Weihnachtsfilme verbindet man eher mit Kerzenschein als mit Kassenstürzen. Aber genau darum geht es in diesem Ranking: um die Filme, die an Weihnachten nicht nur Herzen, sondern vor allem auch Kinokassen erobert haben. Diese zehn Titel haben weltweit so viel Geld eingespielt, dass man sie eher in der Liga der Blockbuster als im Kreis der stillen Fernsehabende einordnen muss.
Zum Vergleich: Selbst Filme wie Avatar, der als Maßstab für globalen Kinoerfolg gilt, zeigen, wie gnadenlos Zahlen im Unterhaltungsgeschäft zählen - und genau in diesem Maßstab bewegen sich auch diese Weihnachtsfilme, nur eben mit Tannenbaum statt Raumschiff. Hier wird deutlich, wie aus besinnlichen Geschichten globale Events wurden, die Millionen Menschen gleichzeitig ins Kino gezogen haben. Manche dieser Filme sind dadurch zu Klassikern gereift, andere vor allem zu Kassenschlagern, und oft fällt beides zusammen. Dieses Ranking erzählt also nicht nur, was wir uns gerne jedes Jahr wieder ansehen, sondern auch, welche Weihnachtsfilme finanziell wirklich gewonnen haben.
10. Buddy – Der Weihnachtself (2003), ca. 225 Mio. US-Dollar
Buddy wächst am Nordpol bei Weihnachts-Elfen auf, ohne zu wissen, dass er in Wahrheit ein Mensch ist. Als er erwachsen wird, macht er sich im knallgrünen Outfit auf nach New York, um seinen leiblichen Vater zu finden - einen überarbeiteten Kinderbuchverleger, der so gar nichts mit Weihnachtszauber anfangen kann. Buddy – Der Weihnachtself verbindet Fish-out-of-water-Slapstick mit erstaunlich warmem Kern: Zwischen Sirupnudeln, eskalierenden Kaufhaus-Santas und spontanen Schneeballschlachten blitzt immer wieder echte Einsamkeit durch. Will Ferrell spielt Buddy nicht als Witzfigur, sondern als naiven Gläubigen, der diese Stadt zwingt, kurz an Freundlichkeit zu glauben. Während ein Ensemblefilm wie Tatsächlich… Liebe viele Liebesgeschichten parallel auffächert, konzentriert sich Buddy komplett auf einen einzigen, sehr kindlichen Blick auf Weihnachten, und gerade diese Einfältigkeit macht den Film so quotentauglich, dass er sich Jahr für Jahr ins Weihnachtsschema der Sender und Streamer brennt.
9. Stirb langsam 2 (1990), ca. 240 Mio. US-Dollar
Schneechaos, vollgestopfter Flughafen und Menschen wollen nach Hause zu ihren Familien - und mitten drin wieder John McClane, der als Einziger merkt, dass ein Haufen Söldner gerade die Kontrolle über den Luftraum übernimmt. Stirb langsam 2 verlegt das Prinzip des ersten Teils vom Hochhaus aufs Rollfeld: Statt durch Lüftungsschächte robbt McClane jetzt über Flugzeugflügel, während seine Frau im Anflug über Washington D.C. kreist. Der Film ist lauter, größer, explosionsfreudiger und zeigt sehr klar, wohin Actionkino der frühen 90er wollte: mehr Spektakel, mehr Einzeiler, mehr Kerosin. Trotzdem bleibt der Kern klassisch: ein erschöpfter Typ, der eigentlich nur in Ruhe Weihnachten feiern will und doch wieder der Einzige ist, der sich bewegt. Wo Batmans Rückkehr die dunkle Seite des Festes mit Comic-Groteske verbindet, setzt Stirb langsam 2 auf blanke, schwitzige Panik – und macht damit aus der „Ist das wirklich ein Weihnachtsfilm?“-Debatte längst ein eigenes Feiertagsritual.
8. Tatsächlich… Liebe (2003), ca. 245 Mio. US-Dollar
Ein Premierminister verliebt sich in seine Angestellte, ein Schriftsteller in seine Haushälterin, ein Rockstar in sein Comeback – und irgendwo dazwischen steht ein kleiner Junge, der denkt, seine erste große Liebe zu verlieren. Tatsächlich… Liebe verschachtelt mehrere Episoden miteinander, alle kurz vor Weihnachten, alle mit einem leicht verschneiten London, das mehr nach Gefühl als nach Realität aussieht. Der Film lebt weniger von perfekter Dramaturgie als von Momenten: dem Pappkarton-Geständnis an der Haustür, dem verkorksten Weihnachtskonzert, der stummen Szene vor dem CD-Player. Dass daraus ein weltweiter Hit wurde, liegt daran, dass der Film Weihnachtskitsch nicht ironisch bricht, sondern offen auskostet. Zugleich erlaubt er sich bittere Noten, etwa in der Ehekrise von Emma Thompson und Alan Rickman. Im Gegensatz zu einem klar familienorientierten Spaß wie Buddy – Der Weihnachtself richtet sich diese Ensemble-Romcom spürbar an Erwachsene, die genau wissen, dass Liebe selten so sauber verläuft, wie Weihnachtsfilme es versprechen.
