
So endete „The Walking Dead“ – und so könnte es weitergehen
Elf Staffeln, 177 Episoden und eine kaum noch überschaubare Zahl blutiger Abschiede später verabschiedete sich The Walking Dead (2010) im November 2022 von seinem Publikum. Zumindest offiziell. Denn statt die Tür hinter sich zu schließen, schickte das Finale seine wichtigsten Überlebenden in alle Himmelsrichtungen. Rick machte sich auf den Weg nach Hause, Daryl ritt ins nächste Abenteuer, Maggie plante ihre Zukunft und Negan blieb der Mann, mit dem niemand jemals ganz fertig wird.
Netflix bringt diese verstreuten Geschichten nun zumindest auf einer Plattform wieder zusammen. Möglich macht das ein fünfjähriger Lizenzvertrag mit AMC, der Berichten zufolge rund 500 Millionen US-Dollar wert ist und ab 2027 sämtliche sechs Spin-offs weltweit zu Netflix bringen soll. Eine zwölfte Staffel der Hauptserie oder ein Reboot wurden damit zwar nicht angekündigt. Der Deal macht aber deutlich: The Walking Dead mag beendet sein – erzählt ist die Geschichte seiner Figuren noch lange nicht.
Das Commonwealth überlebte, aber die Gruppe zerfiel
Die letzte Folge, „Rest in Peace“, beendete den Aufstand im Commonwealth – einer riesigen Gemeinschaft, die Supermärkte, Eiscreme und sogar die Klassenunterschiede der Alten Welt bewahrt hatte. Als eine gewaltige Beißerhorde die Stadt überrannte, verlor Gouverneurin Pamela Milton (Laila Robins) die Unterstützung ihrer Soldaten und Bewohner. Nach ihrem Sturz übernahmen Ezekiel Sutton (Khary Payton) und Mercer (Michael James Shaw) die Führung, während Pamela im Gefängnis landete.

Der Sieg hatte jedoch einen hohen Preis. Rosita Espinosa (Christian Serratos) wurde bei der Flucht gebissen, verschwieg die Verletzung zunächst und verabschiedete sich später im Kreis ihrer Tochter und engsten Freunde. Ihr Tod zählte zu den emotionalsten Momenten des Serienfinales.
Ein Zeitsprung um ein Jahr zeigte schließlich ein weitgehend friedliches Alexandria und Commonwealth. Doch ausgerechnet die wichtigsten Figuren zogen wieder hinaus in die Welt: Maggie Rhee (Lauren Cohan) wollte die Gebiete jenseits der bekannten Siedlungen erkunden, während Daryl Dixon (Norman Reedus) auf seinem Motorrad zum nächsten Abenteuer aufbrach.
Die letzten Minuten machten jedoch klar, warum dieses Ende nie endgültig wirken konnte. Rick Grimes (Andrew Lincoln) befand sich weiterhin in der Gewalt der Civic Republic Military, während Michonne (Danai Gurira) noch immer nach ihm suchte. Das Commonwealth war gerettet, doch die Familie, um die sich die Serie seit ihrem Beginn gedreht hatte, bekam nicht einmal ein gemeinsames Wiedersehen.
Die Ableger reparieren das Ende, nur nie am selben Ort
The Walking Dead: The Ones Who Live (2024) lieferte Rick und Michonne später den Abschluss, den ihnen die Mutterserie verweigert hatte. Michonne fand ihren verschwundenen Ehemann, beide stellten sich der mächtigen Civic Republic Military und kehrten schließlich zu Judith Grimes (Cailey Fleming) und RJ Grimes (Antony Azor) zurück. Daryl und Carol Peletier (Melissa McBride) befinden sich dagegen noch immer in Europa. The Walking Dead: Daryl Dixon (2023) hat die Zombieapokalypse nach Frankreich und Spanien verlegt, soll mit seiner vierten Staffel jedoch enden. Maggie und Negan (Jeffrey Dean Morgan) hängen derweil in The Walking Dead: Dead City (2023) zwischen den Ruinen Manhattans fest, wo aus ihrer alten Feindschaft längst eine unfreiwillige Abhängigkeit geworden ist.

