
„Backrooms“ Kino-Start in Deutschland: Gibt es den Horror-Ort wirklich?
Während der Film in den USA bereits seit Ende Mai läuft und sich dort überraschend schnell zum Horror-Geheimtipp entwickelt hat, müssen Fans in Deutschland noch etwas warten. Trotzdem ist der Hype längst auch hier angekommen. Kaum ein neuer Horrorfilm wird derzeit online so intensiv diskutiert wie Backrooms (2026) – auch, weil viele Zuschauer wissen wollen, was hinter den geheimnisvollen gelben Räumen eigentlich steckt.
Backrooms erklärt seinen Horror nicht. Genau das ist seine Stärke. Der Film gibt am Ende zwar Hinweise, aber keine Gebrauchsanweisung für das Grauen. Zum Glück. Die Backrooms wirken nicht wie ein Rätsel, das sich mit drei Wiki-Sätzen erledigen lässt. Sie bleiben ein Ort, der sich jedem Verständnis entzieht.
Was sind die Backrooms?
Trotzdem legt der Film genug Spuren aus, um eine ziemlich klare Richtung zu erkennen: Die Backrooms sind keine Einbildung des Protagonisten Clark, gespielt von Chiwetel Ejiofor. Mehrere Figuren betreten sie, einige dokumentieren, was sie dort sehen, und die Räume reagieren zwar auf Erinnerungen, wirken aber nicht wie reine Projektionen. Eher sind sie eine reale Gegenwelt, die unsere Wahrnehmung als Baumaterial benutzt.

Die stärkste Erklärung liefert die Figur von Mark Duplass, die für ein früheres MRT-Unternehmen arbeitet, das inzwischen offenbar nur noch die Backrooms untersucht. Seine Aussage, dass sich immer mehr Zugänge öffnen und diese nicht nur im Möbelhaus auftauchen, verschiebt den Film klar in Richtung Parallelwelt. Das ist kein einzelner Spuk in einem Gebäude, sondern ein Riss in der Ordnung der Realität. Die Trennwand zwischen unserer Welt und diesen Räumen wird dünner. Was dahinterliegt, folgt aber keinem Bauplan, wie wir ihn kennen. Die Backrooms kopieren vertraute Räume, Objekte und Erinnerungsfetzen, setzen sie aber ohne Kontext neu zusammen. Deshalb sieht dort vieles bekannt aus und trotzdem falsch.
Die Architektur eines Albtraums
Dass die Backrooms ausgerechnet wie ein endlos verzerrtes Möbelhaus aussehen, ist deshalb kein Zufall. Der Ort übernimmt die liminale Qualität des Geschäfts: Ausstellungsräume, Hinterzimmer, Korridore, Übergänge. Alles wirkt zweckmäßig, aber nichts erfüllt einen Zweck. Dazu kommen Gegenstände, die aus Clarks Erinnerungen oder aus der Außenwelt zu stammen scheinen und an Stellen auftauchen, an denen sie keine Bedeutung mehr haben. Der Raum versteht unsere Welt offenbar nur als Material, nicht als Zusammenhang. Noch unangenehmer sind die seltsamen Kopien von Menschen, die wie ausgestopfte Mannequins wirken. Clark beschreibt sie sinngemäß als Erinnerungen, die so oft erinnert wurden, bis sie sich verformen. Das ist einer der stärksten Gedanken des Films: Erinnerung wird hier nicht bewahrt, sondern verschlissen.

Mythologisch liegt der Vergleich mit Theseus und dem Minotauros erstaunlich nahe. Auch dort gibt es ein Labyrinth, einen Körperhorror im Zentrum und einen Menschen, der einen Weg hinein und wieder hinaus finden muss. In Backrooms wird diese Struktur aber verdreht. Das Möbelhaus ist piratisch gestaltet, tote Möwen verstärken die maritime Spur, und Clark nutzt ein Seil, wo Theseus seinen Faden hatte. Mary lässt sich zugleich als Mischung aus Theseus und Ariadne lesen: Sie sucht und tastet sich durch einen Ort, der Ordnung nur vorspielt. Der entscheidende Bruch liegt bei Clark. Er beginnt als der Mann, der sich im Labyrinth verliert. Je länger der Film dauert, desto stärker wird er selbst zu dem, wovor man sich dort fürchten muss. Der Suchende wird zum Zentrum des Schreckens.
Die Psychologie dahinter
Psychologisch lässt sich das noch klarer fassen. Die Backrooms spiegeln nicht einfach Clarks Erinnerungen, sondern vor allem die beschädigten Teile seines Selbstbildes. Sein Hass auf sich selbst, seine Wut, seine destruktiven Impulse und sein Gefühl, in einem gescheiterten Leben festzustecken, bekommen dort eine Form. Sogar das Piratenkostüm ist mehr als ein groteskes Detail. Es macht seine eigene Demütigung sichtbar, diese alberne Rolle, in der er festhängt und aus der er nicht mehr herausfindet. Mit Freud muss man hier nicht wedeln, aber die Aufteilung in Es, Ich und Über-Ich hilft tatsächlich: Die Backrooms lassen Clarks verdrängte Impulse nicht länger in ihm brodeln. Sie geben ihnen Raum. Genauer gesagt: Räume.
Wann startet „Backrooms“ in Deutschland?
In Deutschland startet Backrooms am 18. Juni 2026 im Kino. Regie führt Kane Parsons, der unter dem Namen Kane Pixels mit seinen YouTube-Videos die moderne Backrooms-Ästhetik entscheidend geprägt hat. In den Hauptrollen sind Chiwetel Ejiofor als Clark, Renate Reinsve als Dr. Mary Kline und Mark Duplass zu sehen. Bemerkenswert ist Parsons’ Kinodebüt auch deshalb, weil er mit Backrooms zum jüngsten Regisseur wurde, dessen Film auf Platz 1 der nordamerikanischen Charts einstieg. Das passt erstaunlich gut zu einem Werk, das nicht aus dem klassischen Studiosystem kommt, sondern aus dem Unterbewusstsein des Internets.
Zumal Backrooms kein Einzelfall ist: Auch Curry Barkers Obsession - Du sollst mich lieben (2026), ebenfalls aus einer kurzen Internet-Horror-Idee hervorgegangen, wurde zum Überraschungshit.











