
Oscar-Gewinner 2026: Wo Sie „One Battle After Another“ & Co. sehen können
Am Ende war es dann doch irgendwie ziemlich offensichtlich: Die 98. Academy Awards hatten eine relativ klare Linie. Ein Film dominierte den Abend und ging als großer Gewinner hervor, einige Kategorien bestätigten mehr oder weniger die Favoriten der vergangenen Filmsaison. Ein paar Entscheidungen sorgten dann doch für Diskussionen.
Talkshow-Legende Conan O’Brien führte als Gastgeber mit dem von ihm gewohnten selbstironischem Humor durch die Show – und, wir sind ja in Hollywood: natürlich gab es auch einige emotionale Momente, etwa das In-Memoriam-Segment (musikalisch begleitet von Barbra Streisand) und mehrere historische Premieren bei den Preisträgern. Vor allem aber war es die Nacht von One Battle After Another – und ein schlechter Abend für Marty Surpreme.
Best Picture – „One Battle After Another“
Der wichtigste Oscar des Abends ging an den Film, der sich über Monate hinweg immer mehr wie das Zentrum dieser Awards-Season angefühlt hatte. Paul Thomas Andersons One Battle After Another, lose inspiriert von Thomas Pynchons Roman Vineland, ist ein großes, politisches Kino. Dass der Film am Ende als Bester Film ausgezeichnet wurde, fühlte sich weniger wie eine Überraschung an als wie die logische Schlusspointe einer langen Preis-Saison. Schon seit Monaten kursierte er als der „Academy-Film“ dieses Jahres. Am Ende standen sechs Oscars auf der Bilanz. Wenn Hollywood sich einmal entscheidet, ein Werk wirklich zu krönen, dann oft so.
Best Actress – Jessie Buckley („Hamnet“)
Als erste Irin überhaupt, die den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewinnt, schrieb Jessie Buckley an diesem Abend ein kleines Stück Academy-Geschichte. Hamnet erzählt die Geschichte von Shakespeares Familie aus der Perspektive seiner Frau Agnes und konzentriert sich auf den Verlust ihres Sohnes – ein Ereignis, das später indirekt in Hamlet weiterlebt. Chloé Zhao inszeniert den Film als stilles, fast meditatives Historiendrama, das weniger an klassischen Shakespeare-Stoff erinnert als an eine intime Studie über Trauer und Erinnerung. Jessie Buckleys Darstellung einer Mutter, deren Welt nach diesem Verlust aus den Fugen gerät, war schon seit den ersten Festivalvorführungen einer der großen Kritikerlieblinge der Saison.
Dass sie am Ende gewann, galt daher lange als wahrscheinlich. Ihr Moment auf der Bühne gehörte entsprechend zu den emotionalsten des Abends. Buckley sprach über Mutterschaft, über ihre eigene Familie und über die „chaotische Schönheit des Mutterherzens“.
Best Actor – Michael B. Jordan („Sinners“)
Nein, es wurde am Ende doch nicht Timothée Chalamet und Marty Surpreme. Ryan Cooglers Sinners ist ein düsterer Thriller über moralische Verantwortung und strukturelle Gewalt. Michael B. Jordan spielt darin eine Figur, die zwischen persönlicher Schuld und gesellschaftlichem System gefangen ist. Sein Sieg war eine der größeren Überraschungen des Abends. Viele Branchenbeobachter hatten Timothée Chalamet für Marty Supreme oder Leonardo DiCaprio für One Battle After Another vorne gesehen. Gerade Chalamet galt lange als Favorit – seine Rolle als exzentrischer Tischtennis-Champion war eines der meistdiskutierten Performances des Jahres. Dass Jordan schließlich gewann, wurde als Zeichen gewertet, dass die Academy stärker auf zeitgenössische Themen und politisch aufgeladene Rollen reagiert. Oder war es am Ende doch Chalamets Opernkritik, die ihm die Gunst der Jury nahm?
Best Supporting Actress – Amy Madigan („Weapons“)
Für einen der überraschenderen Momente des Abends sorgte Amy Madigan mit ihrem Sieg für Weapons. Das Drama blickt auf eine amerikanische Kleinstadt nach einer Gewalttat und verfolgt, wie sich Schuld, Angst und moralische Spannungen langsam durch eine ganze Gemeinschaft ziehen. Madigan spielt darin eine Figur, die zwischen Loyalität und Verantwortung steht – jemand, der spürt, dass Schweigen vielleicht einfacher wäre, aber eben nicht richtig. In der Kategorie galten mehrere jüngere Schauspielerinnen als wahrscheinlicher, während Madigan eher als Außenseiterin gehandelt wurde. Am Ende entschied sich die Academy offenbar für genau das, was ihre Performance ausmacht: eine klassische, unaufgeregte, aber enorm präzise Charakterrolle.
Best Supporting Actor – Sean Penn („One Battle After Another“)
Viele Beobachter hatten in dieser Kategorie eher mit Benicio del Toro oder Delroy Lindo gerechnet, die beide ebenfalls für One Battle After Another beziehungsweise Sinners stark gehandelt wurden. Am Ende setzte sich jedoch Sean Penn durch – was angesichts der generellen Dominanz von One Battle After Another an diesem Abend wiederum nicht allzu überraschend war.
