„Euphoria“-Finale: Rue Bennetts letzte Szene erklärt

„Euphoria“-Finale: Rue Bennetts letzte Szene erklärt

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 01. Juni 2026

Aktualisiert am 02. Juni 2026

Sam Levinsons Euphoria ist endgültig vorbei – nach sieben Jahren und drei Staffeln. Diese letzte Staffel spielt fünf Jahre nach der zweiten, weg von der Highschool und mitten in einer Welt aus Drogenkartellen und Wüstenlandschaften. Und sie lässt viele Fans ratlos zurück.

Achtung, Spoiler: Hier wird das Ende von „Euphoria“ Staffel 3 verraten.

Rue Bennett, gespielt von Zendaya, stirbt im Finale. Das wäre für sich genommen schon brutal genug, denn seit 2019 war Rue das Herz von „Euphoria“: eine süchtige junge Frau, von der die Serie immer so tat, als könnte sie vielleicht doch noch gerettet werden. Doch das eigentlich Verstörende am Ende ist nicht ihr Tod, sondern das, was Sam Levinson danach daraus macht.

Wie Rue stirbt

Rues Tod selbst ist still. Sie schluckt Tabletten, die sie für Schmerzmittel hält und die in Wahrheit mit Fentanyl gestreckt sind. Ihr Drogenboss Alamo (Adewale Akinnuoye-Agbaje) hat sie ihr zugespielt, nachdem er erfahren hat, dass sie für die US-Drogenbehörde DEA arbeitet.

zendaya

Bevor sie stirbt, träumt Rue noch einmal von Fezco, dem von Angus Cloud gespielten besten Freund aus Staffel 1 und 2. Cloud ist 2023 selbst an einer Überdosis gestorben, und diese kurze Wiederbegegnung im Traum, Levinsons Hommage an ihn, ist der ehrlichste Moment der ganzen Folge. Rues ehemaliger Sponsor Ali (Colman Domingo) findet sie am Morgen tot auf seinem Sofa.

Hier könnte die Folge enden. Tut sie aber nicht.

Ein Western statt einer Suchtgeschichte

Ali sägt sich eine Schrotflinte ab und marschiert zu Alamos Strip-Club. Was folgt, ist als Eastwood-Hommage inszeniert, und die Folge heißt nicht zufällig „In God We Trust“. Eine Champagnerflasche rollt über die Theke, beim Aufschlag sollen beide ihre Waffen ziehen, doch Alamos Vertrauter hat ihm die Waffe vorher leer gemacht. Ali erschießt ihn. Alamo ist allerdings nicht der einzige Bösewicht, der in der Schlussphase aus der Serie geschrieben wird: Schon in der siebten Folge ist Nate Jacobs (Jacob Elordi) durch einen Schlangenbiss gestorben. Beide männlichen Antagonisten bekommen also ihren dramatischen Abgang, während Rue auf einem Sofa stirbt.

euphoria

Levinson hat sein Finale danach als das ‚ehrliche Ende‘ verteidigt. Menschen wie Rue schafften es eben nicht, sagt er sinngemäß. Das klingt nüchtern, passt aber nicht zu dem, was er liefert. Ein ehrliches Ende einer Suchtgeschichte sähe nicht wie Sergio Leone mit Bibelzitat aus, sondern bliebe bei der Stille. Stattdessen bekommt Rues Tod eine kathartische Aufladung. Das ist die bequemste Schlussbewegung, die ein Suchtdrama machen kann.

Jules hat eine Szene und kein einziges Wort

Während Ali Rache nimmt, passiert im Hintergrund etwas viel Traurigeres. Jules (Hunter Schafer), in den ersten beiden Staffeln Rues große Liebe, taucht im Finale nur für einen einzigen Moment auf. Sie weint, ohne ein Wort zu sagen. Nicht einmal das Finale macht klar, ob sie überhaupt schon weiß, dass Rue tot ist. Dabei war Jules jahrelang der wichtigste Grund dafür gewesen, dass Rue überhaupt versucht hatte, clean zu bleiben – und gleichzeitig der Mensch, an dessen Verlust sie fast zerbrochen wäre.

euphoria

Diese Liebe zwischen einer süchtigen jungen Frau und einem Transmädchen war eines der eigenständigen Anliegen der Serie. Levinson räumt sie im Finale ohne Erklärung beiseite und schenkt das Schlussbild stattdessen Ali, dem väterlichen Sponsor, der seine „Tochter“ rächt und am Ende mit ihrem Geist am Tisch sitzt, während draußen die zerfetzte amerikanische Flagge weht. Damit teilt nicht Jules den letzten emotionalen Moment der Serie mit Rue, sondern Ali.

Das ist Levinsons Recht als Autor. Aber es ist nicht die Geschichte, die Euphoria sieben Jahre lang zu erzählen versprochen hat. Sieben Jahre lang war Jules der Grund, warum Rue clean werden wollte. Im letzten Bild der Serie sitzt Ali am Familientisch, ohne sie. Eine 4. Staffel, die das noch geraderücken könnte, wird es nicht geben, das hat HBO am Sonntagabend bestätigt.

Euphoria
Euphoria

Euphoria

2019

Die 17-jährige drogenabhängige Rue Bennett hat bereits einen Entzug gemacht hat, doch sie kann die Finger nicht von Drogen lassen. Eine Gruppe von Schülern setzt sich mit Drogen, Sex, Gewalt und Freundschaft auseinander.

Über diese Liste

Titel

1

Gesamtkosten fürs Ansehen

5,98 €

Gesamtlaufzeit

24h 24min

Genres

Drama

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