Damit schlossen die Ableger zwar einzelne Lücken, lieferten aber weiterhin nicht jenes große Wiedersehen, das der Mutterserie im Finale gefehlt hatte. Rick und Michonne kehrten zu ihren Kindern zurück, Daryl und Carol befanden sich noch immer in Europa, während Maggie und Negan in Manhattan ums Überleben kämpften und dort eine neue Gemeinschaft aufbauten. Ihre Geschichten blieben eng miteinander verbunden – spielten inzwischen jedoch auf verschiedenen Kontinenten.
Das Comicende führt nicht zurück, sondern weit nach vorn
Robert Kirkmans Comicreihe wählte einen deutlich radikaleren Abschluss. Rick wurde nach dem Konflikt im Commonwealth von Sebastian Milton erschossen, woraufhin Carl seinen untoten Vater töten musste. Anschließend sprang die Handlung rund 25 Jahre in die Zukunft: Carl lebte mit Sophia und ihrer Tochter Andrea auf einer Farm, Maggie war Präsidentin, und Beißer waren so selten geworden, dass Hershel sie als Jahrmarktattraktion vorführte.
Für die Serie ließ sich dieses Ende kaum übernehmen. Carl Grimes (Chandler Riggs) und Sophia Peletier (Madison Lintz) starben dort lange vor dem Finale, während Rick die Civic Republic Military überlebte. Eine mögliche Fortsetzung könnte jedoch den wichtigsten Gedanken der Comicvorlage aufgreifen: Die spannendste Zukunft liegt nicht in der nächsten Beißerhorde, sondern in einer Welt, in der die Menschen endlich nicht mehr jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen.
Judith könnte dabei Carls Platz einnehmen. Daryl, Carol und Michonne kennt sie seit ihrer Kindheit, während von Rick nur frühe Erinnerungen und die Erzählungen der anderen geblieben sind. Ein größerer Zeitsprung könnte zeigen, ob ihre Generation noch immer die Kriege der Eltern austragen muss oder längst begonnen hat, deren Erlebnisse in Heldengeschichten umzuschreiben.
Eine Rückkehr benötigt keinen größeren Bösewicht
Eine gewöhnliche zwölfte Staffel würde wahrscheinlich erneut bei einem bewaffneten Tyrannen, einer bedrohten Siedlung und einem Zaun voller Beißer beginnen. Spannender wäre eine begrenzte Reunion-Serie, die nach den Ereignissen aller Ableger ansetzt und die verbliebenen Figuren erstmals wieder zusammenführt.
Die Neuordnung der Civic Republic nach dem Sturz der alten CRM-Führung böte dafür reichlich Stoff. Alexandria, das Commonwealth, die Civic Republic und New Babylon könnten versuchen, eine gemeinsame Ordnung aufzubauen, während Rick nach Jahren der Gefangenschaft jeder neuen Großmacht misstrauen würde. Maggie müsste entscheiden, ob Negan in dieser Welt einen Platz verdient, und Daryl könnte von einem Europa berichten, das ganz eigene Wege im Umgang mit den Untoten gefunden hat.
Netflix hat eine solche Fortsetzung bislang nicht bestellt. Der neue Lizenzvertrag macht aber deutlicher denn je, wie viele Handlungsstränge AMC eines Tages wieder zusammenführen könnte. Vielleicht bleibt es dauerhaft bei getrennten Ablegern. Vielleicht endet die Geschichte aber doch noch mit dem Wiedersehen, das der Mutterserie im Finale verwehrt blieb: Rick, Daryl, Carol, Maggie und die anderen endlich wieder an einem Ort – vereint, kurz bevor draußen erneut etwas gegen das Tor schlägt.





























