm nichts. Am Ende steht ein Mann mit tintenschwarzer Haut und weißem Haar, der von sich behauptet, er sei beides, Death und Gambit.

Wie tief er wirklich fällt

Was folgt, würde in einer Zeichentrickserie am Nachmittag kaum durchgehen. Death kämpft gegen seine eigenen Leute, und er tut es nicht halbherzig. In X-Men Nummer 187 stürmt er mit Sunfire das Anwesen der X-Men, um Polaris zurückzuholen, und dabei versucht er, Rogue umzubringen. Nicht im Affekt, sondern mit einer Begründung, die schlimmer ist als jeder Wutausbruch: Sie sei die letzte Bindung an sein altes Leben, und genau deshalb müsse sie weg.

Gambit

Man stelle sich das in der Serie vor, wo dieses Paar als romantischer Kern des Ganzen gilt. Nicht Apocalypse macht diese Geschichte finster, sondern die Konsequenz, mit der ein Mann alles kappt, was ihn ausmacht. Der Reiter ist nicht das Problem. Der Mann darunter ist es.

Was ihn am Ende rettet, ist keine Heldentat

Und die Erlösung? Sie kommt nicht von den X-Men. Sie kommt von Schurken. Zuerst schleppt ihn Sunfire aus dem Getümmel, der seine eigene Programmierung mithilfe von Emma Frost abgeschüttelt hat, und bringt ihn in einen Tempel in Japan. Dort taucht ausgerechnet Mister Sinister auf, jener Mann, für den Remy vor langer Zeit die Marauders in die Morlock-Tunnel führte, und bietet eine Behandlung an. Sie funktioniert. Gambit sieht wieder aus wie früher, ist wieder er selbst, und arbeitet fortan für Sinister als Anführer eben jener Marauders. Vom Reiter des Untergangs zum Handlanger des Genetikers, das ist keine Rettung, das ist ein Tausch. Später stellt sich heraus, dass er das alles nur mitmacht, um Rogue zu retten. Aber bis dahin vergehen Jahre.

Warum die Serie den klügeren Weg geht

Bleibt die Frage, warum Marvel eine Geschichte ausgräbt, die selbst Fans mäßig fanden. Die Antwort dürfte im Handwerk liegen. Im Comic wurde Gambit zu Death, weil er schlecht gelaunt war, und die Handlung wurde nach Milligans Run recht zügig abgewickelt. Die Trickfilmfassung dreht das um: Sie nimmt einen Tod, der etwas bedeutete, und macht daraus eine Wunde, die niemand geschlossen hat. Rogue, gesprochen von Lenore Zann, bekommt den Mann zurück, den sie betrauert hat, nur eben als Feind. Die achte Folge trägt den Titel The Dead Man’s Hand, also jenes berühmte Kartenblatt aus Assen und Achten, das ein Erschossener in der Hand hielt. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass es dort zur Sache geht. Und wer die Hefte kennt, weiß immerhin eines: Diese Verwandlung hielt nie ewig.

01

X-Men '97
X-Men '97

X-Men '97

2024

Eine Gruppe Mutanten beschützt mit ihren erstaunlichen Kräften die Welt, die sie hasst und fürchtet.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

5,99 €

Gesamtlaufzeit

10h 8min

Genres

Action & Abenteuer, Animation, Drama

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