100 Jahre Marilyn Monroe: Ihre 5 zeitlosesten Filme

100 Jahre Marilyn Monroe: Ihre 5 zeitlosesten Filme

Ahmet Iscitürk
Ahmet Iscitürk

Veröffentlicht am 01. Juni 2026

Aktualisiert am 01. Juni 2026

Am 1. Juni 2026 wäre Marilyn Monroe 100 Jahre alt geworden. Die Schauspielerin, die eigentlich Norma Jeane Mortenson hieß und am 5. August 1962 im Alter von nur 36 Jahren an einer Überdosis Barbiturate starb, wurde zur vielleicht größten Hollywood-Legende überhaupt: blond, verführerisch, tragisch, ewige Pop-Ikone. Bis heute ranken sich Mythen und Spekulationen um ihren frühen Tod.

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Wer ihre Filme heute neu schaut, merkt schnell, dass das berühmte Bild der glamourösen Blondine viel zu klein ist. Monroe war nicht einfach eine hübsche Projektionsfläche, sondern eine brillante Komödiantin, eine unterschätzte dramatische Schauspielerin und oft deutlich klüger als die Rollen, in die Hollywood sie presste.

Dieser Artikel schaut deshalb nicht nur nostalgisch durch die rosarote Retrokamera, sondern fragt auch, welche Filme heute noch überraschend zeitlos wirken – und welche inzwischen eher nach überholten Rollenbildern und alten Hollywood-Klischees riechen.

Manche mögen’s heiß (1959) ist nicht nur der kultigste, sondern auch der stärkste Monroe-Streifen. Zwei Musiker fliehen nach einem Mafia-Massaker in Frauenkleidern in eine Damenband, Monroe spielt Sugar Kane, und Billy Wilder baut daraus eine Komödie, die bis heute mehr Energie hat als viele moderne Prestige-Komödien mit drei Meta-Ebenen und null Timing. 

Natürlich ist nicht alles unproblematisch, einzelne Geschlechter- und Objektifizierungs-Gags tragen klar ihr Entstehungsjahr im Gesicht. Trotzdem wirkt der Film erstaunlich zeitlos, weil er Geschlechterrollen, Verkleidung und Begehren mit einer Freiheit durchspielt, die für 1959 bemerkenswert frech ist. 

Im Vergleich zu Das verflixte 7. Jahr (1955) ist Monroe hier keine bloße Fantasiefigur eines Mannes, sondern Teil eines Ensembles, in dem fast jede Figur mehr vortäuscht, versteckt oder begehrt, als sie offen sagen darf. Dass das American Film Institute den Film auf Platz eins seiner größten US-Komödien führt, ist kein Zufall.

Blondinen bevorzugt (1953) klingt auf dem Papier wie der Inbegriff eines alten Hollywood-Stereotyps: Zwei Showgirls reisen nach Paris, Männer drehen durch, Diamanten funkeln, und Monroe singt sich in die Popkulturgeschichte. 

Der Witz ist nur: Der Film ist deutlich cleverer als sein Ruf. Lorelei Lee ist keine naive Blondine, sondern eine Frau, die sehr genau verstanden hat, wie Kapital, Begehren und männliche Eitelkeit funktionieren. Jane Russell als Dorothy Shaw macht daraus zusätzlich eine Freundinnen-Komödie, in der weibliche Solidarität wichtiger ist als die nächste romantische Eroberung. 

Im Vergleich zu Wie angelt man sich einen Millionär? (1953) wirkt die Geldheirat hier weniger wie ein altmodisches Lebensmodell und mehr wie ein ziemlich cleverer Kommentar auf eine Welt, in der Männer über Geld, Status und Sicherheit entscheiden. Der Film funktioniert heute nicht nur wegen Monroes Star-Appeal, sondern weil er unter all dem Glitzer ziemlich genau vermittelt, wie eng Sexismus, Geld und Macht miteinander verbunden sind.

Misfits - Nicht gesellschaftsfähig (1961) ist kein Wohlfühlklassiker, sondern eher der Moment, in dem der alte Hollywood-Mythos sichtbar Risse bekommt. Monroe spielt Roslyn, eine frisch geschiedene Frau, die in Nevada auf Männer trifft, die selbst nicht mehr wissen, wohin mit ihrer Cowboy-Männlichkeit. John Hustons Film ist langsam, melancholisch, manchmal sperrig, aber gerade deshalb wirkt er heute stark. 

