„Backrooms“, „Obsession“ & Co.: Wie Gen Z den Horror neu erfindet

„Backrooms“, „Obsession“ & Co.: Wie Gen Z den Horror neu erfindet

Nora Henze
Nora Henze

Veröffentlicht am 24. Juni 2026

Aktualisiert am 24. Juni 2026

Zwei Horrorfilme brechen aktuell Kassenrekorde. Beide stammen von Filmemachern unter 30, beide haben Wurzeln im Internet. Backrooms (2026, aktuell im Kino) hat als A24-Produktion weltweit über 200 Millionen Dollar eingespielt und damit Marty Supreme (2025) als erfolgreichsten Film des Studios überholt. Obsession – Du sollst mich lieben (Kinostart 25. Juni 2026) wurde nach US-Start zum bislang größten Hit von Focus Features. Diese beiden Filme treffen den Nerv eines jungen Publikums, das im Multiplex längst abgeschrieben war, und definieren neu, was Horror im Kino sein kann.

Die Ängste einer Generation

Masken, Messer und das Final-Girl-Schema spielen in dieser Welle kaum noch eine Rolle. An ihre Stelle treten die diffusen Bedrohungsgefühle, die online sozialisierte Zuschauerinnen und Zuschauer aus ihrem Alltag kennen. Backrooms (2026) baut Regisseur Kane Parsons aus seinen YouTube-Shorts zu einem Kinofilm aus und lebt von einem Gefühl, das auf TikTok unter dem Schlagwort „Liminal Space“ seit Jahren eine eigene Sub-Ästhetik gebildet hat: leere Korridore, fluoreszierende Bürogänge und Räume ohne Funktion. Chiwetel Ejiofor (als Möbelhaus-Manager Clark) und Renate Reinsve (als seine Therapeutin Mary) bewegen sich in einer Welt, in der die Architektur selbst gegen einen arbeitet.

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Obsession – Du sollst mich lieben (2026) von Curry Barker dreht das Romcom-Schema in den Albtraum. Bear (Michael Johnston) wünscht sich von einem magischen Holzstab, dass seine Kollegin Nikki (Inde Navarrette) ihn mehr lieben möge als alles andere auf der Welt, und der Wunsch erfüllt sich auf die schlimmstmögliche Weise. Was hier erzählt wird, ist die toxische Vorstellung davon, was Liebe sein soll, also Kontrolle, Verschmelzung und der Verlust eines eigenen Ichs. Auf TikTok ist genau dieses Muster längst als Warnsignal markiert.

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Diese Logik zieht sich durch die ganze Welle. Talk to Me (2023) der Brüder Danny und Michael Philippou inszeniert die Beschwörung von Toten als Partyspiel und macht spürbar, was Trauer und Nicht-Loslassen-Können im Zeitalter ständiger Erinnerungs-Reels bedeuten. Bodies Bodies Bodies (2022) mit Amandla Stenberg und Pete Davidson nutzt Begriffe wie „Gaslighting“ und „toxisch“ als Waffen, die schärfer schneiden als jedes Messer.

In Weapons – Die Stunde des Verschwindens (2025) von Zach Cregger verschwinden 17 Kinder derselben Klasse, mit Julia Garner und Josh Brolin im Zentrum. Und im queeren Horror Leviticus (2026) mit Joe Bird und Stacy Clausen verwandelt sich Konversionstherapie in eine reale Bedrohung, weil eine dämonische Gestalt die Form des heimlich Begehrten annimmt und tötet.

Vom YouTube-Channel direkt auf die Leinwand

Die Macher dieser Welle kommen aus denselben Online-Räumen, die ihre Filme zum Thema machen. Kane Parsons hat unter dem Pseudonym @KanePixels auf YouTube eine ganze Reihe von Kurzfilmen über die Backrooms hochgeladen, eine im Netz entstandene Schauer-Mythologie, die A24 schließlich aufkaufte. Curry Barker, gerade einmal 26 Jahre alt, hatte sich zuvor mit Sketch-Comedy auf YouTube ein Publikum aufgebaut. Danny und Michael Philippou waren als RackaRackka jahrelang virale Videomacher, bevor sie zur Spielfilmregie wechselten. Diese Werdegänge haben Konsequenzen. Die jungen Filmemacher mussten nicht erst einen Konzern davon überzeugen, dass es ein Publikum für ihre Geschichten gibt. Das Publikum war längst da, bevor ein Studio überhaupt nachfragte.

Beide aktuellen Hits liefen außerdem in einer Sommerphase, in der Studierende gerade ihre Prüfungen hinter sich hatten und nach etwas suchten, das nicht zum hundertsten Mal eine bekannte Marke recycelt. Dass die beiden lautesten Sommerblockbuster The Mandalorian and Grogu (2026) und Masters of the Universe (2026) ausgerechnet von einer Therapeutin in einer Möbelhaus-Wand und einem geknickten Glücksbringer-Holzstab aus dem Rennen geworfen wurden, ist also mehr als Zufall.

