Weder tot noch lebendig, weder Mensch noch Monster – Zombies haben sich ohne Frage einen festen Platz in der Popkultur gesichert und sind dort buchstäblich nicht totzukriegen. Waren die schaurigen Geschöpfe einst ausschließlich dem Horrorfilmgenre vorbehalten und dort vor allem in der Splatter- und Gore-Ecke zu finden, so hat sich ihre Präsenz bis heute stark aufgefächert.
Ob Hollywood-Blockbuster wie World War Z (2013), ob Serien-Franchises wie The Walking Dead (2010), ob Arthouse-Varianten wie Only Lovers Left Alive (2013), ob teeniegerechte Unterhaltung wie Zombies – Das Musical (2018): Das Zombiemotiv erfindet sich immer wieder neu. Um es in seiner Sprache zu sagen: Es infiziert so ziemlich alle Genres und Subgenres und sorgt auf diese Weise dafür, sich stetig weiter auszubreiten.
Wenn auch das eigentliche Zombiemotiv erstmals 1932 im B-Movie-Horror auftauchte, so gilt doch Filmemacher George A. Romero eindeutig als der Ursprung des modernen Zombiefilms. An Romeros ab 1968 gesetzte Standards orientieren sich alle nachfolgenden Filme – sei es, weil sie daran anknüpfen, oder weil sie sich davon absetzen.
Für alle, die sich einen Überblick über das weitläufige Zombiemotiv verschaffen wollen, stellen wir nachfolgend die zehn besten Filme aller Zeiten etwas ausführlicher vor – zehn weitere Filmtipps folgen unten im Guide. Wer etwas mehr über Zombiefilme der letzten zehn Jahre wissen möchte, findet hier weitere spannende Filme.
1. Die Nacht der lebenden Toten (1968)
Ehre, wem Ehre gebührt: George A. Romeros legendärer Debütfilm, den er mit geliehenem Geld 1968 in den USA in Schwarzweiß drehte, darf diese Liste natürlich anführen. Denn Die Nacht der lebenden Toten gilt als die Geburtsstunde des modernen Zombiefilms. Möglich wurde er auch, weil das alte Hollywood mit seinen restriktiven und strengen Regeln kollabiert war und eine junge Generation von Filmschaffenden neue Wege gehen konnte. Im Zuge dieser als New Hollywood bekannt gewordenen Strömung wurde es nicht nur möglich, sondern auch gewertschätzt, dass Romero für den Zombie-Ausbruch, der ihn in seiner filmischen Arbeit ein Leben lang begleitete, keinerlei Erklärungen lieferte. Die Gruppe Eingeschlossener, die sich im Film gegen die Zombies zur Wehr setzen muss und wie ein Mikrokosmos der US-Bevölkerung wirkt, kämpft nicht nur gegen ein unerklärlich Böses – dieses Böse bleibt am Ende auch bestehen, unsere Identifikationsfiguren können nichts dagegen ausrichten. Gore-Elemente spielen hier noch eine eher untergeordnete Rolle. Der Film schockiert in seinen 96 Minuten vielmehr mit dieser grunddüsteren Ausrichtung und Atmosphäre, die – zumindest in Hollywood – zuvor undenkbar gewesen wäre.
2. Zombie (1978)
Auch Platz 2 darf George A. Romero für sich beanspruchen. Sein Dawn of the Dead (deutscher Titel: Zombie) stellt nach Die Nacht der lebenden Toten den zweiten Film seiner „Living Dead”-Reihe dar und löste aufgrund seines großen Erfolgs eine erste große Zombiefilmwelle aus. Anders als bei seinem Vorgänger, bilden die von Tom Savini gestalteten Gore-Elemente hier eine wichtige Ebene der Inszenierung. Sie sind Teil der Allegorie, die der Film auf so erfrischende Weise öffnet, indem er das Zombiemotiv als Kapitalismuskritik erzählt und die Konsumlust des modernen Menschen persifliert. Romero treibt dieses Bild auf zahlreiche ikonische Spitzen, u.a. mit einer absurden Tortenschlacht sowie weiteren Motiven der Konsumgesellschaft, die er in den Horrorkontext einbettet. Für seine Wirkung von elementarer Bedeutung ist zudem die atmosphärische Musik der italienischen Band Goblin, die Dario Argento für den Film vermittelte.
