
Die besten brat-coded Filme und Serien für Hyperpop-Fans
Der brat-summer ist vorbei? Mitnichten. Der Begriff „brat" meint schließlich eine Haltung, keine Frisur. Brat ist selbstbewusst, hedonistisch, ein bisschen chaotisch, unapologetisch weiblich. Collins Dictionary hat ihn 2024 zum Wort des Jahres gekürt, ausgelöst durch Charli XCX' gleichnamiges Album, das Hyperpop als kulturellen Aggregatzustand für eine Generation definierte.
Eine, die Partys schmeißt und dabei Breakdowns hat. Aber die Ästhetik existiert länger als der Begriff, sie zieht sich in Wahrheit bereits durch dreißig Jahre Kino und Fernsehen wie ein Riss durch Lippenstift. Messbare Wut, maximale Energie und ganz wichtig, wirklich null Bedauern. Blut und Lippenstift. Einbrüche in Promi-Villen, Sugarbabes auf Trauerfeiern. Teenagerinnen, die Diner ausrauben, damit es endlich irgendwo ein bisschen nach Leben riecht. Diese zehn Titel stehen für das Brat-Kino-Universum, von der Geburt des Genres bis zu seinem jüngsten, metareflexiven Endpunkt.
Fangen wir mit dem aktuellsten Werk in unserer Liste an. Der brat-coded Film par excellence ist nicht erfunden, er ist ein selbstreferentielles Dokument. The Moment ist ein A24-Mockumentary über Charli XCX, die sich selbst spielt: einen Pop-Star im Nachwehen eines kulturellen Überwältigungsmoments, der versucht zu verstehen, was er da eigentlich ausgelöst hat. Regisseur Aidan Zamiri, langjähriger Kollaborateur von XCX, der das Video zu „360" drehte, führte die Kamera. Das Ergebnis ist kein Konzertfilm, sondern eine Anxiety Study mit Satire-Anstrich: Backstage-Schweigen, Labeldruck, der Unterschied zwischen der Welt da draußen und der Dressing-Room-Stille. Mit Alexander Skarsgård als antagonistischem Filmregisseur sowie Rachel Sennott und Kylie Jenner im Cast. Sundance-Premiere Januar 2026, weltweite A24-Release im selben Monat.
Zwei unpopuläre queere Schülerinnen gründen einen Fight Club, um mit den Cheerleaderinnen ins Bett zu kommen. Bottoms von Emma Seligman ist der einzige Film, bei dem Charli XCX das gesamte Score co-komponiert hat — zusammen mit Leo Birenberg — und der schon allein dadurch zur Kanonisierung des Brat-Kinos beiträgt. Rachel Sennott und Ayo Edebiri spielen PJ und Josie mit einer Mischung aus selbstbewusstem Chaos und vollständiger Situationsblindheit, die den Film in eine eigene Kategorie katapultiert. Seligman seziert das Highschool-Genre, baut es aus weiblicher Perspektive wieder zusammen und erlaubt den Protagonistinnen, so aggressiv, verlogen und unverblümt horny zu sein, wie es Jungs in Teenie-Komödien seit den achtziger Jahren dürfen. Kein Film des Genres hat das mit vergleichbarer Konsequenz durchgehalten.
Bodies Bodies Bodies ist der Film, bei dem Charli XCX den Titelsong schrieb und die Verbindung zwischen Brat-Ästhetik und Gen-Z-Horrorkomödie explizit machte. Halina Reijns A24-Slasher folgt einer Gruppe reicher Zwanzigjähriger, die in einer Villa beim Hurricane-Party ein Mordspiel spielen, bis es kein Spiel mehr ist. Amandla Stenberg, Maria Bakalova, Rachel Sennott, Chase Sui Wonders: alle brillant darin, oberflächlich zu wirken und dabei etwas viel Düstereres zu verkörpern. Der Film ist Sozialsatire über den Narzissmus einer Generation, die mit Selbstoptimierung aufgewachsen ist und trotzdem — oder genau deshalb — dem anderen nicht traut. Charlis Song „Hot Girl" läuft über den Abspann wie ein Urteil.
Emma Seligmans Debüt ist kein Brat-Film im äußerlichen Sinn. Es gibt hier kein Neonlicht, keine Clubszenen — aber er funktioniert nach demselben Prinzip: eine Frau am Rand ihres Zusammenbruchs, die trotzdem weitermacht. Shiva Baby folgt Danielle, einem bisexuellen College-Mädchen, das auf einer jüdischen Trauerfeier auf ihren Sugar Daddy, seine Frau und ihre Ex-Freundin trifft — gleichzeitig. 77 Minuten, ein einziger Raum, Streicher, die wie ein Horrorfilm klingen. Rachel Sennott spielt Danielle mit einer Energie, die aussieht wie Gleichgültigkeit und sich als akute Panik entpuppt. Das Drehbuch lässt keinen Satz ungenutzt. Brat ist auch das: durch eine unmögliche Situation lächeln und dabei innerlich kollabieren.