7. Batmans Rückkehr (1992), ca. 267 Mio. US-Dollar
In Gotham City liegt Schnee auf den Straßen, Lichterketten funkeln, und aus der Kanalisation steigt ein bitterböser Pinguin auf, um die heile Weihnachtskulisse der Stadt zu zerreißen. Batmans Rückkehr ist offiziell Superheldenkino, fühlt sich aber wie ein düsteres Wintermärchen an, in dem jeder Charakter emotional verbeult ist: Bruce Wayne sucht weiter nach einem Platz in der Welt, Selina Kyle verwandelt sich nach einem Sturz in den Wahnsinn in Catwoman, und der Pinguin ist das weggesperrte Kind, das mit Biss zurückkehrt. Tim Burton nutzt die Weihnachtsdekoration wie ein Gegenlicht, vor dem seine Außenseiter noch tragischer wirken. Während Stirb langsam 2 den Feiertag vor allem als Setting für Action nutzt, macht dieser Film Weihnachten selbst zum perversen Kontrast: Unter den funkelnden Bäumen lauern Trauer, Wut und Rachefantasien. Dass der Film trotzdem als Weihnachtsklassiker gehandelt wird, zeigt, wie sehr das Fest längst auch Projektionsfläche für unsere schrägsten Gefühle geworden ist.
6. Der Polarexpress (2004), ca. 315 Mio. US-Dollar
Ein namenloser Junge, der langsam aufhört, an den Weihnachtsmann zu glauben, wird mitten in der Nacht von einem geheimnisvollen Zug abgeholt. Der Polarexpress rauscht durch Wälder, über zugefrorene Seen und direkt bis an den Rand des Nordpols - weniger als Transportmittel, sondern mehr als Prüfstrecke für Vertrauen und Fantasie. Robert Zemeckis inszeniert das Ganze als Mischung aus Geisterbahn, Traum und Technikdemo: Die Motion-Capture-Figuren wirken heute ein bisschen aus der Zeit gefallen, aber der emotionale Kern ist erstaunlich schlicht. Es geht darum, ob man sich als Kind noch traut, etwas zu glauben, das man nicht beweisen kann. Wo Der Grinch (2000) Weihnachten als bunt-chaotische Show der Whos inszeniert, nimmt sich Der Polarexpress Zeit für stille Bilder: eine Glocke, die nur diejenigen hören, die wirklich glauben, oder ein einsamer Junge im letzten Waggon. Diese Mischung aus Pathos und märchenhafter Schwere macht den Film zu einem Dauerbrenner im Familienprogramm und an der Kinokasse.
5. Disneys Eine Weihnachtsgeschichte (2009), ca. 325 Mio. US-Dollar
Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten, Menschen und jede Art von Gefühlsduselei. An einem einzigen Abend bekommt er Besuch von drei Geistern, die ihn durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schleudern, bis auch der letzte Rest seiner emotionalen Abwehr bröckelt. Disneys Eine Weihnachtsgeschichte ist technisch ein Showstück: Robert Zemeckis treibt seine Performance-Capture-Obsession auf die Spitze, Jim Carrey spielt gleich mehrere Figuren, und die Kamera gleitet wie ein Geist durch viktorianische Gassen. Inhaltlich bleibt die Story natürlich Dickens-klassisch, doch der Film betont stärker die Albtraumhaftigkeit dieser Läuterung. Die Zukunftssequenz ist fast schon Horror. Im Gegensatz zum sanfteren Polarexpress, der mit Staunen arbeitet, will diese Version den Zuschauer ordentlich durchrütteln: Weihnachten ist hier nicht nur gemütlich, sondern eine Deadline für die eigene Menschlichkeit. Dass der Film trotzdem familienkompatibel blieb und weltweit so stark lief, zeigt, wie zeitlos die Geschichte vom mürrischen Mann ist, der sich in letzter Minute umentscheidet.
4. Der Grinch (2000), ca. 346 Mio. US-Dollar
Hoch über Whoville wohnt ein grün behaartes, schlecht gelauntes Wesen, das Weihnachten so sehr hasst, dass es beschließt, das Fest einfach zu stehlen. Der Grinch in der Realfilmversion mit Jim Carrey verwandelt Dr. Seuss’ dünnes Kinderbuch in eine ausgewachsene, knallbunte Satire auf Konsumrausch und Kleinstadt-Heuchelei. Hinter der Gummimaske spielt Carrey ein überdrehtes Kind, das nie gelernt hat, mit Zurückweisung umzugehen, und das lieber Geschenke klaut, als seine Verletzlichkeit zu zeigen. Die Whos feiern währenddessen Weihnachten wie eine Mischung aus Wettbewerb und Lichtershow. Spannend ist, dass der Film trotz Lärm und Kitsch sehr klar sagt: Das Fest rettet niemanden, es sind die Entscheidungen der Menschen (und Grinches), die etwas verändern. Gegenüber dem animierten Der Grinch von 2018 wirkt diese Version ruppiger und chaotischer, fast ein bisschen aus den Fugen geraten - vielleicht aber gerade deshalb für viele die definitive Inkarnation des miesepetrigen Weihnachtssaboteurs.