Penn spielt in Andersons Film eine charismatische, politisch schwer greifbare Figur – jemand, der gleichzeitig idealistisch und manipulativ wirkt. Eine Rolle, die perfekt in das moralisch graue Universum des Films passt. Kurios: Penn selbst war bei der Zeremonie gar nicht vor Ort. Berichten zufolge hielt er sich zu diesem Zeitpunkt in der Ukraine auf, weshalb der Oscar stellvertretend entgegengenommen wurde.
Best Director – Paul Thomas Anderson („One Battle After Another“)
Der Oscar-Reigen ging weiter für One Battle After Another. Spätestens mit dem Regie-Oscar wurde endgültig klar, dass die Academy Andersons Film als das zentrale Werk des Jahres betrachtete. Sein Film verbindet politische Themen, Action-Elemente und ein großes Ensemble zu einem komplexen narrativen Geflecht. Ryan Coogler (Sinners) galt zwar als ernsthafte Konkurrenz, doch letztlich setzte sich das klassische Autorenkino durch.
Best Animated Feature – „KPop Demon Hunters“
Der Animationsfilm erzählt von einer K-Pop-Girlgroup, die ein Doppelleben führt: tagsüber globale Popstars, nachts Dämonenjägerinnen. Eine ziemlich irrwitzige Mischung aus Musikfilm, Fantasy-Action und Popkultur-Spektakel – und genau das machte den Film so auffällig in diesem Jahrgang.
Der Sieg kam daher nicht völlig überraschend. KPop Demon Hunters war sowohl kommerziell erfolgreich als auch visuell und stilistisch deutlich eigenständiger als viele seiner Konkurrenten. Wirklich historisch wurde der Moment jedoch durch etwas anderes: Mehrere der beteiligten Künstler schrieben Oscar-Geschichte, weil erstmals südkoreanische Filmschaffende in diesen Kategorien ausgezeichnet wurden – ein kleiner, aber symbolisch ziemlich bedeutender Moment für die internationale Filmindustrie.
Best International Feature – „Sentimental Value“
Wenig überraschend ging der Oscar für den besten internationalen Film an Sentimental Value. Joachim Triers Film ist genau das Kino, das in dieser Kategorie traditionell stark ist: ein ruhiges, präzise beobachtetes Familiendrama über Erinnerung, Kunst und die komplizierten emotionalen Linien zwischen Eltern und Kindern. Seit den ersten Festivalpremieren wurde Sentimental Value entsprechend als einer der Favoriten gehandelt. Dass die Academy ihn schließlich auszeichnete, wirkte deshalb weniger wie eine Überraschung als wie eine Entscheidung, die sich über Monate hinweg langsam abgezeichnet hatte.
Best Documentary Feature – „Mr Nobody Against Putin“
Die Dokumentation Mr Nobody Against Putin begleitet einen russischen Lehrer, der öffentlich gegen staatliche Propaganda auftritt. In einer Zeit geopolitischer Spannungen wirkte der Sieg fast wie eine politische Stellungnahme der Academy.
Best Original Screenplay – „Sinners“ (Ryan Coogler)
Sinners entpuppte sich als zweiter großer Gewinner des Abends. Das Drehbuch kombiniert Thriller-Struktur mit sozialpolitischem Kommentar. Viele Kritiker sahen genau darin die größte Stärke des Films. Dass Sinners zumindest in dieser Kategorie gewann, wurde daher fast erwartet.
Best Adapted Screenplay – „One Battle After Another“ (Paul Thomas Anderson)
Paul Thomas Andersons Drehbuch zu One Battle After Another verbindet literarische Motive mit politischen Themen und formt daraus ein dichtes Ensemble-Narrativ. Der Film, lose inspiriert von Thomas Pynchons Roman Vineland, bewegt sich dabei zwischen persönlicher Figurenbeobachtung und größerem politischen Panorama.
Schon während der Awards-Season galt das Drehbuch als eine der zentralen Stärken des Films. Entsprechend wurde Anderson in dieser Kategorie häufig als Favorit genannt. Die Auszeichnung fügte sich daher nahtlos in die Dynamik des Abends ein, an dem One Battle After Another insgesamt sechs Oscars gewann. Der Preis für das adaptierte Drehbuch war damit weniger eine Überraschung als eine weitere Bestätigung der starken Position des Films in diesem Jahrgang.
Best Cinematography – „Sinners“ (Autumn Durald Arkapaw)
Dieser Preis gehörte zu den markantesten Momenten des Abends. Autumn Durald Arkapaw gewann für Sinners den Oscar für die beste Kamera – als erste Frau überhaupt in dieser Kategorie und zugleich als erste Schwarze Gewinnerin. Entsprechend stark war die Reaktion im Saal: langer Applaus und Standing Ovations für einen historischen Moment bei den Academy Awards.
Best Visual Effects – „Avatar: Fire and Ash“
James Camerons Franchise bleibt weiterhin der technische Maßstab für digitale Effekte. Der Sieg galt praktisch als sicher. In den großen Kategorien spielte Avatar: Fire and Ash hingegen keine Rolle, aber diese Trophäe, so der Konsens, verdiente sich die Regie-Legende Cameron durchaus.
