
„Carrie“ versteckt einen Hinweis auf dieses berühmte Horror-Franchise
Mike Flanagan modernisiert in Carrie (2026) nicht nur Stephen Kings Geschichte über die telekinetisch begabte Carrie White (Summer H. Howell). Er versteckt auch einen kleinen Hinweis, der für Horror-Fans ziemlich groß werden kann. Carries fanatisch religiöse Mutter Margaret White (Samantha Sloyan) arbeitet in der Serie bei S-Mart. Auf ihrer Uniform steht sogar der bekannte Werbespruch „Shop Smart. Shop S-Mart“. Wer Sam Raimis Filme kennt, dürfte bei diesem Namen sofort hellhörig werden: S-Mart ist der Arbeitgeber von Ash Williams (Bruce Campbell) aus dem Evil Dead-Universum. Flanagan baut damit eine Tür zwischen zwei Horrorwelten ein, die schon lange vor seiner Serie miteinander verbunden waren - nur eben hinter den Kulissen.
Margaret White trägt plötzlich dieselbe Uniform wie Ash Williams
Margaret hatte in früheren Versionen von Carrie andere Jobs. In Stephen Kings Roman arbeitet sie in einer Wäscherei, Brian De Palmas Carrie - Des Satans jüngste Tochter (1976) zeigt sie dagegen als Näherin. Für Flanagans Serie wurde daraus S-Mart, und diese Änderung ist auffällig spezifisch. Schließlich hätte Margaret praktisch überall arbeiten können. Stattdessen landet sie bei jener fiktiven Ladenkette, in der Ash in Armee der Finsternis (1992) Regale und Kundschaft im Griff behalten soll. Dort gehört S-Mart nicht bloß zum Hintergrund. Ash erzählt schon zu Beginn von seinem früheren Leben im Laden, später kehrt er dorthin zurück und muss sich im Verkaufsraum erneut mit einem Deadite herumschlagen. Der Spruch „Shop Smart. Shop S-Mart“ wurde dadurch zu einem der bekanntesten Insider der Reihe. Wenn Margaret nun dieselbe Uniform trägt, ist das für Flanagan auffällig wenig subtil – und vermutlich soll es das auch sein.

Als harter Beweis dafür, dass Carrie und Ash tatsächlich im selben Universum leben, taugt ein Firmenlogo allerdings noch nicht. Dafür fehlen Verbindungen zum Necronomicon, zu Deadites oder anderen Bestandteilen der Evil-Dead-Mythologie. Als spielerische Überschneidung funktioniert S-Mart trotzdem bestens: In Carries Welt existiert damit zumindest ein Unternehmen, das bislang fest mit Ash verbunden war.
Stephen King half „The Evil Dead“ entscheidend auf die Beine
Dass Flanagan bei Evil Dead anklopft, bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn man Stephen Kings Rolle in der Geschichte der Reihe kennt. Sam Raimis Tanz der Teufel (1981) war ein winziger, extrem blutiger Independent-Film, als King ihn 1982 in Cannes sah. Er war so begeistert, dass er den Film anschließend öffentlich und überschwänglich lobte. Seine Unterstützung verschaffte Raimis Werk zusätzliche Aufmerksamkeit in einer Phase, in der ein breiter Vertrieb alles andere als selbstverständlich war. Einige Jahre später kreuzten sich die Wege indirekt erneut.

Nach dem Misserfolg von Raimis Die Killer-Akademie (1985) war die Finanzierung von Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt (1987) schwierig. Raimi erzählte später, King habe davon erfahren und Produzent Dino De Laurentiis angerufen. Kurz darauf kam die Finanzierung zustande. Wie viel ein einzelner Anruf tatsächlich entschieden hat, lässt sich kaum sauber trennen. Raimi selbst hat King jedoch mehrfach als jemanden beschrieben, der seiner Karriere in entscheidenden Momenten geholfen habe. Dass dieser Verweis ausgerechnet jetzt auftaucht, passt außerdem zum Timing: Mit Evil Dead Burn (2026) hat die Reihe gerade ihr sechstes Filmkapitel bekommen. Sébastien Vaničeks neuer Teil mit Souheila Yacoub und Hunter Doohan setzt erneut auf Deadites und das Necronomicon – also genau jene Horrormythologie, zu der Flanagan über Margarets S-Mart-Uniform zumindest kurz hinüberwinkt.
Für Flanagan, der bereits mehrere King-Stoffe verfilmt hat, ist S-Mart deshalb ein besonders passender Verweis. Ob er damit bewusst auch auf Kings Hilfe für Raimi anspielt, hat er bislang nicht bestätigt. Der Aufnäher funktioniert ohnehin auf mehreren Ebenen: Wer nur Carrie kennt, sieht Margarets Arbeitskleidung. Wer Evil Dead kennt, entdeckt den Insider. Und wer die gemeinsame Geschichte von King und Raimi kennt, findet noch etwas dahinter.
Gehört „Evil Dead“ jetzt wirklich zum Carrie-Universum?
Man kann das Easter Egg großzügig lesen und sich vorstellen, dass irgendwo in derselben Welt Ash in der Haushaltswarenabteilung steht, während Carrie in Maine versucht, mit ihrer Mutter und ihren Kräften klarzukommen. Horror-Franchises haben schon wesentlich wildere Wege gefunden, ihre Welten miteinander zu verknüpfen. Flanagan liefert bislang jedoch nichts, das aus dieser Idee mehr als ein augenzwinkerndes Cross-over macht.

Das S-Mart-Logo muss keine kommende Begegnung zwischen Carrie und Ash ankündigen. Viel schöner ist eigentlich, was bereits darin steckt: Kings Verbindung zu Evil Dead begann, als Sam Raimi noch darum kämpfen musste, seinen ersten Film überhaupt vor ein größeres Publikum zu bekommen. Jahrzehnte später trägt Margaret White nun die Uniform jenes Ladens, in den Ash nach seinen Dämonenkämpfen zurückkehrte. Für einen kleinen Aufnäher steckt darin überraschend viel Horrorgeschichte.







