
Von „Servant" bis „Nightborn": Rupert Grints überraschende Horror-Rollen
Für die meisten Menschen wird Rupert Grint wohl für immer Ron Weasley bleiben, der treue beste Freund aus den acht Harry Potter-Filmen (2001–2011), bekannt für sein schiefes Grinsen und seine Angst vor Spinnen. Umso surrealer wirkt im ersten Moment der Anblick, der Grint ab Anfang August in den Kinos erwartet: ein blutverschmiertes Gesicht, ein Baby im Arm, das im Dunkeln besser sieht als am Tag.
Doch wer Grints Karriere der letzten Jahre verfolgt hat, wundert sich längst nicht mehr. Der Schauspieler hat sich, fast unbemerkt vom großen Scheinwerferlicht, eine zweite Karriere als Horror-Stammgast aufgebaut.
Warum ausgerechnet Horror?
Grint selbst hat sich zu dieser Vorliebe für düstere Stoffe geäußert und seine Horror-Rollen offen als Gegenentwurf zu seiner bekanntesten Figur beschrieben: „Das widerspricht schon der Wärme von Ron“, sagte er über seine jüngeren Genre-Projekte.

Angefangen mit dem familiären Grusel in Servant hat er sich Stück für Stück von hellen, sympathischen Rollen entfernt. Ob als Nächstes wieder etwas Wärmeres kommt, bleibt offen. Aktuell jedenfalls steht Grint für A Christmas Carol vor der Kamera, in dem er Bob Cratchit an der Seite von Johnny Depp als Ebenezer Scrooge spielt, was zumindest nach einer Rückkehr zu etwas mehr Festtagsstimmung klingt.
Mit dem Folk-Horror-Film Nightborn (2026), der am 6. August in die deutschen Kinos kommt, bleibt Rupert Grint dem Horror-Genre aber vorerst treu. Höchste Zeit, einen Blick auf diese Horror-Filmografie zu werfen, die mittlerweile beeindruckend gewachsen ist.
2019 entschied sich Grint gegen weitere Kinorollen und für die Hauptrolle in der Apple TV+-Serie Servant (2019), einem psychologischen Mystery-Format von M. Night Shyamalan, der hier als ausführender Produzent fungierte und auch mehrere Episoden inszenierte. Grint spielt darin Julian Pearce, den scharfzüngigen kleinen Bruder von Dorothy Turner (Lauren Ambrose), einer jungen Mutter, die nach einer Tragödie offenbar den Verstand verliert und sich weigert, den Tod ihres Babys zu akzeptieren.
Als ein mysteriöses Kindermädchen namens Leanne (Nell Tiger Free) einzieht, beginnt sich das Familienleben der Turners in etwas zutiefst Unheimliches zu verwandeln. Julian beobachtet das Geschehen die ganze Zeit über mit offenem Misstrauen, ohne dass die Serie lange verrät, ob seine Zweifel berechtigt sind oder er selbst Teil des Problems ist. Vier Staffeln lang blieb Grint dieser Rolle treu, weit entfernt von allem, wofür Ron Weasley einmal stand.
Während Servant noch lief, fand Grint 2022 Zeit für einen Abstecher in eine ganz andere Horror-Welt: die Netflix-Anthologie Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities (2022), in der jede Folge eine eigenständige, in sich geschlossene Geschichte erzählt.
In der Episode „Dreams in the Witch House“, die auf einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft basiert, spielt Grint den Spiritualisten Walter Gilman, der seit dem Tod seiner Zwillingsschwester im Kindesalter besessen davon ist, eine Verbindung ins Jenseits zu finden. Die Suche führt ihn schließlich in ein Haus, in dem eine längst hingerichtete Hexe ihr Unwesen treibt. Es war ein kurzer, aber intensiver Auftritt, der zeigte, dass Grint auch im reinen Genre-Schocker bestehen kann, fernab vom subtileren Grusel einer Serie wie Servant.
2023 kehrte Grint mit Knock at the Cabin (2023) zurück ins Kino, der nächsten Zusammenarbeit mit M. Night Shyamalan und zugleich seiner ersten Kinorolle seit fast zehn Jahren. Die Geschichte, basierend auf dem Roman „Das Haus am Ende der Welt“ von Paul Tremblay, dreht sich um ein Paar (gespielt von Jonathan Groff und Ben Aldridge) und seine kleine Tochter, die in einer abgelegenen Waldhütte im Urlaub von vier bewaffneten Fremden überfallen werden. Diese behaupten, die Familie müsse sich freiwillig für ein Opfer entscheiden, um eine drohende Apokalypse abzuwenden.
Neben Dave Bautista, der die Gruppe anführt, gehört Grint zu diesen vier Eindringlingen, deren Geschichte zwischen Wahn und Wahrheit changiert, ohne dass der Film lange verrät, wem man eigentlich glauben soll. Es ist der bislang düsterste Charakter seiner Karriere, einer, dem man kaum zutraut, dass er einmal Quidditch gespielt hat.
Nach Knock at the Cabin dauerte es noch einmal mehrere Jahre, bis Grint für eine weitere Filmrolle vor die Kamera trat. Mit Nightborn wählte er dafür einen Folk-Horror-Stoff der finnischen Filmemacherin Hanna Bergholm, die mit ihrem ersten Langfilm Hatching (2022) bereits bewiesen hat, wie meisterhaft sie Body-Horror mit familiären Abgründen verknüpfen kann. Nightborn spielt tief in den finnischen Wäldern, wo Grint den Briten Jon spielt, der gemeinsam mit seiner finnischen Frau Saga (Seidi Haarla) in deren altes Elternhaus zieht, um dort eine Familie zu gründen.
Kurz nach der Geburt ihres Sohnes ist Saga überzeugt, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt, während ihr Umfeld diese Sorge als gewöhnliche Überforderung einer jungen Mutter abtut. Der Film feierte im Februar seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale, wo er als bislang einziger reiner Genrefilm überhaupt eingeladen wurde. Grint spielt darin einen Ehemann, der zwischen Fürsorge für seine Frau und wachsender Hilflosigkeit aufgerieben wird, während um ihn herum eine Geschichte über die dunkelste Seite der Mutterschaft eskaliert.




