Mehr als ein Sommertrend?

Ob das alles bleibt, ist offen. Möglicherweise schickt die Branche die nächste Sommer-Welle bekannter Marken hinterher, und der Effekt ebnet sich schnell wieder ein. Genauso plausibel ist, dass diese Filme den Anfang einer breiteren Verschiebung markieren. Klar ist allerdings, dass ein junges Publikum ins Kino geht, sofern die Filme es ernst nehmen und nicht vorgeben, als wäre die Welt einer Achtzehnjährigen identisch mit der einer Vierzigjährigen.

Diese Saison gewinnen Geschichten, die offen ansprechen, was Achtzehnjährige tatsächlich nachts wachhält. Dazu gehören identitätslose Räume im Netz, parasoziale Bindungen, die Furcht vor dem Verlust des eigenen Ichs oder religiös motivierte Gewalt gegen das eigene Begehren. Hollywood hat dem jungen Publikum in den letzten Jahren vor allem Fortsetzungen und Remakes von Stoffen vorgesetzt, die schon ihre Eltern im Kino gesehen haben. Dieser Sommer hat einen anderen Vorschlag gemacht, und junge Filmemacher, die mit dem Internet aufgewachsen sind, erreichen jetzt ein Publikum, das in den Kinos die eigenen Ängste wiedererkennt. 

Kahle, verschachtelte Büroflure, endlose beige-gelbe Wände, ein unaufhörliches, unerträglich lautes Surren von Leuchtstoffröhren: Die „Backrooms“ beschreiben eine neue Art von Albtraum, eine menschenleere Parallelwelt sich wiederholender, fensterloser Stockwerke, die unsere Realität auf den ersten Blick spiegelt und sich ihr doch mit jedem Schritt weiter entzieht. Verstörend verlassen wirken die labyrinthischen Räume, doch allein ist man dort nicht...
Nachdem er die geheimnisvolle „Wunschweide“ zerbrochen hat, um das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen, erhält ein hoffnungsloser Romantiker genau das, was er sich gewünscht hat, muss aber bald feststellen, dass manche Wünsche einen dunklen, finsteren Preis haben.
Talk to Me
Talk to Me

Talk to Me

2023

Eine mysteriöse einbalsamierte Hand stellt das Leben einer ganzen australischen Kleinstadt auf den Kopf. Denn mit Hilfe der Hand kann man andere in Trance versetzen und sogar Tote aus dem Jenseits beschwören. Jedenfalls macht diese Erzählung immer wieder die Runde. Der Sache dann doch selbst einmal auf den Grund gehen wollen Mia und Jade, als an ihrer Schule Handyvideos von Schulkameraden, die scheinbar besessen sind, in Umlauf gebracht werden. Also schließen sie sich kurzerhand einer Séance an. Als dann plötzlich Mias verstorbene Mutter durch die einbalsamierte Hand Kontakt mit der Welt der Lebenden sucht, wird Mia klar, dass das kein Spiel mehr ist. Auf einmal muss sie sich zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten entscheiden – und es ist nicht klar, wer auf welcher Seite steht und wem sie beim Treffen dieser Entscheidung wirklich noch vertrauen kann.
Als eine Gruppe reicher Mittzwanziger im abgelegenen Familienanwesen eine Hurrikan-Party feiert, geht ein Partyspiel gehörig schief. Verrat und die Demaskierung falscher Freunde lassen diese Party komplett aus dem Ruder laufen.
Weapons
Weapons

Weapons

2025

Mit einer einzigen Ausnahme verschwinden eines Nachts alle Kinder einer Schulklasse zur exakt gleichen Zeit auf mysteriöse Weise. Die Bewohner der betroffenen Gemeinde stehen vor der Frage, wer oder was hinter dem rätselhaften Verschwinden steckt.
Leviticus
Leviticus

Leviticus

2026

Zwei Teenager müssen einer gewalttätigen Entität entkommen, die die Gestalt der Person annimmt, die sie am meisten begehren: einander... Im australischen Neon-Horrorfilm 'Leviticus' (2026) von Regisseur Adrian Chiarella mit Joe Bird als Naim, Stacy Clausen als Ryan, Mia Wasikowska und Davida McKenzie, beim US-Kinostart am 19. Juni 2026. - ...
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Über diese Liste

Titel

6

Gesamtkosten fürs Ansehen

55,46 €

Gesamtlaufzeit

10h 25min

Genres

Horror, Mystery & Thriller, Romantik

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  2. 1 Titel Home of Horror
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