Jennifer's Body ist eine der am stärksten rehabilitierten Produktionen der letzten zwanzig Jahre. Diablo Cody schrieb das Drehbuch, Karyn Kusama führte Regie: eine High-School-Schönheit wird von einer Satanisten-Band geopfert, überlebt als Dämon und frisst fortan Mitschüler. Megan Fox spielt Jennifer mit einer Mischung aus Model-Unnahbarkeit und blanker Wut, die 2009 missverstanden wurde und heute als ikonisch gilt. Der Film stellt die Frage, welche Wut Frauen berechtigt ist — und gibt die Antwort in Form von Eingeweiden. Kein anderer Film im Brat-Universum verknüpft Lippenstift und Blut so konsequent, ohne eines von beidem zu erklären oder zu entschuldigen. Pflichtpunkt auf der Brat-Liste, gar keine Frage.
Vier Collegemädchen rauben eine Imbisskasse aus, um die Ferien zu finanzieren, und landen in einer Spirale aus Drogen, Waffen und einem Gangster namens Alien. Spring Breakers von Harmony Korine mit Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine ist ästhetisch der Hyperpop-Film vor Hyperpop: Neonfarben, Loop-Struktur, Dubstep im Jahr 2012. James Franco als Alien — „Spring break forever" — ist eine der seltsamsten und treffendsten Figuren des amerikanischen Kinos der 2010er. Der Film behandelt weiblichen Hedonismus nicht als Problem, das gelöst werden muss, sondern als Ausgangszustand, den er bis zur Totalerschöpfung beobachtet. Und stellt am Ende die Frage, wer hier eigentlich wen benutzt hat.
The Bling Ring von Sofia Coppola basiert auf wahren Ereignissen: eine Gruppe Teenager aus Los Angeles bricht zwischen 2008 und 2009 in die Häuser von Prominenten ein, stiehlt Handtaschen und Schmuck und dokumentiert das alles online. Emma Watson, Katie Chang, Taissa Farmiga. Coppola inszeniert das ohne Moralisieren — und genau das macht den Film so brat. Die Täter werden nicht bestraft, sie werden berühmt. Der Film ist ein präzises Porträt einer Generation, die Begehren mit Besitz gleichsetzt und Aufmerksamkeit für eine Art Substanz hält, die man einatmen kann. Visuell ist The Bling Ring ein Paparazzi-Blitz, der nie erlischt, und ein früher Kommentar zu einer Kultur, die jetzt jeden Tag stattfindet.
Euphoria ist die HBO-Serie, an der das Brat-Ästhetik-Vokabular für das Streaming-Zeitalter geschärft wurde: Glitterlidschatten als emotionale Architektur, Handtaschen als Persönlichkeitsersatz, Abstürze in Zeitlupe. Sam Levinson schuf eine Serie, die eine Generation zeigt, die mit permanenter Überreizung aufgewachsen ist — Rue, Jules, Maddy, Cassie — alle in verschiedenen Formen des Scheiterns, alle mit einer Energie, die keine Pause kennt. Stilistisch hat Euphoria mehr Einfluss auf Hyperpop-Ästhetik ausgeübt als umgekehrt: Die Farben, die Cuts, die Verquickung von Glamour und Schmerz sind in dieser Form nirgends sonst zu finden. Zendaya gewann für die Hauptrolle der Rue in Staffel zwei einen Emmy — zu einem Zeitpunkt, als die Figur kaum noch funktionsfähig war. Staffel drei startete im April 2026 und verlagert die Handlung in die Post-Highschool-Ödnis des frühen Erwachsenlebens.
Bevor Euphoria das Hochglanz-Äquivalent definierte, gab es Skins: das britische E4-Original über Teenager in Bristol, das von 2007 bis 2013 lief. Kein anderes Format hat Indie-Sleaze und selbstzerstörerische Energie so früh und so unverschämt auf die Mattscheibe gebracht. Jede Staffel wechselte den Cast komplett — das Prinzip: Diese Jugend dauert nicht. Dev Patel, Kaya Scodelario, Nicholas Hoult und Jack O'Connell feierten hier ihre Durchbrüche. Was Skins von allen Nachfolgern unterscheidet, ist das Fehlen jeglicher Distanz: Die Serie schaut nicht auf ihre Figuren herab und romantisiert sie nicht. Sie ist einfach dabei, und das manchmal auf unangenehme Weise. Wer das Brat-Phänomen verstehen will, kommt hier auf keinen Fall vorbei.
Die Urquelle und ein absoluter Klassiker des Generes. Cruel Intentions von Roger Kumble ist eine freie Adaption von Laclos' Les Liaisons dangereuses, verlegt ins New Yorker Oberschichtsmilieu der neunziger Jahre. Sarah Michelle Gellar als Katherine Merteuil ist der brat-coded Charakter vor dem Begriff: manipulativ, hedonistisch, überheblich und dabei komplett selbstbewusst. Ryan Phillippe, Reese Witherspoon, Selma Blair. Das Wettspiel um Macht und Sex ist verpackt in Calvin-Klein-Ästhetik und Indie-Soundtrack — und endet, wie Brat enden muss: laut, öffentlich, mit einem Koks-Anhänger als Requisite. Ohne Cruel Intentions kein Gossip Girl, kein Euphoria, kein Brat-Universum. Ein Film, der nicht nur ein Genere, sondern eine ganze Generationen prägte.
























































