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Ist [SPOILER] in „Backrooms“ wirklich gestorben?
Kane Parsons’ Indie-Film gehört schon jetzt zu den erfolgreichsten Horrorstreifen des Jahres. Parsons greift darin das virale Internetphänomen der Backrooms auf: eine scheinbar endlose Dimension aus leeren Büros, gelben Fluren und Räumen, die nach vertrauter Alltagsarchitektur aussehen, sich aber jeder verlässlichen Logik entziehen.
Achtung: Es folgen Spoiler!
Im dramatischen Finale scheint Clark (Chiwetel Ejiofor) durch eine dieser Kreaturen ein brutales Ende zu finden. Die unmittelbar vorausgehende Szene lässt jedoch Zweifel daran aufkommen, ob wir tatsächlich den echten Clark sterben sehen. Die Frage, die sich Millionen stellen: Ist er wirklich tot?
Sein Ende wirkt zunächst eindeutig
Im dritten Akt von Backrooms gelangt Mary in jene Welt, von der Clark wenige Tage zuvor noch wie besessen gesprochen hatte. An einer Wand entdeckt sie eine seiner Zeichnungen. Kurz darauf tritt Clark hinter einer Ecke hervor. Er wirkt verändert, unberechenbar und bedrohlich.

Als sich Piraten-Clark nähert, nimmt Clark sie in den Würgegriff und verschleppt sie. Anschließend erklärt er ihr seine Theorie über die sogenannten „Stillleben“. Für ihn sind diese Wesen fehlerhafte Rekonstruktionen von Erinnerungen, die die Backrooms seinem Kopf entnommen haben. Sie sehen menschlich aus, empfinden jedoch keinen Schmerz. Um seine Behauptung zu beweisen, reißt Clark einem der Wesen ein Stück Fleisch heraus und erklärt, dass man es sogar essen könne. Die Szene legt damit fest, woran sich ein echter Mensch von einer solchen Kopie unterscheiden lässt.

Dann erscheint der monströse Piraten-Clark erneut. Das Wesen scheint jene dunklen Gefühle zu verkörpern, die Clark durch seinen Frust entwickelt hat. Er versucht noch, beruhigend auf die Kreatur einzureden, doch Piraten-Clark fällt über ihn her und beginnt, ihn zu fressen. Clark schreit vor Angst und Schmerzen, während Blut aus seinen Wunden läuft.
Gerade diese Reaktion scheint zunächst zu beweisen, dass Clark kein Stillleben sein kann. Schließlich hatte er kurz zuvor ausdrücklich erklärt, dass diese Rekonstruktionen keinen Schmerz spüren. Dennoch muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass Mary dem echten Clark gegenüberstand. Die Backrooms verändern sich im Laufe der Zeit. Damit könnten auch ihre Kopien inzwischen deutlich weiter entwickelt sein, als Clark vermutet.
Clarks Erklärung deutet auf eine Evolution der Backrooms hin
Alles, was Clark über die Stillleben berichtet, entspricht offenbar seinen bisherigen Beobachtungen. Was er jedoch nicht wissen kann: Die Backrooms sind kein unveränderlicher Ort. Sie wirken vielmehr wie ein lebendes System, das aus seinen Begegnungen lernt und sich fortlaufend weiterentwickelt.

