Sinestro wirkte in Folge 8 von „Lanterns“ verängstigt – war das nur gespielt?

Sinestro wirkte in Folge 8 von „Lanterns“ verängstigt – war das nur gespielt?

Veröffentlicht am07. Oktober 2026

Aktualisiert am07. Oktober 2026

Add us on

Ausgerechnet Sinestro bekommt es mit der Angst zu tun. Im Finale von Lanterns (2026) sitzt er gefesselt in seiner Schmiede auf einem sterbenden Planeten. Das Wasser um ihn herum macht wahnsinnig. Vor ihm steht John Stewart, dessen Ring dringend Energie braucht. Die passende Laterne hat Sinestro selbst gebaut.

Eine missliche Lage, auch für einen Schurken. Trotzdem überrascht, wie nervös Ulrich Thomsens Figur hier wirkt. In den Comics macht Sinestro die Angst schließlich zur Grundlage einer ganzen Armee. Fürchtet er nun sein eigenes Werk? Oder soll John genau das glauben? Die Szene lässt beide Lesarten zu – und womöglich braucht man beide, um Sinestro zu verstehen.

Was in der Szene tatsächlich passiert

Ein Portal in Hals Safe führt John und das Halogramm, die gespeicherte Version des verstorbenen Hal Jordan, auf die verwüstete Welt. Dort finden sie Sinestro gefesselt vor. Antworten bekommen sie zunächst keine. Erst als John ihn in das giftige Wasser taucht, das bereits die Bevölkerung des Planeten in den Wahnsinn getrieben hat, bricht sein Widerstand.

Sinestro verrät, dass Noah Macon ein Manhunter ist. Der junge Footballspieler aus Rushville hat ihn aus dem Gefängnis geholt, allerdings nicht ohne Gegenleistung: Sinestro sollte aus dem Material des Planeten eine neue Laterne schmieden.

Lanterns Finale Laterne

Das Ergebnis sieht entsprechend verdächtig aus. Gelbe Risse durchziehen die Laterne, Spuren jener Angst, die auch in Luft und Wasser steckt. Für John erklärt sich damit, weshalb Noah gerade diesen Gefangenen brauchte. Sinestro ist der Einzige, dem es je gelungen ist, einen der Wächter zu töten.

Wer Sinestro in dieser Serie ist

Sinestro und Hal verbindet weit mehr als eine alte Feindschaft. In der Serie war Sinestro zunächst Hals Mentor. Später wandte er sich gegen das Corps und wollte die Wächter des Universums vernichten. Einen tötete er tatsächlich, bevor Hal ihn aufhielt.

Nun steht ihm sein früherer Schüler erneut gegenüber, allerdings nur noch als gespeicherte Persönlichkeit. Das macht die Begegnung persönlich, noch bevor Sinestro versucht, die Situation zu seinen Gunsten zu drehen.

Sinestro Comics

Die Comics erzählen einen ähnlichen Bruch. Dort setzen die Wächter Sinestro vor die Tür, weil er mit seinem Ring Angst verbreitet, statt sie zu bekämpfen. Auf dem Antimaterie-Planeten Qward erhält er von dessen Waffenschmieden einen gelben Ring. Gegen diese Farbe sind die Green Lanterns lange machtlos.

Qward und die Welt aus dem Serienfinale sind jedoch nicht gleichzusetzen. Wie Den of Geek in seiner Besprechung festhält, handelt es sich hier um die namenlose Heimat einer anderen Serienfigur.

Warum seine Angst gespielt sein könnte

Sinestro kennt die Laterne. Er hat sie schließlich gebaut. Auch seine Überzeugung legt er offen: Angst gehört für ihn zum Leben und kann, richtig eingesetzt, zur stärksten Kraft des Universums werden. Das klingt zunächst nicht nach jemandem, der sein Werk möglichst schnell aus der Welt schaffen möchte.

Im Gegenteil. Er bietet John ausdrücklich an, dessen fast leeren Ring damit aufzuladen. Parallel versucht er, einen Keil zwischen John und das Halogramm zu treiben. Hal könne er zurückbringen, verspricht Sinestro – nicht als Projektion, sondern wirklich.

Lanterns Folge 2 Sinestro

Seine Nervosität könnte deshalb Teil der Verhandlung sein. Ein gefesselter Mann, der eingeschüchtert wirkt, erscheint weniger gefährlich als ein Schurke, der darauf brennt, seine Erfindung endlich im Einsatz zu sehen. Sollte Sinestro John zur Benutzung verleiten wollen, wäre demonstrative Hilflosigkeit durchaus nützlich. Dass er Angst zeigt, beweist noch nicht, dass er die Kontrolle verloren hat.

