Mit der Ankündigung, dass Cyberpunk: Edgerunners 2026 eine zweite Staffel auf Netflix bekommt, rückt das Cyberpunk-Genre erneut ins Rampenlicht. Die Serie basiert auf dem Computerspiel Cyberpunk 2077 und erweitert dessen Welt erzählerisch weiter.
Sie bewegt sich im gleichen Kosmos, erzählt aber eine eigenständige Geschichte – und wurde damit nicht nur für Fans des Spiels, sondern auch für Genre-Enthusiasten zum Überraschungserfolg.
Dabei ist Cyberpunk als Genre längst etabliert. Seit den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren gilt er als Kultströmung innerhalb der Science-Fiction. Neonlandschaften, dystopische, überdicht besiedelte Städte, Transhumanismus, krumme Deals und moralisch fragwürdige Protagonisten gehören zu seinen festen Motiven. Cyberpunk zeigt Welten, in denen technologischer Fortschritt soziale Ungleichheit nicht auflöst, sondern verschärft. Seinen entscheidenden Durchbruch erlebte das Genre 1984 mit Neuromancer von William Gibson. Der Roman definierte zentrale Motive: Cyberspace als virtueller Raum, allmächtige Konzerne, Straßensöldner, Hacker und eine Zukunft, in der Technologie schneller voranschreitet als gesellschaftliche Ethik. Um einen tieferen Einblick in das Genre zu bekommen und die Wartezeit auf die zweite Staffel von Cyberpunk: Edgerunners zu verkürzen, widmen wir uns zehn Filmen und Serien, die den Cyberpunk in all seinen Facetten zeigen. r
1. Blade Runner (1982)
Man könnte sagen: Was Neuromancer für die Cyberpunk-Literatur war, war Blade Runner für das Cyberpunk-Kino – doch selbst das greift zu kurz. Ridley Scotts Film war der Moment, in dem die literarische Vision von Megakonzernen, künstlichen Menschen, Neonstädten und moralischer Verwahrlosung erstmals ihre endgültige visuelle Form fand. Hier wurde Cyberpunk nicht nur erzählt, sondern spürbar gemacht.
Basierend auf dem Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? von Philip K. Dick entwirft Blade Runner eine Welt, in der technischer Fortschritt jede Form von Humanismus überholt hat. Die Stadt ist überbevölkert, permanent verregnet und kulturell fragmentiert, Identität wird zur Ware. Im Zentrum steht weniger eine Krimihandlung als die Frage, was Menschlichkeit bedeutet, wenn Erinnerungen künstlich erzeugt werden können. Blade Runner ist damit nicht nur stilprägend, sondern bis heute das ideologische Fundament des Cyberpunk-Kinos.
2. Akira (1988)
Akira ist kein klassischer Cyberpunk – aber ohne diesen Film wäre das Genre kaum denkbar. Der Anime zeigt ein futuristisches Neo-Tokio, geprägt von politischer Instabilität, Jugendgewalt und militärischer Kontrolle. Im Mittelpunkt steht weniger Technologie als Macht: Wer sie besitzt, wer sie verliert und was geschieht, wenn sie außer Kontrolle gerät. Körpertransformation, urbanes Chaos und gesellschaftlicher Zerfall verbinden sich zu einer postapokalyptischen Vision, die weit über Genregrenzen hinausweist.
Cyberpunk-Puristen mögen einwenden, dass Akira nicht eindeutig im Genre verortet ist. Das mag formal stimmen, inhaltlich prägte der Film Cyberpunk jedoch wie kaum ein anderes Werk. Unter der Regie von Katsuhiro Otomo entstand ein visuelles Spektakel, das Maßstäbe setzte. Als Akira Ende der 1980er-Jahre international auf die Leinwand kam, veränderte er die Wahrnehmung von Anime grundlegend. Für Fans von Edgerunners ist der Film besonders relevant, weil er ähnliche Themen verhandelt: jugendliche Protagonisten, Hoffnungslosigkeit und eine Welt, in der Unschuld keinen Platz mehr hat.
3. Ghost in the Shell (1995)
Und weil wir bereits vom „Fest für die Augen“ gesprochen haben: Ghost in the Shell ist genau das – und zugleich weit mehr. Der Animationsfilm von 1995, basierend auf der Manga-Vorlage von Masamune Shirow, gehört zu den philosophisch dichtesten Werken des Cyberpunk. In einer Welt vollständiger Cyberisierung stellt der Film radikale Fragen nach Bewusstsein, Identität und dem Verhältnis von Körper und Geist. Technologie ist hier kein Effekt, sondern eine existenzielle Zumutung. Die Bilder sind kühl, präzise, von Neonlicht durchzogen, die Stadtlandschaften ikonisch und bis heute stilprägend.
