Die spektakuläre Ankündigung, dass Robert Downey Jr. als legendärer Schurke Dr. Doom in Avengers: Doomsday (2026) in das Marvel Cinematic Universe zurückkehren wird, sorgte für ein regelrechtes Beben in der Community. Der Mann, der als Iron Man quasi das MCU begründete, wechselt nun die Seiten und schlüpft in die Rolle eines der komplexesten Antagonisten der Comic-Geschichte.
Doch er ist bei weitem nicht der erste Star aus den Reihen der Avengers, der beweist, dass er auch eine dunkle, manipulative oder gar psychopathische Seite meisterhaft verkörpern kann. Einige seiner Kolleginnen und Kollegen haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass der Weg vom strahlenden Symbol der Gerechtigkeit zum furchteinflößenden Bösewicht nur ein Drehbuch weit entfernt ist. In diesem Artikel schauen wir auf die Momente, in denen diese Hollywood-Ikonen ihre sympathische Seite abgelegt und bedrohliche Facetten gezeigt haben.
Chris Evans in "Knives Out" (2019)
Wer Chris Evans jahrelang als moralischen Kompass Steve Rogers in Filmen wie Captain America: The First Avenger (2011) bewundert hat, erlebt in Knives Out (2019) einen herrlichen Kulturschock. Als Hugh Ransom Drysdale tauscht er den Vibranium-Schild gegen einen teuren Strickpullover und eine gehörige Portion Arroganz ein. Ransom ist das schwarze Schaf einer wohlhabenden Familie, ein verwöhntes, manipulatives Ekelpaket, das seine Verwandten mit einer Mischung aus Verachtung und amüsiertem Spott behandelt. Evans verkörpert diese Rolle mit einer spürbaren Spielfreude. Sein legendäres „Eat shit!“, das er der versammelten Verwandtschaft entgegenschleudert, wurde sofort zum Internet-Phänomen und markierte seinen endgültigen Bruch mit dem Saubermann-Image.
Der Film ist perfekt für Fans von cleveren Whodunnit-Krimis, die Lust auf eine fiese Dekonstruktion des klassischen Helden-Archetyps haben. Evans nutzt seinen natürlichen Charme hier nicht, um Vertrauen zu erwecken, sondern um seine wahren Absichten hinter einer Maske aus privilegierter Gleichgültigkeit zu verbergen. Im Vergleich zu den physisch bedrohlichen Schurken auf dieser Liste, wie etwa Jeremy Renners Charakter in The Town (2010), ist Ransom ein intellektueller Giftmischer. Er kämpft nicht mit Fäusten, sondern mit Erbrecht und Intrigen. Für das Publikum ist es ein diebisches Vergnügen zu sehen, wie Captain America plötzlich die Regeln nicht mehr schützt, sondern sie zu seinem eigenen Vorteil bis zum Äußersten verbiegt. Ein Fun Fact: Der berühmte beige Wollpullover, den Evans im Film trägt, löste nach dem Kinostart einen weltweiten Modetrend aus.
Chris Hemsworth in "Furiosa: A Mad Max Saga" (2024)
Nachdem er über ein Jahrzehnt lang als Donnergott in Thor (2011) die Welt gerettet hat, zeigt Chris Hemsworth in Furiosa: A Mad Max Saga (2024) eine völlig neue, furchteinflößende Facette. Als Warlord Dementus führt er eine marodierende Biker-Horde durch das Ödland und präsentiert sich als charismatischer, aber absolut wahnsinniger Tyrann. Mit einer markanten Nasenprothese und einem Umhang, der langsam von Weiß zu Blutrot wechselt, verkörpert er das Chaos der Apokalypse. Hemsworth spielt Dementus nicht als eindimensionalen Bösewicht, sondern als jemanden, der seinen eigenen Schmerz in eine theatralische, grausame Show verwandelt hat. Seine Performance ist laut, exzentrisch und lässt in den entscheidenden Momenten eine tiefe, verstörende Kälte durchscheinen, die man von Thor nie erwartet hätte.
Dieser Film ist ein Muss für Liebhaber von bildgewaltiger Action und Charakterstudien über den moralischen Verfall. Hemsworth beweist hier, dass er eine Leinwand allein durch seine Präsenz dominieren kann, selbst wenn er das exakte Gegenteil eines Helden spielt. Während Chris Evans in Knives Out eher subtil manipuliert, reißt Hemsworth als Dementus mit roher Gewalt und Größenwahn alles an sich. Er ist ein klassischer Antagonist, der sich selbst als Retter sieht, was ihn in eine interessante Nähe zu den Idealen rückt, die Dr. Doom oft verfolgt. Wer Hemsworths komödiantisches Talent aus späteren Marvel-Filmen mag, wird hier eine dunkle, verzerrte Version davon finden, die zeigt, wie gefährlich Macht und Charisma in den falschen Händen sein können.