Warum sie trotzdem echt sein dürfte

Ganz so einfach lässt sich die Reaktion aber nicht als Schauspiel abtun. John hat Sinestro gerade spüren lassen, was das Wasser anrichtet. Die Laterne besteht aus dem Material derselben Welt. Ihre Zerstörung zeigt, was geschieht, wenn die Angst nicht mehr beherrschbar ist.

Sinestro kann von dieser Kraft überzeugt sein und sich trotzdem vor ihr fürchten. Darin liegt kein Widerspruch. Er will sie einsetzen, nicht selbst ihr Opfer werden.

Entscheidend ist deshalb auch, wer die Laterne hält. Solange Sinestro über sie verfügt, kann er sich als Herr der Lage begreifen. Jetzt trägt John sein Werk mit sich herum. Ausgerechnet der Mann, der ihn eben ins Wasser getaucht hat, entscheidet darüber, was als Nächstes damit passiert.

Was die Comics über diese Angst verraten

Für Comicleser:innen haben die gelben Risse eine zusätzliche Bedeutung. In der Zentralbatterie der Green Lanterns verbirgt sich dort die sogenannte gelbe Unreinheit. Dahinter steckt Parallax, die Verkörperung der Angst. Das Wesen übernimmt Hal Jordan und richtet ihn gegen das Corps, bevor Green Lantern: Rebirth seine Rückkehr ermöglicht.

Die Serie bestätigt diesen Zusammenhang nicht. Parallax wird nicht genannt, selbst die Existenz des Wesens bleibt offen. Eine von Angst durchzogene Laterne aus Sinestros Schmiede legt den Vergleich allerdings nahe. In den Comics ist er schließlich der Gründer des Sinestro Corps, der Gelben Laternen.

Auch für John hält die Vorlage beunruhigende Möglichkeiten bereit. In einer Geschichte ergreift Sinestros Geist über den Ring Besitz von ihm. The Ringer erinnert zudem daran, dass John in Green Lantern: Earth One selbst zur Gelben Laterne wird. Das sind keine Beweise für die weitere Serienhandlung. Sie erklären aber, weshalb die Aufladeszene mehr Misstrauen weckt als ein gewöhnlicher Energienachschub.

Warum Sinestro lieber mit Hal reden wollte

Irgendwann will Sinestro Johns Fragen nicht mehr beantworten. Er verlangt das Halogramm als Gesprächspartner. Das kann man als weiteren Manipulationsversuch lesen – oder als Rückzug auf vertrautes Terrain.

Hal war sein Schüler und wurde sein Gegner. Sinestro kennt ihn. Wie er selbst einräumt, hatte er sogar darauf gesetzt, dass Hal Noah töten würde. Hal war dem Manhunter durch das Portal gefolgt und hatte den Planeten entdeckt, den Zugang anschließend aber lieber verborgen.

Lanterns

Bei John fehlt Sinestro diese gemeinsame Vergangenheit. Er weiß nicht, welche alten Konflikte er ansprechen muss und womit er ihn zuverlässig unter Druck setzen kann. Hal mag nur noch als gespeicherte Fassung existieren, bleibt für Sinestro aber offenbar der berechenbarere der beiden.

So betrachtet gilt seine Unruhe nicht allein der Laterne. Sie gilt auch dem Unbekannten, der darüber verfügt.

Was das für die Zukunft bedeutet

Sinestro bleibt zunächst dort, wo John ihn gefunden hat: gefesselt an seiner Schmiede, umgeben von Wasser, das er ohne Hilfe nicht überwinden kann. Das Finale verrät nicht, wie es mit ihm weitergeht. The Ringer kritisiert in seiner Besprechung den sparsamen Einsatz der Figur und sieht darin eine verschenkte Gelegenheit für Thomsens Darstellung.

John nimmt die Laterne mit. Das Halogramm hält ihn vorerst davon ab, sie zu verwenden, doch schließlich lädt er seinen Ring trotzdem auf. Dazu spricht er eine eigene Version des Eids, in der er seine Angst ausdrücklich annimmt. Das Halogramm verschwindet dabei für immer. Der erwartbare Schock bleibt aus. Johns Ring leuchtet weiterhin grün, er fliegt davon. Auch Forbes hatte laut seiner Kritik damit gerechnet, dass sich die Laterne gelb färben oder das Aufladen etwas Unheilvolles auslösen würde. Nichts davon geschieht sichtbar.

Damit bleibt offen, ob die Serie überhaupt eine Gelbe Laterne einführen wird. Sinestros Reaktion lässt sich ebenso wenig endgültig auflösen. Vielleicht hat er John erfolgreich getäuscht. Vielleicht weiß er nur sehr genau, welche Kraft dieser gerade mitgenommen hat. Dass der Ring zunächst funktioniert, beantwortet noch nicht die Frage, ob John ihm vertrauen sollte.