
Die Filme mit den meisten Oscar-Nominierungen aller Zeiten
Mit Blood & Sinners wurde jüngst ein neuer Oscar-Rekord aufgestellt: Kein Film zuvor vereinte so viele Nominierungen auf sich, wie Ryan Cooglers blutig-stilisiertes Vampir-Horrorstück. Solche Zahlen sind mehr als bloße Statistik: Sie sind auch ein Spiegel dessen, was Hollywood einmal für bedeutend, ehrgeizig oder schlicht unwiderstehlich hielt.
Manche dieser Filme verschwanden trotz vieler Erwähnungen wieder aus dem Gespräch, andere wurden zu Klassikern, deren Erfolg bis heute nachhallt.
Die untenstehende Liste versammelt alle Werke, die mindestens 13 Oscar-Nominierungen erhielten – darunter folgt ein kuratiertes Ranking der zehn Filme aus dieser Gruppe, die bis heute besonders sehenswert sind.
Die Filme mit den meisten Oscar-Nominierungen aller Zeiten
Blood & Sinners (2025) – 16 Nominierungen
Titanic (1997) – 14 Nominierungen – 11 Gewinne
Alles über Eva (1950) – 14 Nominierungen – 6 Gewinne
La La Land (2016) – 14 Nominierungen – 6 Gewinne
Vom Winde verweht (1939) – 13 Nominierungen – 8 Gewinne
Verdammt in alle Ewigkeit (1953) – 13 Nominierungen – 8 Gewinne
Oppenheimer (2023) – 13 Nominierungen – 7 Gewinne
Shakespeare in Love (1998) – 13 Nominierungen – 7 Gewinne
Forrest Gump (1994) – 13 Nominierungen – 6 Gewinne
Chicago (2002) – 13 Nominierungen – 6 Gewinne
Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1966) – 13 Nominierungen – 5 Gewinne
Mary Poppins (1964) – 13 Nominierungen – 5 Gewinne
The Shape of Water (2017) – 13 Nominierungen – 4 Gewinne
Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008) – 13 Nominierungen – 3 Gewinne
One Battle After Another (2026) – 13 Nominierungen
Eine erfundene Episode aus dem Leben William Shakespeares wird unter der Regie von John Madden zum Stoff für eine Liebeskomödie: Der junge Dramatiker (Joseph Fiennes) steckt in einer Schreibblockade fest, bis er sich in die adlige Viola (Gwyneth Paltrow) verliebt, die sich wiederum als Mann verkleidet, um auf der Theaterbühne spielen zu dürfen. Aus dieser verbotenen Romanze entsteht – zumindest im Film – die Inspiration zu Romeo und Julia.,
Bei den Oscars gewann der Film unter anderem in den Kategorien „Bester Film, „Beste Hauptdarstellerin, „Bestes Originaldrehbuch, „Kostümdesign“ und „Szenenbild“. Seine Stärke liegt weniger im historischen Anspruch als im verspielten Blick hinter die Kulissen des elisabethanischen Theaters: Shakespeare in Love ist elegante Unterhaltung mit literarischem Augenzwinkern – leichtfüßig erzählt, opulent ausgestattet und bis heute eines der umstrittensten, aber wirkungsvollsten Oscar-Ereignisse der 1990er Jahre.
Damien Chazelle legte mit La La Land eine moderne Musical-Romanze über zwei Menschen vor, die zwischen Liebe und Karriere zerrieben werden: Der Jazzpianist Sebastian und die angehende Schauspielerin Mia lernen sich in Los Angeles kennen, unterstützen einander bei ihren Träumen – und müssen später erkennen, dass Erfolg nicht immer mit Zweisamkeit vereinbar ist. Ryan Gosling und Emma Stone tragen den Film mit viel Charme, Gesang und einer bewusst altmodisch inszenierten Chemie, unterstützt von opulenten Tanznummern und leuchtenden Farbkompositionen.
In die Oscar-Geschichte ging La La Land spätestens durch die legendäre Preisverwechslung bei der Verleihung ein. Tatsächlich gewann der Film letztlich in den Kategorien „Beste Regie“, „Beste Hauptdarstellerin“, „Beste Filmmusik“, „Bester Song“, „Beste Kamera“ und „Bestes Szenenbild“.
