
Netflix’ Mr.-T-Doku hat ein Problem: Der A-Team-Star sagt, sie versteht ihn falsch
Eine Dokumentation über das eigene Leben als „garbage“ zu bezeichnen, gehört eher nicht zur üblichen Netflix-Promo. Mr. T hält sich trotzdem nicht zurück. Der heute 74-Jährige wurde in den 1980ern als B.A. Baracus in Das A-Team (1983) und als Clubber Lang in Rocky III – Das Auge des Tigers (1982) weltberühmt. Seit dem 8. September erzählt Untold Mr. T: I Pity The Fool (2026) nun seine Geschichte - und ausgerechnet Mr. T selbst findet, dass sie an entscheidenden Stellen danebenliegt. Ihn stört vor allem, dass der Film angebliche Starallüren und den späteren Karriereknick breit behandelt, während sein Glaube, die Zeit beim Militär und sein soziales Engagement deutlich weniger Raum bekommen.
Mr. T hat sich seinen Namen nicht für Hollywood ausgedacht
Geboren wurde er als Laurence Tureaud in Chicago. Schon mit 18 änderte er seinen Namen offiziell in Mr. T. Dahinter stand eine Erfahrung, die lange vor Hollywood begann: Sein Vater, sein Onkel und einer seiner Brüder waren von weißen Männern als „Boy“ angesprochen worden. Bei ihm sollte dagegen schon das erste Wort Respekt verlangen: „Mr.“ Später diente er in der US-Armee, arbeitete als Türsteher und Bodyguard und landete schließlich vor der Kamera. Sein Auftritt als Clubber Lang, der Rocky Balboa (Sylvester Stallone) provoziert und verprügelt, machte ihn schlagartig zum Star. Mit Das A-Team folgte kurz darauf der endgültige Durchbruch. Irokesenschnitt, Goldketten und sein ruppiger Ton wurden zu seinem Markenzeichen – und überdeckten irgendwann fast vollständig den Menschen dahinter.
Netflix sieht einen Karriereknick, Mr. T sieht das anders
Die Dokumentation beschäftigt sich ausführlich mit der Frage, warum auf diesen gewaltigen Erfolg keine jahrzehntelange Hollywood-Karriere auf demselben Niveau folgte. Sein früherer Agent Peter Young erinnert sich an hohe Ansprüche und Entscheidungen, mit denen Mr. T sich selbst geschadet habe. Mr. T bewertet diese Jahre nach einem anderen Maßstab. Als Kind hatte er seiner Mutter versprochen, ihr eines Tages ein Haus und schöne Kleider kaufen zu können. Als er genug verdient hatte, um dieses Versprechen einzulösen, war eines seiner wichtigsten Ziele erreicht. Noch mehr Rollen, noch größere Gagen und ein möglichst langes Leben im Rampenlicht waren für ihn danach nicht automatisch der nächste Schritt. Damit widerspricht er nicht jedem Vorwurf aus dem Film. Mr. T konnte ein schwieriger Superstar gewesen sein und gleichzeitig irgendwann weniger Interesse an Hollywood gehabt haben. Sein Ärger richtet sich vielmehr dagegen, dass die Doku aus weniger Erfolg vor der Kamera fast zwangsläufig einen persönlichen Absturz macht.
Sein früherer Agent bekommt mehr Raum als sein Pastor
Am stärksten stört Mr. T die Beteiligung von Peter Young. Die beiden trennten sich im Streit, später verklagte er seinen früheren Agenten nach eigener Aussage wegen Verträgen, die ohne sein Wissen abgeschlossen worden seien. Vor den Dreharbeiten habe er Regisseur Scott Weintrob deshalb ausdrücklich gesagt, dass er Young nicht in der Dokumentation sehen wolle. Trotzdem kommt Young ausführlich zu Wort und kritisiert unter anderem Mr. Ts Auftritt als bärtige Dame in Freaks – Das ultimative Monster-Grusel-Kabinett! (1993). Mr. T selbst verstand die Rolle als Gelegenheit, sein Macho-Image auf den Kopf zu stellen.
Ganz anders erging es seinem langjährigen Pastor Reverend Henry Hardy. Der sei zwei Tage lang interviewt worden und im fertigen Film nur wenige Sekunden zu sehen. Für Mr. T ist das kein nebensächliches Detail, denn sein christlicher Glaube begleitet ihn seit Jahrzehnten. Schon während der Dreharbeiten zu Rocky III – Das Auge des Tigers half er in Obdachlosenunterkünften in Los Angeles, später unterstützte er unter anderem Make-A-Wish und engagierte sich nach Hurrikan Katrina.
Warum Mr. T mit seiner Kritik nicht ganz falsch liegt
Dass Mr. T den Film ablehnt, beweist noch nicht, dass Netflix ihn unfair behandelt. Eine unabhängige Dokumentation darf kritische Stimmen zeigen, auch wenn der Porträtierte sie lieber nicht dabeihätte. Ebenso wenig muss sie seine eigene Sicht auf seine Karriere übernehmen. Interessant wird der Streit dort, wo die Auswahl der Geschichten ins Spiel kommt. Wer erklären möchte, was hinter der übergroßen Fernsehpersona steckte, kommt an Religion, Familie und Hilfsarbeit kaum vorbei. Genau diese Bereiche fehlen Mr. T aber.
Und dann ist da noch der fast schon absurde kleine Fehler am Rand: Die Dokumentation schreibt Laurence Tureauds Namen laut „Guardian“ durchgehend als „Tero“. Bei einem Film, der erklären will, wer Mr. T wirklich ist, hätte sein richtiger Name nun wirklich ein ziemlich guter Anfang sein können.










