3. 28 Tage später (2002)
Danny Boyles 2025 mit 28 Years Later noch einmal fortgesetzter moderner Klassiker verdient sich Platz drei aus vielerlei Gründen. In erster Linie aber deshalb, weil er dem in die Jahre gekommenen Zombiemotiv kurz nach der Jahrtausendwende neues Leben einzuhauchen vermochte – und das nicht nur durch sprintende Zombies. Ähnlich wie einst George A. Romero versuchte sich auch Boyle daran, mit vergleichsweise niedrigem Budget eine eindrückliche apokalyptische Welt zu gestalten. Gelungen ist ihm das insbesondere in der Zusammenarbeit mit Kameramann Anthony Dod Mantle. In jenen frühen Jahren der Digitalisierung haben sie für den Film mit der MiniDV-Kamera getestet und so einen nicht nur eigenwilligen und damals auf seltsame Weise realistisch wirkenden Look geschaffen, sondern sich auch von großem technischen Aufwand verabschiedet. Das u.a. ermöglichte ihnen, im Morgengrauen jene legendär gewordene Anfangssequenz im vollkommen ausgestorbenen London zu drehen – mit kleinem Besteck und ohne aufwendige Absperrungen. So gelangen ihnen ein 113 Minuten dauernder unbehaglicher Endzeitalptraum.
4. Ein Zombie hing am Glockenseil (1980)
Der italienische Regisseur Lucio Fulci ist eine Legende des Splatter- und Gore-Films und beherrschte mit seinen Horrorvisionen das Genre der 1980er Jahre. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört zweifellos City of the Living Dead, der in Deutschland den albernen Titel Ein Zombie hing am Glockenseil erhielt. Was den Film von anderen Zombiefilmen abhebt, ist seine extrem atmosphärische Erzählweise, mit der Fulci eine reale und eine mystische Welt entwirft und beide beständig und alptraumartig überlappen lässt. Ob die Zombie-Ebene real ist oder nicht, bleibt im Unklaren – sehr real für die Figuren ist auf jeden Fall die Gewalt, die uns Fulci in krasser Gore-Manier recht drastisch zeigt. Unerlässlich für die eindringliche Atmosphäre sind Fabio Frizzis intensiver und beklemmender Elektro-Score sowie Sergio Salvatis tolle Kamera. Wie in den Italowestern, die er gedreht hat, zoomt Salvati immer wieder leinwandfüllend auf Augenpaare, die Angst und Terror spiegeln und in einem Moment des Horrors einen Schwall von Blut weinen. Ein enorm atmosphärischer Grusel, der sich mit den Ekelmomenten zu sehr wirkungsvollem Horror verbindet. Im Januar 2025 übrigens ist der Film nach rund 40 Jahren in Deutschland vom Index genommen worden.
5. Braindead (1992)
Peter Jacksons Braindead ist so viel mehr als ausschließlich ein Zombiefilm: Trotzdem hat er sich seinen Platz in dieser Liste verdient, denn er bedient sich großzügig bei den gängigen Zombiemotiven, um dann daraus etwas komplett eigenes zu machen – und zwar eine extrem liebevolle und ziemlich lustige Persiflage des Gore-Genres. Sei es die Stop-Motion-Technik, mit der zum Beispiel am Beginn der „Rattenaffe” sein Virus abgibt, sei es die herrliche Grundprämisse der eifersüchtigen und übermächtigen Mutter, sei es die absolut überkandidelte Kunstblutschlacht am Ende: Braindead steckt hinter seinem vorgeblichen Ekelgrusel voller großartiger Details und Anspielungen und bleibt am Ende eine wunderbare Reflexion über eine toxische Mutter-Sohn-Beziehung, die etwas aus dem Ruder läuft.
6. [Rec] (2007)
Ähnlich wie in 28 Tage später geht es auch in diesem spanischen Erfolgsfilm ausdrücklich um die Verbreitung eines gefährlichen Virus, das Menschen zu blutrünstigen Bestien macht. Anders als in der klassischen Romero-Linie des Genres bleibt hier also die Ursache der Verwandlung von Menschen nicht unbekannt, sondern wird erklärt – die Mechanismen des Zombiegenres bleiben aber die gleichen. Was [Rec] besonders gut gelingt, ist die Nachahmung des Dokumentarischen. Angefangen vom Setup der Reporterin, die eine Reportage über den Nachtdienst in einer Feuerwache moderiert und dann „live“ in die grausigen Entwicklungen einbezogen wird, bis hin zur Gestaltung von Licht und Kamera entsteht eine sehr authentische Grundstimmung, die zunächst dezidiert außerhalb des Fantastischen empfunden wird. Hier zeigt sich [Rec] als würdiger Epigon von Blair Witch Project (1999), der diese Form des Doku-Horrors salonfähig machte.