Er schaut auf Ausbeutung, Einsamkeit und männliche Selbstmythologisierung, lange bevor solche Begriffe in Feuilletons Hochkonjunktur hatten. Im Vergleich zu Fluß ohne Wiederkehr (1954) ist der Western-Kontext hier nicht bloß Abenteuerkulisse, sondern ein Abgesang auf ein kaputtes Ideal von Freiheit. Monroe ist hier nicht nur schöne Dekoration, sondern die Figur, an der sich zeigt, wie kaputt die Männer um sie herum eigentlich sind. Gerade deshalb wirkt Misfits heute stärker als viele Filme, die sie nur als glamouröse Projektionsfläche einsetzen.

Versuchung auf 809 (1952) zeigt sehr deutlich, dass Marilyn Monroe mehr konnte, als ihr Image lange vermuten ließ. Sie spielt Nell Forbes, eine junge Babysitterin, die äußerlich zunächst freundlich und unsicher wirkt, innerlich aber sichtbar mit schweren seelischen Belastungen kämpft. Der Film macht daraus keinen billigen Schockeffekt, sondern baut die Spannung langsam über Monroes Blick, ihre Körpersprache und die immer stärkere Verschiebung zwischen Verletzlichkeit und Gefahr auf. 

Gerade im Vergleich zu Machen wir’s in Liebe (1960) wird klar, wie viel spannender Monroe sein konnte, wenn sie nicht nur als glamouröser Mittelpunkt einer Komödie eingesetzt wurde. Der Thriller ist kompakt, düster und wirkt in manchen Momenten erstaunlich modern, weil er psychische Instabilität nicht einfach als Schwäche zeichnet. Wer Monroe nur als Pop-Ikone kennt, sieht hier eine deutlich ernstere, riskantere Seite ihrer Arbeit.

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Niagara
Niagara

Niagara

1953

Niagara (1953) ist der Film, in dem Monroe endgültig zum Star wurde, aber er ist interessanter als sein Ruf als bloßes Hochglanz-Vehikel. Henry Hathaways Thriller nutzt die Niagarafälle nicht nur als spektakuläre Kulisse, sondern als ziemlich eindeutiges Bild für unterdrückte Gewalt, sexuelle Spannung und emotionale Überforderung. 

Monroe spielt Rose Loomis nicht als nettes Mädchen von nebenan, sondern als Frau, die ihre Wirkung kennt und sie einzusetzen weiß. Im Vergleich zu Blondinen bevorzugt fehlt hier die komödiantische Selbstironie, dafür bekommt man eine kühlere, härtere Monroe, die sehr genau kontrolliert, wie sie gesehen wird. Heute funktioniert Niagara besonders für alle, die klassisches Hollywood nicht nur wegen des Glamours schauen, sondern wegen der dunkleren Strömungen darunter: Begehren, Macht, Eifersucht und Manipulation.

Das verflixte 7. Jahr besitzt natürlich eines der berühmtesten Bilder der Filmgeschichte: Monroe über dem U-Bahn-Schacht, weißes Kleid, Wind, Ikonenstatus in Sekunden. Der Film darum herum ist allerdings deutlich weniger elegant gealtert als dieses Bild. Die Geschichte eines verheirateten Mannes, der während der Abwesenheit seiner Familie von der attraktiven Nachbarin fantasiert, hängt stark an einem männlichen Blick, der heute weniger charmant wirkt. 

Monroe ist hinreißend, aber die Figur bleibt bewusst oberflächlich und damit stärker Projektion als Person. Im Vergleich zu Manche mögen’s heiß wirkt der Film deutlich braver, weil er seine Rollenbilder eher bestätigt, statt sie lustvoll zu zerlegen; hier gewinnt am Ende eher die Zensur der damaligen Moralordnung gegen jede echte Provokation. 

Filmhistoriker betonen immer wieder, wie stark der Hays-Code den Film verwässerte. Dieser moralische Regelkatalog bestimmte damals, was Hollywood bei Sex, Ehebruch und „anstößigem“ Verhalten zeigen durfte.

Wie angelt man sich einen Millionär? ist keineswegs ein schlechter Film, und Monroe ist als kurzsichtige Pola Debevoise oft sehr komisch. Trotzdem wirkt die Prämisse heute deutlich altmodischer als bei Blondinen bevorzugt: Drei Frauen mieten ein Luxusapartment, um sich reiche Männer zu angeln. Der Film spielt zwar charmant mit Fassaden, Statusdenken und männlicher Eitelkeit, bleibt aber stärker in alten Rollenbildern stecken. 

