
Warum „The Shards“ als unverfilmbar galt – und wie die Serie schließlich doch gelang
Viele hatten die Hoffnung bereits aufgegeben, dass The Shards (2026) überhaupt noch das Licht der Welt erblicken würde. Obwohl der gleichnamige Roman von Bret Easton Ellis, auf dem die Serie basiert, bereits kurz nach seiner Veröffentlichung als Stoff für eine Adaption gehandelt wurde, erwies sich die tatsächliche Umsetzung als Herkulesaufgabe. Mehrere namhafte Filmemacher wurden mit dem Projekt in Verbindung gebracht, kreative Visionen kamen und gingen – bis Ryan Murphy schließlich das Projekt übernahm. Und er könnte genau der Richtige für eine Geschichte sein, die sich um Luxus, Täuschung und Mord dreht.
Worum es in „The Shards“ geht – und warum der Stoff so schwer zu adaptieren ist
Mit „The Shards“ meldete sich Bret Easton Ellis im Jahr 2023 mit seinem ersten Roman seit über einer Dekade zurück – und konnte sofort an seine Erfolge von einst anknüpfen. Weltberühmt wurde der Autor durch Werke wie „Less Than Zero“, „The Rules of Attraction“ und vor allem „American Psycho“, die ihn zu einem der einflussreichsten US-Schriftsteller der Gegenwart machten. Dabei kreist Ellis immer wieder um ähnliche Themen: Es geht um exzessiven Hedonismus und Gewalt, um Nihilismus und die emotionale Leere privilegierter junger Menschen der US-amerikanischen Oberschicht.
Die Motive finden sich auch in seinem aktuellen Buch: „The Shards“ spielt im Jahr 1981 an einer Elite-Privatschule in Los Angeles und folgt einem 17-jährigen Schüler namens Bret – einer fiktionalisierten Version des Autors selbst. Er will sein letztes Schuljahr gemeinsam mit seinen ebenfalls reichen Freunden in vollen Zügen genießen, mit schnellen Autos, exklusiven Partys und teuren Dinnern. Doch als der geheimnisvolle neue Schüler Robert Mallory auftaucht, ist Brets Misstrauen geweckt. Gleichzeitig hält ein brutaler Serienmörder, der sogenannte „Trawler“, die Stadt in Atem.
Was als Highschool-Geschichte in luxuriösen Hollywoodkreisen beginnt, entwickelt sich so zunehmend zu einer versponnenen Erzählung voller Obsessionen, Paranoia und immer wieder aufblitzender Gewalt. Nicht zuletzt diese delikate Mixtur aus autobiografischen Elementen, Coming-of-Age-Drama und Serienmördermotiv dürfte wohl dazu beigetragen haben, dass „The Shards“ zum Bestseller wurde – und zugleich so schwer zu adaptieren ist. Denn der Roman entwickelt sich darüber nicht etwa zu einem gewöhnlichen Thriller: Bret Easton Ellis erzählt aus der Perspektive eines bewusst unzuverlässigen Erzählers und lässt viele zentrale Ereignisse im Ungewissen. Was auf dem Papier von seiner Mehrdeutigkeit lebt, verlangt auf dem Bildschirm aber oft nach klareren Bildern und läuft dadurch Gefahr, jene Ambivalenzen zu verlieren, die den Reiz des Romans ausmachen.
Warum das Projekt fast gescheitert ist – und wie Ryan Murphy an Bord kam
Allerdings schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Bereits im Frühjahr 2023 sicherte sich HBO die Rechte an einer Serienadaption. Bret Easton Ellis sollte die Serie nicht nur als Executive Producer begleiten, sondern schrieb für die ursprüngliche HBO-Version auch die ersten beiden Episoden. Dabei war The Shards (2026) längst nicht Ellis’ erster Ausflug nach Hollywood: Schon Unter Null (1987), American Psycho (2000) und Die Regeln des Spiels (2002) basierten auf Romanen des US-Autors.

Für zusätzliche Euphorie sorgte der Autor wenig später selbst. In einem Interview mit der spanischen Zeitung „El Independiente“ verriet Ellis, dass Luca Guadagnino als Regisseur vorgesehen sei. Das klang nach einem Glücksfall, schließlich ist der italienische Regisseur bekannt für sinnliche Inszenierungen queerer Stoffe (Call Me by Your Name, 2017), hat aber mit Filmen wie Bones and All (2022) und After the Hunt (2025) bewiesen, dass ihm Horrorszenarien und die Demontage gesellschaftlicher Fassaden ebenso liegen. Luca Guadagnino verließ das Projekt allerdings wieder.
