
Wie „Strange New Worlds“ das „Star Trek“-Franchise wieder auf Kurs brachte
Wenn du in den vergangenen zehn Jahren ein paar Mal versucht hast, eine neue Star-Trek-Serie zu schauen, kennst du das Gefühl: Innerhalb von zwei Folgen kollabiert die Welt, jemand stirbt, jemand weint, jemand erklärt einen langen Backstory-Block, und am Ende der Staffel hat man genau einen Story-Bogen abgearbeitet, der die Galaxie gerettet hat. So sah Star Trek nach 2017 aus. So hatte sich kein einziger Fan Star Trek vorgestellt. Dann kam 2022 Star Trek: Strange New Worlds, und plötzlich war alles wieder da, was die Serie eigentlich ausmacht. Jetzt, vor dem Start der vierten Staffel am 23. Juli und nach der Ankündigung, dass die fünfte und letzte Staffel bereits abgedreht ist, ist ein guter Moment, um zu erklären, warum das wichtig war.
Was vor „Strange New Worlds“ schiefgelaufen war
Alex Kurtzman wurde 2018 zum obersten Chefarchitekten des Star-Trek-Universums gemacht. Er hatte vorher J.J. Abrams’ Kinofilme mitverantwortet, was schon ein gemischtes Signal war. Die Serien, die er auf Paramount+ produziert hat, haben das Franchise breit aufgestellt, aber kaum eine davon hat verstanden, wie Star Trek strukturell funktioniert.
Star Trek: Discovery (2017–2024) war eine durchserialisierte Prestige-Variante mit dauernder Apokalypse-Stimmung, Michael Burnham und den tränenreichen Monologen im Zentrum, einem Klingonen-Redesign, das niemand wollte, und einem Tempo, das mehr nach Battlestar Galactica als nach Roddenberry klang. Star Trek: Picard (2020–2023) sollte ein Spätwerk werden und wurde drei Staffeln lang ein Drama über einen alten Mann mit Vorwürfen an sich selbst.
Erst die dritte Staffel zog die Notbremse und holte das Next-Generation-Ensemble zurück. Da war es schon fast zu spät. Star Trek: Lower Decks (2020–2024) war als animierte Comedy gut, aber für ein Nischenpublikum gemacht. Was fehlte, war eine Serie, die einfach das macht, wofür Star Trek erfunden wurde: jede Woche ein Planet, ein Problem, eine moralische Frage, und am Ende geht das Schiff weiter.
Was diese Serie anders macht
Akiva Goldsman und Henry Alonso Myers, die beiden Showrunner, haben sich entschieden, die alte Formel ernst zu nehmen, statt sie zu unterlaufen. Strange New Worlds spielt rund sechs Jahre vor Raumschiff Enterprise, auf demselben Schiff, mit einer jüngeren Version von Spock (Ethan Peck), aber unter dem Kommando von Captain Christopher Pike. Jenem Pike, der im Original-Pilotfilm von 1964 schon mal Captain war, bevor Kirk übernahm. Anson Mount spielt ihn als ruhigen, integren, leicht melancholischen Mann, der weiß, dass er in einigen Jahren einen Unfall haben wird, der ihn dauerhaft verletzen wird – die Vorgeschichte ist Trek-Lore aus Discovery, Staffel 2. Er weiß es, und er macht trotzdem seinen Job.
Diese Konstellation, ein Anführer, der seinen tragischen Endpunkt kennt und trotzdem optimistisch handelt, ist das Herzstück der Serie und schon allein eine erzählerische Idee, mit der man arbeiten kann. Strukturell macht die Serie aber noch etwas Größeres: Die Folgen erzählen für sich. Eine Folge spielt im Märchenwald, in dem ein außerirdisches Bewusstsein die Crew gefangen hält. Eine Folge ist ein Musical („Subspace Rhapsody“, Staffel 2, Episode 9), in dem alle Figuren plötzlich singen müssen, weil ein quantenphysikalisches Phänomen die Realität verändert. Eine Folge ist ein Crossover mit der Animationsserie Lower Decks, in dem zwei animierte Ensigns versehentlich in den Live-Action-Modus geraten und Jack Quaid und Tawny Newsome leibhaftig auftauchen. Eine weitere Folge ist ein Gerichtsdrama, eine andere ein Body-Horror-Stück, eine dritte eine klassische Star-Trek-Erstkontaktgeschichte mit ethischem Dilemma.
Dieses genrespringende Vorgehen funktioniert nur, weil das Drehbuch jedes Mal weiß, was es will. Es funktioniert auch nur, weil das Ensemble trägt: Rebecca Romijn als Una Chin-Riley (Nummer Eins), Celia Rose Gooding als junge Uhura, Jess Bush als Christine Chapel, Christina Chong als La'An Noonien-Singh (mit Khan-Verbindung im Stammbaum), Babs Olusanmokun als Dr. M'Benga, Melissa Navia als Steuerfrau Erica Ortegas, ab Staffel zwei Paul Wesley als junger Kirk.
Warum das Franchise das gebraucht hat
Die Zahlen sprechen das Offensichtliche aus: 94 Prozent bei Rotten Tomatoes, der beste Wert der modernen Trek-Serien, der meistgesehene Start einer Star-Trek-Original-Serie in der Geschichte von Paramount+. Wichtiger ist, was diese Zahlen über die Fanbase sagen. Es gibt eine ganze Generation an Trekkies, die mit The Next Generation (1987–1994) groß geworden ist und seither verzweifelt darauf wartet, dass Trek wieder Trek wird. Diese Leute haben sich Discovery angeschaut und sind nach drei Folgen abgesprungen. Sie wollten kein Prestige-Drama, sie wollten eine Crew, die sich mag, einen Captain, der nicht in Tränen ausbricht, und ein Drehbuch, das eine Idee pro Folge sauber durchspielt, statt eine Idee pro Staffel zu verzetteln.
Strange New Worlds hat diese Leute zurückgeholt. Das ist die Rettung einer Marke, die selbst nicht mehr wusste, was sie sein wollte. Kritik gibt es selbstverständlich. Manchen Fans ist das Genre-Hopping zu wild (die Vulkanier-Komödienepisode Four-And-A-Half Vulcans in Staffel drei hat polarisiert), und die Verschiebung von Spock und Chapel zu einem Beziehungsdrama hat ein Publikum gestört, das so etwas eher bei CW erwartet. Auch der Umstand, dass Showrunner Goldsman einige Trek-Kanonbruchstellen in Kauf nimmt, lässt eingefleischte Trekkies regelmäßig schäumen. Anders gesagt: Wer fünf Staffeln einer Star-Trek-Serie produziert und am Ende nur Lob einkassiert, hat irgendwo geschummelt.
Staffel vier startet im Juli 2026, Staffel fünf wird die letzte sein, mit nur sechs Episoden – weniger, als Fans gehofft haben. Akiva Goldsman hat angedeutet, dass es einen geordneten Übergang Richtung Original Series geben wird, mit allem, was das bedeutet: Kirk übernimmt das Kommando, Pike geht in seine bekannte Tragödie, Spock wird der Spock, den seit 1966 alle kennen. Ob die finale Staffel das hinbekommt, ist offen. Sicher ist nur: Ohne Strange New Worlds wäre die Marke Star Trek heute in einem schlechteren Zustand. Eine einzige Serie hat ein ganzes Franchise wieder auf Kurs gebracht. Das passiert selten.

































