
10 mega-erfolgreiche Kinohits, die Kritiker absolut gehasst haben
Manchmal wirkt Kino wie ein demokratischer Faustschlag gegen die Feuilleton-Fraktion. Kritiker zerlegen Drehbücher, Tonalität, Figurenzeichnung, Schnitt, Logik und gelegentlich auch einfach alles, was zwischen Vorspann und Abspann passiert. Und dann gehen trotzdem Millionen Menschen ins Kino, kaufen Popcorn in Eimergröße und machen genau diese Filme zu globalen Megahits.
Dieser Artikel präsentiert zehn Werke, bei denen die Lücke zwischen Kritikerurteil und Einspielergebnis besonders breit klafft. Filme, die an der Kinokasse gewaltige Summen einspielten, obwohl sie von Kritikern bestenfalls müde belächelt, schlimmstenfalls mit brennender Verachtung empfangen wurden. Es ist kein Ranking der schlechtesten erfolgreichen Filme, sondern ein Blick auf Blockbuster, bei denen Publikum, Marke, Fanbindung und Marketing deutlich lauter waren als die Kritikerstimmen.
Aktueller kann ein Beispiel kaum sein: Michael (2026) , das Biopic über Michael Jackson von Regisseur Antoine Fuqua, wurde von vielen Kritikern regelrecht zerlegt und startete trotzdem wie ein Popkultur-Meteor. Am weltweiten Startwochenende spielte der Film rund 217 Millionen Dollar ein, davon etwa 97 Millionen Dollar in Nordamerika, und stellte damit einen neuen Rekord für ein Musik-Biopic auf. Der Kritikerscore bei Rotten Tomatoes lag bei Erstellung dieses Artikels bei nur 38 Prozent, während die Publikumswertung mit 97 Prozent fast an der perfekten Wertung kratzte.
Genau diese Diskrepanz macht Michael zu einem perfekten Aufhänger für diesen Artikel: Für Kritiker ist der Film offenbar zu glatt, zu vorsichtig und zu sehr auf Legendenpflege getrimmt. Er verklärt vieles, ignoriert Kontroversen und feiert lieber die Legende im Rampenlicht, als die Kamera in die dunklen Ecken zu richten. Für viele Fans scheint er aber genau das zu liefern, was sie sehen wollen: Jaafar Jackson als verblüffend echtes Michael-Abbild, große Songs, große Gesten und ein Biopic, das weniger seziert als zelebriert.
Wenn man verstehen will, warum Kritiker und Publikum manchmal in verschiedenen Universen leben, ist Transformers: Ära des Untergangs (2014) fast schon ein Lehrfilm mit zu vielen Explosionen. Der vierte Teil der Reihe spielte weltweit über 1,1 Milliarden Dollar ein, kam bei Rotten Tomatoes aber nur auf eine Kritikerwertung von 18 Prozent. Michael Bay serviert hier ein gigantisches Blechgewitter mit Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Dinobots und so viel Lärm, dass der Film zeitweise eher wie eine Metallschrottpresse mit Blockbuster-Budget wirkt.
Für Kritiker war das offenbar zu viel Spektakel auf zu wenig Fundament, doch für Autobot-Fans war es ziemlich genau das, was sie bestellt hatten: Roboter, Chaos, Pathos und keine falsche Zurückhaltung. In unserem Artikel steht der Film deshalb so weit oben, weil kaum ein Blockbuster die Formel „Kritiker hassen ihn, die Kinokasse liebt ihn“ brachialer verkörpert.
Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (2011) ist der merkwürdige Fall eines Films, der wirkt, als hätte jemand nach der abgeschlossenen Trilogie noch einmal die Schatzkarte aus der Schublade gezogen, weil irgendwo garantiert noch Gold versteckt ist. Box Office Mojo führt den weltweiten Umsatz mit rund 1,046 Milliarden Dollar, während Rotten Tomatoes den Film mit 33 Prozent abstraft. Das Problem liegt auf der Hand: Johnny Depp als Jack Sparrow bleibt eine Naturgewalt, aber ohne die ursprüngliche Dynamik mit Orlando Bloom und Keira Knightley wirkt der Film deutlich mechanischer.