Samuel L. Jackson in "Django Unchained" (2012)
Obwohl Samuel L. Jackson als Nick Fury in Iron Man (2008) den Grundstein für die Avengers legte, ist seine Darstellung des Haussklaven Stephen in Django Unchained (2012) eine seiner schauspielerisch anspruchsvollsten Rollen. Stephen ist nicht einfach nur ein Handlanger; er ist der wahre Strippenzieher hinter den Kulissen der grausamen Candyland-Plantage. Jackson spielt ihn mit einer erschreckenden Unterwürfigkeit gegenüber seinem Herrn, die sofort in hasserfüllte Autorität umschlägt, sobald er mit anderen Sklaven allein ist. Er ist ein Verräter an seinem eigenen Volk, ein Mann, der das System der Unterdrückung perfektioniert hat, um seine eigene Machtposition zu schützen. Die physische Transformation – die gebeugte Haltung und der stechende Blick – machen ihn zu einem der effektivsten Schurken der Filmgeschichte.
Stephen ist das perfekte Beispiel für einen Antagonisten, den man zutiefst verachtet. Im direkten Vergleich zu Mark Ruffalos eher tragikomischen Schurken in Poor Things (2023) ist Stephen eine Figur von absolutem, unentschuldbarem Bösen. Er handelt nicht aus moralischer Überzeugung, sondern er nutzt seine Stellung zur Zementierung von Leid. Für Fans des MCU ist es faszinierend zu sehen, wie der Mann hinter Nick Fury eine völlig andere Facette seines Könnens zeigt. Samuel L. Jackson bezeichnete Stephen selbst als den "meistgehassten Charakter", den er jemals gespielt hat – ein krasser Gegensatz zum Mentor der Rächer.
Scarlett Johansson in "Under the Skin" (2013)
Nachdem Scarlett Johansson in The Avengers (2012) als Black Widow die loyale Superheldin verkörperte, schlüpfte sie 2013 in Under the Skin (2013) in die Haut einer namenlosen außerirdischen Entität, die in Schottland einsamen Männer nachstellt. In ihrer menschlichen Hülle wirkt sie anfangs wie eine klassische Femme Fatale, doch schnell wird klar, dass hinter ihrer Schönheit eine mechanische, völlig empathielose Kälte steckt. Johansson spielt diese Rolle mit einer beängstigenden Präzision, während sie ihre Opfer in eine tödliche, schwarze Leere lockt. Es ist eine faszinierende Dekonstruktion ihrer eigenen Star-Persona, bei der sie ihre physische Anziehungskraft als tödliches Werkzeug einsetzt.
Dieser Film ist ein Highlight für Fans von anspruchsvollem Sci-Fi-Horror, die Johansson jenseits von Blockbuster-Action in einer ihrer mutigsten Rollen erleben möchten. Sie ist hier keine "böse Person" im herkömmlichen Sinne, sondern ein Wesen, das außerhalb unserer moralischen Kategorien steht. Fun Fact: Um die Bilder so authentisch wie möglich zu gestalten, wurden einige Szenen mit versteckten Kameras gedreht, und einige der Männer, die sie aus dem Transporter heraus ansprach, waren keine Schauspieler, sondern ahnungslose Passanten, die erst hinterher aufgeklärt wurden.
Mark Ruffalo in "Poor Things" (2023)
Mark Ruffalo, den die meisten als den sanftmütigen Bruce Banner oder den wütenden Hulk aus The Avengers kennen, liefert in Poor Things (2023) eine Performance ab, die so weit vom MCU entfernt ist wie nur möglich. Als Duncan Wedderburn spielt er einen schmierigen, narzisstischen Schnösel, der die naive Bella Baxter auf eine Reise durch Europa mitnimmt. Was anfangs wie eine Verführung wirkt, entpuppt sich schnell als der verzweifelte Versuch eines Kontrollfreaks, eine Frau zu seinem Eigentum zu machen. Ruffalo zeigt hier ein unglaubliches Talent für körperliche Komik und die Darstellung männlicher Fragilität. Wenn Wedderburn erkennt, dass er Bella nicht bändigen kann, zerfällt sein stolzes Weltbild in einem hysterischen Nervenzusammenbruch, der sowohl lächerlich als auch böse wirkt.