Diese visuelle Kraft führte 2017 zur Realverfilmung mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle. Auch dort stehen die Bilder im Vordergrund: monumentale Skylines, holografische Reklame, eine sterile, entfremdete Megacity. Die Neuinterpretation wurde kontrovers diskutiert, nicht zuletzt wegen des Castings von Johansson, die – im Gegensatz zum von ihr gespielten Charakter – nicht asiastisch ist. Unabhängig davon bleibt Ghost in the Shell ein Schlüsselwerk. Viele spätere Filme wären ohne diesen Klassiker kaum denkbar.
4. Matrix (1999)
Matrix war ein Wendepunkt im Kino – und brachte den Cyberpunk nicht nur in den Mainstream, sondern auch auf eine neue gedankliche Ebene. Die Wachowskis kombinierten Hacker-Mythologie, kompromissloses Actionkino und philosophische Fragestellungen zu einem Film, der weit über Genregrenzen hinauswirkte. Dabei ging Matrix einen Schritt weiter als viele seiner Vorläufer. Hier gesellte sich eine explizit philosophische Ebene zur dystopischen Zukunftsvision, die alles infrage stellt, was wir für Realität halten. Was hat das mit Cyberpunk zu tun? Eigentlich alles. Die Idee, dass Wirklichkeit manipuliert ist, Kontrolle unsichtbar funktioniert und Freiheit lediglich eine Simulation sein kann, gehört zum ideologischen Fundament des Genres. Körper werden zu Hardware, Bewusstsein zu Software, Identität zur programmierbaren Variable. Dass The Matrix diese Konzepte in ein massentaugliches Blockbuster-Format überführte, ohne sie zu vereinfachen, machte den Film so wirksam. Für den Cyberpunk bedeutete das einen endgültigen Durchbruch – ästhetisch wie inhaltlich.
5. Altered Carbon (2018–2020)
Fans von Cyberpunk: Edgerunners sollten sich Altered Carbon unbedingt ansehen. Die Netflix-Serie übersetzt klassischen Cyberpunk konsequent in Serienform und denkt zentrale Motive des Genres weiter. In dieser Welt ist das menschliche Bewusstsein nicht mehr an einen Körper gebunden. Stattdessen kann es in neue Hüllen übertragen werden – ein Privileg, das vor allem den Reichen Unsterblichkeit ermöglicht, während für alle anderen Austauschbarkeit zur Normalität wird.
In zwei Staffeln entfaltet Altered Carbon ein düsteres Panorama aus korrupter Elite, brutaler Straßenrealität und moralisch ambivalenten Figuren. Besonders die erste Staffel ist eine klare Empfehlung. Sie verbindet Noir-Elemente mit Action und scharfer Gesellschaftskritik und stellt Fragen nach Identität, Klassenunterschieden und Macht. Technologie ist dabei allgegenwärtig, aber niemals neutral. Wie in Edgerunners stehen Protagonisten im Zentrum, die zwischen Anpassung und Widerstand zerrieben werden – und genau darin liegt die Stärke der Serie.
6. Dredd (2012)
Dredd greift viele klassische Cyberpunk-Themen auf, zeichnet sie jedoch in besonders brutaler Form und verzichtet konsequent auf jede Form von Romantisierung, die dem Genre oft anhaftet. Die Megacity erscheint als autoritäres System, in dem Polizei, Justiz und Exekution vollständig miteinander verschmolzen sind. Recht ist hier keine Frage von Moral, sondern von Effizienz.
Der Film zeigt eine knallharte Welt, in der Gewalt nicht Ausnahme, sondern struktureller Bestandteil des Systems ist. Technologie dient ausschließlich der Kontrolle, nicht dem Fortschritt oder der Verbesserung von Lebensbedingungen. Menschlichkeit spielt keine Rolle mehr, Ordnung ist das einzige Ziel. Eine Zukunftsdystopie, die auf den pessimistischen Visionen des Genres aufbaut.
7. Blade Runner 2049 (2017)
Einen Klassiker wie Blade Runner fortzusetzen, ist ein enormes Risiko. Denis Villeneuve ging es 2017 dennoch ein – und schaffte einen seltenen Drahtseilakt. Blade Runner 2049 bringt die Welt des Originals vorsichtig in die Gegenwart, ohne sie zu erklären, zu glätten oder zu modernisieren. Statt Antworten zu liefern, vertieft der Film zentrale Fragen nach Identität, Erinnerung und Bedeutung.