Best Sound – „F1“
F1 war insgesamt mehrfach nominiert – unter anderem auch für den besten Film, den Schnitt und die visuellen Effekte – ging am Ende jedoch nur in dieser technischen Kategorie mit einem Oscar nach Hause. Der Rennfilm überzeugte vor allem durch sein besonders immersives Sounddesign. Motoren, Geschwindigkeit und räumliche Dynamik werden so präzise hörbar gemacht, dass man das Gefühl hat, direkt auf der Strecke zu stehen. In einer Kategorie, die traditionell von Action- und Sportfilmen dominiert wird, war F1 daher ein logischer Gewinner.
Best Production Design, Costume Design und Make-Up – „Frankenstein“
Guillermo del Toros Neuinterpretation des klassischen Monsterstoffs Frankenstein dominierte die handwerklichen Kategorien rund um Design. Mit seinem opulenten Szenenbild, den detailreichen Kostümen und dem aufwendigen Make-up entwickelte der Film eine ausgeprägte Gothic-Ästhetik, die stark an klassische Monsterfilme erinnert, gleichzeitig aber modern inszeniert ist.
Dass Frankenstein in diesen Kategorien gleich mehrfach ausgezeichnet wurde, kam daher kaum überraschend. Schon im Vorfeld galt der Film in den Design-Sparten als einer der klaren Favoriten. Die Oscars für Production Design, Kostüme und Make-up bestätigten letztlich genau das: dass del Toros Film visuell zu den auffälligsten Produktionen dieses Jahrgangs gehörte.
Best Film Editing – „One Battle After Another“
Auch beim Schnitt setzte sich der große Gewinner des Abends durch. Andy Jurgensen hielt das komplexe Geflecht aus Figuren, politischen Ideen und parallel laufenden Handlungssträngen zusammen. Gerade bei einem Film, der so stark zwischen persönlicher Geschichte und größerem politischen Panorama pendelt, entscheidet der Rhythmus des Schnitts darüber, ob das Ganze funktioniert. Dass die Academy diese Arbeit ebenfalls auszeichnete, fügte sich nahtlos in die Dominanz von One Battle After Another an diesem Abend.
Best Original Score – „Sinners“
Neben Andersons Film war Sinners der zweite große Gewinner der Nacht. Einen wichtigen Anteil daran hatte Ludwig Göranssons Musik. Sein Score arbeitet mit dunklen Klangflächen und pulsierenden Rhythmen, die die moralisch aufgeladene Atmosphäre des Films ständig weiter antreiben. Keine klassische, große Hollywood-Melodie – eher ein Sound, der Spannung aufbaut und lange hält. Dass die Academy diese Arbeit würdigte, überraschte daher kaum.
Best Original Song – „Golden“
Mit „Golden“ aus KPop Demon Hunters gewann auch der eingängigste Song des Abends einen Oscar. Der Track verbindet klassische Popproduktion mit deutlichen K-Pop-Einflüssen und wurde schon vor der Verleihung millionenfach gestreamt. Der Sieg unterstrich noch einmal, wie stark der Film insgesamt wahrgenommen wurde – und wie selbstverständlich internationale Popkultur inzwischen auch bei den Oscars angekommen ist.
Best Casting – „One Battle After Another“
Eine der jüngeren Kategorien der Oscars ging ebenfalls an One Battle After Another. Casting-Direktorin Cassandra Kulukundis stellte ein Ensemble zusammen, das große Stars mit starken Nebenrollen verbindet und dem Film seine besondere Dynamik gibt. Bei einem Film, der so stark über seine Figuren funktioniert, war diese Auszeichnung wenig überraschend.
Best Animated Short – „The Girl Who Cried Pearls“
In der traditionell schwer vorhersehbaren Kurzfilm-Kategorie setzte sich The Girl Who Cried Pearls durch. Der animierte Kurzfilm erzählt eine poetische Geschichte über Verlust und Erinnerung und überzeugte vor allem durch seinen eigenwilligen visuellen Stil.
Best Live Action Short – „The Singers“ / „Two People Exchanging Saliva“
Für einen der kurioseren Momente des Abends sorgte diese Kategorie: Es gab einen Gleichstand. Sowohl The Singers als auch Two People Exchanging Saliva wurden mit dem Oscar ausgezeichnet. Solche Ties sind bei den Oscars selten und sorgen jedes Mal für einen kurzen Moment Verwirrung auf der Bühne.
Best Documentary Short – „All the Empty Rooms“
Der Dokumentar-Kurzfilm All the Empty Rooms beschäftigt sich mit den leeren Kinderzimmern, die nach tödlichen Schulschießereien zurückbleiben. Der Film erzählt diese Geschichten bewusst ruhig und ohne große Inszenierung – gerade deshalb traf der Moment auf der Bühne viele Zuschauer sichtbar emotional.





















































