
Das vergessene „Baywatch“-Spin-off, das David Hasselhoff zum Alienjäger machte
Vom Knight Rider zum Rettungsschwimmer zum …Alienjäger? Auf dem Höhepunkt seines Ruhms zog Baywatch nach Angaben der Produzenten weltweit mehr als eine Milliarde Zuschauer vor die Bildschirme und machte David Hasselhoff zur globalen Fernsehikone in roter Badehose. Was kaum jemand mehr weiß: Dieselbe Serie brachte ein zweites Spin-off hervor, das mit Sonne, Sand und Rettungsschwimmern nichts mehr zu tun hatte.
Baywatch Nights startete 1995 als Krimiserie über einen Rettungsschwimmer, der nachts als Privatdetektiv arbeitet, und verwandelte sich in seiner zweiten Staffel in eine Jagd auf Aliens, Seemonster und Vampire. Es ist einer der seltsamsten Kurswechsel der Fernsehgeschichte – und ein fast vergessenes Kuriosum.
Wie aus einer Detektivserie am Strand eine Jagd auf das Übernatürliche wurde, ist eine Geschichte über Quotendruck, dreiste Nachahmung und die grenzenlose Bereitschaft eines Stars, sich auf jeden Unsinn einzulassen. So kam es dazu.
Als Mitch Buchannon Detektiv werden durfte
Die Idee hinter Baywatch Nights war zunächst bodenständig. Mitch Buchannon, Hasselhoffs Figur aus der Mutterserie, sollte zeigen, was am Strand von Malibu passiert, wenn die Sonne untergeht. Entwickelt wurde der Ableger von den Baywatch-Machern Michael Berk, Douglas Schwartz und Gregory J. Bonann gemeinsam mit Hasselhoff selbst, der auch die Hauptrolle übernahm.
In der ersten Staffel eröffnet der aus der Ursprungsserie bekannte Sergeant Garner Ellerbee während einer Midlife-Crisis eine Detektei; sein Freund Mitch hilft ihm dabei, an der Seite der jungen Ermittlerin Ryan McBride, gespielt von einer damals noch unbekannten Angie Harmon. Das Büro liegt über dem Nachtclub Nights. Tagsüber Rettungsschwimmer, nachts Detektiv: Die Produktion war so gebaut, dass Hasselhoff beide Serien parallel stemmen konnte. Der Ton war Film noir, angelehnt an die harten Privatdetektive alter Kriminalromane – von Außerirdischen erst einmal keine Spur.
Wie „Akte X“ die Serie ins All katapultierte
Doch die Quoten blieben hinter jenen der Mutterserie zurück, und die erste Staffel enttäuschte die Erwartungen. Zur selben Zeit eroberte eine andere Serie das amerikanische Fernsehen: Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI war zum Phänomen geworden, und mit ihm die Lust des Publikums am Paranormalen. Die Produzenten von Baywatch Nights zogen die radikalste denkbare Konsequenz: Sie krempelten ihre Krimiserie für die zweite Staffel komplett um.
Garner Ellerbee verschwand, an seine Stelle trat Diamont Teague, ein Experte für übernatürliche Phänomene, gespielt von Dorian Gregory. Aus Gangsterjagd wurde Monsterjagd, aus dem Detektivbüro eine Anlaufstelle für das Unerklärliche. Es war eine der größten Genre-Verschiebungen, die das Fernsehen der Neunziger erlebte – ein durchsichtiger, aber konsequenter Versuch, vom Erfolg des Konkurrenten zu profitieren.
Seemonster, Wikinger und ein Schwertkampf mit dem Besen
Was dann folgte, spottete fast jeder Beschreibung. Die zweite Staffel eröffnete standesgemäß mit einem Seemonster – immerhin ein Rest Wasserbezug, der an Mitchs alten Beruf erinnerte. Doch schon bald ging es weiter mit allerlei Sagenhaftem. Etwa mit Hexen, Vampiren, einer ägyptischen Mumie und Außerirdischen.
In einer Episode namens Frozen Out of Time bekommt Buchannon es mit zwei wiederauferstandenen Wikingern zu tun, und die Folge endet damit, dass Hasselhoff sich mit einem Besen ein Schwertgefecht liefert. Wenige Wochen später jagt das Team einen Werwolf. Kritiker verglichen das Ganze mit einer trashigen Neuauflage von Kolchak: Der Nachtjäger (1974), dem Urahn aller paranormalen TV-Ermittler. Skurril war auch, dass all das parallel lief, während Hasselhoff in Baywatch weiter den geerdeten Rettungsschwimmer gab, der tagsüber mit Aliens nichts zu tun hatte.
Warum das Kuriosum bis heute fasziniert
Gerettet hat der Schwenk die Serie nicht. Die Quoten blieben schwach, und nach zwei Staffeln und 44 Episoden war am 16. Mai 1997 Schluss. Baywatch Nights gilt bis heute als eines der glücklosesten Spin-offs der Fernsehgeschichte, ein echter Flop. Und doch hat sich um die zweite Staffel eine kleine, treue Kultgemeinde gebildet, die genau das feiert, was den Rest des Publikums damals vergraulte: die schamlose Bereitschaft, jede Woche das Nächstverrücktere zu wagen.
In Deutschland lief die Serie ab Juli 1996 bei Sat.1. Heute wirkt Baywatch Nights wie ein faszinierendes Relikt der Neunziger – aus einer Zeit, in der Fernsehserien ohne Rücksicht auf Genregrenzen experimentierten und das gestrige Kassengift zum Kult von morgen werden konnte. Selbst David Hasselhoff, der mit Knight Rider (1982) bereits ein sprechendes Auto an seiner Seite gehabt hatte, schien für jede Absurdität zu haben.






















