
Die „Lanterns“-Verhörszene enthüllt die größte Schwäche von Hal Jordans Ring
Superkräfte haben oft Schwachstellen: Superman verträgt kein Kryptonit, und bei Green Lantern denken viele Fans sofort an die Farbe Gelb. Lanterns (2026) erinnert in seiner ersten Folge jedoch an ein Problem, das wesentlich unspektakulärer klingt und Hal Jordan (Kyle Chandler) trotzdem beinahe die Kontrolle kostet: Sein Ring hat keinen unbegrenzten Energievorrat.
Während Hal einen außerirdischen Gefangenen verhört, reicht eine beiläufige Frage nach der verbliebenen Ladung, um ihn sichtbar ins Grübeln zu bringen. Der Ring kann Schutzschilde erschaffen, Flüge ermöglichen und nahezu alles formen, was sein Träger sich vorstellen kann. Wenn seine Energie erschöpft ist, nützt Hal all diese Macht allerdings nichts mehr. Die Szene könnte damit nicht nur eine alte Regel aus den Comics zurückholen, sondern bereits zeigen, wie jemand einen Green Lantern besiegen kann, ohne stärker zu sein als er.
Achtung: Dieser Artikel enthält einen großen Spoiler zu Folge 1.
Das Verhör macht aus Hals Ring plötzlich einen Countdown
Hal und der frisch rekrutierte John Stewart (Aaron Pierre) untersuchen das Massaker von Rushville, als der Überlebende Waylon Sanders (Chris Coy) seine wahre Natur offenbart. Der Alien erklärt, dass sich in seinem Körper eine Neutronenbombe befindet, die er jederzeit zünden kann. Hal reagiert selbstbewusst und behauptet, sein Ring könne die Stadt vor der Explosion schützen.

Dann fragt sein Gegenüber nach der Ladung. Hal kann Rushville tatsächlich abschirmen, doch anschließend ist von der Energie seines Rings kaum noch etwas übrig. Damit bekommt John sehr früh vorgeführt, dass ein Green Lantern zwar gewaltige Kräfte besitzt, diese aber nicht beliebig lange einsetzen kann. Je mehr Energie der Ring für Konstrukte, Schutzschilde oder andere Aufgaben verbraucht, desto näher rückt der Moment, in dem sein Träger nachladen muss.

Die Idee hat eine lange Comicgeschichte: Klassische Green-Lantern-Ringe mussten spätestens nach 24 Stunden an einer persönlichen Power-Battery aufgeladen werden. Kyle Rayner bekam später einen veränderten Ring, bei dem diese starre Frist wegfiel. Stattdessen verfügte er über einen begrenzten Energievorrat, der sich abhängig von seiner Nutzung leerte.

Nachdem das Green Lantern Corps im Zuge von „Green Lantern: Rebirth“ zurückkehrte, wurde dieses stärker verbrauchsabhängige Prinzip auch für die modernen Ringe prägend. Lanterns hat bisher nicht erklärt, nach welchen exakten Regeln seine Version funktioniert. Dass Hal seinen Ladestand im Blick behalten muss, steht nach Rushville aber außer Frage.
Ein leerer Ring lässt sich nicht mit mehr Mut reparieren
Aus diesem Grund könnte der Energievorrat gefährlicher sein als die bekannteste Green-Lantern-Schwäche. Jahrzehntelang konnten die grünen Ringe gelbe Gegenstände nicht direkt beeinflussen, später erklärten die Comics diese sogenannte „yellow impurity“ durch Parallax, die Verkörperung der Angst, die in der Zentralbatterie gefangen war. Lanterns, die ihre Angst erkennen und überwinden, können diese Einschränkung inzwischen ebenfalls überwinden. Bei fehlender Energie gibt es keinen vergleichbaren Ausweg.

Hal kann also noch so entschlossen sein – wenn sein Ring leer ist, fehlt ihm schlicht die Kraftquelle. Das macht die Frage des Aliens im Verhör so wirkungsvoll. Er erinnert Hal nicht nur daran, dass seine Energie endlich ist, sondern bringt ihn gleichzeitig dazu, über diese Grenze nachzudenken. Ein Green-Lantern-Ring hängt schließlich auch von Konzentration und Willenskraft seines Trägers ab. Wer abgelenkt, verunsichert oder mental angeschlagen ist, kann seine Fähigkeiten schlechter kontrollieren.
Wie schnell das zum Problem werden kann, zeigt etwa Justice League: War (2014). Batman demonstriert dort auf ziemlich ernüchternde Weise, dass Hals mächtigster Gegenstand wenig hilft, wenn Hal selbst nicht aufmerksam genug ist: Er nimmt ihm den Ring schlicht vom Finger.
Gelb ist längst nicht die einzige Gefahr für Green Lantern
Die Farbe Gelb wurde in verschiedenen Adaptionen immer wieder anders behandelt. Super Friends (1973) präsentierte sie noch sehr direkt als Schwachstelle, während Green Lantern: First Flight (2009) stärker mit dem Gegensatz zwischen grüner Willenskraft und gelber Angst arbeitete. Auch Green Lantern (2011) stellt Hal Jordan (Ryan Reynolds) einem Gegner gegenüber, dessen Macht eng mit Angst und gelber Energie verbunden ist. Mit dem später eingeführten Emotional Spectrum wurde das Ganze noch komplizierter. Rote Energie, die für Wut steht, kann Green Lanterns erheblich zusetzen. Orange Energie der Habgier kann fremde Energie absorbieren. Blau, die Farbe der Hoffnung, wirkt dagegen meist unterstützend und kann grüne Ringe enorm verstärken. Unter extremen Bedingungen kann allerdings selbst diese zusätzliche Energie gefährlich werden, wenn ein Ring weit über seine normale Kapazität hinaus aufgeladen wird.
Keine dieser Regeln macht Green Lantern automatisch wehrlos. Sie zeigen aber, wie sehr seine Macht von äußeren Bedingungen und seinem eigenen mentalen Zustand abhängt.
Könnte „Lanterns“ damit schon erklären, wie Hal Jordan stirbt?
Am Ende der Premiere findet John Hal im Jahr 2026 tot in Rushville. Sein Ring ist verschwunden, und die Serie verrät noch nicht, wer ihn getötet hat oder wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die Verhörszene liefert dafür zumindest eine interessante Möglichkeit. Wer Hal gezielt jagt und seine Kräfte versteht, müsste ihn womöglich nicht in einem direkten Kampf überwältigen. Es könnte genügen, ihn lange genug zum Einsatz seines Rings zu zwingen, bis dessen Ladung kritisch wird. Wenn Hal gleichzeitig unter Druck gerät und seine Konzentration verliert, würden sich zwei seiner größten Schwächen gegenseitig verstärken.

Dazu passt, dass der ältere Hal ohnehin nicht mehr wie der unerschütterliche Held wirkt, den man aus vielen Green-Lantern-Geschichten kennt. Er hat Regeln gebrochen, wirkt desillusioniert und trägt sichtbar einiges mit sich herum. Ob sein Tod tatsächlich mit einem leeren Ring zusammenhängt, bleibt offen. Die erste Folge hat aber bereits gezeigt, warum ein Gegner, der auf den Ladestand achtet, Hal sehr viel gefährlicher werden kann als jemand mit einem gelben Anzug.