3. Kevin – Allein in New York (1992), ca. 359 Mio. US-Dollar
Eigentlich wollte die Familie McCallister dieses Mal alles besser machen, und trotzdem ist Kevin wieder allein, diesmal allerdings mit Kreditkarte in einem New Yorker Luxushotel. Während seine Eltern verzweifelt nach ihm suchen, verwandelt Kevin die Stadt in seinen persönlichen Abenteuerspielplatz: vom Spielwarenladen bis in die verlassene Dachgeschosswohnung, in der er den altbekannten Einbrechern Harry und Marv erneut eine Falle nach der anderen stellt. Kevin – Allein in New York ist weniger originell als der erste Teil, dafür maximaler Weihnachts-Fantasy-Trip: Die Stadt gehört dem Kind, und alles ist ein bisschen größer, heller, lauter. Gleichzeitig schiebt der Film eine unerwartet zarte Nebenhandlung ein, etwa in der Begegnung mit der Taubenfrau im Central Park. Wo Kevin – Allein zu Haus noch sehr stark um das Haus als Festung kreist, nutzt die Fortsetzung den urbanen Raum als Bühne und macht aus Weihnachten in der Großstadt einen der bekanntesten Kinoträume der 90er.
2. Kevin – Allein zu Haus (1990), ca. 477 Mio. US-Dollar
Ein überfülltes Haus, eine hektische Großfamilie, ein vergessener Achtjähriger: Als Kevin am Morgen nach der chaotischen Abreise feststellt, dass wirklich niemand mehr da ist, beginnt zunächst die beste Zeit seines Lebens. Pizza zum Frühstück, Horrorfilme ohne Aufsicht – bis zwei Einbrecher beschließen, ausgerechnet dieses leerstehende Vorstadthaus auszurauben. Kevin – Allein zu Haus kombiniert Slapstick-Brutalität mit echtem Feriengefühl: Die Fallen sind derb, aber aus kindlicher Logik heraus entworfen, und hinter all dem Klamauk steckt die Angst, von der eigenen Familie nicht ernst genommen zu werden. Der Film ist so erfolgreich, weil er Kindern die totale Autonomie verspricht und Erwachsenen gleichzeitig nostalgisch den Spiegel vorhält. Gegenüber dem opulenteren Kevin – Allein in New York wirkt dieser erste Teil deutlich kompakter: ein Kammerspiel mit Farbeimern, Nagelbrett und Schneeflocken vor dem Fenster. Dass er trotzdem jahrzehntelang der Maßstab für Weihnachtskino blieb, sieht man auch an seiner Position in diesem Ranking.
1. Der Grinch (2018), ca. 539 Mio. US-Dollar
Im animierten Der Grinch lebt der grüne Miesepeter in einem technisch perfekten, weich gezeichneten Whoville, das aussieht, als wäre es direkt aus einer Zuckerbäckerei gefallen. Wieder versucht er, den Bewohnern das Fest zu vermiesen, doch die neue Version dehnt seine Vorgeschichte und seine Einsamkeit stärker aus: Der Grinch ist weniger Monster als Überforderter, der in der Dauerbeschallung der Weihnachtszeit schlicht keinen Platz findet. Dass gerade diese Interpretation zum finanziell erfolgreichsten Weihnachtsfilm aller Zeiten wurde, liegt an der Mischung aus sicherem Familienkino, greifbarem Merchandise-Potenzial und einem Grinch, der eher grummelt als wirklich zerstört. Visuell ist der Film wie eine Überdosis Lichterkette, emotional aber überraschend sanft. Nachdem Kevin – Allein zu Haus den Rekord über Jahrzehnte gehalten hatte, zeigt dieser Hit, wie sich Weihnachtsfilme gewandelt haben: weg vom physischen Slapstick, hin zum animierten Wohlfühlpaket, das trotzdem eine kleine, sehr menschliche Sehnsucht in die Mitte stellt: einfach mal in Ruhe gelassen zu werden.







































































































































































































































