Ryan Cooglers Blood & Sinners, der in keine gängige Schublade passen will, hat bei den Oscar-Nominierungen vermutlich alle überrascht. Mit seinen 16 Nominierungen hat der Film einen Rekord aufgestellt, der mit Sicherheit eine Weile Bestand haben wird.
Geführt hatten bisher Alles über Eva (1950), Titanic (1997) und La La Land (2016) mit je 14 Nominierungen – eine Übersicht über die Filme auf den hinteren Plätzen findet sich hier. Gleich zwei Nominierungen mehr als die bisherigen Rekordhalter – das stand nicht zu erwarten, als der Film am 17. April 2025 in Deutschland und einen Tag später in den USA in die Kinos kam.
In welchen 16 Kategorien ist „Blood & Sinners” nominiert?
Irgendwo zwischen From Dusk Till Dawn (1996), Crossroads (1986) und 12 Years a Slave (2013) findet Blood & Sinners seine eigene Nische, um die Rassismus- und Segregationsgeschichte der USA mit gewaltiger Deutlichkeit anzuprangern. Die Weißen saugen die Schwarzen buchstäblich aus und damit auch Teile ihrer kulturellen Identität – im Film vor allem repräsentiert durch den Blues. Zu den stärksten und berührendsten Momenten gehört nicht umsonst die Szene, in der vergangene und zukünftige Musik mit dem Blues im Musikschuppen eins werden. Kraftvoll und dynamisch erzählt der Film diese im wahren wie übertragenen Sinne blutige Geschichte und beschreitet damit auf meisterhafte Weise neue Wege. Die Academy hat das belohnt mit Nominierungen in allen Kategorien, für die Blood & Sinners infrage kommt – außer einer: der Besten weiblichen Hauptrolle, und hier ließe sich vortrefflich darüber streiten, ob Hailee Steinfelds Figur der Mary überhaupt als Hauptrolle gelten kann. Ansonsten aber lässt der Film keine Kategorie aus.
Wer ist der größte Konkurrent?
Viele Nominierungen garantieren keinesfalls den Gewinn vieler Trophäen. Bei Titanic hatte das 1998 geklappt, der Film hat elf Oscars gewonnen. Entscheidend ist die jeweilige Konkurrenz, und da hat Blood & Sinners in diesem Jahr ziemliches Pech, denn noch ein zweiter Film hat das Jahr über die Branche dominiert. Paul Thomas Andersons One Battle After Another (2025) mag zwar nur 13 Mal für einen Oscar nominiert worden sein. Doch schaut man sich die wichtigsten Preisverleihungen dieser Saison an, dann muss Andersons Film klar als Favorit gelten. In den Hauptkategorien sowohl der Golden Globes als auch bei der Mehrzahl der Kritikerpreise hat One Battle After Another stets die Oberhand über Blood & Sinners behalten können.
Diese Oscars sind drin – und welche eher nicht
Paul Thomas Anderson ist einfach fällig – so oft für einen Oscar nominiert, noch nie gewonnen. Ich lege mich fest: Bester Film und Beste Regie gehen an One Battle After Another. Ich denke, Ryan Coogler wird eher das Schicksal eines Quentin Tarantino teilen, der nie den Regie-, sondern zweimal den Drehbuch-Oscar bekam. Der Preis fürs Beste Originaldrehbuch dürfte also an Coogler gehen – zumal Anderson ja in der anderen Drehbuch-Kategorie, Bestes adaptiertes Drehbuch, konkurriert. Ziemlich sicher dürften Blood & Sinners auch die beiden Musik-Oscars sein. Ludwig Göranssons Score steht derart zentral für das Wirken des Films, dass es verwunderlich wäre, wenn Göransson nach Oppenheimer (2023) nicht seinen zweiten sowie für den Song (gemeinsam mit Raphael Saadiq) auch seinen dritten Oscar gewinnen würde. Kostüm, Ausstattung, Makeup – in diesen Kategorien könnte es weitere Preise für Blood & Sinners geben, sofern sich der Film insgesamt, so hoffe ich, gegen Guillermo del Toros schwachen Frankenstein (2025) durchsetzen kann. Bei den Schauspielkategorien sowie Kamera und Schnitt hingegen dürfte es knapp werden. Autumn Durald Arkapaw könnte Geschichte schreiben und die erste Kamerafrau of Colour werden, die den Oscar gewinnt. Aber wird es ihren Bildern möglich sein, Michael Baumans so einprägsame Roadmovie-Aufnahmen aus One Battle After Another zu überschreiben?
Wer weiß das schon: Die Academy-Mitglieder waren immer schon für Überraschungen gut. Am 15. März 2026 wird die 98. Verleihung der Academy Awards in Los Angeles über die Bühne des Dolby Theatre gehen – danach werden wir es wissen.


































































































































































































































