„The Runner“ zeigt, warum das Smartphone die perfekte Thriller-Falle geworden ist

„The Runner“ zeigt, warum das Smartphone die perfekte Thriller-Falle geworden ist

Veröffentlicht am13. September 2026

Aktualisiert am13. September 2026

Add us on

Am Morgen ist der Blick aufs Smartphone für Maia Marten (Gal Gadot) noch reine Routine. Ihr Sohn Noah (Rory Wilmot) hat Diabetes, also kontrolliert sie seinen Glukosewert, bevor beide in ihren Tag starten. Wenig später sieht Maia wieder Zahlen zu Noahs Blutzucker auf dem Display, nur sitzt der Junge inzwischen in der Gewalt eines Entführers. Der unbekannte Anrufer (Damian Lewis) hat Maia während ihres Laufs durch London erreicht und verlangt, dass sie einen wichtigen Zeugen in ihrem eigenen Fall tötet. Ab jetzt soll sie weiterlaufen, Befehle befolgen und niemanden einweihen. In The Runner (2026) ist das Smartphone deshalb mehr als die moderne Version eines Telefonhörers. Über dasselbe Gerät, mit dem Maia eben noch ihren ganz normalen Familienalltag organisiert hat, hält der Entführer sie nun bei sich. Vor mehr als 20 Jahren kamen Thriller mit einer Telefonzelle oder der Angst vor einem Funkloch aus. Heute hat sich vor allem verändert, was alles an einer Verbindung hängen kann.

Erst kümmert sich Maia per Smartphone um Noah, dann tut es der Entführer

Dass Noahs Diabetes schon vor der Entführung eine Rolle spielt, ist für die Idee des Films wichtiger, als es zunächst aussieht. Maia benutzt ihr Smartphone selbstverständlich, um seinen Gesundheitszustand im Blick zu behalten; später macht der Entführer dieselbe Information zur Drohung und schickt ihr aktuelle Werte. Das ist sehr viel wirksamer, als Maia einfach nur regelmäßig daran zu erinnern, dass Noah in Gefahr ist. Jede Veränderung auf dem Display kann bedeuten, dass sie weniger Zeit hat. Gleichzeitig hat sie einen guten Grund, das Telefon nicht auszuschalten, selbst wenn sie damit den direkten Draht zu ihrem Erpresser loswerden könnte. Dazu kommt, dass der Mann Zugriff auf ihr Smartphone hat und ihre Bewegungen kennt, während sie in Echtzeit durch London geschickt wird. Maia ist körperlich ständig unterwegs und bleibt doch an eine Stimme gebunden, die selbst kaum in Erscheinung treten muss. Die Technik sorgt hier also nicht dafür, dass jemand irgendwo feststeckt. Sie erlaubt dem Täter vielmehr, mitzulaufen, ohne einen einzigen Schritt machen zu müssen.

„Nicht auflegen!“ und „Final Call“ hatten noch ganz andere Sorgen

Larry Cohen brauchte für Nicht auflegen! (2003) sehr viel weniger Technik. Stu Shepard (Colin Farrell) nimmt in einer New Yorker Telefonzelle einen Anruf entgegen und erfährt, dass ein Scharfschütze ihn im Visier hat. Der Anrufer (Kiefer Sutherland) weiß, wo Stu steht, weil er ihn sehen kann, und das Gewehr verhindert, dass er einfach verschwindet. Zwei Jahre später verschob Cohen die Idee für Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben (2004) bereits aufs Handy. Die entführte Jessica Martin (Kim Basinger) erreicht über ein beschädigtes Telefon zufällig Ryan (Chris Evans), der außerhalb ihres Verstecks unterwegs ist und Hilfe holen soll. Nun ist Mobilität plötzlich ein Vorteil, dafür wird die Verbindung selbst empfindlich: Ryan darf Jessica nicht verlieren, obwohl Empfang und Akku jederzeit Probleme machen können. Beide Geschichten stammen von Cohen, doch ihre Telefone erfüllen beinahe entgegengesetzte Aufgaben. Stu will weg vom Hörer, Jessica braucht ihn zum Überleben. The Runner kann mit beidem kaum noch arbeiten. Maia muss nicht neben einem Apparat stehen bleiben, und dass ein Smartphone mitten in London minutenlang einfach keinen Dienst mehr hat, wäre 2026 eher erklärungsbedürftig als spannend.