7. Shaun of the Dead (2004)
Im Gegensatz zu Braindead, der ja durchaus auch parodistische Momente hat, zeigt sich Shaun of the Dead viel klarer als Spoof-Film. Er versucht also, mit allen Mitteln die Genre-Elemente des Zombiefilms zu persiflieren, und versteht sich gleichzeitig auch als Hommage vor allem an die Romero-Klassiker. Damit bewegt sich Edgar Wrights Film in der Tradition eines Mel Brooks oder der ZAZ-Filme wie Die nackte Kanone (1988). Entsprechend sprüht der Film vor extrem lustigen Einfällen, Anspielungen und Ideen, und gerade auch das Spiel von Simon Pegg und Nick Frost als antriebsarme Buddies verleiht ihm einen irren Drive. Shaun of the Dead wirkt wie eine Liebeserklärung an dieses eigenwillige Genre: Wer ein Herz für Zombiefilme hat, wird diese 99 Minuten lieben.
8. Zombieland (2009)
Ruben Fleischers Zombieland dürfte der erste Zombiefilm sein, der wie eine klassische Mainstream-Actionkomödie aussieht und vermutlich so viel Popcorn wie Tickets verkauft hat. Getrieben von zwei gegensätzlichen Charakteren, dem tumb-liebenswürdigen Draufgänger und dem intelligenten Angsthasen, die auf zwei gewitzte Survival-Expertinnen treffen, entwickelt sich der für diese Konstellation typische Figurenwitz. Zombieland hebt sich vom Durchschnitt aber dadurch ab, dass er extreme Dynamik mit guten und echt lustigen Einfällen verbindet. Man mag sich an den wirklich abstrusen, bisweilen makabren Zombie-Kills stören, die Top-Schauspielerriege allerdings aus Jesse Eisenberg, Woody Harrelson und Emma Stone bietet reichlich Trost. Und spätestens ab der wirklich verrückten Begegnung mit Bill Murray, möchte man dem 88-minütigen Film seine Albernheiten gerne vergeben.
9. Planet Terror (2007)
Eine weitere Hommage an das Zombie- und Gore-Kino der 1970er/80er stellt Robert Rodriguez’ Planet Terror dar, der gemeinsam mit Quentin Tarantinos Death Proof – Todsicher 2007 als Double Feature Grindhouse in die Kinos kam. Anders als Shaun of the Dead setzt Rodriguez aber nicht auf Persiflage, sondern auf den nostalgischen Versuch, die Atmosphäre und das etwas verruchte Gefühl, das jene Filme damals ausstrahlten, nachzuahmen. Klar, dabei geht es auch um möglichst verrückte Zombie-Kills – Popcorn-Kino wie bei Zombieland bietet Planet Terror aber keineswegs. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Tom Savini, Romeros legendären Maskenbildner, und jede Menge B-Movie-Action. Großartig ist aber insbesondere Rodriguez Bemühen, das Feeling der Vorführung von 35mm-Kopien nachzuahmen: Neben jeder Menge Kratzer und Laufstreifen imitiert er inmitten der 105 Minuten sogar einen Filmriss.
10. World War Z (2013)
Marc Forsters World War Z ist der Zombiefilm mit dem weltweit höchsten Kinoeinspiel, man spricht von 540 Millionen Dollar. Und tatsächlich ist er auch wie ein klassischer Blockbuster konzipiert. Die Heldenfigur etwa, gespielt von Brad Pitt, muss, streng nach Regelbuch des Katastrophenfilms, nach dem World War Z konstruiert wurde, vor allem seine Familie retten – und rettet im Zuge dessen dann gleich die ganze Welt. Die Jagd gegen die sich blitzschnell ausbreitende Zombiepandemie führt den Helden zu zahlreichen bombastischen Schauplätzen in unterschiedlichen Ländern, und viele aufwendige Panoramen illustrieren in gigantischer Manier die vor Wut rasenden infizierten Massen. Ganz nach Blockbuster-Playbook muss am Ende natürlich auch irgendeine Lösung her, die Welt muss gerettet werden. Das wendet sich zwar gegen einen guten, alten Zombiefilm-Vorsatz – als Katastrophenfilmverschnitt vermag World War Z mit seinen 116 Minuten dennoch zu beeindrucken.





































































































































































































