In einer der frühesten Episoden von Kane Parsons’ YouTube-Serie bestand eine Kreatur noch aus Bakterien, wie sie im menschlichen Darm vorkommen. Dieses Wesen wirkte wie ein primitiver Versuch der Backrooms, eigenständiges Leben hervorzubringen. Je weiter sich die Dimension ausbreitete und je mehr Menschen versehentlich in sie gelangten, desto komplexer wurden ihre Nachbildungen. Als Clark die Backrooms erreicht, zeigt Piraten-Clark, wie weit diese Entwicklung inzwischen fortgeschritten ist. Das Wesen kopiert nicht nur einen Körper, sondern scheint auch Teile einer Persönlichkeit und ihrer verdrängten Emotionen zu besitzen.
Unter dieser Voraussetzung könnte auch der Clark, der mit Mary spricht, bereits ein Stillleben sein. Sein Verhalten in dieser Szene unterscheidet sich auffällig von dem des Mannes, den Mary zuvor kannte. Natürlich lässt sich diese Veränderung ebenso durch Isolation, Angst und den fortschreitenden Verlust seines Verstandes erklären. Dennoch wäre es denkbar, dass die Backrooms inzwischen gelernt haben, überzeugendere Kopien von Menschen zu erschaffen.
Frühere Stillleben wirkten wie grobe Kopien einzelner Erinnerungen. Diese Version von Clark könnte dagegen der erste Versuch sein, einen vollständigen Menschen mit Schmerzempfinden, Blut und einem Bewusstsein nachzubilden. Dass er sich für das Original hält, würde dieser Theorie nicht widersprechen. Eine perfekte Kopie müsste nicht wissen, dass sie eine Kopie ist. Gerade darin läge der entscheidende Fortschritt gegenüber den früheren Rekonstruktionen.
Wen hat Piraten-Clark gefressen?
Eine Theorie aufzustellen ist leicht. Schwieriger ist die Frage, wem Mary in dieser Szene tatsächlich begegnet, falls es sich nicht um den echten Clark handelt. Am plausibelsten wäre, dass die Backrooms inzwischen nicht mehr nur das Aussehen und einzelne Erinnerungsfragmente rekonstruieren, sondern Clark vollständig nachgebildet haben. Er hatte begonnen, diesen Ort auf seine eigene Weise zu begreifen: nicht indem er dessen Regeln entschlüsselte, sondern indem er akzeptierte, dass er sich jeder eindeutigen Erklärung entzieht. Darin fand Clark offenbar einen neuen Lebenszweck. Vielleicht lieferte Clark den Backrooms selbst die Informationen, die sie brauchten, um ihn besser nachzubilden, etwa durch seine Gespräche mit den Bewohnern. Das würde erklären, warum seine Kopie beim Angriff von Piraten-Clark blutet, Schmerzen empfindet und wie ein echter Mensch reagiert.

Hinzu kommt, dass im Verlauf des Films weitere Menschen in den Backrooms sterben. Dadurch könnte das System zusätzliche Informationen über den menschlichen Körper, seine inneren Strukturen und seine Reaktionen auf Verletzungen gesammelt haben. Eine Kopie, die rotes Blut verliert und Schmerzen empfindet, wäre damit kein Widerspruch, sondern ein Zeichen dafür, dass die Backrooms ihre früheren Fehler korrigiert haben. Auch Clarks beinahe religiöse Verehrung der Stillleben könnte eine Rolle spielen. Der Biss von Piraten-Clark wäre dann möglicherweise nicht nur ein Angriff, sondern der Beginn oder Abschluss seiner Verwandlung. Der Film zeigt zwar, wie Piraten-Clark seinen Körper fortschleppt, lässt aber offen, was anschließend mit Clark geschieht.
Ist Clark gar nicht tot?
Gegen diese Theorie spricht allerdings das bisherige Verhältnis zwischen Clark und Piraten-Clark. Zeitweise scheint zwischen beiden eine seltsame Form der Verbundenheit zu bestehen. Falls sie tatsächlich über längere Zeit miteinander koexistierten, stellt sich umso dringlicher die Frage, warum Piraten-Clark plötzlich ein großes Stück aus Clarks Körper beißt. Die naheliegendste Erklärung bleibt daher auch die wahrscheinlichste: Clark hat in den Backrooms den Verstand verloren, Mary bedroht und am Ende die Konsequenzen seines Handelns getragen. Piraten-Clark tötet ihn, während Mary hilflos zusehen muss.
Doch Backrooms arbeitet bewusst mit unzuverlässigen Wahrnehmungen, fehlerhaften Kopien und einem Ort, dessen Regeln sich fortwährend verändern. Deshalb lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass Piraten-Clark lediglich eine besonders weit entwickelte Nachbildung gefressen hat. Der echte Clark könnte sich dann noch immer irgendwo in den Backrooms befinden. Sein vermeintlicher Tod wäre in diesem Fall kein endgültiger Abschluss, sondern eine weitere Täuschung eines Systems, das den Menschen inzwischen erschreckend genau nachbilden kann.