Penélope Cruz und Ian McShane bringen zwar neue Energie mit, doch der Zauber der ersten Teile ist spürbar verflogen. Für Fans und Komplettisten bleibt der Film Pflicht, für alle anderen eher ein sehr teurer Beweis, dass dieses Franchise selbst im Leerlauf noch genügend Anziehungskraft besitzt. Gegenüber Transformers ist Fremde Gezeiten der leisere Kritiker-Flop: weniger Materialschlacht, mehr Kostüm, Kulisse und Jack-Sparrow-Routine. Nur ersetzt Routine eben nicht automatisch Magie.
Dinosaurier sind offenbar kritikresistenter als fast jede andere Lebensform. Jurassic World: Ein neues Zeitalter (2022) knackte weltweit knapp die Milliardenmarke und wurde damit zum massiven Publikumserfolg. Vor dem Zorn der Kritker bewahrte ihn das allerdings nicht: Bemängelt wurde vor allem, dass sich das Franchise inzwischen zu weit von seinem Ursprung entfernt habe und immer stärker auf reines CGI-Spektakel setze.
Der Film hat dennoch einiges auf der Habenseite, allen voran die Rückkehr von Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum. Für Jurassic-Jünger ist das nostalgischer Fanservice, doch Kritiker empfanden den Streifen eher als überfülltes Monstergehege, ohne dramaturgischen Fluchtplan. Die Marke war aber immer noch so stark, dass selbst ein dünnes Drehbuch nicht verhindern konnte, dass Dino-Fans an der Kinokasse Schlange standen.
Auf dem Papier hätte Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) das Superhelden-Ereignis der Dekade sein können: Batman, Superman, Wonder Woman, Zack Snyder, gigantischer Mythos, maximale Fallhöhe. Finanziell war der Film mit rund 874 Millionen Dollar weltweit ein massiver Erfolg, trotz durchwachsener Rezensionen. Der Film ist düster, wuchtig und stellenweise geradezu größenwahnsinnig, aber auch überladen, schwerfällig und erzählerisch erstaunlich unentspannt.
Für viele Kritiker war genau das aber der Knackpunkt: Der Film war so überzeugt von seiner eigenen Bedeutung, dass er unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrach. Im Vergleich zu Venom (2018), der ebenfalls auf düsteren Superheldenstoff für ein erwachseneres Publikum setzt, fehlt ihm die nötige Leichtigkeit. Batman v Superman möchte ein großes Mythendrama sein und stolpert dabei immer wieder über die eigene Ambition.
Venom (2018) ist vielleicht der sympathischste Kritiker-Flop dieser Liste, weil der Film selbst weiß, dass er kein Marvel-Hochglanzprodukt ist. Weltweit spielte er rund 856 Millionen Dollar ein, obwohl die Kritiken überwiegend negativ ausfielen. Der Hauptgrund für den Erfolg beim Publikum ist Tom Hardy, der Eddie Brock und seinen außerirdischen Mitbewohner wie eine toxische Buddy-Komödie gegen sich selbst spielt. Kritiker störten sich vor allem an der krummen Tonalität und dem wackeligen Drehbuch.
Das Publikum fand offenbar genau dieses schiefe Monster-Chaos reizvoll. Im Vergleich zu Batman v Superman oder Suicide Squad (2016) wirkt Venom nicht wie ein Film, der an seiner eigenen Größe scheitert, sondern wie ein B-Movie mit Blockbuster-Budget, das seine eigene Exzentrik feiert. Für Comic-Fans, die keine perfekte Dramaturgie brauchen, sondern einen schleimigen Antihelden mit Appetit auf Chaos sehen möchten, gilt der Film bis heute als Highlight.
The Da Vinci Code: Sakrileg (2006) ist ein Paradebeispiel dafür, wie stark eine Buchvorlage einen Film tragen kann, selbst wenn Kritiker die Adaption für misslungen halten. Ron Howards Thriller spielte weltweit rund 758 Millionen Dollar ein, obwohl die Rezensionen alles andere als positiv ausfielen. Trotzdem ist der Erfolg nachvollziehbar: Tom Hanks, religiöse Verschwörung, Louvre, geheime Symbole und ein Stoff, über den damals ohnehin jeder sprach. Als Thriller ist der Film schwerfälliger als nötig, aber als Popkultur-Phänomen war er perfekt getimt.