Anfang 2024 wurde dann bekannt, dass stattdessen der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli übernehmen sollte. Betrachtet man dessen bisheriges Werk, wäre The Shards (2026) vermutlich in eine deutlich andere Richtung gegangen. Schon in Sick of Myself (2022) sezierte Kristoffer Borgli den Narzissmus einer jungen Generation, die Aufmerksamkeit über alles stellt, während er in The Drama (2026) – seiner düsteren Satire mit Zendaya und Robert Pattinson – erneut Doppelmoral und Eitelkeiten gut situierter urbaner Milieus ins Visier nimmt. Es liegt daher nahe, dass seine Version weniger von schwelgerischer Atmosphäre als von einer scharfzüngigen Analyse privilegierter Schichten durchdrungen gewesen wäre.
Doch auch diese Version sollte nie realisiert werden. Immer wieder war von kreativen Neuausrichtungen die Rede, während die Produktion weiter verschoben wurde. Gleichzeitig machten in Branchenkreisen allerdings Gerüchte die Runde, Jacob Elordi sei als Hauptdarsteller im Gespräch – offiziell bestätigt wurde seine Verpflichtung allerdings nie.
Der vorläufige Tiefpunkt folgte dann Anfang 2025. Bret Easton Ellis erklärte öffentlich, dass HBO das Projekt in der bisherigen Form nicht weiterverfolgen werde, nachdem es zu kreativen Differenzen gekommen sei. Gegenüber „The Hollywood Reporter“ sprach der Autor von einer „frustrierenden Erfahrung“ und beklagte, dass sich die Serie im Laufe der Entwicklung immer weiter von seiner Vision entfernt habe. Für viele Beobachterinnen und Beobachter schien das Projekt endgültig gescheitert zu sein.
Lange blieb dieser Eindruck allerdings nicht bestehen. Nur wenige Monate später folgten Branchenmeldungen dazu, dass Ryan Murphy die Adaption übernehmen werde. Das Projekt wechselte damit zu „FX“, Bret Easton Ellis blieb als Executive Producer an Bord – und aus einem tot geglaubten Projekt wurde plötzlich ein vielversprechender Plan.
Warum „The Shards“ so gut zu Ryan Murphy passt
Tatsächlich gibt es derzeit kaum einen Showrunner, dessen Werk thematisch so nah an Bret Easton Ellis’ liegt. Beide interessieren sich seit Jahrzehnten für die dunklen Seiten von Luxus, Reichtum, Erfolg – und immer wieder für Figuren, die hinter makellosen Fassaden mit Einsamkeit, Obsessionen, Sucht und auch Gewalt zu tun haben.
Ellis’ Roman erzählt von jungen Menschen, deren luxuriöser Alltag zunehmend von der Angst vor einem Serienmörder, von Paranoia und Verbrechen überschattet wird. Dieses Wechselspiel aus Schönheit und Schrecken, aus Exzess und Grausamkeit gehört seit Langem zu Ryan Murphys erzählerischer Handschrift. Bereits in Produktionen wie Nip/Tuck (2003–2010) sowie den Anthologie-Formaten American Horror Story (seit 2011), American Crime Story (seit 2016) und Feud (seit 2017) führte Ryan Murphy immer wieder den Glamour wohlhabender Milieus mit dem Grauen zusammen.
Ganz ohne Risiko ist die Kombination allerdings nicht, denn Ryan Murphy neigt zunehmend dazu, stilistische Opulenz und provokante Schockmomente höher zu gewichten als die psychologische Tiefe seiner Figuren – mit The Beauty (2025) zeigte sich dies besonders deutlich. Eine solche Herangehensweise wäre für The Shards problematisch. Denn Bret Easton Ellis’ Roman lebt gerade nicht von den plakativen Gewaltausbrüchen, sondern von den Leerstellen und der ständigen Unsicherheit darüber, was überhaupt real ist.
Das Casting deutet im Vorfeld immerhin auf eine gewisse Offenheit für Meta-Spielereien hin. Mit Kaia Gerber in der Rolle von Susan Reynolds und Homer Gere als dem geheimnisvollen Robert Mallory, besetzt Murphy ausgerechnet die Kinder von Cindy Crawford und Richard Gere für eine Serie über privilegierte Jugendliche. Der anhaltende „Nepo-Baby“-Diskurs wird dadurch gewissermaßen selbst Teil der Inszenierung.