Während Lorelei Lee in Blondinen bevorzugt die Jagd nach Geld fast wie einen cleveren Gegenangriff auf männliche Machtverhältnisse nutzt, wirkt der soziale Aufstieg hier häufiger wie ein hübsch verpacktes Lebensziel aus dem 1950er-Jahre-Katalog. Wer klassische Screwball-Strukturen mag, findet trotzdem genug Charme, Tempo und Star-Power. Wer auf moderne Figurenzeichnung hofft, merkt schneller, wie wenig Raum der Film seinen Frauen jenseits von Romantik, Status und attraktiver Tollpatschigkeit lässt.

Fluß ohne Wiederkehr hat beeindruckende Landschaften, Robert Mitchum, Marilyn Monroe und Otto Preminger als Regisseur, wirkt heute aber trotzdem eher wie eine verstaubte Studioproduktion. Die Geschichte folgt einem Farmer, seinem Sohn und einer Saloon-Sängerin, die nach einem Überfall gemeinsam durch gefährliches Gelände müssen. 

Das ist ordentlich erzählt, aber vieles daran bleibt erwartbar: raue Natur, misstrauische Zweckgemeinschaft, wachsende Anziehung, Gefahr von außen. Monroe darf singen, leiden, glänzen und sich gegen Mitchums harte Männlichkeit behaupten, doch der Film gibt ihrer Figur keine besonders überraschende Perspektive. 

Im Vergleich zu Misfits - Nicht gesellschaftsfähig bleibt der Western-Mythos hier deutlich konventioneller und weniger brüchig. Wer Monroe vollständig entdecken will, bekommt einen sehenswerten, aber nicht essenziellen Studio-Western. Zum 100. Geburtstag ist Fluß ohne Wiederkehr eher Ergänzung als Pflichtprogramm. Spannend für Komplettisten, aber kein Film, der Monroes echte Stärken repräsentiert.

Machen wir’s in Liebe ist ein gutes Beispiel für einen Film, der auf dem Papier nach Star-Komödie klingt, aber heute eher wie ein müdes Echo besserer Monroe-Auftritte wirkt. Ein Milliardär erfährt, dass er in einer Revue verspottet werden soll, schleicht sich in die Produktion ein und verliebt sich in die Hauptdarstellerin. Das kann man charmant finden, doch der Film verlässt sich stärker auf Glamour, Missverständnisse und Star-Aura als auf echte komödiantische Schärfe. 

Im Vergleich zu Manche mögen’s heiß fehlt das rasende Timing, im Vergleich zu Blondinen bevorzugt die satirische Bissigkeit. Monroe hat natürlich Präsenz, aber der Film wirkt oft so, als würde er darauf warten, dass ihre bloße Anwesenheit alle strukturellen Schwächen überstrahlt. Für Monroe-Fans bleibt er interessant, als moderner Einstieg in ihr Werk bleibt er aber in der zweiten Reihe stecken.

Der Prinz und die Tänzerin (1957) ist historisch interessant, weil Monroe hier Laurence Olivier gegenübersteht und zugleich ihre Ambitionen als ernst zu nehmende Schauspielerin sichtbar werden. Als Film ist er heute allerdings zwiespältig. Die Geschichte einer amerikanischen Showgirl-Darstellerin, die in London auf einen steifen europäischen Regenten trifft, lebt stark vom Kulturclash zwischen Monroes Wärme und Oliviers aristokratischer Kontrolle. 

Genau dieser Gegensatz ist auch das Problem: Die Inszenierung wirkt oft schwerfällig, theatralisch und in ihrem Charme deutlich betagter als Blondinen bevorzugt oder Manche mögen’s heiß. Monroe bringt Leben hinein, aber der Film selbst hält sie in einem eher altmodischen Gesellschaftskomödien-Rahmen gefangen. 

Als Kapitel der Monroe-Biografie ist Der Prinz und die Tänzerin sicherlich wichtig. Als Film, den man heute einfach aus Spaß einschaltet, hat er es aber deutlich schwerer als Manche mögen’s heiß oder Blondinen bevorzugt.

Über diese Liste

Titel

10

Gesamtkosten fürs Ansehen

17,96 €

Gesamtlaufzeit

16h 58min

Genres

Romantik, Komödien, Drama

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