Für Fans von Rätselplots bleibt er interessant, für ungeduldige Zuschauer fühlt er sich dagegen an wie ein zu langer Museumsbesuch. Howard wollte den Bestseller möglichst vollständig und originalgetreu ins Kino übertragen, verlor dabei aber Tempo, Spannung und filmische Eigenständigkeit aus dem Blick. Ein riesiger Hit wurde Sakrileg trotzdem, weil der Roman-Hype damals so gewaltig war, dass der Film praktisch mit eingebauter Marketingkampagne startete.
In 2012 (2009) lässt Roland Emmerichs nicht einfach ein paar Hochhäuser einstürzen, sondern zerbröselt gleich den halben Planeten. Kritiker sahen darin vor allem ein aufgeblasenes Katastrophenspektakel mit dünnem Drehbuch, doch an der Kinokasse funktionierte genau diese Maßlosigkeit hervorragend: Weltweit spielte 2012 rund 770 Millionen Dollar ein, doch Kritiker fanden den Film längst nicht so anziehend wie das Publikum.
Wer glaubwürdige Figuren, elegante Dramaturgie oder leise Zwischentöne sucht, ist hier falsch. Wer dagegen sehen möchte, wie Kalifornien im Meer versinkt, bekommt genau das bestellte Weltuntergangsmenü. 2012 ist in dieser Liste eine Besonderheit, weil es sich weder um ein bekanntes Franchise noch um eine Fortsetzung handelt. Während Jurassic World: Ein neues Zeitalter von Dino-Nostalgie und Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten von Jack Sparrows Restmagie leben, verkauft Emmerich einfach nur eine simple Idee: Alles geht den Bach runter. Und offenbar reicht das manchmal völlig aus.
Suicide Squad (2016) hatte vor allem eines: einen verdammt wirkungsvollen Auftritt nach außen. Die Trailer, die Musik, die Neon-Ästhetik und Margot Robbies Harley Quinn machten den Film schon vor der Premiere zum Gesprächsthema. Weltweit kam der DC-Film am Ende auf rund 747 Millionen Dollar, obwohl Rotten Tomatoes ihn mit nur 26 Prozent Kritikerzustimmung führt. Dass der Film trotzdem so erfolgreich wurde, lag vor allem an der Marketingkampagne, die deutlich besser war als der Film selbst.
Im Vergleich zu James Gunns späterem The Suicide Squad (2021) fehlt David Ayers Film der rote Faden. Ayer selbst hat in Interviews mehrfach beklagt, dass Warner Bros. ihm den Film aus der Hand gerissen und massiv verändert habe. Dass der Film auch fast zehn Jahre später noch Gesprächsthema ist, liegt vor allem am Mythos des „Ayer Cut“: Bis heute fordern Fans jene Fassung, die Ayers ursprünglicher Vision entspricht.
New Moon: Biss zur Mittagsstunde (2009) ist ein weiterer Beweis dafür, dass Kritiker bei Fan-Phänomenen oft nur Zaungäste sind. Der zweite Twilight-Film spielte weltweit rund 710 Millionen Dollar ein und profitierte massiv vom Hype um Kristen Stewart, Robert Pattinson und Taylor Lautner. Interessant ist dabei nicht nur, dass die Kritiken sehr durchwachsen ausfielen. Der Film wurde auch mit reichlich Häme überschüttet, weil viele den Eindruck hatten, hier werde ein Teenie-Märchen mit einer Bedeutungsschwere aufgeladen, als ginge es nicht um glitzernde Vampire, sondern um die Neuvermessung der menschlichen Seele.
Für Kritiker und Hater war New Moon zu bleiern und zu melodramatisch, für die Zielgruppe aber offenbar emotionales Hochkonzentrat. Im Gegensatz zu 2012 oder Transformers verkauft der Film kein Spektakel, sondern Sehnsucht. Sehr viel Sehnsucht. Vielleicht zu viel Sehnsucht. Aber an der Kinokasse hat die “Overdose of Desire” bestens funktioniert.
































































