Dystopische Geschichten faszinieren nicht nur, weil sie düstere Zukunftsbilder entwerfen, sondern weil sie uns in der Gegenwart den Spiegel vorhalten: Was, wenn unsere Gesellschaft an ihren eigenen Versprechen scheitert? Serien wie Silo greifen diese Fragen auf und verkörpern sie mit interessanten Figuren, verwickeln sie in politische Intrigen und moralische Dilemmata.
Ob in unterirdischen Bunkern, endlosen Zügen oder futuristischen Freizeitparks – überall geht es um Wahrheit, Freiheit und die Grenzen des freien Willens. Die folgenden zehn Titel gehören zu den spannendsten Werken dieses Genres, weil sie auf je eigene Weise zeigen, wie fragil Zivilisation ist – und wie stark der Drang nach Selbstbestimmung trotz allem bleibt. Hinweis: Geordnet sind unsere Serienempfehlungen danach, wie ähnlich sie Silo sind.
10. Orphan Black (2013–2017)
Orphan Black ist keine klassische Endzeitserie, passt aber perfekt in eine Liste wie diese: Die kanadische Produktion nimmt biotechnologische Dystopien ins Visier und fragt, wie weit Wissenschaft im Namen des Fortschritts gehen darf. Im Zentrum steht Sarah Manning, die entdeckt, dass sie nicht allein ist – sondern Teil einer ganzen Gruppe genetisch identischer Klone, alle gespielt von der herausragenden Tatiana Maslany.
Zwischen Verschwörungen, dubiosen Konzernen und moralischen Fragen um Identität entwickelt die Serie eine packende Mischung aus Thriller, Mystery und Gesellschaftskritik. Wer Silo wegen der Machtfragen schätzt, findet hier eine persönlichere und psychologisch geladenere Variante davon.
9. Station Eleven (2021–2022)
Station Eleven basiert auf dem preisgekrönten Roman von Emily St. John Mandel und ist eine der “unaufgeregtesten” Dystopien der letzten Jahre. Nach einer verheerenden Pandemie begleitet die Serie eine Gruppe reisender Schauspielerinnen und Musiker, die versuchen, Kultur und Menschlichkeit in den Ruinen der alten Welt zu bewahren.
Anstelle reiner Survival-Action geht es um Erinnerung, die Bewältigung von Verlust und die Frage, welche Geschichten wir über uns selbst erzählen. Mit seiner ruhigen Erzählweise unterscheidet sich Station Eleven deutlich von Serien wie Fallout oder Snowpiercer, wirkt aber gerade deshalb so eindringlich – eine leise, fast tröstliche Postapokalypse.
8. Upload (seit 2020)
Greg Daniels (The Office) erzählt in Upload eine Zukunft, in der das Jenseits ein Geschäftsmodell ist: Wer genug Geld hat, kann sein Bewusstsein nach dem Tod in eine digitale Luxuswelt hochladen. Wer arm ist, landet in einer pixeligen Billigversion. Robbie Amell spielt den frisch Verstorbenen Nathan, der lernen muss, mit den Absurditäten seines neuen Daseins umzugehen.
Die Serie ist deutlich zugänglicher und leichtfüßiger als Silo oder Westworld, aber ähnlich scharf in ihrer Kapitalismuskritik. Zwischen Satire und Rom-Com erzählt Upload eine Dystopie, die so humorvoll wie bitter ist – ein perfekter Kontrast zu den ernsteren Endzeit-Serien.
7. Fallout (seit 2024)
Die Adaption der gleichnamigen Kult-Videospielreihe war eine kleine Sensation: Fallout gelingt, was Gaming-Umsetzungen selten schaffen – sowohl Fans der Vorlage als auch Neulinge zu überzeugen. Jonathan Nolan und Lisa Joy inszenieren eine Welt, in der Überlebende in „Vaults“ hausen, während draußen verstrahlte Ruinen, Mutanten und Plünderer warten. Walton Goggins glänzt als Cowboy-Ghoul, Ella Purnell trägt als naive, dann zunehmend abgeklärte Heldin Lucy die Geschichte.
Was die Serie stark macht, ist ihr Ton: bitterböse Satire trifft auf brutale Action und durchdachte Gesellschaftskritik. In der Tradition von Mad Max und Dr. Seltsam ist Fallout zugleich absurd, politisch und berührend.
6. Tales from the Loop (2020)
Basierend auf den Gemälden des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag ist Tales from the Loop eine der poetischsten Dystopien der letzten Jahre. Jede Episode erzählt eine eigene Geschichte, verbunden durch ein geheimnisvolles Forschungsinstitut, das die Realität verändert. Jonathan Pryce und Rebecca Hall verleihen der Serie zusätzlich Gewicht.
Tales from the Loop setzt weniger auf Action, sondern auf Stille, Melancholie und Fragen nach Zeit und Erinnerung. Mit nur acht Episoden bleibt sie kompakt, wirkt aber nach – wie eine meditative Sci-Fi-Version von Black Mirror, allerdings wärmer und tiefgründiger.
