
Wie „Carrie“ das Ende von „Freitag der 13.“ veränderte
Jason Voorhees sollte am Ende von Freitag der 13. (1980) eigentlich gar nicht auftauchen. Drehbuchautor Victor Miller hatte für Alice Hardy, gespielt von Adrienne King, einen friedlichen Abschluss vorgesehen: Nach den Morden im Ferienlager treibt sie in einem Kanu auf dem Crystal Lake. Es wird hell, die Polizei trifft ein. Die Gefahr ist vorbei. Für die Kinofassung genügte das den Filmemachern nicht. Sie ergänzten einen Schockmoment, der Jason seinen ersten großen Auftritt verschaffte. Das Vorbild dafür lieferte Brian De Palma vier Jahre zuvor.
„Carrie“ zeigte, wie trügerisch ein ruhiges Ende sein kann
In Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976) besucht Sue Snell, gespielt von Amy Irving, den Ort, an dem Carrie White gestorben ist. Sie möchte Blumen niederlegen. Plötzlich greift eine blutige Hand aus dem Boden nach ihr. Sue schreckt auf: Der Besuch war ein Albtraum. Maskenbildner Tom Savini nannte den Grund später selbst: „Der einzige Grund für den Cliffhanger am Ende war, dass ich kurz zuvor Carrie gesehen hatte. Wir dachten, wir brauchen so einen Stuhlaufspringer, und ich sagte: ,Lasst uns Jason holen.‘“ Für Freitag der 13. schwebte ihm ein vergleichbarer Schluss vor. Pamela Voorhees, gespielt von Betsy Palmer, war tot, Alice hatte überlebt. Gerade weil die Geschichte damit abgeschlossen schien, bot sich die Gelegenheit für einen letzten Überraschungsangriff.

Was Savini vorschwebte, nennt man im Englischen einen „chair jumper“: einen Moment, der die Zuschauer:innen aus den Sitzen fahren lässt. Dafür wollte er Jason aus dem See auftauchen lassen, jenen Jungen, dessen Ertrinken seine Mutter zu den Morden getrieben hatte. In der fertigen Szene bricht Jason neben dem Kanu aus dem Wasser hervor und reißt Alice in die Tiefe. Anschließend erwacht sie im Krankenhaus. Von einem Jungen im See will dort niemand etwas wissen. Wie bei Carrie nimmt der Film den Angriff damit zunächst als Traum zurück, lässt aber einen Zweifel stehen.
Cunningham wollte von der Idee zunächst nichts wissen
Wem der Einfall tatsächlich zuzuschreiben ist, bleibt umstritten. Savinis Schilderung gehört zu den bekanntesten Versionen der Entstehungsgeschichte. Regisseur Sean S. Cunningham soll den Vorschlag anfangs für eine furchtbare Idee gehalten haben. Auch bei der Besetzung gab es einen Umweg: Zunächst sollte Cunninghams eigener Sohn Jason spielen, doch dessen Mutter widersprach. Schließlich übernahm Ari Lehman die Rolle des Jungen.
Für Miller war Jason ursprünglich vor allem der Auslöser für Pamela Voorhees’ Rache gewesen. Der nachträglich ergänzte Auftritt gab der Figur eine Präsenz, an die spätere Filme anknüpfen konnten. Aus dem toten Kind im Hintergrund der Geschichte wurde die zentrale Gestalt der Reihe.
Der Erfolg machte Jason zum Hauptdarsteller
Bei Produktionskosten von deutlich weniger als einer Million Dollar spielte Freitag der 13. weltweit fast 60 Millionen Dollar ein. Bereits 1981 folgte der zweite Teil. Nun übernahm Jason selbst das Töten, zunächst mit einem Sack über dem Kopf. Die später berühmte Maske trug er damals noch nicht. Miller schrieb an keiner der Fortsetzungen mit. Weil er die ursprünglichen Figuren geschaffen hatte, blieb sein Name dennoch in den Credits der Reihe erhalten. Am 31. August 2026 starb der Drehbuchautor im Alter von 86 Jahren in Alameda.

Auch außerhalb der Serie setzte sich das Prinzip des vermeintlich sicheren Endes durch. Der Gegner scheint besiegt, die Spannung lässt nach – dann folgt ein letzter Angriff. Wes Craven griff das Mittel in Nightmare – Mörderische Träume (1984) auf und machte es in Scream – Schrei! (1996) selbst zum Gegenstand der Handlung.
Ein Film voller Einflüsse hinterließ eigene Spuren
Dabei war Freitag der 13. seinerseits als schnelle Antwort auf den Erfolg von Halloween – Die Nacht des Grauens (1978) entstanden. Auch seine Macher brachten Erfahrungen aus anderen Horrorproduktionen mit: Cunningham hatte mit Craven an Das letzte Haus links (1972) gearbeitet. Savini kam nach seiner Arbeit an George A. Romeros Zombie (1978) zum Projekt.
Der entscheidende Zusatz kam jedoch von Carrie: die Idee, das Publikum erst dann noch einmal zu erschrecken, wenn es sich bereits in Sicherheit glaubt. Bei De Palma beendete dieser Moment einen Film. Bei Freitag der 13. lieferte er zugleich einen Ansatz für die Fortsetzungen.























