Dieser Film ist ideal für Fans von surrealem Arthouse-Kino und gesellschaftskritischen Satiren. Ruffalo bricht hier komplett mit seinem Image des freundlichen Teamplayers. Sein Schurke ist kein Weltenzerstörer, sondern ein toxischer Egoist, dessen Bosheit aus Unsicherheit und Anspruchdenken resultiert. Verglichen mit Stephen aus Django Unchained ist Duncan Wedderburn viel emotionaler und instabiler. Er ist der Typ Bösewicht, über den man lachen kann, während man ihn verachtet. Für Ruffalo-Fans ist es eine Offenbarung zu sehen, wie er seine gewohnte Zurückhaltung aufgibt, um einen Mann zu spielen, der absolut keine Selbstbeherrschung besitzt – ein interessanter Spiegel zu seiner Rolle als Hulk, nur ohne das grüne Make-up.
Jeremy Renner in "The Town" (2010)
Bevor Jeremy Renner als Hawkeye in Thor zum treffsichersten Bogenschützen der Avengers wurde, beeindruckte er in The Town - Stadt ohne Gnade (2010) als James „Jem“ Coughlin. Jem ist das explosive Herz einer Bankräuber-Gang, ein Mann, für den Gewalt keine Notlösung, sondern eine Lebenseinstellung ist. Renner spielt Jem mit einer unvorhersehbaren Intensität; er ist wie eine tickende Zeitbombe. Doch hinter der Brutalität liegt eine tief verwurzelte, wenn auch fehlgeleitete Loyalität zu seinem besten Freund. Diese Ambivalenz brachte Renner eine Oscar-Nominierung ein und bewies, dass er komplexe Charaktere am Rande des Abgrunds mit einer erschreckenden Authentizität verkörpern kann.
The Town ist ein packender Heist-Thriller für alle, die realistische Kriminalgeschichten und intensive Charakterkonflikte lieben. Renners Performance ist das genaue Gegenteil seiner disziplinierten Rolle als Clint Barton. Während Hawkeye immer das große Ganze im Blick hat und für das Gute kämpft, ist Jem im Chaos seines Umfelds gefangen. Im Vergleich zu Chris Hemsworths theatralischem Dementus in Furiosa: A Mad Max Saga ist Renners Schurke bodenständig und schmerzhaft real. Er braucht keine Monologe über das Ende der Welt; ein simpler, kalter Blick in einem Parkhaus reicht aus, um die Bedrohung spürbar zu machen. Es ist eine Erinnerung daran, dass die gefährlichsten Menschen oft diejenigen sind, die nichts mehr zu verlieren haben.
Paul Bettany in "The Da Vinci Code" (2006)
Paul Bettany ist im MCU die Stimme der Vernunft als J.A.R.V.I.S. und später der mitfühlende Synthezoid Vision in Avengers: Age of Ultron (2015). Doch lange vor seiner Zeit als Avenger lieferte er in The Da Vinci Code - Sakrileg (2006) eine schaurig schöne Performance ab: Silas ist ein Albino-Mönch und ein religiöser Fanatiker, der als gnadenloser Attentäter für die Organisation Opus Dei fungiert. Bettany spielt diese Rolle mit einer beunruhigenden Stille und einer physischen Hingabe, die unter die Haut geht – besonders in den Szenen der Selbstgeißelung. Sein Silas ist kein klassischer Bösewicht, der aus Gier handelt, sondern ein zutiefst traumatisierter Mann, der glaubt, durch seine grausamen Taten Gottes Willen zu erfüllen.
Die Romanverfilmung ist perfekt für Fans von Verschwörungstheorien und historischen Rätseln. Bettany schafft es, dem Mörder Silas eine tragische Note zu verleihen, ohne seine Grausamkeit zu entschuldigen. Er ist eine reine Funktionsmaschine des Bösen, was ihn in eine faszinierende Verbindung zu seiner späteren Rolle als Vision bringt, der ebenfalls nach Logik und Bestimmung sucht – nur eben am entgegengesetzten Ende des moralischen Spektrums. Im Vergleich zum charismatischen Stephen aus Django Unchained ist Silas wie ein tödlicher Geist, eine bleiche Erscheinung, die lautlos aus den Schatten tritt. Bettanys Fähigkeit, eine solche Kälte auszustrahlen, macht ihn zu einem weiteren Beleg dafür, wie souverän Avengers-Stars die Grenze zwischen Menschlichkeit und Niedertracht ausloten.







































































































































































































