5. The Handmaid’s Tale (2017–2025)
Kaum eine Serie hat das dystopische Erzählen in den vergangenen Jahren stärker im Mainstream verankert: The Handmaid’s Tale, basierend auf Margaret Atwoods Roman, zeigt die theokratische Diktatur Gilead, in der Frauen entrechtet und zu Gebärmaschinen degradiert werden. Elisabeth Moss trägt die Rolle der Offred/June mit enormer Intensität. Über sechs Staffeln entfaltet sich ein bedrückendes Bild religiös verbrämter Unterdrückung.
Wie in Silo geht es um Kontrolle und Wahrheit, hier allerdings aus ausdrücklich feministischer Perspektive. Die Serie ist unbequem, oft schwer auszuhalten – aber genau darin liegt ihre Stärke: eine Warnung, wie fragil Freiheit und Gleichberechtigung sein können.
4. The Last of Us (seit 2023)
Kaum eine Videospieladaption wurde so sehnsüchtig erwartet – und kaum eine hat die Erwartungen derart übertroffen wie The Last of Us. Die Serie basiert auf dem gefeierten Naughty-Dog-Spiel gleichen Namens und erzählt von Joel (Pedro Pascal) und Ellie (Bella Ramsey), die durch ein von einer Pilzinfektion zerstörtes Amerika ziehen. Was wie ein klassisches Zombie-Setting klingt, entfaltet sich als intensive Charakterstudie über Verlust, Vertrauen und die Suche nach Hoffnung in einer zerfallenen Welt.
Anders als in actionlastigen Dystopien rückt auch hier das Zwischenmenschliche in den Mittelpunkt. Mit seiner emotionalen Tiefe und atmosphärischen Inszenierung gilt The Last of Us schon jetzt als neuer Genre-Meilenstein.
3. Snowpiercer (2020–2024)
Bong Joon-hos Filmklassiker diente als Vorlage, die Serie dehnt die Idee aus: Ein Zug rast durch eine vereiste Erde, letzter Zufluchtsort der Menschheit. Jennifer Connelly und Daveed Diggs spielen Gegenspieler in einem Klassenkampf, der vorn Luxus, hinten Elend bedeutet. Snowpiercer erzählt so eindringlich wie Silo vom Spannungsfeld aus Kontrolle und Auflehnung. Manchmal leidet die Serie an Wiederholungen, doch ihre Allegorie auf soziale Ungleichheit bleibt scharf.
In mittlerweile vier Staffeln hat sie genug Raum, die Machtkämpfe innerhalb des Zuges immer wieder neu aufzurollen. Sie zeigt: Wenn die Welt am Ende ist, bleiben alte Hierarchien erstaunlich zäh.
2. Westworld (2016–2022)
Kaum eine Serie hat die Diskussion um künstliche Intelligenz so stilbildend geprägt wie Westworld. Basierend auf Michael Crichtons Filmklassiker von 1973, schufen Jonathan Nolan und Lisa Joy einen Sci-Fi-Westernpark, in dem Androiden (sogenannte Hosts) zunehmend Bewusstsein entwickeln. Evan Rachel Wood, Thandiwe Newton und Jeffrey Wright führen ein exzellentes Ensemble an, während Anthony Hopkins als undurchsichtiger Schöpfer die Serie veredelt.
Mit jeder Staffel verschiebt sich der Fokus: vom Vergnügungspark zum freien Willen, schließlich zu Machtkämpfen zwischen Mensch und Maschine. Westworld ist fordernd, oft überkomplex – aber visuell und philosophisch eines der ambitioniertesten Serienprojekte der letzten Dekade. Vor allem die erste Staffel lässt sich zweifellos als Meisterwerk bezeichnen.
1. Severance (seit 2022)
Eine der originellsten Dystopien der letzten Jahre: Severance von Dan Erickson zeigt ein Unternehmen, das Angestellten anbietet, Arbeit und Privatleben chirurgisch zu trennen. Adam Scott spielt einen „getrennten“ Mitarbeiter, der sich tagsüber nicht an sein Privatleben erinnern kann – und nach Feierabend nichts von seiner Arbeit weiß. Was zunächst wie radikale Work-Life-Balance wirkt, entpuppt sich als perfides Machtinstrument.
Die sterile Ästhetik, unheimlich-mysteriöse Büroszenarien und ein Cast um John Turturro, Patricia Clarkson und Christopher Walken verstärken die Atmosphäre. Wie Silo stellt die Serie die Frage: Was opfern wir für (emotionale) Sicherheit – und was macht uns eigentlich zu ganzen Menschen?







































































































































































































































