
Vor “Backrooms”: 10 unheimliche Filme und Serien über liminale Räume
Mit Backrooms kommt ein Internet-Horror auf die große Leinwand, der aus einem der seltsamsten Phänomene der letzten Jahre entstanden ist. Die Idee wirkt zunächst erstaunlich simpel: endlose Büroräume, monotone Teppiche, flackerndes Neonlicht und Korridore, die scheinbar kein Ende kennen. Gerade diese Banalität macht den Reiz aus.
Statt klassischer Monster entsteht der Horror aus der Architektur selbst. Räume, die eigentlich nur Übergänge sein sollten, wirken plötzlich wie eine Falle. Genau solche Orte werden oft als sogenannte „liminal spaces“ oder liminale Räume bezeichnet. Gemeint sind Orte, die vertraut wirken, aber gleichzeitig seltsam leer und falsch erscheinen, weil ihnen plötzlich jedes Leben fehlt. Ein leerer Hotelflur, eine perfekte Vorstadtsiedlung ohne Ausgang oder ein Bürokomplex ohne Orientierung können dadurch eine unheimliche Zwischenwelt erzeugen. Der kommende Film Backrooms greift dieses Internet-Phänomen nun erstmals als großes Horrorprojekt auf. Doch Filme und Serien haben schon lange vor diesem Kinostart mit genau dieser Art von Raumhorror gearbeitet. Einige von ihnen zeigen besonders eindrucksvoll, wie schnell vertraute Orte zu labyrinthischen Zwischenwelten werden können. Genau diese Geschichten fangen die Atmosphäre ein, die auch hinter Backrooms steckt.
Mitten in der Nacht wachen zwei Kinder auf und stellen fest, dass ihr Vater verschwunden ist. Kurz darauf beginnen auch Türen, Fenster und vertraute Räume ihres Hauses zu verschwinden. Was bleibt, ist ein dunkles Labyrinth aus Fluren, Stimmen und Schatten. Skinamarink gehört zu den radikalsten Horrorfilmen der letzten Jahre, weil er fast vollständig auf klassische Handlung verzichtet und stattdessen ein Gefühl erzeugt. Die Kamera blickt auf Decken, auf dunkle Flure oder auf scheinbar leere Räume, während flüsternde Stimmen aus der Dunkelheit kommen. Dadurch wirkt das Haus plötzlich wie ein fremder Ort, obwohl es eigentlich ein ganz normales Zuhause sein müsste. Diese kindliche Perspektive verstärkt das Gefühl von Orientierungslosigkeit enorm. Die Räume werden zu einem Albtraum, der sich nicht logisch erklären lässt. Während viele Horrorfilme ihre Bedrohung zeigen, lebt Skinamarink davon, dass man nie genau weiß, was sich außerhalb des Bildrandes befindet. Das Ergebnis ist ein hypnotischer, extrem stiller Horrortrip, der sich weniger wie ein Film anfühlt als wie ein verstörender Traum.
Ein junges Paar sucht nach einem neuen Zuhause und landet in einer makellosen Vorstadtsiedlung. Reihen identischer Häuser stehen in perfekten Straßen, der Himmel wirkt künstlich blau, und der Immobilienmakler verschwindet plötzlich spurlos. Als die beiden versuchen zu gehen, merken sie schnell, dass jede Straße wieder zum selben Haus führt. Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume verwandelt die scheinbar idyllische Vorstadt in einen klaustrophobischen Albtraum. Die identischen Häuser wirken wie ein architektonisches Labyrinth, in dem jede Orientierung verloren geht. Besonders unheimlich ist dabei die sterile Ruhe dieser Umgebung. Kein Nachbar, kein Geräusch, kein Zeichen von Leben. Die Figuren sind vollkommen isoliert in einer Welt, die sich wie eine Simulation anfühlt. Dadurch entsteht ein beklemmender Kontrast zu den dunklen, minimalistischen Räumen von Skinamarink. Während dort ein Haus langsam auseinanderfällt, zeigt dieser Film eine perfekte Umgebung, die gerade wegen ihrer makellosen Ordnung unheimlich wirkt. Jesse Eisenberg und Imogen Poots spielen zwei Menschen, die begreifen, dass sie nicht einfach in ein neues Zuhause gezogen sind, sondern in eine Falle, die scheinbar nach eigenen Regeln funktioniert.
