
Ohne dieses Nein zu „Star Wars“ gäbe es He-Man nicht
In den deutschen Kinos läuft seit dem 4. Juni der erste große He-Man-Film seit fast vierzig Jahren: Masters of the Universe (2026). Dass es aber überhaupt einen muskelbepackten Krieger namens He-Man gibt, hat erstaunlich direkt mit Star Wars zu tun. Genauer gesagt mit der Tatsache, dass Mattel 1976 Nein zu George Lucas gesagt hat und das anschließend so teuer wurde, dass das Unternehmen sich eine eigene Heldenwelt aus dem Boden stampfen musste.
Ein 750.000-Dollar-Nein, das alles veränderte
1976 zog George Lucas mit einem Drehbuch durch die Spielzeugbranche und versuchte, einen Hersteller für seine Weltraumsaga zu finden. Hasbro winkte ab. Mego, damals der größte Produzent von Superhelden-Spielfiguren, sah keinen Markt. Mattel, immerhin Heimat von Barbie und damit eines der größten Spielzeugunternehmen der Welt, schickte Lucas mit derselben Begründung wieder weg. Ray Wagner, der damalige Mattel-Chef, soll die Forderung von 750.000 Dollar zu hoch gefunden haben. Im Spielzeugmarkt galt damals als Gesetz, dass Kinofilme keine guten Spielzeugreihen hergeben, weil Filme nach drei Monaten aus den Köpfen verschwinden, und die Branche wartete deshalb lieber auf eine erfolgreiche Fernsehserie, bevor sie Plastik hinterher produzierte.

Den Zuschlag bekam dann ausgerechnet Kenner, eine kleine Firma aus Cincinnati, und verwandelte sich in den Folgejahren in eine Goldgrube. Mattel hatte eine historische Chance verpasst und versuchte mit halbgaren Eigenideen, zurück ins Geschäft mit jungen männlichen Käufern zu finden - keine dieser Linien zündete.
Aus Knetmasse wird eine Marke, die Mattel rettet
In dieser Lage griff der Designer Roger Sweet in Mattels Designabteilung zu einer vorhandenen Spielfigur namens Big Jim, klebte sie in eine breitbeinige Kampfpose, drückte ihr mit Knetmasse zusätzliche Muskeln an den Körper und legte das Ergebnis seinen Vorgesetzten auf den Tisch. Drei Versionen derselben Gestalt zeigte er ihnen: als Barbar, als Raumfahrer und als Soldat. Sein Verkaufsargument an Wagner war ungefähr dieses: Du musst diese Gestalt nicht in eine bestimmte Welt einsortieren, denn sie funktioniert überall, solange sie die stärkste Spielfigur im Regal ist.

Wagner gab grünes Licht, und aus dem Knetklumpen wurde ab 1982 die Spielzeuglinie „Masters of the Universe“, ein Kosmos mit Skeletor, Teela, Man-At-Arms und der mystischen Burg Grayskull. Andere bei Mattel haben rückblickend ebenfalls beansprucht, He-Man miterfunden zu haben, darunter der Designer Mark Taylor, der dem Barbaren seine konkrete Form gab, und die spätere Mattel-Chefin Jill Barad. Der Streit darüber zog sich durch Sweets restliches Berufsleben. Bitter wurde er dadurch, dass Sweet als fest angestellter Designer keinerlei Anspruch auf Tantiemen hatte und an Mattels späteren Milliardenumsätzen nicht beteiligt war.
Zeichentrick-Coup und schneller Absturz
Der eigentliche Coup von Mattel lief parallel zum Spielzeugverkauf über den Bildschirm. 1983 startete in Zusammenarbeit mit dem Studio Filmation die Zeichentrickserie He-Man and the Masters of the Universe (1983) über Prinz Adam und seine Verwandlung in den mächtigsten Krieger des Universums. Die Reihenfolge war allerdings neu: Bis dahin schoben Spielzeughersteller Plastik erst nach, wenn eine Serie oder ein Film bereits Erfolg hatte. Mattel kehrte die Logik um und produzierte eine 22-minütige Dauerwerbesendung für die eigene Spielzeuglinie, fünf Nachmittage pro Woche. Damit hatte das Unternehmen die eigene Begründung für das Star-Wars-Nein nachträglich kassiert. Bildschirminhalte verkauften sehr wohl Spielzeug, man musste die Reihenfolge nur umdrehen. Marken wie Transformers oder G.I. Joe kopierten das Prinzip wenig später.

1986 erreichte die Spielzeuglinie in den USA Umsätze von 400 Millionen Dollar. Ein Jahr später kollabierte sie um 98 Prozent, weil Mattel den Markt mit zu vielen neuen Spielfiguren geflutet hatte und der gleichnamige Realfilm mit Dolph Lundgren 1987 die Reste der Begeisterung vollends erledigte.
Vom Plastikkörper zum Hollywood-Body
He-Man hat aber auch ein Körperideal hinterlassen, das im Vergleich zu Barbie auffallend unbeschadet durch die Jahrzehnte gekommen ist. Während Barbies Proportionen längst Streitfall des feministischen Diskurses sind, ist He-Mans aufgepumpter Oberkörper weitgehend unbeanstandet in die Welt erwachsener Männer ausgewandert. Die absurden Plastikproportionen von 1982 sehen heute aus wie Henry Cavill in Man of Steel (2013) oder Hugh Jackman als Wolverine (2013), also wie das, was Hollywood-Schauspieler vor jeder Superheldenrolle aufbauen müssen. Wie groß Mattels Anteil daran ist, lässt sich nicht beziffern, aber dass diese Spielfigur jahrzehntelang in Kinderzimmern stand, hat mitgeprägt, wie eine ganze Generation Männlichkeit zu bewundern gelernt hat.
Mit Nicholas Galitzine als Prinz Adam, Jared Leto als Skeletor und Idris Elba als Man-At-Arms tritt jetzt der neue Kinofilm an, eine Marke wiederzubeleben, deren Existenz Lucas und ein zu sparsamer Mattel-Chef gemeinsam ausgelöst haben. Galitzine hat in Interviews davon gesprochen, wie hart die körperliche Vorbereitung war und dass er dabei Phasen von Körperdysmorphie erlebt hat. Sweet ist wenige Wochen vor dem deutschen Kinostart gestorben. Den Film hat er nicht mehr gesehen. Verdient hätte er an ihm ohnehin nichts.


