Die Zukunft wirkt hier noch leerer, noch einsamer. Menschen und Replikanten sind gleichermaßen verloren in einer Welt, die nur noch funktioniert, aber längst nicht mehr lebt. Visuell gehört der Film zum Beeindruckendsten, was das Genre hervorgebracht hat: monumentale Architektur, verlassene Räume, sterile Farben und eine fast erdrückende Stille.
Gerade diese Konsequenz macht Blade Runner 2049 so stark. Villeneuve blieb der melancholischen DNA des Originals treu und entwickelte sie behutsam weiter. Für Cyberpunk-Fans zeigt der Film, wie klassische Genrethemen weitergedacht werden können, ohne ihren Kern zu verlieren.
8. Total Recall (1990)
Total Recall ist ein Klassiker des frühen 1990er-Jahre-Kinos und ein Beispiel dafür, wie Cyberpunk-Themen auch im Gewand eines Actionfilms funktionieren können. Regisseur Paul Verhoeven verbindet spektakuläres Unterhaltungskino mit einem der zentralen Motive des Genres: manipulierte Erinnerung. Was ist real, wenn Erinnerungen käuflich, löschbar und programmierbar sind? Genau mit dieser Unsicherheit spielt der Film konsequent.
Arnold Schwarzenegger verkörpert einen scheinbar gewöhnlichen Arbeiter, der sich zunehmend in einem Geflecht aus Konzernmacht, Gedächtnismanipulation und politischer Kontrolle wiederfindet. Mars fungiert als ausgebeutete Kolonie, Konzerne agieren als eigentliche Machthaber, der menschliche Körper wird zum formbaren Objekt. Trotz seines überzeichneten Tons ist Total Recall hochgradig subversiv – und zeigt, dass Cyberpunk nicht nur düster und melancholisch sein muss, sondern auch laut, satirisch und politisch funktionieren kann.
9. Ghost in the Shell: Stand Alone Complex (2002–2005)
Während der Kinofilm eher abstrakt und philosophisch bleibt, erweitert Ghost in the Shell: Stand Alone Complex das Cyberpunk-Universum um eine politische und gesellschaftliche Dimension. Die Serie verbindet klassische Genrethemen mit Elementen des Krimis und des politischen Thrillers. Künstliche Intelligenz, Terrorismus, Informationskriege und staatliche Überwachung stehen im Zentrum.
Im Fokus steht eine Welt, in der Technologie längst Alltag ist – und gerade deshalb so gefährlich wirkt. Identität, Verantwortung und Wahrheit werden zu verhandelbaren Größen. Stand Alone Complex zeigt Cyberpunk nicht als Ausnahmezustand, sondern als funktionierendes System. Für Fans von Edgerunners ist die Serie besonders interessant, weil sie ähnliche Fragen stellt, aber nüchterner und struktureller erzählt. Cyberpunk als Gesellschaftsmodell, nicht nur als Stil.
10. Cyberpunk: Edgerunners (2022)
Cyberpunk: Edgerunners ist weit mehr als ein Spin-off zum Videospiel Cyberpunk 2077. Die Anime-Serie nutzt den bekannten Kosmos von Night City, um eine eigenständige, kompromisslose Geschichte zu erzählen. Im Mittelpunkt stehen Figuren am unteren Rand der Gesellschaft, für die Technologie zugleich Aufstiegschance und Todesurteil ist. Cyberware bedeutet Macht – kostet aber Menschlichkeit.
Was Edgerunners so stark macht, ist seine Konsequenz. Die Serie verweigert klassische Heldenbögen und romantische Verklärung. Loyalität ist fragil, Hoffnung selten, das System immer stärker als das Individuum. Stilistisch verbindet sie grelle Neonästhetik mit emotionaler Härte. Gewalt ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer Welt ohne Sicherheitsnetz. Damit trifft Edgerunners den Kern des Cyberpunk präzise: High Tech, Low Life.







































































































































































































