Für einen modernen Telefon-Thriller ist Erreichbarkeit das größere Problem

Also nutzt The Runner Dinge, die frühere Telefon-Thriller noch gar nicht zur Verfügung hatten. Auf einem Smartphone liegen Kommunikation und persönliche Informationen dicht beieinander, Standortdaten können eine Bewegung nachvollziehbar machen, Gesundheitswerte landen auf dem Display und der Besitzer trägt das Gerät freiwillig den ganzen Tag mit sich herum. Der Film übertreibt dabei durchaus, wie umfassend sein Anrufer Maia kontrollieren kann; seine technischen Möglichkeiten sollte man nicht alle auf die Goldwaage legen. Interessanter wird die Sache dort, wo gar keine spektakuläre Hacker-Magie nötig ist. Maia braucht das Smartphone selbst, weil Noah verschwunden ist und sie jede Information über ihn haben will. Der Entführer muss ihr das Gerät deshalb nicht aufzwingen. Er muss nur dafür sorgen, dass sie weiter darauf schaut. Die Echtzeit-Erzählung passt dazu, weil zwischen seinen Anweisungen kaum Ruhe entsteht: Maia rennt, das Telefon meldet sich, Noahs Zustand verändert sich, und der nächste Befehl wartet bereits. Eine Telefonzelle konnte man nach Nicht auflegen! noch als ziemlich spezielle Falle betrachten. Bei The Runner stammt ein Teil des Unbehagens aus etwas viel Gewöhnlicherem: Maia benutzt ihr Telefon im Grunde genauso, wie sie es schon vor dem ersten Anruf getan hat.

01

The Runner
The Runner

The Runner

2026

Das Leben von Maia Marten, einer Londoner Anwältin, wird durch einen Anruf während ihres morgendlichen Laufs aus den Fugen gerissen: Ihr Sohn wurde entführt. Um ihn zurückzubekommen, muss sie weiterlaufen, jeden skrupellosen Befehl befolgen und niemandem vertrauen. Jede Sekunde ist eine Prüfung dafür, wie weit eine Mutter für ihr Kind gehen würde.

02

Nicht auflegen!
Nicht auflegen!

Nicht auflegen!

2003

Stu Shepard ist ein arroganter Medienagent, der gnadenlos Menschen gegeneinander ausspielt und mit ihnen handelt. Dies tut er meist mit mehreren Handys auf offener Straße, während sein Assistent kaum Schritt halten kann. Als er mit seiner Geliebten über eine Telefonzelle anrufen will, und diese gleich zurückrufen will, da sie gerade keine Zeit hat, verändert sich sein Leben schlagartig. Am anderen Ende ist ein Sniper, der ihm das Lebenslicht auspustet, sobald er den Hörer auflegt...
Jessica Martin, unterrichtet an der Highschool und führt ein geordnetes Leben mit ihrem Mann Craig und ihrem Sohn Ricky. Damit ist es jedoch schlagartig vorbei, als sie von fünf Unbekannten aus ihrer Wohnung gekidnappt und an einen geheimen Ort verschleppt wird. Als sie alleine auf dem Speicher ist, gelingt es ihr, ein defektes Telefon zu reparieren und heimlich eine ihr unbekannte Nummer anzurufen. Sie erreicht das Handy von Ryan. Nun macht Jessica ihm klar, dass ihr Leben von ihm abhängen kann: Noch einen Anruf wird sie nicht starten können und wenn er auflegt, könne ihr niemand mehr helfen. Ryan stürmt in die nächste Polizei-Station und weckt das Interesse von Detective Mooney, der sich aber dann um eine Schlägerei kümmern muss und den jungen Mann zur Mordkommission schickt. Dort muss er dann einsehen, dass auch von der Polizei nicht viel Hilfe zu erwarten ist und er sich wohl auf eigene Faust auf die Suche nach dem Entführungsopfer machen muss.

Über diese Liste

Titel

3

Gesamtkosten fürs Ansehen

6,48 €

Gesamtlaufzeit

4h 20min

Genres

Mystery & Thriller, Action & Abenteuer, Krimi

Wo kann ich die Titel von dieser Liste online anschauen?

Finde heraus, welcher Streamingdienst die meisten Titel von dieser Liste anbietet.

Auf dieser Liste befinden sich 3 Titel und du kannst 1 von ihnen auf Amazon Prime Video anschauen. 2 weitere Streamingdienste haben aktuell ebenfalls einige der Titel im Angebot.

  1. 1 TitelAmazon Prime Video
  2. 1 TitelAmazon Prime Video with Ads
  3. 1 TitelDisney Plus

JustWatch Shorts