In einem geheimen Forschungslabor der 1960er Jahre verliebt sich eine stumme Reinigungskraft (Sally Hawkins) in ein gefangen gehaltenes amphibisches Wesen: The Shape of Water ist eine ungewöhnliche Romanze, die Märchen- und Fantasy-Elemente mit einer politischen Parabel verbindet. Regisseur Guillermo del Toro formt daraus eine visuell üppige Welt aus Wassergrün, Schatten und opulenten Sets.
Bei den Oscars gewann der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Szenenbild“ und „Beste Filmmusik“. Inhaltlich geht es um Ausgrenzung, Sehnsucht und Empathie im Klima des Kalten Krieges. The Shape of Water bewies eindrucksvoll, dass phantastisches Genre-Kino nicht nur Publikum, sondern auch die Academy erreichen kann – wenn persönliche Vision und handwerkliche Präzision ineinandergreifen.
Paul Thomas Anderson inszeniert One Battle After Another wie ein fiebriges Zeitporträt, in dem Action, Groteske und Melancholie permanent ineinander übergehen. Der Film wirkt wie eine scharf gezeichnete Satire auf die politischen Verwirrungen der Gegenwart – ein Mosaik aus Ideologien, die einander bekämpfen und sich doch, in ihrer Vergeblichkeit, ähneln.
Im Zentrum steht ein ehemaliger linksradikaler Aktivist (Leonardo DiCaprio), der mit seiner Tochter (Chase Infiniti) unter einer neuen Identität lebt, stets in der Angst entdeckt zu werden. Auf seiner Spur: ein obsessiver rechter Militär (Sean Penn), dessen Jagd längst mehr ein persönlicher Kreuzzug ist. Aus dieser Konstellation entsteht weniger ein klassischer Thriller als ein rasant-nervöses Roadmovie durch ein zersplittertes Amerika.
Glitzernde Treppen, eingängige Jazzrhythmen und ein Mordprozess als Bühnenshow: Chicago wirft das Publikum mitten hinein in die schillernde Unterhaltungswelt der 1920er Jahre. Die ehrgeizige Tänzerin Roxie Hart (Renée Zellweger) erschießt ihren Liebhaber und landet im Gefängnis – nur um dort zu entdecken, dass auch reißerische Schlagzeilen zu Ruhm verhelfen können. Mit der Hilfe ihres schmierigens Anwalts(Richard Gere), der das Gerichtsverfahren wie eine Stepptanznummer inszeniert, steigt sie unverhofft zum Star auf.
Regisseur Rob Marshall verbindet Musical und Justizsatire so elegant, dass Realität und Show permanent ineinander übergehen. Die Academy würdigte das unter anderem mit einem Oscar in der Kategorie „Bester Film“, „Beste Nebendarstellerin“, „Bestes Szenenbild“, „Bestes Kostümdesign“ und „Bester Schnitt“ aus.
Der jüngste Rekordhalter steht sinnbildlich für das aktuelle Oscar-Rezept: Große Themen, im Verbund mit visueller Wucht und Mut zu moralischer Ambivalenz haben in den vergangenen Jahren des Öfteren zum Erfolg geführt. Ryan Coogler eröffnet Blood & Sinners zunächst als sinnliches Südstaatendrama: Zwei Brüder – beide gespielt von Michael B. Jordan – kehren nach Jahren in ihre Heimat im ländlichen Mississippi zurück, um ein „Juke Joint“ zu eröffnen: Eine Bar, die zugleich Zufluchtsort für die Schwarze Community sein soll.
Doch Coogler lässt diese Hoffnung nicht lange währen: Etwa zur Hälfte kippt der Film in ein blutig stilisiertes Vampir-Horrorstück, das den Blutsauger-Mythos nicht als bloßen Schockeffekt nutzt, sondern als Parabel auf die Ausbeutung durch Weiße, die ans Licht bringt was in der Region unter der Oberfläche gärt.