Ein Schriftsteller übernimmt über den Winter die Betreuung eines abgelegenen Berghotels. Mit seiner Frau und seinem Sohn zieht er in das riesige Gebäude ein, das während der kalten Monate komplett leer steht. Schon bald beginnt das Hotel jedoch ein Eigenleben zu entwickeln. Stanley Kubricks Shining gehört zu den berühmtesten Horrorfilmen überhaupt und ist gleichzeitig eines der eindrucksvollsten Beispiele für unheimliche Architektur im Kino. Das Overlook Hotel wirkt zunächst luxuriös und elegant, doch seine endlosen Korridore und riesigen Räume erzeugen eine Atmosphäre der Isolation. Die Kamera gleitet durch Flure, Küchen und Ballrooms, die viel zu groß wirken für die wenigen Menschen, die sich darin bewegen. Dadurch entsteht das Gefühl, dass das Gebäude selbst eine eigene Präsenz besitzt. In Shining reicht schon ein leerer Flur oder ein Teppichmuster, um ein Gefühl von Unruhe auszulösen. Kubrick nutzt Architektur hier nicht nur als Kulisse, sondern als zentrale Quelle des Horrors.
Mehrere Fremde erwachen ohne Erinnerung in einem metallischen Raum. Schnell entdecken sie, dass dieser Raum Teil eines gigantischen Würfellabyrinths ist, dessen einzelne Kammern mit tödlichen Fallen ausgestattet sind. Cube reduziert das Konzept des liminalen Raums auf eine radikale Idee: ein Gebäude ohne Außenwelt. Jede Kammer sieht identisch aus, jede Entscheidung kann tödlich sein, und niemand weiß, wer oder was dieses System gebaut hat. Die Figuren versuchen, mit Logik und Zusammenarbeit einen Ausweg zu finden, doch je länger sie durch das Labyrinth wandern, desto klarer wird, dass der Ort selbst kaum zu begreifen ist. Gerade diese sterile, industrielle Architektur erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. Die Räume wirken wie Übergänge, die nirgendwo hinführen. Dadurch entsteht ein ähnliches Gefühl der Orientierungslosigkeit wie in The Backrooms, nur dass hier jede falsche Bewegung unmittelbare Konsequenzen hat. Cube zeigt, wie effektiv Horror sein kann, wenn er sich auf ein einziges Konzept konzentriert. Das Labyrinth wird zur mathematischen Falle, in der die Figuren nicht nur gegen tödliche Mechanismen kämpfen, sondern auch gegen ihre eigene Angst.
Eine Mutter reist mit ihrer Adoptivtochter in eine abgelegene Stadt, von der das Mädchen immer wieder träumt. Nach einem Unfall verschwindet das Kind plötzlich, und die Mutter findet sich in einer verlassenen Stadt wieder, die von dichtem Nebel verschluckt wird. Silent Hill verwandelt eine ganze Stadt in einen liminalen Raum. Straßen, Schulen und Kirchen stehen leer, während Asche wie Schnee vom Himmel fällt. Die Umgebung wirkt vertraut und gleichzeitig völlig entstellt. Besonders unheimlich ist dabei die Art, wie sich die Stadt verändert. In regelmäßigen Abständen verwandelt sie sich in eine rostige, industrielle Höllenlandschaft voller Kreaturen. Diese Idee einer Umgebung, die ihre Form ständig verändert, erinnert an die surrealen Raumstrukturen von Cube. Doch während dort ein klares Labyrinth existiert, wirkt Silent Hill eher wie ein Albtraum, in dem sich Realität und Vision vermischen. Der Nebel verstärkt dieses Gefühl noch, weil er jede Orientierung verschluckt. Dadurch entsteht eine Welt, die gleichzeitig offen und klaustrophobisch wirkt - ein Ort, aus dem es scheinbar keinen Ausgang gibt.
Mike Enslin verdient sein Geld damit, angeblich verfluchte Orte zu entzaubern und ihren Spuk als Unsinn zu entlarven. Als er gegen jede Warnung in das berüchtigte Hotelzimmer 1408 eincheckt, rechnet er mit einer weiteren Enttäuschung. Stattdessen gerät er in einen Raum, der sich mit jeder Minute mehr gegen ihn wendet. 1408 ist so wirkungsvoll, weil der Film aus etwas vollkommen Alltäglichem einen seelischen Ausnahmezustand macht. Ein Hotelzimmer ist normalerweise unpersönlich, austauschbar und langweilig. Gerade deshalb sitzt der Horror hier so gut. Der Raum beginnt erst mit kleinen Verschiebungen, dann mit Angriffen auf Wahrnehmung, Erinnerung und Selbstkontrolle. Nichts fühlt sich sicher an, weil das Zimmer nicht einfach nur unheimlich ist, sondern aktiv mit seinem Bewohner arbeitet. John Cusack trägt das fast allein und hält auch die Momente zusammen, in denen die Realität längst auseinanderfällt. 1408 zeigt sehr präzise, wie klaustrophobisch ein einzelner Ort werden kann, wenn er plötzlich nicht mehr passiv bleibt, sondern seinen Besucher Stück für Stück auseinandernimmt.
