Mit welcher Serie wir immer wieder verglichen werden – und der Vergleich ist nicht unberechtigt – ist „The Wire“. Mit zunehmender Laufzeit verstehe ich das ein bisschen besser. David Simon schreibt aus einer stark journalistischen Perspektive; seine Serie ist trockener, politischer und dichter als unsere. Wir sind mit einem sehr engen Blick auf das Börsenparkett gestartet, unsere Figuren waren jung und am Anfang ihrer Karrieren. Doch mit der Zeit sind wir – und die Serie – erwachsen geworden. Mickey und ich haben gemerkt, dass wir unsere eigenen Sorgen in die Geschichten einfließen lassen können, dass die Serie dieses zusätzliche Gewicht tragen kann. Alle zwei Jahre beginnt ein neuer Zyklus: zwölf Wochen Writer’s Room – und 18 Monate Weltgeschehen liegen hinter uns. Die Gefühle, die wir gegenüber der Welt haben wie Zynismus, die Angst vor Autoritarismus – all das sickert in die Serie. Staffel 4 hätten wir nicht schreiben können, ohne über die Tech- und Gründerwelt oder autoritäre Tendenzen zu sprechen. Diese Themen interessieren uns und passen zur Welt unserer Figuren. „Industry“ ist keine Eins-zu-eins-Abbildung der Realität. Alles ist überhöht, fast opernhaft zugespitzt. Aber eine Serie kann wahr sein, ohne dokumentarisch zu sein. Wahrheit und Realität sind nicht dasselbe im Film oder Fernsehen. „Industry“ ist vielleicht nicht hundertprozentig real – aber vollkommen wahr.
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