Am Broadway trifft der alternde Bühnenstar Margo (Bette Davis) auf die junge Bewunderin Eve (Anne Baxter), die zunächst eine treue Assistentin mimt – dann aber Schritt für Schritt Margos Karriere und Freundeskreis an sich zu reißen versucht. Aus anfänglicher Dankbarkeit wird schließlich ein Machtkampf um Rollen, um Aufmerksamkeit und Einfluss.
Alles über Eva lebt weniger von Handlung als von scharfem Wortwitz und präzisen Figuren – ein zeitloser Film über Ehrgeiz, Alter und die Angst, aus dem Rampenlicht verdrängt zu werden. Regisseur und Drehbuchautor Joseph L. Mankiewicz erzählt diese Rivalität fast ausschließlich über Dialoge und Blicke statt über große Ereignisse, und auch hier, wusste die Academy das zu würdigen: Unter anderem mit Oscars in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“.
Eine späte Einladung zu nächtlichen Drinks wird zur seelischen Zerreißprobe: Der frustrierte Geschichtsprofessor George (Richard Burton) und seine ebenso scharfzüngige wie verletzliche Frau Martha (Elizabeth Taylor) bitten das junge Paar Nick (George Segal) und Honey (Sandy Dennis) nach Hause – doch aus höflichem Smalltalk wird rasch ein gnadenloses Wortgefecht voller Demütigungen, das offene Wunden zu Tage fördert. Regisseur Mike Nichols verfilmte Edward Albees gleichnamiges Theaterstück nahezu werkgetreu und setzte ganz auf Dialoge und Mimik statt auf spektakuläre Schauwerte.
Mit Erfolg: Alle vier Schauspieler wurden für einen Oscar nominiert. Ausgezeichnet wurde der Film unter anderem in den Kategorien „Beste Hauptdarstellerin“, „Beste Nebendarstellerin“, „Bestes Kostümdesign“ und „Beste Kamera“. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? zeigt eindrucksvoll, dass große Kinomomente nicht aus Effekten entstehen müssen – und Oscar-Erfolg nicht zwingend mit einem großem Produktionsvolumen einhergehen muss.
Ein Mann mit kindlich offenem Blick auf die Welt läuft – im wahrsten Sinne – durch Jahrzehnte amerikanischer Geschichte: Forrest Gump (Tom Hanks) gerät in den Vietnamkrieg, trifft US-Präsidenten und Popstars, wird Tischtennis-Star und Unternehmer, während er eigentlich nur eines will – zu Jenny (Robin Wright). Regisseur Robert Zemeckis verbindet Liebesgeschichte und Komödie, Zeitreise und technische Spielerei zu einem Film, wie es sie heute eigentlich gar nicht mehr gibt.
Forrest Gump ist weder Franchise noch Superheldenstoff, sondern ein teures, eigenständiges Mainstream-Drama von beinahe naiver, aber eben doch tief menschlicher Emotionalität. In einer Gegenwart, die stark von Marken, Sequels und Zielgruppendenken geprägt ist, wirkt dieser Mix aus Gefühl, handwerklicher Pionierarbeit und einem epischem Erzählbogen fast wie ein Relikt. Die Academy würdigte das mit Oscars für „Bester Film“,„Beste Regie“, „Bester Hauptdarsteller“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Beste visuelle Effekte“.
Auf einem als unsinkbar geltenden Ozeanriesen begegnen sich zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten: der mittellose Künstler Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) und die wohlhabende Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet). Was als flüchtige Begegnung beginnt, wird zu einer der berühmtesten Liebesgeschichten der Filmgeschichte, getragen von jugendlicher Euphorie, zwischen gesellschaftlichen Schranken und der unausweichlichen Tragödie am Ende.
Regisseur James Cameron kreierte mit dem Verbund aus intimem Melodram mit monumentalem Katastrophenkino das, was für Viele bis heute der Liebesfilm schlechthin ist, und dessen Bilder und Zitate bis heute nachhallen. Die Academy zeichnete Titanic als „Bester Film“ aus, weitere der insgesamt elf Oscars gab es unter anderem für die „Beste Regie“ und die „Beste Kamera“, das „Beste Szenenbild“ und die „Beste Filmmusik“ aus.






























