In einem futuristischen Forschungszentrum wird eine junge Frau mit übersinnlichen Fähigkeiten gefangen gehalten. Ein Wissenschaftler versucht, ihre Kräfte zu kontrollieren, während sie verzweifelt nach einem Weg aus der Einrichtung sucht. Beyond the Black Rainbow gehört zu den visuell eigenartigsten Science-Fiction-Filmen der letzten Jahre. Die sterile Anlage besteht aus langen Fluren, geometrischen Räumen und farbigen Lichtinstallationen, die fast hypnotisch wirken. Diese Architektur erzeugt eine Atmosphäre, die gleichzeitig futuristisch und unheimlich ist. Die Räume wirken leer und isoliert, als existierten sie außerhalb der normalen Welt. Gerade dadurch entsteht ein Gefühl von Zeitlosigkeit, das perfekt zum Thema liminaler Räume passt. Die Figuren bewegen sich durch eine Umgebung, die eher wie ein Traum als wie ein echtes Gebäude wirkt. Beyond the Black Rainbow ist weniger ein klassischer Horrorfilm als eine audiovisuelle Erfahrung, die zeigt, wie stark Architektur allein eine bedrohliche Atmosphäre erzeugen kann.
Mitarbeiter eines mysteriösen Unternehmens lassen sich einen Chip implantieren, der ihre Erinnerungen trennt. Im Büro wissen sie nichts über ihr Privatleben, außerhalb des Gebäudes nichts über ihre Arbeit. Diese Trennung erzeugt zwei völlig unterschiedliche Identitäten. Die Serie Severance nutzt dieses Konzept, um einen der unheimlichsten Bürokomplexe der Seriengeschichte zu erschaffen. Die Arbeitsräume bestehen aus endlosen weißen Fluren, minimalistischen Büros und scheinbar sinnlosen Abteilungen. Alles wirkt steril, symmetrisch und seltsam leer. Die Figuren bewegen sich durch diese Umgebung wie in einem Labyrinth, dessen Zweck niemand wirklich versteht. Dadurch entsteht ein Gefühl von Isolation, obwohl ständig Menschen anwesend sind. Die Räume wirken wie Übergangszonen zwischen zwei Identitäten. Genau diese Mischung aus banaler Büroarchitektur und surrealer Atmosphäre erinnert stark an die künstlichen Vorstadthäuser aus Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume. Beide Werke zeigen, wie gewöhnliche Orte plötzlich unheimlich wirken können, wenn ihre Regeln nicht mehr nachvollziehbar sind.
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The Langoliers
Mehrere Passagiere schlafen während eines Flugs ein und wachen in einer völlig veränderten Situation wieder auf. Fast alle anderen Menschen sind verschwunden, und nach der Landung betreten sie eine Welt, die zwar vertraut aussieht, sich aber komplett entleert anfühlt. The Langoliers ist kein klassischer Raumhorror im engen Sinn, passt aber trotzdem gut in dieses Thema, weil der Film eine ganz bestimmte Art von Unbehagen trifft. Flughäfen, Straßen und Wartebereiche leben normalerweise von Bewegung, Geräuschen und Menschen. Wenn all das plötzlich fehlt, kippt die Wahrnehmung sofort. Genau mit diesem Effekt arbeitet der Film. Vieles daran trägt sichtbar seine Neunzigerjahre-DNA, und manche Momente haben heute ihren ganz eigenen Charme. Trotzdem bleibt diese Vorstellung unangenehm stark. Ein Transitort, der nur noch Hülle ist, wirkt plötzlich wie etwas, das nie für stillstehende Menschen gedacht war. Dadurch bekommt selbst ein gewöhnlicher Flughafen etwas Falsches. Genau dieses Gefühl von vertraut und gleichzeitig komplett verschoben macht The Langoliers hier noch immer interessant.





















































